Es ist eine Geschichte von geopolitischem Kalkül und persönlichem Abenteuer. Tausende DDR-Arbeiter schufen in der Sowjetunion ein Jahrhundertbauwerk, dessen stählerne Adern bis heute den Kontinent versorgen.
Im Osten Deutschlands nennt man sie bis heute fast ehrfürchtig „die Trasse“. Im Westen sprach man nüchtern vom „Erdgasröhrengeschäft“. Doch egal wie man es nennt: Die Erschließung der sowjetischen Gasfelder in den 1970er und 80er Jahren war die wohl größte Baustelle des 20. Jahrhunderts – und ein Kuriosum des Kalten Krieges. Denn während sich die Blöcke politisch unversöhnlich gegenüberstanden, arbeiteten sie wirtschaftlich an einem gigantischen Tauschhandel.
Das Prinzip: Rohre gegen Gas
Der Deal war simpel und doch komplex: Die Sowjetunion besaß riesige Erdgasvorkommen, aber es fehlte an Infrastruktur, diese in den Westen zu transportieren. Der Westen, hungrig nach Energie, lieferte Spezialrohre, modernste Technik und gewährte Milliardenkredite. Die sozialistischen Bruderstaaten, allen voran die DDR, lieferten die Arbeitskraft. Der Lohn für alle Beteiligten: Erdgas.
Für die DDR begann dieses Kapitel im Jahr 1975. Unter dem Namen „Drushba-Trasse“ (Freundschaft) startete der Bau der Pipeline „So-yuz“. Sie sollte sich über 2.750 Kilometer vom östlichen Rand Europas in Orenburg bis zur ukrainischen Westgrenze bei Uschhorod erstrecken. Die DDR übernahm dabei einen Abschnitt von rund 550 Kilometern.
Abenteuer im Osten
Für die mehr als 25.000 DDR-Bürger, die in den folgenden Jahren in die Sowjetunion aufbrachen, war die Trasse mehr als nur Arbeit. Es war ein Ausbruch aus dem Alltag, ein Abenteuer in der endlosen Weite, oft unter extremen klimatischen Bedingungen. Sie lebten in Barackensiedlungen, kämpften gegen Schlamm im Sommer und klirrende Kälte im Winter, und verdienten dabei deutlich besser als in der Heimat.
Nach der Fertigstellung der „Drushba“-Leitung 1979 war der Hunger nach Energie noch nicht gestillt. In den 80er Jahren folgte das zweite Großprojekt: Die Erschließung der Gasfelder von Urengoi (im Text als Ulan-Goy referenziert), die mit Westeuropa verbunden werden sollten. Diesmal wurde das Vorhaben als „Zentrales Jugendobjekt Erdgastrasse“ politisch aufgeladen. Die DDR verlegte hier insgesamt 1.000 Leitungskilometer.
Ein bleibendes Erbe
Wenn man heute auf die Energiekarte Europas blickt, sieht man das Erbe dieser Zeit. Die Pipelines, die damals durch den Einsatz westlicher Technik und östlicher Arbeitskraft in den Boden gelegt wurden, sind keine Relikte der Vergangenheit. Sie sind bis heute zentrale Arterien der europäischen Energieversorgung. Die Geschichte der Trasse ist damit nicht nur ein Kapitel der DDR-Historie, sondern ein fundamentales Stück europäischer Wirtschaftsgeschichte.


Erfurt – Es ist ein straffes Programm, das dem Thüringer Landtag in den letzten Wochen des Jahres 2025 bevorsteht. Andreas Bühl, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, skizzierte auf der Landespressekonferenz am Dienstag nicht nur einen parlamentarischen Marathon mit drei Plenarsitzungen, sondern richtete auch deutliche Worte an die politische Konkurrenz – sowohl an die Verhandlungspartner der Linken als auch an die AfD.
Erfurt. In der Landespressekonferenz am Dienstag, dem 2. Dezember 2025, hat der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke einen harten Konfrontationskurs sowohl gegen die Thüringer Landesregierung als auch gegen die Justiz angekündigt. Neben der kategorischen Ablehnung des aktuellen Haushaltsentwurfs standen vor allem ein neues Urteil zur Verfassungstreue im öffentlichen Dienst und geopolitische Grundsatzfragen im Fokus.
Wir leisten, wir funktionieren, wir passen uns an. Doch oft ist der Preis dafür unsere seelische Gesundheit. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz diagnostiziert einer ganzen Gesellschaft einen „Gefühlsstau“. Seine These: Wer nicht liebt, muss leisten – und wer sich selbst nicht spürt, macht andere krank.
Ich bin 1967 in Burg bei Magdeburg geboren. Ossi – dieses Wort ist für mich keine Zuschreibung, sondern Biografie. Kindheit in der DDR, Schule, Jugend, ein festes Koordinatensystem aus Gewissheiten, Regeln, Grenzen. Ich habe das alles erlebt, ohne es einordnen zu können, weil man als Kind nicht einordnet. Man lebt. Man nimmt hin. Man lernt, sich zu orientieren in dem, was da ist. Erst viel später versteht man, was einen eigentlich geprägt hat.
Die Deutsche Demokratische Republik verfügte über eines der dichtesten Netze an Kinderbetreuungseinrichtungen. Bis zum Jahr 1989 existierten über 7.700 Einrichtungen, die rund 80 Prozent der Kinder unter drei Jahren betreuten. Diese hohe Versorgungsdichte war das Ergebnis einer gezielten Sozialpolitik. Eine Analyse der Psychoanalytikerin Agathe Israel untersucht die Hintergründe dieser staatlichen Betreuung, die pädagogische Praxis und die Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder.
Eine Kolumne über die schwierige Kunst, die eigene Vergangenheit zu lieben, ohne die Umstände zu verklären.
Wer heute an seine Kindheit in der DDR zurückdenkt, hat oft sofort einen ganz bestimmten Geruch in der Nase. Es ist eine Mischung aus Ordnung und Geborgenheit, die eine ganze Generation verbindet. Ein Streifzug durch eine vergangene Welt aus Linoleum und Pressspan.
Ein Rückblick auf den September 1986: Das DDR-Magazin „Prisma“ deckt auf, warum Bewohner in der Altmark ganze Urlaubstage opfern müssen, um sich die Haare schneiden zu lassen – und wie Bürokratie und fehlender Wille das Leben auf dem Land erschweren.
Zwei westdeutsche YouTuber bereisen Ostdeutschland wie eine fremde „Map-Erweiterung“ in einem Videospiel. Was als satirischer „Fiebertraum“ beginnt, entwickelt sich zu einer der treffendsten Analysen der ostdeutschen Seele, die das Netz derzeit zu bieten hat.