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35 Jahre Einheit: Ein Land im Spiegel alter und neuer Trennlinien

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Tutzing. Nach 35 Jahren deutscher Einheit blickt Deutschland auf eine Geschichte voller Hoffnungen, Enttäuschungen und anhaltender Unterschiede zurück. Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., beleuchtete auf der Frühjahrstagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing im März 2025 die „Deutsch-deutschen Trennlinien und Verbindungslinien“. Sein Vortrag, gehalten aus explizit ostdeutscher Perspektive, zeichnete ein Bild eines Landes, das trotz weitgehender Angleichung in vielen Bereichen noch immer tief gespalten erscheint – eine Spaltung, die sich zuletzt in Wahlergebnissen auf beunruuhigende Weise manifestierte.

Eine verpasste Chance und anhaltende Enttäuschungen
Thierse erinnerte an einen Essay von 1992 mit dem Titel „Zwei Welten oder eine?“, dessen Aktualität ihn „gestürzt“ habe. Schon damals konstatierte er, dass die historische Möglichkeit, den Einigungsprozess als gemeinsame identitätsstiftende Leistung zu begreifen, ungenutzt geblieben sei. Die Solidaritätserfahrung der Ostdeutschen konnte in Gesamtdeutschland nicht recht erlebt werden, da die Hilfe oft als „umstritten“ und „allzu unwillig gewährt“ erschien. Dieses Defizit habe Deutschland einen Preis gekostet.

Er zitierte seinen damaligen Wunsch an die Westdeutschen: Sie mögen begreifen, dass sich auch bei ihnen etwas ändern müsse, dass die „unerhörte Begebenheit“ der Einheit auch für sie Folgen haben werde, wie eine „neue Kultur der Bescheidung“. Das Scheitern, die deutsche Welt gemeinsam zu verändern und die Wahrheit zuzulassen, sei ein mühseliger erster Schritt geblieben.

Wahlergebnisse als Spiegel der Spaltung
Die Bundestagswahl vier Wochen vor Thierses Vortrag zeigte „ein deutlich gespaltenes, übellauniges Land“. Die alte innerdeutsche Staatsgrenze sei in den Wahlergebnissen überdeutlich sichtbar. Die AfD ist demnach im Osten, außer in Ostberlin, mit großem Abstand stärkste Kraft geworden, während sie im Westen die größten relativen Zuwächse verzeichnete. Die Ursachen dafür seien komplex und gingen über einfache Erklärungen wie niedrige Einkommen oder hohe Arbeitslosigkeit/Ausländeranteil hinaus. Thierse spekuliert, dass Ostdeutschland vielleicht eine „politische Vorreiterin, eine Avangarde in Richtung auf ein autoritäres Zeitalter“ sein könnte. Ein Zitat aus der „Zeit“ deutet auf ein mögliches „Abkoppeln des Ostens von politischen Gepflogenheiten des Westens“ hin.

Die Last der Geschichte und unterschiedliche Prägungen
Die Teilung in zwei Staaten mit gegensätzlichen Systemen über 40 Jahre habe zu einer „auseinanderstrebenden Entwicklung“ geführt. Während die Bundesrepublik eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte mit Wirtschaftswachstum, Wohlstand und stabiler Demokratie erlebte und Teil der westlichen Gemeinschaft wurde, endete der „kommunistische Großversuch unter sowjetischer Aufsicht“ in der DDR nach Brutalitäten, Massenflucht und dem Mauerbau in einem „eingesperrten Land“, das sich ständig mit der Bundesrepublik messen musste und scheiterte. Dieses Scheitern war laut Thierse nicht nur eine Folge der friedlichen Revolution, sondern auch ein „wirtschaftlicher und ein ideologisch-moralischer Zusammenbruch“.

Der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes 1990 sei unter extremem Zeit- und Problemdruck geschehen und markiere die Vereinigung „von zwei Ungleichen, von einem erfolgreichen und einem gescheiterten System“. Im Westen wirkte der Zusammenbruch als Bestätigung des Status quo – man sah keinen Grund, sich zu ändern. Im Osten musste sich scheinbar alles ändern, was zu einem schmerzlichen, ungleichen Beziehungsverhältnis führte. Hinzu kam der schmerzliche und oft ungerechte Elitenwechsel.

Das Gefühl der Demütigung und der „ostdeutsche Minderwertigkeitskomplex“
Viele Ostdeutsche erlebten die Transformations- und Umbruchsprozesse der 90er und 2000er Jahre mit einem Gefühl von Demütigung und Zurücksetzung. Dieses Gefühl werde von „Empörungsagenturen“ befeuert, heute besonders von der AfD, die „einen offensichtlich erfolgreichen Verbitterungspopulismus betreibt“. Thierse beklagt die „Unfähigkeit und Unwilligkeit vieler Ostdeutscher zu positiver Selbstwahrnehmung“, betont aber gleichzeitig die „große menschliche, soziale und kulturelle Leistung“ bei der Bewältigung der Transformation.

Er spricht von einem „sehr ostdeutschen Minderwertigkeitskomplex“, der nicht erst seit den 90er Jahren existiere, sondern durch das ständige Leben mit dem Blick nach Westen und das Empfinden, die „schwächeren, weniger erfolgreichen Deutschen“ zu sein, geprägt sei.

Minderwertigkeitsgefühle machen wütend, und das ostdeutsche Selbstbewusstsein sei „empfindlich und labil“ und verlange nach Anerkennung.

Harte Fakten und tiefer liegende Unterschiede
Obwohl die sozialökonomischen Unterschiede zwischen Ost und West in den letzten 35 Jahren durch Anstrengungen und Angleichungsprozesse deutlich geringer geworden sind (z.B. bei BIP pro Kopf, Produktivität, Einkommen, Arbeitslosenquote, Rentenwert), bestehen weiterhin Differenzen, insbesondere beim Vermögen. Ostdeutschland sei noch keine Erbengesellschaft wie der Westen. Auch in der Altersstruktur und Bevölkerungsentwicklung gibt es deutliche Unterschiede.

Besonders auffällig sind die Differenzen bei der Repräsentation: Ostdeutsche sind nur zu 11,2% in Elitenpositionen vertreten, bei einem Bevölkerungsanteil von 19%. Religiösität ist im Osten deutlich geringer, der Ausländeranteil ebenfalls, während ausländerfeindliche Einstellungen deutlich höher seien.

Der Kulturprozess als eigentliche Herausforderung
Für eine Mehrheit der Westdeutschen überwiegen laut Thierse die Gemeinsamkeiten (57%), während für eine Mehrheit der Ostdeutschen die Unterschiede überwiegen (57%). Dies sei der „Wunde Punkt“ und bestätige, dass die deutsche Einigung nicht nur ein politischer, rechtlicher oder ökonomischer, sondern ebenso sehr ein kultureller Prozess ist – der mühsamere und konfliktreichere Teil.

Diese kulturellen Prägungen resultieren aus 40 Jahren Leben in einer SED-Diktatur, einem fürsorglichen, aber auch bevormundenden und mangelhaften Staatssystem im Gegensatz zu einer offenen, pluralistischen Wettbewerbsgesellschaft. Erlebnisse wie die „grimmige Idylle einer Notgemeinschaft“ in der DDR hätten ein starkes Solidaritätsbedürfnis geprägt, während die Gesellschaft der Freiheit oft als „kalt“ empfunden werde.

Schwächere Zivilgesellschaft und ambivalente Staatsfixierung
Die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland sei schwächer ausgeprägt, mit deutlich niedrigeren Mitgliedschaften in Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Vereinen. Thierse zitiert Ralf Dahrendorfs Prognose von 1991, wonach der Aufbau von Staat und Wirtschaft Jahre dauere, die Entwicklung einer selbstbewussten Zivilgesellschaft aber 60 Jahre benötige – eine aus seiner Sicht realistische Einschätzung.

Ein weiteres Nachwirken sei ein starkes Gleichheitsbedürfnis und der Wunsch nach sozialer Harmonie und kultureller Homogenität, was die Gewöhnung an eine konfliktreiche, pluralistische Gesellschaft erschwere. Viele Ostdeutsche schienen eine „eigentümlich ambivalente Staatsfixierung“ mit sich zu tragen: Der DDR-Staat war allzuständig, man erwartete alles von ihm, verachtete ihn aber auch zutiefst, als er nicht lieferte. Dies habe eine „zutiefst autoritäre Prägung“ hinterlassen, die fortwirke – man erwarte alles „von denen da oben, vom Westen“ und verachte System und Personal, wenn die erwarteten „Wunder“ ausblieben.

Die autoritäre Versuchung: Eine globale und deutsche Aufgabe
Thierse betont, dass die beschriebenen Phänomene nicht nur Vergangenheit oder spezifisch ostdeutsch seien. Die autoritäre Versuchung ist ein globaler Trend, Demokratien sind weltweit auf dem Vormarsch. In Zeiten von multiplen Krisen und schmerzhaften Veränderungsnotwendigkeiten stehe Deutschland als „wichtigste Demokratie der Welt“ (Tim Snyder) in besonderer Verantwortung.

Die gemeinsamen Herausforderungen – Kriege, Klimakatastrophe, Migration, Digitalisierung, ökologische Überlebenspolitik – müssten eigentlich verbinden. Der eigentliche Kraftakt sei es, politische Zusammenhaltung und soziale Gerechtigkeit zu sichern, auch angesichts potenziell geringeren materiellen Wohlstandswachstums und härterer Verteilungskonflikte. Dies sei die „Bewährungsprobe für unseren demokratischen Zusammenhang und den Zusammenhalt zwischen West und Ost“.

Ein entscheidender Unterschied liege auch in der Vorstellung von Demokratie: Viele Menschen im Osten hätten eine andere Vorstellung, preferring direkte Demokratie, den unmittelbaren Vollzug des Volkswillens und klare Führung gegenüber der repräsentativen, mühsamen Parteiendemokratie. Diese Vorstellung, dokumentiert durch die Wahlergebnisse autoritärer Parteien wie AfD und BSW, sei eine riesige Herausforderung für das etablierte politische System.

Die Zukunft der Freiheit
Thierse schließt mit der Pflicht der Demokraten, der autoritären Versuchung zu widerstehen. Dies sei nicht nur eine ostdeutsche, sondern eine globale und gesamtdeutsche Aufgabe. Es gehe letztlich um die Zukunft der Freiheit, die – so die ernüchternde Einsicht – nicht identisch sein müsse mit ständigem Wirtschaftswachstum und Wohlstandsnährung. Die notwendige „Selbsthaltung der Menschheit“ könne nur als gemeinschaftliches Projekt gelingen.

Die Debatte um deutsche Einheit und Teilung bleibt auch 35 Jahre danach eine hochaktuelle und emotional aufgeladene Frage, die grundlegende Herausforderungen für die Zukunft der Demokratie in Deutschland aufzeigt.

DDR-Alltag 1963: Zwischen Rodelbahn und Wachturm in den Müggelbergen

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Basierend auf dem vorliegenden Video befasst sich der Inhalt mit seltenen Privataufnahmen auf 8mm-Film aus dem Winter 1963 in der DDR. Das Material trägt den Titel „DDR Winter 1963 Jugendliche rodeln in den Müggelbergen – Verbessert“ und gewährt einen authentischen Einblick in das Alltagsleben jener Zeit.

Die Aufnahmen zeigen einen typischen Wintertag in den verschneiten Müggelbergen bei Berlin. In dieser winterlichen Landschaft sind Jugendliche mit Schlitten unterwegs. Die Szenen sind voller Leben und Energie. Man sieht, wie die jungen Leute lachen und die Hänge hinabrutschen. Es sind Bilder, die die Unbeschwertheit und Freude am Winter und am gemeinsamen Spiel einfangen.

Was diese scheinbar idyllischen Momentaufnahmen jedoch in einen größeren historischen und geografischen Kontext rückt, ist ein Detail im Hintergrund: Im Hintergrund ist ein Wachturm zu erkennen. Die Präsenz dieses Bauwerks ist eine deutliche Erinnerung daran, dass dieser Ausflug in der Nähe der innerdeutschen Grenze stattfand. Der Wachturm symbolisiert die Nähe zur geteilten Grenze und die politische Realität der DDR im Jahr 1963.

Der Kontrast zwischen den unbeschwerten Aktivitäten der rodelnden Jugendlichen – ihrem Lachen, Rutschen und der gezeigten Energie – und der stillen, aber omnipräsenten Präsenz des Wachturms, der die Grenznähe markiert, verleiht den Aufnahmen eine besondere Tiefe. Sie zeigen nicht nur jugendliche Freude, sondern veranschaulichen auch, wie das normale Leben in der DDR in unmittelbarer Nachbarschaft zu den streng überwachten Grenzen stattfand.

Die Tatsache, dass es sich um seltene Privataufnahmen handelt, unterstreicht ihren Wert als authentischen Einblick. Sie sind nicht gestellt oder für Propagandazwecke erstellt, sondern dokumentieren einen realen Moment des Alltagslebens. Dies macht sie zu einem wichtigen Zeugnis der damaligen Zeit und ermöglicht einen ungefilterten Blick auf die Erfahrungen der Menschen in der DDR des Jahres 1963, eingefangen in den verschneiten Müggelbergen, wo Freude und die Erinnerung an die Grenze nebeneinander existierten.

„22 Bahnen“ Ein Film über Schwestern, Liebe und bedingungslosen Zusammenhalt

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Berlin/München – Am 4. September 2025 startet im Verleih der Constantin Film der neue Film „22 BAHNEN“ in den deutschen Kinos. Der Film, produziert von BerghausWöbke Filmproduktion in Co-Produktion mit Constantin Film, erzählt eine mitreißende Geschichte über das Erwachsenwerden, die Liebe und vor allem über bedingungslosen Zusammenhalt.

Im Zentrum steht Tilda (gespielt von Luna Wedler), deren Leben streng durchgetaktet ist. Ihre Tage bestehen aus Studium, Arbeit an der Supermarktkasse, Schwimmen und der Sorge um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier). An schlechten Tagen muss sie sich auch um ihre Mutter (Laura Tonke) kümmern. Gemeinsam wohnen sie in einem Haus in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde haben die Stadt längst verlassen, doch Tilda ist geblieben, weil jemand für Ida da sein, Geld verdienen und Verantwortung tragen muss. Die Situation ist angespannt: Es gibt keine nennenswerten Väter, und die Mutter ist alkoholabhängig. Im Trailer sind Zitate wie „Ihr tut ja so als sei ich Alkoholikern“ zu hören.

Tilda und Ida beschreiben sich selbst als „jeweils ein fester Teil die Hälfte von einem ganzen“. Sie wehren sich mit „unerschütterlichem Glauben an die Schönheit des Lebens gegen beschissene Voraussetzungen“, um ihrem Leben eine andere Richtung zu geben. Tilda fühlt die Last der Verantwortung und sagt im Trailer: „Es gibt ein Unterschied zwischen sich um ein Kind zu sorgen oder sich um seine Mutter zu sorgen“. Sie hat es „die ganzen Jahre allein geschafft“ und Tilda hat „das allein geschafft“.

Die Dinge geraten in Bewegung, als Tilda eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt wird – eine Möglichkeit, die Freiheit verspricht und eine Zukunft aufblitzen lässt. Ihre Mutter kommentiert dies im Trailer mit den Worten: „Dieser Job wäre für sie eine tolle Chance Pack das Chance Alles wird gut“.

Gleichzeitig taucht Viktor (Jannis Niewöhner) auf, der große Bruder von Ivan, den Tilda vor fünf Jahren verloren hat. Wie Tilda schwimmt auch er immer 22 Bahnen. Doch gerade als Tilda zu hoffen beginnt, dass sich alles zum Guten wenden könnte, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

Der Film wird als ein Werk mit ganz eigener Tonalität beschrieben. Er wurde gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF), der Filmförderungsanstalt (FFA), dem Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF).

„22 BAHNEN“ verspricht ein emotionales Kinoerlebnis über Widerstandskraft und den Kampf zweier Schwestern für ein besseres Leben. Im Trailer wird die Hoffnung auf Veränderung deutlich, etwa mit den Worten „Ich werde mich ändern“, obwohl dies auf Skepsis stößt: „Hast du schon 17 mal gesagt Mama“. Tildas tiefe Verbundenheit zu Ida und der Wunsch, sie aus der schwierigen Situation zu holen, wird im Satz „Irgendwann hole ich dich hier raus dann mache ich das allein“ spürbar.

Jahrzehnte im Verborgenen: Geheime Tunnel eines Konzentrationslagers entdeckt

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Inmitten abgelegener Wälder und an steilen Berghängen liegt ein Ort, der heute als stiller Zeuge eines dunklen Kapitels der Geschichte dient. In den letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs wurde hier ein Außenlager eines großen Konzentrationslagers errichtet. Die isolierte Lage wurde bewusst gewählt, um die Geheimhaltung der Arbeiten unter strengster Bewachung zu ermöglichen. Das Lager diente hauptsächlich der Zwangsarbeit im Zusammenhang mit unterirdischen Produktionsstätten.

Die Häftlinge, vorwiegend politische Gefangene, wurden unter unmenschlichen Bedingungen zu schwersten Arbeiten gezwungen. Unzureichende Ernährung und eine praktisch nicht existente medizinische Versorgung führten zu einer entsprechend hohen Sterblichkeitsrate. Heute gibt es an diesem Ort eine Gedenkstätte namens „KZ Punkt“, die bestätigt, dass es sich hier tatsächlich um ein Konzentrationslager handelte, in dem Insassen zur Arbeit gezwungen wurden.

Jüngste Erkundungen in der Umgebung des ehemaligen Lagers haben nun bislang kaum bekannte unterirdische Gänge und Tunnel zutage gefördert, die als mögliche Fluchtwege oder Geheimgänge interpretiert werden. Die Erkundung des Gebiets, das von extremen Geländeverhältnissen, tiefen Schluchten und steilen Abhängen geprägt ist, ist äußerst gefährlich. Herabfallendes Gestein, das sich von den Felswänden lösen kann, und rutschige Untergründe auf Schiefergestein stellen eine erhebliche Gefahr dar.

Ein Zugang zu einem dieser Tunnel erfolgte über einen unscheinbaren Weg, der zu verlassenen Gebäuden führt. Ein bestimmter Eingang wurde als „Tunnel in eine andere Welt“ beschrieben. Im Inneren dieser Gänge zeigten sich verschiedene Besonderheiten: Die Deckenhöhe kann über zwei Meter betragen, und es gibt Anzeichen von Abbauarbeiten, möglicherweise durch Bohren und Sprengen oder auch manuell. An den Wänden sind Ausspülungen und Ablagerungen zu sehen, die wie Kristalle funkeln, darunter auch „Katzengold“. Es wurden auch Funde wie alte Bierflaschen und eine Flasche, deren ursprüngliche Form kaum noch erkennbar ist, entdeckt.

Interessanterweise fanden sich im Inneren eines Tunnels auch Spuren von Schienen, was auf Schienenverkehr oder den Transport mit Loren hindeutet. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, wie Material oder Arbeitskräfte unter Tage bewegt wurden.

Ein besonders signifikanter Fund war ein unterirdischer Geheimgang, der ein großes Haus oder Gebäude unterirdisch mit diesem Tunnelsystem verbindet. Von diesem Haus aus gab es anscheinend einen Notausgang oder Stollen, der nach hinten führte. Diese Verbindung wird explizit als „Notfallfluchtweg“ bezeichnet, was die Theorie der Fluchttunnel stützt. Es wurde auch überlegt, ob es sich um Verbindungen für logistische Zwecke wie die Essensversorgung handeln könnte, dies jedoch aufgrund der komplizierten Wege als unwahrscheinlich eingeschätzt.

Die Erkundung der tiefer gelegenen Tunnelbereiche ist besonders herausfordernd, da es steil bergab geht, teilweise über 30 bis 40 Meter. Ein Seil wurde von anderen Personen installiert, um den Abstieg und Aufstieg zu erleichtern. Wasser steht in einigen Bereichen bis zu 30 cm hoch, und es gibt viele Abzweigungen und Gänge. Im Wasser wurden Gegenstände wie Knicklichter, Gummistiefel und Handschuhe gefunden.
Angesichts der extremen Gefahren, wie der Möglichkeit von Felsstürzen, dem Fehlen von Licht, der Orientierungslosigkeit und der Isolation, werden dringend Sicherheitsvorkehrungen betont. Dazu gehören das Tragen eines Helms, ausreichend Licht, das Informieren anderer über den Standort und die geplante Dauer sowie die absolute Notwendigkeit, niemals alleine solche Anlagen zu betreten. Ein Sicherungspartner ist unerlässlich, um im Notfall Hilfe holen zu können.

Die Entdeckung dieser verfallenen unterirdischen Gänge bietet einen weiteren Einblick in die verborgenen Strukturen des ehemaligen Konzentrationslager-Außenlagers und wirft Licht auf mögliche Wege, die in der verzweifelten Lage des Nationalsozialismus als Flucht oder zur Durchführung geheimer Arbeiten dienten. Die Erkundung solcher Orte ist eine gefährliche, aber wichtige Aufgabe, um die physischen Zeugnisse dieser dunklen Vergangenheit zu dokumentieren.

„Wem gehört mein Dorf“ – Das Ringen um Göhrens Zukunft

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Der Dokumentarfilm „Wem gehört mein Dorf“ von Christoph Eder beleuchtet die teils leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen um die Entwicklung seines Heimatortes Göhren auf Rügen. Der Film, der aus persönlichem Antrieb des Regisseurs entstand, weil ihn die Veränderungen im Ort beschäftigten – wie etwa der Bau vieler Hotels und das Verschwinden von Orten seiner Kindheit –, nutzt Göhren als Beispiel, um eine größere Geschichte über Demokratie zu erzählen.

Lokalpolitik im Fokus: Komplexität und Engagement
Im Kern des Films steht die lokale Politik, die in Göhren stark vom Gemeinderat geprägt ist, der über die zukünftige Entwicklung des Ortes entscheidet. Eder hat durch den Film gelernt, dass Lokalpolitik extrem komplex und manchmal anstrengend ist, aber auch von entscheidender Bedeutung. Sie sei die wohl direkteste Form der Demokratie, da sie beeinflusst, was direkt vor der Haustür passiert – ob ein Spielplatz oder ein Parkhaus gebaut wird.

Ein wichtiges Thema ist die Notwendigkeit, sich zu informieren und zu beteiligen. Der Film zeigt ein Beispiel von 13-14-Jährigen, die einen Skatepark wollten und lernten, dass sie einen Verein gründen mussten, um im Gemeinderat ernst genommen zu werden. Obwohl der Prozess lange dauerte und Geduld erforderte, war er am Ende erfolgreich – ein „Erfolgsmoment in der Partizipation der Demokratie“. Frühzeitige Einbeziehung junger Menschen in demokratische Prozesse und das Aufzeigen von Erfolgserlebnissen können laut Eder dem Gefühl der Ohnmacht entgegenwirken und zum Engagement motivieren.

Kultur des Austauschs und verhärtete Fronten
Ein zentraler Aspekt, den der Film beleuchtet, ist die Kultur des Austauschs und der Meinungsbildung. Im Film agiert Eder als Vermittler, was in Göhren nicht immer einfach war. Die Gespräche über die Richtung, in die sich die Gesellschaft entwickeln soll, waren teilweise nicht sehr respektvoll, gingen am Thema vorbei oder es kamen gar keine wirklichen Diskussionen zustande. Dieses Fehlen einer guten Diskussionskultur sei ein wichtiger Faktor gewesen. Eine im Film gezeigte Szene, in der jemand aus einer Gruppe „rausgemobbt“ wird, beschämte den Regisseur. Dennoch gab es auch Momente, in denen Leute erkannten, dass ein respektvoller Umgang nötig ist, um etwas für den Ort zu bewegen und nicht nur Egoismus im Vordergrund stehen sollte.

Das Filmteam wollte mit allen Beteiligten sprechen – eine Herausforderung, die viel Geduld erforderte, insbesondere wenn es um politische Themen ging. Es war wichtig zu kommunizieren, was das Team vorhatte und warum es nötig war, alle Stimmen einzubeziehen.

Wirtschaftliche Interessen versus Gemeinwohl
Der Film thematisiert konkrete Konflikte rund um Bauprojekte, wie etwa ein Parkhaus oder einen Vertrag über eine Klinik. Besonders fragwürdig erscheinen dem Regisseur Verträge, bei denen man sich frage, wie sie abgeschlossen werden konnten. Ein Beispiel ist ein Gewinnabführungsvertrag nach der Eröffnung einer Klinik, bei dem die Gewinne nicht im Ort Göhren bleiben, sondern nach München abgeführt und dort versteuert werden. Dies mache das Projekt in puncto Nachhaltigkeit sehr fragwürdig, da unklar sei, was dem Ort letztlich bleibe. Aus Sicht des Regisseurs kann jeder mit gesundem Menschenverstand nachvollziehen, dass solche Dinge zumindest hinterfragt werden müssen, da wirtschaftliche Interessen manchmal über dem Gemeinwohl zu stehen scheinen.

Die Entwicklung in Göhren sei nicht nur schwarz und weiß zu sehen; es sei nicht immer alles schlecht gewesen, und gute Dinge seien passiert, wie der Bau von Straßen. Ein Kipppunkt schien jedoch erreicht, als in Außenbereichen weitergebaut werden sollte, da Göhren bereits zugebaut war, was zu Problemen wie dem Parkhaus oder dem Klinik-Vertrag führte.

Parallelen und Wirkung über Göhren hinaus
Christoph Eder zieht Parallelen zwischen den Geschehnissen in Göhren und der nationalen Politik. Er sieht Ähnlichkeiten in der Art der Kommunikation, wenn etwa Aussagen getroffen werden, die sich später als widersprüchlich herausstellen. Eine weitere Parallele sei der Konflikt zwischen stetigem Wachstum der Wirtschaft und Fragen der nachhaltigen Entwicklung, des Klimaschutzes und der Flächenversiegelung. Das starke Wachstum und der Bau vieler Häuser oder Hotels belaste auch die Infrastruktur auf Rügen, die mittlerweile überlastet sei.

Die Reaktionen auf den Film waren emotional. Nach Vorführungen und Diskussionen, auch mit den Hauptprotagonisten vor der Veröffentlichung, bei der Kritikpunkte besprochen wurden. Bei der Vorpremiere in Göhren gab es sogar Applaus während des Abspanns. Kurzzeitig schien ein Zusammenkommen möglich, doch leider haben sich die Fronten in Göhren aktuell wieder verhärtet. Dies liege unter anderem an neuen Bauvorhaben wie einer geplanten weiteren Klinik.

Über Göhren hinaus sorgt der Film in Mecklenburg-Vorpommern für Aufsehen. Aufgrund des Films hat sich auf Rügen eine bürgerinitiativen gebildet, die sich für nachhaltigen Tourismus und die Interessen der Einheimischen einsetzt. Dies sei etwas sehr Direktes, das man sich als Filmemacher wünschen könne. Besonders erfreulich sei, dass Zuschauer in ganz Deutschland, von Berlin bis zu anderen Dörfern, die im Film gezeigten Probleme auf ihre eigenen Orte projizieren – sei es Gentrifizierung, Logistikzentren oder Hotels. Der Film scheint Menschen zu motivieren, sich selbst zu engagieren.

Wie die SED in der sowjetischen Besatzungszone entstand

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Berlin, 21. April 1946 – Dreißig Jahre „Bruderkampf“ zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten finden heute ihr Ende. Mit der feierlichen Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im ehemaligen Admiralspalast in Berlin wird ein neues Kapitel in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung aufgeschlagen. Dieser Tag markiert den Höhepunkt einer Bewegung, die ihren Ursprung in den Wirren der Nachkriegszeit hat.

Nach dem Sieg der Sowjetunion und ihrer Verbündeten im Mai 1945 wurde Deutschland vom Faschismus befreit. Die Sowjetische Militäradministration ließ antifaschistisch-demokratische Parteien und Gewerkschaften zu, was zur raschen Entfaltung des politischen Lebens in der sowjetischen Besatzungszone führte. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) wandte sich bereits am 11. Juni 1945 mit einem Aufruf an das deutsche Volk und erklärte: „Feste Einheit, entschlossener Kampf und beharrlicher Arbeit bilden die Garantie des Erfolges unserer gerechten Sache“. Auch der Zentralausschuss der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) stimmte in seinem Aufruf vom 15. Juni 1945 im Wesentlichen überein, wenn auch nicht mit derselben „marxistischen Reife“.

Schon wenige Tage später, am 19. Juni 1945, beschlossen beide Parteien ein gemeinsames Aktionsprogramm und verpflichteten sich zur Zusammenarbeit. Diese Aktionseinheit wurde durch die Bildung freier Gewerkschaften, zusammengeschlossen im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), sowie durch die Entstehung des Blocks der antifaschistisch-demokratischen Parteien verstärkt. Kommunisten und Sozialdemokraten bildeten Aktionausschüsse in der sowjetischen Besatzungszone und Teilen der Westzonen.

Gemeinsame Aktionen führten zu ersten Erfolgen, wie der Wiederaufnahme der Stahlproduktion oder der ersten Friedensernte, auch wenn diese den Hunger noch nicht stillen konnte. Unterstützt von klassenbewussten Sozialdemokraten forderten die Kommunisten eine Bodenreform, wodurch wichtige Bündnispartner der Arbeiterklasse für die Liquidierung des Faschismus und Militarismus und die Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung gewonnen wurden. Auch in der Bildung gab es gemeinsame Umwälzungen: KPD und SPD legten Grundsätze für eine Schulreform dar, was zur Ausbildung von 20.000 Neulehrern und der Öffnung von Universitäten für Arbeiter- und Bauernkinder führte. Diese demokratischen Umwälzungen wurden im Kampf gegen „erbitterten Widerstand reaktionärer Kräfte“ errungen.

Der Wunsch nach Einheit zeigte sich auch in den westlichen Besatzungszonen, wo Mitglieder von KPD und SPD die Vereinigung forderten. Einheitsvereinbarungen wurden unter anderem in Hamburg (24. Juli 1945) und München (8. August 1945) geschlossen. Doch die Reaktion in den Westzonen, angeführt vom Monopolkapital und rechten SPD-Führern wie Kurt Schumacher, versuchte, die Einheit zu verhindern. Das Büro Schumacher in Hannover wurde zum Zentrum dieser Kräfte, und Schumacher selbst zum „ärgsten Gegner der Einheitsbewegung“ und „brauchbaren Werkzeug der Reaktion“. Auch die Besatzungsmächte griffen ein und verboten, geleitet vom Antikommunismus, weitere Einheitsbewegungen in ihren Zonen, da eine Verschmelzung von SPD und KPD nicht in ihrer Linie lag.

Der „fortschreitende revolutionäre Umwälzungsprozess“ in der sowjetischen Besatzungszone und die „restaurative Entwicklung“ in den Westzonen verschärften den Klassenkampf und machten die Vereinigung von KPD und SPD auf „marxistischer Grundlage“ zu einem „dringenden Gebot“. Auf Initiative der KPD wurde im Dezember 1945 mit einem Flugblatt die Einheitspartei ideologisch vorbereitet, um die demokratischen Rechte und Freiheiten für Arbeiter und Werktätige zu sichern.

Ab Anfang 1946 wurde die Einheit zur Wirklichkeit. Im Februar vereinigten sich Parteigruppen von KPD und SPD in der Maxhütte. Der erste FDGB-Kongress forderte ebenfalls die politische Einheit der Arbeiterklasse. Im März 1946 wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ) als einheitliche antifaschistisch-demokratische Jugendorganisation gegründet, deren erster Sekretär Erich Honecker wurde.

Ende März/Anfang April 1946 wurde die Einheitspartei in allen Kreisen und Ländern der sowjetischen Besatzungszone zur Wirklichkeit, typisch dafür wurde das „kameradschaftliche Zusammenwirken“ von Hermann Matern und Otto Buchwitz in Sachsen. Heftige Auseinandersetzungen gab es insbesondere in Berlin, doch machtvolle Kundgebungen, etwa im Straßenbahnhof Charlottenburg mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, zeigten den Willen zur Einheit. Otto Buchwitz überbrachte auf einem Berliner SPD-Parteitag Grüße von den bereits vereinigten Parteien in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg und erklärte: „Wir haben das Werk vollbracht. Wir haben die Einheit geschlossen und wir blicken nun mehr auf euch Genossenen und Genossen in Berlin“. Auch die Berliner Parteiorganisationen von KPD und SPD fassten den entscheidenden Schritt.
Der Höhepunkt war der heutige Tag. Nach Beschlüssen des 15. KPD-Parteitages und des 40. SPD-Parteitages wurde die Einheitspartei gegründet. Tausende warteten vor dem Admiralspalast. Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, die zu Vorsitzenden der SED gewählt wurden, gaben sich die Hand. Wilhelm Pieck hatte zuvor erklärt, dass mit dem Aufmarsch der Berliner Arbeiterschaft unter den Fahnen der SED und der einheitlichen Gewerkschaften am 1. Mai hoffentlich auch die Zweifler „ihre Besorgnisse aufgeben und sich einreihen“ werden. Otto Grotewohl äußerte den Wunsch: „Ich wünschte den Tag herbei an dem sich unsere Hände nicht mehr trennen brauchten Dieser Tag ist heute da“.

Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ist entstanden, die Partei der „geeinten Arbeiterklasse“. Laut den Gründern hat der Marxismus-Leninismus über den Opportunismus gesiegt. Die Arbeiterklasse tritt nun als „einheitliche Kraft“ auf und hat eine „einheitliche Führung“ geschaffen, um ihre „historische Mission erfüllen zu können“. Vor den Vorsitzenden liegt die „besondere Verantwortung“, das Vertrauen der „werkätigen Massen“ zu rechtfertigen und ein neues antifaschistisches demokratisches Deutschland zu schaffen, das Volk aus der Not zu helfen und Frieden und Demokratie zu sichern.

Muldentalbahn erwacht zu neuem Leben: Jungfernfahrt nach über 22 Jahren Stillstand

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Glauchau/Wolkenburg – Nach mehr als zwei Jahrzehnten ohne durchgehenden Zugverkehr ist am 29. Mai 2025 auf einem Teilstück der historischen Muldentalbahn wieder ein Zug gefahren. Die Interessengemeinschaft Traditionslok „58 3047“ e.V. veranstaltete eine „Jungfernfahrt“ auf dem oberen Abschnitt der einst Glauchau mit Wurzen verbindenden Strecke. Für exakt 22 Jahre, 9 Monate und 16 Tage – oder laut einer anderen Quelle nach 22 Jahren – lag dieser Teil der legendären Bahnstrecke brach.

Der Sonderzug verkehrte zwischen Glauchau-Reinholdshain und Wolkenburg im Muldental, mit planmäßigen Halten in Remse und Waldenburg. Laut Ankündigung der Veranstalter sollte der Zug von der vereinseigenen Dampflok 35 1097 gezogen werden. Berichte nach der Fahrt, unter anderem vom Förderverein Muldentalbahn e.V. und einem Forumsteilnehmer, geben jedoch an, dass die Dampflok 23 1097 in Richtung Wolkenburg fuhr und die Lok 102 182 den Zug in Richtung Glauchau zog. Der Sonderzug verkehrte einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag.

Der Fahrplan der „Jungfernfahrt“ sah die Abfahrt in Glauchau-Reinholdshain für Pendel 1 um 10:00 Uhr und für Pendel 2 um 14:00 Uhr vor. Die Ankunft in Wolkenburg war jeweils um 11:20 Uhr bzw. 15:20 Uhr geplant. Die Rückfahrten begannen in Wolkenburg um 12:00 Uhr und 16:00 Uhr, mit Ankunft in Glauchau-Reinholdshain um 13:20 Uhr bzw. 17:20 Uhr. Die Fahrkarten für die 2. Klasse auf der Gesamtstrecke von Glauchau-Reinholdshain nach Wolkenburg kosteten 39,- € für Erwachsene und 19,- € für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren. Der Zug war ausverkauft. Ein Zustieg in Glauchau war an einem provisorischen „Bahnsteig“ aus Gerüstbauteilen in Glauchau-Reinholdshain möglich, da der eigentliche Bahnhof Glauchau (noch) nicht angefahren werden kann/darf.

Die Muldentalbahn hat eine bewegte Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der Wunsch nach einem Eisenbahnanschluss im Tal der Burgen, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Sandgruben und Papierfabriken entlang der Zwickauer Mulde. Die erste durchgehende Bahnstrecke verlief zunächst über Narsdorf, um Anschluss an die Hauptbahn Neukieritzsch–Chemnitz zu erhalten, bevor einige Jahre später die baulich aufwendige Trasse entlang der Mulde errichtet wurde. Bahnhöfe waren mit umfangreichen Güteranlagen ausgestattet, da seinerzeit fast alle Waren auf der Schiene transportiert wurden. Auch der Arbeiter- und Ausflugsverkehr war von Bedeutung. Dampflokomotiven waren auf den Strecken um Rochlitz bis in die 1980er-Jahre ein alltäglicher Anblick. Mit den politischen Umbrüchen im Jahr 1989 brach der Verkehr auf der Muldentalbahn und ihren Nebenstrecken ein. Der letzte Zug auf dem verbliebenen Betriebsabschnitt Glauchau – Wechselburg fuhr schließlich am 13. August 2002.

Nach der Einstellung des regulären Verkehrs war die Strecke über viele Jahre hinweg nicht mehr befahrbar und wuchs stark zu. Obwohl die Gleise nach Einschätzung eines Beobachters noch „huglig und buglig“ aussehen, fanden kurz vor der Jungfernfahrt noch intensive Freimachungs- und Instandsetzungsarbeiten statt. Die Fahrt bis Wolkenburg stellt nun den ersten erreichbaren Abschnitt für Eisenbahnfahrzeuge seit vielen Jahren dar. Die „Jungfernfahrt“ wurde von vielen Beteiligten und Fahrgästen als wichtiger erster Schritt in Richtung einer möglichen Reaktivierung der Strecke interpretiert. Viele der Passagiere äußerten den Wunsch nach einer Wiederinbetriebnahme, den sie lange für unrealistisch hielten. Die Idee, Rochlitz wieder an das Schienennetz anzubinden, ist dabei nicht neu; ein dort ansässiges Unternehmen könnte ein interessierter Kunde sein. Eine vollständige Reaktivierung wird von einigen erhofft, von anderen jedoch eher als Utopie angesehen. Die Notwendigkeit der Mitwirkung der Landkreise wird hervorgehoben, allerdings wird auch angemerkt, dass diese aufgrund ihrer Beteiligungen an Busgesellschaften oft wenig Interesse an durch das Land bestellten ÖPNV-Leistungen haben könnten.

Auch wenn der durchgehende Zugverkehr eingestellt wurde, lebt die Strecke abschnittsweise touristisch weiter. Seit 2010 werden an ausgewählten Wochenenden sogenannte Schienentrabifahrten angeboten. Diese Fahrten, betrieben vom Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V., nutzen Gleiskrafträder des Typs 1 – ehemalige Inspektionsfahrzeuge der Deutschen Reichsbahn, die wegen ihres Trabant P50-Motors als „Schienentrabi“ bekannt wurden. Sie verkehren auf einem rund 11 km langen Abschnitt zwischen Rochlitz, Wechselburg und Penig, mit Start und Ziel in Rochlitz. Ein besonderes Erlebnis dabei ist die Überquerung der Muldebrücke nahe dem Rochlitzer Schloss. Entlang der Strecke befindet sich zudem das historische Stellwerk Wechselburg, das von einem Verein betreut wird und besichtigt werden kann.

Die erfolgreiche Jungfernfahrt am 29. Mai 2025 markiert somit ein positives Signal für die Eisenbahnfreunde und die Region und weckt Hoffnungen auf die Zukunft der Muldentalbahn.

DDR-Wunderwerke im Harz – Das Harzer Bikeschmiedefestival

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Wasserleben/Harz. Das Harzer Bikeschmiedefestival ist bekannt für technische Herausforderungen und außergewöhnliche Exponate. In diesem Jahr zog besonders ein Gespann die Blicke auf sich: ein selbstgebauter Trecker aus DDR-Zeiten, begleitet von einem Kult-Wohnwagen, liebevoll als „Düben Ei“ bezeichnet. Beide Fahrzeuge gehören Herbert, einem langjährigen Freund und Wegbegleiter der „Harzer Bikerschmiede“.

Herbert, der normalerweise mit einer „Staatskarosse“ auf dem Festival erscheint, brachte diesmal diese ganz besonderen Stücke mit. Er und Tilo, der Veranstalter, verbindet eine jahrelange Freundschaft, in der sie gemeinsam „mockeln, basteln und schrauben“. Herbert unterstützte die Bikerschmiede in der Vergangenheit auch beim Bau des Panzerbikes und konnte mit den großen Maschinen seiner einstigen Dreherei spezielle Teile anfertigen. Seinen großen Betrieb hat Herbert mittlerweile aufgegeben und zog sich in seine Werkstatt zurück, wo er sich seinen Oldtimern widmet. Eine Entscheidung, die er vor der Coronakrise im Jahr 2018 traf und angesichts der heutigen „verrückten Zeiten“ und der „dummen Politik“ als genau richtig empfindet.

Das Highlight von Herberts diesjähriger Präsentation ist zweifellos der selbstgebaute Trecker, den er als „Unikum“ beschreibt. Dieses Fahrzeug sollte ursprünglich auf dem Schrottplatz landen. Es stammt aus Brandenburg, wo Herberts Neffe ihn von jemandem geschenkt bekam, der ihn verschrotten wollte. Der Neffe, ebenfalls ein Techniker, verwahrte den Trecker zunächst in seiner Garage. Als dort Platz geschaffen werden musste, übernahm Herbert das Unikat.

Acht Jahre lang stand der Trecker unberührt in einer Schmiede in Wasserleben. Erst im Frühjahr dieses Jahres nahm sich Herbert seiner an, nachdem sein Neffe bemerkte, dass der Trecker nicht lief. Herbert war überrascht, denn „ein Dieselmotor läuft immer oder ist kaputt“. Tatsächlich sprang er zunächst an, lief aber nicht lange. Die Fehlersuche begann. Weder die Handpumpe noch der Filter waren die Ursache dafür, dass kein Sprit ankam. Das Problem entpuppte sich als ein festsitzender Nocken, der den Hebel zur Bedienung der Pumpe blockierte. Dieser Hebel war „fester als fest“. Mit Rostlöser und Geduld konnte Herbert das Teil lösen – „einmal gekloppt, klack und nun läuft die Kiste“.

Der Trecker ist in vielerlei Hinsicht „unnormal dran, aber es funktioniert“. Die Instrumente sind improvisiert: Das „Navigationsgerät“ orientiert sich am Wind. Der Tacho ist ein rotierendes Teil, bei dem man Umdrehungen über 50 Meter zählen muss, um die Geschwindigkeit (bis maximal 25 km/h) zu bestimmen. Ein eigenwilliger Abstandswarner, inspiriert von einem tschechischen Video, meckert, wenn man einem Hindernis zu nahe kommt. Der Motor ist ein luftgekühlter V2-Diesel aus der DDR, Baujahr 1972 – das einzige klar identifizierbare Teil mit Jahreszahl. Das Getriebe stammt von einem P2 und wird als passend für das Fahrzeug beschrieben, auch wenn Allrad vorne nicht umgesetzt wurde. Die Lenkung wird als „hervorragend gelöst“ beschrieben, wenn auch wohl nicht TÜV-konform. Eine besondere Eigenkonstruktion ist die Luftfederung des Sitzes, die Herbert entwickelt hat und die „top funktioniert“. Solche Fahrzeuge seien „Wunderwerke Eigenmarke Eigenbau“, geschaffen von „Freaks“ in ihren Werkstätten.

Am Trecker hängt ein weiteres Stück „absoluter Ostkult“: ein Campingwagen, bekannt als „Düben Ei“. Dieser zeichnet sich durch minimalsten Raum aus und verfügt über ein Bett, das sich aus einem Tisch umbauen lässt. Im Inneren ist noch alles original. Die Wände sind mit weichem Material verkleidet. Beim Betreten riecht man laut Tilo noch den „Osten raus“. Dies liege an den damals verwendeten Kunststoffen mit ihrer Langzeitwirkung, was als „Chlorun live“ umschrieben wird. Die Form des Wohnwagens wird als „richtig schön“ bezeichnet und sorgt für „richtig gute Laune“.

Herbert drehte mit seinem Gespann eine Runde über den Platz und präsentierte die ungewöhnlichen Fahrzeuge den begeisterten Besuchern. Währenddessen arbeitete die Crew eifrig daran, das ebenfalls erwartete Panzerbike zum Start zu bringen. Das Festival bot einmal mehr eine beeindruckende Mischung aus Technikgeschichte und kreativen Eigenbauten, die das Herz jedes Technikliebhabers höherschlagen lassen.

Mehr als nur Sattmacher: Unvergessene Fast-Food-Klassiker der DDR

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Fast Food in der DDR – das war anders als im Westen. Es ging nicht um Burger mit exotischen Saucen, sondern um herzhafte, schnelle Gerichte, die oft das Beste am Tag waren. Diese Imbisse standen für unkomplizierten Genuss und waren fester Bestandteil des Alltags, ob unterwegs, auf dem Rummel, bei Arbeiterfestspielen oder einfach am Imbisstand. Viele dieser Gerichte waren schnell zubereitet, aber nie lieblos, und einige sind bis heute beliebte Klassiker.

Ein unangefochtener König der ostdeutschen Fast-Food-Kultur war der Bräuler, wie das Brathähnchen genannt wurde. Außen knusprig mit einer würzigen Haut, innen saftig und zart, wurde er meist mit den Händen gegessen. Es gab ihn in speziellen Bräulerbars, am Imbiss oder bei Großveranstaltungen. Serviert wurde er oft mit Kartoffelsalat, einer Semmel und einem Klecks Bautzner Senf. Der Bräuler galt als greifbarer Luxus, ein kleiner Feiertag im Alltag.

Eine einzigartige Eigenentwicklung war die Ketwurst, erfunden in Berlin. Länglich und saftig steckte eine heiße Wurst tief in einem vorgebohrten Brötchen. Dazu kam eine kräftige Sauce aus Tomate, Paprika, Senf, süßlich-würzig, manchmal leicht scharf. Sie war keine Nachahmung des Hotdogs, sondern etwas Eigenes, Ostdeutsches.

Der DDR-Burger, bekannt als Grilletta, wurde 1982 erfunden. Er bestand aus einem runden Sauerteigbrötchen und einer dicken Bulette aus Schweinefleisch. Manchmal kamen Ketchup, Senf oder Chutneysauce hinzu. Verkauft an Bahnhöfen, in Konsumimbissen und auf Festen, war sie warm, fettig und sättigend – das ostdeutsche Streetfood, bevor es das Wort gab.

Auch Pizza hatte eine ostdeutsche Variante: die Kruster. Eckig, rustikal und voller Kreativität, bestand sie aus einem Hefeteig, oft mit Roggenmehl. Belegt wurde sie mit dem, was verfügbar war: Jagdwurst, Zwiebeln, Letscho, Schmelzkäse, Paprika oder auch mal ein Ei. Sie beeindruckte nicht durch Exotik, sondern durch Fantasie und machte einfach satt und glücklich.

Die DDR-Currywurst unterschied sich ebenfalls: Sie wurde meist ohne Darm serviert, in Scheiben geschnitten und mit einer kräftigen Tomatensauce übergossen. Diese Sauce, ein Geheimnis jeder Bude, enthielt Tomatenmark, Zucker, Senf, Curry, Paprika und immer einen Hauch Liebe. Sie war ein Feierabendessen, ein Imbisstandklassiker, der nach Straße, Alltag und Leben schmeckte.

Nicht zu vergessen die Thüringer Roster, eine Wurst aus Schweinefleisch, gewürzt mit Majoran, Knoblauch und Kümmel. Sie wurde traditionell auf Holzkohle gegrillt. Serviert im Brötchen oder auf dem Teller, aber immer mit Senf, war die Roster kein Snack, sondern ein Ritual bei Veranstaltungen wie Fußballspielen oder Gartenfesten.

Die Bockwurst im Brötchen war überall zu finden: an der Kaufhalle, am Bahnhof, am Kulturhaus. Warm, schnell und verlässlich, wurde sie auf die Hand gegeben, oft dampfend und mit Bautzner Senf. Auch wenn das Brötchen nicht immer frisch war, die Wurst war es und sie machte satt.

Neben den deftigen Optionen gab es auch Süßes für unterwegs. Der Pfannkuchen, im Osten nie Berliner genannt (in Sachsen Kreppel, in Thüringen Ballen). Ein frittierter Hefeteigballen, gefüllt (meist mit Himbeere, Erdbeer, manchmal Pflaume) und gezuckert – ein Klassiker bis heute.

Abseits der klassischen Imbisse gab es auch Gerichte, die eher an die schnelle Küche zu Hause oder in Kantinen erinnerten, aber dennoch prägend waren. Dazu gehören die Karlsbaderschnitte, eine überbackene Weißbrotscheibe mit Butter, Tomatenmark, Schinken oder Jagdwurst und Käse. Oder die Armen Ritter, aus altem Weißbrot, Milch, Ei und Zucker zubereitet, in Butter gebraten und mit Zimt und Zucker bestreut – ein süßes Abendbrot, das nach Kindheit schmeckte.

Weitere Klassiker waren das Würzfleisch, eine volkstümliche Variante aus dem Osten, oft aus Hähnchen oder Schwein, in einer hellen Sauce mit Käse überbacken, serviert mit Toast. Oder der Gebackene Blumenkohl, paniert und frittiert, das vegetarische Hauptgericht, das in Schulküchen und bei Großeltern Standard war. Auch der Stramme Max (Brot, Schinken, Spiegelei) und die Speckfettbämme (Brot mit warmem Speckfett, Salz, Pfeffer, Zwiebeln und Gurke) waren schnelle, sättigende Abendbrot-Optionen.

Gerichte wie Quarkkeulchen (kleine Quark-Mehl-Küchlein, gebraten, serviert mit Apfelmus oder Kompott) und die süße Schokoladensuppe (Milch, Kakao, Zwieback, Speisestärke) waren ebenfalls beliebte schnelle Mahlzeiten, besonders bei Kindern.

Auch wenn viele dieser Gerichte einfach waren, sind sie bis heute unvergessen. Sie rochen nach Alltag, schmeckten nach Zuhause und bewiesen, dass schnelles Essen trotzdem voller Gefühl sein konnte. Sie waren mehr als nur Gerichte – sie waren oft ein Stück Zusammenhalt oder ein kleiner Glücksmoment im grauen Alltag.

Dresdner Trickfilmgeschichte lebt auf: Neue Dauerausstellung ehrt das DEFA-Studio

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Dresden hat eine reiche Geschichte im Animationsfilm, geprägt durch das DEFA Trickfilmstudio, das nur wenige Jahre nach Kriegsende in der noch zerstörten Stadt gegründet wurde. Dieses Studio hatte eine bedeutende Rolle dabei, dem Genre Film, insbesondere dem Kurz- und Animationsfilm, hier zur Blüte zu verhelfen. Figuren wie Jan und Tini, die Weihnachtsganz Auguste oder das Sandmännchen gehören zur Kindheit von Millionen Menschen. Auch Kurzfilme wie „der Alarm im Kassper Theater“, der gelegentlich noch in Mediatheken läuft, sind vielen bekannt.

Genau dorthin, an den Ort der Entstehung dieser Geschichten, führt eine neue Dauerausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden zurück. Die Ausstellung mit dem Titel „Bild für Bild Phase für Phase“ macht das filmische Erbe des DEFA Trickfilmstudios, das heute vom Deutschen Institut für Animationsfilm (DIAF) bewahrt wird, für alle zugänglich. Sie soll besonders nachwachsenden Generationen zeigen, wie das damals war und wie viel Handwerk hinter einem einzigen Film steckt.

Die Ausstellung beleuchtet, wie ein Animationsfilm aus vielen Einzelteilen und Arbeitsschritten entstand und wie viel Arbeit darin steckte. Kurator Völker Pzold erklärt, dass es ihm und dem Team nicht nur um Nostalgie geht, sondern darum, die Vielfalt und Tiefe klassischer Animationstechniken verständlich zu machen. Die Ausstellung versucht, Archivschätze in einen Zusammenhang zu stellen und die Frage „Was ist eigentlich Animationsfilm, was ist Trickfilm?“ zu beantworten. Dies geschieht mit viel originalem Artwork, Artefakten, Puppen und Grafiken.

Traditionelle Tricktechniken wie Puppentrick, Zeichentrick, Legetrick (oder Flachfigurentrick) und Silhouettentrick werden plastisch dargestellt und erklärt. Die Ausstellung will diese alten Techniken für das Publikum wieder sichtbar machen und deren Funktionsweise erläutern. Kurator Jürg Hermann hebt hervor, dass Animation vor allem ein Handwerk war, ehe digitale Bilder erzeugt werden konnten. Es handelte sich um „manuelle Animation“, bei der Bild für Bild mit der Hand geformt, geschoben oder gelegt wurde. Das Ergebnis konnte man erst sehen, wenn der Film fertig war.

Obwohl das DEFA Trickfilmstudio in der DDR mit einfachen technischen Mitteln und unter politischer Zensur arbeiten musste, stand dies der Schaffung künstlerisch spannender, dramaturgisch gut erzählter, vielfältiger kleiner Meisterwerke nicht im Wege.

Auch wenn Computeranimationen die Filmwelt verändert haben, zeigt die Ausstellung, dass manuell erzeugte Animation eine künstlerische Ausdrucksform bleibt. Wie ein Schreiber einen bestimmten Stil oder ein Maler einen Pinselstrich hat, so besitzt der Animator eine bestimmte Form der Bewegung. Die Ausstellung verdeutlicht, dass die Zeit, in der Computeranimation Festivals dominierte, vorbei ist und manuell animierte Filme auf großen internationalen Festivals wieder dominieren.

„Bild für Bild Phase für Phase“ macht klar: Trickfilm ist mehr als Kinderunterhaltung. Er ist Kunst, Geschichte und vor allem ein Handwerk, das bewegt. Ein Besuch lädt dazu ein, dieses Erbe wiederzuentdecken.