Jena – Ehrlichkeit statt Zweckoptimismus: Was Bürger jetzt erwarten dürfen!


Wenn Jenas Oberbürgermeister sagt, man rechne in etwa zwei Jahren mit einem wirtschaftlichen Aufschwung, klingt das zunächst beruhigend. Die Frage ist nur: Worauf gründet sich diese Erwartung? Und wie belastbar ist sie angesichts einer Welt, die in den vergangenen Jahren kaum eine Prognose eingehalten hat?

Politik hat die Aufgabe, Zuversicht zu vermitteln. Sie hat aber ebenso die Pflicht, offen über Unsicherheiten zu sprechen. Gerade in Zeiten knapper Kassen, wachsender Sozialausgaben, wirtschaftlicher Schwäche und demografischer Veränderungen reicht es nicht mehr aus, auf einen künftigen Aufschwung zu verweisen. Bürger haben Anspruch auf eine ehrliche Einschätzung der Lage.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können. Pandemie, Energiekrise, Inflation, internationale Konflikte und wirtschaftliche Stagnation haben viele Gewissheiten erschüttert. Wer heute behauptet, in zwei Jahren werde es wieder aufwärtsgehen, kann das hoffen. Wissen kann er es nicht.

Deshalb wäre es angemessener zu sagen: Wir setzen auf eine wirtschaftliche Erholung, bereiten uns aber gleichzeitig darauf vor, dass sie ausbleiben oder später eintreten könnte. Genau dafür werden jetzt Entscheidungen getroffen.

Die eigentliche Verantwortung politischer Führung besteht nicht darin, optimistische Erwartungen zu formulieren. Sie besteht darin, Chancen und Risiken gleichermaßen zu benennen. Bürger sind mündig genug, mit Unsicherheit umzugehen. Was sie eher irritiert, sind Versprechen oder Erwartungen, die später von der Realität eingeholt werden.

Gerade in Jena, wo gleichzeitig über Sparzwänge, den Rückgang von Kinderzahlen, den Umgang mit Infrastruktur und die zukünftige Stadtentwicklung diskutiert wird, braucht es eine Debatte, die sich weniger an Hoffnungen orientiert als an belastbaren Fakten. Optimismus kann ein politischer Antrieb sein. Er darf aber nicht zum Ersatz für eine nüchterne Bestandsaufnahme werden.