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Landesverwaltungsamt übt deutliche Kritik an Jenaer Finanzen und Verwaltung

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Die Stadt Jena hat die Genehmigung für ihre Haushaltssatzung und den Haushaltsplan für die Jahre 2025 und 2026 erhalten. Das Thüringer Landesverwaltungsamt (TLVwA) erteilte den Bescheid am 17. April 2025, und die Satzung trat mit ihrer Bekanntmachung im Amtsblatt am 24. April 2025 in Kraft. Doch hinter der formalen Genehmigung verbergen sich gravierende Beanstandungen und strenge Auflagen seitens der Aufsichtsbehörde, die ein Schlaglicht auf erhebliche finanzielle und administrative Schwachstellen in der Stadtverwaltung werfen.

Massiver Rückstand bei Jahres- und Gesamtabschlüssen
Eine der zentralen und schärfsten Kritiken betrifft den eklatanten Rückstand bei der Erstellung und Prüfung von Jahres- und Gesamtabschlüssen. Das TLVwA moniert, dass der letzte geprüfte Jahresabschluss der Stadt Jena, der ihm vorliegt, das Jahr 2021 betrifft. Zwar befinde sich der Abschluss für 2022 in Prüfung und 2023 habe gerade begonnen, doch die gesetzlichen Fristen sind längst überschritten. Das Amt weist ausdrücklich darauf hin, dass die Stadt Jena die bestehenden Rückstände bis zur Haushaltssatzung 2027 abgebaut haben muss, da andernfalls eine Beanstandung der gesamten Haushaltssatzung in Betracht gezogen wird.

Ein ähnliches Problem besteht bei den Gesamtabschlüssen. Derzeit liege dem Stadtrat erst der Gesamtabschluss für das Jahr 2020 vor. Kann eine zeitnahe Prüfung des Gesamtabschlusses nicht gewährleistet werden, muss die Stadt wieder jährliche Beteiligungsberichte erstellen. Das TLVwA fordert die jährliche Übersendung dieser Berichte bis spätestens 30. September, sollte kein geprüfter Gesamtabschluss vorgelegt werden können.

Drohende Liquiditätsprobleme und unklare Argumentation
Trotz des formalen Haushaltsausgleichs gemäß den Vorschriften, sieht das Landesverwaltungsamt künftige Liquiditätsprobleme auf die Stadt zukommen. Erhebliche Investitionen sowie hohe Zuweisungen und Zuschüsse an die städtischen Eigenbetriebe führten zu einer künftig angespannten Liquiditätssituation. Nach der aktuellen Finanzplanung werden die derzeit verfügbaren liquiden Mittel von über 62 Millionen Euro im Jahr 2026 voraussichtlich vollständig aufgebraucht sein. Die Stadt müsse planmäßig die Mittel des sogenannten Cash-Pools beanspruchen, obwohl diese rechtlich vollständig als Forderungen der Eigenbetriebe gegenüber der Stadt gebunden seien.
Besonders kritisch merkt das TLVwA an, dass die Argumentation der Stadt, warum diese liquiden Mittel nicht zur Reduzierung von Kreditaufnahmen des Kernhaushalts eingesetzt werden können (da 80% davon dem Eigenbetrieb KSJ zuzuschreiben seien), „nicht schlüssig und nachvollziehbar“ erscheint. Dies liegt daran, dass die Stadt Jena die Cash-Pool-Mittel selbst zum Großteil zur Deckung der eigenen Auszahlungen verwendet.

Strikte Auflagen für Berichterstattung und Finanzplanung
Angesichts dieser kritischen Finanzlage fordert das Landesverwaltungsamt eine wesentlich detailliertere und regelmäßigere Berichterstattung. Dazu gehören unterjährige Liquiditätsübersichten des Kernhaushaltes und der Eigenbetriebe, jährliche Übersendung der geprüften Jahresabschlüsse von Stadt und Eigenbetrieben, sowie des Gesamtabschlusses oder der Beteiligungsberichte.

Zudem erteilt die Behörde eine Reihe von Hinweisen zur künftigen Finanzplanung, die deutlich mehr Transparenz und Vereinheitlichung verlangen. Die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe müssen künftig einheitlich vorgelegt werden und zusätzliche Informationen enthalten, wie aktuelle Finanzmittelbestände, Liquiditätsprognosen, detaillierte Erläuterungen zu wichtigen Planansätzen und die Aufzeichnung bestehender Tendenzen und Risiken. Die Erfolgspläne sollen auf den mittelfristigen Finanzplanungszeitraum erweitert werden. Die Übersicht über geplante Investitionsvorhaben muss künftig klar zwischen Investitions- und Instandhaltungsmaßnahmen trennen und Erläuterungen zu übertragenen Maßnahmen enthalten. Eine vollständige Schuldenübersicht aller wirtschaftlich vom Sondervermögen zu tragenden Schulden wird ebenso gefordert wie die Kennzeichnung übertragener Verpflichtungsermächtigungen.

Ein spezifischer Mangel wurde beim Eigenbetrieb Kultur und Marketing Jena (KMJ) festgestellt: Der für das Wirtschaftsjahr 2026 festgesetzte Höchstbetrag für Liquiditätskredite in Höhe von 3 Millionen Euro weist keinen zugrundeliegenden Wirtschaftsplan für 2026 auf. Das Amt warnt, dass diese Festsetzung unwirksam sein könnte, sollte der Wirtschaftsplan 2026 nicht die erforderlichen Erträge von mindestens 18 Millionen Euro vorsehen. Der Stadtrat muss den Wirtschaftsplan 2026 für KMJ daher im Jahr 2025 beschließen und gegebenenfalls der Rechtsaufsicht vorlegen.

Die Genehmigung des Haushalts für 2025/2026 mag der Stadt Jena kurzfristig Planungssicherheit geben, doch der Bescheid des Landesverwaltungsamtes macht unmissverständlich klar: Jena steht vor erheblichen Herausforderungen beim Abbau administrativer Rückstände und der Sicherstellung ihrer langfristigen Zahlungsfähigkeit. Die scharfen Hinweise und Auflagen setzen die Stadtverwaltung und den Stadtrat unter erheblichen Druck, die Mängel zügig zu beheben, um künftige Beanstandungen zu vermeiden und die finanzielle Stabilität der Stadt nachhaltig zu sichern.

Ehrlichkeit gefragt: Jenas Klimaziel und der gekürzte Nahverkehr

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In Jena wird gern über das Klima gesprochen. An jeder Ecke im Stadtrat, bei jeder Pressekonferenz, in jedem Ausschuss: „Klimaschutz ist wichtig!“ – so lautet das Mantra. Es wird beschlossen, beratschlagt, geplant. Kataloge von Beschlussempfehlungen wandern durch die Gremien, eine eigene Klimaagentur wurde gegründet, und das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 steht wie ein Monolith im politischen Raum.

Doch während auf dem Papier die grüne Transformation Gestalt annimmt, sieht die Realität auf den Straßen ganz anders aus. Ausgerechnet dem Jenaer Nahverkehr, dem Rückgrat einer klimafreundlichen Stadt, drohen Einschnitte. Einsparungen, Streichungen, Ausdünnung des Angebots – alles aus Kostengründen.

Wie passt das zusammen? Die Antwort: gar nicht.

Der öffentliche Nahverkehr ist nicht irgendein Posten, den man nach Belieben zusammenkürzen kann. Er ist zentraler Baustein jeder ernst gemeinten Klimapolitik. Wer wirklich will, dass Menschen aufs Auto verzichten, muss Alternativen bieten. Und zwar bezahlbare, zuverlässige, eng getaktete Alternativen. Dass nun ausgerechnet am Jenaer Nahverkehr der Rotstift angesetzt wird, klingt wie ein schlechter Scherz – oder schlimmer: wie ein Offenbarungseid.

Der Widerspruch ist offensichtlich. Nach außen wird ein klimapolitisches Vorzeigeprojekt inszeniert – doch innen drin bröckelt die Glaubwürdigkeit. Es wirkt, als fehle der politische Wille, sich ehrlich zu machen. Man redet von klimaneutraler Stadtentwicklung, während gleichzeitig Strukturen zerschlagen werden, die genau diese Entwicklung ermöglichen sollen.

Wollen wir wirklich eine Stadt, in der das Auto verdammt wird, aber der Bus nicht mehr fährt? Wo Fußgänger und Radfahrer das Stadtbild prägen, aber bei Wind und Wetter mangels Alternativen frierend zur Arbeit radeln? Ist das die Vision für Jena im Jahr 2035? Ein Hoch auf dieses Konzept in einer Stadt mit Industrie, Forschung und Wissenschaft – wo die Menschen mobil sein müssen.

Es braucht jetzt keine neuen Konzepte, sondern Ehrlichkeit. Entweder wir nehmen den Klimaschutz ernst – mit allen Konsequenzen, auch finanziellen – oder wir hören auf, ihn als politisches Feigenblatt zu benutzen. Denn Klimaschutz beginnt nicht mit einem Leitantrag oder der nächsten PR-Kampagne. Er beginnt mit der Entscheidung, den Menschen eine echte Alternative zum Auto zu bieten. Und das fängt beim Nahverkehr an. Nicht morgen. Heute.

(JP) ÖPNV-Kahlschlag in Jena: Stadtverwaltung streicht Buslinien und erhöht Ticketpreise

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In Jena steht der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) vor signifikanten Einschnitten im Angebot, die Teil von geplanten Sparmaßnahmen der Stadtverwaltung sind und im Rahmen der Diskussion um den Doppelhaushalt 2025/2026 behandelt werden. Diese Pläne stoßen auf erheblichen Widerstand bei Bürgern und Politikern.

Die Stadt Jena fungiert als Aufgabenträger für den straßengebundenen ÖPNV und hat die Durchführung der Personenverkehrsdienste im Linienverkehr per Direktvergabe an die Jenaer Nahverkehr GmbH (JNV) übertragen. Die Finanzierung des Nahverkehrs erfolgt im Rahmen der allgemeinen Unternehmensfinanzierung, hauptsächlich durch Gesellschafterzuschüsse der Stadt Jena sowie Finanzhilfen des Freistaates Thüringen. Unmittelbare Ausgleichszahlungen für die Erbringung der Linienverkehre gewährt die Stadt Jena laut Berichten von 2020 und 2023 nicht.

Die Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT), dem auch der Jenaer Nahverkehr angehört, sehen sich mit weiterhin hohen Kosten für Energie, Personal und Investitionen konfrontiert. Zwar konnten Kostensteigerungen in den Jahren 2022 und 2023 noch teilweise durch Sonderfinanzhilfen des Freistaates Thüringen abgemildert werden, diese stehen jedoch ab dem Jahr 2024 nicht mehr zur Verfügung. Dies führt zu einem steigenden Zuschussbedarf der Stadtwerke Jena.

Als Reaktion auf die angespannte finanzielle Situation und als Teil des Sparpakets wurden Vorschläge für Kürzungen im Umfang von 500.000 Euro beim Nahverkehr erarbeitet. Zu den von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Maßnahmen gehören unter anderem:

• Die Einstellung der Buslinie 42 ins Wohngebiet Himmelreich. Anwohner sollen auf den Regionalverkehr verwiesen werden.

• Die Einstellung der Buslinie 48 von Jena-Maua zum Busbahnhof. Fahrgäste sollen auf Fahrten der Linie 18 verwiesen werden.

• Die Reduzierung des Taktes auf den Straßenbahnlinien 1 und 4/5 im Berufs- und Tagesverkehr auf 10 Minuten.

• Die Reduzierung des Taktes auf der Buslinie 14 (Schlegelsberg – Langetal) im Tagesverkehr ab 9 Uhr auf 20 Minuten.

• Die Einstellung von Anrufsammeltaxis (AST) auf den Linien 11, 12, 16, 18, 41, 42, 43A und 48, da sie laut Verwaltung kaum abgerufen wurden. Nur auf der Linie 44 sollen AST-Fahrten weitergeführt werden.

• Die Reduzierung des Wochenendtaktes auf den Linien 14, 15 und 16 auf 30 Minuten.

• Die Reduzierung des Taktes auf der Buslinie 16 zwischen Ziegenhainer Tal und Mühltal auf 20 Minuten an Wochentagen.

Diese Sparpläne haben empörte Reaktionen hervorgerufen. Besonders betroffen sind die Bewohner des Wohngebiets Himmelreich und des Ortsteils Maua. Gegen die geplante Streichung der Linie 42 wurde eine neue Online-Petition gestartet, die sich an den Stadtrat der Stadt Jena richtet. Diese Petition hat schnell die nötige Unterschriftenzahl von 300 für einen Einwohnerantrag überschritten und über 470 Unterstützer gesammelt. Anwohner und der Ortsteilrat Zwätzen kritisieren, dass die Streichung der Linie 42, die erst 2021 nach einer früheren erfolgreichen Petition eingeführt wurde, die Mobilität vieler Bürger, insbesondere älterer Menschen, Familien ohne Auto und Jugendlicher, deutlich einschränken würde. Sie argumentieren, dass die Einsparung mit etwa 134.000 Euro relativ gering sei und die Pläne früheren Stadtratsbeschlüssen sowie Klimazielen widersprechen. Auch die Streichung der Linie 48 nach Maua wird kritisiert, da sie den Ortsteil abkoppeln würde.

Die Fraktion Die Linke im Jenaer Stadtrat lehnt die geplanten Kürzungen ebenfalls ab. Sie fordert, den städtischen Zuschuss an die Stadtwerke bedarfsgerecht zu erhöhen und schlägt vor, zusätzliche Mittel des Freistaates Thüringen dafür einzusetzen, anstatt sie zur Senkung des städtischen Defizits zu verwenden. Die Linke betrachtet den ÖPNV als integralen Bestandteil der Daseinsvorsorge und plädiert für den Erhalt des Angebots, auch in Randzeiten und für alle Stadtteile. Stadtrat Denny Jankowski (AfD) kritisierte im Rahmen der Haushaltsdebatte, dass an Stellen wie dem Nahverkehr gespart werde, während andere Ausgaben hoch seien.

Die Diskussion über die Sparmaßnahmen im Nahverkehr läuft noch. Nach intensiven Debatten im Stadtentwicklungsausschuss steht eine entscheidende Abstimmung im Stadtrat bevor. Kritiker fordern eine Überarbeitung der Beschlussvorlage und weitere Gespräche unter Einbeziehung der betroffenen Bürger und Ortsteile.

Parallel zu den Sparplänen wurden und werden die Fahrpreise im VMT angepasst. Zum 1. August 2024 stiegen die Preise um durchschnittlich 9,97 Prozent. Eine weitere Tariferhöhung um durchschnittlich 7,26 Prozent ist zum 1. August 2025 geplant und bedarf der Zustimmung des Stadtrats, da sie über fünf Prozent liegt. Auch diese Anpassungen werden mit den gestiegenen Kosten begründet. Der Preis des Deutschlandtickets bleibt davon ausgenommen, da er gesondert finanziert wird.

(JP) Jenaer Jugendstudie zeichnet gemischtes Bild – Soziale Herkunft zählt mehr als ethnische

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Die Stadt Jena hat in Zusammenarbeit mit dem Organisationsberatungsinstitut Thüringen – ORBIT e.V. die „Jenaer Kinder- und Jugendstudie 2024“ durchgeführt, um die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren umfassend zu beleuchten. An der quantitativen Online-Befragung, die vom 14. Oktober 2024 bis zum 31. Januar 2025 stattfand, nahmen 1.373 Schülerinnen und Schüler teil. Die Stichprobe gilt, gewichtet nach Planungsraum, Alter und Geschlecht, als repräsentativ für die Zielgruppe. Die Ergebnisse, vorgestellt bei einer gemeinsamen Sitzung verschiedener Ausschüsse und des Jugendparlaments, liefern wichtige Daten für die kommunale Planung, unter anderem für den Kinder- und Jugendförderplan.

Wichtige Ergebnisse im Überblick:

Sinkende Lebenszufriedenheit und steigende psychische Belastung: Im Vergleich zu den Studienjahren 2014 und 2017 ist die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen in Jena gesunken. Nur noch 47,4% gaben 2024 eine hohe Zufriedenheit an, verglichen mit 53,8% im Jahr 2014. Gleichzeitig ist die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern stark gestiegen. Psychische Belastung wird als Untersuchungsmerkmal genannt, und es gibt deutliche Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit und psychischen Belastung zwischen den verschiedenen Planungsräumen Jenas. Rund 14% der Befragten fühlen sich seit der Pandemie psychisch besonders belastet, weitere 21% zumindest teilweise. Aktuell geben 21% an, sich psychisch stark belastet zu fühlen.

Einfluss der finanziellen Situation: Die finanzielle Lage beeinflusst unter anderem die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln. Jugendliche in Lobeda und Winzerla geben seltener an, sich alles leisten zu können, was sie wollen, als der Durchschnitt.

Demokratie und Mitbestimmung: Während eine Mehrheit von 69% die Demokratie für die beste Staatsform hält, stimmen 17% der Aussage zu, dass die Anliegen der Menschen in unserer Demokratie nicht mehr vertreten werden. Fast die Hälfte (49,6% Zustimmung oder teils/teils) ist der Meinung, dass sich die Menschen politisch stärker engagieren sollten. Jugendliche wünschen sich mehr Mitbestimmung insbesondere bei den Themen Öffentlicher Nahverkehr (43,1%), Gestaltung öffentlicher Orte (37,4%) und Sportmöglichkeiten (36,6%). Als Unterstützung zur besseren Einbringung ihrer Meinung nennen sie Freunde, die mitmachen, mehr Zeit und mehr Gelegenheiten [Quelle nicht in den vorliegenden Ausschnitten]. Das Vertrauen ist am größten bei der Wissenschaft (62,8% großes Vertrauen) und der Justiz (36,2% großes Vertrauen), am geringsten bei Parteien (5,5% großes Vertrauen) und Neuen Medien (3,1% großes Vertrauen).

Problemlagen und Hilfesuche: Die Studie erfragte den Konsum von Alkohol (40,5% Konsum), Zigaretten (19,5% Konsum) sowie E-Zigaretten/Vapes (18,8% Konsum) und Cannabis (12,7% Konsum). Ein deutlicher Wunsch nach mehr Aufklärungsangeboten an den Schulen zu diesen Themen besteht. 37,0% der Jugendlichen spüren noch heute Auswirkungen der Corona-Pandemie, vor allem in den Bereichen Schule (63,4%), Gesundheit (33,7%) und Sozialverhalten (29,4%). Bei Problemen wenden sich Jugendliche am häufigsten an ihre Familie (71,8%) und Freunde (66,6%). Lehrkräfte (13,0%) oder Schulsozialarbeiter*innen (7,7%) werden deutlich seltener kontaktiert. 11,8% geben an, Probleme allein zu klären.

Berufliche Orientierung: Berufliche Sicherheit spielt für einen Teil der Befragten eine große Rolle. Rund 42,2% informieren sich bereits über mögliche Berufe, aber nur 29,7% wissen schon genau, was sie später machen wollen. Viele (44,2%) möchten beruflich einiges ausprobieren. Nach der Schule planen die Jugendlichen am häufigsten ein Studium (30,5%) oder eine Ausbildung/Lehre (29,8%). Berufsinformationsangebote werden nicht automatisch als hilfreich empfunden, nur weil sie genutzt werden.

Weitere Erkenntnisse: Die Ablehnung bestimmter Personengruppen ist eher durch soziale als durch ethnische Zuschreibung geprägt. Am meisten stört es Jugendliche, wenn eine deutsche Familie, die von Hartz IV lebt (24,3%), oder eine deutsche Familie mit vielen Kindern (21,7%) in die Nachbarwohnung ziehen würde.

Die Studie hebt auch positive Aspekte hervor: Jenaer Kinder und Jugendliche sind überdurchschnittlich sportlich aktiv und gestalten ihre Freizeit häufiger in Gemeinschaft statt allein. Zudem nutzen junge Menschen in allen Planungsräumen die Angebote der Jugendtreffs.

Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, Jugendhilfeangebote und Beteiligungsformate für junge Menschen zu verstetigen und weiter auszubauen. Die Rückmeldungen zum Umgang mit sozialen Medien und Drogen deuten darauf hin, dass bestehende Aufklärungsangebote fortgeführt und durch präventive Projekte zur Stärkung sozialer Kompetenzen ergänzt werden sollten.

(JP) Vom Konzernlenker zum Ehrenbürger: Michael Kaschkes Vermächtnis für Jena

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Michael Kaschke
Michael Kaschke

Der Jenaer Stadtrat hat in seiner Sitzung am 29. April 2025 einstimmig beschlossen, Prof. Dr. Michael Kaschke die Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena zu verleihen. Mit dieser höchsten Auszeichnung ehrt die Stadt einen Mann, der in den letzten Jahrzehnten maßgeblich zur positiven Entwicklung Jenas als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort beigetragen hat.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG (2011–2020) war eine treibende Kraft hinter bedeutenden Entscheidungen, die Jena langfristig stärken werden – allen voran der Neubau des ZEISS-Hightech-Standorts. Diese milliardenschwere Investition sichert nicht nur Arbeitsplätze und Wachstum, sondern unterstreicht die dauerhafte Bedeutung Jenas als Gründungs- und Innovationsstandort des traditionsreichen Unternehmens.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche hob in seiner Rede hervor, dass Kaschkes Wirken weit über die Grenzen der Wirtschaft hinausreiche. Besonders würdigte er dessen Engagement für Bildung und Forschung, insbesondere im Bereich der MINT-Fächer. Kaschke habe früh erkannt, wie entscheidend naturwissenschaftliche Bildung für den Fortschritt sei, und sich konsequent für die Nachwuchsförderung eingesetzt – sowohl in Schulen als auch an Hochschulen.

Ein bedeutender Meilenstein seines Wirkens ist die Gründung der Carl Zeiss Meditec AG im Jahr 2002. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Jena zählt heute zu den erfolgreichsten börsennotierten Medizintechnikfirmen in Deutschland und ist ein Eckpfeiler der wirtschaftlichen Stärke der Stadt.

Auch kulturell und historisch hat sich Kaschke verdient gemacht. Die Stiftung Deutsches Optisches Museum, deren Ziel die Weiterentwicklung des Jenaer Optischen Museums zum zentralen Ort für optische Wissenschaft und Technologie in Deutschland ist, wurde maßgeblich auf seine Initiative hin gegründet. Der laufende Um- und Neubau des Museums soll Jena neue Impulse im Tourismus, der Bildung und in der städtischen Identität geben.

Darüber hinaus engagiert sich Kaschke auch für den Erhalt des kulturellen Erbes – etwa bei der Wiederherstellung des historischen Johannisfriedhofs mitsamt dem Grab von Carl Zeiss sowie im Kirchbauverein Jena.

„Die Verdienste von Prof. Dr. Michael Kaschke für Jena sind vielfältig und tiefgreifend. Sein Wirken hat die Entwicklung der Stadt entscheidend geprägt – in wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht“, betonte Oberbürgermeister Nitzsche. Er dankte auch seinem Amtsvorgänger Dr. Albrecht Schröter, der die Initiative zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde ergriffen und mitgetragen hatte.

Kaschke ist auch auf Bundesebene ein anerkannter Wissenschaftsorganisator: Seit 2022 ist er Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und setzt sich in dieser Funktion für die Stärkung der deutschen Forschungslandschaft ein.

Die Festveranstaltung zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Prof. Dr. Michael Kaschke ist für den Spätherbst 2025 geplant. Sie wird ein Höhepunkt im öffentlichen Leben der Stadt sein – und eine angemessene Würdigung eines Mannes, dessen Einfluss auf Jena nachhaltig spürbar bleiben wird.

(JP) Mehr E-Autos und 4100 Nutzer – Carsharing wächst rasant

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Die Stadt Jena macht einen weiteren Schritt in Richtung umweltfreundliche Mobilität. Mit der Eröffnung einer neuen E-Carsharing-Station vergrößert der Anbieter teilAuto seine Elektroflotte in der Saalestadt. Dies ist das Ergebnis einer Fortsetzung der Kooperation mit der Energiegenossenschaft Ilmtal eG aus Weimar. Am Standort Wöllnitzer Straße wurde kürzlich neue Ladetechnik in Betrieb genommen, die zunächst für ein E-Auto der Kompaktklasse zur Verfügung steht. Ein zweites Elektrofahrzeug soll das Angebot in Kürze ergänzen.

Dies ist bereits der zweite Standort im Jenaer Kernbergviertel, an dem teilAuto und die Ilmtal Energiegenossenschaft gemeinsam Lademöglichkeiten für gemeinschaftlich genutzte Elektroautos geschaffen haben. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Partner in der Heimstättenstraße eine E-Carsharing-Station eröffnet.

Christian Vollrath, Regionalleiter bei teilAuto, hebt die Bedeutung Jenas hervor: „Unsere Flotte in Jena hat im Vergleich mit anderen Thüringer teilAuto-Städten aktuell den größten E-Auto-Anteil“. Er betont jedoch auch Herausforderungen bei der Installation von Ladetechnik: „Gern würden wir bei der Ausstattung unserer Carsharing-Stationen mit Ladetechnik schneller vorankommen. Viele Beteiligte müssen dafür an einen Strang ziehen“. Umso erfreuter zeigt er sich über die Zusammenarbeit: „Daher sind wir sehr froh, auf das Know-how und die Unterstützung der Energiegenossenschaft bauen zu können“.

Die Nachfrage nach Carsharing in Jena wächst spürbar. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Nutzenden um 600 neue Fahrtberechtigte auf nunmehr 4.100 Personen. Christopher Gieb, Projektleiter bei der Ilmtal Energiegenossenschaft, sieht darin großes Potenzial: „Die Nachfrage nach CO2-neutraler Mobilität wächst mit dem Angebot von Elektroautos“. Er ist überzeugt, dass gerade im Carsharing viele Menschen von dieser Entwicklung profitieren können. Durch den zielgerichteten Einsatz von Ladetechnik kann diese effizient genutzt werden, wodurch Elektromobilität einer großen Zahl von Nutzern zugänglich gemacht wird.

Das Konzept des Carsharings bietet vielfältige Vorteile. Studien zufolge kann ein einziges Carsharing-Auto im Durchschnitt acht bis zehn private Pkw ersetzen, was zur Entlastung des Straßenraums beiträgt. Laut Bundesverband Carsharing ist das organisierte Autoteilen insbesondere für Personen attraktiv, die im Jahr weniger als 14.000 Kilometer fahren und das Auto nicht täglich für den Arbeitsweg benötigen.

Die Gemeinschaftsautos stehen rund um die Uhr zur Verfügung und können flexibel gemietet werden – von einer Stunde bis zu mehreren Wochen. Die Buchung ist jederzeit per App, Webseite oder telefonisch möglich. Der Zugang zu den Fahrzeugen erfolgt über die Smartphone App. Für die erste Nutzung ist eine einmalige Registrierung auf teilauto.net erforderlich.

Neben Pkws in unterschiedlichen Größen bietet teilAuto auch Lieferfahrzeuge, Kleinbusse und Transporter zur Ausleihe an. Diese Vielfalt ermöglicht es den Nutzern, für jeden Bedarf das passende Fahrzeug zu finden, ohne ein eigenes besitzen zu müssen.

Die Erweiterung des E-Carsharing-Angebots in Jena durch die Kooperation von teilAuto und der Ilmtal Energiegenossenschaft markiert einen wichtigen Schritt für eine nachhaltigere und effizientere Mobilität in der Stadt, der auf das wachsende Interesse der Bevölkerung an CO2-neutralen Transportmöglichkeiten reagiert.

Thüringens Kassen unter Druck: Steuerschätzung offenbart ernüchternde Aussichten

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Die jährliche Mai-Steuerschätzung ist für Landes- und Kommunalpolitiker in etwa das, was der Wetterbericht für Landwirte ist – ein entscheidender Blick in die Zukunft, der über Planung und Sorgen entscheidet. Die jüngsten Ergebnisse für Thüringen verheißen, offen gesagt, kein sonniges Wetter, sondern eher dunkle Wolken am Horizont, insbesondere für die kommenden Jahre und die gebeutelten Kommunen.

Auf den ersten Blick mag die Nachricht für das Land Thüringen im laufenden Jahr 2025 noch nach einem kleinen Lichtblick aussehen: Man rechnet mit 109 Millionen Euro mehr, als bisher im Haushalt angenommen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell, dass dies nur eine kurzfristige Atempause sein könnte. Die eigentliche Botschaft der Schätzung liegt in der erheblichen Abwärtskorrektur für die entscheidenden Planungsjahre danach. Für 2026 werden 71 Millionen Euro weniger erwartet als noch im Oktober 2024, und für 2027 sogar 99 Millionen Euro weniger. Finanzministerin Katja Wolf formuliert es klar: Die Einnahmeerwartungen des Landes müssen insgesamt nach unten korrigiert werden. Das Ziel, das strukturelle Defizit zurückzuführen und dringend nötige Investitionen zu tätigen, muss in einem Umfeld erreicht werden, in dem die Steuereinnahmen nicht mehr so dynamisch wachsen wie im letzten Jahrzehnt.

Die Gründe für diese ernüchternde Entwicklung sind vielfältig und spiegeln die angespannte gesamtwirtschaftliche Lage wider. Die deutsche Wirtschaft tritt seit über fünf Jahren auf der Stelle, etwa auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Dies schlägt sich direkt in den Steuereinnahmen nieder. Schwerer noch wiegen aber nun berücksichtigte Steuerrechtsänderungen auf Bundesebene. Das im Dezember 2024 verabschiedete Steuerfortentwicklungsgesetz führt allein im Prognosezeitraum zu bundesweiten Mindereinnahmen von 65,1 Milliarden Euro bei der Einkommensteuer. Insgesamt werden gesamtstaatliche Mindereinnahmen von 81,2 Milliarden Euro gegenüber der Oktober-Schätzung 2024 prognostiziert, wovon 26,4 Milliarden Euro auf die Länder und satte 27,1 Milliarden Euro auf die Gemeinden entfallen.

Und genau hier liegt ein besonderes Alarmzeichen: die Situation der Thüringer Kommunen. Während das Land 2025 noch mit einem Plus rechnet, stehen die Kommunen sofort vor Mindereinnahmen von 101 Millionen Euro. Über den gesamten Schätzzeitraum bis 2029 summieren sich die Mindereinnahmen für die Kommunen auf gewaltige 656 Millionen Euro im Vergleich zur Oktober-Schätzung. Besonders beunruhigend: Die jährlichen Mindereinnahmen der Kommunen steigen kontinuierlich an. Neben den Steuerrechtsänderungen spiegelt sich hier auch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche wider, die sich besonders auf die Gewerbesteuer auswirkt. Zwar wird für die Kommunen absolut ein Einnahmenwachstum prognostiziert, doch die empfindliche Lücke im Vergleich zu den erwarteten Einnahmen ist eine enorme Belastung für die bereits oft klammen Kassen vor Ort.

Diese Schätzungsergebnisse sind von höchster Relevanz für die anstehende Aufstellung des Doppelhaushalts 2026/2027. Die Eckwerte wurden zwar bereits vom Kabinett verabschiedet, doch die nun konkretisierten Zahlen zeigen, dass die finanzielle Decke dünner ist als erhoff. Trotz des positiven Signals durch das Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes, das zusätzliche Mittel für Investitionen bereitstellt, bleibt die Kernaufgabe, den laufenden Haushalt zu finanzieren, in einem Umfeld geringeren Einnahmenwachstums eine Herkulesaufgabe.

Finanzministerin Wolf spricht zwar von einer möglichen „Bodenbildung“ und ist im Hinblick auf die weitere Entwicklung „optimistisch“, betont aber auch, dass die Risiken und Unsicherheiten aktuell sehr hoch sind. Dieses hohe Maß an Unsicherheit gepaart mit den deutlich nach unten korrigierten Einnahmeerwartungen für die kommenden Jahre, insbesondere auf kommunaler Ebene, lässt für die anstehenden Haushaltsberatungen keinen großen Spielraum für Wunschkonzerte. Die Realität der Steuerschätzung fordert eine vorsichtige und vorausschauende Finanzpolitik, um Thüringen und seine Kommunen finanziell auf Kurs zu halten. Die Aussichten sind, bei aller Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung, ernüchternd und mahnen zur äußersten Sorgfalt.

(JP) Das Ende der DDR-Garagenhöfe? Jenaer Nutzer kämpfen um ihr Hobby und soziales Leben

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Jena. Am kommenden Freitag, dem 13. Juni, soll vor dem Landgericht Gera eine Entscheidung in einem seit Längerem geführten Streit um eine Garagenanlage in Jena fallen. Verhandelt wird der Rechtsstreit zwischen dem Garagenverein „An der Kläranlage“ und der Stadt Jena, vertreten durch den Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena (KIJ). Bereits in der mündlichen Verhandlung hat Richter Stefan Kramer signalisiert, dass er die von KIJ ausgesprochene Kündigung des Garagenvereins für wirksam hält. Die Stadtverwaltung plant, konkrete Schritte und Maßnahmen erst nach der Urteilsverkündung und dem Vorliegen des schriftlichen Urteils festzulegen.

Renaturierung und Klimaoase als städtische Ziele
Unabhängig vom ausstehenden schriftlichen Urteil bekräftigt die Stadt Jena ihre grundlegenden Pläne für das betroffene Gebiet. Das zentrale Ziel bleibt die Renaturierung der Fläche, basierend auf einem Beschluss des Stadtrates. Nach dem geplanten Rückbau der Garagen soll das Areal naturnah umgestaltet werden, um als sogenannte Klimaoase der wohnortnahen Erholung für die Bürgerinnen und Bürger zu dienen.
Diese neu entstehende Grünfläche erhält zusätzlich eine wichtige Funktion: Sie ist als Ausgleichsfläche für den geplanten Ausbau des Verkehrsknotens Brückenstraße/Wiesenstraße im Norden der Stadt vorgesehen. Der damalige Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD), der inzwischen Geschäftsführer der Ernst-Abbe-Stiftung ist, hatte im November im Stadtrat erläutert, dass für den Ausbau der Wiesenstraße Retentionsraum für den Hochwasserschutz benötigt werde und dieser im Bereich der Lobedaer Garagen gefunden worden sei. Im Juni 2022 bestätigte der Stadtrat sehr knapp einen Förderbescheid, der spezifische Ziele für den Standort bei Lobeda nannte, darunter den Rückbau von 175 Garagen an den Anlagen „An der Kläranlage“ und „Am Wehr“, die Entsiegelung und Begrünung, die Pflanzung von Bäumen, die Einrichtung von Sitzmöglichkeiten, Radabstellanlagen und Spielmöglichkeiten.

Angepasste Förderstrategie
Ursprünglich sollte der Abriss der Garagen über das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ finanziert werden. Bewilligte Mittel in Höhe von 753.300 Euro standen dafür bereit. Eine Bedingung des Förderprogramms war allerdings, dass die Klimaoase bis Ende 2024 fertiggestellt sein müsste. Da sich der Klageprozess bezüglich der Garagenanlage „An der Kläranlage“ verzögerte, suchte die Stadt in Abstimmung mit dem Fördermittelgeber, dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen, eine alternative Verwendung der Mittel im Umfeld. Ein Gartenhaus und der ehemalige Fußgängersteg oberhalb der Alten Burgauer Brücke wurden stattdessen in das Projekt integriert und kürzlich abgerissen. Die Garagenanlage „An der Kläranlage“ wurde aus diesem ursprünglichen Förderprojekt herausgenommen und findet sich auch nicht auf der großen Bautafel am Radweg.

Garagen in Ostdeutschland: Mehr als nur Stellplätze
Garagenanlagen in Ostdeutschland, oft in den Randbezirken gelegen und nach Normen wie Typ I Dresden in den 1970er Jahren gebaut, sind mehr als nur Stellplätze. Sie dienten und dienen häufig als Werkstätten, Treffpunkte und Orte der Erinnerung. Vielerorts wurden sie von den Nutzern selbst in Eigenleistung auf fremdem Grund errichtet, was zu DDR-Zeiten üblich war. Da das Reparatur-Netz in der DDR kleiner war, wurden die Garagen auch für die Fahrzeugpflege genutzt. Viele Nutzer hängen sehr an ihren Garagen und haben eine besonders große Identifikation mit ihnen, da sie auch für Aktivitäten genutzt wurden, die sonst zu Hause stattfänden. Garagenhöfe sind Orte für geselliges Beisammensein, Feierlichkeiten, aber auch Werkeln und Basteln. Sie können als Ort einer bisher ungeschriebenen Geschichte Ostdeutschlands betrachtet werden.

Position des Garagenvereins und rechtliche Lage
Auch der Garagenverein „An der Kläranlage“ will das schriftliche Urteil abwarten, bevor über weitere Schritte entschieden wird. Die Garagen auf dem Gelände wurden, wie für DDR-Zeiten typisch, in Eigenleistung auf fremdem Grund gebaut. Parallel zum Rechtsstreit um die Gemeinschaftsanlagen läuft ein Verfahren gegen einzelne Garagennutzer, die ihre Garagen noch nicht an die Stadt zurückgegeben haben; dieses Verfahren ruhte längere Zeit in Erwartung des Urteils in höherer Instanz. Nach Einschätzung des Vereins besteht nicht mehr die Sorge, dass die Nutzer die Abrisskosten tragen müssen. Dies wird damit begründet, dass die Garagen bereits gebaut waren, als sie übernommen wurden, und der Inhalt des damals geschlossenen Vertrages maßgeblich sei.

Politische Debatte und alternative Ansätze
Das Thema Garagenabriss sorgt auch politisch für Diskussionen. Die AfD-Fraktion im Jenaer Stadtrat sprach sich gegen den Abriss aus. Ihr Fraktionsvorsitzender Denny Jankowski betonte in der Stadtratssitzung am 15.06.2022, dass der Garagenkomplex gut gepflegt sei, die Besitzer sehr an ihren Garagen hingen und keine Ersatzlösung in Sicht sei. Er bezweifelte den Grund des Abrisses und nannte Fördermittel allein als unzureichende Begründung. Die AfD stimmte gegen den Abriss, wurde aber vom Stadtrat überstimmt. Aus Sicht der AfD sollte das Vorhaben der Renaturierung überdacht und eine gütliche Einigung im Rechtsstreit gesucht werden, um den Garagenbesitzern eine Perspektive aufzuzeigen.
Im Jahr 2016 hatte der Stadtrat auf Grundlage einer Beschlussvorlage von KIJ ein Garagenentwicklungskonzept bestätigt. Dieses teilte die städtischen Garagenstandorte in drei Kategorien ein. Die Garagenanlage „An der Kläranlage“ wurde dabei zunächst der Kategorie 2 zugeordnet, für die eine mittelfristige Neubewertung oder Umnutzung, unter anderem aufgrund der Lage im Außenbereich und Überschwemmungsgebiet sowie naheliegenden Biotopen, vorgesehen war. Ziel des Konzepts war es, Planungssicherheit für Nutzer und Stadt zu schaffen, Flächen für Wohnen und Gewerbe zu generieren und eine nachhaltigere Bewirtschaftung zu ermöglichen.

Andere Städte gehen teilweise andere Wege im Umgang mit ihren Garagenhöfen. Die Stadt Chemnitz beispielsweise, Kulturhauptstadt Europas 2025, widmete den Garagenhöfen ein Projekt namens „#3000Garagen“, um die persönlichen und kollektiven Geschichten dieser Orte sichtbar zu machen und die Garagen als mehr als nur automobile Abstellorte zu verstehen.

Entwicklungen bei benachbarten Flächen
Zuletzt gab es auch Diskussionen über direkt angrenzende Garagenflächen, die bis vor Kurzem im Eigentum der Ernst-Abbe-Stiftung standen. Diese Anlagen machen laut Bericht einen sehr ungepflegten Eindruck. Die Stadt gab an, dass die Einbeziehung dieser Flächen von Anfang an geplant war, jedoch erst nach einem privaten Verkauf zum Jahreswechsel 2024/2025 realisiert werden konnte. Für dieses Areal wurde inzwischen ebenfalls ein neuer Fördermittelantrag für den Rückbau und die Renaturierung gestellt.

Die weitere Entwicklung der Situation und das Schicksal der Garagenanlage „An der Kläranlage“ hängen nun maßgeblich vom schriftlichen Urteil des Landgerichts Gera ab und den darauffolgenden Entscheidungen und Handlungen der Stadt Jena sowie des Garagenvereins.

Magdeburg: Wasser kehrt nach umfassender Inspektion in die Kanalbrücke zurück

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Nach sieben Wochen ohne Schiffsverkehr wird Europas längste Kanalbrücke, die den Mittellandkanal bei Magdeburg über die Elbe führt, seit Montagnachmittag wieder geflutet. Die imposante Trogbrücke war für eine umfassende Inspektion, Wartung und Reinigung trockengelegt worden – eine Art „TÜV“ für das bedeutende Bauwerk.

Die 918 Meter lange und vier Meter tiefe Brücke ist ein entscheidender Knotenpunkt im deutschen Wasserstraßennetz. Als Teil des Projekts 17 Deutsche Einheit verbindet sie das westliche Kanalnetz, das unter anderem vom Rhein kommt, in Richtung Berlin und den Osten. Jährlich passieren rund 9000 Schiffe die Brücke, und im vergangenen Jahr wurden hier etwa 2,6 Millionen Tonnen Güter transportiert. Neben der Güterschifffahrt ist auch der Tourismus ein wichtiger Faktor. Die wochenlange Sperrung bedeutete für die Schifffahrt eine umständliche Umleitung von insgesamt zwölf Kilometern über zwei Schleusen und die Elbe, was viel Zeit kostete.

Solche Bauwerksprüfungen finden regulär alle sechs Jahre statt. Die letzte Trockenlegung der Kanalbrücke zur Gewährleistungsabnahme nach dem Bau erfolgte jedoch bereits vor 17 Jahren, im Jahr 2008. Zwischendurch gab es zwar Prüfungen durch Taucher im Wasser, doch da diese nicht alles sehen können, wurde nun die Entscheidung zur vollständigen Trockenlegung getroffen, um jeden einzelnen Zentimeter des Bauwerks genau zu untersuchen.

Die Vorbereitung für diese aufwendige Maßnahme dauerte rund anderthalb Jahre. Es handelt sich um ein komplexes Ingenieurvorhaben, das weit über das einfache „Stöpsel ziehen“ hinausgeht und sehr viel Planung erfordert. Insgesamt waren über 60 Mitarbeiter, Ingenieure und Fachleute des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt.

Während der Trockenlegung wurde das Bauwerk im Rohzustand auf Herz und Nieren geprüft. Etwa 60 Personen waren im Einsatz, um die gesamte Trogbrücke auf Schäden, Risse, Löcher oder andere Probleme zu untersuchen. Die Arbeiten liefen bis zuletzt intensiv, kurz vor der Flutung wurden noch Gerüste zurückgebaut und Aggregate entfernt.

Das Ergebnis der Revision ist positiv: Die Kanalbrücke befindet sich insgesamt in einem guten Zustand. Kleinere Schäden im Bereich des Korrosionsschutzes wurden gefunden und gleichzeitig instand gesetzt. Verschleißerscheinungen an bestimmten Bauteilen halten sich im Rahmen.
Beim Abpumpen des Wassers kam allerdings auch einiges zum Vorschein, was dort nicht hingehört: Neben einer Schlammschicht und größeren Muschelbergen wurden auch ein Fahrrad, eine abgestürzte Drohne, Autoschlüssel und weiterer Schrott gefunden.

Die Wiederbefüllung begann auf die Sekunde genau um 13:56 Uhr. Zuerst wurde die erste Schotte mit einem Kran hochgezogen, eine halbe Stunde später folgte die zweite. Seitdem strömen 4000 Liter Wasser pro Sekunde in die Brücke. Das Fluten wird voraussichtlich etwa acht Stunden dauern, bis die Brücke komplett gefüllt ist. Nach knapp zwei Stunden lag der Wasserstand bereits bei etwa 40 Zentimetern. Die Öffnung erfolgte durch das Ziehen von Tafeln vom Revisionsverschluss.

Das Interesse der Öffentlichkeit an diesem außergewöhnlichen Projekt war groß. Es gab sehr viele Anfragen von interessierten Bürgern. Zusammen mit der Urania wurden Führungen angeboten, die von knapp 2000 Menschen besucht wurden. Die Besucher konnten die Baustelle dabei von den Pylonen aus betrachten, was sonst nicht möglich ist. Die Karten waren schnell ausgebucht. Das Baustellengelände selbst war während der Arbeiten komplett abgesperrt, nur Fachleute durften es betreten.

Auch die Wege entlang des Kanals waren in den letzten Wochen und Monaten für Radfahrer und Spaziergänger nicht zugänglich. Hier gibt es gute Nachrichten: Die Wege sollen am kommenden Freitag wieder geöffnet werden. Bis dahin wird die Brücke vollständig gefüllt sein und die Spundwände im Grund abgebaut, sodass der Wasserstand überall gleich ist.

Friedrich Meer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ablauf und dem Ergebnis. „Ich bin sehr zufrieden, dass alles nach Plan gelaufen ist“, sagte er und bestätigte den guten Gesamtzustand des Bauwerks. Er hob hervor, dass jedes Bauwerk für sich einzigartig sei und dies das größte in diesem Bereich darstelle.

Nach erfolgreicher Inspektion und Wiederbefüllung steht der Kanalbrücke nun die Rückkehr zum Normalbetrieb bevor, und schon bald können die Schiffe wieder auf dem gewohnten Weg über die Elbe fahren.

Ikarus-Bus-Treffen in Meiningen: Ein Rückblick auf legendäre Omnibusse

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In Meiningen fand kürzlich das mittlerweile achte Ikarus Bustreffen statt. Die Veranstaltung zog rund 50 Ikarusbusse an und bot Liebhabern der Marke einen tiefen Einblick in die Geschichte und Vielfalt dieser Fahrzeuge. Ein detaillierter Bericht beleuchtet verschiedene Modelle, von frühen Typen bis hin zu selteneren Exemplaren und Spezialanfertigungen.

Ein Fokus des Berichts liegt auf dem Ikarus 311, einer Weiterentwicklung des Ikarus 31. Der Ikarus 31 wurde von 1954 bis 1959 produziert, der Nachfolger 311 bis 1972. Technisch unterschieden sie sich vor allem im Motor: Der 31er hatte einen 85 PS starken Schäbel D413, während der 311er mit dem Schäbel D414 (95 PS, 5517 cm³ Hubraum) ausgestattet war. Diese 8,54 Meter langen Busse boten 20 bis 35 Sitzplätze und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 78 km/h. Bemerkenswert ist die Nutzung dieser Busse noch Mitte der 1970er Jahre als Schulbusse. Auch 1988 waren über 350 Ikarusbusse dieser Typen zugelassen.

Der äußerst seltene Ikarus 180, von dem weltweit nur noch drei Exemplare zugelassen und fahrbereit sein sollen, wurde zwar erwähnt, aber nicht im Detail vorgestellt. Stattdessen wurde ein Ikarus 280.27 aus dem Baujahr 1989 gezeigt, ein Gelenkbus, der auf Anfrage sogar in Nürnberg zugelassen wurde. Dieses Modell war mit einem liegenden MAN D2356 Halm 9 Sechszylinder-Dieselmotor (220 PS, 10690 cm³ Hubraum) ausgestattet, was die Praxis unterstreicht, oft Exportmotoren zu verbauen.

Auch jüngere Modelle waren vertreten, wie der Ikarus 405. Von diesem Typ, der zwischen 1994 und 2002 gebaut wurde, entstanden lediglich 117 Einheiten. Ein vorgestelltes Modell aus dem Baujahr 1996 verfügte über einen Burgings 135 Ti Vierzylinder-Dieselmotor (137 PS, 3980 cm³ Hubraum). Der 7,30 Meter lange Bus wog maximal 8330 kg und bot 16 Sitz- sowie 30 Stehplätze bei einer Höchstgeschwindigkeit von 76 km/h.
Eine interessante Kooperation war der Ikarus 211, der von 1976 bis 1990 gemeinsam mit dem IFA Nutzfahrzeugkombinat hergestellt wurde. Er war als Ablösung für den Ikarus 311 gedacht und sollte die Lücke zwischen kleineren Robur-Bussen und der größeren Ikarus 200er Serie schließen. Zahlreiche Komponenten, darunter das Fahrwerk mit Starrachsen und Blattfedern sowie Bedienelemente, stammten vom IFA W50. Der im Heck platzierte IFA 4VD 14,5-12-1 Vierzylinder-Dieselmotor lieferte 125 PS aus 6,56 Litern Hubraum.

Klassiker des Nahverkehrs wie der Ikarus 66 (produziert 1955-1973) wurden ebenfalls beleuchtet. Erkennungsmerkmale des 11,40 Meter langen Busses sind die viergeteilten Scheiben und die Falltüren. Er bot 32 Sitz- und 58 Stehplätze und wurde von einem wassergekühlten Schäbel D614 Sechszylinder-Dieselmotor (145 PS, 8275 cm³ Hubraum) angetrieben. Derselbe Motor fand auch im Ikarus 630 Verwendung, einem Stadtbus, der von 1959 bis 1971 auf dem Fahrgestell des LKWs Schäbel 705 gefertigt wurde.

Ein besonderes Highlight war der Ikarus 250.72 SL aus dem Jahr 1989, der ursprünglich für die ungarische Regierung gedacht war. Dieses Fahrzeug, luxuriös ausgestattet mit Konferenzsesseln und Klimaanlage, wurde wahrscheinlich wegen der politischen Wende nicht wie geplant eingesetzt und diente zeitweise beim Militär. Angetrieben von einem Raba D2156 MT6u Sechszylinder-Dieselmotor (MAN Lizenz, 250 PS, 10350 cm³ Hubraum) erreichte er 110 km/h. Als Weiterentwicklung des Ikarus 256 präsentierte sich der Ikarus C56 Classic (Produktion 1998-2002, nur 399 Einheiten). Er war mit einem Raba D10 UTSSL Motor (MAN Lizenz, 279-320 PS, 10350 cm³ Hubraum) ausgestattet.

Abseits der Ikarusbusse wurde auch ein Parkers B1000 Dispatcherfahrzeug der Rostocker Straßenbahn AG gezeigt. Das Fahrzeug aus dem Jahr 1973, gefertigt in den Parkerswerken, besaß einen Dreizylinder Zweitakt-Wartburgmotor (46 PS, 1000 cm³ Hubraum) und erreichte 100 km/h Spitze.

Das Treffen in Meiningen bot somit eine umfassende Präsentation verschiedenster Ikarus-Typen und verdeutlichte deren technische Entwicklung und Einsatzbereiche über mehrere Jahrzehnte hinweg.