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Die Loyalitätsfalle: Warum Kritik an DDR-Krippen oft als Angriff auf die eigenen Eltern empfunden wird

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Wer heute in sozialen Netzwerken Diskussionen über DDR-Kinderkrippen verfolgt, stößt schnell auf heftige Reaktionen. Kaum ist von Wochenkrippen, früher Trennung von den Eltern oder fehlender Eingewöhnung die Rede, melden sich Menschen zu Wort, die ihre eigene Kindheit verteidigen. „Mir hat es nicht geschadet“, schreiben sie. Andere erzählen von Freunden, Spielen im Gruppenraum oder Erzieherinnen, an die sie sich noch heute gern erinnern.

Auffällig ist dabei oft weniger die Erinnerung selbst als die Vehemenz, mit der sie vorgetragen wird.
Denn die Debatte berührt für viele nicht nur eine Institution der DDR, sondern die eigene Familie.
Wer in den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren aufwuchs, erlebte meist, dass beide Eltern arbeiteten. Viele Mütter brachten ihre Kinder früh morgens in die Krippe, bevor sie selbst in die Fabrik, ins Büro oder ins Krankenhaus gingen. Nicht wenige Kinder verbrachten dort einen großen Teil ihres Tages. Für viele Familien gehörte das zum normalen Alltag. Es war nichts Besonderes, sondern selbstverständlich.

Wird heute darüber diskutiert, ob diese frühe Betreuung für manche Kinder belastend gewesen sein könnte, taucht schnell eine unangenehme Frage auf: Hätten meine Eltern anders handeln müssen?

Für viele ist das kein abstrakter Gedanke. Es geht um die eigene Mutter, die morgens das Kind anzog und zur Krippe brachte. Um den Vater, der Schicht arbeitete und versuchte, die Familie durch den Alltag zu bringen. Um Menschen, die man geliebt hat und die nach eigener Überzeugung ihr Bestes gaben.

Genau deshalb wird Kritik am damaligen Krippensystem häufig persönlich genommen. Sie wird nicht als historische oder wissenschaftliche Fragestellung wahrgenommen, sondern als Zweifel an den Entscheidungen der eigenen Eltern.

Dabei gerät leicht aus dem Blick, unter welchen Bedingungen Familien damals lebten. Die Berufstätigkeit beider Eltern war politisch gewollt und wirtschaftlich notwendig. Kinderbetreuung gehörte zum Alltag der DDR. Die meisten Eltern handelten nicht aus Gleichgültigkeit, sondern innerhalb der Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung standen.

Vielleicht erklärt gerade das, warum die Diskussion bis heute so emotional geführt wird. Sie handelt nicht nur von Kinderkrippen, pädagogischen Konzepten oder historischen Studien. Sie handelt von Erinnerungen, von Familiengeschichten und von der Frage, wie Menschen ihre eigene Kindheit verstehen.

Wer darüber spricht, spricht oft auch über die Menschen, denen er sein Leben verdankt. Und deshalb fällt die Trennung zwischen persönlicher Erinnerung und historischer Betrachtung vielen schwerer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Das Monobanksystem der DDR: Wenn der Kredit im Plan stand

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Wenn in einem volkseigenen Betrieb eine neue Maschine angeschafft werden sollte oder zusätzliche Mittel für die Produktion benötigt wurden, führte der Weg nicht zu einer Bank, die über Chancen und Risiken entschied. Stattdessen war der Kredit Teil eines größeren Plans. Geld war in der DDR weniger ein Instrument unternehmerischer Entscheidungen als ein Baustein der staatlichen Wirtschaftslenkung.

Seit dem 1. Januar 1968 stand die Staatsbank der DDR im Zentrum dieses Systems. Aus der Deutschen Notenbank hervorgegangen, war sie weit mehr als eine klassische Zentralbank. Sie verwaltete nicht nur die Währung, sondern überwachte zugleich den Zahlungsverkehr und die Finanzierung der Betriebe. Damit bündelte sie Aufgaben, die in anderen Ländern auf verschiedene Banken verteilt waren.

Für die Beschäftigten in den volkseigenen Betrieben blieb das meist unsichtbar. Monat für Monat wurde der Lohn ausgezahlt, Rechnungen wurden beglichen, Produktionsmaterial bestellt. Hinter den Kulissen jedoch liefen die Geldströme über ein engmaschiges System staatlicher Kontrolle. Jeder VEB war verpflichtet, seine Konten bei den zuständigen Staatsbanken zu führen. Vorübergehend nicht benötigte Mittel blieben dort liegen. Der Zahlungsverkehr zwischen den Betrieben erfolgte fast vollständig bargeldlos.

Auch Kredite wurden nicht nach den Aussichten auf Gewinn oder Wachstum vergeben. Grundlage waren staatliche Kreditpläne, die festlegten, welche Betriebe Mittel erhielten und in welcher Höhe. Die Finanzierung orientierte sich an den Vorgaben der Wirtschaftsplanung. Parallel dazu regelten sogenannte Kassenpläne den Bargeldumlauf im Land – vom Geld für die Lohnzahlungen bis zu den Summen, die für den privaten Konsum benötigt wurden.

Die Staatsbank prüfte regelmäßig, ob die finanziellen Vorgaben eingehalten wurden. Konten, Zahlungsströme und Kreditmittel dienten dabei nicht nur der Finanzierung, sondern auch der Kontrolle. Zinsen spielten im Alltag der Planwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Wichtiger war die Frage, ob die geplanten Produktionsziele erreicht wurden.

Erst in den letzten Monaten der DDR begann sich dieses System aufzulösen. Im Frühjahr 1990 wurden die Funktionen von Zentralbank und Geschäftsbanken getrennt. Damit verschwand eine Institution, die über Jahrzehnte den Geldkreislauf der DDR geprägt hatte – von den Konten der Großbetriebe bis hin zu den Lohntüten der Beschäftigten.

Das teure Versprechen des Erich Honecker

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Als Erich Honecker 1971 die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ ausrief, kam das bei vielen DDR-Bürgern gut an. Nach Jahren, in denen vor allem Produktionszahlen und Wirtschaftspläne im Mittelpunkt gestanden hatten, rückte nun der Alltag der Menschen stärker in den Fokus. Neue Wohnungen entstanden in den großen Neubaugebieten, Renten wurden erhöht, Familien gefördert. Die Miete für eine Dreiraumwohnung blieb oft über Jahrzehnte nahezu unverändert. Ein Brot kostete wenige Pfennige, auch Strom, Gas und Fahrkarten waren für viele erschwinglich.

Für die Menschen bedeutete das Verlässlichkeit. Wer morgens zur Arbeit ging, musste sich über steigende Mietpreise oder hohe Energiekosten kaum Gedanken machen. Die niedrigen Preise gehörten zum Alltag wie die Kaufhalle um die Ecke oder die Straßenbahn auf dem Weg in den Betrieb.
Doch die Rechnung dafür wurde nicht an der Ladenkasse bezahlt. Der Staat glich die tatsächlichen Kosten mit immer höheren Zuschüssen aus. Jahr für Jahr flossen größere Summen in die Stützung von Mieten, Lebensmitteln, Energie und Dienstleistungen.

Gleichzeitig fehlte dieses Geld an anderer Stelle. In vielen Betrieben liefen Maschinen, die längst ersetzt werden mussten. Werkhallen wurden notdürftig instand gehalten, Ersatzteile improvisiert oder selbst angefertigt. Während in westlichen Fabriken moderne Anlagen Einzug hielten, arbeiteten viele DDR-Betriebe mit Technik, die oft schon Jahrzehnte alt war.

Für die Beschäftigten war dieser Widerspruch täglich sichtbar. Auf der einen Seite günstige Preise und soziale Sicherheit, auf der anderen Seite verschlissene Produktionsanlagen, Materialengpässe und immer wieder Probleme bei der Versorgung.

Um die Wünsche der Bevölkerung dennoch zu erfüllen, kaufte die DDR zunehmend Waren und moderne Technik im Ausland ein. Dafür wurden Kredite aufgenommen und Devisen benötigt, die die eigene Wirtschaft immer schwerer erwirtschaften konnte.

Ende der 1980er Jahre zeigte sich die Schieflage immer deutlicher. Die Wohnkosten blieben niedrig, viele Preise unverändert – doch gleichzeitig wuchs der Investitionsstau in Betrieben, Städten und Gemeinden. Straßen, Gebäude und Industrieanlagen zeugten vielerorts davon, dass über Jahre mehr Geld in den laufenden Verbrauch als in die Erneuerung geflossen war.

So entstand ein System, das den Alltag vieler Menschen absicherte, dessen wirtschaftliche Grundlage jedoch zunehmend unter Druck geriet. Die sozialen Versprechen blieben bestehen, während die Möglichkeiten, sie aus eigener Kraft zu finanzieren, immer kleiner wurden.

Was ist Jena ein Garten wert? Wessen Stadt ist Jena?

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Der Bericht der OTZ Jena über die Diskussion um die Kleingärten in Löbstedt enthält einen bemerkenswerten Satz von Oberbürgermeister Thomas Nitzsche. Es sei „blöd für die, die es trifft“, sagte er mit Blick auf die drohende Umwandlung von Kleingartenflächen in Gewerbegebiet. Aber irgendwo müsse man es eben machen.

Selten wird ein kommunalpolitischer Konflikt so offen beschrieben.
Denn hinter diesem Satz steht eine Grundhaltung, die weit über die Kleingärten von Löbstedt hinausreicht. Die Stadt braucht Flächen für Unternehmen. Unternehmen zahlen Gewerbesteuern. Mit diesen Einnahmen werden öffentliche Aufgaben finanziert. Die Rechnung klingt zunächst logisch.

Doch die Bürger in Löbstedt stellen eine andere Frage. Sie fragen nicht nach Gewerbesteuerprognosen oder Ansiedlungsstrategien. Sie fragen nach dem Wert dessen, was bereits vorhanden ist.

Die Gärten sind für sie keine Reserveflächen auf einer Planungskarte. Sie sind Orte der Erholung, Treffpunkte von Nachbarn und oft Teil einer Familiengeschichte, die Jahrzehnte zurückreicht. Dort werden Obstbäume gepflegt, Beete bestellt und Sommerabende verbracht. Solche Orte lassen sich nicht einfach an anderer Stelle neu errichten.

Interessant ist dabei weniger die konkrete Fläche als die politische Botschaft. Immer häufiger entsteht der Eindruck, dass Grünflächen, Kleingärten und Freiräume vor allem unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, welche wirtschaftliche Nutzung sie künftig noch erfahren könnten. Ihr Wert an sich scheint dagegen schwerer vermittelbar zu sein.

Natürlich braucht eine Stadt Arbeitsplätze. Natürlich muss sie wirtschaftlich handlungsfähig bleiben. Aber eine lebenswerte Stadt definiert sich nicht allein über Gewerbeansiedlungen und Steuereinnahmen. Sie definiert sich auch über die Orte, an denen Menschen gerne leben.
Der OTZ-Bericht macht deutlich, dass hier zwei Vorstellungen von Stadtentwicklung aufeinanderprallen. Auf der einen Seite die Logik von Wachstum, Flächenbedarf und wirtschaftlicher Vorsorge. Auf der anderen Seite die Frage, ob jede verfügbare Fläche irgendwann einer höheren Verwertung zugeführt werden muss.

Die Debatte in Löbstedt ist deshalb mehr als ein Streit um einige Kleingärten. Sie berührt die grundsätzliche Frage, wie Jena in Zukunft aussehen soll – als Stadt, die jeden verfügbaren Quadratmeter für weiteres Wachstum mobilisiert, oder als Stadt, die auch den Wert des Bestehenden verteidigt.

Die Antwort darauf wird nicht allein in Löbstedt gegeben.

Hotel Neptun: Eigentümerwechsel hinter den Kulissen

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Wer am Strand von Warnemünde entlanggeht, kommt am Hotel Neptun kaum vorbei. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1971 erhebt sich das Hochhaus direkt an der Promenade. Generationen von Urlaubern haben hier auf die Ostsee geblickt, Hochzeiten gefeiert, Familienfeste begangen oder einfach ein paar Tage am Meer verbracht.

Weniger sichtbar als die Fassade des Hotels sind die Veränderungen hinter den Kulissen. Seit 2015 gehört die Immobilie dem russischen Geschäftsmann Wladimir Melnichenko. Öffentlich bekannt wurde der Verkauf allerdings erst zwei Jahre später. Im September 2017 bestätigte die Deutsche Seereederei, dass das Gebäude bereits zuvor an eine Investmentgesellschaft des Unternehmers veräußert worden war.

Verkäufer war der Rostocker Unternehmer Horst Rahe. Mit dem Hotel Neptun wechselte damals auch das traditionsreiche Hotel Louis C. Jacob in Hamburg den Besitzer. Für die meisten Gäste blieb dieser Eigentümerwechsel zunächst kaum wahrnehmbar. Die Rezeption war weiterhin besetzt, die Zimmer wurden wie gewohnt vorbereitet und das Restaurant öffnete jeden Morgen seine Türen für die Frühstücksgäste.

Denn der Hotelbetrieb blieb in den Händen der DSR Hotel Holding. Sie führt das Haus bis heute als Betreibergesellschaft weiter. Eigentum und Betrieb sind damit voneinander getrennt – ein Modell, das in der Hotelbranche häufig anzutreffen ist, für Gäste jedoch meist im Hintergrund bleibt.

So steht das Hotel Neptun weiterhin dort, wo es seit mehr als fünf Jahrzehnten das Bild von Warnemünde prägt: direkt am breiten Sandstrand, mit Blick auf die Ostsee und die vorbeiziehenden Schiffe. Während Eigentümer wechseln können, bleibt das Haus für viele Menschen vor allem eines – ein vertrauter Orientierungspunkt an der Küste und Teil ihrer persönlichen Erinnerungen an Urlaubstage am Meer.

Konsum auf Pump: Der teure Alltag der DDR

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Als Erich Honecker 1971 die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ verkündete, sollte sich das Leben der Menschen spürbar verbessern. Die Mieten blieben niedrig, Brot kostete nur wenige Pfennige, Strom und Gas waren billig. Für viele Familien war das eine beruhigende Gewissheit. Das Geld reichte für den Alltag, auch wenn die Einkommen oft bescheiden waren.

Wer in einem Altbau in Leipzig, Rostock oder Halle wohnte, zahlte häufig nur einen Bruchteil dessen, was vergleichbare Wohnungen im Westen kosteten. Auch die Fahrt mit der Straßenbahn oder das Mittagessen in der Betriebskantine belasteten das Haushaltsbudget kaum. Der Staat übernahm einen großen Teil der tatsächlichen Kosten.

Doch während die Preise jahrzehntelang nahezu unverändert blieben, geriet die Rechnung dahinter immer mehr aus dem Gleichgewicht. Die Betriebe arbeiteten häufig mit veralteten Maschinen, Ersatzteile fehlten, Investitionen wurden verschoben. In vielen Fabrikhallen liefen Anlagen, die längst überholt waren. Das Geld floss nicht in die Modernisierung, sondern zunehmend in die Finanzierung des täglichen Konsums.

Die staatlichen Zuschüsse für Lebensmittel, Mieten, Energie und Dienstleistungen stiegen von 11,4 Milliarden Mark im Jahr 1970 auf 61,6 Milliarden Mark im Jahr 1988. Fast jede vierte Mark des Staatshaushalts wurde inzwischen dafür verwendet, die Preise künstlich niedrig zu halten.

Für die Menschen zeigte sich der Widerspruch im Alltag. Die Miete blieb günstig, doch vielerorts bröckelte der Putz von den Fassaden. Wohnungen wurden oft nur notdürftig instand gehalten. In den Geschäften waren Grundnahrungsmittel meist erhältlich, doch bei vielen anderen Waren begann die Suche. Wer einen Telefonanschluss, ein Auto oder moderne Haushaltsgeräte wollte, brauchte Geduld – manchmal über Jahre hinweg.

Gleichzeitig wuchs der Blick nach Westen. Farbfernseher, Hi-Fi-Anlagen oder andere begehrte Konsumgüter mussten zunehmend importiert werden. Dafür benötigte die DDR Devisen, die knapp waren. Die Auslandsverschuldung stieg, während die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes nicht im gleichen Maß zunahm.

So entstand über Jahre ein System, das den Alltag vieler Menschen bezahlbar hielt, dessen finanzielle Lasten jedoch immer größer wurden. Als die DDR Ende der 1980er Jahre in ihre Krise geriet, waren die Folgen dieser Entwicklung längst sichtbar: verschlissene Betriebe, sanierungsbedürftige Städte und eine Wirtschaft, die mit den Kosten ihrer eigenen Sozialpolitik zunehmend überfordert war.

Das Stasi-Unterlagen-Archiv Gera – Vom Überwachungszentrum zum Erinnerungsort

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Als die Mitarbeiter der Staatssicherheit im Oktober 1989 ihren neuen Dienstsitz in der Hermann-Drechsler-Straße in Gera bezogen, ahnte kaum jemand, wie kurz die Zukunft dieses Gebäudes als Machtzentrale noch sein würde. Nur wenige Wochen später geriet die DDR ins Wanken, Bürger gingen auf die Straße, und auch die Arbeit der Stasi näherte sich ihrem Ende.

Heute befindet sich in dem Gebäudekomplex „Untermhäuser Karree“ das Stasi-Unterlagen-Archiv Gera. Hinter den Türen lagern auf rund 4.200 Regalmetern die Akten der ehemaligen Bezirksverwaltung und ihrer elf Kreisdienststellen. Dazu kommen etwa 1,6 Millionen Karteikarten, mehr als 27.500 Fotografien und rund 13.700 Tonaufzeichnungen. Viele dieser Bänder dokumentieren Gespräche, die einst heimlich über Telefonleitungen mitgeschnitten wurden.

Zwischen den geordneten Aktenbeständen finden sich auch Zeugnisse der letzten Tage des Apparates. In 430 Säcken lagern zerrissene Dokumente, die Mitarbeiter der Staatssicherheit im Winter 1989/90 hastig vernichteten. Die Papierschnipsel erzählen von einer Zeit, in der viele versuchten, Spuren zu beseitigen, während draußen bereits über die Zukunft des Landes diskutiert wurde.

Für manche Besucher beginnt im Archiv eine sehr persönliche Reise. Wer heute Einsicht in seine Unterlagen beantragt, hält oft zum ersten Mal Schwarz auf Weiß in den Händen, wer Berichte schrieb, welche Beobachtungen notiert wurden oder welche Gespräche Interesse der Staatssicherheit geweckt hatten.

Nur wenige Gehminuten entfernt erinnert das Torhaus der ehemaligen politischen Haftanstalt am Amthordurchgang an die Folgen dieser Überwachung. Mehr als 2.800 Menschen waren hier aus politischen Gründen inhaftiert. Der Zellentrakt wurde 1999 abgerissen. Seit 2005 hält eine Gedenk- und Begegnungsstätte die Erinnerung an die Schicksale der Betroffenen wach.

Der Umgang mit dieser Vergangenheit fällt bis heute unterschiedlich aus. Viele ehemalige Stasi-Mitarbeiter sprechen nur selten öffentlich über ihre damalige Tätigkeit. Zu den wenigen Ausnahmen gehörte der frühere Geraer Stasi-Major Bernd Roth, der sich in persönlichen Gesprächen mit Betroffenen seiner eigenen Geschichte stellte.

So stehen die Gebäude heute für zwei Seiten derselben Vergangenheit: Hier wurden einst Informationen gesammelt und Menschen überwacht. Heute suchen Besucher nach Antworten auf Fragen, die oft Jahrzehnte offen geblieben sind.

Früh entdeckt, früh gefördert – Kindheit im DDR-Leistungssport

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Leistung begann in der DDR oft nicht erst auf der Laufbahn, in der Turnhalle oder im Schwimmbecken – sondern bereits im Klassenzimmer. Lehrer, Trainer und Talentsucher hielten Ausschau nach Kindern, die schneller liefen, höher sprangen oder ausdauernder waren als andere. Wer auffiel, wurde zu Sichtungen eingeladen. Für manche öffnete sich damit die Tür zu den Kinder- und Jugendsportschulen, den KJS.

Mit der Aufnahme änderte sich der Alltag vieler Kinder grundlegend. Statt nachmittags mit Freunden unterwegs zu sein, bestimmten Trainingspläne den Tagesablauf. Viele lebten im Internat, oft weit entfernt von ihren Familien. Der Wecker klingelte früh, zwischen Unterricht und Training blieb wenig Zeit für anderes. Schule und Sport waren eng miteinander verzahnt, die Anforderungen hoch.

Nicht jedes Talent schaffte den Sprung an eine KJS, und nicht jeder durfte bleiben. Regelmäßige Leistungsüberprüfungen entschieden darüber, wer weiter gefördert wurde. Neben sportlichen Ergebnissen spielten auch gesundheitliche Voraussetzungen eine Rolle. In einzelnen Fällen konnten später sogar familiäre Verbindungen in den Westen Auswirkungen auf die sportliche Laufbahn haben.

Für viele ehemalige KJS-Schüler sind die Erinnerungen bis heute widersprüchlich. Einige erzählen von guter Förderung, engen Freundschaften und Erlebnissen, die sie ohne den Sport nie gehabt hätten. Andere erinnern sich an Leistungsdruck, Heimweh und das Gefühl, schon als Jugendliche ständig bewertet zu werden.

Die Bilanz des Systems lässt sich bis heute an den Medaillenspiegeln vergangener Olympischer Spiele ablesen. Gemessen an ihrer Einwohnerzahl gehörte die DDR über Jahre zu den erfolgreichsten Sportnationen der Welt. Hinter den Zahlen standen jedoch Tausende Kinder und Jugendliche, deren Alltag sich früh dem Leistungssport unterordnete.

Auch nach dem Ende der DDR blieb die Idee erhalten, Schule und Spitzensport eng miteinander zu verbinden. Sportgymnasien und Eliteschulen des Sports knüpfen bis heute an dieses Prinzip an – wenn auch unter anderen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen.

Vom Frachtschiff zum Clubschiff – Die Transformation der DSR

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Für viele Seeleute in Rostock, Wismar oder Warnemünde war die Deutsche Seereederei über Jahrzehnte mehr als ein Arbeitgeber. Wer bei der DSR fuhr, verbrachte oft Monate auf See, kannte Häfen in Kuba, Vietnam oder Afrika und brachte Geschichten mit nach Hause, die im Alltag der DDR selten waren. Nach der deutschen Einheit änderten sich die Bedingungen jedoch grundlegend.

Als die DSR 1993 privatisiert wurde und die Hamburger Unternehmer Horst Rahe und Nikolaus W. Schües das Unternehmen übernahmen, stand die Reederei vor schwierigen Entscheidungen. Die Frachtschifffahrt, einst das Kerngeschäft, erwies sich im internationalen Wettbewerb zunehmend als wenig rentabel. Viele Beschäftigte erlebten, wie sich ihre vertraute Arbeitswelt veränderte. Schiffe wurden verkauft, Geschäftsbereiche neu geordnet und Zukunftspläne auf den Prüfstand gestellt.

Gleichzeitig entstand eine neue Idee. Gemeinsam mit Seetours setzte die DSR auf Kreuzfahrten für ein Publikum, das mit den traditionellen Vorstellungen einer Seereise wenig anfangen konnte. Statt Abendgarderobe und festen Tischzeiten sollte Urlaub auf See ungezwungener werden.
1996 lief die erste „AIDA“ in Dienst. Der Kussmund am Bug wurde schnell zum Erkennungszeichen. Auf dem Schiff begegneten sich Familien mit Kindern, junge Paare und Urlauber, die zuvor nie eine Kreuzfahrt gebucht hätten. Das Konzept fand viele Anhänger und die Nachfrage wuchs rasch.

Als die Marke AIDA im Jahr 2000 an den Kreuzfahrtkonzern P&O verkauft wurde, standen der Unternehmensgruppe neue finanzielle Möglichkeiten offen. Das Geld floss in Hotels, Ferienanlagen und Flusskreuzfahrten. Die Marke A-ROSA entstand, später kamen neue Hotelkonzepte hinzu. Auch das Hotel Neptun in Warnemünde, seit DDR-Zeiten eine feste Adresse an der Ostsee, wurde modernisiert.

Aus der einstigen Staatsreederei wurde Schritt für Schritt ein Tourismusunternehmen. Wo früher Frachtschiffe unter DSR-Flagge über die Weltmeere fuhren, stehen heute Hotels, Resorts und Kreuzfahrten im Mittelpunkt. Die Entwicklung spiegelt den Weg vieler ostdeutscher Betriebe nach 1990 wider – zwischen dem Ende vertrauter Strukturen und der Suche nach neuen Geschäftsfeldern.

Die bunte Welt der DDR-Werbeikonen

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Zwischen Konservengläsern, Waschmitteln und Tankstellenlogos blickten sie den Menschen überall entgegen: freundliche Vögel, pausbäckige Hausfrauen oder fröhliche Männchen mit breitem Lächeln. Während die Schaufenster vieler Geschäfte oft überschaubar bestückt waren, sorgten die Werbefiguren der DDR für Farbe und Wiedererkennung. Mehr als 440 von ihnen entstanden im Laufe der Jahrzehnte.

Wer mit dem Trabant oder Wartburg unterwegs war, kannte den „Minol-Pirol“. Der gelbe Vogel begrüßte Autofahrer an Tankstellen im ganzen Land. Sein Gesicht war oft präsenter als die Auswahl an Kraftstoffen. Ähnlich vertraut wirkte die „Fewa-Johanna“. Die rundliche Waschfrau war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg für das Waschmittel Fewa entworfen worden und blieb auch in der DDR erhalten. In Werbesendungen und Ratgebern erklärte sie, wie Wäsche gepflegt werden sollte. Für viele Hausfrauen gehörte sie ebenso zum Alltag wie Waschbrett, Wäscheleine und der Geruch frisch gewaschener Bettwäsche im Hof.

Auch andere Figuren fanden ihren Platz im kollektiven Gedächtnis. Das Leipziger Messemännchen begrüßte Besucher der Leipziger Messe, der Tele-Lotto-Otto war aus den Fernsehlotterien bekannt, und „Kundi“ erinnerte Kinder und Erwachsene daran, regelmäßig die Zähne zu putzen.
Ende der 1950er Jahre richtete sich der Blick zunehmend auf die kleinen Dinge des Alltags. Im Rahmen des „Programms der 1000 kleinen Dinge“ sollten Artikel verfügbar werden, die oft fehlten oder nur schwer zu bekommen waren: Nähgarn, Dosenöffner, Rasierklingen oder Schuhpflegeartikel. Die Werbung griff diese Produkte mit überraschend modernen Gestaltungen auf. Für das Fußpflegemittel „Fußflott“ warb ein eingängiger Reim: „Wer stets viel geh’n und stehen muß, ist stets durch Fußflott flott zu Fuß.“

Werbung sollte jedoch nicht nur Produkte bekannt machen. In Sendungen wie „Jan und Tini“ besuchten Kinder Betriebe und schauten den Beschäftigten bei der Arbeit zu. In der Konsum-Bürstenfabrik im erzgebirgischen Stützengrün erfuhren sie, wie Bürsten hergestellt wurden. Der dort verwendete „Bürstenmann“ erinnerte bewusst an die Hausierer des Erzgebirges, die früher mit ihren Waren von Ort zu Ort zogen.

Viele dieser Figuren verschwanden mit der DDR. In den Erinnerungen zahlreicher Ostdeutscher leben sie jedoch weiter. Sie standen für vertraute Produkte, für Kindheitserinnerungen und für einen Alltag, in dem selbst eine Werbefigur manchmal mehr Beständigkeit ausstrahlte als das Warenangebot im Regal.