Ausschüsse im Thüringer Landtag – von AfD bis BSW ist alles dabei!

Im Thüringer Landtag haben sich der Europaausschuss, der Justizausschuss, der Petitionsausschuss und der Haushalts- und Finanzausschuss konstituiert. Darüber hinaus trat der Ältestenrat zum ersten Mal in der achten Wahlperiode zusammen und verständigte sich zu den kommenden Sitzungsterminen. Die nächsten Plenarsitzungen finden vom 13. bis 15. November 2024 und vom 11. bis  13. Dezember 2024 statt.

Landtagspräsident Dr. Thadäus König: „Mit der Konstituierung des Thüringer Landtags hat das Parlament seine Arbeit für die achte Wahlperiode aufgenommen. Mit den heutigen Konstituierungen sind auch die ersten Ausschüsse arbeitsfähig. Es gibt viel zu tun. Die Ausschüsse beraten Gesetzesentwürfe, bearbeiten die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, kontrollieren Regierungshandeln und diskutieren Vorhaben der Europäischen Union, die Thüringen betreffen. Sie klären rechtliche Fragen des Parlamentes und stellen die Weichen für den Haushaltsplan des Landes. Sie sind die Werkstätten der Demokratie. Ihre Arbeit ist Grundlage der parlamentarischen Debatte.“

Folgende Ausschüsse haben sich konstituiert und einen Vorsitz gewählt:

Europaausschuss

Vorsitzender:  Dr. Frank Augsten (BSW)
Stellvertreter:  Dr. Jens Dietrich (AfD)
Mitglieder:      Jens Cotta (AfD)
Lennart Geibert (CDU)
Matthias Hey (SPD)
Marcel Kramer (AfD)
Katja Mitteldorf (Die Linke)
Jörg Prophet (AfD)
Marion Rosin (CDU)
Andreas Schubert (Die Linke)
Jonas Urbach (CDU)
Anke Wirsing (BSW)

Foto: Thüringer Landtag

Petitionsausschuss

Vorsitzende:       Nadine Hoffmann (AfD)
Stellvertreterin:  Claudia Heber (CDU)
Mitglieder:         Nina Behrent (BSW)
Thomas Benninghaus (AfD)
Jane Croll (CDU)
Torsten Czuppon (AfD)
Marek Erfurth (AfD)
Ralph Hutschenreuther (BSW)
Linda Stark (Die Linke)
Jens Thomas (Die Linke)
Stephan Tiesler (CDU)
Dr. med. Cornelia Urban (SPD)

Foto: Thüringer Landtag

Haushalts- und Finanzausschuss

Vorsitzender:   Maik Kowalleck (CDU)
Stellvertreter:  Alexander Kästner (BSW)
Mitglieder:      Jan Abicht (AfD)
Jens Cotta (AfD)
Ulrike Große-Röthig (Die Linke)
Ronald Hande (Die Linke)
Ulrike Jary (CDU)
Dieter Laudenbach (AfD)
Janine Merz (SPD)
Brunhilde Nauer (AfD)
Dr. Wolfgang Weißkopf (CDU)
Katja Wolf (BSW)

Justizausschuss

Vorsitzender:   Stefan Möller (AfD)
Stellvertreter:  Christoph Zippel (CDU)
Mitglieder:      Ulrike Große-Röthig (Die Linke)
Ralph Hutschenreuther (BSW)
Alexander Kästner (BSW)
Beate Meißner (CDU)
Ringo Mühlmann (AfD)
Anja Müller (Die Linke)
Vivien Rottstedt (AfD)
Stefan Schard (CDU)
Katharina Schenk (SPD)
Sascha Schlösser (AfD)

Zwischen Appell und Abenteuer: Die Rolle der Pioniere im DDR-Schulalltag

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es war oft kalt auf dem Schulhof, wenn am Montagmorgen die Trommel den Takt vorgab und hunderte Kinderstimmen im Chor antworteten. Teaser: Wer in der DDR aufwuchs, für den war das blaue und später das rote Halstuch selten eine Frage der freien Wahl. Eltern unterschrieben den Aufnahmeantrag meist nicht aus glühender Überzeugung für den Sozialismus, sondern aus einem pragmatischen Schutzinstinkt heraus: Das eigene Kind sollte nicht abseitsstehen, es sollte dazugehören, ins Ferienlager fahren dürfen, keine Nachteile in der Schule haben. Es war oft der erste Kompromiss mit der Macht, den man stellvertretend für die nächste Generation schloss, wohlwissend, dass eine Weigerung das Kind zum Außenseiter machen würde. Der Alltag in der Pionierorganisation war dabei eine komplexe Mischung aus militärischem Appell und echter Gemeinschaft. Während der Fahnenappell Disziplin und Unterordnung unter das Kollektiv trainierte, boten die Arbeitsgemeinschaften, die Altstoffsammlungen und die Pioniernachmittage Erlebnisse, die viele in warmer Erinnerung behalten haben. Der Staat verstand es geschickt, die natürliche Begeisterungsfähigkeit von Kindern für seine Zwecke zu nutzen. Er bot Ressourcen, Technik-AGs und günstige Ferienplätze und band so Loyalität durch organisierte Freizeit. Das Gefühl von „Wir“ war real, auch wenn der Rahmen ideologisch gesetzt war. Doch hinter den Bastelstraßen und der „Timur-Hilfe“ stand stets der Anspruch auf den ganzen Menschen. Man lernte früh, dass es eine offizielle Sprache für die Schule und eine private Sprache für den Küchentisch gab. Diese Einübung in die Doppelmoral funktionierte so lange, bis die Rituale im Jahr 1989 plötzlich hohl klangen und die Organisation fast geräuschlos implodierte. Heute liegen die Tücher oft noch in Kisten auf Dachböden, sauber gefaltet, als stille Archive einer Kindheit, die politisch war, selbst wenn sie sich spielerisch anfühlte. Die Symbole sind verschwunden, die Prägung durch das Kollektiv wirkt in den Lebensläufen nach. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine Quote von fast 98 Prozent Mitgliedschaft lässt sich nicht allein mit Begeisterung erklären, sondern verweist auf ein System, das Abweichung kaum duldete. Teaser: Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ war weit mehr als ein Freizeitverein; sie war die zentrale Sozialisationsinstanz der DDR, die direkt nach der Einschulung griff. Historisch betrachtet sicherte sich der Staat durch die fast lückenlose Erfassung der Kinder den Zugriff auf die nächste Generation. Der Mechanismus war dabei subtil: Es gab keinen gesetzlichen Zwang per Paragraf, aber einen immensen gesellschaftlichen Druck. Wer sich verweigerte, riskierte die soziale Isolation und spätere Bildungsnachteile – ein Preis, den nur wenige Eltern bereit waren zu zahlen. Das System arbeitete mit einer effektiven Mischung aus Forderung und Förderung. Einerseits wurden Kinder durch Fahnenappelle und Uniformierung an militärische Strukturen, Hierarchien und Gehorsam gewöhnt. Andererseits bot die Organisation Ressourcen, die attraktiv waren: Ferienlager, Technik-AGs und das Gefühl von Gemeinschaft. Diese Ambivalenz macht die rückblickende Bewertung oft schwierig, da echte Erlebnisse und politische Indoktrination untrennbar miteinander verwoben waren. Als die staatliche Autorität 1989 erodierte, verschwanden auch die blauen und roten Halstücher in rasender Geschwindigkeit aus dem Straßenbild. Die Organisation, die auf dem Papier Millionen Mitglieder zählte, löste sich auf, weil sie am Ende nur noch eine Hülle war. Auf den Schulhöfen blieb eine Stille zurück, die den Beginn einer neuen Zeit markierte, in der die alten Gewissheiten keine Gültigkeit mehr besaßen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wie viel Einfluss darf ein Staat auf die Erziehung nehmen, bevor aus Bildung Indoktrination wird? Teaser: Die Geschichte der Pioniere in der DDR ist das Protokoll einer frühen Vereinnahmung. Kinder lernten nicht nur das „Immer bereit“, sondern auch die Kunst, ihre wahre Meinung hinter einer Fassade der Konformität zu verbergen. Das öffentliche Bekenntnis wurde zur Eintrittskarte für den sozialen Aufstieg, während Zweifel ins Private verbannt wurden. Diese Schule der zwei Gesichter prägte eine ganze Generation nachhaltig. Der Opportunismus wurde belohnt, das Ausscheren bestraft. Es ist eine Erfahrung, die Biografien formte, weit über das Ende des Staates hinaus, der sie einst einforderte. Die Rituale sind Geschichte, doch das Wissen um den Preis der Anpassung bleibt bestehen.