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Die erstaunliche Verwandlung des Senftenberger Sees

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Senftenberg, Lausitz. Er ist der Tourismusmagnet zwischen Sachsen und Berlin, die „Mutter der Seen“ im Lausitzer Seenland und ein Vorreiter, von dem sich andere Regionen die Entwicklung abschauen können. Doch wer heute am stolzen Stadthafen von Senftenberg flaniert oder die schiffbare Verbindung zum Geierswalder See nutzt, mag kaum glauben, dass dieser Ort vor nur wenigen Jahrzehnten noch vom Braunkohlebergbau geprägt war. Die Geschichte des Senftenberger Sees ist eine bemerkenswerte Erzählung von Wandel, Weitsicht und dem unermüdlichen Willen, aus einer zerstörten Landschaft ein Paradies zu schaffen.

Die Geburt einer Vision: Von der Grube zum Gewässer
Mitte der 1960er Jahre bestimmten im Lausitzer Revier noch Förderbrücken und Absetzer das Bild. Seit 1940 wurde im Tagebau Niemt Braunkohle gefördert, ein Kapitel, das Energie für das Land und Arbeitsplätze sicherte, auf der anderen Seite aber auch Umweltschäden verursachte. Am 15. Mai 1966 verließ der letzte Kohlezug die Grube, und die Förderbrücke wurde gesprengt – ein emotionaler Moment für die Bergleute.
Die Idee, den Tagebau in einen See zu verwandeln, war jedoch schon früh geboren worden. Fachleute erkannten, dass es zu wenig Abraum gab, um die gewaltigen Krater wieder zu füllen. Bereits 1958 erhielt der Architekt des Lausitzer Seenlandes, Otto Rind, den Auftrag, die Bergbaufolgelandschaften in der Lausitz zu planen. Seine Vision einer geschlossenen Seenlandschaft, die den Senftenberger, Geierswalder, Partwitzer und Sedlitzer See umfassen sollte, stieß anfänglich auf Unglauben bei den Bergleuten. Doch die Festlegung des Rates des Bezirkes in den 60er Jahren, den See auszubauen, weil Lauchhammer und Senftenberg nicht ausreichend mit Naherholungsgebieten ausgestattet waren, ebnete den Weg.

Ein Prestigeobjekt der DDR: Die „Badewanne der Sachsen“
Die ersten Arbeiten für den neuen See erledigten die Bergleute der Grube Niemt noch selbst, indem sie mit einem Abraumbagger den künftigen Badestrand modellierten. Nur anderthalb Jahre nach dem Ende des Bergbaus begann die Flutung am 15. November 1967 um 10 Uhr. Der Senftenberger See entwickelte sich schnell zu einem Prestigeobjekt der damaligen DDR-Führung, die der Welt zeigen wollte, wie man mit Tagebaurestlöchern umgeht – sowohl in Bezug auf den Ausbau als auch die Geschwindigkeit der Realisierung.

Am 1. Juni 1973 wurde das Naherholungsgebiet Senftenberger See am Großkoschener Strand feierlich eröffnet, ein Jahr später folgte die Strandanlage in Peickwitz. Hans-Jürgen Lukas, ein Hobbyhistoriker aus Großkoschen, erinnert sich an ein „Volksfest“ mit vielen Menschen, die glücklich und zufrieden waren. Der Senftenberger See wurde zu einer wichtigen touristischen Adresse in der DDR, besonders für die Menschen aus Sachsen, die ihn liebevoll die „Badewanne der Sachsen“ nannten und das Gefühl der Ostsee mitten in der Lausitz schätzten. Das Kinderferienlager und der Freizeitpark Großkoschen waren stark frequentiert, und das Jahr 1982 war ein Rekordjahr mit 2,3 Millionen Besuchern.

Herausforderungen und Neuanfang nach 1989
Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 änderte sich die Situation schlagartig. Plötzlich standen den Menschen im Osten völlig neue Reiseziele zur Verfügung, und der Senftenberger See verlor seine Anziehungskraft. Die Besucherzahlen sanken dramatisch, da das bisherige Angebot nicht mehr ausreichend war, um mit renommierten Tourismusregionen im Westen zu konkurrieren.

Um dieser Situation zu begegnen, wurde 1991 die Erholungsgebiet Senftenberger See GmbH gegründet. Das Unternehmen sah sich mit erheblichen Mängeln in der Infrastruktur und Bausubstanz konfrontiert – der „Erblast der DDR“. Doch die neuen Tourismusmanager orientierten sich konsequent an den Erfordernissen des Tourismusmarktes. Ein Familienpark, ein Campingplatz, ein Wassersportzentrum und ein hervorragendes Radwegenetz wurden zu Säulen des Erfolgsrezepts. Höhepunkte dieser Entwicklung waren die Einweihung des Amphitheaters in Großkoschen im Jahr 2001 und insbesondere die Eröffnung des Stadthafens am 23. April 2013.

Die Zukunft ist vernetzt: Das Lausitzer Seenland wächst zusammen
Das Jahr 2013 markierte einen weiteren Meilenstein: Am 1. Juni wurde die erste Schleusung durch den Koschener Kanal vollzogen. Diese schiffbare Wasserstraße, die von 2007 bis 2013 gebaut wurde, verbindet den Senftenberger See mit dem Geierswalder See und ist ein symbolischer Start für den Verbund von zukünftig zehn Seen im länderübergreifenden Seenland. Es war ein besonderes Ereignis, da erstmals ein zweiter See angebunden und Ländergrenzen zwischen Brandenburg und Sachsen überwunden wurden.

Heute empfängt der Senftenberger See jährlich über 60.000 Urlauber in seinen Anlagen. Die Region erlebt eine „leichte Goldgräberstimmung“, da viele investieren und sehen, dass hier etwas passiert. Der Strukturwandel wird sichtbar durch den Bau des Stadthafens und des Kanals. Die Verantwortlichen stecken voller neuer Ideen und bauen weiter an diesem „Jahrhundertprojekt“, das nicht nur für Touristen, sondern auch für die Einheimischen eine hohe Lebensqualität zurückbringt. Der Senftenberger See ist eine wahre Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie aus einer einst durch den Bergbau gezeichneten Landschaft ein blühendes Urlaubsparadies werden konnte.

Die Liebe in Kuba zu den ostdeutschen MZ-Motorrädern

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Santiago de Cuba, die zweitgrößte Stadt der Insel mit rund einer halben Million Einwohnern, ist das Herzland der MZ-Motorräder aus der ehemaligen DDR. Über 10.000 dieser Maschinen sollen hier noch fahren, was mehr als die Hälfte aller zugelassenen Motorräder in der Stadt ausmacht. Diese hohe Dichte an MZ-Motorrädern im Verhältnis zur Bevölkerung macht Kuba weltweit einzigartig und zu einem wahren „lebendigen Museum für Made in Zschopau“.

Ein Erbe der DDR-Gastarbeiter Viele Tausend Kubaner waren in den 1980er Jahren Gastarbeiter in der DDR. Sie nutzten die seltene Gelegenheit, sich dort eine MZ zu kaufen und brachten diese wertvollen Maschinen mit zurück auf die Insel. Damals kostete eine MZ beispielsweise 4.150 DDR Mark. Heute kann ein solcher Oldtimer in Kuba bis zu 10.000 US-Dollar wert sein. Eine der Hauptgründe für den Kauf war die Möglichkeit, gutes Geld zu verdienen und die Erlaubnis der Botschaft, der Chefs und der Regierung, Motorräder während des Studiums oder der Arbeit in der DDR zu importieren. Die MZ galt als eines der Exportschlager der DDR und wurde in über 100 Länder verkauft. Besonders beliebt waren die Modelle MZ 175 und 250 Kubikzentimeter aus Zschopau, bekannt für ihre Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit.

Meister der Improvisation und Pflege Die MZ-Motorräder in Kuba sind nicht nur Transportmittel, sondern Kultobjekte, die liebevoll gepflegt werden. Da die MZ-Fabrik in der ehemaligen DDR nach ihrer endgültigen Insolvenz 1991 geschlossen wurde, sind Ersatzteile extrem selten. Kubaner sind daher Weltmeister im Improvisieren: Sie behelfen sich mit Nachbauten, nutzen gebrauchte Teile von anderen Motorradmarken, die angepasst werden müssen, oder recyceln alles, was sie finden können, selbst Teile aus stillgelegten Bussen. Dieses Wirtschafts-Embargo der USA zwingt die Menschen zu Kreativität.

Die Reparatur und Wartung der MZ erfolgt oft in improvisierten Motorradwerkstätten, die sich häufig in Wohnhäusern befinden und auf bestimmte Bereiche wie Stoßdämpfer, Vergaser oder Elektrik spezialisiert sind. Umelio beispielsweise kümmert sich ausschließlich um Motoren der MZ ETZ 250, da er diese Marke für besonders robust hält: „Dieses Modell kennt kein Limit, solange man dieses Motorrad gut behandelt, gibt es für jedes Problem eine Lösung“.

Die Robustheit und einfache Bauweise der MZ machen sie ideal für die oft schlechten Straßen Kubas mit vielen Schlaglöchern. Vieles kann selbst repariert werden, und die Pflege ist einfach. Die wöchentliche Kettenwartung beispielsweise trägt zur Langlebigkeit bei, was auf Kuba entscheidend ist, da Haltbarkeit das Wichtigste ist.

Die MZ im kubanischen Alltag In Kuba ist Benzin knapp, es gibt nur wenige Autos, und der öffentliche Nahverkehr besteht hauptsächlich aus Motorrädern. Die MZ wird für alles genutzt: als Transportmittel im Alltag, für Taxifahrten (Santiago ist die einzige Stadt mit offiziellen Taxi-Lizenzen für Motorräder), für Familienausflüge oder um Freunde zu besuchen. Sie ist ein schnelles Fahrzeug, das gut vorankommt, wenig Benzin verbraucht und nicht zu groß ist. Die Kubaner fahren wann immer sie können mit ihrer MZ zum Strand, um dort das Wochenende zu verbringen oder Geburtstage zu feiern.

Die MZ ist so tief in der kubanischen Kultur verwurzelt, dass die Kubaner ihre Motorräder liebevoll „motosykletter Allemann“ nennen – deutsches Motorrad. Die Maschinen sind nicht nur praktisch, sondern auch ein Statussymbol: „Das ist der Motorrad und das wertvollste Pferd, das sind diese hier und die Mädchen, die Mädchen stehen voll drauf“.

Trotz täglicher Herausforderungen wie Stromausfällen, die Reparaturen verzögern können, oder der Knappheit von Materialien, stirbt die Hoffnung auf Kuba zuletzt. Die MZ-Motorräder sind ein lebendiger Beweis für die Ingenieurskunst der DDR und die erfinderische Anpassungsfähigkeit der Kubaner, die diese Kultmaschinen über 30 Jahre am Laufen halten.

Das stille Verschwinden der Stadt Suhl

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Mitten in Deutschland, am südwestlichen Rand des Thüringer Waldes, liegt ein Stadtteil, der fast so groß wie eine Kleinstadt ist und doch kurz davorsteht, komplett zu verschwinden. Suhl-Nord, einst für 14.000 Menschen gebaut, ist heute ein Sinnbild für Verfall und Vergessen. Es ist eine Geschichte von Aufstieg, Fall und der Suche nach einer neuen Identität.

Ein Traum aus Beton: Die Geburt von Suhl-Nord Ende der 1970er Jahre erlebte die DDR einen Baurausch. Suhl wuchs rasant, Betriebe brummten, und der Wohnraummangel drängte nach einer schnellen Lösung. Auf dem Ziegenberg, einem kahlen Hügel nördlich des Stadtzentrums, entstand Suhl-Nord – ein komplett neuer Stadtteil, geplant am Reißbrett und gegossen in Beton. Die Vision war klar: funktionale, schnell gebaute, kostengünstige und dennoch komfortable Wohnungen für Tausende Menschen. Der Baustoff der Stunde waren Platten, ermöglicht durch das System WBS70 (Wohnungsbauserie 1970).

In nur zehn Jahren entstanden über 5.600 Wohnungen in Hochhäusern mit fünf, sechs oder elf Stockwerken. Obwohl die Fassaden grau waren, boten die Wohnungen für viele Familien einen Quantensprung: zwei oder drei Zimmer mit Balkon, Einbauküche, Warmwasser aus der Wand und Zentralheizung. Dazu kamen breite Gehwege, große Innenhöfe und Spielplätze. Suhl-Nord sollte ein sozialistisches Ideal verwirklichen, ein Ort, an dem man das Viertel kaum verlassen musste. Kindergärten, Schulen, ein Ärztehaus und eine zentrale Kaufhalle – das Herz der Nahversorgung – alles war darauf ausgelegt, den Alltag zu vereinfachen.

Mitte der 80er-Jahre brummte das Viertel. Knapp 14.000 Menschen lebten auf dem Ziegenberg. Es war dicht, lebendig und energiegeladen. Die Häuser waren voll, die Innenhöfe belebt, Spielplätze waren Zentren der Nachbarschaft und die Bänke Treffpunkte für Rentner. Für viele war Suhl-Nord nicht einfach nur Wohnraum, es war Heimat.

Der Bruch von 1989 und die schleichende Leere Doch jede Utopie hat ihr Verfallsdatum. Während in Suhl-Nord noch gekocht und gelacht wurde, schlichen sich Gerüchte von Veränderungen ein. Das Jahr 1989 brachte die Wende, die Mauer fiel – Jubel, Aufbruch, Hoffnung, aber auch Unsicherheit. Was für viele ein Tor zur Freiheit war, bedeutete für Stadtteile wie Suhl-Nord den Beginn eines langsamen, schleichenden Verschwindens.

Die Betriebe, auf denen Suhl gebaut war – Rüstungsfirmen, Maschinenbau, Zulieferwerke – wurden abgewickelt. Was eben noch als systemrelevant galt, hatte plötzlich keinen Platz mehr in der neuen Ordnung. Der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik war kein Ort für die einstigen Kombinate. Die Menschen reagierten: Wer jung, mobil und hoffnungsvoll war, zog in den Westen. Wohnungen wurden frei, erst eine, dann zwei, dann ein ganzes Stockwerk. Leerstand begann, nicht nur als technischer Begriff, sondern als spürbare Realität: Türen, die nicht mehr zufallen, Flure, die hallen, und klingeln, die niemand mehr hört.

Ein kurzes Aufatmen und das unaufhaltsame Schrumpfen Für einen kurzen Moment schien die Geschichte noch einmal abbiegen zu wollen. Anfang der 90er-Jahre tauchten neue Namen auf: Krone Verbrauchermarkt, Cardimarkt, westliche Händler witterten Chancen. 1994 wurde das Rennsteigkarree, ein Einkaufszentrum, gebaut, und 1996 eröffnete sogar ein Family Center mit Aldi. Die Menschen hatten wieder einen Ort zum Einkaufen, zum Verweilen, zum Alltag.

Doch es war zu spät. Die Abwanderung war schneller als jedes Bauprojekt. Die neue Infrastruktur wirkte wie eine Filmkulisse – sauber, modern, aber merkwürdig leer. Geschäfte und Straßen füllten sich nicht. Das Viertel, einst so durchdacht, hatte plötzlich zu viele Wege, die ins Nichts führten.

Der „Rückbau“: Wenn Heimat dem Bagger weicht Die Antwort auf einen Stadtteil, der zu groß für seine Gegenwart geworden war, war brutal, aber konsequent: Man begann, ihn zu verkleinern, zu löschen. Der Rückbau begann nicht mit Presslufthammer, sondern mit Stille. Im Jahr 2001 zog die Stadt Suhl die Reißleine. 5.600 Wohnungen, aber kaum noch Menschen, die darin wohnen wollten. Der Beschluss: Rückbau.

Dieser Prozess ist tiefgreifend, denn es geht nicht nur um Steine, sondern um Schicksale, Lebensgeschichten und Erinnerungen. Block für Block wird entkernt: Erst verschwinden die Bewohner, dann die Fenster, dann das Dach, bis nur noch ein Gerippe steht. Doch der Abriss verläuft nicht reibungslos. Geldmangel und Bürokratie verzögern die Fördermittel, sodass auf dem Papier Stehendes oft nicht zur Praxis passt. Manche Häuser stehen jahrelang leer, wie eingefrorene Ruinen, weder lebendig noch tot. Die Schneekopfstraße 30 bis 36 ist ein Beispiel dafür, wo Blöcke viel zu lange dem Verfall überlassen blieben und nur noch von der Feuerwehr als Trainingsgelände genutzt werden. Der letzte Supermarkt im Family Center, ein Aldi, schloss bereits 2016. Suhl-Nord wird kleiner, aber nicht schnell, sondern zäh, verworren, unvollständig.

Die letzten Ausharrenden: Leben im Schatten des Abrisses In diesem Zwischenraum aus Vergangenheit und Abriss leben immer noch Menschen. Keine Tausende mehr, nicht einmal Hunderte pro Straße, aber einige wenige. Manche, weil sie nicht gehen konnten, andere, weil sie nicht wollten. Wer heute in Suhl-Nord lebt, lebt in einer Welt zwischen Beton und Erinnerung. Die Wohnung mag noch dieselbe sein, aber das Viertel ist ein anderes. Wo früher jemand Ball spielte, liegt heute Moos auf dem Asphalt. Wo man früher Nachbar war, ist man heute allein.

Für viele dieser letzten Bewohner ist weggehen keine Option. Sie haben hier geheiratet, Kinder großgezogen, Abschiede erlebt. Die Tapete im Wohnzimmer ist nicht einfach nur Wand, sie ist Geschichte. Doch der Alltag ist härter geworden. Der Bus fährt seltener, Arzttermine sind mit Taxi oder langen Fußwegen verbunden. Die Stadt bietet Ersatzwohnungen an, schöner, zentraler, vielleicht sogar günstiger. Aber ein Umzug ist ein Schnitt, und viele sagen: „Ich habe mein ganzes Leben in diesem Viertel verbracht, ich will auch hier bleiben“. Diese Entscheidung verdient Respekt, denn sie ist nicht bequem; es ist ein Leben im Schatten des Abrisses, ein Alltag mit bröckelndem Treppenhaus, aber festem Willen.

Ein Blick nach vorn: Gewerbe statt Wohnblocks Suhl-Nord soll bis auf wenige Ausnahmen – vielleicht ein Ärztehaus, das alte Einkaufszentrum – komplett verschwinden. Beton wird zu Staub, Geschichte zu Fläche. Doch auf dem Gelände, wo einst Wohnungen standen, soll etwas Neues wachsen: Ein Gewerbe- und Forschungsgebiet. Geplant sind rund 50 Hektar für Zukunftsthemen wie Holzbau, nachhaltige Werkstoffe und Forsttechnologie. Ziel ist es, einen Hotspot für klimafreundliche Materialien zu schaffen. Die Fachhochschule Erfurt, die LG Thüringen und die Stadt Suhl sind mit an Bord und wünschen sich ein anderes Ende für das Kapitel Suhl-Nord.

Auch an die Wege wird gedacht: Fahrradachsen sollen das neue Areal durchziehen, ein Steg könnte es mit dem Flugplatz Suhl-Goldlauter verbinden. Die Kanalisation bleibt, Glasfaser wird verlegt – die Infrastruktur ist bereits vorhanden und muss nur neu angeschlossen werden. Doch die Umsetzung ist eine andere Sache als der Plan: Fördermittel verzögern sich, Genehmigungen auch, und einige Blöcke, die längst weg sein sollten, stehen immer noch wie Mahnmale aus grauem Guss.

Suhl-Nord im Kontext: Ein stilles Drama in Ostdeutschland Suhl-Nord ist kein Unfall und kein Einzelfall. Es ist Teil eines größeren Musters, eines stillen Dramas, das sich seit über 30 Jahren durch viele ostdeutsche Städte zieht. Ganze Viertel, einst stolz geplant und dicht bewohnt, gerieten ins Rutschen. Nach der Wende brach das System weg, für das diese Stadtteile gebaut wurden. Fabriken schlossen, Kombinate wurden abgewickelt, die Perspektive löste sich auf. Wer konnte, zog weg. Die, die blieben, blieben oft allein zurück – zu groß waren die Wohnungen, zu leer die Straßen, zu wenig Hoffnung im Fundament.

Halle-Neustadt, Hoyerswerda, Leipzig-Grünau, Gera-Lusan – sie alle erzählen ähnliche Geschichten. Hoyerswerda verlor die Hälfte seiner Einwohner, Halle-Neustadt schrumpfte von 90.000 auf unter 50.000. Dies ist keine Zufälligkeit, sondern die Folge von Transformation ohne Netz, von zu großen Plänen und einer Politik, die lange dachte, die Zeit würde es schon richten. Wenn Städte schrumpfen, braucht es Strategien, klare, mutige Entscheidungen. Stattdessen wurden vielerorts einfach Fenster zugemauert, in der Hoffnung, dass niemand fragt, warum es so still ist.

Fragen an die Zukunft Ist Rückbau wirklich die einzige Lösung? Oder fehlt uns nur die Fantasie für das Danach? Vielleicht geht es nicht darum, alles zu erhalten, aber auch nicht darum, alles zu löschen. Vielleicht geht es darum, mit Verantwortung abzubauen, Orte zu würdigen, die Geschichte tragen, und Menschen, die darin gelebt haben.

Suhl-Nord gibt keine einfachen Antworten, aber es stellt gute Fragen. Es geht darum, wie wir mit Veränderung umgehen und wie viel Vergangenheit wir uns für die Zukunft leisten wollen. Suhl-Nord, einst ein Symbol sozialistischer Wohnkultur, wird zu einem Testfeld für eine neue Ära – ein Ort, an dem die Geschichte des Verschwindens auf die Hoffnung eines Neuanfangs trifft.

Feldheim: Das Dorf, das die Energiewende lebt und die Welt inspiriert

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Feldheim, ein scheinbar gewöhnliches Dorf in Brandenburg, ist weit mehr als das – es ist ein Leuchtturmprojekt der Energiewende, das schon vor über zehn Jahren realisiert wurde und bis heute funktioniert. Was hier geschah, ist keine ferne Utopie mehr, sondern gelebte Realität, in der sich Bürger, Kommune und lokale Unternehmen zusammengeschlossen haben, um ihre eigene Energieversorgung aufzubauen.

Die Anfänge: Windkraft als Keimzelle einer Vision Die Geschichte begann im Herbst 1993, kurz nach der Wende, als der damals noch fast studentische Michael Raschemann von Energiequelle in einer Gemeindevertretersitzung seine Idee vorstellte: Windenergieanlagen in Feldheim zu bauen. Die Stimmung im Dorf war frustrierend, es fehlten die Mittel, um den Ort zu verbessern. Doch die Feldheimer erkannten eine Chance. Trotz anfänglicher Skepsis und der Diskussion über Vor- und Nachteile gab man Raschemann die Möglichkeit, die ersten Windräder aufzustellen, auch weil sie über 1000 Meter vom Ort entfernt lagen. Dies war der Beginn einer über 20-jährigen Zusammenarbeit, die auf Zeit und Vertrauen basierte. Man schlug politisch und wirtschaftlich den richtigen Weg ein, ohne es damals richtig zu wissen.

Vom Wind zur Vollversorgung: Ein intelligentes Netz entsteht Der Startschuss fiel mit der Windkraft. Doch die Vision reichte weiter. Als die lokale Landwirtschaft vor Schwierigkeiten stand, entstand die Idee, in Biogas zu investieren. Ursprünglich sollte damit eine Sauenanlage mit Wärme versorgt werden, da die Ölkosten zu hoch waren. In enger Abstimmung mit der Agrargenossenschaft wurde eine Biogasanlage gebaut. Bald darauf fragten Anwohner nach einem Wärmeanschluss, was dazu führte, dass ein umfassendes Wärmenetz für das gesamte Dorf realisiert wurde – gleichzeitig mit der Verlegung von Stromleitungen.

Heute verfügt Feldheim über ein eigenes Strom- und Wärmenetz. Die Energieversorgung ist intelligent und robust aufgestellt:

• Windkraft ist die primäre Quelle.

• Solaranlagen ergänzen das Portfolio.

• Die Biogasanlage speist bei Windstille oder Wartungsarbeiten im Windpark Strom ins Netz ein, ist aber aufgrund höherer Kosten nur dann aktiv. Sie dient auch als Hauptenergiequelle für die Wärmeversorgung.

• Ein Stromspeicher (seit 2015) sorgt für zusätzliche Versorgungssicherheit bei unzureichendem Wind oder kann Feldheim bei einem Netzausfall für eine gewisse Zeit versorgen.

• Für die Wärmeversorgung ergänzen eine Hackschnitzelheizung und ein Power-to-Heat-System (Booster) die Biogasanlage. Dies sichert die Versorgung auch bei dauerhafter Kälte oder Ausfall der Biogasanlage und ermöglicht die Umwandlung von Windstrom in Wärme.

Dieses Zusammenspiel verschiedener Energiequellen gewährleistet eine hohe Versorgungssicherheit. Seit 2009 hatte Feldheim keinen einzigen Tag ohne Wärmeversorgung. Das Dorf kann sich weitgehend selbst versorgen, ohne fossile Energien nutzen zu müssen.

Bürgerbeteiligung als Erfolgsmodell Ein zentraler Pfeiler des Erfolgs ist die intensive Bürgerbeteiligung und das geschaffene Vertrauen. Die Feldheimer wurden von Anfang an mitgenommen. Die „Feldheim Energie“ ist eine Gesellschaft, die wie ein Gemeindewerk funktioniert. Die Bewohner sind sowohl Kunden als auch Miteigentümer und können die Entscheidungen beeinflussen. Dieses Modell ermöglicht es den Bürgern, direkt von den niedrigen Preisen und der Versorgungssicherheit zu profitieren.

Die Windmühlen um Feldheim produzieren jährlich etwa 200 Millionen Kilowattstunden, wovon das Dorf nur 0,5 Prozent benötigt. Die Wärmekilowattstunde wurde mit 7,5 Cent kalkuliert, während der Strompreis über 10 Cent günstiger angeboten und für 10 Jahre festgeschrieben werden konnte. Dies sichert nicht nur die Zukunft, sondern macht das Leben bezahlbar.

Nachhaltige Entwicklung und internationale Aufmerksamkeit Die Vorteile der Energiewende in Feldheim gehen weit über die Energieversorgung hinaus. Im Jahr 2016 wurde eine eigene Stiftung ins Leben gerufen, um Gelder aus den Energieprojekten legal und nachhaltig der Gemeinde zukommen zu lassen, insbesondere den Vereinen und Strukturen, die das gesellschaftliche Leben prägen. Dadurch wurden Infrastrukturprojekte wie neue Straßenbeleuchtung, Gehwegbau, Unterstützung für Vereine, eine Umgehungsstraße, Fenster im Dorfgemeinschaftshaus und ein beleuchteter Fußballplatz realisiert. Dies hat dazu geführt, dass junge Leute wieder ins Dorf ziehen und das Dorfleben aufblüht.

Feldheim ist zu einem internationalen Vorbild geworden. Das Interesse ist ungebrochen; vor Corona besuchten bis zu 3.000 Menschen jährlich aus aller Welt das Dorf, darunter Präsidenten und Regierungsvertreter. Selbst die Frau des ehemaligen japanischen Premierministers Abe besuchte Feldheim, um die Energiewende kennenzulernen, und ein japanischer Schauspieler turnte in der Maissilage, um die Ungefährlichkeit erneuerbarer Energien zu demonstrieren.

Eine Botschaft für Deutschland und die Welt Feldheim zeigt, dass die Energiewende machbar ist, wenn man das Machbare als Ziel setzt und gemeinsam mit den Menschen vor Ort arbeitet, anstatt mit der Brechstange vorzugehen. Es ist ein Beweis dafür, dass Akzeptanz für große Energieprojekte entsteht, wenn die lokale Bevölkerung über unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten am Erfolg teilhaben kann.

Die hier produzierten großen Energiemengen werden in Ballungsräumen, Gewerbe und Industrie benötigt. Deutschland, einst Exportweltmeister bei Automobilen, hat die Chance, das Thema Energie zu einem neuen Exportschlager zu machen. Feldheim gibt Politikern Rückenwind, sich den schwierigen Diskussionen zu stellen und zu zeigen: „Lasst uns doch mal Feldheim besuchen.“

Feldheim ist stolz auf das Erreichte und blickt optimistisch in die Zukunft. Es ist der Beweis, dass man die Herausforderungen der Energiewende meistern und die Technologien erfolgreich umsetzen kann, indem man informiert, aufklärt und die Bevölkerung einbezieht, anstatt über deren Köpfe hinweg zu bauen. Für die Bewohner von Feldheim ist es die eigene Zukunft.

Siemensstadt Square: Berlins Zukunftsviertel vereint Historie und Innovation

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Berlin Spandau erlebt eine visionäre Transformation: Auf dem über 100 Jahre alten Industriegelände der Siemensstadt entsteht mit dem Siemensstadt Square ein neues urbanes, innovatives und klimaneutrales Stadtquartier, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. Siemens, ein weltweit führendes Technologieunternehmen, verfolgt das ehrgeizige Ziel, diesen traditionsreichen Standort in ein modernes, lebendiges Viertel zu verwandeln, das die digitale Zukunft repräsentiert und sich nahtlos in das historische Erbe Berlins einfügt. Das Projekt steht für die Symbiose von Tradition und Innovation, Stadt und Metaverse und wird in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle in der Entwicklung Berlins spielen.

Die Siemensstadt, ein Stück lebendige Industriegeschichte mitten in Berlin, wurde ab 1897 von Siemens erschlossen, um dem wachsenden Flächenbedarf gerecht zu werden. Ab 1914 offiziell als Siemensstadt bekannt, entwickelte sich das 76 Hektar große Areal in Berlin Spandau zu einem industriellen Zentrum, das Siemens zu einem globalen Namen machte. In den Werkshallen und Produktionsstätten, wie dem berühmten Dynamowerk und den Schaltwerkhallen, wurden technologische Meilensteine gesetzt. Mehr als nur ein Produktionsstandort, war die Siemensstadt ein Symbol für den Aufstieg der deutschen Industrie und den Innovationsgeist. Jetzt, über ein Jahrhundert später, erlebt das Gebiet eine Renaissance.

Das Siemensstadt Square Projekt ist kein gewöhnliches Bauvorhaben, sondern ein ehrgeiziges Experiment. Bis 2035 soll auf dem ehemaligen Produktionsgelände ein neuer Stadtteil entstehen, der das Beste aus verschiedenen Welten vereint. Auf rund 1 Million Quadratmetern Fläche entstehen nicht nur neue Wohnungen und Büros, sondern auch Räume für Forschung, Bildung und Kultur. Geplant sind fast 3.000 neue Wohnungen, von denen fast ein Drittel als Sozialwohnungen vorgesehen sind. Der zentrale Boulevard, gesäumt von Läden, Cafés und gemütlichen Plätzen, wird das Herzstück des Quartiers bilden. Um nachhaltiges Leben zu fördern, wird der alte S-Bahnhof Siemensstadt reaktiviert, sodass die Bewohner ohne Auto auskommen können. Historische Gebäude wie das Schaltwerkhochhaus werden in das neue Viertel integriert, um eine spannende Mischung aus Alt und Neu zu schaffen.

Ein echtes Highlight des Projekts ist der Einsatz der digitalen Zwilling Technologie. Hierbei handelt es sich um eine digitale Kopie des gesamten Stadtteils, in der jede Straße, jedes Gebäude und jede Grünfläche virtuell dargestellt wird. Dies ermöglicht es den Planern, den Stadtteil schon vor dem ersten Spatenstich zu visualisieren und bis ins kleinste Detail anzupassen, was hilft, Fehler zu vermeiden und den Bauprozess effizienter zu gestalten. Auch nach der Fertigstellung bleibt der digitale Zwilling bestehen und wird ständig mit neuen Daten gefüttert, um Wartungen besser zu planen und Probleme frühzeitig zu erkennen. Diese Technologie macht Siemensstadt Square zu einem Vorreiter in Sachen Smart Cities, die intelligent und lebenswert sind.

Ein zentrales Ziel ist es, ein nachhaltiges und klimaneutrales Stadtviertel zu schaffen. Das Quartier soll angeblich vollständig CO2-neutral betrieben werden und nutzt dabei 100% erneuerbare Energien. Statt herkömmlicher Energiequellen setzt Siemensstadt Square auf eine Kombination aus Solarenergie, Geothermie und der Nutzung von Abwärme aus lokalen Quellen. Das Konzept der Schwammstadt, bei dem Dächer und Grünflächen Regenwasser auffangen und speichern, trägt dazu bei, das Mikroklima zu verbessern und Überschwemmungen zu verhindern. Intelligente Verkehrssysteme, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie die Schaffung von Fahrrad- und Fußgängerwegen sollen den Autoverkehr reduzieren. Grüne Parks, Dachgärten und Fassadenbegrünungen sind ebenfalls feste Bestandteile des Plans, um die Lebensqualität zu steigern und die Biodiversität zu fördern.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Siemensstadt Square Projekts ist die aktive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Von Anfang an hat Siemens in Zusammenarbeit mit der Stadt Berlin darauf gesetzt, die Menschen vor Ort umfassend zu informieren und ihre Meinungen und Ideen in die Planung einfließen zu lassen. Regelmäßige Informationsveranstaltungen, offene Workshops und ein spezieller Infopavillon sorgen für Transparenz und Partizipation. Dieses Vorgehen hat nicht nur das Vertrauen der Anwohner gestärkt, sondern auch dazu beigetragen, das Projekt besser an die tatsächlichen Bedürfnisse anzupassen und Siemensstadt Square zu einem lebendigen, funktionalen und menschenfreundlichen Stadtteil zu machen.

Siemensstadt Square ist weit mehr als nur ein weiteres Stadtentwicklungsprojekt; es steht symbolisch für die Zukunft des urbanen Lebens. Bis 2035 soll hier ein Stadtteil entstehen, der zeigt, wie nachhaltige, vernetzte und lebenswerte Städte aussehen können und in dem rund 35.000 Menschen eine neue Heimat finden. Das Projekt will beweisen, dass technologische Innovation und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen können. Durch den Einsatz eines digitalen Zwillings, die Nutzung erneuerbarer Energien und moderner Mobilitätskonzepte wird hier ein zukunftsweisender Lebensraum geschaffen. Langfristig gesehen wird die Erneuerung der Siemensstadt nicht nur für ihre Bewohner und Arbeitnehmer von Vorteil sein, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung Berlins insgesamt leisten. Siemensstadt Square soll als Modellprojekt dienen und könnte als Blaupause für andere Städte weltweit dienen.

Alexanderplatz im Umbruch: Berlins Ringen um die Skyline

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Der Alexanderplatz, mehr als nur ein Ort – er ist ein Gedächtnisspeicher Berlins, ein „Seismograph für das, was Berlin gerade denkt, hofft oder verdrängt“. Seit Jahrzehnten ist der Alexanderplatz eine Bühne für ambitionierte Pläne und enttäuschte Hoffnungen, doch jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Nach 30 Jahren der Debatte wird nicht mehr nur diskutiert, sondern endlich gebaut. Der Platz, der einst ein Viehmarkt war und später zu einem „urbanen Biest“ mit regem Verkehr und modernen Bauten wie dem Alexanderhaus und Berolina Haus heranwuchs, wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt und von der DDR als sozialistisches Zentrum neu geformt, mit dem Fernsehturm als weithin sichtbarem Wahrzeichen. Nach dem Mauerfall jedoch wurde er zu einer Problemzone, gezeichnet von Investorenplänen, die immer wieder verworfen wurden.

Kollhoffs Vision wird Realität – mit Anpassungen
Die aktuelle Bauwelle ist eng mit einem Masterplan aus dem Jahr 1993 verbunden, entworfen von Hans Kollhoff. Dieser sah zehn 150 Meter hohe Wolkenkratzer vor – eine „vertikale Vision für ein horizontales Berlin“. Lange Zeit galt der Plan als „völlig aus der Zeit gefallen“, doch nun, drei Jahrzehnte später, wird er wieder hervorgeholt. Obwohl nicht komplett und nicht eins zu eins umgesetzt, lebt die Grundidee weiter: Statt nur Fläche zu planen, wird jetzt in die Höhe gedacht. Vier Hochhäuser entstehen derzeit gleichzeitig, auch wenn einige noch mit den Fundamenten oder Genehmigungen kämpfen.

Vier Projekte prägen die neue Skyline

Derzeit formen vier Großprojekte das zukünftige Bild des Alexanderplatzes:

• MYND Tower: Dieses 134 Meter hohe Gebäude des Architekturbüros Kleihues und Kleihes entsteht dort, wo jahrzehntelang das Galeria Kaufhaus dominierte. Der Turm soll „Denken, Arbeiten, Genießen miteinander verbinden“ und neue Arbeitswelten schaffen. Er bietet etwa 50.000 Quadratmeter Nutzfläche für Büros und Gastronomie, darunter einen Food Culture Market in luftiger Höhe und rund 1000 Quadratmeter für gemeinnützige oder öffentliche Nutzung. Der Bau begann 2020, stagnierte jedoch aufgrund der Insolvenz der Signa-Gruppe von René Benko. Seit der Übernahme durch Kommerz Real im Jahr 2023 schreitet der Bau sichtbar voran und soll Ende 2025 fertiggestellt sein.

• Covivio Tower (ALX): Nur wenige Schritte vom MYND Tower entfernt wächst dieser 133 Meter hohe Turm des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hatten. Der Covivio Tower ist ambitioniert und soll Arbeitsplatz, Zuhause, Marktplatz, Spielplatz und Aussichtsplattform in einem sein. Er bietet rund 63.000 Quadratmeter Nutzfläche, aufgeteilt in Büros, Einzelhandel und Wohnungen, darunter auch öffentlich geförderte, sowie eine Kita und Gemeinschaftsflächen. Ein Herzstück ist der 2500 Quadratmeter große, öffentlich zugängliche Dachgarten. Der Bau war technisch anspruchsvoll, da die Türme auf 40 Meter tiefen Betonpfählen ruhen und eine 3 Meter dicke Bodenplatte über der U-Bahnlinie 2 liegt. Beim Aushub sackte die Tunnelwand leicht ab, was zu einer vorübergehenden Stilllegung führte. Trotz dieser Panne geht der Bau weiter und soll Ende 2026 fertiggestellt sein. Das Projekt setzt auf Nachhaltigkeit mit Geothermie, Regenwassernutzung und Photovoltaik, angestrebt sind Lead Gold und Wired Score Zertifizierungen.

• Hines Tower: Dieser geplante Turm soll 150 Meter hoch werden und 39 Etagen beherbergen, mit einem Hotel im unteren Bereich und bis zu 300 Wohnungen darüber. Der ursprüngliche Entwurf stammt vom Starbüro Jerry Partners aus dem Jahr 2014. Doch während andere Projekte voranschreiten, bleibt es hier seit Jahren still. Baubeginn ist frühestens 2026 geplant, da der Bauantrag noch eingereicht und genehmigt werden muss. Der Hines Tower symbolisiert, wie schwierig es ist, in Berlin überhaupt erst mit dem Bau zu beginnen.

• Alexander Tower (Capital Tower / Monarch Tower): Dieses Wohnhochhaus direkt neben dem Alexa Einkaufszentrum sollte 150 Meter hoch werden und 35 Etagen mit 377 Luxuswohnungen, Spa, Fitnessstudio und Pool umfassen. Der Bau begann im November 2019 und war bereits zur Hälfte fertiggestellt, als er im Dezember 2022 abrupt zum Stillstand kam. Der Hauptinvestor Monarch mit Sitz in Moskau ist wirtschaftlich „abgetaucht“, es fließt kein Geld mehr. Berlin reagierte mit einem Bußgeld von 10 Millionen Euro, das bisher nicht gezahlt wurde. Obwohl der Turm technisch solide vorbereitet ist, mit 43 Betonpfählen, die 40 Meter tief reichen, und einer 4 Meter dicken Bodenplatte, ist er zu einem „eingefrorenen Versprechen“ geworden.

Herausforderungen unter der Oberfläche
Alle Bauprojekte am Alexanderplatz teilen eine gemeinsame, unsichtbare Hürde: den Boden unter ihren Füßen. Direkt unter dem Platz kreuzen sich drei U-Bahn-Linien, ein „Nervensystem aus Tunneln, Kabeln und Technik“. Hinzu kommen alte Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg und ein sehr hoher Grundwasserspiegel. Jeder Spatenstich kann hier „eine kleine Katastrophe auslösen“. Deshalb werden bis zu 40 Meter tiefe Pfähle in den Boden gerammt, auf denen 3 oder 4 Meter dicke Betonplatten ruhen – eine Bauweise, die an den Bau eines U-Boots an Land erinnert. Parallel dazu erfordern Genehmigungen, Abstimmungen und Abnahmen einen langwierigen Prozess, bei dem der Bezirk das eine, der Senat das andere und verschiedene Behörden wie die BVG und die Denkmalpflege ihre Anforderungen stellen. Ein Turm ist am Ende nicht nur ein Entwurf, sondern das Ergebnis Hunderter Entscheidungen, viele davon „unter der Erde, hinter verschlossenen Türen“.

Die politische Debatte: Wollen wir eine Skyline?
Die Frage, ob diese Hochhäuser überhaupt entstehen sollen, spaltet Berlin ähnlich stark wie der Bau des Flughafens. Bürgermeister Kai Wegner befürwortet die Entwicklung, inspiriert von New York, und sieht darin mehr Skyline, Dichte und Höhe für die Stadt, die neuen Wohnraum und Arbeitsplätze sowie eine lebendige Innenstadt schaffen kann. Kritiker hingegen sehen in den Hochhäusern „Fremdkörper“, die zu groß, zu kühl und zu profitgetrieben sind, und fragen, wem sie wirklich dienen – den Berlinern oder Investoren mit „Briefkasten in Luxemburg“. Dahinter steht die größere Frage, wie Berlin in Zukunft gestaltet werden soll: kleinteilig mit Höfen und Altbauten oder nach oben wachsend wie Frankfurt oder Rotterdam. Der Alexanderplatz ist kein neutraler Ort, sondern ein „Testfeld für Politik, für Architektur und für unsere Vorstellung davon, wie Berlin in Zukunft sein soll“.

Berlin ist keine Stadt der schnellen Entscheidungen. Wer hier baut, verhandelt mit der Geschichte, der Verwaltung und dem eigenen Anspruch. Der Alexanderplatz ist der „härteste Prüfstand“ für das, was Berlin einmal sein will. Manche sehen in den Türmen Hoffnung, andere ein Mahnmal für Größenwahn, doch fest steht: Der Platz bewegt sich, nicht linear, nicht perfekt, aber sichtbar. Und genau dieses „ewige Ringen um das richtige Maß zwischen Vergangenheit und Zukunft“ macht die Energie Berlins aus.

Moorwiedernässung: Ein Überlebenskampf für unsere Landschaften

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Der Klimawandel stellt unsere Landschaften vor immense Herausforderungen. Eine zentrale Rolle im Kampf gegen Wasserverlust und für den Erhalt der Biodiversität spielt dabei die Moorwiedernässung, ein komplexes Unterfangen, das weit über reine Umweltschutzmaßnahmen hinausgeht und auch die Landwirtschaft einbezieht.

In Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus ist der Mensch seit Jahrhunderten aktiv dabei, die Landschaft durch Entwässerung nutzbar zu machen. Hunderttausende Kilometer Entwässerungseinrichtungen durchziehen allein dieses Bundesland. Doch die Folgen sind dramatisch: Der Klimawandel führt zu höheren Temperaturen und stärkerer Verdunstung, was eine Verringerung des verfügbaren Wassers bedeutet. Winterüberschusswasser fließt schnell ab, während es in trockenen Phasen im Frühjahr und Sommer dringend benötigt wird.

Das Kernproblem: Eine ausgetrocknete Landschaft
Die intensive Entwässerung der Moore hat dazu geführt, dass sie ihre natürliche Funktion als Wasserspeicher und Kohlenstoffsenke weitgehend verloren haben. „Das große Problem ist tatsächlich mittlerweile, dass die Austrocknung der Landschaft des Landschaftswasserhaushalts“, so eine Expertin. Die Moore sind nicht an die starken Verdunstungsraten in unseren Hitzesommern angepasst. Hinzu kommen veraltete und marode Schöpfwerke, deren Betrieb hohe Kosten für die Landwirte verursacht.

Technologien und Strategien der Wiedernässung
Ziel der Moorwiedernässung ist es, diese Entwässerungseinrichtungen zurückzubauen und das hydrologische System wieder an natürliche Gegebenheiten anzupassen. Dies geschieht durch verschiedene bauliche Maßnahmen, die den Abfluss von Wasser verhindern sollen:

• Sohlleiten und Grabenverschlüsse werden eingesetzt.

• Durchfahrbare Purten werden gebaut, um das Wasser möglichst hoch und lange zu halten.

• Wo möglich, werden regelbare Staue eingerichtet, um den Wasserstand steuern zu können.

• In einem Beispiel wurde an einem Stauwerk eine Bohle eingesetzt, um den Flurwasserabstand auf 10 cm im Grünland zu fixieren, eine Maßnahme, die lediglich 300 Euro kostete.

• In zentralen Bereichen können Dichtwände errichtet werden, um Niederschlagswasser vollständig zurückzuhalten und so Hochmoorsockel und Torfmoosrasen zu bevorteilen.

• Bei bewaldeten Moorflächen, wie dem Rockendorfer Moor, ist es zudem notwendig, einen Teil der Waldfläche aufzulichten, um die Wasserbilanz zu verbessern, da die Niederschläge allein nicht ausreichen.

Das Paludi-Projekt verfolgt das Ziel, ganzjährig oberflächennahe Wasserstände einzustellen. Dies wird durch das Zurückhalten von Winterwasser und, wo möglich, durch das Einspeisen von Wasser von außerhalb im Sommer erreicht. Der bauliche Aufwand umfasst die Einrichtung von zusätzlichen Fahrwegen, 15 Staueinrichtungen und zusätzlichen Durchlässen, um die Befahrbarkeit sicherzustellen und den Wasserspiegel zu regulieren.

Paludikultur: Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand
Ein viel diskutiertes Thema ist die wirtschaftliche Nutzung der Flächen nach der Wiedervernässung. Es geht nicht nur um Naturschutzgebiete, sondern auch um Wirtschaftswälder und Wiesenflächen. Die Idee ist, eine Paludikultur zu entwickeln, die produktiv ist und auch ohne weitere Projektbegleitung von Landwirten selbst betrieben werden kann.

• Extensive Grünlandbewirtschaftung ist weiterhin möglich. Landwirte können auch in nassen Sommern einen Schnitt der Flächen für Einstreu ihrer Rinder erzielen.

• Perspektivisch kann sich eine Nutzung wie die Rohrwerbung (Schilfernte) entwickeln, da sich sehr flache Gewässer mit 30 bis 50 cm Wassertiefe ideal für Schilf eignen.

• Auch die touristische Attraktivität soll durch Maßnahmen wie Aussichtsplattformen gesteigert werden.
Die Experten betonen die Wichtigkeit, Flächen produktiv zu halten und nicht „auf Teufel komm raus“ wieder zu vernässen, ohne die landwirtschaftliche Nutzung zu berücksichtigen.

Herausforderungen und Ausblick
Trotz aller Bemühungen ist die Moorwiedernässung eine anspruchsvolle Aufgabe. Die zunehmende Austrocknung der Landschaft und die steigenden Temperaturen erschweren eine effektive Wiedervernässung. Es wird nicht überall zum Erfolg kommen können.

Dennoch ist die Zielsetzung klar und „alternativlos“: Bis 2040 oder 2045 soll es gelingen, alle Moore in Deutschland auf Verbesserungen im Wasserhaushalt zu überprüfen und idealerweise dreiviertel davon in einen Zustand zu bringen, der ihren Erhalt sichert und zum Landschaftswasserhaushalt beiträgt. Die Moorwiedernässung ist ein entscheidender Schritt, um die Resilienz unserer Landschaften gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu stärken.

Mauer, Überwachung, Widerstand: Das Leben in der DDR und ihr Ende

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Das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik war über Jahrzehnte hinweg ein kompliziertes Geflecht aus staatlichem Anspruch und harter Realität. Geprägt von dem Ideal eines sozialistischen Staates, der Gleichheit, Sicherheit und Versorgung versprach, sahen sich die Bürgerinnen und Bürger einem Alltag gegenüber, der von Mangel, ständiger Überwachung und politischer Repression dominiert war. Für viele glich der Alltag einem Balanceakt zwischen Anpassung und innerem Widerstand, zwischen familiärem Rückzug und öffentlicher Konformität.

Ein System der Kontrolle und Knappheit
Von frühester Kindheit an wurden die Menschen in der DDR in das System eingebunden. Bereits im Kindergarten begann die Vermittlung sozialistischer Werte, gefolgt von einem stark ideologisch geprägten Unterricht in der Schule, mit Fächern wie Staatsbürgerkunde und Geschichte als zentrale Elemente der Erziehung im Sinne der SED. Lehrkräfte, die vom offiziellen Kurs abwichen, riskierten ihre Karriere, und viele passten sich an, nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen. Für Jugendliche war die Mitgliedschaft in der FDJ nahezu obligatorisch; wer sich verweigerte, hatte es später schwer, einen Studienplatz oder eine qualifizierte Ausbildung zu erhalten. Die FDJ diente dabei nicht nur als Jugendorganisation, sondern auch als Instrument zur ideologischen Kontrolle, wo bei Veranstaltungen auch überwacht wurde, wer sich wie verhielt.

Die Mangelwirtschaft prägte den Alltag der Menschen tiefgreifend. Kaffee, Südfrüchte, Autos – vieles war kaum oder gar nicht erhältlich. Beziehungen, oft als „Vitamin B“ bezeichnet, waren wichtiger als Geld, um an begehrte Waren zu kommen. Die Wartezeit auf ein Auto, wie einen Trabant, konnte bis zu 15 Jahre betragen, sodass Anträge oft schon bei der Geburt eines Kindes gestellt wurden. Westliche Waren wie Bananen oder Schokolade galten als absolute Luxusartikel, und wenn sich die Nachricht verbreitete, dass solche Güter eingetroffen waren, bildeten sich sofort lange Schlangen – oft ohne dass die Wartenden wussten, was es gab. Das Anstehen war ein fester Bestandteil des Alltags.

Doch nicht nur materielle Einschränkungen bestimmten das Leben, sondern auch das allgegenwärtige Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Die Staatssicherheit, kurz Stasi, war allgegenwärtig, mit inoffiziellen Mitarbeitern (IMs) in fast jedem Wohnhaus, die Informationen sammelten und weitergaben. Misstrauen war eine Grundhaltung, da selbst Freunde oder Kollegen Spitzel sein konnten. Gespräche wurden bewusst zensiert, selbst im Familienkreis, und Kinder wurden angehalten, nicht alles aus dem Elternhaus in der Schule zu erzählen. Briefe wurden geöffnet, Telefone abgehört, Wohnungen verwanzt. Wer sich kritisch äußerte, riskierte seine Existenz; ein abfälliger Satz über Honecker konnte zur Verhaftung führen, viele verloren Arbeit oder Wohnung.

Stiller Protest und gefährliche Flucht
Trotz dieser Repressionen entwickelte sich ein erstaunlicher Überlebenswille. Die Menschen arrangierten sich und fanden Nischen. Musik, Literatur und Kunst wurden zu Ausdrucksformen des stillen Protests. In Hinterzimmern las man westliche Literatur, hörte verbotene Sender wie RIAS oder die Deutsche Welle. In Kirchenräumen fanden oppositionelle Gruppen zusammen, die über Frieden, Umwelt und Menschenrechte diskutierten – Themen, die vom Staat unterdrückt wurden.

Für viele war die Flucht der einzige Ausweg, doch sie war extrem gefährlich und oft lebensbedrohlich. Hunderte Menschen starben bei dem Versuch, die innerdeutsche Grenze oder die Berliner Mauer zu überwinden. Dennoch ließen sich viele nicht abschrecken: Tunnel wurden gegraben, Heißluftballons gebaut oder versteckte Verstecke in Autos eingerichtet – die Kreativität und Verzweiflung kannten kaum Grenzen. Familien wurden auseinandergerissen, Eltern mussten Kinder zurücklassen, Paare sich trennen, alles in der Hoffnung auf ein Leben in Freiheit.

Der Wandel und der Fall der Mauer
In den späten 1980er Jahren begann sich die Stimmung in der DDR spürbar zu verändern. Das Vertrauen in die politische Führung schwand, die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich weiter, und immer mehr Menschen begannen offen über Veränderungen zu sprechen. Die politische Wende in der Sowjetunion unter Michael Gorbatschow mit den Schlagworten Glasnost und Perestroika hatte eine Signalwirkung. Während in anderen Ostblockstaaten vorsichtige Reformen eingeleitet wurden, hielt die DDR-Führung unter Erich Honecker stur an ihrem Kurs fest.

Das Unbehagen wuchs, und die Zahl der Ausreiseanträge stieg sprunghaft an. Wer einen solchen Antrag stellte, lebte oft monate- oder jahrelang in einem Schwebezustand, beruflich benachteiligt, gesellschaftlich isoliert und staatlich beobachtet, teils schikaniert von der Stasi. Doch der Druck auf das System wurde größer. Besonders die evangelischen Kirchen spielten eine zentrale Rolle, da sie einen der wenigen Orte boten, an denen sich kritische Geister relativ geschützt austauschen konnten. Hier entstanden Friedens- und Umweltgruppen, diskutiert wurde über Menschenrechte, Meinungs- und Reisefreiheit. In Leipzig, Ostberlin, Dresden und anderen Städten etablierten sich regelmäßige Treffen, zunächst still, dann immer mutiger.

Das Jahr 1989 war der Wendepunkt. Obwohl der 40. Jahrestag der DDR im Oktober noch groß gefeiert wurde, liefen die Ereignisse im Hintergrund bereits aus dem Ruder. In Leipzig fanden die Montagsdemonstrationen statt, bei denen Tausende Menschen den Satz „Wir sind das Volk“ riefen, der zum Symbol der Bewegung wurde. Die SED und die Staatssicherheit reagierten zunächst mit Einschüchterung und massiver Präsenz, doch der Protest wuchs weiter.

Im Sommer und Herbst 1989 nutzten viele DDR-Bürger die Möglichkeit zur Flucht über Ungarn, das im Mai den Eisernen Vorhang zu Österreich geöffnet hatte, und auch über die CSSR. Tausende reisten zunächst als Urlauber aus, dann mit der Absicht, in den Westen zu fliehen. In Prag und Budapest drängten sich DDR-Flüchtlinge in die westdeutschen Botschaften, wo sie unter beengten Bedingungen ausharrten; die Bilder gingen um die Welt.

Der Druck auf die DDR-Regierung wurde unaufhaltsam. Die Unzufriedenheit war nicht mehr zu unterdrücken, und Risse zeigten sich auch innerhalb der Partei. Am 18. Oktober 1989 wurde Honecker von Egon Krenz abgelöst, doch es war zu spät – die Menschen glaubten der neuen Führung nicht mehr.

Am 9. November 1989 kam es schließlich zur historischen Wendung. Günther Schabowski, ein Mitglied des Politbüros, verlas auf einer Pressekonferenz eine Mitteilung über neue Reiseregelungen. Auf die Nachfrage eines Journalisten, wann diese in Kraft treten, antwortete er verunsichert: „Das tritt nach meiner Kenntnis ist das sofort unverzüglich?“. Noch in derselben Nacht strömten Tausende Menschen zu den Grenzübergängen. Die Grenzsoldaten waren nicht vorbereitet, erhielten keine klaren Befehle und öffneten schließlich die Schlagbäume.

Es war ein Moment, der in die Geschichte einging: Die Mauer, das Symbol der deutschen Teilung, fiel nicht durch Gewalt, sondern durch friedlichen Protest und einen Verwaltungsfehler. Die Bilder von jubelnden Menschen auf der Mauer und von Familien, die sich nach Jahrzehnten wieder in den Armen lagen, gingen um die Welt. Die DDR hatte damit faktisch aufgehört zu existieren, auch wenn sie formal erst am 3. Oktober 1990 durch den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland aufgelöst wurde.

Die Herausforderungen der Einheit
Mit dem Mauerfall begann jedoch auch eine schwierige Zeit für viele Menschen aus der DDR. Die anfängliche Euphorie der Einheit wich bald einer nüchternen Realität. Die wirtschaftliche Umstellung bedeutete für viele den Verlust ihres Arbeitsplatzes, ihrer sozialen Sicherheiten und ihrer Identität. Die Treuhand übernahm die Abwicklung der volkseigenen Betriebe; viele wurden geschlossen, verkauft oder privatisiert. Ganze Regionen litten unter der Deindustrialisierung, und besonders ältere Menschen fühlten sich überfordert, entwertet und zurückgelassen.

Auch gesellschaftlich blieben viele Fragen ungeklärt. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der Rolle der SED, der Stasi und der eigenen Anpassung oder Mitwirkung war schmerzhaft. Viele Menschen erfuhren, dass Freunde, Kollegen oder sogar Familienmitglieder sie jahrelang bespitzelt hatten. Die Akten der Stasi offenbarten eine erschütternde Tiefe staatlicher Kontrolle und privater Preisgabe. Die Frage „Wie konntest du das tun?“ wurde in vielen Wohnzimmern gestellt und oft nie beantwortet.

Thüringen schnürt 100-Millionen-Hilfspaket für Krankenhäuser

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Erfurt. Das Thüringer Kabinett hat heute eine entscheidende Richtlinie zur finanziellen Unterstützung der Krankenhäuser im Freistaat beschlossen. Es handelt sich um ein mit Spannung erwartetes Kreditprogramm, das in enger Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheits- und dem Finanzministerium erarbeitet wurde. Das Paket soll Krankenhäusern durch vorübergehende Liquiditätsengpässe helfen, bis die umfassenden Reformen der Krankenhausfinanzierung auf Bundesebene greifen.

Gesundheitsministerin Katharina Schenk und Finanzministerin Katja Wolf präsentierten die Details des Programms auf einer gemeinsamen Regierungsmedienkonferenz. „Gesundheitspolitik ist für uns eine der zentralen Stellschrauben der Lebenszufriedenheit der Thüringerinnen und Thüringer“, betonte Schenk.

Hintergrund: Eine Branche in der Krise
Die Notwendigkeit des Hilfspakets wird durch die bundesweite Problemlage der Krankenhäuser unterstrichen: 80 Prozent der Kliniken bundesweit verzeichneten im Vorjahr negative Ergebnisse. Die Ministerinnen führten dies auf Kostensteigerungen bei Personal und Sachmitteln sowie eine strukturelle Unterfinanzierung zurück. Obwohl das Bundes-Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz darauf abzielt, diese Probleme zu lösen, dauert es noch geraume Zeit, bis die Reformen wirken. Genau diese Übergangsphase, die bis Ende 2028 andauern könnte, will Thüringen überbrücken.

Das Thüringer Darlehensprogramm im Detail
Die neue Richtlinie ermöglicht es bedarfsnotwendigen Krankenhäusern in Thüringen, Kredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen zu erhalten. Die Zusammenarbeit erfolgt mit der Thüringer Aufbaubank (TAB).

• Ziele: Das Hauptziel ist es, unkontrollierte Insolvenzen wie in der Vergangenheit zu vermeiden und die bedarfsnotwendige medizinische Versorgung sicherzustellen. Zudem soll verhindert werden, dass qualifiziertes Personal aufgrund von Unsicherheit abwandert. Die wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist ein Kernanliegen der Landesregierung.

• Volumen und Konditionen: Das Gesamtvolumen des Programms beträgt 100 Millionen Euro, wobei die Darlehenshöhe für den Einzelfall auf bis zu 10 Millionen Euro begrenzt ist. Die maximale Laufzeit der Darlehen beträgt 15 Jahre.

• Voraussetzungen: Eine zentrale Bedingung für die Kreditvergabe ist ein tragfähiges Geschäftsmodell, das eine realistische Rückzahlung der Kredite bei normalem wirtschaftlichem Verlauf gewährleistet. Das Programm ist ausdrücklich keine „Bestandsgarantie für alle Thüringer Häuser“, stellte Finanzministerin Katja Wolf klar. Kliniken, die sich perspektivisch betriebswirtschaftlich nicht rechnen oder bereits von einer drohenden Insolvenz betroffen sind, sind ausgeschlossen. Die Thüringer Aufbaubank prüft diese Kriterien.

• Zinssatz: Der Zinssatz wird im Einzelfall festgelegt, aber durch die hundertprozentige Bürgschaft des Landes auf einem vertretbaren Niveau gehalten.

Darlehen statt Zuschüsse: Ein Novum in Thüringen
Die Entscheidung für ein Darlehensprogramm anstelle von Zuschüssen wurde von Journalisten hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf einen gescheiterten „Rettungsschirm“ der Vorgängerregierung. Gesundheitsministerin Schenk stellte klar, dass der frühere Schirm nicht wegen des Fehlens von Zuschüssen scheiterte, sondern weil die damals notwendige Globalbürgschaft des Finanzministeriums fehlte. „Es ist wirklich ein Novum, dass diese Regierung es geschafft hat, die Richtlinie vorzulegen und die dazugehörige Globalbürgschaft“, so Schenk.

Finanzministerin Wolf ergänzte, dass Darlehen für Kliniken, die nach der Reform wieder „in ganz normalen betriebswirtschaftlichen Zeiten unterwegs“ sein werden, der bessere Weg seien, da es sich letztlich um Steuermittel handele. Dies ermögliche eine „liquiditätsunterstützung dann in der zeit der wirkenden reform auch zurückzuzahlen“.

Ergänzung zu Bundesmitteln
Das Thüringer Programm versteht sich als Überbrückung bis zur vollen Wirksamkeit der Bundesreformen und des Transformationsfonds. Während der Bund mit 4 Milliarden Euro die „fehlenden Betriebsmittel der Vergangenheit aufzufangen“ plant, adressiert das Thüringer Programm akute Liquiditätsengpässe in der jetzigen Übergangsphase. Der Transformationsfonds des Bundes, den das Land kofinanziert, ist hingegen für Umbaumaßnahmen und strukturelle Anpassungen der Kliniken gedacht, die erst nach einer genauen Planungsphase erfolgen können.

Qualität vor bloßem Bestand
Auf die Frage, wie die 20-Minuten-Versorgung in Thüringen gewährleistet bleiben soll, wenn nicht jedes Krankenhaus überleben kann, erklärte Katharina Schenk: „Nur weil irgendwo ein Krankenhaus ist, heißt das nicht, dass Sie dort die beste medizinische Versorgung bekommen“. Sie betonte, dass die Qualität der Versorgung von der Menge der Eingriffe abhängt. Ziel sei es, die Erreichbarkeit und die Qualität in den Fokus zu stellen und alternative Versorgungsmodelle wie Teilambulantisierung oder sektorenübergreifende Versorger zu prüfen. Es dürfe nicht darum gehen, Kliniken nur des Bestandes wegen zu erhalten, wenn dies zu einer schlechteren medizinischen Qualität führe.

Das heute im Kabinett beschlossene Programm sei ein „glücklicher Moment“, so Katja Wolf, denn viele in Thüringen hätten sehnsüchtig darauf gewartet. Es ist ein wichtiger Schritt, um die Gesundheitsversorgung im Freistaat in einer kritischen Übergangsphase zu sichern.

Ein Biss Heimat: Die unvergesslichen Fast-Food-Legenden der DDR

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Fast Food im Osten – das war weit mehr als nur ein schneller Happen. Es war eine Kultur für sich, eine Antwort auf den Alltag, ein Stück Heimat, das man auf die Hand bekam. Vergessen Sie Burger mit drei Saucen; in der DDR war Fast Food deftig, schnell und manchmal das Beste am ganzen Tag. Es roch nach Alltag und schmeckte nach Zuhause. Hier sind einige der unvergesslichen Klassiker, die bis heute Erinnerungen wecken:

• Der Broiler: König der Fast-Food-Kultur Keiner nannte ihn Brathähnchen. Der Broiler war der unangefochtene König der ostdeutschen Fast-Food-Kultur. Außen knusprig mit einer würzigen Kruste und goldener Haut, innen dampfend, würzig und zart. Man aß ihn mit den Händen, die Finger wurden fettig, und das Lächeln war groß. Es gab ihn in speziellen Broilerbars, am Imbiss oder bei Großveranstaltungen. Dazu gab es Kartoffelsalat oder einfach eine Semmel und einen Klecks Bautz’ner Senf. Der Broiler war „greifbarer Luxus“ und ein „Feiertag im Alltag“.

• Die Ketwurst: Eine ostdeutsche Innovation Länglich, heiß und saftig, tief im Brötchen steckend und manchmal auf die Finger tropfend – das war die Ketwurst. Sie war eine Eigenentwicklung, schnell, praktisch und anders. Erfunden in Berlin, wurde das Brötchen vorgebohrt, damit die Wurst genau hineinpasste. Dazu kam eine kräftige Sauce aus Tomate, Paprika und Senf, süßlich-würzig und manchmal leicht scharf. Die Ketwurst war keine billige Kopie des Hotdogs, sondern „etwas eigenes, etwas Ostdeutsches, etwas das blieb“.

• Die Grilletta: Der DDR-Burger vor seiner Zeit 1982 erfunden, um der Jugend etwas auf die Hand zu geben: Die Grilletta. Ein Sauerteigbrötchen, rund und einseitig kross, gefüllt mit einer dicken Bulette aus Schweinefleisch. Manchmal kam Ketchup, Senf oder Chutneysauce dazu. Verkauft an Bahnhöfen, in Konsumimbissen und auf Festen, war sie warm, fettig und sättigend. Obwohl das Brötchen oft auseinanderbrach und die Sauce lief, war sie ein Genuss – das ostdeutsche Streetfood, bevor es den Begriff gab.

• Die Kruster: Pizza auf Ostdeutsch Die Kruster war Ostdeutschlands Antwort auf Pizza. Eckig, rustikal und voller Ideen, bestand sie aus einem Hefeteig, oft mit Roggenmehl. Belegt wurde sie mit dem, was da war: Jagdwurst, Zwiebeln, Letscho, Schmelzkäse, vielleicht Paprika oder manchmal auch ein Ei. Ihre Besonderheit lag nicht in der Exotik, sondern in der Fantasie und der Fähigkeit, satt zu machen. In den Siebzigern gab es sogar eigene Krusterstuben.

• DDR Currywurst: Wurst und Sauce ohne Firlefanz Manchmal süß, manchmal scharf, rot und dickflüssig – die DDR Currywurst klebte an allem: Wurst, Fingern, Erinnerungen. Oft wurde sie ohne Darm serviert, in Scheiben geschnitten und mit einer kräftigen Tomatensauce übergossen. Diese Sauce, mit Tomatenmark, Zucker, Senf, Curry und Paprika, hatte es in sich, und jede Bude hatte ihr eigenes Geheimnis. Sie war das Feierabendessen für viele und ein Imbissstand-Klassiker, der nach Straße, Alltag und Leben schmeckte.

• Die Thüringer Roster: Ein Grill-Ritual Sie zischte, duftete und machte alles besser: Die Thüringer Roster. Eine Wurst aus Schweinefleisch, gewürzt mit Majoran, Knoblauch und Kümmel, die „richtig“ auf Holzkohle gegrillt wurde, nicht im Elektrogrill. Serviert im Brötchen oder auf dem Teller, aber immer mit Senf. Die Roster war kein Snack, sondern ein Ritual, das zu Fußballplätzen, Gartenfesten und Maifeiern gehörte. Ein deftiger Biss und für einen Moment war alles gut.

• Bockwurst im Brötchen: Der verlässliche Alltagsbegleiter An der Kaufhalle, am Bahnhof, vorm Kulturhaus – die Bockwurst im Brötchen war überall. Warm, schnell, verlässlich. Man bekam sie auf die Hand, manchmal dampfend, oft mit einem Tropfen Senf, natürlich aus Bautzen. Das Brötchen war nicht immer frisch, aber die Wurst war es und sie machte satt. Sie war nicht spektakulär, aber ein Stück Alltag, das man nicht vergisst.

• Pfannkuchen: Das süße Fest im Alltag Flauschig, süß und zuckerumhüllt – der Pfannkuchen, den im Osten niemand Berliner nannte. Ein Klassiker bis heute. Rund, goldgelb frittiert, gefüllt, meist mit Himbeer- oder Erdbeermarmelade, manchmal Pflaume. Namen waren regional unterschiedlich: In Berlin Pfannkuchen, in Sachsen Kreppel, in Thüringen Ballen. Sie gehörten zu Feiertagen, Geburtstagen und Silvester.

• Die Gulaschkanone: Zusammenhalt in dampfender Form Wenn der Duft von Kassler und Majoran über die Festwiese zog, war die Gulaschkanone nicht weit. Dieser riesige, mobile Kochtopf auf Rädern servierte ehrliche Hausmannskost. Klassiker waren die Linsen- und Erbsensuppe: herzhaft, dick, mit Kartoffelstücken, salzigen Kasslerwürfeln und einem Schuss Essig. Sie war ein Zeichen der Versorgung und ein Symbol dafür, dass für alle gesorgt wurde – „Zusammenhalt in dampfender Form“.

• Mutzbraten: Gemeinschaft am Spieß Rauch in den Haaren, Fett auf dem Teller, Wärme im Bauch – der Mutzbraten. Durchzogen von Fett und Pfeffer, außen knusprig, innen zart, gewürzt mit Majoran, Kümmel, Knoblauch und stundenlang über offenem Feuer gedreht. Er kam aus Thüringen, war aber in der ganzen DDR beliebt. Er war ein Festessen für draußen, für Volksfeste, und bedeutete vor allem Zeit und Gemeinschaft.

• Karlsbaderschnitte: Schnell, gut, sättigend Eine Scheibe Weißbrot, mit Butter bestrichen, Tomatenmark für die, die es mochten, belegt mit Schinken oder Jagdwurst und oben drauf Käse – das war die Karlsbaderschnitte. Überbacken im Ofen, verfeinert mit einem Klecks Dresdner Worcestersoße, war sie außen knusprig, innen cremig und nie kompliziert. Ein Abendbrot, wenn es schnell gehen musste, aber gut werden sollte.

• Arme Ritter: Süßes Abendbrot mit Gefühl Aus übrig gebliebenen Weißbrotscheiben, Milch, Ei und Zucker entstand etwas Süßes, Warmes, Tröstliches: Arme Ritter. Das Brot wurde in Butter getränkt, gebraten und mit Zimt und Zucker bestreut. Dazu gab es Apfelmus oder einfach „einen Löffel Liebe“. Sie waren nie spektakulär, aber immer „genau richtig“ und schmeckten nach Kindheit.

• Würzfleisch: Feierlichkeit auf dem Teller Klein geschnittenes, gekochtes, gezupftes Fleisch, gebettet in einer hellen, würzigen Soße in kleinen Porzellanschälchen, mit geriebenem Käse im Ofen goldbraun überbacken. Dazu ein Spritzer Dresdner Worcestersoße und ein Zitronenschnitz. Das Würzfleisch war die volkstümliche Variante aus dem Osten, oft aus Hähnchen oder Schwein, eben aus allem, was verfügbar war. Mit Toast serviert, war der Geschmack cremig und kräftig – „ein bisschen Feierlichkeit auf ostdeutschen Tellern“.

• Gebackener Blumenkohl: Vegetarischer Klassiker Der gekochte Kohlkopf wurde zerteilt, in geschlagenem Ei gewendet und paniert, dann in heißem Fett goldgelb gebraten. Gebackener Blumenkohl war das vegetarische Hauptgericht der DDR, noch bevor das Wort vegetarisch Alltag wurde. Serviert mit Salzkartoffeln oder pur, war er außen knusprig, innen zart, und niemand war enttäuscht, obwohl kein Fleisch dabei war.

• Strammer Max: Deftig und verlässlich Ein Stück Brot, dick mit Butter bestrichen, darauf eine Scheibe Schinken und oben drauf ein Spiegelei, gelb wie die Sonne – der Stramme Max. Schnell gemacht, immer da. Man aß ihn mit Messer und Gabel oder einfach mit der Hand; jeder Bissen war knusprig, weich und deftig zugleich. Wer nichts im Haus hatte, machte einen Strammen Max und hatte plötzlich alles.

• Speckfettbäemme: Pure DDR-Küche Einfaches Brot, bestrichen mit warmem Speckfett, oben drauf Salz, Pfeffer, vielleicht Zwiebeln und eine Gewürzgurke aus dem Spreewald – die Speckfettbemme. Sie war das Gegenteil von Diätkost, aber ehrlich. Sie machte satt, gab Kraft und schmeckte nach Ofenwärme und Heimat – „pure DDR-Küche“, die man nicht vergisst.

• Quarkkeulchen: Das süße Finale Ein Rest gekochter, gepresster Kartoffeln, etwas Quark, Mehl, Ei und Zucker – daraus wurden Quarkkeulchen. Kleine, deftige Küchlein, in der Pfanne goldbraun gebraten und innen weich. Dazu gab es Apfelmus oder Heidelbeerkompott oder einfach nur Zucker und Zimt. Kinder liebten sie, Erwachsene auch; sie waren das süße Finale eines Tages und manchmal auch der Anfang einer schönen Erinnerung.

• Schokoladensuppe: Wärme auf dem Löffel Aus Milch und Kakao entstand keine heiße Schokolade, sondern Schokoladensuppe. Flüssige Wärme, süß und tiefbraun, mit Zwieback, der darin wie kleine Inseln schwamm. Sie war kein Dessert, sondern Hauptgericht an grauen Tagen. Schnell, günstig, gut – wie so vieles im Osten. Wer den Teller ausleckte, wusste: „das ist keine Nachspeise, das ist Erinnerung in Esslöffelgröße“.

Diese 20 Gerichte waren einfach gemacht, aber nie vergessen. Sie rochen nach Alltag, schmeckten nach Zuhause und bewiesen eines: Schnelles Essen kann trotzdem voller Gefühl sein.