Wer erinnert sich noch an den Konsum um die Ecke?

Die kleine Ladentür klingelte fast jedes Mal, wenn jemand eintrat. Ein kurzes, helles Geräusch, das im ganzen Raum zu hören war. Hinter dem Tresen standen die Verkäuferinnen, die viele Kunden längst beim Namen kannten. Manche Menschen kamen fast täglich vorbei – auf dem Heimweg von der Arbeit, nach der Schule oder einfach, weil noch etwas fehlte: ein Brot, eine Flasche Milch, ein Stück Butter oder ein paar Bonbons für die Kinder.

Im Laden lag ein ganz eigener Geruch in der Luft. Oft mischte sich der Duft von frisch gemahlenem Kaffee mit dem Aroma von Brot und Brötchen. Dazu kam der leichte Geruch von Bohnerwachs, wenn der Boden gerade gewischt worden war. Die Regale waren nicht immer gleich gefüllt. Manchmal standen sie dicht an dicht mit Waren, manchmal wirkten sie etwas lückig. Doch die meisten wussten genau, wann neue Lieferungen kamen – und dann lohnte es sich, kurz vorbeizuschauen.

Viele Waren wurden noch über den Tresen gereicht. Die Verkäuferin nahm das Gewünschte aus dem Regal oder aus einer Kiste hinter sich und legte es auf die Waage oder direkt in die Einkaufstasche. Bezahlt wurde meist bar. Währenddessen wechselte man ein paar Worte. Es ging um das Wetter, um Neuigkeiten im Ort oder um das, was gerade im Betrieb oder in der Nachbarschaft passiert war.

Der Konsum war mehr als nur ein Laden. Für viele Menschen war er ein fester Bestandteil des Alltags. Hier traf man Nachbarn, Bekannte oder Kollegen. Man blieb kurz stehen, wechselte ein paar Sätze und ging dann wieder weiter. Gerade in kleineren Orten war der Konsum ein Ort, an dem man sich fast zwangsläufig begegnete.

Viele erinnern sich noch an bestimmte Dinge, die es dort gab: lose Bonbons aus dem Glas, saure Gurken aus dem Fass, Schokolade hinter der Theke oder die berühmten Tüten mit gemischten Süßigkeiten. Für Kinder war der kleine Einkauf oft schon ein Erlebnis.

Wer erinnert sich noch an den Konsum oder die HO im eigenen Ort? Und was habt ihr dort früher am liebsten gekauft?

Katharina Thalbach bei Gaus: Von der Utopie und der Fremdheit im Westen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Sie musste sich nie emanzipieren, weil sie gar nicht wusste, dass sie unfrei sein sollte. Teaser: Wenn Katharina Thalbach über ihre Jahre in der DDR spricht, dann fehlt jeder Ton der Bitterkeit. Im Gespräch mit Günter Gaus, geführt 1996, beschreibt sie eine Jugend im Schatten des Berliner Ensembles, geprägt von der Strenge Helene Weigels und dem Geist Bertolt Brechts. Doch viel spannender ist ihr Blick auf das normale Leben: Für Thalbach war die Gleichberechtigung der Frau keine erkämpfte Errungenschaft, sondern gelebter Alltag. Arbeit, Kinder, Unabhängigkeit – das war die Basis, auf der sie stand. Der Kulturschock folgte erst mit dem Wechsel in den Westen im Jahr 1976. Plötzlich traf sie auf eine Gesellschaft, die Emanzipation erst theoretisch diskutieren musste. Thalbachs Beobachtungen sind dabei so scharf wie unaufgeregt. Sie beschreibt das westliche Theater als oft ich-bezogen, während die Kunst im Osten eine politische Dringlichkeit besaß, eine Art geheime Kommunikation zwischen Bühne und Publikum. Sie hat die DDR verlassen, aber die Utopie einer gerechten Gesellschaft, die ihr dort „anerzogen“ wurde, hat sie mitgenommen. Berlin ist für sie Mitte der Neunzigerjahre eine große Baustelle, und genau diesen Zustand liebt sie. Das Unfertige, das Offene ist ihr lieber als der satte Stillstand. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: War Kunst in der DDR wichtiger als im Westen? Teaser: Für Katharina Thalbach ist die Antwort eindeutig. Im Rückblick auf ihre Arbeit in Ost-Berlin und ihren Wechsel in die Bundesrepublik 1976 zeichnet sie einen interessanten Vergleich der Systeme. Im Osten war das Theater politisch aufgeladen, eine „Geheimsprache“, die von oben und unten verstanden wurde. Jedes Wort auf der Bühne hatte Gewicht, weil es Reibung erzeugte. Im Westen dagegen erlebte sie eine Kulturszene, die oft mehr mit sich selbst beschäftigt war als mit gesellschaftlichen Fragen. Die Relevanz, die Schwere der Kunst, sie fehlte ihr. Thalbachs Analyse aus dem Jahr 1996 ist keine Ostalgie, sondern eine kulturelle Bestandsaufnahme: Was geht verloren, wenn Kunst nicht mehr Reibungsfläche sein muss, sondern nur noch Ware sein darf? Die Schauspielerin bleibt skeptisch gegenüber einem System, das allein auf Verkäuflichkeit setzt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Entmündigung gab es in beiden Systemen, nur die Methoden waren verschieden. Teaser: Katharina Thalbach macht es sich nicht leicht mit dem Urteil über die DDR und die Bundesrepublik. Dem Osten wirft sie vor, die Menschen zu ihrem Glück zwingen zu wollen – eine klare Entmündigung. Doch auch den Westen spricht sie nicht frei. Hier geschehe die Entmündigung subtiler, verdeckt durch Konsum und scheinbare Freiheit. Ihr Fazit ist das einer Beobachterin, die sich ihre Utopien nicht nehmen lässt, auch wenn die Realität sie selten einlöst.