Historiker Kowalczuk hält Sahra Wagenknecht für nicht weniger gefährlich als Björn Höcke

Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker und Autor, warnt im Tagesspiegel vor der möglichen Entwicklung eines autoritären Staatssystems in Deutschland. Er sieht Walter Ulbricht, den ehemaligen Politbürochef der SED, als indirekten Einflussfaktor für den Erfolg der AfD und des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) in den neuen Bundesländern. Kowalczuk argumentiert, dass die autoritären und illiberalen Vorstellungen, die durch die DDR geprägt wurden, weiterhin bestehen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Prägung trage zur Sympathie für autoritäre Führungsmodelle wie die von Victor Orbán oder Wladimir Putin bei.

Kowalczuk beschreibt die politische Haltung der DDR-Bürger als illiberal und autoritär, was er als Hintergrund für die Stärke von AfD und BSW ansieht. Er hebt hervor, dass der sogenannte „Freiheitsschock“ – die negative Reaktion auf die Realität nach der Wende – zu einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Westen geführt habe. Dieses Misstrauen und die Enttäuschung über die Realität nach der Wiedervereinigung hätten zu einer Ablehnung und Distanz gegenüber westlichen Demokratien beigetragen.

Im Vergleich zu westlichen Ländern zeigt Kowalczuk, dass Ostdeutsche oft radikalere Positionen einnehmen, was er als Vorwegnahme allgemeiner globaler Entwicklungen betrachtet. Er vergleicht dies mit dem Erfolg der rechtspopulistischen Parteien in anderen westlichen Demokratien, die ebenfalls unter dem Druck globaler Unsicherheiten leiden.

Kowalczuk sieht sowohl AfD als auch BSW als gefährlich an, da beide autoritäre und illiberale Staatsvorstellungen vertreten. Er unterstreicht, dass AfD und BSW versuchen, Deutschland aus dem westlichen Verteidigungsbündnis zu lösen und die Europäische Union zu destabilisieren. Trotz der Unterschiede zwischen den Parteien – wie etwa dem völkischen Nationalismus der AfD im Vergleich zu den sozialpolitischen Ansätzen des BSW – gibt es viele Berührungspunkte, die eine mögliche Kooperation in der Zukunft nicht ausschließen.

Er kritisiert auch die CDU, insbesondere deren Ministerpräsidenten wie Michael Kretschmer, für die mangelnde Klarheit in der Abgrenzung zur AfD und der möglichen Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit ihr. Kowalczuk warnt, dass die liberale Demokratie unter erheblichem Druck steht und eine Entwicklung hin zu einem autoritären System, ähnlich dem in Ungarn, wahrscheinlich sei. Die fortwährende Bedrohung durch extremistische Parteien könne die Verteidigung der Demokratie erschweren.

Die Semantik der Eskalation: Warum wir uns im Netz nur noch anschreien

Teaser: Wer heute durch seine Timeline scrollt, blickt oft in einen Abgrund aus unversöhnlichem Hass. Auf der einen Seite fliegt die „Nazi-Keule“, auf der anderen wird alles als „links-grün versifft“ beschimpft. Doch diese Verrohung ist kein Zufall. Eine soziologische Tiefenbohrung zeigt, wie psychologische Ekel-Reflexe und algorithmische Belohnungssysteme unsere Debattenkultur gezielt zerstören.

Generation Gleichschritt: Ein Ostdeutscher rechnet mit der westlichen Moral-Elite ab

Teaser (Social Media / Newsletter) Ralf Schuler wollte eigentlich Regisseur werden, doch die DDR schickte ihn ins Glühlampenwerk. Heute ist er einer der schärfsten Kritiker des westdeutschen Medien-Mainstreams. Im Interview rechnet der NIUS-Politikchef mit der „Generation Gleichschritt“ ab, zieht Parallelen zwischen Woke-Kultur und SED-Propaganda und erklärt, warum er sich noch nie in einem Politiker so getäuscht hat wie in Friedrich Merz. Ein Gespräch über Herkunft, Haltung und den unbestechlichen Blick des Ostens.

Bärbel Bohley und die Entstehung der Opposition in der DDR

Journalistischer Text - Seite (Teaser) Die Entscheidung zur Rückkehr in ein geschlossenes System Ein schmuckloses Dokument und der Wille einer einzelnen Frau standen gegen den Apparat eines ganzen Staates. Ich betrachte diesen Lebensweg und sehe, wie Bärbel Bohley im August 1988 eine Entscheidung traf, die für viele Außenstehende kaum nachvollziehbar war. Anstatt im sicheren Westen zu bleiben, kehrte sie in die DDR zurück, wohlwissend, dass dort erneute Überwachung und Gängelung auf sie warteten. Diese individuelle Haltung, im Land zu bleiben, um es zu verändern, erscheint mir als der eigentliche Kern des späteren Umbruchs. Es fällt auf, dass die Gründung des Neuen Forums im Herbst 1989 kein spontaner Akt war, sondern die Folge dieser beharrlichen Vorarbeit. Wenn ich auf den 9. November blicke, sehe ich nicht nur die jubelnde Masse an der Grenze, sondern auch die Pressekonferenz in einem Hinterhof, bei der Bohley die Legalität der Opposition verkündete. Es waren diese kleinen, fast unsichtbaren Momente der Organisation, die das Fundament für die friedliche Revolution legten.

Der Preis der Freiheit: Von der Grenze nach Bautzen II

HOOK - Profil Fluchtversuch endet im Kugenhagel Zwei Männer verlassen den Campingplatz unter dem Vorwand, Pilze zu suchen, während ihre Frauen zum Einkaufen fahren. Fünfzehn Kilometer später stehen sie im Niemandsland an der tschechischen Grenze, bevor Schüsse die Stille durchbrechen. TEASER JP (Reflektierend) Wenn die Freiheit lebensgefährlich wird Der Plan scheint perfekt durchdacht, die Route über die Grenze sorgfältig gewählt und das Werkzeug bereitgelegt. Doch im entscheidenden Augenblick im September 1983 entscheiden nicht mehr die eigenen Vorbereitungen, sondern die Reaktionen der Grenzposten über Leben und Tod. Gerhard Valdiek erlebt nach einem gescheiterten Fluchtversuch die Härte des DDR-Strafvollzugs in Bautzen II, isoliert in einer engen Zelle. Für manche, die diesen Weg wählten, wurde die Ungewissheit der Haft zur eigentlichen Prüfung, während das Warten auf einen möglichen Freikauf durch den Westen zur einzigen verbleibenden Hoffnung wurde. TEASER Coolis (Neutral) Vom Grenzstreifen in die Isolationshaft Im September 1983 versuchen zwei Männer, über die Tschechoslowakei in den Westen zu gelangen, werden jedoch im Grenzgebiet entdeckt und beschossen. Einer von ihnen ist Gerhard Valdiek, der schwer verletzt festgenommen und an die Staatssicherheit übergeben wird. Nach seiner Verurteilung wegen Republikflucht verbüßt Valdiek eine Haftstrafe im Gefängnis Bautzen II. Dort muss er unter strengen Sicherheitsvorkehrungen Zwangsarbeit im Schichtdienst leisten. Erst im Juni 1984 erfolgt im Rahmen eines Häftlingsfreikaufs durch die Bundesrepublik Deutschland seine Abschiebung in das Notaufnahmelager Gießen, woraufhin wenige Wochen später auch seine Familie ausreisen darf.