Was wäre es für ein Segen, wenn wir das Wissen der Bürger nutzen würden!

Sind denn Nachrichten noch zeitgemäß oder besteht eigentlich keine Notwendigkeit mehr, dass sich Menschen informieren. Und wenn ja, worüber müsste man Menschen informieren. Ganz speziell in diesem Falle geht es um Jena. Also um die Informationen, die eine Stadtgesellschaft angehen. Ist die Information nur noch zum Konsum verkommen oder erweckt der Frust am Konsum dann doch einen neuen Aktionismus. Wieviel Macht hat man mit Informationen, vor allem mit denen man große Reichweite erzielen kann. Danach scheint sich jedenfalls aktuell alles auszurichten. Alle ballern irgendwas raus, meistens dass, was man sowieso schon weiß oder was eher nach Marketing und PR riecht. Die Selbstdarstellung und die Präsentation von Ergebnissen führen dabei die Listen der Veröffentlichungen an. Das mag vielleicht noch mit Information zu tun zu haben, aber ansonsten ist dort kein Mehrwehrt erkennbar.

Zeitungen scheint niemand mehr zu brauchen, ja regelrecht verhöhnt man noch die Letzten die versuchen auf ihre Art und Weise Menschen zu informieren, bevor sie völlig in der PR Welt ersticken. Viele Journalisten haben wieder Arbeit gefunden, aber jetzt eher auf der Gegenseite, im Marketing oder in der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Institutionen oder was sich noch so alles anbiedert. Natürlich darf man die vielen „sozialen“ Medien dabei nicht vergessen, da gibt es viele Lernkurven zu meistern. Viele, viele Fotos knipsen, kurze Videos und kurze Texte. Das braucht Zeit und bedient vor allem eins. Die Anbieter dieser Medien. Der Mehrwert dabei ist auch eher gering. Aber es lässt sich gut nach „oben“ zur Geschäftsleitung abrechnen. Auch in Jena finden sich viele solcher unwichtigen Informationen, bunte Bilder im Netz sowieso. Naja und den Rest kennt ja nun mitterweile jeder selber und langweilt sich damit auch immer öfter. Gefangen in der Schleife des Widerkäuens. Nichts, was schon irgendwann mal irgendwo gesagt oder geschrieben worden ist.

Ich nehme mich davon nicht aus. Auch ich habe viele probiert. Befriedigt hat es mich jedoch nicht. Und es hat wahnsinnig viel Zeit gekostet. Aber was würde jetzt passieren, wenn wir mal wieder anfangen nicht einfach alles so hinzunehmen, sondern wir beginnen und stellen wieder Fragen und hinterfragen Entscheidungen und Prozesse? Das Grundgesetz gibt uns grundsätzlich das Recht dazu. Und das ist das Wertvolle daran.

Ich könnte mir Fragen vorstellen wie: In welcher Stadt und Region wollen wir eigentlich leben? Was muss dafür geschehen? Wie kann man etwas verändern? Wo und wie kann ich mich einbringen?

Oder noch konkreter: Weshalb schützen wir nicht die Gärten in Jena? Weshalb wird noch immer weiter der Eichplatz beplant? Weshalb wird Jena noch immer weiter verdichtet? Weshalb gibt es immer weniger bezahlbaren Wohnraum in Jena und weshalb wird so wenig gebaut?

Meiner Meinung nach gibt es viele Fragen, die man gerne in den Raum stellen darf. Konzepte und Pläne gibt derlei viele dazu. Aber umgesetzt wird davon so gut wie nichts, jedenfalls nichts, was den Menschen und der Stadt wirklich gutes tun würde.

Und letztendlich die Frage: Wer bin ich und welche Rolle habe ich in Jena? Was würde ich ändern, wenn ich die Macht dazu hätte? Wo ist mein Lieblingsplatz in Jena? Wie und wo würde ich mich gezielt einbringen?

Und was kann ich selber jetzt dabei tun? Ich weiß es auch noch nicht, aber ich kann erstmal wieder anfangen darüber laut nachzudenken! Vielleicht möchte mehr Menschen dabei mitmachen. Dann ist das auch als eine Einladung zu verstehen! Laden wir uns doch einfach wieder gegenseitig ein, reden miteinander und dann verändern wir es auch gemeinsam!

DDR-Alltag im Januar 1990 zwischen Wirtschaftsreform und Massenabwanderung

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn man auf die erste Januarwoche des Jahres 1990 blickt, sieht man eine Gesellschaft, die versucht, in der Auflösung so etwas wie Normalität zu simulieren. Teaser: Die Zahlen, die das Bundesinnenministerium zu Jahresbeginn veröffentlicht, sind mehr als nur Statistik. Über 343.000 Menschen haben die DDR im Jahr 1989 verlassen. Das ist der Hintergrund, vor dem sich in diesen Tagen alles abspielt. Während die großen politischen Räder drehen – die SED zieht sich aus der Armee zurück, neue Parteien formieren sich für den Mai – versucht die Verwaltung, den Alltag zu organisieren. Es ist eine seltsame Mischung aus großer Geschichte und kleinteiliger Regulierung. Da wird einerseits ein Wechselkurs von 3:1 festgelegt, andererseits treten detaillierte Regeln für den ambulanten Handel in Kraft. Man darf jetzt Waldfrüchte ohne Genehmigung verkaufen, muss aber für selbstgebastelte Waren Preise beantragen. In Gransee gründen sich Mittelstandsverbände, während in Bitterfeld zum ersten Mal ein Umweltbeauftragter versucht, das Ausmaß der Schäden zu erfassen. Gleichzeitig endet in Berlin ein Stück der Nach-Mauerfall-Ausnahme: Die kostenlose Fahrt in Bus und Bahn für DDR-Bürger ist vorbei. Zwei Mark kostet das Ticket jetzt. Es sind diese kleinen Momente, in denen die neue Realität greifbar wird, jenseits der großen runden Tische. Reiseführer sind auf beiden Seiten ausverkauft. Die Menschen wollen wissen, wo sie eigentlich leben und wohin sie jetzt fahren können. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Der Januar 1990 markiert den Punkt, an dem aus dem politischen Protest des Vorjahres eine administrative Transformation wird. Teaser: Die Nachrichtenlage der ersten Januarwoche liest sich wie ein Inventarbericht eines Staates im Umbau. Mit der Einrichtung eines Ministeriums für Umwelt und Naturschutz und der Benennung von Umweltbeauftragten in Regionen wie Bitterfeld reagiert die Führung auf die offensichtlichen ökologischen Defizite. Es ist der Versuch, staatliche Strukturen an die Forderungen der Bürger anzupassen. Wirtschaftlich beginnt mit dem Kurs von 3:1 und neuen Handelsbestimmungen eine Phase der Monetarisierung. Der "Verband der mittelständischen privaten Betriebe", der sich in Gransee gründet, steht symbolisch für das Ende der reinen Planwirtschaft. Politisch ist der Rückzug der SED-Parteiorganisationen aus der NVA und den Grenztruppen das vielleicht wichtigste Signal dieser Tage. Die Entflechtung von Partei und bewaffneten Organen ist die Grundvoraussetzung für die anstehenden freien Wahlen. In den Buchhandlungen sind Reiseführer Mangelware. Das Interesse an der eigenen, nun offenen Geografie übersteigt das Angebot bei weitem. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Zwischen dem Ende der Gratis-Fahrten in Westberlin und den neuen Preisen für den ambulanten Handel kommt die Marktwirtschaft in kleinen Schritten an. Teaser: Während die Politik sich auf den Mai vorbereitet und Programme schreibt, schafft die Realität Fakten. 343.000 Menschen weniger in einem Jahr – diese Zahl steht über allem. Die Reaktion ist eine Mischung aus Liberalisierung und dem Versuch, die Kontrolle zu behalten. Jeder Schritt, von der Preisbewilligung für Handwerkswaren bis zum ersten Umweltbeauftragten in Bitterfeld, erzählt von der Suche nach neuen Regeln. Die alte Ordnung gilt nicht mehr, die neue ist noch nicht geschrieben.

Katharina Thalbach bei Gaus: Von der Utopie und der Fremdheit im Westen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Sie musste sich nie emanzipieren, weil sie gar nicht wusste, dass sie unfrei sein sollte. Teaser: Wenn Katharina Thalbach über ihre Jahre in der DDR spricht, dann fehlt jeder Ton der Bitterkeit. Im Gespräch mit Günter Gaus, geführt 1996, beschreibt sie eine Jugend im Schatten des Berliner Ensembles, geprägt von der Strenge Helene Weigels und dem Geist Bertolt Brechts. Doch viel spannender ist ihr Blick auf das normale Leben: Für Thalbach war die Gleichberechtigung der Frau keine erkämpfte Errungenschaft, sondern gelebter Alltag. Arbeit, Kinder, Unabhängigkeit – das war die Basis, auf der sie stand. Der Kulturschock folgte erst mit dem Wechsel in den Westen im Jahr 1976. Plötzlich traf sie auf eine Gesellschaft, die Emanzipation erst theoretisch diskutieren musste. Thalbachs Beobachtungen sind dabei so scharf wie unaufgeregt. Sie beschreibt das westliche Theater als oft ich-bezogen, während die Kunst im Osten eine politische Dringlichkeit besaß, eine Art geheime Kommunikation zwischen Bühne und Publikum. Sie hat die DDR verlassen, aber die Utopie einer gerechten Gesellschaft, die ihr dort „anerzogen“ wurde, hat sie mitgenommen. Berlin ist für sie Mitte der Neunzigerjahre eine große Baustelle, und genau diesen Zustand liebt sie. Das Unfertige, das Offene ist ihr lieber als der satte Stillstand. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: War Kunst in der DDR wichtiger als im Westen? Teaser: Für Katharina Thalbach ist die Antwort eindeutig. Im Rückblick auf ihre Arbeit in Ost-Berlin und ihren Wechsel in die Bundesrepublik 1976 zeichnet sie einen interessanten Vergleich der Systeme. Im Osten war das Theater politisch aufgeladen, eine „Geheimsprache“, die von oben und unten verstanden wurde. Jedes Wort auf der Bühne hatte Gewicht, weil es Reibung erzeugte. Im Westen dagegen erlebte sie eine Kulturszene, die oft mehr mit sich selbst beschäftigt war als mit gesellschaftlichen Fragen. Die Relevanz, die Schwere der Kunst, sie fehlte ihr. Thalbachs Analyse aus dem Jahr 1996 ist keine Ostalgie, sondern eine kulturelle Bestandsaufnahme: Was geht verloren, wenn Kunst nicht mehr Reibungsfläche sein muss, sondern nur noch Ware sein darf? Die Schauspielerin bleibt skeptisch gegenüber einem System, das allein auf Verkäuflichkeit setzt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Entmündigung gab es in beiden Systemen, nur die Methoden waren verschieden. Teaser: Katharina Thalbach macht es sich nicht leicht mit dem Urteil über die DDR und die Bundesrepublik. Dem Osten wirft sie vor, die Menschen zu ihrem Glück zwingen zu wollen – eine klare Entmündigung. Doch auch den Westen spricht sie nicht frei. Hier geschehe die Entmündigung subtiler, verdeckt durch Konsum und scheinbare Freiheit. Ihr Fazit ist das einer Beobachterin, die sich ihre Utopien nicht nehmen lässt, auch wenn die Realität sie selten einlöst.