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Hinter der Fassade: Die unerzählten Geschichten der DDR

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Die Deutsche Demokratische Republik – eine geheimnisvolle Diktatur. Offiziell präsentierte sie sich als das „bessere Deutschland“, ein blühendes Land dank des Sozialismus, das eine bessere Zukunft versprach. Doch die Wirklichkeit des Sozialismus und der Alltag der Menschen klafften oft weit auseinander. Vieles wurde geheim gehalten und kam erst Jahre nach dem Fall der Mauer ans Licht.

Die DDR-Führung setzte auf die Kraft der Propaganda, um ihre Bürger zu motivieren. Eine prominente Figur dieser Bemühungen war Frieda Hockauf, eine Weberin aus Zittau, die 1953 zur „Ikone der DDR“ wurde. Sie wurde als Heldin der Arbeit geehrt, nachdem es ihr gelang, deutlich mehr Stoff zu weben als ihre Arbeitsnorm es verlangte. Hockauf wurde zum Vorbild einer Aktivistenbewegung, die seit 1948 existierte und die Menschen zu höherer Produktivität anspornen sollte. Besonders Frauen sollten dadurch mobilisiert werden, da sie die einzige Arbeitskräftereserve darstellten, auf die die DDR zurückgreifen konnte – im Gegensatz zur Bundesrepublik, die Ende der 1950er Jahre Gastarbeiter aufnahm. Die Propaganda zeigte, wie Frauen in der ganzen DDR Frieda Hockauf nacheiferten.

Die wahre Geschichte Hockaufs wurde der Bevölkerung jedoch verschwiegen. Ihre Rekorde brachten ihr bei Kolleginnen Beschimpfungen als „Normenbrecherin“ und „Verräterin“ ein. Eier und Steine flogen, ihr Mann musste sie von der Arbeit abholen, und ihr Webstuhl wurde sabotiert. Solche „Normenbrecher“ stießen in der Arbeitswelt auf Widerstand, da sie suggerierten, dass doppelte Leistung möglich sei. Frieda Hockauf wechselte schließlich den Job und wurde, nachdem sie schwer herzkrank wurde, von der Partei fallen gelassen. Eine Nachbarin beschrieb ihr Schicksal treffend: arm geboren, arm gestorben.

Trotz der Propaganda lief die Wirtschaft der DDR der Bundesrepublik deutlich hinterher. Anfang der 1960er Jahre war von Reformen die Rede, da den Verantwortlichen klar war, dass die Wirtschaft nicht optimal funktionierte. Engpässe, insbesondere bei Lebensmitteln, waren ein ernstes Problem. Der Versuch, alle Kleinbauernhöfe in Genossenschaften (LPGs) zu überführen, führte zunächst zu Missernten und zur Flucht von Bauern in den Westen. Die Investitionen konzentrierten sich auf Schwerindustrie wie Chemie, Elektro und Maschinenbau, doch auch dort fehlten Mittel und Arbeitskräfte. Dieser Teufelskreislauf mündete in die Krise von 1961. Die Reaktion der Führung war radikal: die Schließung der Grenze durch den Mauerbau. Der eigentliche Hintergrund war, die Volkswirtschaft dadurch planbar zu machen. Die Bürger, die blieben, mussten die Folgen tragen: mehr arbeiten und weniger dafür erhalten. Dies nährte die Wut und führte zu Hunderten wilder Streiks, die die DDR Anfang der 1960er Jahre erschütterten, insbesondere in Industriezentren wie Leuna. Diese Streiks fanden kaum Erwähnung in der DDR-Presse, während im Westen Gerüchte kursierten und teils auch Falschmeldungen verbreitet wurden. Die Unruhe in Bevölkerung und Betrieben setzte die Führung unter Druck und bestärkte sie in der Notwendigkeit von Wirtschaftsreformen. Diese wurden jedoch aus Angst vor Kontrollverlust der Partei wieder gestoppt.

Um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren, wurden Frauen noch stärker in die Berufstätigkeit gedrängt. Der Staat versprach, sich um die Kinderbetreuung zu kümmern. Ein zentrales Element waren die Wochenkrippen, in denen Kinder ab der sechsten Lebenswoche montags abgegeben wurden und ihre Eltern nur am Wochenende sahen. Offiziell als Entlastung für die Eltern beworben, glichen diese Einrichtungen in Wirklichkeit eher Kinderheimen.

Die Ärztin Eva Schmidtkolmer untersuchte Anfang der 1950er Jahre die Entwicklung von Krippenkindern. Ihre dramatischen Ergebnisse, die nur in Fachkreisen bekannt wurden, zeigten, dass Wochenkrippenkinder in allen Bereichen hinter Gleichaltrigen zurückblieben. Sie dokumentierte Hospitalismus, ausdruckslose, sich schaukelnde Kleinkinder. Den Eltern wurden diese Befunde vorenthalten. Obwohl viele Kinderärzte warnten und Schmidtkolmer versuchte, Veränderungen anzustoßen, wurde sie zunehmend „mundtot gemacht“. Das gravierendste Problem war, dass die Probleme der Kinder bekannt waren, aber nicht öffentlich diskutiert wurden. Bis zum Ende der DDR wurden Vergleichsstudien behindert. Dieses Vorgehen beschädigte den Mythos, dass die Produktionssteigerung nicht zu Lasten der Menschen ginge. Heike Liebsch, die selbst als Kind in einer Wochenkrippe war, interviewte später ehemalige Wochenkrippenkinder für ihre Doktorarbeit. Viele berichteten von gestörten Elternbeziehungen, Partnerschaftsproblemen und Ängsten. Liebschs Forschung half ihr und anderen, eigene Ängste besser zu verstehen.
Eine zentrale Säule des DDR-Selbstverständnisses war die Freundschaft mit der Sowjetunion, der Schutzmacht und dem „großen Bruder“. Diese „Waffenbrüderschaft“ wurde propagandistisch gefeiert. Die Realität sah anders aus: Es gab kein Verhältnis auf Augenhöhe. Die sowjetischen Truppen schotteten sich hermetisch ab. Was hinter den Sperrzäunen geschah, war Staatsgeheimnis. Gerüchte über Atomwaffenlager kursierten. Historiker konnten später bestätigen, dass in Großräschen seit 1963 sowjetische Nuklearwaffen gelagert wurden, was der DDR-Führung jedoch unbekannt war. Die Lebensverhältnisse der sowjetischen Soldaten waren oft ärmlich und von Gewalt geprägt. Desertionen und kriminelle Handlungen waren verbreitet. Viele Soldaten riskierten ihr Leben bei Fluchtversuchen.

Persönliche Beziehungen zwischen sowjetischen Soldaten und ostdeutschen Frauen waren schwierig und oft unerwünscht. Soldaten, insbesondere Offiziere, galten als Geheimnisträger, und Beziehungen wurden als Gefahr für ihren Status angesehen. Frauen, die solche Beziehungen eingingen, wurde unterstellt, die Rote Armee zersetzen oder spionieren zu wollen. Dies führte zu vielen individuellen Schicksalen, wie dem von Renate Walter, einem sogenannten „Russenkind“. Sie erfuhr erst zufällig als Jugendliche den Namen ihres sowjetischen Vaters Alexander Bessarabow. Ihr Vater kämpfte um die Beziehung zu ihrer Mutter Hildegard und ihr, wurde aber vermutlich wegen des Kindes unehrenhaft entlassen. Viele „Russenkinder“ erfuhren nie, wer ihre Väter waren, da die Mütter schwiegen. Auch Anfeindungen gegen die Kinder waren nicht unüblich.

Ein weiterer Gründungsmythos der DDR war der konsequente Antifaschismus. Der Nationalsozialismus wurde als „Faschismus“ bezeichnet, um ihn vom Sozialismus abzugrenzen. 1950 erklärte die DDR die Entnazifizierung für abgeschlossen. Nazis gab es angeblich nur im Westen. Doch die Realität war komplizierter. Man verfolgte NS- und Kriegsverbrecher, lud aber auch die „breite Mehrheit“ und „Belasteten“ zum Mitmachen ein. Das Angebot lautete: Wer sich für den demokratischen Aufbau einsetzt, dessen Sünden aus der Vergangenheit werden nicht weiter thematisiert. Beispiele wie Ernst Grossmann, ein ehemaliger Angehöriger der SS-Totenkopfverbände und der Wachmannschaft des KZ Sachsenhausen, der später SED-Spitzenkandidat und Vorsitzender der ersten LPG wurde, zeigen, dass Altnazis auch in der DDR Karriere machen konnten und sich nicht vor Gericht verantworten mussten. Die Stasi wusste über Grossmanns Vergangenheit Bescheid.

Trotz des offiziellen Antifaschismus tauchten gerade in den 1980er Jahren Neonazis als sichtbares Problem auf. Kriminalisten und Soziologen der Humboldt-Universität stellten fest, dass diese Jugendlichen zu 80% aus als „solide“ geltenden Elternhäusern stammten – ihre Ergebnisse blieben geheim. Experten sehen einen Zusammenhang mit dem Autoritätsverlust der älteren Generation Ende der 1980er Jahre; alte ideologische Autoritäten spielten keine Rolle mehr, neue gab es nicht. Das Benutzen von Nazi-Symbolen wurde zu einer starken Provokation gegen den antifaschistischen Staat. Gleichzeitig verkörperten diese Strömungen Werte, die durchaus in der DDR-Gesellschaft verbreitet waren: ein Ordnungsdenken, Sicherheitsdenken, eine gewisse Fremdheit gegenüber anderen Kulturen. Sogar Kriegsverbrecher wie Heinz Barth, beteiligt am Massaker von Oradour, wurden in Haft mit jungen Neonazis zusammengebracht und gaben dort ihre Weltbilder weiter. Der Prozess gegen Barth 1983 wurde zwar als Propagandaerfolg gefeiert, doch auch hier gab es ein dunkles Geheimnis: Zwei weitere an dem Massaker Beteiligte wurden nicht angeklagt.

Die DDR-Führung stürzte schließlich auch über ihre geheimen Machenschaften. Als die Menschen 1989 die Mauer zu Fall brachten und 1990 die Stasi-Zentrale stürmten, zeigte sich, wie viele Geheimnisse es in der DDR noch gab. Die Diskrepanz zwischen dem propagierten Ideal und der verborgenen Realität prägte das Leben vieler Menschen.

Plauen 1989: Wie der Mut Einzelner die Wende einleitete

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Während die Staatsführung in Berlin am 7. Oktober 1989 den 40. Geburtstag der DDR feiert – es sollte der letzte sein – haben viele Bürger nichts zu lachen. In Plauen werden Demonstranten in die Haftanstalt eingeliefert, wo der Umgang mit Regimekritikern an Folter grenzt. Fotos von Justizbediensteten wie Klaus Vetter dokumentieren Szenen, die selbst ihn beunruhigen.

Die Proteste sind besonders am 7. Oktober heftig, und den staatlichen Organen fällt es zunehmend schwer, die Lage in den Griff zu bekommen. Ein Grund dafür ist, dass sie sich ihrer eigenen Truppen nicht mehr sicher sein können. Es gibt aufrechte Menschen, selbst in den Reihen der Kampfgruppen, die eigentlich zum Schutz der volkseigenen Betriebe im Kriegsfall gedacht sind. Norbert Siegert aus Plauen, Abteilungsleiter eines großen Maschinenbaukombinats und katholisch, war Kampfgruppenmitglied als Kompromiss, um seine leitende Funktion zu behalten, da er den Beitritt zur SED verweigerte.

Bereits am 24. September wurde bei einer Übung der Kampfgruppen geprobt, gegen „Provokateure“, „Feinde des Sozialismus“ und „Störenfriede“ in der Bevölkerung vorzugehen. Zwei Tage vor dem 7. Oktober, am 5. Oktober, fahren Züge mit Botschaftsflüchtlingen aus Prag durch Plauen in die Bundesrepublik. Die Kampfgruppen sollen verhindern, dass jemand aufspringt oder es zu Sympathiebekundungen der Bevölkerung kommt. Um 10 Uhr klingelt bei Norbert Siegert sturm, doch er weigert sich: „Ich mach das nicht und ich bleibe zu Hause“. Er sei nicht gewillt, „gegen Bürger gegen Menschen unseres Landes unserer Stadt mit der Waffe in der Hand vor zu gehen oder ihnen entgegen zu treten“.

Am 7. Oktober demonstriert die Bevölkerung Plauens gegen das DDR-Regime. Auf dem Postplatz versammeln sich zehn- bis fünfzehntausend Menschen zur größten Demonstration, die es in der DDR seit dem Aufstand im Juni 1953 je gab. Gegen 16:50 Uhr gerät die Lage aus Sicht der Staatssicherheit außer Kontrolle, wie Generalleutnant Gehlert später berichtet. 320 Kampfgruppenmitglieder werden in voller Gefechtsbereitschaft versetzt, doch nur 121 erscheinen. Daraufhin werden alle 1000 Plauener Kämpfer alarmiert, von denen „sage und schreibe nur 92 antreten“. Dies geschieht, obwohl Verweigerer und ihre Familien negative Folgen befürchten mussten.

Da die Volkspolizei in Plauen keine Wasserwerfer besitzt, soll die Feuerwehr mit Löschfahrzeugen gegen die Demonstranten vorgehen. Sowohl die Berufs- als auch die Freiwillige Feuerwehr werden alarmiert. Der damalige Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr, Gerold Knie, ist sich „von anfang an einig dass wir diesen befehl gegen die eigene bevölkerung zu formen die streiks für hören“. Er hört per Sprechfunk mit, dass sich auch der Leiter der Berufsfeuerwehr zunächst weigert. Die Polizeiführung übernimmt daraufhin die Befehlsgewalt und erteilt sehr bestimmt den Befehl: „fahren sie also keine diskussion formen sie“.

Am nächsten Tag schreibt Gerold Knie zusammen mit vier weiteren einen mutigen Protestbrief an den Rat der Stadt. Darin verurteilen sie den Einsatzbefehl, der „leben und gesundheit friedlicher bürger gefährdet hat“. Dieses Handeln geschieht aus dem Bauch heraus, ohne lange nachzudenken über mögliche Konsequenzen. Nur deshalb, so die Einschätzung, sind diese Situationen entstanden, sind die Demonstrationen zustande gekommen und die „friedliche revolution gestolpert“.

Plauen war eine Stadt, in der „außergewöhnlich viele menschen den mut zum widerstand fanden“. Ob als Demonstranten oder als Menschen, die sich weigerten, gegen Demonstranten vorzugehen. Keiner von ihnen ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass sie straffrei davonkommen würden, weil einen Monat später die Mauer fällt und die DDR am Ende ist.

Stadtratssitzung Halle (Saale): Finanzkrise, Bevölkerungszahlen und kontroverse Debatten

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Am 28. Mai 2025 fand die Stadtratssitzung in Halle (Saale) statt, die von bedeutenden finanziellen Herausforderungen, Diskussionen über die Bevölkerungsentwicklung und verschiedenen Anträgen geprägt war. Zu Beginn der Sitzung wurden gelbe Bänder für Soldaten im Auslandseinsatz ausgelegt, initiiert vom deutschen Reservistenverband und Bundeswehrverband, zur Übergabe am Reservistentag am 15. Juni. Weiterhin wurde Sarah Labuska als neues Mitglied der Fraktion Wold Mitbürger verpflichtet und Dr. Detlef Went als neuer Fraktionsvorsitzender der Wold Mitbürger bekannt gegeben.

Finanzielle Schieflage und Zensus-Folgen
Ein zentrales und emotional diskutiertes Thema war der Bericht des Oberbürgermeisters, insbesondere die finalen Einwohnerzahlen des Statistischen Landesamtes mit Stand 15. Mai 2022, die bei 226.586 liegen. Dies führt zu einer Differenz von 16.000 bis 17.000 Einwohnern im Vergleich zum städtischen Melderegister, das aktuell 242.500 Einwohner (Stand 20. Mai) verzeichnet. Der Oberbürgermeister bezeichnete die Auswirkungen dieser offiziellen Zahl auf Halle als „katastrophal“, da bei einem Fortbestehen jährlich 11 Millionen Euro aus dem Finanzausgleich fehlen würden. Dies hätte auch Auswirkungen auf die Schulplanung.

Bürgermeister Geier ergänzte, dass der Bescheid des Statistischen Landesamtes die umfangreiche Argumentation der Stadt in keiner Weise aufgreife. Er betonte, dass die Methodik des Zensus 2022 wichtige Sonderfälle wie die Flüchtlingskrisen von 2015 und die Ukraine-Flüchtlinge nicht ausreichend berücksichtige. Es gebe zahlreiche Plausibilisierungen, die die Richtigkeit des Melderegisters bestätigen. Die Stadt sucht nun den Schulterschluss mit anderen Städten bundesweit (wie Cottbus, Greifswald, Stralsund, Regensburg), um die Zahlen zu analysieren und eine gemeinsame Argumentationskette zu bilden. Die Stadtverwaltung prüft den Bescheid.

Die Debatte über den Nachtragshaushalt 2025 machte die finanzielle Lage der Stadt deutlich. Herr Geier zitierte den Präsidenten des Deutschen Städtetages, der von der größten kommunalen Finanzkrise im Nachkriegsdeutschland sprach. Für Halle endete das Jahr 2024 mit einem Minus von 37,7 Millionen Euro nach Abzug von Gewinnrücklagen. Für Ende 2025 wird ein maximaler zusätzlicher Bedarf an Kassenkrediten von 103 Millionen Euro erwartet. Das Landesverwaltungsamt, das den Haushalt genehmigen muss, fordert Konsolidierungsmaßnahmen. Ein umfangreiches Konsolidierungspaket soll mit dem Haushaltsplan 2026 vorgelegt werden, um Zeit zu sparen.

In der Diskussion wurde die Notwendigkeit einer offenen Debatte über Ausgabenkürzungen und Einnahmevermehrung betont. Kritisiert wurde, dass der Nachtragshaushalt lediglich den Kreditrahmen erhöhe, aber keine Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Einnahmen oder Senkung der Ausgaben beinhalte. Die Grundsteuererhöhung wurde als mögliche Maßnahme genannt, die besser schon in diesem Jahr stattfinden könnte. Es gab eine kontroverse Auseinandersetzung darüber, ob Kürzungen bei Pflichtaufgaben (wie Sozialleistungen) oder nur bei freiwilligen Leistungen (Sport, Kultur etc.) möglich seien. Verschiedene Sprecher betonten, dass das Problem nicht nur Halle betreffe, sondern viele Kommunen, und eine gemeinsame Position gegenüber Land und Bund nötig sei. Die AfD-Fraktion stellte sich zunächst kritisch zum vorgelegten Haushalt, während andere Fraktionen betonten, die Zustimmung sei notwendig, um Handlungsfähigkeit zu erhalten.

Beschlüsse und Anträge:

• Eine Vorlage zum Förder- und Abschöpfungsvertrag mit der Entwicklungsgesellschaft Industriegebiet Halle Saalkreis (EVG) für den Starpark wurde einstimmig angenommen (47 Ja). Die EVG erschließt kostenneutral für die Stadt Flächen und es gibt hohe Nachfrage nach Gewerbegebieten.

• Die Vorschlagsliste für den Beirat der Justizvollzugsanstalt Halle wurde ebenfalls einstimmig angenommen (50 Ja). Jede der acht Fraktionen schlug ein Mitglied vor.

• Ein Antrag der Fraktion Die Linke zu Schulbibliotheken wurde nach intensiver Diskussion mehrheitlich abgelehnt (26 Nein, 14 Ja, 7 Enthaltungen). Hauptargumente der Ablehnung waren die Zuständigkeit des Landes für Personal und Finanzen in Schulen und der Fokus auf Stadtteilbibliotheken.

• Ein Antrag der Fraktion Wold Mitbürger zur Erarbeitung einer KI-Strategie für die Stadtverwaltung wurde nach Übernahme von Änderungsanträgen der SPD und CDU mehrheitlich angenommen (34 Ja, 6 Nein, 9 Enthaltungen für die geänderte Vorlage; der CDU-Änderungsantrag wurde zuvor mit 33 Ja, 12 Nein, 4 Enthaltungen angenommen). Die Debatte drehte sich um die Notwendigkeit lokaler Leitlinien vs. EU-Vorgaben, die Effizienzsteigerung durch KI (z.B. Wohngeldanträge) und die Frage, ob Halle eine Vorreiterrolle einnehmen sollte oder auf nationale Konzepte warten sollte.

• Ein Antrag der Fraktion Die Linke zur Erarbeitung eines Kriterienkatalogs und einer Bestandsaufnahme für barrierefreien und barrierearmen Wohnraum wurde nach einer Änderung des Wortlauts einstimmig angenommen (29 Ja, 16 Enthaltungen). Die Verwaltung begrüßte den Antrag zur Definition von „Barrierearmut“ und zur Adressierung der Herausforderung einer älter werdenden Gesellschaft.

• Ein Antrag der CDU-Fraktion zur systematischen Bezeichnung elektronischer Dokumente im Ratsinformationssystem, um die Arbeit der Stadträte zu erleichtern, wurde in den Hauptausschuss verwiesen.

• Ein Antrag der CDU-Fraktion zur Benennung des Schülerwohnheims nach Heiko Runge, einem Opfer staatlicher Gewalt an der innerdeutschen Grenze, wurde in den Kultur-, Bildungs- und Jugendhilfeausschuss verwiesen.

• Die Besetzungsvorschläge für verschiedene Ausschüsse (Tagesordnungspunkte 103-107, 1011) wurden einstimmig angenommen (44 Ja).

• Für die Besetzung eines Platzes im Stiftungsvorstand des Hospitals St. Cyriaki und Antoni wurde ein Losverfahren zwischen SPD und Die Linke durchgeführt. Das Los fiel auf Die Linke.

• Ein Antrag von Stadtrat Mario Kerzel (Inhalt nicht explizit genannt, betrifft aber wohl die innere Verfasstheit des Rates) wurde nach Diskussion um die Zuständigkeit in den Hauptausschuss verwiesen.

• Ein Antrag der Fraktion FDP Freie Wähler zur Unterstützung der Errichtung eines Genscher-Denkmals (in Form einer Bank) auf dem Marktplatz wurde in den Kultur-, Planungs- und Finanzausschuss verwiesen. Die SPD kündigte einen Änderungsantrag an, der einen Standort in der Nähe des zukünftigen Zukunftszentrums und einen künstlerischen Wettbewerb vorschlägt.

• Ein Antrag von Stadträtin Dirte Jakobi für ein Ausreiseverbot für Menschen mit Migrationshintergrund und die Schließung der Grenzen wurde mit großer Mehrheit abgelehnt (31 Nein, 5 Ja, 6 Enthaltungen). Der Oberbürgermeister wies entschieden darauf hin, dass die Kommune nicht für Ausreiseverbote zuständig sei und verbat sich die Beleidigung seiner Mitarbeiter im Einwohnermeldeamt.

In der Rubrik „Mündliche Anfragen“ wurden unter anderem folgende Punkte angesprochen:

• Probleme beim Online-Ticketkauf für das Planetarium, der nur mit Kreditkarte möglich ist. Die Verwaltung wird sich darum kümmern.

• Der Stand der Dinge bei der Kinderbetreuung für Stadträte und Ausschussmitglieder; es wird erwartet, dass dies nach der Sommerpause wieder möglich ist.

• Fragen zur Sicherheitssituation mit Jugendlichen in Reideburg; die Verwaltung muss den Träger der Einrichtung anfragen.

• Der Zustand des Leunerweges und wann mit Reparaturen zu rechnen ist. Die Verwaltung wird dies prüfen.

• Eine Nachfrage zu einem geplanten rechtsextremen Messe am 9. November und ob der Oberbürgermeister bereit sei, mit den Betreibern der MesseHalle GmbH darüber zu sprechen. Der Oberbürgermeister bekundete seine Gesprächsbereitschaft, muss dies aber aufgrund eines laufenden Rechtsstreits rechtlich prüfen lassen.

• Der Stand der Einführung eines Energiemanagementsystems für die Stadtverwaltung. Die Verwaltung arbeitet daran.

• Die geplante Veröffentlichung der Bedarfsliste für Fahrradbügel auf der städtischen Webseite. Die Verwaltung wird prüfen, wann dies umgesetzt wird.

• Der Stand der Aufklärung der Wassersabotage im Opernhaus und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt; die Händelfestspiele finden statt, wenn auch mit Einschränkungen bei der Bühnentechnik. Sicherheitsmaßnahmen werden intern diskutiert.

• Die geplante Änderung der Sportstättennutzungssatzung.

• Die Zukunft des ehemaligen Hellweg-Geländes. Die Verwaltung wird sich erkundigen.

• Der Abschluss von Arbeiten an der Parkeisenbahn für das 65. Jubiläum am 12. Juni; die Verwaltung bestätigt, dass sie fertig sein wird.

• Ein beschädigter Trinkbrunnen auf der Peißnitz. Die Verwaltung wird sich darum kümmern.

• Notwendige Baumbeschnittmaßnahmen in der Witzke. Wird an das Grünflächenamt weitergeleitet.

• Die organisatorische Zuständigkeit für Sprachmittler in der Verwaltung. Die Zuständigkeit wird geprüft .

Die Sitzung spiegelte die angespannten finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt wider und zeigte sowohl die Suche nach pragmatischen Lösungen als auch die Debatte über grundsätzliche politische Ausrichtungen.

Schwerelosigkeit und Stille: Eintauchen in das Herz der Mecklenburgischen Seenplatte

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Mecklenburg-Vorpommern. Es gibt Orte, an denen die Hektik des Alltags verblasst und ein Gefühl tiefer Ruhe einkehrt. Die Mecklenburgische Seenplatte, poetisch als eine „1000 Seengroße Wasserwunderwelt“ beschrieben, ist solch ein Ort. Hier verschmelzen Mensch und Natur auf einzigartige Weise, getragen vom allgegenwärtigen Element Wasser.

Im Zentrum dieses Erlebens steht das Gefühl, ins Wasser einzutauchen. Es ist ein Moment, in dem man sich „schwerelos“ fühlt, umgeben von einer „Stille“, die alles umhüllt. In dieser Ruhe spürt man, wie man „aufgeht in der Natur“ und wirklich ein „Teil von ihr sein“ kann. Man lässt sich treiben, schwimmt, taucht unter und taucht wieder auf, ein Rhythmus, der sich nach dem eigenen Willen richtet – „alles ist so wie ich es will“.

Diese Wasserwelt bietet nicht nur das unmittelbare Erlebnis im kühlen Nass. Wo am Tage der Blick über die „Weite der Müritz“ oder andere Seen schweift, eröffnet sich nachts ein „Sternenmeer“ am Himmel, das zum Träumen einlädt. Die Ufer sind „von Badestellen gesäumt“, was spontane Sprünge ins Wasser jederzeit möglich macht. Und bei Lagerfeuerlicht werden „die nächste Kan erträumt“, Pläne für weitere Erkundungen dieser Wasserlandschaft geschmiedet.

Doch die Seenplatte ist nicht nur ein Ort der individuellen Einkehr. Es ist auch ein Raum, in dem man sich mit anderen verbindet. Man „teilt Lebenszeit Lebensraum und Lebenstraum“ mit den Menschen, in deren Mitte man weilt. Ob auf einem „Floß [das] durchs Wasser schwebt“ oder am Ufer, das Gefühl der Gemeinschaft inmitten dieser Naturkulisse ist präsent.

Das Erlebnis in der Seenplatte wird als ein Fluss beschrieben, in dem man sich „mit der Strömung“ treiben lässt. „Alles nimmt seinen Lauf“, was eine tiefe Gelassenheit vermittelt. Und manchmal bedarf es nur eines einfachen Impulses – „und dann springe ich einfach und dann tauche ich auf“ – um das Gefühl der Freiheit und des Neubeginns in dieser faszinierenden Wasserwunderwelt zu erleben. Es ist ein Ort, der zum Träumen, Teilen und vor allem zum Erleben einlädt, ein wahrer Lebenstraum.

Persönliche Erinnerungen und die Erkenntnis der „Pleite“ der DDR

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Potsdam. Der 4. September 2018. In Potsdam sitzt Herr Stiller und blickt auf alte Filme seines Lebens. Es sind Aufnahmen, die persönliche Momente festhalten – seine damals dreijährige Tochter in der alten Ein-Zimmer-Wohnung mit Küche und Toilette auf halber Treppe. Er selbst mit 22 Jahren, seine Frau. Erinnerungen an die große Liebe, die er in Markkleeberg kennenlernte, während sie noch in der 10. Klasse war und er bereits lernte. Nach seiner Armeezeit zog er nach Karl-Marx-Stadt. Geheiratet wurde 1968.

Die Filme zeigen Geburtstage, Besuche beim Fleischer der Halbschwester bei Leipzig, Fahrten dorthin jedes Jahr. Sie zeigen auch gesellige Anlässe wie Feste im Partykeller. Herr Stiller erinnert sich an eine Verkleidung als Krankenschwester bei einem dieser „sehr guten Feste“.

Ein bedeutender Teil seines Lebens in den 1980er Jahren war die Arbeit auf der Erdgasstrasse „Druschba“. Er war vier Jahre lang Kraftfahrer dort. Diese Trasse wurde in den 70er Jahren für Westdeutschland und Frankreich gebaut. Ab 1984 baute die DDR an der Trasse, die Erdgas aus Russland transportierte und „Freundschaft“ hieß. Auf diesen Baustellen wurden auch Wohnungen (Plattenbauten) und Krankenhäuser errichtet. Die „Ledernackenjacken“, die Rohre verschweißten, verdienten dort angeblich am meisten Geld. Während dieser vier Jahre blieben seine Frau und die Kinder zu Hause. Er selbst fuhr alle Vierteljahre zurück. Herr Stiller berichtet, unglaublich viele Überstunden geschrieben zu haben. Er fuhr einen B1000. Er sah die Verdichter, die das Gas nach der Reinigung 130 km weitertrieben.

Neben der Arbeit zeigen die Filme auch gesellschaftliche Ereignisse wie die 1. Mai Demonstration. Er erinnert sich, Honecker gesehen zu haben und auch Aurich von der Freien Deutschen Jugend, der politische Reden hielt, „dass alles gut war und alles“.

Anfangs glaubte Herr Stiller an den Sozialismus und die DDR. Doch mit der Zeit wurde ihm die Realität bewusst. Im Fernsehen sah er die Situation. „Die DDR war im Prinzip Pleite gewesen“, stellt er fest. „War ja auch so, muss ich dazu sagen“. Er fügt kritisch hinzu: „Aber man hat heute alles noch pleiter gemacht“. Er meint, dass „kein Schwein wusste, dass die DDR schon Pleite war“. Aurich von der FDJ habe es nicht gesagt, „war alles rosa Blüte gewesen“.

Herr Stiller wagte es sogar, bei einer Parteiversammlung seinen Mund aufzumachen. Er äußerte, dass die Russen zu faul seien zum Arbeiten und kritisierte, wie diese schweißten. Das brachte ihm mächtig Ärger vom Parteisekretär ein. Er habe es ja gesehen und gehört, verteidigt er seine Aussage.

Ein emotionaler Moment in den Filmen ist die Grenzöffnung am Bahnhof Drewitz. Herr Stiller sah die Menschen, die gleich rüberfuhren, „verschämt“ an. Er selbst ging erst eine Woche später rüber, um die 100 Euro Begrüßungsgeld für die Familie zu holen. Er konnte es nicht fassen. Er hatte nie gedacht, dass die Grenze fallen würde. Seine Erklärung dafür ist klar: „Weil man uns mit Aktuelle Kamera belogen hatte. Von vorne bis hinten.“. Er vertritt die Meinung, dass die Grenze dazu da sei, damit niemand rüberkommen kann. Aber „bloß wenn das Geld fehlt kann ich das auch nicht machen“, sagt er.

Die Filme zeigen auch Reisen, zum Beispiel nach Leningrad, das heute Sankt Petersburg heißt. Er erinnert sich an Silvester dort und die vielen Russen, die umherfuhren.

Abschließend wird in den Filmen auch eine Frau namens Colette erwähnt, die ihm gefallen hat, auch wenn sie später einen anderen hatte. Er war „unwahrscheinlich“ verliebt in sie. Heute denkt er um Gotteswillen nicht mehr oft an sie.

Der erste West-Urlaub war ein weiteres Ergebnis der neuen Möglichkeiten nach der Grenzöffnung.

Anklam feiert „Rennpappe“: Das 30. Internationale Trabant Treffen

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Anklam war einmal mehr der Treffpunkt für Trabant-Fans aus nah und fern. Das legendäre Trabanttreffen in Anklam, das zum 30. Mal stattfand, zog vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2025 zahlreiche Liebhaber des Kultautos aus Zwickau auf das Gelände des Flugplatzes. Es war ein Fest für Trabant-Fans, ihre Eigentümer und Freunde, aber auch für Partywillige und Ostalgiker.

Das Treffen erstreckte sich über mehrere unvergessliche Tage und bot ein buntes Rahmenprogramm, spannende Wettbewerbe und jede Menge Party. Bereits am Samstag, dem 24. Mai, begann die Einstimmung mit einer Airport Dance Night.

Ein detailliertes Programm für das 30. Treffen war angekündigt, beginnend mit der offiziellen Eröffnung im beheizten Festzelt am Mittwochabend, bei der die Miss & Mister Trabant-Treffen 2025 gewählt wurden, gefolgt von Auftritten des Tanzsportclubs Altentreptow e.V. und einer Schlagerparty.

Am Donnerstag stand das Kultprogramm im Mittelpunkt, mit Frühstück im Festzelt, einer Fahrzeugbewertung in 7 Kategorien, einem Herrentagsfrühschoppen mit Freibier für Teilnehmer am Herrentagskostümwettbewerb sowie Wettbewerben wie der Wahl des Bierkönigs, Bierdosenstapeln, Trabiziehen auf Zeit, Getriebeweitwurf und Mannschaftstauziehen, bevor der Abend mit der Siegerehrung und einer Ostblockparty endete.

Der Freitag drehte sich um Geschwindigkeit & Spektakel. Nach dem gemeinsamen Frühstück fanden Beschleunigungsrennen über 1/8 Meile in 10 Kategorien statt. Weitere Höhepunkte waren ein Sexy Carwash, die Deutsche Meisterschaft im Kinderwagenrennen und Klappradrennen, das 1/8-Meilen-Showfinale, der Boom-Car-Wettbewerb und eine spektakuläre Burnout-Show. Der Abend bot weitere Auftritte des Tanzsportvereins Altentreptow e.V., die Siegerehrung und eine Ostblockparty.

Der Samstag stand im Zeichen von Rallye, Pokalen & Höhenfeuerwerk. Neben Frühstück und Fahrzeugbewertung gab es einen IFA-Stammtisch. Höhepunkte waren der Start der Marcus-Bönik-Gedächtnis-Rallye 2025 und eine Rundfahrt durch den Altkreis Anklam. Am Abend folgten eine weitere Siegerehrung und ein Live-Konzert, bevor ein Großes Höhenfeuerwerk mit Musik den Himmel erhellte.

Der Sonntag, der 1. Juni, diente der Verabschiedung mit einem gemeinsamen Frühstück als Ausklang.

Gemeinschaft, Leidenschaft und Organisation
Das Treffen wurde vom Trabbi Buggy Club Quilow in Vorpommern organisiert. Es ist ein kleiner Verein mit nur 12 Mitgliedern, der Großes stemmte. Der harte Kern des Vereins bereitete sich tagelang auf das Treffen vor. Jens Rüberg war der Chef des Vereins, und seine Mutter, Ilona Rüberg, hatte das Zepter bei der Planung und beim Packen in der Hand. Die Organisation erforderte viel Arbeit, und obwohl es Personalmangel gab, zog der Verein das Treffen durch.

Die Teilnehmer, zu denen fast 620 Trabis gehörten, ihre Eigentümer und Fans, teils über 1200 Teilnehmer und 3200 Tagesbesucher, bildeten eine große Familie. Man kannte sich über Jahre und freute sich auf das Wiedersehen. Die Leidenschaft für Trabis verband die Menschen. Es ging ums Schrauben, Fachsimpeln und Zeigen, was über das Jahr gebaut wurde. Frauen waren dabei, es war längst kein reines Männerthema mehr. Der Hobbyfotograf Ronny Heim hielt die Ereignisse Jahr für Jahr im Bild fest.

Unterstützt wurde das Treffen von 52 Freiwilligen, die rund um die Uhr arbeiteten. Respektloses Verhalten wurde nicht toleriert; wer nicht nett war, musste gehen. Die Veranstalter machten das für die Leute, die dankbar und zufrieden waren.

Höhepunkte und Herausforderungen
Ein wiederkehrender Höhepunkt war das Beschleunigungsrennen über die 1/8 Meile. Hier fuhren die Teilnehmer gegen die Uhr, um zu sehen, was ihre Technik noch konnte. Auch Fahrzeuge wie der Barkas, der als „VW-Bus des Ostens“ bezeichnet wurde, waren Teil des Treffens.

Ein besonderer Versuch war der Weltrekordversuch, wie viele junge Männer in einen Trabant passten. Beim Treffen in Anklam schafften es 15 Männer, was einen neuen Rekord für Anklam darstellte. Das Ziel, 16 Personen zu quetschen, wurde knapp verfehlt. Zuvor war die Technik aus dem Kofferraum ausgebaut worden.

Leider gab es auch negative Vorfälle. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (29. auf 30. Mai 2025), während des 30. Treffens, kam es zu einer Diebstahlserie auf dem Gelände. Ein oder mehrere unbekannte Täter entwendeten Bargeld aus Wohnwagen, Vorzelten und Fahrzeugen schlafender Gäste. Das Polizeihauptrevier Anklam nahm mindestens 13 Strafanzeigen auf, der Schaden wurde auf mehrere Tausend Euro geschätzt. Die Polizei riet den Besuchern, Bargeld und Wertgegenstände zu sichern und Hinweise zu melden. Es gab auch einen Vorfall mit einer Schlägerei in der Nacht und Probleme mit der Stromversorgung, verursacht durch unsachgemäße Nutzung von Verlängerungskabeln und Heizlüftern.

Trotz dieser Herausforderungen blieb das Internationale Trabant Treffen in Anklam ein wichtiger Treffpunkt für die Gemeinschaft und eine Feier der DDR-Fahrzeugkultur. Es war ein Ort, an dem Geschichte gelebt, geschraubt und getanzt wurde. Die Geschichte der Rennpappe schien noch lange nicht zu Ende erzählt.

Unterirdische Produktion und Triebwerkstests im ehemaligen KZ-Außenlager

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Die Videos dokumentieren die Erkundung eines verlassenen und historisch bedeutenden Areals. Bei dieser Anlage handelt es sich um ein ehemaliges Außenlager eines Konzentrationslagers, das von 1943 bis 1945 in Betrieb war. Es diente als Rüstungswerk für das sogenannte Mittelwerk und die hierfür notwendigen Arbeiten wurden unter Zwang von Häftlingen des Konzentrationslagers verrichtet.

Die Hauptzwecke der Anlage waren der Testbetrieb der Triebwerke der Raketenwaffe A4 (V2) und die untertägige Produktion von Flüssigsauerstoff. Es wurden insgesamt über 4300 Triebwerkstests an diesem Ort durchgeführt. Der Entdecker vermutet, basierend auf Bildern, dass die V2-Raketen hier wohl auch produziert und getestet wurden. Das gesamte Gebiet liegt in einer Schieferregion, in der früher Schiefer abgebaut wurde.

Der aktuelle Zustand des Geländes wird als überwucherter „Dschungel“ beschrieben. Es gibt ein verlassenes Dorf mit vielen heruntergekommenen Häusern und Gebäuden. Einige Gebäude sind so baufällig, dass ihre Dächer oder Decken bereits eingestürzt sind.

Ein besonders markantes Merkmal des Ortes sind die zahlreichen Eingänge, Löcher und Stollen, die unter die Erde führen. Der Entdecker hat das Gefühl, dass die gesamte Umgebung unterhöhlt ist. Überall auf dem Gelände finden sich historische Spuren und Relikte, wie alte Schienen, Rohre, Stahlträger, Betonstrukturen, und aufgeschichtetes Schiefergestein, das als Straße diente. Auch alte Gegenstände wie ein verrosteter Helm, eine Flasche, ein Kochtopf, Ölfässer/Boiler und sogar ein alter Trabi werden gefunden.

Bereiche der Anlage, die identifiziert oder vermutet werden, umfassen das Schiefer-Abbaugebiet, mögliche Produktionsstätten oder Wartungsbereiche unter Tage, erkennbar an großen Hallen und Pfeilern, Wohnquartiere oder Unterkünfte (beschrieben als Gebäude, das wie ein Hotel aussieht), einen großen asphaltierten Appellplatz, eine möglicherweise besonders schöne Kapelle und Bunker.

Die Erkundung des Geländes, insbesondere der unterirdischen Bereiche, birgt erhebliche Gefahren. Diese werden im Video mehrfach betont und sind ein zentrales Thema:

• Es besteht Absturzgefahr aufgrund von rutschigen Wegen, scharfen Schieferkanten, ungesicherten Abgründen und baufälligen Strukturen. Schiefergestein wird als messerscharf beschrieben.
• In den Stollen drohen Gefahren durch herabfallende Felsen, Gestein oder Deckenteile. Ein Kollege warnt eindringlich davor, alleine unter Tage zu gehen, da in der Gegend noch Sprengungen stattfinden, die zu Erdrutschen und Bewegungen unter Tage führen könnten.
• Teile des Geländes und viele Stollen sind überflutet, sumpfig oder weisen stehendes Wasser auf. Das Wasser ist sehr kalt.
• Viele Gebäude sind einsturzgefährdet.
• Es wird auf die mögliche Präsenz von Gasen unter Tage hingewiesen, deren Art und Gefahr unbekannt sind.

Der Entdecker, Timo, erkundet verschiedene Bereiche des Areals, darunter den dschungelartigen Bewuchs, die Ruinen der verlassenen Häuser, und vor allem viele unterirdische Gänge und Stollen. Er drückt seine Begeisterung und Faszination für den Ort wiederholt mit Ausrufen wie „krass“, „übelst“ und „Wahnsinn“ aus. Er beschreibt das Gefühl, in eine „andere Welt“ einzutreten.

Trotz seiner Begeisterung ist er sich der Risiken bewusst und betont die Wichtigkeit von angemessener Ausrüstung und der Begleitung durch fachkundige Personen für eine sichere Erkundung. Eine größere unterirdische Erkundung findet mit zwei Kollegen (Nico und Alex) statt. Dabei wird ein großer Stollen erkundet, teilweise durch Wasser watend, wobei ein erhaltenes Schienensystem sichtbar ist.

Der Entdecker zeigt ein starkes Interesse daran, die historischen Hintergründe und genauen Funktionen der Anlage weiter aufzuklären. Er bittet Zuschauer mit Informationen oder Dokumenten um Kontaktaufnahme. Weitere Videos und detailliertere Erkundungen, möglicherweise mit Experten, sind geplant. Obwohl die gesuchte V2-Rakete in diesen Videos nicht gefunden wird, bleibt die Faszination und der Wunsch nach weiteren Entdeckungen bestehen.

Altenhof: Das sozialistische Dorf mit dem Herzstück LPG

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Im Mecklenburgischen liegt das Dorf Altenhof, ein Ort mit 497 Einwohnern, von denen 317 im arbeitsfähigen Alter sind. Für die meisten von ihnen dreht sich das Leben um die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), einen Großbetrieb für Pflanzenproduktion, der als das Herzstück der Landwirtschaft im Dorf gilt. Altenhof, einst ein Gutsdorf unter der Herrschaft von Großgrundbesitzern, wandelte sich nach dem Krieg zu einem LPG-Dorf, einem sogenannten sozialistischen Dorf.

Die Grundlage dieser Veränderung bildete die Bodenreform von 1945, bei der riesige private Güter in Mecklenburg entschädigungslos enteignet wurden. Tausende landloser Bauern und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten erhielten so bis zu 10 Hektar Land zur privaten Bewirtschaftung, um rasch Arbeit und Brot zu finden. Anfangs fehlte es den Neubauern an allem – Saatgut, Dünger, Traktoren und Maschinen waren knapp. Maschinen-Traktoren-Stationen wurden eingerichtet, um technische Hilfe zu leisten.

Doch ab 1952 propagierte die führende Partei der DDR, die SED, eine neue Form: die Bildung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften. Grenzsteine wurden entfernt, und Privatbauern mussten fortan Boden, Tiere und Geräte gemeinsam nutzen, um auf großen Flächen industriemäßig zu produzieren. Obwohl manche Bauern Widerstand leisteten, setzte sich die SED schließlich durch, auch in Altenhof.

Planwirtschaft und SED-Einfluss
Die LPG Altenhof bearbeitet insgesamt über 5000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Neben Getreide und Futtermitteln sind Kartoffeln die wichtigsten Produkte. Geleitet wird die LPG von einem Vorstand, der von allen Genossenschaftsmitgliedern auf drei Jahre gewählt wird, und dessen Vorsitzendem, Dr. Fritz Henning, einem promovierten Landwirt. Vorstand und Vorsitzender sind dafür verantwortlich, dass der Plan erfüllt wird.

Die Pläne kommen „von oben“, von der staatlichen Plankommission. Bei der Planerstellung beansprucht die SED die absolute Führungsrolle und spielt auch bei der Plandiskussion in Vorstandssitzungen eine entscheidende Rolle. Alle sogenannten Leitungskader in der DDR gehören der SED an und sollen die Vorstellungen der Partei vom Sozialismus auch auf dem Lande durchsetzen und festigen.

Arbeitsalltag und Herausforderungen
Der Alltag in der LPG ist durchgeplant, jeder kennt seine Aufgaben. Während der Kartoffelernte, bei der etwa 600 Hektar abgeerntet werden müssen, arbeiten jeweils zwei Genossenschaftsbauern als Ernteeinheit zusammen. Mehrere solcher Einheiten bilden eine Brigade. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Trotz des steinigen Bodens, der die Erntemaschinen oft beschädigt, darf die Ernte nicht ins Stocken geraten. Ein Reparaturtrupp ist ständig auf dem Acker im Einsatz. Größere Reparaturen finden im LPG-eigenen Pflegestützpunkt statt.

Die Beschaffung neuer Maschinen erfolgt ebenfalls über die Planwirtschaft. Die LPG plant Investitionen im Rahmen ihres Betriebsplans. Sie legen eine Strategie fest, welche Maschinen am dringendsten benötigt werden und können dann über einen Handelspartner, das Kombinat Fortschritt, bestellen, was dieser im Folgejahr zu festen Preisen bereitstellt. Die Bestellung erfolgt ein bis anderthalb Jahre im Voraus.

Neben dem Einsatz schwerer Technik und dem Anbau auf großen Flächen gehören Düngung und Pflanzenschutz zu den Komponenten industriemäßiger Produktion. Die LPG wird von einem agrochemischen Zentrum beraten, das Bodenanalysen durchführt und Düngeprogramme entwickelt. Obwohl chemischer Dünger die Umwelt belastet, wurde lange Zeit kaum Rücksicht darauf genommen. Die Steigerung der Ernteerträge ist nach wie vor das oberste Ziel. Allerdings gibt es Ausnahmen in Trinkwasserschutzgebieten, wo weniger gedüngt wird.

Herausforderungen im Arbeitsalltag bestehen auch im Umgang mit Kollegen, etwa bei der Auslastung der Arbeitszeit. Wenn nur fünf Minuten verloren gehen, ist das ein Schaden für den Betrieb. Manche achten nicht so darauf oder verschlafen morgens.

Lohn und zusätzliche Verdienstmöglichkeiten
Die Bezahlung der Genossenschaftsbauern setzt sich aus einem Stundenlohn und einem Leistungszuschlag zusammen. Letzterer ist beispielsweise bei der Einlagerung von Kartoffeln von der eingelagerten Tonnage abhängig. Für die Pflege von Maschinen erhalten Traktoristen ein Pflegegeld, das bei mangelhafter Pflege reduziert oder gestrichen werden kann. Manchmal gibt es auch Prämien.

Genossenschaftsbauern genießen einige Vorteile gegenüber den Städtern. Sie zahlen keine Steuern auf ihr Einkommen und erhalten zusätzlich Naturalien. Viele betreiben auch private Tierhaltung, beispielsweise Schweine. Dies wird vom Staat gefördert, da es das Angebot an Frischfleisch bereichert. Für die Halter bedeutet es einen respektablen Nebenverdienst. So kann der Bauer Uwe Zemke mit dem Verkauf von fünf Schweinen immerhin 5000 Mark verdienen, die er für die bessere Ausstattung seiner Wohnung oder den Kauf eines Autos nutzen kann. Die private Tierhaltung und der eigene Garten, dessen Produkte unabhängiger vom oft mangelhaften Handelsangebot machen, sind für viele willkommene Abwechslungen zur eintönigen Berufsarbeit. Genossenschaftsmitglieder dürfen auch nach der Ernte auf den abgeernteten Feldern Kartoffeln für den Eigenverbrauch oder als Futtermittel für privat gehaltene Tiere aufstoppeln. Privatbauer im traditionellen Sinne zu sein, können sich viele jüngere Genossenschaftsbauern wie Uwe Zemke angesichts der gewohnten kollektiven Wirtschaftsform nicht vorstellen.

Die LPG als gesellschaftlicher und kultureller Motor
Die Rolle der LPG reicht weit über die reine Landwirtschaft hinaus. Sie prägt das Leben im Dorf in Produktion, sozialem, kulturellem und politischem Bereich. Auch andere Betriebe im Dorf, wie die Tierproduktion, sind von der LPG Pflanzenproduktion abhängig.

Die LPG engagiert sich stark im kulturellen Bereich und bei gesellschaftlichen Belangen. Das alljährliche Erntefest, ein Bestandteil der kulturellen Arbeit auf dem Lande, wird von Dorf und LPG gemeinsam begangen und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Ein Kulturausschuss plant und gestaltet das Programm. Die LPG unterstützt lokale Gruppen, wie den Frauenchor, dem sie Uniformen stiftete. Der Chor ist ein Volkskunstkollektiv, dessen Mitglieder auch ihre Freizeit miteinander verbringen und Ausflüge sowie Feste gemeinsam gestalten sollen, was als soziale Heimat verstanden wird.

Auch die älteren Dorfbewohner, die hier Veteranen genannt werden, werden nicht vergessen. Die Gemeinde lädt sie zu Treffen im Dorfgasthof ein, um ihnen das Gefühl zu geben, ernst genommen und mit einbezogen zu werden. Staat und Gesellschaft fühlen sich verantwortlich, niemand soll sich überflüssig fühlen – ein Grundzug der sozialistischen Gesellschaft. Die Jugend wird ebenfalls bedient. Die Disco im Dorfgasthof, die drei- bis viermal monatlich stattfindet, gilt als attraktivstes Freizeitangebot und ist ebenfalls Bestandteil des Kulturplans, der von der Gemeinde, der FDJ und dem Gaststättenleiter geplant wird. Bei voller Auslastung können Beziehungen zur FDJ-Ordnungsgruppe helfen, einen Platz zu ergattern. Sogar die Karpfenernte aus einem künstlich aufgestauten See, den die LPG an eine Fischereigenossenschaft verpachtet, bereichert nicht nur den Speisezettel, sondern erwirtschaftet auch Einnahmen aus sonst nutzlosem Land.

Die polytechnische Bildung spielt ebenfalls eine Rolle. Schüler der zehnten Klasse der polytechnischen Oberschule Altenhof lernen im Fach „produktive Arbeit“ direkt auf dem Feld praktische Tätigkeiten kennen. Dieser Unterricht soll zur Arbeitsliebe erziehen und Jugendliche dazu motivieren, auf dem Lande zu bleiben und Berufe in der Landwirtschaft oder angrenzenden technischen Bereichen zu ergreifen.

Die LPG betreibt sogar die eigene Gaststätte „Dachziegel“, die dank ihrer gehobenen Gastronomie Einheimische und Durchreisende anzieht. Das Engagement der LPG reicht somit von der Landwirtschaft über Dorfverschönerung, gesellschaftliche und kulturelle Arbeit bis hin zur gastronomischen Dienstleistung.

Visionen für die Zukunft
Der Vorsitzende Dr. Fritz Henning hat noch größere Pläne für Altenhof. Er möchte die Infrastruktur verbessern, das Dorf mit einer Bäckerei und Fleischerei ausstatten, bessere gastronomische Bedingungen schaffen und mehr für den Sport, insbesondere Fußball, tun. Auch der Wohnungsbau spielt eine große Rolle. Bereits jetzt hat die LPG mit dem Bau einer Halle und des Schafstalls begonnen, was die Dimensionen des Ortes verändert. Henning möchte das Dorf noch weiter ausdehnen, vielleicht sogar bis an den Autobahnzubringer, um einen großräumigeren Eindruck zu gewinnen und attraktiver zu werden.

Noch ist Altenhof ein Straßendorf ohne ein unverwechselbares Gesicht. Das Leben für die Genossenschaftsbauern verläuft gemächlich. Existenzsorgen haben sie keine, da die LPG für alles sorgt: für Arbeit und Freizeit, ein geregeltes Einkommen und soziale Einrichtungen. Es bleibt abzuwarten, ob in 30 Jahren tatsächlich der Kartoffelacker einem Wohngebiet am Autobahnzubringer weichen wird und Altenhof vielleicht sogar, zu Ehren des Vorsitzenden, in Henningsdorf umbenannt wird.

Wie der Wasserski-Sport in der DDR zum „Sportwunder“ wurde

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Es mag klingen wie eine Szene aus Florida oder vom Gardasee, doch wir sind in Halle an der Saale. Hier, auf dem Hufeisensee, wird seit 60 Jahren Wasserski betrieben, und das auf internationalem Niveau. Was viele nicht wissen: Dieser Erfolg begann unter Bedingungen, die von Improvisation und Erfindungsgeist geprägt waren. Das Material? Alles Marke Eigenbau.

In den Anfängen, als der Sport in den 1960er Jahren auf dem Hufeisensee – einem ehemaligen Tagebaurestloch – begann, fehlte es an allem Nötigen. Gute Sportler mit Verbindungen zum Westen konnten sich zwar westliche Bindungen schicken lassen, doch das „große Fußvolk“ musste sich selbst helfen. So wurden beispielsweise die hinteren Schlaufen der Bindungen aus dem Innenleben alter Volleybälle gefertigt. Gummi dafür fand man in Bällen, Reifen und sogar Treckerreifen, die als „Highlight“ galten. Die ersten Ski stammten oft von einem kleinen privaten Tischler. Selbst Neoprenanzüge wurden aus zugeschickten Flicken mühsam zusammengeklebt und genäht.

Doch nicht nur das Material war eine Herausforderung. Auch die Boote, die die Sportler über das Wasser zogen, erforderten ständige Tüftelei. Benötigt wurden Geschwindigkeiten von mindestens 57 km/h nach internationalem Standard. Anfangs kamen oft „frisierte“ Wartburgmotoren zum Einsatz, doch diese reichten nicht aus. Die findigen Enthusiasten bauten Boote mit zwei, drei und sogar vier Motoren. Es wurde sogar mit Ural- oder Düsentriebwerken experimentiert. Ein Meilenstein war der Bau eines Bootes mit einem Opel V8 Motor im Jahr 1969 durch Heiko Hüller, mit dem acht DDR-Meisterschaften gezogen wurden. Später gelang es sogar, Chaika Motoren – V8-Motoren mit 195 PS aus sowjetischen Staatskarossen – für Wasserskiboote zu nutzen. Diese Motoren wurden aus verschrotteten Regierungsfahrzeugen gewonnen, als die DDR auf Volvo umstieg.

Neben dem Bau von Material und Booten war der Sport auch eine harte Schule. Athleten wie Claudia Langrock, Gitte Baumeier, Heiko Hüller, Gabriele Hüller und Olaf Böttcher widmeten jede freie Sekunde dem Sport. Während Gabriele Hüller für ihr Zahnarztstudium lernte, schraubte ihr Mann Heiko am Boot. Zum Training gehörte auch Trockentraining. Die Geschwindigkeiten variierten stark: beim Tanzen oder Figurenlaufen waren es etwa 27 km/h oder zwischen 25 und 32 km/h. Beim Slalom fuhr das Boot 55 km/h, aber die Läufer erreichten auf ihrer Zickzackfahrt zwischen den Bojen 60, 80 km/h und mehr. Bei der Anfahrt auf die Schanze beim Springen beschleunigten die Athleten auf bis zu 100 km/h.
Spektakuläre Stürze gehörten dazu, vor allem bei Schauveranstaltungen wie dem Laternenfest auf der Saale. Während die Zuschauer Stürze sehen wollten, waren sie für die Athleten unangenehm, besonders auf der Saale, die damals als giftiger, schlammiger, toter Fluss beschrieben wird. Es gab ein geheimes Zugeständnis der Stadt: kostenfrei Frischwasser zum Duschen nach dem Training auf der Saale. Ernsthafte Verletzungen waren damals selten, Zehenrisse kamen aber vor. Heute sind spektakuläre Stürze eher die Ausnahme.

Trotz Materialmangel und spärlicher Förderung – Wasserski war nicht olympisch – entwickelten die DDR-Sportler auch innovative Technik. Olaf Böttcher, ein Elektroniker, entwickelte in den 90er Jahren ein Messsystem mit zwei Kameras, das Sprungweiten auf den Zentimeter genau ermitteln konnte und seit 1995/96 bei jeder Weltmeisterschaft eingesetzt wird. Auch für den Slalom gab es einen Videobeweis zur fairen Entscheidung.

Nach dem Mauerfall eröffnete sich eine neue Welt mit vielen Möglichkeiten. Plötzlich hatten die Sportler Zugang zu besseren Materialien. Gepaart mit ihrer in der DDR entwickelten Athletik und Technik explodierten die Leistungen. Mehrfache DDR-Meister wie Gabriele und Heiko Hüller oder Gitte Baumeier räumten bei internationalen Wettbewerben ab und sind heute, auch im Senioren-Bereich (Ü65), mehrfache Europa- und Weltmeister.

Die Begeisterung für den Wasserskisport ist ungebrochen. Was vor 60 Jahren am Hufeisensee in einer kleinen Baracke begann, entwickelte sich zu einem wahren „Sportwunder“ durch unendlichen Einsatz, Improvisation und den unbeugsamen Willen, zur Weltspitze zu gehören. Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften zeugen von diesem beeindruckenden Weg.

35 Jahre Einheit: Ein Land im Spiegel alter und neuer Trennlinien

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Tutzing. Nach 35 Jahren deutscher Einheit blickt Deutschland auf eine Geschichte voller Hoffnungen, Enttäuschungen und anhaltender Unterschiede zurück. Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., beleuchtete auf der Frühjahrstagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing im März 2025 die „Deutsch-deutschen Trennlinien und Verbindungslinien“. Sein Vortrag, gehalten aus explizit ostdeutscher Perspektive, zeichnete ein Bild eines Landes, das trotz weitgehender Angleichung in vielen Bereichen noch immer tief gespalten erscheint – eine Spaltung, die sich zuletzt in Wahlergebnissen auf beunruuhigende Weise manifestierte.

Eine verpasste Chance und anhaltende Enttäuschungen
Thierse erinnerte an einen Essay von 1992 mit dem Titel „Zwei Welten oder eine?“, dessen Aktualität ihn „gestürzt“ habe. Schon damals konstatierte er, dass die historische Möglichkeit, den Einigungsprozess als gemeinsame identitätsstiftende Leistung zu begreifen, ungenutzt geblieben sei. Die Solidaritätserfahrung der Ostdeutschen konnte in Gesamtdeutschland nicht recht erlebt werden, da die Hilfe oft als „umstritten“ und „allzu unwillig gewährt“ erschien. Dieses Defizit habe Deutschland einen Preis gekostet.

Er zitierte seinen damaligen Wunsch an die Westdeutschen: Sie mögen begreifen, dass sich auch bei ihnen etwas ändern müsse, dass die „unerhörte Begebenheit“ der Einheit auch für sie Folgen haben werde, wie eine „neue Kultur der Bescheidung“. Das Scheitern, die deutsche Welt gemeinsam zu verändern und die Wahrheit zuzulassen, sei ein mühseliger erster Schritt geblieben.

Wahlergebnisse als Spiegel der Spaltung
Die Bundestagswahl vier Wochen vor Thierses Vortrag zeigte „ein deutlich gespaltenes, übellauniges Land“. Die alte innerdeutsche Staatsgrenze sei in den Wahlergebnissen überdeutlich sichtbar. Die AfD ist demnach im Osten, außer in Ostberlin, mit großem Abstand stärkste Kraft geworden, während sie im Westen die größten relativen Zuwächse verzeichnete. Die Ursachen dafür seien komplex und gingen über einfache Erklärungen wie niedrige Einkommen oder hohe Arbeitslosigkeit/Ausländeranteil hinaus. Thierse spekuliert, dass Ostdeutschland vielleicht eine „politische Vorreiterin, eine Avangarde in Richtung auf ein autoritäres Zeitalter“ sein könnte. Ein Zitat aus der „Zeit“ deutet auf ein mögliches „Abkoppeln des Ostens von politischen Gepflogenheiten des Westens“ hin.

Die Last der Geschichte und unterschiedliche Prägungen
Die Teilung in zwei Staaten mit gegensätzlichen Systemen über 40 Jahre habe zu einer „auseinanderstrebenden Entwicklung“ geführt. Während die Bundesrepublik eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte mit Wirtschaftswachstum, Wohlstand und stabiler Demokratie erlebte und Teil der westlichen Gemeinschaft wurde, endete der „kommunistische Großversuch unter sowjetischer Aufsicht“ in der DDR nach Brutalitäten, Massenflucht und dem Mauerbau in einem „eingesperrten Land“, das sich ständig mit der Bundesrepublik messen musste und scheiterte. Dieses Scheitern war laut Thierse nicht nur eine Folge der friedlichen Revolution, sondern auch ein „wirtschaftlicher und ein ideologisch-moralischer Zusammenbruch“.

Der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes 1990 sei unter extremem Zeit- und Problemdruck geschehen und markiere die Vereinigung „von zwei Ungleichen, von einem erfolgreichen und einem gescheiterten System“. Im Westen wirkte der Zusammenbruch als Bestätigung des Status quo – man sah keinen Grund, sich zu ändern. Im Osten musste sich scheinbar alles ändern, was zu einem schmerzlichen, ungleichen Beziehungsverhältnis führte. Hinzu kam der schmerzliche und oft ungerechte Elitenwechsel.

Das Gefühl der Demütigung und der „ostdeutsche Minderwertigkeitskomplex“
Viele Ostdeutsche erlebten die Transformations- und Umbruchsprozesse der 90er und 2000er Jahre mit einem Gefühl von Demütigung und Zurücksetzung. Dieses Gefühl werde von „Empörungsagenturen“ befeuert, heute besonders von der AfD, die „einen offensichtlich erfolgreichen Verbitterungspopulismus betreibt“. Thierse beklagt die „Unfähigkeit und Unwilligkeit vieler Ostdeutscher zu positiver Selbstwahrnehmung“, betont aber gleichzeitig die „große menschliche, soziale und kulturelle Leistung“ bei der Bewältigung der Transformation.

Er spricht von einem „sehr ostdeutschen Minderwertigkeitskomplex“, der nicht erst seit den 90er Jahren existiere, sondern durch das ständige Leben mit dem Blick nach Westen und das Empfinden, die „schwächeren, weniger erfolgreichen Deutschen“ zu sein, geprägt sei.

Minderwertigkeitsgefühle machen wütend, und das ostdeutsche Selbstbewusstsein sei „empfindlich und labil“ und verlange nach Anerkennung.

Harte Fakten und tiefer liegende Unterschiede
Obwohl die sozialökonomischen Unterschiede zwischen Ost und West in den letzten 35 Jahren durch Anstrengungen und Angleichungsprozesse deutlich geringer geworden sind (z.B. bei BIP pro Kopf, Produktivität, Einkommen, Arbeitslosenquote, Rentenwert), bestehen weiterhin Differenzen, insbesondere beim Vermögen. Ostdeutschland sei noch keine Erbengesellschaft wie der Westen. Auch in der Altersstruktur und Bevölkerungsentwicklung gibt es deutliche Unterschiede.

Besonders auffällig sind die Differenzen bei der Repräsentation: Ostdeutsche sind nur zu 11,2% in Elitenpositionen vertreten, bei einem Bevölkerungsanteil von 19%. Religiösität ist im Osten deutlich geringer, der Ausländeranteil ebenfalls, während ausländerfeindliche Einstellungen deutlich höher seien.

Der Kulturprozess als eigentliche Herausforderung
Für eine Mehrheit der Westdeutschen überwiegen laut Thierse die Gemeinsamkeiten (57%), während für eine Mehrheit der Ostdeutschen die Unterschiede überwiegen (57%). Dies sei der „Wunde Punkt“ und bestätige, dass die deutsche Einigung nicht nur ein politischer, rechtlicher oder ökonomischer, sondern ebenso sehr ein kultureller Prozess ist – der mühsamere und konfliktreichere Teil.

Diese kulturellen Prägungen resultieren aus 40 Jahren Leben in einer SED-Diktatur, einem fürsorglichen, aber auch bevormundenden und mangelhaften Staatssystem im Gegensatz zu einer offenen, pluralistischen Wettbewerbsgesellschaft. Erlebnisse wie die „grimmige Idylle einer Notgemeinschaft“ in der DDR hätten ein starkes Solidaritätsbedürfnis geprägt, während die Gesellschaft der Freiheit oft als „kalt“ empfunden werde.

Schwächere Zivilgesellschaft und ambivalente Staatsfixierung
Die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland sei schwächer ausgeprägt, mit deutlich niedrigeren Mitgliedschaften in Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Vereinen. Thierse zitiert Ralf Dahrendorfs Prognose von 1991, wonach der Aufbau von Staat und Wirtschaft Jahre dauere, die Entwicklung einer selbstbewussten Zivilgesellschaft aber 60 Jahre benötige – eine aus seiner Sicht realistische Einschätzung.

Ein weiteres Nachwirken sei ein starkes Gleichheitsbedürfnis und der Wunsch nach sozialer Harmonie und kultureller Homogenität, was die Gewöhnung an eine konfliktreiche, pluralistische Gesellschaft erschwere. Viele Ostdeutsche schienen eine „eigentümlich ambivalente Staatsfixierung“ mit sich zu tragen: Der DDR-Staat war allzuständig, man erwartete alles von ihm, verachtete ihn aber auch zutiefst, als er nicht lieferte. Dies habe eine „zutiefst autoritäre Prägung“ hinterlassen, die fortwirke – man erwarte alles „von denen da oben, vom Westen“ und verachte System und Personal, wenn die erwarteten „Wunder“ ausblieben.

Die autoritäre Versuchung: Eine globale und deutsche Aufgabe
Thierse betont, dass die beschriebenen Phänomene nicht nur Vergangenheit oder spezifisch ostdeutsch seien. Die autoritäre Versuchung ist ein globaler Trend, Demokratien sind weltweit auf dem Vormarsch. In Zeiten von multiplen Krisen und schmerzhaften Veränderungsnotwendigkeiten stehe Deutschland als „wichtigste Demokratie der Welt“ (Tim Snyder) in besonderer Verantwortung.

Die gemeinsamen Herausforderungen – Kriege, Klimakatastrophe, Migration, Digitalisierung, ökologische Überlebenspolitik – müssten eigentlich verbinden. Der eigentliche Kraftakt sei es, politische Zusammenhaltung und soziale Gerechtigkeit zu sichern, auch angesichts potenziell geringeren materiellen Wohlstandswachstums und härterer Verteilungskonflikte. Dies sei die „Bewährungsprobe für unseren demokratischen Zusammenhang und den Zusammenhalt zwischen West und Ost“.

Ein entscheidender Unterschied liege auch in der Vorstellung von Demokratie: Viele Menschen im Osten hätten eine andere Vorstellung, preferring direkte Demokratie, den unmittelbaren Vollzug des Volkswillens und klare Führung gegenüber der repräsentativen, mühsamen Parteiendemokratie. Diese Vorstellung, dokumentiert durch die Wahlergebnisse autoritärer Parteien wie AfD und BSW, sei eine riesige Herausforderung für das etablierte politische System.

Die Zukunft der Freiheit
Thierse schließt mit der Pflicht der Demokraten, der autoritären Versuchung zu widerstehen. Dies sei nicht nur eine ostdeutsche, sondern eine globale und gesamtdeutsche Aufgabe. Es gehe letztlich um die Zukunft der Freiheit, die – so die ernüchternde Einsicht – nicht identisch sein müsse mit ständigem Wirtschaftswachstum und Wohlstandsnährung. Die notwendige „Selbsthaltung der Menschheit“ könne nur als gemeinschaftliches Projekt gelingen.

Die Debatte um deutsche Einheit und Teilung bleibt auch 35 Jahre danach eine hochaktuelle und emotional aufgeladene Frage, die grundlegende Herausforderungen für die Zukunft der Demokratie in Deutschland aufzeigt.