Hölzerner See: Warum ein DDR-Ferienlager seinen Namen wechselte

Trinkwasser kam auf einem Planwagen, gekocht wurde in einer Feldküche, gegessen im großen Speisezelt. So beschreibt die Chronik die Anfänge der Kindererholung am Hölzernen See 1949. Der Ferienort südlich von Berlin begann unter einfachen Bedingungen. Anfang 1950 erhielt die Siemens-Plania AG, der spätere VEB Elektrokohle Lichtenberg, den Auftrag, hier ein Kinderferienlager einzurichten.

Die Anlage hieß zunächst „Enver Hodja“, nach dem damaligen politischen Führer Albaniens. Anfang der 1960er Jahre änderte sich das Verhältnis zwischen Albanien und der Sowjetunion. Laut Betreiberchronik folgte darauf auch die Umbenennung des Lagers: Nun trug es den Namen des polnischen Generals „Swierczewski-Walter“. Ein Konflikt zwischen Staaten reichte damit bis in die Bezeichnung eines Ferienortes in Brandenburg hinein.

Mich interessiert daran, wie politische Vorbilder in den Alltag von Kindern gelangten. Ein Lagername steht auf Briefen, Wimpeln und Erinnerungsstücken. Er gehört zur Adresse, die man den Eltern nennt. Ob die Kinder wussten, weshalb ein Name verschwand und ein anderer an seine Stelle trat, lässt sich daraus nicht ablesen. Sichtbar wird aber, wer über solche öffentlichen Ehrungen bestimmte und wie veränderlich sie waren.

Auch die Unterkünfte wandelten sich. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden weitere feste Gebäude und technische Anlagen. Aus dem einfachen Anfang entwickelte sich ein ausgebauter Ferienstandort. Nach 1990 gelang sein Erhalt: 1994 erwarb der Landkreis Dahme-Spreewald die Flächen mit einer Bindung an die Kinder- und Jugenderholung; ein gemeinnütziger Verein übernahm die Trägerschaft.

Heute bietet das KiEZ Hölzerner See wieder Feriencamps an. Im Namen steht inzwischen die Landschaft selbst. Das passt zu einem Ort, dessen Geschichte über seine wechselnden Namensgeber hinausreicht. Wer dort Ferien verbrachte, kann sich an Menschen und Erlebnisse erinnern, während alte Dokumente zugleich von den politischen Erwartungen erzählen, die diesen Sommern einen Rahmen gaben.