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Begegnung der Gegensätze: Kretschmer & Wagenknecht im offenen Dialog in Dresden

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Nachfolgend eine kurze Analyse im Audioformat:

Politik in Sachsen: Begegnung der Gegensätze? Kretschmer und Wagenknecht im Dialog über gescheiterte Koalitionen, AfD-Wähler und den Krieg

Dresden – Es war eine Begegnung, die von den Moderatoren als „ungewöhnlich“ und eine „Begegnung der anderen Art“ bezeichnet wurde. Im Rahmen der Reihe „Politik in Sachsen“ trafen in Dresden Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Sahra Wagenknecht (Bundesvorsitzende des Bündnisses Sahra Wagenknecht, BSW) aufeinander, um über aktuelle politische Fragen zu diskutieren – von landespolitischen Bündnissen bis hin zu Krieg und Frieden auf internationaler Bühne. Das Format, eine gemeinsame Initiative der sächsischen Zeitung und Leipziger Volkszeitung, zielte darauf ab, Politik „erlebbar zu machen“ und den Diskurs unterschiedlicher Meinungen abzubilden, unabhängig von anstehenden Wahlen.

Michael Kretschmer beschrieb die bisher einzige persönliche Begegnung mit Frau Wagenknecht als gut, weil sie sich „sehr hart unterhalten“, unterschiedliche Positionen gehabt und trotzdem darüber reden und sich austauschen konnten, ohne „anzugiften“. Sahra Wagenknecht schätzte an Herrn Kretschmer ironisch, dass er sich „Herr Merz zumindest manchmal über ihn geärgert hat“.

Ein zentrales Thema zu Beginn des Abends war das Scheitern der möglichen Koalition aus CDU, SPD und BSW in Sachsen, scherzhaft als „Brombeerkolotion“ bezeichnet, die in einem „Obstsalat ohne Brombeere“ endete.

Das gescheiterte Bündnis: Fehlender Wille zur Veränderung?
Aus Sicht von Sahra Wagenknecht war das Scheitern auf den fehlenden Willen zur Veränderung seitens CDU und SPD zurückzuführen. Sie betonte, dass das BSW eine „ganz junge Partei“ sei, die für bestimmte Inhalte gewählt wurde, darunter Frieden, wirtschaftliche Vernunft, eine andere Energiepolitik, soziale Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit. Diese Inhalte müsse eine Partei, die in eine Regierung eintritt, ernst nehmen, um die Wähler nicht zu „gnadenlos enttäuschen“ und dadurch zu verlieren. Während der Sondierungsgespräche habe man das Gefühl gehabt, dass SPD und CDU ihre bisherige Politik als „toll“ empfänden und das BSW lediglich „mitmachen“ dürfe. Das BSW sei jedoch nicht für ein „Weiter so“ gewählt worden, sondern für Veränderungen. Es habe keine Bereitschaft zur Bewegung gegeben bei Kernthemen wie der Haltung zu Krieg und Frieden, Migration, sozialen Fragen wie einem kostenlosen Mittagessen oder auch der Innenpolitik, etwa dem Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Wagenknecht berichtete, dass ihre Verhandlungsführer „gegen Wende gelaufen“ seien und sie daraufhin entschieden habe, nicht in eine Koalition einzutreten, in der die Wähler enttäuscht würden. Sie stellte klar, dass sie nicht persönlich am Verhandlungstisch saß, aber man sich im BSW „eng konsultiert und abgestimmt“ habe, um die „Schmerzgrenzen“ zu definieren.

Michael Kretschmer bestätigte, dass er im Wahlkampf eine Präferenz für ein Bündnis mit SPD und BSW gegenüber den Grünen erkennen ließ, weil er gemerkt habe, dass die Grünen zumindest zu dem Zeitpunkt „nicht mehr den Wunsch gehabt zu verstehen was die Bevölkerung will und sich selbst auch ein bisschen dem anzupassen“. Er beschrieb das Scheitern als „schade“ und „verstehe es eigentlich auch nicht ganz“, da er glaube, die Dinge „wären alle noch einbar gewesen“, auch beim Thema Krieg und Frieden. Er konstatierte, dass an einem gewissen Punkt die BSW-Kollegen „aufgestanden“ und den Raum verlassen hätten. Trotzdem sei „sehr viel Vertrauen sehr viel Gemeinsames entstanden“ in dieser Zeit, und er sei den BSW-Kollegen dankbar, da sie ihren „eigenen Geist“ und ihre „eigene Vorstellung“ hätten, aber „Sachsen“ seien und „etwas für Sachsen bewegen“ wollten. Er hob den Vorschlag eines Konsultationsmechanismus für die jetzige Minderheitsregierung hervor, der zeige, wer wirklich mitgestalten wolle (BSW, Linke, Grüne prinzipiell bereit) und wer nicht (AfD).

Landespolitik und BSW-Herausforderungen
Sahra Wagenknecht räumte ein, dass sie Landespolitik anfangs als nicht ganz zu ihren Zielen passend empfand, aufgrund des als „eng“ beschriebenen finanziellen Korsetts und fehlendem Gestaltungsspielraum. Sie stellte jedoch klar, dass sie Landespolitik nicht als „profan“ betrachtet, sondern dass Möglichkeiten existieren, wenn die Partner mitziehen. Sie nannte Beispiele für Gestaltungsspielräume außerhalb des Geldes, wie die Bildungspolitik (Inhalte, Umgang mit digitaler vs. analoger Bildung, Handyverbot an Schulen) und die Innenpolitik (Umgang mit unterschiedlichen Meinungen, Sorge vor „radikalem Erlass“ und Prozesse wegen „Politikerbeleidigung“). Diese Dinge seien „eine Frage des Willens“. Sie betonte, dass eine junge Partei wie das BSW es sich nicht leisten könne, in einer Regierung die Wähler zu enttäuschen, da sie sonst Stimmen verliere.

Angesprochen auf das Abschneiden des BSW bei den Bundestagswahlen und die Frage, ob die Partei enttäuscht habe, führte Wagenknecht dies teilweise auf die Regierungsbeteiligungen (speziell in Thüringen) zurück, wo es nicht ausreichend gelungen sei, das wofür man gewählt wurde, umzusetzen. Sie nannte auch eigene Fehler und interne Probleme beim Parteiaufbau (anfängliche Begrenzung der Mitgliederzahl, die Menschen enttäuschte) sowie die vorgezogene Bundestagswahl als „riesiges Problem“ aufgrund fehlender Zeit, Finanzmittel und Organisation. Sie beklagte Schwierigkeiten bei der Buchung mobiler Großflächen im Wahlkampf, da junge Parteien behördliche Genehmigungen dafür schwer erhielten. Trotz dieser Hürden bewertete sie das Ergebnis von faktisch fast 5% nicht als schlecht für eine neue Partei. Sie äußerte zudem den Verdacht auf „extreme Unregelmäßigkeiten im Promillebereich“ bei der Auszählung, die das BSW die 5%-Hürde gekostet haben könnten, und kündigte eine Wahlprüfungsbeschwerde an.

Zum Erfolg der Linkspartei bei der Bundestagswahl sagte Wagenknecht, sie habe nichts dagegen, wenn diese auf Themen (Mietendeckel, soziale Frage) setze, die sie für richtig halte. Sie kritisierte jedoch die Glaubwürdigkeit der Linken, insbesondere bei der Friedensfrage, da sie das größte Aufrüstungspaket durchgewunken hätten. Sie sieht das Profil der Linken eher bei enttäuschten Grünen- und SPD-Wählern und nicht in direkter Konkurrenz zum BSW, da die Linke bei Migration und Klimapolitik (radikale erneuerbare Energien) weit entfernt sei von den BSW-Positionen.

Umgang mit AfD-Wählern und der Vorwurf des Populismus
Beide Politiker wurden mit dem Vorwurf konfrontiert, populistisch zu agieren, indem sie versuchen, Stimmen von der AfD zurückzugewinnen. Sahra Wagenknecht nannte diesen Vorwurf „völlig alberne“ und „absurd“. Sie sehe es als selbstverständlich an, Wähler, auch potenzielle AfD-Wähler, erreichen und überzeugen zu wollen. Das BSW habe bei seiner Gründung Menschen erreicht, die sonst AfD gewählt hätten. Die gesellschaftliche Debatte, die so tue, als würde die AfD nur von „lauter Nazis“ gewählt, sei „weit weg von der Realität“ und „unendlich arrogant gegenüber den Menschen“. Sie betonte, dass AfD-Wähler für bestimmte Inhalte wählten, darunter Frieden, die „völlig unkontrollierte Migration“, Meinungsfreiheit und die offene Debatte. Andere Parteien müssten die Sorgen dieser Wähler „viel ernster nehmen“, da dies der einzige Weg sei, die AfD zu schwächen und diese Wähler zurückzugewinnen.

Michael Kretschmer stimmte zu, dass über Jahre ausgeblendete Themen wie Migration ein „Vakuum“ gefüllt hätten, das die AfD stark gemacht habe. Er verwies auf Maßnahmen wie die Bezahlkarte und Grenzkontrollen als Schritte, um diese Themen anzugehen und den „Nährboden“ für Populismus zu entziehen. Er betonte die Notwendigkeit, „nah an den Themen der Leute“ zu sein, und nannte als Beispiel die Windkraft, wo Widerstand in der Bevölkerung zeige, dass Politik „demokratietauglich“ sein müsse. Er nannte es „anmaßend“, den Satz „es ist verwerflich AfD Wähler zurückzuholen“ zu äußern, da Wähler „niemandem gehören“. Kretschmer zog eine klare Trennlinie zwischen den Wählern und den Funktionären der AfD, wobei er den sächsischen AfD-Vorsitzenden und Höcke als „Neonazi“ und „Rechtsextremen“ bezeichnete, mit dem man nichts zu tun haben wolle. Er ist der Meinung, dass der „Fisch stinkt vom Kopf an“, aber die Wähler seien „doch nicht jetzt alle rechtsextrem geworden“, sondern hätten die Nase voll, weil Themen „über Jahre Jahre ausgeblendet worden“ seien. Sachsen sei ein „bürgerliches“ und „konservatives“ Land, das „bürgerlich konservative Politik“ wolle.

Krieg und Frieden: Aufrüstung, Diplomatie und Sanktionen
Eine der intensivsten Diskussionen drehte sich um die Frage, ob Aufrüstung zum Frieden führt. Sahra Wagenknecht lehnt eine radikale Pazifismus ab und erkennt die Notwendigkeit einer Bundeswehr zur Landesverteidigung an. Sie kritisierte jedoch die „irren Milliardensummen“ für Rüstung, die sie auf „wahnsinnigen Beschaffungsfilz“ und Lobbyismus zurückführte, da die Bundeswehr trotz steigender Budgets (mehr als Verdreifachung in 10 Jahren) Ausrüstungsmängel habe. Aktuelle Bestrebungen, wie die von Friedrich Merz geforderte größte Armee Europas oder ein unbegrenzter Blankocheck für Aufrüstung, seien „Kriegsvorbereitung“ und „ganz gefährlich“. Sie warnte vor einem „neuen deutschen Zeitgeist“, der mental auf einen Krieg mit Russland vorbereiten solle. Die Gefahr liege darin, in einen Krieg mit Russland hineinzukommen, nicht darin, dass Russland Deutschland überfalle. Sie ist überzeugt, dass kein konventioneller Panzer oder Drohne im Konflikt mit einer Atommacht helfe, und plädierte dafür, „alles tun [zu] müssen aus dieser jetzigen Spirale der Konfrontation rauszukommen“. Sie kritisierte eine leichtfertige öffentliche Kommunikation, die die Gefahr eines baldigen Krieges übertreibe.

Auf den Hinweis auf reale Bedrohungen durch russische Geheimdienste (z.B. Paket-Explosion in Leipzig) entgegnete Wagenknecht, dass Deutschland durch Waffenlieferungen, die gegen Russen eingesetzt würden und deren Koordination teilweise in Deutschland stattfinde, „ziemlich tief in einen Konflikt hinein[geraten]“ sei. Sie nannte die Nordstream-Explosion, die nicht von Russen verursacht wurde, als größten Anschlag auf deutsche Infrastruktur der letzten Jahre. Sie äußerte Skepsis gegenüber Medienberichten über russische Aktionen und verwies auf abweichende Darstellungen in der englischsprachigen Presse, was auf eine massive Bestrebung hindeute, die Bevölkerung auf einen Krieg mit Russland einzustimmen. Sie bezeichnete die Lieferung von Taurusraketen als Schritt, der Deutschland „ganz schnell in einen Krieg mit Russland bringen würde“, was ihr Angst mache. Sie ist überzeugt, dass ein Krieg zwischen NATO und Russland nuklear eskalieren würde, was auch Militärs wüssten. Sie argumentierte, dass Europa kaufkraftbereinigt bereits deutlich mehr für Rüstung ausgebe als Russland, selbst im aktiven Krieg.

Zur Vorgeschichte des Ukraine-Krieges sagte Wagenknecht, sie verurteile Politiker, die Kriege beginnen, aber man dürfe die Vorgeschichte nicht ausklammern. Sie bezeichnete die Annexion der Krim als historisch unwahr. Sie wies darauf hin, dass auf der Krim primär Russen lebten und es nach dem „weggeputschten“ Wahlergebnis nach dem Maidan und dem Wunsch der Ukraine nach NATO-Mitgliedschaft darum gegangen sei, dass Russland seinen Schwarzmeerflottenstützpunkt nicht verlieren wollte. Das Weglassen dieser Vorgeschichte sei historisch unwahr und tue so, als sei nur ein „wahnwitziger expansionswilliger Diktator am Werk“. Sie meinte, diese Vorgeschichte müsse diskutiert werden, um Fehler nicht zu wiederholen. Sie plädierte dafür, dass die Bevölkerung auf der Krim selbst über ihre Zugehörigkeit entscheiden sollte, ähnlich wie im Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zu Verhandlungen sagte Wagenknecht, Putin habe „sofort gesagt“, er wäre bereit zu einem Waffenstillstand, wenn die Waffenlieferungen eingefroren würden, was der Westen aber abgelehnt habe. Sie kritisierte das Vorgehen des Westens, der Verhandlungen erst nach dem Schweigen der Waffen verlange, und bezeichnete Versuche, Putin zu erpressen (z.B. mit Sanktionspaketen durch Herrn Merz), als „absurd“. Sie wünschte sich, dass Bundeskanzler Scholz auch nach Moskau reisen würde, um direkte Gespräche zu suchen. Sie stellte fest, dass die Ukraine vor drei Jahren in Istanbul eine „viel bessere Verhandlungsposition“ gehabt hätte als jetzt, was zeige, wie falsch die bisherige Strategie (Waffenlieferungen, Ignorieren von Verhandlungsbefürwortern) gewesen sei. Sie sprach sich dafür aus, den Konflikt einzufrieren und Sicherheitsgarantien zu geben, mit dem Ziel, dass zukünftige Generationen im Kreml eine Annäherung an den Westen suchen, statt auf eine militärische Rückeroberung der Krim zu setzen, was auf einen großen Krieg hinauslaufe.

Zur Sanktionspolitik sagte Wagenknecht, diese sei „völlig nach hinten losgegangen“ und habe Deutschland „ins eigene Knie geschossen“. Sie argumentierte, dass der Großteil der Welt sich nicht beteiligt habe und Russland als Rohstoffproduzent seine Abnehmer gefunden habe. Die Idee, Russland durch den europäischen Kaufstopp unter Druck zu setzen, sei „von vorne rein eine dumme Idee“.

Michael Kretschmer betonte die Notwendigkeit einer Bundeswehr, die das Land verteidigen kann. Er sah nach 2014 eine Zäsur und die Erkenntnis, dass man auf Angriffe vorbereitet sein müsse. Er ist der Meinung, dass Wladimir Putin „nur Stärke“ interessiert, nicht „romantische nette Dinge“. Kretschmer erinnerte an Putins Worte zum Zerfall der Sowjetunion als „größte Katastrophe des 20 Jahrhunderts“. Er sagte, er habe zu Beginn des Krieges für Diplomatie plädiert, hielt harte Sanktionen für besser als Waffenlieferungen und Waffenlieferungen für viel besser als in einen Krieg einzutreten. Er kritisierte, dass bei der Auswahl der Sanktionen und anderen wirtschaftspolitischen Entscheidungen nicht darauf geachtet wurde, dass Deutschland „vor allen Dingen stark sein muss um sich selber wehrhaft zu haben“, da viele Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland. Er betonte, dass Russland im Ukrainekrieg „viel mehr Panzer beispielsweise herstellt“ und „diese Durchhaltefähigkeit“ besitze, was eine Notwendigkeit zur Aufrüstung im Verteidigungsbereich zeige.
Kretschmer bestand darauf, Ross und Reiter zu benennen: Russland habe die Krim besetzt (2014) und sei in die Ukraine eingetreten; die Ukraine habe Russland nicht angegriffen. Dies könne nicht folgenlos bleiben, da es sonst wiederholt werde. Er bedauerte, dass Deutschland als „starkes Land in der Mitte Europas“ mit seiner Geschichte und Vertrauen seine Rolle in der Diplomatie verspielt habe und Europa nun „am Katzentisch sitzt“. Eine starke EU, die ihre Interessen definiert und durchsetzt, sei die „Lebensversicherung“.

Zu seinem früheren Vorschlag, den Krieg „einzufrieren“, bekräftigte Kretschmer, dass das Sterben aufhören müsse und ein Waffenstillstand kommen solle. Wichtig sei aber, dass die Ukraine „nicht als Territorium aufhört zu existieren“, sondern als „freies Land selbstbestimmt“ bleibe. Er räumte ein, dass die Ukraine jetzt in einer schlechteren Verhandlungsposition sei, was zeige, dass die Strategie der letzten Jahre falsch war. Dennoch sei das Ziel, dass die Ukraine ihr Land (auch die Krim) zurückerhält, aber nicht „auf dem kriegerischen Weg“, sondern durch Zeit und Diplomatie. Er hielt fest, dass seine Position zentral sei: „Es gibt keinen Grund auch keinen vorgeschobenen Grund für einen Angriff auf ein anderes Land weder in der Krim noch das was jetzt passiert“.

Zur Sanktionspolitik ergänzte Kretschmer, dass man sich die Sanktionen „im Detail anschauen“ müsse. Er wies auf Inkonsistenzen hin, wie die fortgesetzte kerntechnische Zusammenarbeit mit Russland für osteuropäische Partner, die russische Brennstäbe brauchen. Man müsse Sanktionen so gestalten, dass man sich „nicht so sehr betroffen“ fühle und sich nicht „selbst mehr schadet“. Er sah die Notwendigkeit, in eine neue Zeit einzutreten und wirtschaftliche Zusammenarbeit und Rohstofflieferungen als Instrumente in Verhandlungen mit einzubringen, da dies für Russland ein relevanter Hebel sei.

Demokratie, Diskurs und Herkunft
Michael Kretschmer äußerte die Sorge um den Zustand der Demokratie mit dem Zitat: „Wir sollten die Demokratie verteidigen solange wir sie noch haben“. Er erklärte, dies spiegele eine Lücke zwischen Politik und Bevölkerung wider und sei eine Aufforderung zum bürgerschaftlichen Engagement (Parteimitgliedschaft, Zeitungslesen). Er glaubt, dass die Demokratie stabiler wäre, wenn mehr Menschen politisch und medial engagiert wären.

Sahra Wagenknecht berichtete, dass die Gründung einer neuen Partei in Deutschland „extrem schwer“ sei, viel schwerer als in anderen Ländern, aufgrund hoher Hürden und rechtlicher Anforderungen. Demokratie sei mehr als nur Wahlen; sie setze einen „freien breiten Diskurs in den Medien“ voraus, in dem „alle Meinungen“ berücksichtigt und öffentlich wahrgenommen würden. Sie kritisierte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wo es ihrer Meinung nach bei bestimmten Themen „nur noch eine Meinung“ gebe und andere „abqualifiziert“ würden (z.B. als Putinfreund oder Impffeind). Sie forderte eine Rückkehr zu einer „freien und auch respektvollen Diskussion“ über unterschiedliche Meinungen, um eine Verlagerung in „Filterblasen“ zu verhindern. Beide Politiker stimmten einer Aussage zu (von Wagenknecht geäußert, von Kretschmer bestätigt), dass das Meinungsklima abweichende Meinungen in die Nähe von Verschwörungstheorien rücke.

Angesprochen auf ihre eigene harte Wortwahl (Wagenknecht bezeichnete Scholz als „Vasallenkanzler“, Merz als „unsäglich“), verteidigte Wagenknecht dies, indem sie sagte, „breiter Diskurs und harte Polemik schließen sich nicht aus“. Sie begründete die Bezeichnung „Vasallenkanzler“ mit Deutschlands perceived Abhängigkeit von den USA, insbesondere bei Entscheidungen wie der Stationierung von Mittelstreckenraketen, die deutsche Interessen untergraben und am Bundestag vorbei entschieden würden. Sie wünschte sich mehr Eigenständigkeit Deutschlands. Wagenknecht sprach zudem von einer „cancel Culture“ und „Kontaktschuld“ in Deutschland, die dazu führe, dass Unterstützer des BSW aus Angst vor beruflichen Nachteilen zögerten, sich öffentlich zu bekennen. Sie nannte diese Angst ein „Armutszeugnis für ein liberales Land“.

Beide teilten ihre Erfahrung des Aufwachsens in der DDR. Michael Kretschmer hob hervor, wie prägend die Zeit nach 1990 war und wie schnell die soziale Marktwirtschaft und Freiheit den „Raubbau dieser DDR Diktatur beseitigt“ hätten. Sahra Wagenknecht erlebte die letzten Jahre der DDR bewusst als „bleierne Zeit“, durfte wegen Kritik nicht studieren und sah nach der Wende Hoffnungen durch die „unglaubliche Deindustrialisierung“ im Osten zerbrechen. Sie glaubt, dass Ostdeutsche dadurch Meinungsfreiheit mehr schätzten und kritischer gegenüber staatlichen und medialen Aussagen seien, sowie eine größere Sensibilität für die Notwendigkeit einer Wirtschaftspolitik hätten, die Industrie vor Zerstörung schütze.

Das Gespräch, das von den Moderatoren als fair und engagiert gelobt wurde, zeigte trotz aller Differenzen auch Schnittmengen, etwa in der Sorge um den gesellschaftlichen Diskurs oder der Kritik an Teilen der Sanktionspolitik. Es wurde deutlich, dass die Bewältigung der politischen Herausforderungen, sowohl in Sachsen mit einer Minderheitsregierung als auch auf Bundes- und internationaler Ebene, von der Bereitschaft zum Dialog und der Fähigkeit abhängt, auch über tiefe Meinungsverschiedenheiten hinweg ins Gespräch zu kommen – eine Herausforderung, die im Format „Politik in Sachsen“ an diesem Abend zumindest im Ansatz gemeistert wurde.

Moore wieder nass machen: Ein mühsamer Weg für den Klimaschutz

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Berlin/Mecklenburg-Vorpommern – Sie sind oft unauffällig, manchmal sumpfig und schwer zugänglich, doch ihre Rolle im Kampf gegen den Klimawandel ist unbestritten: Moore. Moore zu schützen ist „kein kalter Kaffee“, sondern „wichtig für den Klimaschutz“. Doch viele Moore in Deutschland sind entwässert. Sie wieder nass zu machen, die sogenannte Moorwiedernässung, ist ein komplexes Unterfangen, das viele Akteure und erhebliche Anstrengungen erfordert.

Um die praktische Umsetzung zu fördern und Wissen zu teilen, wurde das Projekt MoKKa ins Leben gerufen. Im Jahr 2023 und 2024 fanden im Rahmen von MoKKa eine Reihe von Moorfeldtagen statt. An diesen Tagen nahmen jeweils 30 bis 50 Personen aus ganz unterschiedlichen Bereichen teil, darunter Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasser- und Bodenverbände, Verwaltung, Planungsbüros, Flächeneigentümer, Wissenschaft und Ausbilder. Ziel war es, bereits umgesetzte oder geplante Moorprojekte in Mecklenburg-Vorpommern zu besuchen, „vor Ort von den Umsetzenden zu lernen“, die Flächen aus nächster Nähe zu betrachten und in den Austausch zu kommen.

Der Prozess: Von der Idee zur nassen Fläche
Wie kommt ein Moorprojekt überhaupt zustande? Am Anfang steht die Idee. Oft wird eine Fläche identifiziert, die nasser werden müsste, oder ein wirtschaftender Landwirt tritt an Organisationen heran, weil die Bewirtschaftung entwässerter Flächen zu kompliziert geworden ist. Manchmal suchen auch Gemeinden gemeinsam mit Landwirten und Wasser- und Bodenverbänden das Gespräch.

Die Umsetzung eines Wiedervernässungsprojekts lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen.

Vorbereitungsphase: Hier geht es um die Ermittlung der Grundlagen und die Konzeption des Projekts. Die zentrale Frage ist die Zielstellung: Wo will man eigentlich hin?. Es beginnt mit einer Ortsbegehung, um zu prüfen, ob es überhaupt Möglichkeiten gibt, Wasser zurückzuhalten oder ob Entwässerungseinrichtungen vorhanden sind, die zurückgebaut werden könnten. Da entwässerte Moore bis zu einem Zentimeter pro Jahr an Höhe verlieren, muss vorhandenes Kartenmaterial oft auf Aktualität geprüft und das Gelände neu aufgenommen werden. Wichtig ist auch die Ermittlung der Torfstärke und der hydrologischen Zustände. Parallel dazu müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt und alle Eigentümer und Nutzer, die ins Boot geholt werden müssen, identifiziert werden. Auch die Komplexität möglicher Genehmigungsverfahren, etwa durch Gewässer zweiter Ordnung, wird geprüft. Der Wasser- und Bodenverband wird dabei als wichtiger Akteur genannt, der viel Wissen über vorhandene wasserwirtschaftliche Anlagen besitzt.

Detaillierte Analyse und Planung: In dieser Phase wird konkret geplant, wie die Ziele erreicht werden können. In der Regel wird ein Planungsbüro beauftragt, das eine Vorplanung und Machbarkeitsstudie erstellt. Es braucht eine möglichst genaue Planung, um „unliebsame Effekte“ wie Rückstaue auf landwirtschaftliche Flächen oder in Gebäudebereiche zu vermeiden. Dabei muss man einen gewissen Sicherheitspuffer einplanen, da die Natur sich manchmal anders verhält als exakt geplant. Die Planung muss plausibel sein, damit die Wasserbehörde ihre Zustimmung geben kann.

Konkrete Planung und Durchführung: Nun geht es an die Umsetzung der Maßnahmen. Dafür ist eine Genehmigung erforderlich, meist eine wasserrechtliche Genehmigung. Je nach Aufwand können sich weitere Genehmigungsschritte anschließen, bis alle Genehmigungen vorliegen. Naturschutzprojekte haben hier keinen „Bonus“; es sind dieselben Gutachten wie bei anderen Vorhaben nötig, zum Beispiel ein Artenschutzgutachten und eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung. Es muss sichergestellt werden, dass angrenzende Schutzgebiete wie Vogelschutzgebiete oder FFH-Gebiete nicht negativ betroffen sind. Insgesamt können „sieben oder acht“ solcher Untersuchungen und Gutachten erforderlich sein. Auf Grundlage dieser Gutachten und Genehmigungen wird die Ausführungsplanung erarbeitet. Dann wird eine Tiefbau- oder Baufirma gesucht, die die technischen Maßnahmen umsetzt.

Hürden und Herausforderungen
Die Umsetzung von Moorprojekten steht vor erheblichen Hürden. Aus Sicht der Experten sind die größten Probleme das Flächeneigentum. Eine Fläche von 100 Hektar gehört in Deutschland „nie einem“. Bei den oft zersplitterten Eigentumsstrukturen muss man mit allen Eigentümern und Nutzlern im Gespräch sein. Sobald ein Fremdeigentümer durch das Projekt beeinflusst wird – und seien es nur „wenige Zentimeter Wasserstandsanhebung“ auf einem Nachbargrundstück – greift das Wasserrecht und erfordert eine Zustimmung. Es gilt ein „stricktes Freiwilligkeitsprinzip“. Wenn keine Einigung mit einem betroffenen Fremdeigentümer erzielt werden kann, „findet das Projekt nicht statt“ oder muss so abgeändert werden, dass es ohne dessen Fläche auskommt.

Ein weiteres großes Problem sind die „immensen Vorplanungen“ und die damit verbundenen „sehr aufwendigen Planverfahren“. Obwohl Voruntersuchungen wie die Setzung von Pegeln zur Klärung der Grundwasserstände wichtig sind, um sicherzustellen, dass nur die Moorfläche vernässt wird und keine Gebäude betroffen sind, sind die „zeitlichen Fristen dafür einfach unheimlich lang“. Insbesondere behördliche Genehmigungsverfahren werden als sehr aufwendig beschrieben. Hier wünschen sich die Umsetzenden eine Vereinfachung, um „schneller zum Ziel zu kommen“. Allerdings kann die Planungszeit auch Vorteile haben, wenn sie genutzt wird, um Ziele „klar und verbindlich“ zu besprechen und Vertrauen aufzubauen.

Zeitliche Dimension und langfristige Pflege
Die zeitliche Umsetzung eines solchen Projekts hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören der Umfang der Betroffenen und Beteiligten, der notwendige Umfang der Baumaßnahmen und die Bearbeitungsgeschwindigkeit der Behörden und Projektbetreuer. Ein einfaches Projekt kann innerhalb von „einem Jahr bis zwei Jahren“ umgesetzt werden. Es kann aber auch „mal 5, 6, 7, 8 Jahre dauern“. Ein konkretes Beispiel ist die Mechower Stauniederung, deren Wiedervernässung erst nach „15 Jahren Überzeugungsarbeit“ gelang. Vier Jahre werden in diesem Kontext als „relativ schnell“ eingeschätzt.

Nach der Wiedervernässung sind die Aktivitäten auf der Fläche oft nicht abgeschlossen. Viele Flächen werden weiter landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt. Insbesondere das hydrologische Management bleibt eine „bleibende Aufgabe“. Eine Überwachung des Erfolgs der Maßnahmen kann stattfinden, aber nicht immer. Organisationen wie die Michael Succow Stiftung betreuen Schutzprojekte „von der ersten Idee bis zur (…) langfristigen Betreuung“. Projekte werden meist längerfristig betreut, die Wasserhaltung beobachtet. In fast allen Projekten wurden Datenlogger installiert, die täglich Wasserstände messen. Diese Daten werden regelmäßig ausgelesen und ausgewertet. Zusätzlich werden Vegetationsaufnahmen alle drei oder fünf Jahre durchgeführt.

Zusammenarbeit und Kommunikation als Schlüssel
Da immer mehr Moorprojekte umgesetzt werden sollen, braucht es auch mehr Menschen und Institutionen, die sich dieser Aufgabe annehmen. Neulinge können dabei von Erfahrenen lernen. Es wird als „äußerst wichtig“ erachtet, sich mit bereits bestehenden Projekten auszutauschen und „frühzeitig wirklich die Behörden und die Wasser und Bodenverbände und die Eigentümer und Nutzer mit einzubeziehen“.

Bei der Projektplanung muss auch die langfristige Finanzierung und mögliche Verpflichtungen bedacht werden. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit „kompetenten Planern und kompetenten Partnern“.

Der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche praktische Umsetzung ist die „Kommunikation mit allen Betroffenen vor Ort“, und zwar „frühzeitig und rechtzeitig“. Das sei „immer das A&O“. Wenn die Planungen konkreter werden, gibt es fortlaufend Beteiligung durch Behörden, Eigentümer, Kommunen, Parlamente und Bauausschüsse. Wenn die Planungen gemeinsam vorgestellt, besprochen und diskutiert werden und „das Gefühl haben jawohl wir sind noch gemeinsam auf dem richtigen Weg“, die richtige Lösung gefunden wurde und die Beteiligten „damit zufrieden und einverstanden sind“, das seien „eigentlich die schönen Momente“.

Trotz der Herausforderungen wie zersplittertem Eigentum, langwierigen Verfahren und dem Bedarf an vielen Beteiligten wird deutlich, dass die Wiedervernässung von Mooren ein notwendiger Beitrag zum Klimaschutz ist, der Kooperation, Expertise und einen langen Atem erfordert. Auch wenn die Umsetzung schwierig ist, zeigen Beispiele, dass sie mit Beharrlichkeit und guter Kommunikation gelingen kann. Manchmal werden auf wiedervernässten Flächen sogar neue Anbaukulturen erprobt, die hohe Wasserstände vertragen, wie Schilf, Rohrglanzgras oder Seggen.

Wirtschaft in Ostdeutschland: Hohes Potenzial trifft tiefe Skepsis

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Neues Transformationsbarometer der DKB und Deutschland – Land der Ideen zeigt ambivalentes Bild: Unternehmen sehen Chancen, zweifeln aber an deren Realisierung und blicken skeptisch auf die Politik.

Die Wirtschaft in Ostdeutschland steht nach Einschätzung vieler Unternehmerinnen und Unternehmer auf ambivalentem Boden. Zwar wird dem Standort weiterhin hohes Potenzial bescheinigt, doch die Zuversicht, dieses Potenzial tatsächlich heben zu können, ist gering. Das zeigt das aktuelle OWF-Transformationsbarometer, das jährlich von der Standortinitiative Deutschland – Land der Ideen und der Deutschen Kreditbank AG (DKB) im Vorfeld des Ostdeutschen Wirtschaftsforums (OWF) erstellt wird. Für die Befragung wurden zwischen Anfang März und Ende April 2025 Entscheiderinnen und Entscheider aus ostdeutschen Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitenden befragt.

Potenzial ist da, Zweifel überwiegen
Bereits seit dem Beginn der Befragung im Jahr 2022 bescheinigen die Unternehmen Ostdeutschland kontinuierlich ein großes Wirtschaftspotenzial. Auch in der aktuellen Umfrage schätzen 56 Prozent dieses als groß ein, 23 Prozent davon sogar als sehr groß. Als größte Wachstumsfelder werden dabei Erneuerbare Energien (3 %), Mikroelektronik (19 %) und Tourismus (18 %) genannt.

Diesen positiven Einschätzungen steht jedoch eine deutliche Skepsis gegenüber, ob dieses Potenzial in der Praxis genutzt werden kann. 40 Prozent der Befragten erwarten künftig in gar keiner Branche ein besonders großes Wachstum. Diese pessimistische Erwartung ist in den meisten ostdeutschen Bundesländern die meistgenannte Antwort, in Thüringen teilt sie sogar mehr als jeder Zweite.

Negative Stimmung, aber zufriedenstellende Geschäftslage im eigenen Haus
Die allgemeine wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland wird von vielen als negativ bewertet. 45 Prozent der Befragten halten sie für negativ, bei Unternehmen mit 250 bis 999 Angestellten ist es sogar jeder Zweite. Nur rund ein Viertel blickt positiv auf die Gesamtlage. Die Zufriedenheit mit der Wirtschaftslage ist in Brandenburg am höchsten (jeder Dritte), am niedrigsten in Thüringen (19 %).

Interessanterweise spiegelt sich diese negative Gesamtstimmung nicht direkt in der Bewertung des eigenen Geschäftsjahres wider. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) war mit der wirtschaftlichen Entwicklung ihres eigenen Unternehmens im Jahr 2024 sehr oder eher zufrieden. Nur 30 Prozent zeigten sich weniger oder gar nicht zufrieden. Dieses Bild, dass die Stimmung schlechter ist als die tatsächliche Lage im eigenen Unternehmen, zeigte sich bereits im Vorjahr.

Fachkräftemangel und Energiepreise als Dauerbrenner – Politische Radikalisierung wächst als Risiko
Die größten Herausforderungen für die Unternehmen sind weiterhin der Fachkräftemangel, der von mehr als jedem zweiten Befragten genannt wird und die Liste seit 2022 anführt. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten sehen hier die größten Probleme (58 %). An zweiter und dritter Stelle folgen die Energiepreise (34 %) und der Wettbewerb (27 %). Die Energiepreise bereiten vor allem in Thüringen (46 %) und Sachsen-Anhalt (42 %) Sorgen.

Betrachtet man die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland als Ganzes, so wird neben Fachkräftemangel und Energiepreisen die politische Radikalisierung als drittgrößtes Standortrisiko genannt (40 %). Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozentpunkte angestiegen.

Klare Wünsche an die Politik, aber wenig Vertrauen in deren Umsetzung
Die Unternehmen haben klare Erwartungen an die Politik. Mit Abstand am häufigsten (68 %) wird der Wunsch nach Bürokratieabbau geäußert. An zweiter Stelle steht die Forderung nach Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise (54 %). Die drittwichtigsten Maßnahmen variieren je nach Unternehmensgröße: Größere Unternehmen wünschen sich digitale Verwaltungsprozesse, mittlere Investitionsförderungen und kleinere Steuererleichterungen.

Trotz dieser klaren Wünsche blicken die Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter mit großer Skepsis auf die neue Bundesregierung. 58 Prozent glauben nicht, dass es ihr gelingen wird, wirksame Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft zu setzen. Nur 38 Prozent sind optimistisch. Regionale Unterschiede sind hier deutlich: In Brandenburg und Berlin ist der Optimismus mit 48 beziehungsweise 47 Prozent höher, während in Thüringen die Skepsis mit 74 Prozent am größten ist.

Dr. Philipp Mehne, Geschäftsführer von Deutschland – Land der Ideen, kommentierte die Ergebnisse: „Es ist die Aufgabe der Politik, die Bedingungen für die Wirtschaft zu verbessern (…) Sie muss aber auch für Zuversicht sorgen (…) Das Transformationsbarometer zeigt, dass die Bundesregierung genau hier noch eine gewaltige Aufgabe vor sich hat, denn ihr Vertrauensvorschuss bei den Unternehmen ist offenbar gering“. Tilo Hacke, Vorstandsmitglied der DKB, nannte die Ergebnisse „alarmierend“ und betonte die Dringlichkeit von Maßnahmen, „die wieder für Zuversicht und Optimismus sorgen“. Er fordert, dass notwendige Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Wärmewende nicht weiter aufgeschoben werden dürften.

Die Ergebnisse des Transformationsbarometers 2025 werden am 19. Mai 2025 beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

50Hertz investiert 90 Millionen Euro in Offshore-Kompetenzzentrum

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Rostock‑Warnemünde. Mit einem Paukenschlag macht der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz das ehemalige Gelände der VO‑Werften in Rostock zum neuen Dreh- und Angelpunkt für die Offshore‑Energiewende. Auf dem „Rostock Offshore Quartier“ (ROQ) sollen ab 2028 alle Fäden zur Steuerung und Wartung von Windparks in der Ostsee – und später der Nordsee – zusammenlaufen. Für das Prestigeprojekt fließen rund 90 Millionen Euro, die den Bau von Leitstellen, Logistikflächen und einem Marine Control Center finanzieren.

Ein Meilenstein für die Energiewende an der Küste
Das ROQ wird als dritter großer Standort von 50Hertz neben Hamburg und Frankfurt fungieren. Geplant sind hochmoderne Fernleitstellen, von denen aus die Umspannwerke auf See rund um die Uhr gesteuert werden. In einem angeschlossenen Marine Control Center werden Schiffe und Hubschrauber disponiert, die bei Störungen oder Wartungsarbeiten zwischen Land und Windfarm pendeln.

„Rostock bietet durch seine maritime Tradition und die Nähe zur Ostsee ideale Bedingungen für unser Offshore‑Kompetenzzentrum“, sagt Ulrich Joswig, Leiter Offshore‑Netzanbindung bei 50Hertz. „Mit unserer Investition schaffen wir nicht nur essentielle Infrastruktur, sondern auch 140 neue Arbeitsplätze – hochqualifizierte Kräfte sind im Offshore‑Betrieb gefragt.“

Vom Schlickplatz zum Hightech‑Campus
Das Großvorhaben steht jedoch vor einer ökologischen und logistischen Mammutaufgabe: Die Sanierung von Altlasten auf dem Werftgelände und im Hafenbecken. Nach Schätzungen müssen rund 65 000 m³ kontaminierter Boden und Sedimente abgetragen und fachgerecht entsorgt werden. Hinzu kommen der Rückbau alter Hallen und die vorsichtige Umsiedlung geschützter Fledermauspopulationen. Bund, Land und Stadt arbeiten eng mit 50Hertz zusammen, um alle behördlichen Auflagen fristgerecht zu erfüllen.

Die Architekten von Bastmann & Zavracky haben ein Konzept vorgelegt, das Nachhaltigkeit und „New Work“-Prinzipien vereint: Großzügige, lichtdurchflutete Büroflächen, energieeffiziente Gebäudetechnik mit Wärmerückgewinnung und begrünte Dächer für Regenwassermanagement sollen ein positives Arbeitsumfeld schaffen. Logistik- und Lagerhallen werden räumlich getrennt, um Betriebsabläufe zu optimieren und Verkehrsaufkommen in der Umgebung zu reduzieren.

Regionale Impulse und Fachkräfteoffensive
Die Landesregierung Mecklenburg‑Vorpommerns unterstützt das Projekt nicht nur ideell, sondern auch finanziell im Rahmen ihrer Strategie für grüne Küstenindustrien. Wirtschaftsministerin Silke Brombach betont: „Mit 50Hertz holen wir einen Leuchtturm der Energiewende an die Küste. Das ROQ erzeugt wertvolle Synergien für Hafenwirtschaft, Handwerk und Zulieferindustrie.“

Tatsächlich dürfte das Kompetenzzentrum zum Katalysator für das maritime Cluster in Rostock werden. Kabelzüge, Spezialboote, Montagekomponenten und IT‑Dienstleistungen – die Bandbreite der Zulieferbranche im Norden Deutschlands ist groß. Mit Perspektiven für junge Fachkräfte und attraktiven Gehältern könnte Rostock zum Hotspot der Offshore‑Technologie avancieren.

Ein Blick nach vorn
50Hertz plant, seine Gesamtinvestitionen in die Energiewende innerhalb der kommenden fünf Jahre auf knapp 25 Milliarden Euro auszuweiten. Schwerpunkte sind dabei der zügige Ausbau von Offshore‑Anbindungen und die Errichtung leistungsstarker Gleichstromverbindungen quer durchs Land. Das ROQ fügt sich nahtlos in diese Strategie: Als dritter Kontrollstandort stärkt es die Resilienz des Netzes, senkt Ausfallzeiten und beschleunigt die Inbetriebnahme neuer Windparks.

Bis 2028 liegen allerdings noch aufwendige Bauphasen, viele behördliche Genehmigungen und umfangreiche Bodenarbeiten vor dem Team in Rostock. Doch der Wille ist groß: „Wir sehen hier nicht nur ein Bauprojekt, wir sehen einen Wandel in der deutschen Energieversorgung“, resümiert Joswig. „Rostock wird zum Herzstück unserer Offshore‑Mission – und zum Symbol für eine nachhaltige Zukunft an der Küste.“

„Mehr Tempo!“ – und dann? Warum gute Vorsätze nicht reichen

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Stefan Traeger, Vorstandschef des Technologiekonzerns Jenoptik, skizzierte in seinem Impulsvortrag auf dem OWF eine ambitionierte Vision für Deutschlands wirtschaftliche Erneuerung. Seine fünf Thesen – strategische Agenda, Innovation, Tempo, Offenheit und Zuversicht – sind auf den ersten Blick überzeugend. Doch bei genauerer Betrachtung offenbaren sich Leerstellen, Vereinfachungen und blinde Flecken.

1. Strategische Agenda – aber von wem?
Die Forderung nach einer „strategischen Agenda“ für Zukunftsbranchen ist sinnvoll. Doch wer soll diese Agenda entwickeln – die Bundesregierung, die Industrie, die EU? Traeger bleibt hier vage. Während er auf das Erfolgsmodell „Silicon Saxony“ verweist und eine eigene Investition von Jenoptik als Vorbild nennt, unterschätzt er die enorme Bedeutung staatlicher Steuerung, gerade bei Standortpolitik, Fachkräftezuwanderung oder Energiekosten. Dass seine Dresdner Fabrik „weitgehend ohne Subventionen“ entstanden sei, ist eher die Ausnahme als Regel – und als implizite Forderung an andere Unternehmen kaum übertragbar.

2. Innovation – ein alter, aber blasser Appell
Auch die Betonung von Innovation und Bildung ist nicht neu. Traeger spricht die „teure Arbeit“ in Deutschland als Stärke an – das ist wohltuend differenziert –, aber er bleibt unkonkret, wie genau die Innovationsfähigkeit systematisch gesteigert werden soll. Gerade in Ostdeutschland fehlt es nicht nur an Fachkräften, sondern auch an Forschungsinfrastrukturen, Netzwerken und Kapital. Ohne konkrete Forderungen an den Staat, z. B. zur steuerlichen Forschungsförderung, zur besseren Kooperation zwischen Hochschulen und Mittelstand oder zur gezielten Regionalförderung, bleibt die Innovationsformel oberflächlich.

3. „Deutschland muss schneller werden“ – richtig, aber wie?
Der Ruf nach mehr Tempo und weniger Bürokratie ist berechtigt – und wird seit Jahrzehnten erhoben. Traeger benennt die öffentliche Verwaltung als Bremsklotz, aber auch hier fehlen Details: Wie soll ein echter Bürokratieabbau gelingen, ohne in neoliberale Kürzungsparolen zu verfallen? Wer Digitalisierung fordert, muss auch über Personal, IT-Sicherheit und Datenschutz sprechen – Themen, die im Vortrag fehlen. Es bleibt der Eindruck, dass die Diagnose zwar stimmt, die Therapie aber unklar ist.

4. Offenheit – ein wohlfeiles, aber unkonkretes Ideal
Traegers Appell für mehr „Offenheit“ ist sympathisch, aber begrifflich unscharf. Offenheit für Migration, für andere Ideen, für kulturellen Input – das klingt gut. Doch wie steht er zur politischen Polarisierung, zur Welle an Fremdenfeindlichkeit, zu realen Integrationsproblemen? Offenheit ist kein abstrakter Wert, sondern ein umkämpftes gesellschaftliches Feld. Hier hätte Traeger deutlich politischer werden können – gerade als ostdeutscher Top-Manager mit internationalem Hintergrund.

5. Zuversicht – oder Zweckoptimismus?
Sein abschließender Aufruf zu mehr Mut und Zuversicht wirkt fast trotzig. Ja, Deutschland ist wirtschaftlich stark – noch. Aber die Herausforderungen sind strukturell: alternde Bevölkerung, schwächelnde Produktivität, Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten. Ob das bloße Beschwören von „Powerhouse Europa“ ausreicht, um komplexe Transformationsprozesse zu meistern, darf bezweifelt werden.

Mutiger Auftritt – mit zu viel Pathos und zu wenig Politik
Stefan Traeger gelingt es, zentrale Zukunftsfragen zu benennen und einen wichtigen Diskurs anzustoßen. Gerade seine persönliche Perspektive als ostdeutscher Konzernchef ist wertvoll. Doch seine Thesen bleiben auf einer abstrakt-moralischen Ebene stehen – „mehr Mut“, „mehr Innovation“, „mehr Offenheit“ –, ohne die harten Zielkonflikte und politischen Hürden konkret anzusprechen.

Für eine echte „Wirtschaftswende“ braucht es mehr als kluge Impulse: Es braucht klare politische Forderungen, eine ehrliche Analyse der strukturellen Schwächen – und den Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Psychoterror, Überwachung und „Zersetzung“ als Waffen des DDR-Regimes

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Eine neue Dokumentation beleuchtet das Ausmaß und die Brutalität der Operationen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) – im Volksmund Stasi – gegen die eigene Bevölkerung. Hinter dem Anspruch, die DDR zu schützen, verbarg sich ein behördlich angeordneter Psychokrieg, der in allen Lebensbereichen wirkte: von flächendeckender Bespitzelung über heimliche Repression bis hin zur gezielten Zerstörung menschlicher Existenzen.

Ein Apparat der Angst
Mit über 91.000 hauptamtlichen Mitarbeitern und rund 200.000 inoffiziellen Spitzeln war die Stasi 1989 der größte Inlandsgeheimdienst der Welt. Auf etwa 230 Dienststellen verteilten sich technische Zentraleinheiten, Abhörstationen und Schreibstellen – von urbanen Zentren bis in kleinste Dörfer. Dieses dichte Netz garantierte, dass kaum ein Telefonat, Briefwechsel oder privates Gespräch unbemerkt blieb. Hinter vorgehaltener Hand warnte man sich gegenseitig: „Jeder kann ein IM sein.“ Die Angst wurde zur Normalität.

Die Ideologie der Überwachung
Als potenzielle „Feinde der Revolution“ klassifizierte das MfS nicht nur bekannte Regimekritiker, sondern auch Gruppen und Individuen, die vermeintlich andere Loyalitäten hegten. Die christliche Kirche galt als geistiger Gegenpol zum Staatssozialismus, weshalb Pfarrer systematisch observiert wurden. Besonders die in den 1980er Jahren aufkommende Friedensbewegung geriet ins Visier – mit besonderer Härte gegen Frauen, die sich kritisch äußerten. Ebenso wurden Homosexuelle, westlich vernetzte Kulturschaffende und offizielle Diplomaten zum Objekt geheimer Ermittlungen. Das Ziel: jede Form von Andersdenken zu unterdrücken und abzutöten, bevor sie politisch relevant wurde.

„Zersetzung“: Psychoterror statt offene Repression
Schon 1976 veröffentlichte das MfS intern die „Richtlinie 1/76“, die das Konzept der Zersetzung umreißt – eine perfide Mischung aus psychischer Folter, Rufmord und subtiler Demütigung. Nicht mehr nur Verhaftung und Gefängnis standen im Vordergrund, sondern das langsame Aushöhlen des Individuums.

„Zersetzung ist eine Form des Psychoterrors“, urteilte eine ehemalige Stasioffizierin in der Dokumentation, „sie zielt auf den Abbau jeglicher stabiler Beziehungen und das Erzeugen dauerhafter Verunsicherung.“

Im Fokus standen Isolation, Unsichtbarmachung von Informationen und das Ausspielen vertrauter Beziehungen gegeneinander – frei nach dem Motto: Den Feind von innen zermürben, statt ihn öffentlich zu bekämpfen.

Fallbeispiele des Schreckens

Pastor Markus Meckel
Der Friedensaktivist und Theologe wurde über Jahre observiert. Geheime Kameras zeichneten private Treffen auf, sein Pfarrhaus war flächendeckend verwanzt. Höhepunkt der Zersetzung: Im Dorf kursierten gefälschte Nacktaufnahmen, später „belegt“ mit einer vermeintlichen Geliebten. Ziel war die soziale Ächtung – ein Versuch, Meckels Engagement nachhaltig zu schwächen. Doch trotz siebenjähriger Kampagne blieb er standhaft.

Beate Harembski
Mitglied der Frauenfriedensbewegung, bald Opfer eines „Romeo-Agenten“: Ein Inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Martin“ ging eine Liebesbeziehung mit ihr ein, zog in ihre Wohnung und lieferte sämtliches persönliche Material an die Stasi. Wohnungsdurchsuchungen per Zweitschlüssel, heimliche Abhörgeräte und ein „Dokumentationskoffer“ – ein mobiles Mini-Fotolabor – machen deutlich, wie technisch versiert die Zersetzungspraktiker vorgingen. Die psychische Verletzung durch vorgetäuschte Intimität hinterließ tiefe Traumata.

Mario Röllig
Der junge Mann geriet ins Visier, weil sein Freund im Westen lebte. Nachdem er sich weigerte, selbst IM zu werden, verlor er seine Arbeit und wurde überwacht. Ein Fluchtversuch nach Ungarn scheiterte, er wurde ausgeliefert und in der Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen in Isolationshaft und Schlafentzug gezwungen. Mit Erpressung – Drohungen gegen seine Schwester und Nichte – zwang man ihn zu Aussagen. Nach drei Monaten wurde er im Rahmen des sogenannten „Häftlingsfreikaufs“ an die Bundesrepublik verkauft.

Die Stasi-Hochschule und technische Meisterleistung
Zentrales Element der Stasi-Struktur war die eigene Hochschule in Golm-Eiche: Hier erhielten Beamte juristische und staatswissenschaftliche Abschlüsse – allerdings zugunsten perfekter Geheimdienstmethodik. Parallel investierte das MfS massiv in Abhörtechnik, Wanzen und Fotoausrüstung. Welche Rolle modernste Elektronik spielte, zeigt der „Dokumentationskoffer“, der jeden Raum blitzschnell verwanzen und dokumentieren konnte.

Scheitern aus Starrsinn
Am Ende konnte all diese Perfektion nicht verhindern, dass die DDR 1989 zusammenbrach. In der Dokumentation räumt ein ehemaliger Stasioffizier ein, es sei ein „großer Fehler“ gewesen, nicht offen mit den Protestierenden zu sprechen, die einen Wandel wollten. Trotz millionenfacher Überwachung und psychischer Kriegsführung blieb die Macht des Regimes brüchig – ein Beleg dafür, dass Unterdrückung langfristig keinen gesellschaftlichen Konsens ersetzt.

Die Methoden der Stasi – von flächendeckender Bespitzelung bis zum systematischen Psychoterror – offenbaren einen Staat, der seiner eigenen Bevölkerung misstraute und bereit war, jede Grenze zu überschreiten. Das Konzept der „Zersetzung“ steht exemplarisch für eine Repressionspraxis, die nicht die öffentliche Konfrontation suchte, sondern auf heimliche, psychische Vernichtung abzielte. Tiefgreifende Traumata, zerstörte Existenzen und ein Klima der Paranoia sind die bleibenden Hinterlassenschaften dieses Überwachungsstaats – und eine mahnende Erinnerung daran, wie gefährlich staatliche Allmachtsfantasien werden können.

Geschichtsbetrachtung ohne Verklärung: Die DDR nüchtern sehen

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Bei der Buchvorstellung von Dr. Ilko‑Sascha Kowalczuk im Brandenburg Museum zeichnete sich ein alarmierendes Bild der ostdeutschen Nach­wend­­gesellschaft ab. Kowalczuk diagnostiziert einen „Freiheitsschock“, der viele Menschen in Ostdeutschland bis heute prägt – mit weitreichenden Folgen für Demokratie und Zusammenhalt. Seine These sekundierte Martina Wei Rauch, indem sie einerseits die Resilienz zahlloser Gründerinnen und Gründer im ländlichen Raum lobte, andererseits aber die Frage stellte, wie viel Freiheit ein Mensch überhaupt ertrage.

Der Freiheitsschock: Ursachen und Merkmale
Kowalczuk definiert Freiheit ausdrücklich nicht bloß als „Abwesenheit von Zwang“, sondern als aktive Verantwortungsübernahme und Beteiligung am gesellschaftlichen Leben. Wer Freiheit leben will, müsse das „Heft des Handelns“ selbst in die Hand nehmen – eine Fähigkeit, die in der DDR kaum vermittelt wurde. Mehrere Faktoren verstärkten den Schock:

  • Langfristige autoritäre Prägung: In Ostdeutschland folgten aufeinander­folgende Staats­­systeme – vom Kaiserreich über den National­sozialismus bis zur SED‑Diktatur –, die individuelle Initiative eher unterbanden.
  • Staatliche Abhängigkeit: Millionen DDR‑Bürgerinnen und Bürger blieben nach 1990 in staatlichen Strukturen verhaftet, etwa durch Arbeitslosengeld, Subventionen oder bürokratische Förderprogramme.
  • Vergleich mit dem Westen: Statt sich an der eigenen Lebenslage vor 1989 zu messen, richteten viele Ostdeutsche ihren Blick auf Städte wie München oder Hamburg. Während 75–80 % der Menschen laut Umfragen persönlich zufrieden sind, glauben bis zu 80 %, dass es der Region schlecht gehe.

Diese Diskrepanz nährt Frust und Politikverdrossenheit: „Niemand hat uns erklärt, wie man Freiheit gestaltet“, so Kowalczuk pointiert.

Demokratische Verheißung kontra Wohlstands­erwartung
Eine verbreitete Annahme der „Machergeneration“ von 1990 laut Kowalczuk lautet, dass Demokratie automatisch zu wirtschaftlichem Aufschwung und Wohlstand führe. Tatsächlich aber sei Demokratie kein ökonomisches Patentrezept, sondern ein aufwändiges System voller Aushandlungsprozesse und Kompromisse. Wo schnelle Erfolge ausblieben, wuchs die Enttäuschung – und bot extremistischen Parteien fruchtbaren Boden.

Zivilgesellschaft als Korrektiv – doch im Osten kaum vorhanden
Die Schwäche der ostdeutschen Zivilgesellschaft sieht Kowalczuk als zentrales Problem. Vereine, Stiftungen oder engagierte Kirchen­gemeinden fehlten flächendeckend – unter anderem wegen geringerem Erbschafts­vermögen und schwächerer Kirchenbindung. Ein funktionierendes Netzwerk aus Initiativen und Bürger­projekten aber wäre essenziell, um demokratische Prozesse lebendig zu halten und radikalen Strömungen entgegenzuwirken.

Gegenstimmen aus Brandenburg: Zwischen Aufbruch und Resignation
Martina Wei Rauch widersprach mit pragmatischen Beispielen: Insbesondere auf dem Land habe sie Gründerinnen erlebt, die „auf Sicht fahren“, Krisen bewältigten und Verantwortung über­nähmen, statt nur zu klagen. Neue kommunale Bündnisse entstünden bewusst gegen Parteien wie die AfD – ein Hoffnungsschimmer für aktive Demokratie vor Ort. Zugleich erkundigte sie sich, „wie viel Freiheit verträgt ein Mensch“, und wie viel Sicherheitsbedürfnis gewahrt bleiben müsse.

Alarmierende Wahlergebnisse und globale Unsicherheit
Kowalczuk zeigte sich alarmiert über die jüngsten Landtags­wahlergebnisse in Brandenburg, wo AfD und BSW gemeinsam fast jede zweite Stimme erhielten. Er bezeichnete beide als „Kremmelparteien“ mit faschistoiden Zügen – eine bewusst provokative, aber für ihn treffende Einordnung. Die weltweiten Umbrüche durch Globalisierung, Digitalisierung und KI führten zu Verunsicherung, die Rechtspopulisten mit einfachen Antworten ausnutzten.

Wege aus der Krise: Ökonomische, pädagogische und kommunikative Ansätze
Als Lösungsansätze nannte der Historiker vor allem:

  • Dekommodifizierung: Bereiche wie Bildung und Gesundheit aus der reinen Marktlogik nehmen, um gesellschaftliche Teilhabe zu sichern.
  • Medienkompetenz: Junge Menschen müssen lernen, Informationsfluten kritisch zu filtern und Verschwörungs­mythen zu durchschauen.
  • Positive Narrative: Beispielsweise im Migrations­diskurs Geschichten von gelungener Integration stärker ins Bewusstsein rücken.

Sichtbarmachen zivilgesellschaftlichen Engagements: Ehrenamtliche und Initiativen als tragende Säulen der Demokratie present machen.

Mahnung und Aufruf zum Handeln
Trotz der ernüchternden Diagnose betonte Kowalczuk, dass Aufgeben keine Option sei: „Wir müssen weitermachen.“ Der „Freiheitsschock“ Ostdeutschlands sei kein Schicksal, sondern eine Herausforderung. Nur wenn Politik, Zivilgesellschaft und Bildungs­institutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen, lasse sich das Vertrauen in demokratische Prozesse wiederherstellen und ein stabileres Fundament für Freiheit und Teilhabe schaffen.

Mutige Preissenkung, große Hoffnungen: Wie Berlins Wirte um Gäste kämpfen

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Die Hauptstadt-Gastronomie steht an einem Scheideweg. Angesichts steigender Betriebskosten, Personalmangels und zurückgehender Touristenzahlen testen Unternehmer neue Konzepte, während Branchenvertreter auf politisches Handeln drängen. Ein Blick auf zwei exemplarische Ansätze, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Preissenkung als Mutprobe
Im ruhigen Prenzlauer Berg wagt Daniel Shepard ein Experiment: Er senkt die Preise seines gleichnamigen Restaurants um rund 25 bis 30 Prozent, Oktopus kostet nun 17 € statt 24 €. „Ich möchte, dass Essen gehen wieder für alle eine schöne Erfahrung bleibt und nicht zum Luxus wird, den sich nur noch wenige leisten“, erklärt Shepard. Tatsächlich sind die Gästezahlen seit der Anpassung gestiegen, und das Durchschnittsalter der Besucher ist gesunken. Auch die Bar profitiert von der veränderten Zielgruppe.

Um Umsatzverluste auszugleichen, konzentriert sich Shepard auf sein Event-Portfolio: Mehr Partys, ein neuer Wochenend-Brunch und regelmäßige Themenabende sollen das Haus tagsüber und abends füllen. Hochwertige Zutaten bleiben im Einsatz, das Handling im Hintergrund wurde jedoch verschlankt, um Kosten zu sparen. „Mit den Events und dem zusätzlichen Brunch decken wir die Einbußen auf der Karte wieder ab“, so Shepard.

Makroperspektive: Politische Entlastungen und strukturelle Hürden
Dem gegenüber steht die realistische Einschätzung von Jör Brinkmann, Vizepräsident des Dehoga Berlin. Er sieht die Preissenkung als Einzelfall, warnt jedoch vor einer Scheinsicherheit: „Wenn alle Kosten weiter steigen – Rohstoffe, Energie, Löhne –, kann das kaum ein Geschäftsmodell für die Masse sein.“ Brinkmann erwartet vielmehr Entlastung durch die Bundesregierung: Die geplante Absenkung der Mehrwertsteuer auf Restaurant-Speisen von 19 % auf 7 % könnte Betrieben rund 12 Prozentspielraum verschaffen. „Gastronomen kaufen ihr Wareneinkauf längst mit 7 % Steuer, verkaufen aber mit 19 %. Das ist ungerecht“, so der Dehoga-Chef.

Dennoch rechnet Brinkmann nicht damit, dass die Betriebe ihre Preise unmittelbar senken: „Die meisten werden die Ersparnis nutzen, um gestiegene Personalkosten zu decken – ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung.“

Weitere Herausforderungen: Personal, Regulierungen, Tourismus
Doch selbst mit Steuersenkung bleibt das Umfeld schwierig. Laut Brinkmann fehlt es in fast allen Betrieben an Fachkräften – viele können ihre Öffnungszeiten nicht mehr einhalten. Hinzu kommt die Berliner Sperrstunde für Außengastronomie um 21:30 Uhr, während Brandenburg bis Mitternacht offen bleiben darf. „Für eine Weltmetropole unvorstellbar und falsch“, kritisiert Brinkmann.

Der dritte große Faktor ist der Tourismus: Die Zahl der Flugreisenden ist noch immer deutlich unter Vorkrisenniveau, Großveranstaltungen fehlen. „Viele Berliner Gastronomen leben vom Tourismus“, betont der Dehoga-Vize. Sein Forderungskatalog reicht daher von neuen Flugverbindungen über mehr Messen bis hin zu einem attraktiveren Stadtmarketing.

Einzelkämpfer wie Daniel Shepard beweisen, dass kreative Preispolitik und Eventmarketing durchaus erfolgreich sein können – zumindest auf kleiner Flamme. Für die Branche als Ganzes sind jedoch politische Rahmenbedingungen und strukturelle Reformen unerlässlich. Ohne steuerliche Entlastung, Fachkräfteoffensive und eine Rückkehr der Touristen wird es schwer, aus dem derzeitigen Engpass herauszufinden. Die Zukunft der Berliner Gastronomie hängt damit gleichermaßen von mutigen Unternehmern und entschlossenem politischem Handeln ab.

Journalismus im Strudel der digitalen Krise: Zwischen Klickzwang und Relevanzverlust

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In Zeiten digitaler Dauerbeschallung stehen weder Demokratien noch der Journalismus gut da. Im „Streitraum“ der Berliner Schaubühne entwarfen die Journalistin Caroline Emcke und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen ein beunruhigendes Bild: Kuriose Klickwunder verdrängen existenzielle Themen, Plattform‑Oligarchen steuern Debatten, und klassische Medienhäuser sind ökonomisch am Rande des Abgrunds.

„Der Tintenfisch regiert“
Pörksen, der im Redaktionsalltag von Spiegel Online Einblick hatte, beschreibt das „Radarsystem“, mit dem Klickzahlen Wort für Wort in Echtzeit gemessen werden. „Der Tintenfisch“ – eine Metapher für skurrile Geschichten vom Riesentintenfisch bis zur aggressiven Riesenschildkröte – trete regelmäßig als Klick‑Champion gegen Analysen zu Gaza, Klimakrise oder anderen Schicksalsfragen an. Emcke warnt: „Wenn Relevanz dem Diktat der ‚Interessantheit‘ weicht, verarmen Öffentlichkeit und Demokratie.“

Werbemärkte weg, Abo‑Diktatur droht
Der ökonomische Befund liest sich verheerend: Google, Meta und Amazon vereinen über 50 % der weltweiten Werbeeinnahmen auf sich, klassische Verlage dümpeln unter einem Prozent. Pörksen spricht von einem „Verspätungsdilemma“: Ohne Anzeigen müssen Redaktionen auf Abonnenten zielen – mit der Gefahr einer „Diktatur der Themensetzung“ durch zahlende Leser. Emcke erkennt dennoch Lichtblicke: Bezahlschranken ermöglichen fundierte Analysen, die durchaus Abos generieren können – wenn das Publikum bereit ist, Qualität zu bezahlen.

Refeudalisierung des Diskurses
Die versprochene Demokratisierung des digitalen Raums bleibt brüchig. „Mehr Stimmen, aber weniger Machtkontrolle“, fasst Pörksen zusammen und prangert eine „Vermachtung“ durch wenige Oligarchen wie Elon Musk oder Rupert Murdoch an. Die Folge: gezielte Desinformation, asymmetrische Wahrheitskriege und eine wachsende „Skandalimmunität“, gegen die Enthüllungen kaum noch ankommen.

Schnelligkeit statt Tiefe
Emcke kritisiert den „kommentierenden Sofortismus“: Brexit und Trump‑Wahl lehrten, dass hektische Deutungen und „Deutungshysterie“ Desinformation oft keine ernsthafte Reflexion folgen lassen. Pörksen ergänzt: In asymmetrischen Wahrheitskriegen nütze auch radikale Offenlegung wenig, wenn Leser längst immun gegen Skandale sind.

Tabu Ernsthaftigkeit
Besonders scharf verurteilt Emcke das Pro‑und‑Kontra‑Format, das komplexe Fragen auf zwei gleichwertige Positionen zwinge und damit eine falsche Gleichwertigkeit suggeriere. Pörksen stimmt zu, relativiert aber: Kontroverse sei situativ wertvoll, dürfe jedoch nicht in feindselige Spektakel umschlagen.

Konkretion als Schlüssel
Am Beispiel des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule erklärt Pörksen die „wissende Ignoranz“: Unrecht wird zwar erkannt, aber verdrängt. Erst die „schmerzhafte Konkretion“ – das Detail – breche Abwehrmechanismen. Emcke fordert eine „engagierte Objektivität“, die moralische Klarheit mit radikaler Wahrheitsorientierung verbindet.

Wege aus der Krise

Mehr Zeit: Wahrheit braucht Muße, nicht die Schnellfeuer-Presse.
Prebanking: Proaktives Impfen gegen erwartbare Lügen.
Diversität: Unterschiedliche Perspektiven gegen Wahrnehmungsverzerrung.
Medienbildung & Solidarität: Abos und kritische Öffentlichkeit stärken.
Regulierung: Transparenzpflichten für Algorithmen, punktuelle Broadcast‑Bans als letzte Instanz.
Redaktionelle Gesellschaft: Journalistische Grundprinzipien als gesamtgesellschaftliche Ethik.

Trotz aller Warnungen schließt Pörksen mit einem Appell: „Pessimismus ist Zeitverschwendung.“ Die digitale Kommunikationsrevolution könne nur mit entschiedener normativer Antwort offener Gesellschaften bewältigt werden. Ob Politik, Plattformen oder Publikum seine Mahnungen ernst nehmen, entscheidet, ob Qualitätsjournalismus und Demokratie eine Zukunft haben.

Eine Geschichte vom besonderen Wert des eigenen Autos in der DDR

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Mobilität im real existierenden Sozialismus war mehr als reine Fortbewegung – sie war tägliche Herausforderung, knallharter Verteilungskampf und ein Stück persönlicher Freiheit. Die neue RBB-Dokumentation „Der Osten auf vier Rädern“ zeichnet über vier Jahrzehnte ostdeutscher Automobilgeschichte hinweg ein eindrückliches Bild: von den ersten Nachkriegs-Innovationen bis zur fatalen technischen Stagnation der späten DDR-Jahre – und von jener fast familiären Beziehung, die Autofahrer zu ihren Vehikeln entwickelten.

Pionierjahre in Zwickau und Eisenach
Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen die Werke in Zwickau und Eisenach in Trümmern; Demontagen und Reparationen raubten dem Automobilbau ressourcen und Know-how. Doch bereits ab 1949 rollten in der sowjetischen Besatzungszone die IFA F8 vom Band, und das ehemalige BMW-Werk in Eisenach startete als EMW neu. Trotz zerstörter Hallen und knapper Mittel entstanden dort erstaunliche Prototypen: der EMW 340, speziell für sowjetische Funktionäre, und der Wartburg 311, der heimlich im Konstruktionsbüro skizziert wurde. Beide Modelle gewannen auf internationalen Messen Preise – der Wartburg 311 sogar 1958 in New York als „schönster europäischer PKW“.

Der Trabant – Symbol einer Massenmotorisierung
Während Exportschlager wie der Wartburg nur wenige tausend Käufer fanden, sollte der Trabant zum Rückgrat der DDR-Motorisierung aufsteigen. Ab 1958 lief der P50 mit serienmäßiger Duroplast-Karosserie vom Band; sein Name „Trabant“ war eine Anspielung auf den sowjetischen Sputnik und bedeutete „treuer Begleiter“. Das 1964 eingeführte Modell 601 schließlich blieb für 28 Jahre äußerlich unverändert – eine Entscheidung, die im Westen Spott erntete und das Bild eines technisch rückständigen Landes festigte. Geplante Nachfolger wie der P100 oder der Trabant 603, die echte Modernisierungen versprachen, scheiterten an politischer Planwirtschaft und Priorisierung anderer Industriezweige.

Mangelwirtschaft, Eigeninitiative und Bastlergeist
Knappheit prägte jeden Aspekt des Autobesitzes: Wer einen Neuwagen ordern wollte, reihte sich jahrelang auf Wartelisten ein. Der „Gebrauchtwagenmarkt“ wurde zum kuriosen Handelsplatz, auf dem ältere Fahrzeuge zum Vielfachen ihres ursprünglichen Preises den Besitzer wechselten. Ersatzteile waren Mangelware; Werkstatttermine rar. Deshalb entwickelte sich ein regelrechter Bastlerkult: Damenstrümpfe als Keilriemen, Heftpflaster für Beulen, selbstgegossene Gummidichtungen – hier wurde improvisiert, getüftelt und gehandelt, bis der Motor wieder lief.

Das Auto als Wertgegenstand und Statussymbol
In der DDR besaß das eigene Auto eine fast sakrale Bedeutung. Es war mehr als Statussymbol: es war unverzichtbares Tor zu Urlaub, Beruf und sozialer Teilhabe. Viele Fahrer tauften ihre Wagen, hüteten sie wie Familienerbstücke und bauten Garagenkomplexe, um sie vor Regen und Frost zu schützen – oft schon bevor der Neuwagen ausgeliefert war. Diese enge Bindung unterschied sich grundlegend von westdeutschen Verhältnissen, in denen Autos vor allem Stufen sozialer Hierarchien abbildeten.

Der Gnadenstoß und die Auferstehung als Oldtimer
Mit der Wiedervereinigung setzte das Ende schneller ein, als mancher erwartet hatte. Am 30. April 1991 rollte der letzte Trabant vom Band; Wartburg und EMW folgten kurz darauf. Nur Melkus, der einstige Rennsportwagen-Hersteller, überlebte in kleiner Manufakturgröße. Doch wie Phönix aus der Asche erleben heute DDR-Ikonen ihre Renaissance: Liebhaber- und Sammlercliquen restaurieren sorgfältig die Patina von damals, treiben Ersatzteilbeschaffung und Motorüberholungen voran. Aus einstigem Alltagsgerät ist Luxuskult geworden, dessen Wert längst nicht mehr an Nutzen, sondern an Emotion und Nostalgie gemessen wird.

„Der Osten auf vier Rädern“ ist mehr als eine technische Chronik – es ist das Porträt eines Volkes, das in jeder Schraube und jedem Tropfen Öl seine eigene Geschichte von Resilienz, Erfindungsgeist und Leidenschaft bewahrt hat. Autos, die einst unter den Zwängen der Planwirtschaft litten, tragen heute das Erbe einer Ära, in der Mobilität zum Symbol persönlicher Selbstbestimmung wurde.