Thomas Rühmann präsentiert den Frühjahrsspielplan des „Theater am Rand“

Das Theater am Rand, bekannt für seine intime Atmosphäre und besondere Inszenierungen, startet mit einem abwechslungsreichen Programm in die neue Saison. Schauspieler und Theaterleiter Thomas Rühmann stellte die Höhepunkte des Frühjahrsspielplans vor und betonte dabei nicht nur die künstlerische Vielfalt, sondern auch eine nachhaltige Neuerung: Eine Photovoltaikanlage versorgt das Theater nun mit eigenem Strom.

Ein vielseitiges Programm mit musikalischen und literarischen Akzenten

Zu den künstlerischen Höhepunkten des Frühjahrsspielplans gehören zahlreiche Konzerte und Theaterstücke, die unterschiedliche Genres und Stile vereinen. Alle Infos gibt es hier: PROGRAMM

Musikliebhaber dürfen sich auf Ulla Meinecke und Wenzel freuen, der am 1. Mai mit zwei Konzerten auftritt. Auch Susanne Janssen ist mit ihrem Jazz-Trio zu Gast und präsentiert am 2. Mai „Feeling Good“. Zwei Projekte rund um den verstorbenen Liedermacher Gerhard Gundermann setzen musikalische Akzente mit gesellschaftspolitischer Tiefe.

Die Schauspielkunst kommt ebenfalls nicht zu kurz. „Zwischen Welten“ von Julie Tse mit Annette Renneberg und Holger Demgen steht ebenso auf dem Programm wie „Die Skizze eines Sommers“ mit Isabel Gerschke und Christian Nähte. Auch Improvisation wird großgeschrieben: Rühmann selbst beteiligt sich an „Nie oder Jetzt“, einem Abend, an dem kein Satz vorab festgelegt ist.

Shakespeare in neuer Form
Besonders spannend dürften die beiden Shakespeare-Projekte werden. „Macbeth in der Küche“ verspricht eine ungewöhnliche Herangehensweise an das klassische Drama, während „Hamlet“ in reduzierter Form mit nur drei Schauspielern aufgeführt wird, die alle Rollen übernehmen.

Nachhaltigkeit als Teil der Theaterkultur
Neben der Kunst steht in diesem Jahr auch Nachhaltigkeit im Fokus. Eine neue Photovoltaikanlage, gefördert vom Land Brandenburg, sorgt dafür, dass das Theater seinen gesamten Strombedarf selbst decken kann. „Die Sonne sorgt dafür, dass wir spielen können“, so Rühmann begeistert. Zudem wurden Heizelemente in den Sitzreihen und unter dem Parkett installiert, die das Theater umweltfreundlich wärmen.

Mit diesem innovativen Schritt setzt das Theater am Rand ein Zeichen für nachhaltige Kultur und zeigt, dass Kunst und Umweltbewusstsein Hand in Hand gehen können.

Das Frühjahrsprogramm bietet also nicht nur künstlerische Vielfalt, sondern auch eine nachhaltige Zukunftsperspektive für das Theater. Ein Besuch lohnt sich – sowohl für Kulturbegeisterte als auch für all jene, die Theater auf eine neue, zukunftsweisende Weise erleben wollen. Alle Infos gibt es hier: PROGRAMM

Staatliche Repression und ihre Folgen für zwei Ost-Biografien

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal entscheidet ein einziger Tag darüber, ob man Opfer oder Täter wird, wenn ein Staat beschließt, dass man nicht mehr dazugehört. Teaser: Nadja Klier war 15 Jahre alt, als sie ihre Heimat verlor. Nicht freiwillig, sondern durch staatlichen Zwang. Als Tochter der Bürgerrechtlerin Freya Klier wurde sie 1988 über Nacht aus ihrem Leben in Ost-Berlin gerissen und in den Westen abgeschoben. Was politisch wie eine Lösung aussah, war für die Jugendliche ein traumatischer Bruch: keine Freunde mehr, keine vertraute Umgebung, nur Fremde. Zur gleichen Zeit saß Ingo Hasselbach in einem DDR-Gefängnis. Er war als „Rowdy“ verhaftet worden, weil er gegen sein linientreues Elternhaus rebellierte. Doch statt ihn zu brechen, formte ihn der Knast neu. In den Zellen traf er auf Alt-Nazis, die den jungen Mann radikalisierten. Der Hass auf den SED-Staat wurde zum Motor für eine neue, rechtsextreme Ideologie. Während Nadja im Westen versuchte, Boden unter den Füßen zu bekommen, bereitete sich Hasselbach darauf vor, im Machtvakuum der Wendezeit Neonazi-Strukturen aufzubauen. Es sind zwei Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch denselben Ursprung haben. Sie erzählen von der Unbarmherzigkeit eines Systems, das keine Abweichung duldete, und von den langen Schatten, die diese Erziehungsmethoden bis heute werfen. Die Narben bleiben sichtbar, auch wenn die Mauern längst gefallen sind. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dass Gefängnisse in der DDR oft als Brutstätten für Rechtsextremismus fungierten, widersprach der offiziellen Staatsdoktrin, war aber bittere Realität. Teaser: Die Biografien von Nadja Klier und Ingo Hasselbach stehen exemplarisch für das Versagen der DDR-Pädagogik und die Härte des staatlichen Zugriffes. Während Klier als Jugendliche 1988 zwangsausgesiedelt wurde, weil ihre Mutter Freya Klier Reformen forderte, durchlief Hasselbach eine Radikalisierung im Strafvollzug. Historisch interessant ist hierbei der Mechanismus der Haftanstalten. Hasselbach, ursprünglich wegen unpolitischer Delikte („Rowdy“) inhaftiert, kam dort in Kontakt mit NS-Kriegsverbrechern. Der staatlich verordnete Antifaschismus verhinderte eine offene Auseinandersetzung mit diesem Phänomen; stattdessen wuchs im Verborgenen eine Szene heran, die nach 1989 gewaltbereit das öffentliche Bild dominierte. Hasselbachs Weg vom Häftling zum Anführer der „Nationalen Alternative“ und sein späterer Ausstieg über EXIT-Deutschland zeichnen diese Entwicklung präzise nach. Es zeigt sich, wie staatliche Repression Dynamiken freisetzen kann, die später kaum noch kontrollierbar sind. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Eine Abschiebung ist kein Umzug, und ein Gefängnis ist keine Schule – beides sind Orte, an denen Biografien brechen. Teaser: Wir sprechen oft über die Wende als Moment der Befreiung. Für Nadja Klier war das Jahr 1988 bereits das Ende ihrer Kindheit, erzwungen durch die Ausbürgerung aus der DDR. Für Ingo Hasselbach waren die Wendejahre der Startschuss für organisierte Gewalt. Diese Gleichzeitigkeit von Verlust und Radikalisierung wirft Fragen auf. Wie geht eine Gesellschaft damit um, dass der Staat manche Kinder vertrieb und andere zu Extremisten erzog? Die Aufarbeitung dieser individuellen Brüche ist oft komplexer als die rein historische Betrachtung von Daten und Fakten. Die Spuren dieser Jahre verblassen nur langsam.