„Gesinnungsstaat“ und Haushaltsblockade: Höckes Rundumschlag vor dem Dezember-Plenum

Erfurt. In der Landespressekonferenz am Dienstag, dem 2. Dezember 2025, hat der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke einen harten Konfrontationskurs sowohl gegen die Thüringer Landesregierung als auch gegen die Justiz angekündigt. Neben der kategorischen Ablehnung des aktuellen Haushaltsentwurfs standen vor allem ein neues Urteil zur Verfassungstreue im öffentlichen Dienst und geopolitische Grundsatzfragen im Fokus.

Frontalangriff auf die Justizpolitik
Den schärfsten Ton schlug Höcke beim Thema Justiz an. Hintergrund ist ein aktuelles Urteil bzw. Gesetz, das die Anforderungen an die Verfassungstreue von Richtern und Beamten neu regelt. Höcke bezeichnete dies als einen „tiefen Eingriff in die Meinungs- und Berufswahlfreiheit“. Er warnte vor einem drohenden „Gesinnungsstaat“, in dem Juristen einem enormen „Konformitätsdruck“ ausgesetzt seien.

Die AfD-Fraktion kündigte an, das Gesetz im Falle einer Regierungsbeteiligung sofort rückgängig machen zu wollen („Status quo ante“). Bis dahin erwäge man, betroffene Juristen, die aufgrund der neuen Regelungen abgelehnt werden, juristisch zu unterstützen – notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Bemerkenswert war Höckes offenes Misstrauen gegenüber dem Thüringer Verfassungsgerichtshof. Er kritisierte dessen Unabhängigkeit und griff den Präsidenten des Gerichts persönlich für dessen Äußerungen in der Öffentlichkeit an.

Außenpolitik: „Deutschland ist kein souveräner Staat“
Obwohl es sich um eine Landespressekonferenz handelte, nutzte Höcke das Podium für bundes- und geopolitische Einlassungen. Auf Nachfrage wiederholte er seine These, Deutschland sei kein souveräner Staat mehr, da zentrale Kompetenzen an supranationale Organisationen wie die NATO, die EU oder die WHO abgegeben worden seien.

In diesem Kontext positionierte er sich auch zur Wehrpflicht: Zwar befürworte die AfD diese grundsätzlich, lehne eine Wiedereinführung unter den aktuellen politischen Vorzeichen jedoch ab. Man wolle nicht, dass deutsche Soldaten für „fremde Interessen“, etwa in der Ukraine, „verheizt“ würden.

Höcke bekräftigte zudem den pro-russischen Kurs seiner Fraktion. Er wies der NATO-Osterweiterung eine Mitschuld am Ukraine-Krieg zu und lobte Wladimir Putin als „Politik-Profi“ mit historischem Wissen, der rational nationale Interessen verfolge – eine Eigenschaft, die er der deutschen Bundesregierung absprach. Deutsche Interessen definierte Höcke primär als „Frieden in Europa“ und die Sicherung günstiger Energieimporte aus Russland.

Kampfansage an den „Brombeer“-Haushalt
Mit Blick auf die kommende Plenarwoche im Thüringer Landtag erteilte die AfD dem Haushaltsentwurf der Regierungskoalition eine klare Absage. Höcke kritisierte den Entwurf als bloße Fortsetzung der Politik der Vorgängerregierung Ramelow.

Stattdessen kündigte die Fraktion einen eigenen, alternativen Haushalt an, der ohne Neuverschuldung auskommen soll. Zudem will die AfD den juristischen Weg beschreiten: Es soll eine Klage gegen die ausgesetzte Tilgung der Corona-Notfallkredite eingereicht werden. Die Nicht-Tilgung betrachtet die Fraktion als verfassungswidrig.

Der Auftritt am Dienstag verdeutlichte die Strategie der Thüringer AfD für die kommenden Monate: Fundamentalopposition im Parlament, gepaart mit einer Delegitimierung richterlicher Entscheidungen und einer fortgesetzten Thematisierung geopolitischer Narrative, die sich gezielt gegen den westlichen Bündniskonsens richten.

Aufstand gegen Hermann Kant: Berliner Autoren fordern Wandel

Im Klub der Kulturschaffenden herrscht dichte Rauchluft, als vierundzwanzig Schriftsteller an diesem grauen Tag ihre Unterschrift unter ein Papier setzen, das den endgültigen Bruch besiegelt. Es ist Mitte Dezember in Berlin, die Mauer ist offen, und die Geduld mit den alten, verknöcherten Strukturen ist bei den Anwesenden endgültig aufgebraucht. Am 15. Dezember 1989 erklären Berliner Autoren um Helga Schubert und Joachim Walther ihren Austritt aus der Bevormundung durch den Verbandspräsidenten Hermann Kant. Sie verweigern der Führung die Gefolgschaft, nachdem diese Reformen blockierte, und fordern in einem scharfen historischen Dokument eine sofortige Neugründung ihres Berufsverbandes.

Das System der FDGB-Ferien: Organisierte Erholung und ihre Grenzen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gab diesen einen Moment im Jahr, der in vielen Familien über die Stimmung der kommenden Monate entschied – der Tag, an dem im Betrieb die Urlaubsplätze verteilt wurden. Teaser: Wer einen der begehrten „Ferienschecks“ des FDGB ergatterte, hielt nicht einfach nur eine Buchungsbestätigung in der Hand, sondern ein Dokument der Zuteilung. Für einen fast symbolischen Preis von oft kaum mehr als 30 Mark für zwei Wochen Vollpension garantierte der Staat Erholung. Es war eine Zeit, in der der Wert einer Reise nicht in Geld bemessen wurde, sondern in Beziehungen, Dringlichkeit und Glück. Die ökonomische Logik war außer Kraft gesetzt: Weil der Preis keine Hürde darstellte, wollte jeder zur besten Zeit an den besten Ort, was eine permanente Knappheit erzeugte, die verwaltet werden musste. In den Ferienheimen selbst entstand eine Zwangsgemeinschaft auf Zeit, die soziale Schichten nivellierte, wie es kaum ein anderer Bereich des Lebens vermochte. Im Speisesaal saß der Professor neben dem Schichtarbeiter, beide aßen das gleiche standardisierte Essen, beide unterlagen der gleichen Hausordnung. Es war eine Welt der organisierten Sorglosigkeit, in der man sich um nichts kümmern musste – weder um das Einkaufen noch um das Kochen –, solange man bereit war, sich in das Kollektiv einzufügen. Hinter den Kulissen jedoch blühte oft der Tauschhandel. Betriebe, die über knappe Ressourcen verfügten, konnten für ihre Belegschaften bessere Kontingente aushandeln als Verwaltungen, die nichts anzubieten hatten. So wurde der Urlaubsplatz zur Währung in einer Schattenwirtschaft, die das starre Plansystem flexibilisierte. Der Rückblick auf diese Ära ist heute oft ambivalent. Die Freiheit, heute reisen zu können, wohin man will, ist unbestritten ein Gewinn. Doch die Erinnerung an eine Zeit, in der Erholung nicht vom Kontostand abhing, bleibt als ein spezifisches ostdeutsches Erfahrungsmoment bestehen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die staatliche Organisation der Erholung war in der DDR nicht nur eine sozialpolitische Maßnahme, sondern eine administrative Notwendigkeit, um den Binnendruck in einer geschlossenen Gesellschaft zu regulieren. Teaser: Der FDGB fungierte als gigantischer Reiseveranstalter, der ein flächendeckendes Netz aus eigenen Heimen und Vertragsunterkünften verwaltete. Da Reisen in das westliche Ausland unmöglich waren, konzentrierte sich die Sehnsucht von Millionen auf die begrenzten Kapazitäten im Inland, insbesondere an der Ostseeküste. Ökonomisch basierte das System auf einer radikalen Subventionierung. Die Nutzerpreise deckten nur einen Bruchteil der realen Kosten, was den Urlaub einerseits für jede Einkommensschicht erschwinglich machte, andererseits aber eine chronische Unterfinanzierung der Infrastruktur zur Folge hatte. Die Diskrepanz zwischen dem politisch gewollten niedrigen Preis und dem hohen Instandhaltungsaufwand führte spätestens in den 1980er Jahren zu einem sichtbaren Verfall vieler Objekte. Die Verteilung der Plätze über die Betriebe folgte offiziell sozialen Kriterien, in der Praxis jedoch oft auch der Nützlichkeit. Der „Ferienscheck“ wurde zu einem Instrument der Belohnung und Disziplinierung. Gleichzeitig etablierte sich eine informelle Ebene, auf der Betriebe untereinander Tauschgeschäfte abwickelten – Material gegen Betten –, um die starren Planvorgaben zu umgehen. Mit der Wende 1989/90 verlor dieses System seine Geschäftsgrundlage. Die Privatisierung der Heime und die neue Reisefreiheit beendeten die Ära der Zuteilungswirtschaft. Was bleibt, ist die historische Beobachtung eines Versuchs, Erholung als staatliche Daseinsvorsorge zu organisieren, der an seinen eigenen ökonomischen Widersprüchen scheiterte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Urlaub in der DDR war paradox: Er war extrem billig und dennoch ein Luxusgut, das man nicht kaufen, sondern nur zugeteilt bekommen konnte. Teaser: Das System entkoppelte den Konsum vom Geldbeutel. Wer viel verdiente, hatte keinen automatischen Zugriff auf bessere Hotels; wer wenig verdiente, wurde nicht ausgeschlossen. Diese Gleichmacherei im Standard – oft Etagendusche und einfache Kost – schuf eine spezifische soziale Erfahrung der Ähnlichkeit. Doch die Kehrseite war die Entmündigung. Der Urlauber war kein Kunde, der Forderungen stellen konnte, sondern ein Empfänger staatlicher Leistungen. Er musste sich in die Abläufe des Heimes einfügen, von der Tischordnung bis zum Kulturplan. Die Erinnerung an diese Zeit schwankt oft zwischen der Wärme der sozialen Sicherheit und der Kälte der Bevormundung. Es war eine Nische der Berechenbarkeit, die den Einzelnen entlastete, ihm aber auch die individuelle Gestaltungshoheit nahm. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5DoY8wGe8Vo