Kaderschmiede der NVA: Ein Blick in die Militärakademie „Friedrich Engels“ in Dresden

Dresden, eine Stadt, die nach 1945 Ort der ersten antifaschistisch-demokratischen Landesregierung war, wurde 1959 zum Sitz der höchsten militärischen Lehreinrichtung der DDR – der Militärakademie „Friedrich Engels“. Diese Akademie leistet mit der Erziehung hochqualifizierter militärischer Kader ihren Beitrag zur Verteidigung der Revolution. Erfolge der Arbeit werden mit höchsten staatlichen und militärischen Auszeichnungen gewürdigt.

Offiziere im Hörsaal
Für mehrere Jahre tauschen in der Praxis bewährte Offiziere ihren Platz in Kasernen und Ausbildungsstätten mit dem Hörsaal, um sich auf höhere Aufgaben als Kommandeure, Politarbeiter und Stabsoffiziere vorzubereiten. Die Offiziershörer gehören während ihres Studiums zur Stadt und ihren Bewohnern.

Die Erwartungen an das Studium sind vielfältig:
• Aneignung eines wissenschaftlichen Arbeitsstils, um selbständig Probleme zu erfassen und zu erschließen und später schöpferisch in der Truppenpraxis anzuwenden.
• Erlangung nicht nur militärischen Wissens, sondern auch neuer, echter Freundschaften.
• Verbesserung militärfachlicher Kenntnisse sowie Kenntnisse auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften.

Die Herkunft der Offiziershörer ist unterschiedlich; sie kommen unter anderem aus Schützentruppenteilen, Aufklärungstruppen oder Grenztruppen. Auch Offiziere der polnischen Volksarmee studierten an der Akademie.

Lehre, Forschung und Praxisbezug
Das Studium zielt darauf ab, eine solide politische und militärakademische Bildung zu vermitteln. Weltanschauliche Grundpositionen werden untermauert, ganz im Sinne des Zitats, dass die entschiedensten Kommunisten die couragiertesten Soldaten waren, das Friedrich Engels zugeschrieben wird. Die militärische Pflicht wird selbstverständlich als Klassenauftrag der Partei verstanden. Die deutsch-sowjetische Waffenbrüderschaft und die Freundschaft zwischen den sozialistischen Völkern und Armeen bestimmen Denken, Fühlen und Handeln.

Die Akademie betrachtet die umfangreichen neuen Anforderungen zur Erhöhung der Kampfkraft und Gefechtsbereitschaft als direkte Herausforderung für ihre Tätigkeit in Erziehung, Lehre und Forschung. Die Durchsetzung der Wissenschafts- und Hochschulpolitik der Partei und der Befehle des Ministers für Nationale Verteidigung sind dabei ausschlaggebend. Ein gemeinsames Verständnis des Lehrkörpers für die Bedeutung des wissenschaftlichen Vorlaufs wird als Schlüsselfrage betrachtet.

Lehr- und Forschungsmethoden umfassen traditionelle Planbesprechungen, aber auch den Einsatz moderner Rechentechnik und computergestützte Ausbildung. Praxisnahe Simulationen, etwa einer Luftlage in der Sektion Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, vermitteln reale Vorstellungen möglicher Kampfhandlungen. Die Beherrschung automatisierter Führungssysteme erfordert schnelles und exaktes Denken im Dialog mit moderner Technik. Ein Höhepunkt des Studiums ist das Kriegsspiel, ein „ernstes Spiel“, bei dem Offiziershörer aller Sektionen mit realen Bedingungen konfrontiert werden. Dabei wird auch die zentrale Rechenstation zur Berechnung der Gefechtsmöglichkeiten und zur Erarbeitung optimaler Varianten einbezogen. In der Sektion Landstreitkräfte hat die Ausbildung im Gelände ein spezielles Gewicht.

Wissenschaftliche Arbeit hat einen hohen Stellenwert. Publikationen, Anschauungstafeln, Modelle und wissenschaftliche Exponate gehören dazu. Die Militärakademie verfügt über eine Bibliothek mit 250.000 Büchern, Mikrofiches und 500 Periodika zu Geschichte, Weltstand und Entwicklungstendenzen in Gesellschaft und Militärwesen. Ein Gipfelpunkt wissenschaftlicher Bemühungen ist die Promotion. Die meisten Promotionen vor dem wissenschaftlichen Rat der Militärakademie führen zum akademischen Grad eines Doktors der Militärwissenschaften, aber auch Promotionen zum Dr. phil. und Dr.-Ing. sind möglich. Forschungsergebnisse sollen in der gesellschaftswissenschaftlichen Weiterbildung der Offiziere und der Traditionsarbeit genutzt werden. Viele Dissertationen und Neuerungen werden in enger Kooperation mit der Industrie bearbeitet.

Zusammenarbeit und Erholung
Die Akademie pflegt engen Kontakt zu Bruderarmeen und deren Akademien durch Austausch von Lektoren. Auch zu zivilen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie zur Industrie bestehen enge Kontakte. Im Patenbetrieb begegnen sich keine Fremden, was ein Merkmal der Armee und ihrer Geschichte ist.

Neben Lehre und Forschung gibt es vielfältige Möglichkeiten für Erholung und Entspannung. Gäste vom Staatstheater der Garnisonsstadt treten auf.

Abschluss und Zukunft
Nach dreijährigem Studium erfolgt die Diplomvergabe. Die Absolventen sind aufgefordert, sich in ihrem Verantwortungsbereich mit all ihrem Wissen und Können und revolutionärer Leidenschaft an die Spitze des Kampfes um eine weitere Erhöhung der Kampfkraft, Gefechts- und Einsatzbereitschaft zu stellen, damit diese unter neuen Kampfbedingungen immer vollwertig ist.

Die erworbenen Kenntnisse befähigen zur Arbeit in höheren Kommandeursdienststellungen. Zukünftige Aufgaben umfassen Positionen wie Stabschef einer Schiffsabteilung, Stellvertreter des Kommandeurs für Technik und Bewaffnung eines Truppenteils, Stellvertreter des Kommandeurs für politische Arbeit in einem Artillerieregiment oder Stellvertreter des Kommandeurs für Ausbildung eines Truppenteils.

Bei einem traditionellen Empfang im Staatsrat durch Genossen Erich Honecker wird das Versprechen bekräftigt, welches die Absolventen bei der Entgegennahme ihrer Diplome gaben: „Ich diene der deutschen demokratischen Republik“.

Die Absolventen der Militärakademie, erkennbar am roten Akademieabzeichen, sind überall in den Führungsorganen der Landesverteidigung zu finden und prägen das militärische Geschehen der DDR.

Blut an der Strumpfhose – Der hohe Preis der DDR-Billigware

A) PROFIL AP: Der Blick auf die deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte offenbart oft pragmatische Verflechtungen, die im Alltag der damaligen Zeit kaum sichtbar waren. Konsumenten erwarben Möbel oder Kleidung im niedrigen Preissegment, ohne die Herkunft der Waren im Detail zu hinterfragen oder die Produktionsbedingungen in der DDR zu kennen. Es war ein Handel, der auf einer klaren ökonomischen Logik basierte: Devisen gegen günstige Produkte. Für die Menschen, die in den Haftanstalten der DDR, wie etwa in Hoheneck, an der Herstellung dieser Güter beteiligt waren, stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Ihre Biografien sind eng mit den Produkten verknüpft, die im Westen als Schnäppchen galten. Die Berichte von Zeitzeugen über die Arbeitsnormen und den Druck in den Fabriken innerhalb der Gefängnismauern zeichnen ein Bild, das im Kontrast zur bunten Werbewelt der westdeutschen Prospekte steht. Die heutige Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Während einige Konzerne den Dialog suchen und Verantwortung übernehmen, ziehen sich andere auf juristische Positionen zurück. Für die Betroffenen ist diese Haltung oft schwer verständlich, da die Anerkennung des Erlebten eine wichtige Rolle im Verarbeitungsprozess spielt. Die Geschichte der deutsch-deutschen Ökonomie ist somit nicht nur eine Geschichte von Zahlen und Verträgen, sondern auch eine von individuellen Schicksalen, die bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Schweigen mancher Akteure überdauert die politische Wende. B) SEITE AP: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR waren dichter, als es die politische Rhetorik des Kalten Krieges oft vermuten ließ. Ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen war die sogenannte Gestattungsproduktion, bei der westdeutsche Unternehmen in der DDR fertigen ließen. Dies geschah nicht selten unter Einbeziehung von Häftlingen in Strafvollzugsanstalten. Organisiert durch die Kommerzielle Koordinierung und das Ministerium für Staatssicherheit, entstand ein System, von dem schätzungsweise 6.000 westliche Firmen profitierten. Das Ziel war rein ökonomisch: Die DDR benötigte dringend konvertierbare Währung, westdeutsche Handelsketten und Versandhäuser suchten nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiteten, spielten in den Geschäftsbeziehungen meist keine dokumentierte Rolle. In der aktuellen Debatte um Unternehmensverantwortung wird deutlich, dass dieses Kapitel noch nicht geschlossen ist. Der unterschiedliche Umgang der beteiligten Firmen mit ihrer Historie – von der Einrichtung von Entschädigungsfonds bis hin zur strikten Ablehnung jeglicher Verantwortung – prägt die Diskussion. Historische Aufarbeitung erweist sich hier als ein langwieriger Prozess, der über die reine Akteneinsicht hinausgeht. C) SEITE JP: Die Produktion von Konsumgütern für den westdeutschen Markt in DDR-Gefängnissen ist ein historisches Faktum, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Um Devisen zu erwirtschaften, setzte die DDR-Führung gezielt Häftlinge ein, um Lieferverträge mit westlichen Konzernen zu erfüllen. Betroffene berichten von hohem Arbeitsdruck und gesundheitlichen Folgen, während die Produkte in westdeutschen Regalen landeten. Die Reaktionen der heute noch existierenden Unternehmen auf diese Vergangenheit variieren stark. Während Schritte wie die Einrichtung von Härtefallfonds als positive Beispiele der Aufarbeitung gelten, verweisen andere Firmen auf Verjährung oder fehlende direkte Zuständigkeit. Diese Diskrepanz zwischen historischer Realität und unternehmerischer Aufarbeitung belastet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Opfern und den profitierenden Strukturen bis heute. Die Geschichte zeigt, dass ökonomische Entscheidungen auch Jahrzehnte später noch eine moralische Dimension besitzen.

Blut an der Strumpfhose – Der hohe Preis der DDR-Billigware

A) PROFIL AP: Der Blick auf die deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte offenbart oft pragmatische Verflechtungen, die im Alltag der damaligen Zeit kaum sichtbar waren. Konsumenten erwarben Möbel oder Kleidung im niedrigen Preissegment, ohne die Herkunft der Waren im Detail zu hinterfragen oder die Produktionsbedingungen in der DDR zu kennen. Es war ein Handel, der auf einer klaren ökonomischen Logik basierte: Devisen gegen günstige Produkte. Für die Menschen, die in den Haftanstalten der DDR, wie etwa in Hoheneck, an der Herstellung dieser Güter beteiligt waren, stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Ihre Biografien sind eng mit den Produkten verknüpft, die im Westen als Schnäppchen galten. Die Berichte von Zeitzeugen über die Arbeitsnormen und den Druck in den Fabriken innerhalb der Gefängnismauern zeichnen ein Bild, das im Kontrast zur bunten Werbewelt der westdeutschen Prospekte steht. Die heutige Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Während einige Konzerne den Dialog suchen und Verantwortung übernehmen, ziehen sich andere auf juristische Positionen zurück. Für die Betroffenen ist diese Haltung oft schwer verständlich, da die Anerkennung des Erlebten eine wichtige Rolle im Verarbeitungsprozess spielt. Die Geschichte der deutsch-deutschen Ökonomie ist somit nicht nur eine Geschichte von Zahlen und Verträgen, sondern auch eine von individuellen Schicksalen, die bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Schweigen mancher Akteure überdauert die politische Wende. B) SEITE AP: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR waren dichter, als es die politische Rhetorik des Kalten Krieges oft vermuten ließ. Ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen war die sogenannte Gestattungsproduktion, bei der westdeutsche Unternehmen in der DDR fertigen ließen. Dies geschah nicht selten unter Einbeziehung von Häftlingen in Strafvollzugsanstalten. Organisiert durch die Kommerzielle Koordinierung und das Ministerium für Staatssicherheit, entstand ein System, von dem schätzungsweise 6.000 westliche Firmen profitierten. Das Ziel war rein ökonomisch: Die DDR benötigte dringend konvertierbare Währung, westdeutsche Handelsketten und Versandhäuser suchten nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiteten, spielten in den Geschäftsbeziehungen meist keine dokumentierte Rolle. In der aktuellen Debatte um Unternehmensverantwortung wird deutlich, dass dieses Kapitel noch nicht geschlossen ist. Der unterschiedliche Umgang der beteiligten Firmen mit ihrer Historie – von der Einrichtung von Entschädigungsfonds bis hin zur strikten Ablehnung jeglicher Verantwortung – prägt die Diskussion. Historische Aufarbeitung erweist sich hier als ein langwieriger Prozess, der über die reine Akteneinsicht hinausgeht. C) SEITE JP: Die Produktion von Konsumgütern für den westdeutschen Markt in DDR-Gefängnissen ist ein historisches Faktum, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Um Devisen zu erwirtschaften, setzte die DDR-Führung gezielt Häftlinge ein, um Lieferverträge mit westlichen Konzernen zu erfüllen. Betroffene berichten von hohem Arbeitsdruck und gesundheitlichen Folgen, während die Produkte in westdeutschen Regalen landeten. Die Reaktionen der heute noch existierenden Unternehmen auf diese Vergangenheit variieren stark. Während Schritte wie die Einrichtung von Härtefallfonds als positive Beispiele der Aufarbeitung gelten, verweisen andere Firmen auf Verjährung oder fehlende direkte Zuständigkeit. Diese Diskrepanz zwischen historischer Realität und unternehmerischer Aufarbeitung belastet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Opfern und den profitierenden Strukturen bis heute. Die Geschichte zeigt, dass ökonomische Entscheidungen auch Jahrzehnte später noch eine moralische Dimension besitzen.