
Ilmenau – Es ist die Geschichte einer Rückkehr, die nicht im Stillen stattfinden durfte. Als Wolfgang Mayer in seine Heimatstadt Ilmenau zurückkehrte, erwartete ihn kein normales Leben, sondern ein groteskes Schauspiel staatlicher Paranoia. In einem Zeitzeugenbericht schildert Mayer, wie der DDR-Staatsapparat versuchte, ihn und seine Mitstreiter zu isolieren – und dabei an der Solidarität der Bevölkerung und einem mutigen Pfarrer scheiterte.
Von außen wirkte das Haus in der Ilmenauer Stadtmitte vielleicht ruhig, doch der Schein trog. „Das Haus war maximal bis zu 14 Leuten umstellt“, erinnert sich Wolfgang Mayer. Die Staatssicherheit hatte einen Belagerungsring um ihn und seine Gruppe gezogen. Das Ziel: totale Kontrolle. Die Angst der Behörden war greifbar. Man befürchtete, die Gruppe könnte erneut nach Berlin reisen, um eine Botschaft zu besetzen – etwa die ägyptische – um so die Ausreise zu erzwingen.
Mayer beschreibt die Atmosphäre nach seiner Ankunft als gespalten, aber überwiegend solidarisch. „Es war ein Sturm der Sympathie“, sagt er rückblickend. Wildfremde Menschen klopften ihm auf die Schulter. Der Tenor: Endlich hat denen mal jemand „eins auf die Nuss gegeben“. Für viele Bürger, die ihren Unmut oft nur im Privaten äußerten, wurden Mayer und seine Gruppe zu Projektionsflächen des eigenen Widerstandsgeistes.
Doch es gab auch die andere Seite. Etwa ein Viertel der Menschen, darunter ehemalige Arbeitskollegen, mieden den Kontakt. Sie wechselten die Straßenseite, sobald sie Mayer sahen – teils aus ideologischer Überzeugung, teils aus nackter Angst vor Repressalien.
Der Alltag der Überwachten war geprägt von Schikanen. Ständige Vorladungen zur Kreisdienststelle und Hausdurchsuchungen sollten zermürben. Die Überwachung machte auch vor dem Privatleben nicht halt. Selbst der sonntägliche Kirchgang wurde zur Staatsaffäre: „Zwei bis drei Leute haben sich uns an die Fersen geheftet“, berichtet Mayer.
Dabei kam es zu Szenen von unfreiwilliger Komik. Der katholische Pfarrer, der die Situation bemerkte, drehte den Spieß kurzerhand um. Anstatt die Agenten zu ignorieren, versuchte er, sie noch während der Beschattung zu bekehren – eine Situation, die die Absurdität des Überwachungsstaates bloßstellte.
Besonders perfide war der Versuch der Stasi, die Gruppe kommunikativ zu isolieren. Telefonate mit westlichen Journalisten waren so gut wie unmöglich; die Leitungen wurden systematisch unterbrochen, sobald ein Gespräch in den Westen aufgebaut wurde. Doch die Überwacher hatten die Rechnung ohne die Kirche gemacht.
Mayer und seine Mitstreiter fanden eine entscheidende Lücke im System: das Telefon des Pfarrers. Während die Anschlüsse der „Staatsfeinde“ streng kontrolliert wurden, traute sich die Stasi offenbar nicht, die Leitung des Geistlichen zu kappen. Das Gemeindehaus wurde so zum konspirativen Pressezentrum. Hier konnten Mayer und seine Gruppe ungestört Interviews geben, unter anderem der dänischen Tageszeitung Berlingske Tidende.
Mayers Bericht ist ein eindrückliches Dokument deutsch-deutscher Geschichte. Er zeigt, wie ein übermächtiger Sicherheitsapparat mit enormem Aufwand versuchte, Einzelne zu brechen – und wie Zivilcourage und kreativer Widerstand diesen Apparat immer wieder ins Leere laufen ließen.



Ein Rückblick auf den 8. August 2020: Wie ein skurriler Aufmarsch der FDJ die Stadt Jena provozierte und eine seltene politische Einigkeit erzeugte.
Wenn man heute, mit dem Abstand von Jahrzehnten, auf die Weihnachten in der DDR zurückblickt, verblassen die grauen Fassaden und die Mangelwirtschaft oft hinter einem Gefühl, das bis heute wärmt: eine tiefe, fast trotzige Geborgenheit. Es ist ein Rückblick auf eine Zeit, in der das Fest weniger von dem bestimmt war, was man kaufen konnte, sondern von dem, was man daraus machte.
Jeder kennt ihn, den Berliner Fernsehturm. Er steht da, stolz, glänzend, unerschütterlich – Symbol des Ostens, Wahrzeichen der Hauptstadt. Und doch erzählt er eine Geschichte, die so widersprüchlich ist wie die Stadt selbst.
Wenn heute über die DDR gesprochen wird, dann meist in den klaren Rollenverteilungen von Tätern und Opfern. Auf der einen Seite die Überwacher, die Spitzel, die Apparate der Macht. Auf der anderen Seite die Verfolgten, die Dissidenten, die Mutigen, die sich dem System entgegenstellten. Doch dazwischen – da war das Leben. Und dieses Leben wird heute kaum noch erzählt.
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Eigentlich ist jetzt die Zeit der Ruhe. Viele nehmen sich vor, abzuschalten. Ich sehe das anders. Ich werde den Laptop nicht zuklappen. Gerade weil der Lärm im Netz so laut ist, ist Schweigen die falsche Antwort. Ich lese eure Kommentare und teile meine Sicht – nicht um recht zu haben, sondern weil Austausch das Einzige ist, was uns bleibt.
Ein junger Mann steigt in einen Zug, um zu einer Geburtstagsfeier zu fahren, und kommt in einem Sarg zurück. Die offizielle Version: Suizid. Die Wahrheit: Ein politisches Verbrechen.
Der Anfang einer Weltkarriere begann unspektakulär bei einem Spaziergang einer Kindergartengruppe in Karl-Marx-Stadt. Es war nicht der Ehrgeiz der Eltern, der Katarina Witt auf das Eis brachte, sondern der eigene Wunsch eines Mädchens aus der Arbeiterklasse. Dass der Vater in der Landwirtschaft und die Mutter im Gesundheitswesen tätig waren, spielte keine Rolle. Im Sportsystem der DDR hing der Zugang zu Förderung nicht vom Geldbeutel der Eltern ab, sondern von der Eignung des Kindes. Witt wurde gesichtet, weil sie auf dem nassen Eis nicht stürzte, und in eine Maschinerie aufgenommen, die Talente systematisch zu Medaillengewinnern formte.