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ver.di bricht Tarifverhandlungen über kürzere Höchstarbeitszeit im kommunalen Rettungsdienst ab

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Berlin. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Tarifverhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) über eine kürzere Höchstarbeitszeit im Rettungsdienst am Dienstagabend (21. Mai 2024) abgebrochen. „Auch nach etlichen Gesprächen und vier Verhandlungsrunden haben die kommunalen Arbeitgeber offensichtlich die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Statt mit einem entschlossenen Schritt endlich die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wollen sie die überlangen Arbeitszeiten so lange wie möglich beibehalten“, kritisierte ver.di-Verhandlungsführerin Sylvia Bühler. Die VKA habe lediglich angeboten, die wöchentliche Höchstarbeitszeit von aktuell 48 Stunden bis zum Jahr 2028 auf 44 Stunden pro Woche zu verringern. Die von ver.di geforderte Höchstarbeitszeit von 42 Stunden, die in einem Stufenplan vereinbarte werden sollte, hätten die Arbeitgeber gänzlich abgelehnt. „Mit dem Angebot der VKA wäre der kommunale Rettungsdienst erst in vier Jahren bei den Arbeitszeiten dort, wo Mitbewerber heute schon sind. Das kann man niemandem erklären.“ Es werde sich nun zeigen, ob es künftig noch genug Beschäftigte im Rettungsdienst gebe, die für den Lohn von 39 Stunden bis zu 48 Stunden pro Woche (inklusive Bereitschaftszeiten) arbeiten wollten.

Beim Deutschen Roten Kreuz hat ver.di bereits eine Verkürzung der maximalen Arbeitszeit von aktuell 44 auf 42 Wochenstunden bis 2028 vereinbart. Außerdem erhalten Notfallsanitäter bei dem größten Anbieter von Rettungsdienstleistungen eine monatliche Zulage von bis zu 400 Euro. „Die kommunalen Arbeitgeber müssen ihren Beschäftigten im Rettungsdienst jetzt erklären, warum sie attraktivere Arbeitsbedingungen verweigern, die zunehmend Standard sind“, sagte Bühler. „Wir wissen, dass auch viele örtliche Arbeitgeber auf eine Arbeitszeitreduzierung gehofft haben, offensichtlich sind sie bei ihrem Arbeitsgeberverband bisher nicht durchgedrungen.“

Die Verhandlungen über die Höchstarbeitszeiten im Rettungsdienst waren im Zuge der Tarifeinigung bei Bund und Kommunen im Frühjahr 2023 vereinbart worden und fanden während der Friedenspflicht statt. Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart. „Wir waren bereit zu Kompromissen, aber zu einer solchen Minimallösung reichen wir nicht die Hand“, betonte Bühler. Die Betriebs- und Personalräte seien nun aufgefordert, die Ausnutzung der Höchstarbeitszeit im Einzelfall auf die Rechtmäßigkeit zu prüfen. Bühler abschließend: „Die Beschäftigten im kommunalen Rettungsdienst haben bessere Bedingungen verdient. Wie bleiben dran.“

Jetzt schon den Reisepass für den Sommerurlaub beantragen

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Bild von Andreas Lischka auf Pixabay

Rostock. Kaum sind die Pfingstferien vorbei, winken auch schon die Sommerferien aus der Ferne. Der erste Tag der Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern ist der 22. Juli. Wer verreisen möchte, sollte schon jetzt daran denken, einen (neuen) Reisepass zu beantragen. Eine Verlängerung des Reisepasses ist nicht möglich. Einmal eingereichte Unterlagen müssen mit jedem Antrag erneut vorgelegt werden. „Derzeit liegt die Produktionsdauer in der Bundesdruckerei in Berlin bei zirka sechs Wochen. Wer also zu Beginn der Sommerferien eine Reise plant, sollte sich so schnell wie möglich online einen Termin in einem unserer Ortsämter buchen“, gibt der zuständige Senator für Finanzen, Digitalisierung und Ordnung Dr. Chris von Wrycz Rekowski zu bedenken. Wer die Frist versäumt, hat die Möglichkeit, auf den Expressreisepass zurückzugreifen. Dann ist der neue Reisepass zwar schneller fertig, kostet aber dafür 32 Euro mehr. Die Produktionszeit in der Bundesdruckerei beträgt derzeit drei bis vier Werktage. Wer auch diese Gelegenheit verpasst hat, muss auf den vorläufigen Reisepass zurückgreifen. Dieser kostet 26 Euro, ist lediglich ein Jahr gültig und wird nur dann ausgestellt, wenn die Zeit für die Ausstellung eines Expresspasses nicht mehr ausreicht. Doch Achtung: In einigen Staaten, z.B. den USA, ist eine visumsfreie Einreise als Tourist nur dann möglich, wenn der Reisepass mehrere Jahre gültig ist. Außerdem enthält der vorläufige Reisepass keinen Chip, auf dem Daten gespeichert werden. Auch deshalb ist die Einreise in einigen Ländern hiermit nicht möglich. Weitere Informationen hierzu liefert das Auswärtige Amt.

Der deutsche Reisepass ermöglicht es, ohne Visum in mehr als 170 Staaten zu reisen. Der normale Reisepass hat 32 Seiten. Vielreisende können für 22 Euro mehr direkt einen Reisepass mit 48 Seiten beantragen. Wer 24 Jahre oder älter ist, bekommt einen Reisepass, der zehn Jahre gültig ist. Die Kosten hierfür liegen bei 70 Euro für 32 Seiten. Für Antragsteller*innen unter 24 Jahren ist er sechs Jahre gültig. Die Gebühr beträgt 37,50 Euro für 32 Seiten.

Eine Neuerung in diesem Jahr: Der Kinderreisepass wurde zum 1. Januar 2024 abgeschafft. Der Grund: Die kurze Gültigkeit der Kinderreisepässe von maximal zwölf Monaten, die für alle Standard-Ausweisdokumente ohne Chip gilt. Der Kinderreisepass gilt damit als schwach geschütztes Dokument, das nicht länger als zwölf Monate gültig sein darf. Im Vergleich dazu sind normale, mehrjährig gültige Reisepässe mit zahlreichen Sicherheitsmerkmalen sowie mit einem Chip ausgestattet. Vor dem 1. Januar 2024 ausgestellte bzw. beantragte Kinderreisepässe sind grundsätzlich bis zum aufgedruckten Datum des Gültigkeitsendes gültig. Bei Reisen innerhalb der EU (Ausnahme UK) kann für Kinder nun ein Personalausweis beantragt werden, für Reiseziele außerhalb der EU hinaus ist ein regulärer Reisepass erforderlich.

„Die Beantragung und Ausstellung von Reisepässen gehört zu den am stärksten frequentierten Servicedienstleistungen. Allein im vergangenen Jahr wurden durch die Kolleginnen und Kollegen in den fünf Rostocker Ortsämtern mehr als über 18.000 Anträge auf Ausstellung eines Reisepasses bearbeitet. Mit der Abschaffung des Kinderreisepasses wird der hohe Aufwand der Eltern und der Verwaltung für die jährliche Neubeantragung oder Verlängerung eines Kinderreisepasses vermieden.“, verdeutlicht Senator Dr. Chris von Wrycz Rekowski.

Die Terminvergabe für die Beantragung des Reisepasses erfolgt online unter www.rostock.de/onlinetermin oder per Telefon 0381 381- 7777 montags von 13 bis 15:30 Uhr und mittwochs von 9 bis 15:30 Uhr. Je nach personeller Besetzung werden weitere Termine außerdem morgens zusätzlich kurzfristig freigeschaltet, oft noch für denselben Tag. Die Terminbestätigung per E-Mail erhält dann die Angaben zu den jeweils mitzubringenden Unterlagen. Für die Abholung des Reisepasses ist keine Terminbuchung nötig.

Der Antrag auf Ausstellung des Dokumentes kann nur persönlich gestellt werden. Dies gilt auch für Kinder: Diese müssen bei Antragstellung persönlich anwesend sein.

Außerdem sind folgende Unterlagen mitzubringen:

– Passbild in Frontalansicht 3,5 x 4,5 cm (biometrietauglich und aktuell, Hinweis: kann auch direkt an den Fotoautomaten im Ortsamt für Personen ab 1,20 m Größe erstellt werden)
– Geburtsurkunde und Heiratsurkunde bzw. Familienbuch
– Personalausweis
– bisheriger Reisepass, vorläufiger Reisepass oder der Kinderausweis bzw. Kinderreisepass (wenn vorhanden)
– Bei Antragstellung für das Kind: Ausweis des anwesenden Sorgeberechtigten sowie die Einverständniserklärung und eine Kopie des Ausweises des nicht anwesenden Sorgeberechtigten beziehungsweise den Sorgerechtsnachweis bei nur einem Sorgeberechtigten.


Externer Link:
www.rostock.de/ortsaemter

Kostenlose App „ID-Logics“ zum Erfassen der 52 europäischen Marienkäferarten

Interdisziplinäres Forscherteam präsentiert App „ID-Logics“

Hannover. Marienkäfer gelten schon seit dem Mittelalter als Glücksbringer und sind als Schädlingsbekämpfer im Garten sehr beliebt. Doch in den vergangenen Jahren hat die Anzahl der heimischen Marienkäfer abgenommen und sie sind vom Aussterben bedroht. Eine der Hauptursachen stellt der asiatische Marienkäfer dar, der seit 2002 durch sein massenhaftes Auftreten zu einem der häufigsten Marienkäfer in Deutschland geworden ist. Anders als sein heimischer Verwandter ist er größer und stärker und hat hier keine Feinde in der Natur. Heimische Marienkäfer werden dagegen von anderen Insekten gefressen oder durch Raubparasiten getötet. Aber woran erkennt man, welche Marienkäferarten heimisch und welche zugewandert sind?

52 europäische Marienkäfer entdecken

Wer schon immer wissen wollte, welche Art von Marienkäfer man gefunden hat und welche Besonderheiten sie auszeichnen, kann das ab sofort per App erfahren. Im Rahmen des Projektes „ID-Logics“ steht jetzt eine neue Bestimmungs-App „Marienkäfer“ für alle 52 europäischen Marienkäfer zum kostenlosen Download bereit. Entwickelt wurde sie von Prof. Dr. Denis Messig, Geschäftsführender Leiter der Didaktik der Naturwissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, und Prof. Dr. Jorge Groß, Professor für Didaktik der Biologie an der Leibniz Universität Hannover (LUH). Mithilfe der App können Nutzerinnen und Nutzer alle Marienkäfer-Arten einfach und sicher bestimmen und bekommen zudem biologische Hintergrundinformationen.

Käferbestimmung jetzt auch für Laien möglich

Mit der neuen Ergänzung zur Bestimmung für Marienkäfer wagt sich das Entwicklungsteam nun auch an komplexere Artengruppen: „Die Käferbestimmung mit bisherigen Mitteln war etwas für Fachexpertinnen und -experten. Eine Bestimmung ohne biologische Ausbildung war bislang kaum möglich“, erläutert Denis Messig von der Universität Bamberg. „Wir sind sehr stolz, unser Wissen mithilfe der App nun auch Laien zugänglich zu machen. Besonders in der Welt der Insekten gibt es viele spannende Zusammenhänge, die es zu entdecken gilt. Denn nur was man kennt, kann man auch schützen!“ Die App „ID-Logics“ richtet sich zwar vor allem an interessierte Laien; sie soll aber auch fortgeschrittenen Naturfreunden eine gute Unterstützung bieten. Die App besitzt eine eigene Logik und ist fehlertolerant, sodass die Bestimmung der Marienkäfer anhand von leicht zu erkennenden Merkmalen stark vereinfacht wird. Zudem helfen ausführliche Beschreibungen, aufwendig produzierte Videos und zahlreiche Bilder in die Glückskäfer-Gruppe einzutauchen.

Weitere Bestimmungshilfen – zum Beispiel für Wildblumen und Hummeln

Die Grundlagen dieser neuartigen App wurden von der LUH um Jorge Groß in Kooperation mit Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern und der Firma Initree entwickelt. Sie enthält bereits mehrere, überwiegend kostenfreie Bestimmungshilfen, zum Beispiel für Ameisen, Bäume und Sträucher, Wildblumen, Hummeln, Eulen oder auch Amphibien und Reptilien. „Mit der App wollen wir einen Beitrag für den Naturschutz leisten und Laien mithilfe digitaler Medien für die Natur begeistern“, sagt Groß. „Mit der App ist es nun ganz einfach, Marienkäfer zu bestimmen und alle Interessierten dabei zu unterstützen, neue Artengruppen zu erschließen und diese auch zu melden.“ Die von Laien bedienbare App hilft, Informationen zu unterschiedlichsten Marienkäferarten und ihrer jeweiligen Biologie zu erhalten und so zum Erhalt der Tiere beizutragen.

Besitzerinnen und Besitzer eines Smartphones oder Tablets können die kostenlose App „ID-Logics“ ab sofort für Android- oder Apple-Betriebssysteme kostenlos herunterladen. Die Bestimmungs-App für Marienkäfer ist ebenfalls kostenfrei.

externe Links zur kostenlosen App:

https://apps.apple.com/de/app/id-logics/id1309493227
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.initree.idlogics&hl=de
Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.id-logics.de

Lebenshilfe in Thüringen ruft zum Wahlgang am 26. Mai auf

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Berlin/Erfurt. Die Lebenshilfe sieht die Demokratie in Thüringen und auch in Deutschland durch rechtsextreme Kräfte bedroht. Vor den Kommunalwahlen in Thüringen am 26. Mai rufen die Bundesvorsitzende Ulla Schmidt und die Thüringer Landesvorsitzende Antje Tillmann (MdB) gemeinsam dazu auf, zur Wahl zu gehen und die Demokratie zu stärken. „Geben Sie Ihre Stimme Politikerinnen und Politikern, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung und für eine inklusive Gesellschaft einsetzen“, so Ulla Schmidt.

Antje Tillmann sagt: „Gemeinsam mit weit über 7000 Thüringer Verbänden, Unternehmen und Betrieben, Universitäten und Kultureinrichtungen engagieren wir uns im Bündnis „Weltoffenes Thüringen“ und werben für eine vielfältige Demokratie, wir wünschen uns einen friedlichen und respektvollen Umgang miteinander. Es ist wichtig, die Menschen in ihrer Verschiedenheit zu respektieren und sich für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen. Es geht am Sonntag um viel, es geht um unser Land und unsere Werte, jede Stimme zählt.“

„Teilhabe statt Ausgrenzung. Keine Stimme für die AfD.“, so die Wahlempfehlung der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Bundesvorstand und Bundeskammer – dazu gehören alle Landesvorsitzenden der Lebenshilfe – haben das gemeinsam beschlossen. „Wir wollen Flagge zeigen, betont Ulla Schmidt. „Unsere Demokratie ist in großer Gefahr. Spätestens nachdem bekannt wurde, dass sich AfD-Vertreter mit namhaften Rechtsradikalen in Potsdam getroffen haben, um unter dem Deckmantel einer sogenannten ‚Remigration“ massenhafte Abschiebungen auch deutscher Bürgerinnen und Bürger zu beraten, muss allen klar sein, was die Stunde geschlagen hat. Dieses Treffen weckt Erinnerungen an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte, als die Nazis die Macht in unserem Land übernahmen.“

Wichtige Informationen zur Kommunalwahl in Jena

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Jena. Rund 82.600 Menschen ab 16 Jahren sind am Sonntag in Jena zur Kommunalwahl aufgerufen. Gewählt werden der Oberbürgermeister beziehungsweise die Oberbürgermeisterin, der Stadtrat, die Ortsteilräte sowie die Ortsteilbürgermeister. Die 97 Wahllokale öffnen um 8 Uhr ihre Türen und schließen um 18 Uhr. Voraussichtlich ab 18.30 Uhr werden die ersten Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl in den kleineren Ortsteilen vorliegen. Diese werden auf der Webseite https://wahlen.jena.de/ veröffentlicht und im Laufe des Abends regelmäßig aktualisiert. Im Historischen Rathaus findet ab 20 Uhr ein öffentliches Pressegespräch mit allen OB-Kandidatinnen und -Kandidaten statt. Dieses kann im Live-Stream bei JenaTV sowie ebenfalls über die städtische Webseite verfolgt werden.

Mehr als 1.240 Männer und Frauen unterstützen den Ablauf als freiwillige Wahlhelfende. Für die Stadt Jena ist es besonders erfreulich, dass so viele junge Menschen unter den Freiwilligen sind: Knapp ein Drittel der Wahlhelfenden ist unter 25 Jahren, knapp 50 von ihnen sind zwischen 16 und 18 Jahren.

Großes Interesse an Briefwahl
Mit Stand Mittwochabend hatten knapp 20.000 Menschen Briefwahlunterlagen beantragt. Je nachdem, wie hoch die Wahlbeteiligung sein wird, deutet dies auf einen höheren Briefwahlanteil hin als vor fünf Jahren, als knapp ein Drittel per Brief wählte. „Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an die Kolleginnen und Kollegen des Fachdienstes Bürgerdienste und weitere aus der gesamten Stadtverwaltung, die mit Hochdruck daran gearbeitet haben, die Unterlagen möglichst zeitnah zuzustellen“, so Bettenhäuser.

Allerdings sind bisher erst weniger als 7.000 Wahlbriefe zurückgekommen. Da die Wahlbriefe spätestens am Samstag mit der Post zugestellt sein müssen, wird darum gebeten, die Wahlbrief allerspätestens am Freitag zurückzusenden. Alternativ können Wahlbriefe noch am Samstag in den Fristenbriefkasten der Stadt in der Gerbergasse eingeworfen oder am Wahlsonntag bis 18.00 Uhr in der Wahlzentrale, Bürgerdienste, Engelplatz 1, abgegeben werden. Das Briefwahllokal (Klostergasse, zwischen Bürgerservice und Ernst-Abbe-Bücherei) ist am Freitag bis 18.00 Uhr geöffnet.

Was wird zum Wählen benötigt?

Am Wahltag müssen die Wahlbenachrichtigung und ein amtlicher Personalausweis oder Reisepass mitgebracht werden. Unionsbürger bringen einen gültigen Identitätsausweis mit. Die Wahlbenachrichtigungen sind bis zum 5. Mai per Post zugestellt worden. Wer seine Wahlbenachrichtigung verlegt hat oder sie nicht erhalten hat, kann trotzdem im Wahllokal wählen. Der amtliche Ausweis oder Reisepass muss mitgebracht werden. Auf der Wahlbenachrichtigung sind das Wahllokal, der Stimmbezirk und der Wahlraum für den einzelnen Wahlberechtigten angegeben. Nur in diesem Wahlraum des Stimmbezirks, in dem sie ins Wählerverzeichnis eingetragen sind, können Stimmberechtigte wählen. Welches Wahllokal das richtige ist, kann auch auf der Webseite https://wahlen.jena.de/  (unter Punkt: Briefwahl – „Wo ist mein Wahllokal?“) nachgelesen werden.

Wie verläuft die Stimmabgabe?

Oberbürgermeister/in: 
Sieben Männer und eine Frau stehen zur Wahl. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Gewählt wird nach dem Grundsatz der Mehrheitswahl: Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhält.  Erreicht beim ersten Durchgang niemand die Mehrheit der Stimmen, findet am 9. Juni eine Stichwahl statt. Zur Wahl stehen dann die beiden Kandidaten, die bei der ersten Wahl die meisten Stimmen erzielt haben. Sollten zwei Kandidaten gleich viele Stimmen bekommen, entscheidet das Los darüber, wer an der Stichwahl teilnimmt. Bei der Stichwahl ist gewählt, wer von den beiden die meisten abgegebenen gültigen Stimmen erzielt.

Stadtrat:
Zehn Listen (Parteien oder Wählergemeinschaften) sind auf dem Stimmzettel zu finden, die jeweils unterschiedlich viele Kandidatinnen und Kandidaten aufgestellt haben. Bis zu drei Stimmen können Wahlberechtigte vergeben. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine ganze Liste kann gewählt werden – dann erhalten die ersten drei Kandidaten der Liste automatisch je eine Stimme. Wer eine Liste wählt, kann einen der drei ersten Kandidaten streichen – dann rückt der vierte auf der Liste nach. Drei Stimmen können an einen einzigen Kandidaten vergeben werden, indem drei Kreuze direkt neben dem Namen gemacht werden. Es ist aber auch möglich, drei unterschiedlichen Kandidaten je eine Stimme zu geben. Diese können auch von unterschiedlichen Listen stammen. Die Wahl ist auch gültig, wenn weniger als drei Stimmen vergeben werden.
Ein Musterstimmzettel ist hier zu finden:
https://service.jena.de/sites/default/files/2024-05/stimmzettel_stadtrat_2024_A2_lang_240424-MUSTER.pdf
[unter: https://wahlen.jena.de/ – Stadtratswahl – Downloads]

Ortsteilräte und Ortsteilbürgermeister:

Die Wahl der Ortsteilbürgermeister erfolgt nach dem selben Prinzip wie die Wahl des Oberbürgermeisters. Im Ortsteil Ammerbach gibt es keine Bewerber für das Amt. Hier können Wahlberechtigte eine wählbare Person mit vollständigem Namen und Beruf auf dem Stimmzettel eintragen. In 18 Ortsteilen gibt eine Bewerberin beziehungsweise einen Bewerber und in elf Ortsteilen zwei bis zu fünf Wahlvorschläge. Dort, wo nur ein Wahlvorschlag zugelassen wurde, kann entweder diese Person gewählt werden oder eine wählbare Person auf dem Stimmzettel eingetragen werden.

Bei der Wahl der Ortsteilräte hat jeder Wahlberechtigte drei Stimmen, die er auf einen oder mehrere Bewerber aufteilen darf.

Warum überhaupt wählen?
– Wählen ist unser Recht und ein Privileg.
– Jede Stimme zählt.
– Wer wählt, entscheidet. Wer nicht wählt, überlässt die Entscheidung anderen.
– Wählen heißt, Verantwortung zu übernehmen.
– Nichtwählen aus Protest funktioniert nicht. Nicht zu wählen, schadet keiner Partei. Wer wählt, kann eine Partei klar der anderen vorziehen.
– Wer wählt, nimmt aktiv Einfluss auf die Politik und seinen Alltag.

Thüringer Verfassungsschutz stuft „Junge Alternative“ als erwiesen rechtsextremistische Bestrebung ein

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Thüringen. Das Amt für Verfassungsschutz beim Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales (AfV) teilt presseöffentlich mit:

Das AfV hat die Junge Alternative Thüringen (JA Thüringen) mit Wirkung zum 28. März 2024 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Die JA Thüringen ist die Jugendorganisation des Landesverbands Thüringen der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD Thüringen), der bereits 2021 durch das Amt für Verfassungsschutz beim Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft wurde. Die Organisation selbst wird seit 2021 als rechtsextremistischer Verdachtsfall bearbeitet.

Die durch die JA Thüringen vertretenen Positionen sind unvereinbar mit dem Grundgesetz und der Thüringer Landesverfassung. In der Phase der Bearbeitung als Verdachtsfall hat sich die Parteijugendorganisation der erwiesen rechtsextremistischen AfD Thüringen nicht politisch gemäßigt. Im Gegenteil hat sie – insbesondere im Bereich ihres Spitzenpersonals – sukzessive diejenigen Personen marginalisiert und abgewählt, die für moderatere Positionen eintraten.

So bezieht sich die derzeitige JA Thüringen regelmäßig auf ein ethnisch homogenes deutsches Staatsvolk und eine deutsche Abstammungsgemeinschaft. Eine solche Vorstellung formuliert biologistische Annahmen darüber, wer Deutscher sein kann und wer nicht, die im Widerspruch zu

unserem Grundgesetz stehen. Gruppen, denen die JA das „Deutschsein“ aberkennt werden – mit ähnlich rassistischen Annahmen – als pauschal kriminell abgewertet.

Die JA ist keine Bestrebung, die sich dabei auf politische Meinungsäußerungen beschränkt. Sie arbeitet aktionsorientiert und erlebnisorientiert, um den Eindruck zu vermitteln, ihre verfassungsfeindlichen Positionen seien öffentlich mehrheitsfähig und im Prozess ihrer schleichenden Normalisierung junge Menschen an sich zu binden. Dabei entwickelte sich die Forderung nach „Remigration“, der umfassenden Abschiebung von Personen, zum zentralen Narrativ der Jugendorganisation, die sie beispielsweise während einer Demonstration der AfD Thüringen am 28. Oktober 2023 in Erfurt öffentlichkeitswirksam darstellte.

Besonders bezeichnend ist die Glorifizierung des Landessprechers Björn Höcke durch die JA. Höcke bedient sich regelmäßig nationalsozialistischer Parolen wie einer verbotenen Losung der SA mit dem Ziel, diese salonfähig zu machen, was den Strafgesetzen zuwiderläuft. Die JA Thüringen bezeichnet sich selbst als „Teil des Systems Höcke“. Zuletzt wurde die Jugendorganisation durch das erwiesen rechtsextremistische „COMPACT“-Magazin als „Höcke-Jugend“ bezeichnet, wovon sich die Organisation nicht distanzierte.

Die JA nutzt die Freiheiten, die unsere demokratische Grundordnung bietet, um Positionen zu deren Überwindung zu verbreiten. Die größte Gefahr besteht darin, dass die vertretenen Positionen zum Anlass für Gewalt gegen Andersdenkende werden könnten.

Zuletzt hat ein die JA-Bundesorganisation betreffender Beschluss des VG Köln vom 5. Februar 2024 die Einstufung des Bundesverbandes als gesichert rechtsextremistisch bestätigt und den Antrag von Bundes-AfD/JA auf vorläufigen Rechtsschutz abgelehnt.

Das Gericht stellte dabei explizit und mit Rekurs auf gleichlautende vorherige Entscheidungen heraus, dass der durch die JA vertretene völkisch-abstammungsmäßige Volksbegriff, die ausländer- und insbesondere muslimfeindliche Agitation sowie das Agitieren gegen das Demokratieprinzip – u. a. durch Gleichsetzung von Bundesrepublik und DDR – mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung unvereinbar seien.

Die Beobachtung der JA-Bundesorganisation als Verdachtsfall ist zudem durch das OVG Münster am 13. Mai 2024 für rechtmäßig erklärt worden. Das Gericht sah tatsächliche Anhaltspunkte, die den Verdacht begründen, dass die „JA deutschen Staatsangehörigen mit Migrationshintergrund die Anerkennung als gleichberechtigte Mitglieder der rechtlich verfassten Gemeinschaft versagen will“.

Die gezielte und sich intensivierende Vernetzung der JA im Rechtsextremismus, deren andauernde sprachliche Entgrenzung und deren aktionsorientiertes Agieren mit dem Ziel, die bestehende Gesellschaftsordnung verächtlich zu machen, lassen auch in Thüringen keinen in der Gesamtwürdigung überwiegenden Zweifel mehr zu, dass die JA die Basis des demokratischen Widerstreits der Meinungen verlassen hat.

Zur Einstufung erklärte der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan J. Kramer:

„Die Einstufung der ‚Jungen Alternative Thüringen‘ zur erwiesen rechtsextremistischen Bestrebung ist zum jetzigen Zeitpunkt geboten, weil sie sich mit ihren öffentlichen Aktionen und Äußerungen gegen grundlegende Aspekte der freiheitlichen demokratischen Grundordnung richtet. Sie unterstützt den Landesverband Thüringen der Partei ‚Alternative für Deutschland‘ dabei, junge Menschen mit dem Versprechen von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit zu radikalisieren.

Zugleich zeigt die jetzt vorgenommene Einstufung, die nach der Einstufung des Landesverbands Thüringen der AfD als gesichert rechtsextremistisch erfolgt ist, dass meine Behörde gründlich belastendes und entlastendes Material würdigt. Die ‚Junge Alternative‘ hat – insbesondere im Bereich ihres Spitzenpersonals – in den letzten Jahren sukzessive diejenigen Personen marginalisiert und abgewählt, die für moderatere Positionen eintraten und sich damit ganz auf die Linie von Björn Höcke begeben. Es liegen nun hinreichend verdichtete konkrete Anhaltspunkte für Verstöße gegen die Menschenwürde, das Demokratie- und das Rechtsstaatsprinzip vor.“

Gorch Fock 1 kehrt nach Generalüberholung in den Stralsunder Hafen zurück

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Nach einem knappen Jahr in der Werft ist die generalüberholte Gorch Fock I am 19.5.2024 wieder an ihren angestammten Liegeplatz im ebenfalls komplett sanierten und teilweise umgebauten Stralsunder Hafen zurück gekehrt und kann dort wieder besichtigt werden.

Die Gorch Fock 1 ist ein historisches Segelschulschiff, das eine bedeutende Rolle in der deutschen Marinegeschichte spielt. Benannt nach dem deutschen Schriftsteller Johann Wilhelm Kinau, bekannt unter dem Pseudonym Gorch Fock, wurde das Schiff 1933 in Dienst gestellt und diente der deutschen Marine als Schulschiff.

Geschichte und Bau
Die Gorch Fock 1 wurde am 2. Dezember 1933 bei den Blohm & Voss-Werften in Hamburg vom Stapel gelassen. Sie wurde als Segelschulschiff für die Ausbildung von Offizieren und Mannschaften der Reichsmarine gebaut und war nach modernsten Standards ihrer Zeit ausgestattet. Das Schiff ist ein Bark, was bedeutet, dass es drei Masten hat, von denen die vorderen beiden Rahsegel und der hintere Schratsegel führen.

Technische Daten
Typ: Bark
Länge: 82,1 Meter
Breite: 12 Meter
Tiefgang: 5,2 Meter
Segelfläche: ca. 1.950 Quadratmeter
Besatzung: etwa 70 feste Crewmitglieder plus 200 Kadetten

Einsatzzeit
Während ihrer Dienstzeit in der Reichsmarine und später in der Kriegsmarine bildete die Gorch Fock 1 viele junge Seeleute aus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schiff in Stralsund stationiert und zeitweise als stationäres Schulschiff genutzt.

Nachkriegszeit
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gorch Fock 1 als Kriegsbeute an die Sowjetunion übergeben und in Tovarishch umbenannt. Unter sowjetischer Flagge setzte das Schiff seine Aufgabe als Schulschiff fort. Es nahm an verschiedenen internationalen Segelwettbewerben und Veranstaltungen teil und blieb bis in die 1990er Jahre im Einsatz.

Rückkehr nach Deutschland
In den 1990er Jahren kehrte das Schiff nach Deutschland zurück. 1995 wurde die Gorch Fock 1 in einem desolaten Zustand nach Stralsund überführt. Dank umfangreicher Restaurierungsarbeiten und dem Engagement zahlreicher Enthusiasten und Organisationen wurde das Schiff wieder instand gesetzt. Heute liegt die Gorch Fock 1 als Museumsschiff im Stralsunder Hafen und ist Teil des Deutschen Meeresmuseums.

Heutige Bedeutung
Die Gorch Fock 1 dient heute als schwimmendes Museum und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besucher können das Schiff besichtigen und sich über seine Geschichte und die Geschichte der Segelschulschiffe informieren. Es bietet einen faszinierenden Einblick in die maritime Geschichte und die Seefahrtausbildung des 20. Jahrhunderts.

Zusammenfassung
Die Gorch Fock 1 ist ein bedeutendes historisches Schiff, das sowohl in der deutschen Marinegeschichte als auch international eine wichtige Rolle spielte. Ihre wechselvolle Geschichte spiegelt die politischen und militärischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts wider. Heute als Museumsschiff erhalten, bleibt die Gorch Fock 1 ein beeindruckendes Denkmal der Seefahrtsgeschichte und ein Symbol für maritime Traditionen.

Ein grünes Juwel erwacht: Der Bürgergarten im Münzviertel in Annaberg-Buchholz

Annaberg-Buchholz. Ein neues Kapitel der Geschichte im Historischen Münzviertel wird mit der Entstehung des „Bürgergartens“ aufgeschlagen. Neben der Buchholzer Straße 36, zwischen den charmanten Gemäuern, entfaltet sich nun bald eine Oase der Ruhe und Erholung für Bewohner und Besucher gleichermaßen.

Lange Zeit gezeichnet von Verfall und Leerstand, erlebt das westliche Altstadtviertel dank eines umfassenden Revitalisierungsprojekts eine Art Renaissance. Durch tatkräftige Unterstützung aus Städtebaufördermittel – bereitgestellt von Bund, Land und Stadt – erstrahlt das Viertel in neuem Glanz.

Die Restaurierung der öffentlichen Infrastruktur, einschließlich Straßen, Plätze und der historischen Stadtmauer, durch die Stadtverwaltung bildete dabei das Fundament. Zugleich haben private Eigentümer bedeutende, oft denkmalgeschützte Gebäude liebevoll saniert und wiederbelebt.

Als Krönung dieses Wiedererwachens wird der neue Bürgergarten als grüne Oase, zum Verweilen und Entspannen einladen. Noch ist das Gelände gesperrt, der Rasen erst frisch eingesät, die Obstbäume jüngst gepflanzt, Blumenbeete ertüchtigt und die Anlage mit Bänken verschönert, welche auf Einwohner und Gäste warten. Zukünftig finden hier Anwohner und Besucher gleichermaßen Erholung vom Trubel und Alltag.

Über eine Treppenanlage durch das Stufenpförtlein oder entlang der Stadtmauer gelangt man in diese Idylle, umgeben von der historischen Stadtmauer und dem Flüstern vergangener Zeiten.

Der Bürgergarten, finanziert aus Mitteln der Städtebauförderung und der Stiftung „Lebendige Stadt“, ist das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit und wurde durch den Gewinn des Wettbewerbs „Aus Grau mach Grün auf Straßen und Plätzen“ weiter gefördert.

Die Kosten für dieses grüne Juwel belaufen sich auf insgesamt 90.000 €. Wobei 30.000 € aus der Bundeswettbewerbsprämie einfließen konnten.

In die beeindruckende Restaurierung der Stadtmauer wurden allein 275.000 € investiert sowie weitere 200.000 € flossen in die Gestaltung der Mauern entlang des Promenadenweges. Auch hier halfen Städtebaufördermittel von Bund und Land, um den Eigenanteil der Stadt bei der Umsetzung der Baumaßnahmen zu reduzieren.

Ein besonderer Moment war der Besuch von Stiftungsmitglied Wolfgang Kopitzsch, Polizeipräsident a.D. der Stadt Hamburg, im April 2024, der gemeinsam mit Oberbürgermeister Rolf Schmidt und Sachgebietsleiterin für Stadtplanung/Stadtsanierung, Dagmar König, die bisherigen Ergebnisse begutachten konnte.

Die Absperrung wird noch eine Zeit bestehen bleiben, da auf den Kuss der warmen Sonne, aber auch auf den erfrischenden Regen gewartet wird, damit die Pflanzen gedeihen und den Bürgergarten in voller Pracht erblühen kann. Sobald das Gelände für die Nutzung freigegeben wird, informieren wir auf den bekannten städtischen Kanälen und über die Presse dazu.

Warum finden in den Ilmenauer Wäldern gerade massive Forstarbeiten statt?

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Herr Dargel, derzeit finden massive Fällarbeiten in den Wäldern rund um Ilmenau statt. Was ist der Grund für den enormen Holzeinschlag?

Der Grund dafür ist eine nie dagewesene Massenvermehrung des Borkenkäfers, die wir als Kalamität bezeichnen. Ursache dieser Massenvermehrung ist Klimawandel. Forscher haben festgestellt, dass sich die Temperatur in Thüringen im Vergleich zu Vorindustriezeiten um durchschnittlich 1,7 Grad Celsius erhöht hat. Unverkennbares Indiz dafür sind die vergangenen vier extrem warmen Sommer. Das begünstigt die Massenvermehrung der Borkenkäfer, von denen der große Buchdrucker der Hauptschädling ist. Je länger ein Jahr günstige Bedingungen bietet, umso mehr Generationen bilden sich. Das verdeutlicht der Blick auf die Grafik. Hatten wir in den Hochlagen in den Jahren zuvor eine bis maximal zwei Generationen nacheinander, waren es in den zurückliegenden Jahren teilweise bis zu drei Generationen die sich entwickelt haben.

Wie breitet sich der Borkenkäfer aus?

Ab 17 Grad Celsius werden die Schädlinge, welche unter der Borke bzw. im Boden überwintert haben, aktiv und fliegen aus, um sich neue Bäume als Brutstätte zu suchen. Aufgrund der Trockenheit und des hohen Befallsdruckes kann nicht genug Harz zur Gegenwehr gebildet werden. Ein Käfer bohrt sich in die Rinde ein und legt eine so genannte „Rammelkammer“ an. Danach sendet er Pheromone zur Anlockung seiner Artgenossen aus. Nach der Paarung legen die Weibchen Eier entlang eines Muttergangs ab. Nach Larvenfraß und Verpuppung schlüpfen die Jungtiere. Larven und Jungkäfer fressen sich zwischen Borke und Splintholz durch den so genannten Bast. Sie durchtrennen dabei die Leitungsbahnen, die die Baumwurzeln mit lebenswichtiger, in den Nadeln gebildeter Nahrung versorgen. Bei starkem Befall wird auch der Wassertransport in die Kronen so stark gestört, dass der Baum abstirbt. Selbst dabei ist im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren eine Veränderung festzustellen: Früher waren meist Fichten ab einem Alter von 40 Jahren betroffen. Doch inzwischen befällt der Buchdrucker auch schon jüngere Bäume. Unsere Förster müssen jeden Verdachtsbaum inspizieren. Ein Indiz für den Befall ist feines braunes Bohrmehl, das am Stamm herunterrieselt und wie Kaffeesatz aussieht und vermehrter Harzfluss. Das sieht man meist nicht vom Weg aus. Andere Befallskennzeichen, wie z. B. eine rötliche Verfärbung der Kronen, werden erst viel später sichtbar. Der Laie vermutet, dass vermeintlich gesunde, grüne Bäume gefällt werden – was aber nicht der Fall ist!

Kann sich ein Baum erholen, zum Beispiel nach längeren Regenphasen wie in diesem Frühjahr?

Nein. Die vergangenen trockenen Sommer schädigten das Feinwurzelsystem der Bäume, wodurch die Wasseraufnahme nachhaltig gestört wurde. Das bildet sich nicht nach, nur wenn mal ein feuchtes Jahr dazwischen liegt. Die Bäume bilden überdies eine Lebensgemeinschaft mit Pilzen. Bis sich so eine Gemeinschaft formt, vergeht Zeit, das ist nicht kurzfristig reparierbar.

Wenn ein Baum befallen ist, wie schnell muss dann reagiert werden?

Man hat dann in der Regel zwischen vier und sechs Wochen Zeit, befallene Bäume zu fällen und schnellstmöglich abzutransportieren, bevor die erste Folgegeneration wieder ausfliegt und neue Bäume befällt. Die massive Ausbreitung können wir leider nicht mehr verhindern.

Warum ist es notwendig, so großflächig zu fällen? Können einzelne Bäume nicht stehengelassen werden? 

Befallene Bäume stehen zu lassen, ist keine Option. Das wäre eine absolute Gefahr für die Waldbesucher, denn man kann nicht einschätzen, wie lange ein geschädigter Baum noch steht. Hinzu kommt, dass unkontrolliert umgestürzte Bäume Wege versperren würden. Wir entfernen Bäume im Umkreis von 50 bis 60 Metern um eine Schadstelle herum. In dieser Zone sind schon wieder die nächsten Bäume befallen. Ein Käferbaum fällt in der Regel über kurz oder lang aus. Eine Selbstheilung gibt es nicht.

Welche Baumarten sind am häufigsten betroffen?

Die Fichte ist am häufigsten betroffen. Hier müssen wir leider eine 100-prozentige Ausfallquote feststellen. Das stellt Waldbesitzer vor große Probleme, denn diese Baumart stellte in der Vergangenheit die Haupteinnahmequelle dar.

Um zukünftig vor solchen Schadereignissen gefeit zu sein, ist der Waldumbau in aller Munde. Ist es dafür nicht zu spät?

Das Thema Waldumbau ist in Thüringen nicht neu, im Gegenteil! Nach verheerender Orkan- und Borkenkäferkalamität in den Nachkriegsjahren wurde auf den Schadflächen mit Fichte wiederaufgeforstet. Schäden durch Sturm, Schneedruck und Borkenkäfer häuften sich in Folge. Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es das klassische Kahlschlagsystem: Flächen sollten bis zur Hiebreife hochwachsen, dann wurden sie kahlgeschlagen und wieder gepflanzt. Mit der politischen Wende kam auch die waldbauliche Wende. Der ökologisch orientierte, naturnahe Waldbau ist seit 1993 im Thüringer Waldgesetz verankert. Seit 90-er Jahren wurden weder im Staatswald noch im Stadtwald Kahlflächen geschaffen. Bereits seit den 90-er Jahren wurde angefangen, auf eingezäunten Flächen Buchen und Tannen zu pflanzen. Andernorts haben wir auf eine natürliche Verjüngung gesetzt und mit sanften Eingriffen für mehr Licht gesorgt. Das Waldbild hat sich in den letzten Jahren schon massiv gewandelt. Die Bewirtschaftung hat für mehr Struktur in den Wäldern gesorgt. Selbst Eichen haben sich verjüngt. Wenn man zurückblickt, waren die Wälder früher viel dunkler. Die natürliche Verjüngung hat nur eine Chance, wenn genug Licht vorhanden ist. Unter den Waldbesitzern gab es immer Konsens, dass wir einen Wald für die Zukunft brauchen.

Die Fichte wird also dauerhaft aus den Thüringer Wäldern verschwinden?

Ja, zumindest in den mittleren Lagen. Man kann nur für eine gewisse Zeit in die Zukunft blicken. Wir müssen mehr natürliche Entwicklung zuzulassen, weil wir nicht alles steuern können. Was sich jetzt verjüngt, hat als nächste Generation bessere Chancen zu bestehen. Dabei war bislang der Niederschlag nie der begrenzende Faktor, sondern eher die Temperatur. Seit 2018 haben wir nun aber festgestellt, dass die Trockenheit zum limitierenden Faktor wurde. Fichten konnten sich darauf nicht einstellen. Fichten hatten bisher hier nie Wassermangel, und daraus folgt: Wenn man sich nie auf Wassermangel einstellen musste, fehlt der Anpassungsprozess bestehender Gewächse. Pflanzen, die jetzt wachsen, passen sich hingegen besser an, stellen sich auf Wassermangel ein. Wie viele Fichten sich zumindest in den Hochlagen am Rennsteig halten werden, wird sich zeigen.

Warum bleiben Äste und Reisig der gefällten Bäume auf dem Waldboden liegen und werden nicht beräumt?

Im Wald verbleibende Biomasse hat einen deutlichen Mehrwert als Kohlenstoffspeicher, zur Humusanreicherung, als Schutz für die vorhandene oder die zu erwartende natürliche Verjüngung auf den Schadflächen. Eine Gefährdung für den Forstschutz ist demgegenüber minimal.

Werden die tiefen Fahrspuren der Forsttechnik wieder beseitigt?

Maschinenwege werden mittels Technik wieder glattgezogen. Dies dient an Hängen der Verhinderung von Bodenerosion und verbessert die Nachfolgenutzung für Holzerntemaßnahmen. Reine Rückegassen verbleiben in der Regel im vorhandenen Zustand.

Werden die zerstörten Waldwege wieder repariert?

Die Waldeigentümer haben ihre Forstwege als Investition selbst gebaut und sind daher an deren Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung zu allererst selbst interessiert. Während der Buchdruckerkalamität wird vielerorts jedoch nur eine notdürftige Wiederherstellung möglich sein, da diese Wege in den nächsten Jahren immer wieder für Holzeinschlag und Holztransport benötigt werden.

Wer kommt für die Beseitigung der Schäden an Waldwegen auf?

In der Regel kommt der Eigentümer für die Beseitigung der Schäden auf. Auf der Grundlage verschiedener Förderprogramme des Landes, des Bundes und der EU werden spezielle Maßnahmen bezuschusst. Für die Inanspruchnahme dieser Fördermittel gibt es strenge Vorgaben, die von verschiedenen Institutionen kontrolliert werden.

Welches Konzept zur Schädlingsbekämpfung gibt es?

Eine Schädlingsbekämpfung durch den Einsatz von Insektiziden, etwa durch das Ausbringen in stehenden Beständen, ist nicht zugelassen. Eine Bekämpfung des Buchdruckers kann nur durch eine schnelle Sanierung der befallenen Bestände erfolgen. Darunter versteht man das Einschlagen, Rücken und Poltern des befallenen Holzes sowie eine möglichst schnelle Abfuhr des verkauften Holzes.

Wohin aber geht das ganze eingeschlagene Holz? Gibt es nicht Möglichkeiten, Material einzulagern?

In Thüringen ist viel investiert worden in Großsägewerke. Kleinere Sägewerke, die regional arbeiten, haben nach und nach den Betrieb eingestellt. Früher hatten wir noch Abnehmer in Gräfenroda, oder in Suhl. Doch jetzt sind Holzkäufer in großen Unternehmen konzentriert. Wenn durch ein Schadenereignis wie aktuell viel Holz anfällt, sind die Sägewerke nicht mehr in der Lage, alles zeitnah abzunehmen. Dann ist der asiatische Markt ein Ventil, um das Holz gewinnbringend zu verkaufen. Holz ist kein Werkstoff, den man über mehrere Jahre lagern kann. Es beginnt zu reißen, verliert an Qualität.

Wenn so viel Holz aus Thüringens Wäldern geholt wird, woher beziehen wir in Zukunft unser Bauholz?

Die Sägewerke und die holzverarbeitende Industrie werden sich auf die veränderte Situation einstellen. Es gibt inzwischen verschiedene Möglichkeiten, Holz zu verarbeiten. Sicher wird die traditionelle Bauweise mit Balken aus Massivholz zurückgehen. Aber es wird auch in Zukunft so sein, dass Holz ein wichtiger Baustoff bleibt. Den Prognosen zufolge wird eine Zeitlang viel schwaches Holz ankommen, was auch schwieriger zu vermarkten ist. Es wird durchaus 30 Jahre dauern, bis in Teilen des Waldes wieder etwas Verwertbares wächst. Und wir wissen heute noch nicht, welche Baumart sich einmal bewähren wird.

Wie lange wird die aktuelle Situation noch andauern?

Wir rechnen mit drei bis fünf Jahren. Dann können wir sagen, wieviel Fichtenvorrat tatsächlich verloren gegangen ist. Alles, was jetzt älter als 40 Jahre ist, wird voraussichtlich bis dahin verschwinden. Thüringen ist da keine Ausnahme in Deutschland. Wir sind ein bisschen später dran – aber der Weg war vorgezeichnet. Unsere Herausforderung ist, dass wir das meistern müssen. Wenn wir diese Katastrophe hinter uns haben, müssen wir uns Gedanken machen, was danach werden soll. Wir versuchen schon jetzt, in die Zukunft zu schauen und Perspektiven zu entwickeln, auch wenn es schwerfällt. An der Situation derzeit kann man nichts mehr ändern, da müssen wir durch. Das ist nicht nur eine Herausforderung für die Waldbesitzer, sondern für die ganze Gesellschaft.

Ein Gespräch mit Forstamtsleiter Hagen Dargel

Der Südharzer Dampflok Steig für Eisenbahn- und Dampflok-Enthusiasten

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Der Südharzer Dampflok-Steig ist ein thematischer Wanderweg im Harz, der speziell für Eisenbahn- und Dampflok-Enthusiasten konzipiert wurde. Dieser einzigartige Wanderweg verbindet die Freude am Wandern durch die malerische Landschaft des Südharzes mit der Faszination für historische Dampflokomotiven und Eisenbahngeschichte.

Verlauf und Etappen
Der Südharzer Dampflok-Steig erstreckt sich über mehrere Etappen und führt durch die reizvolle Landschaft des Südharzes. Der Weg verbindet verschiedene historische und aktive Eisenbahnstrecken und bietet Wanderern die Möglichkeit, hautnah die dampfenden Lokomotiven der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) zu erleben.

Hauptattraktionen
Harzer Schmalspurbahnen (HSB): Ein Highlight des Dampflok-Steigs sind die Fahrten mit den historischen Dampflokomotiven der HSB, die durch die Region führen. Die HSB betreibt das größte zusammenhängende Schmalspurbahn-Netz in Deutschland und bietet regelmäßig Dampflokfahrten an.

Highlights: Fahrt mit der Harzer Schmalpurbahn | Rabensteiner Stollen | zahlreiche Aussichten (Drei-Täler-Blick, Falkenstein, Poppenbergturm, Bielsteine) | Burgruine Hohnstein | Holzdampflok Neustadt | Flehmüllers Eiche

Bahnhöfe und Haltepunkte: Entlang des Weges gibt es zahlreiche historische Bahnhöfe und Haltepunkte, die einen Einblick in die Eisenbahngeschichte der Region bieten. Dazu gehören unter anderem die Bahnhöfe in Wernigerode, Drei Annen Hohne und der Brockenbahnhof.

Museen und Ausstellungen: Verschiedene Museen entlang des Steigs, wie das Bahnmuseum in Wernigerode oder das Eisenbahnmuseum in Benneckenstein, bieten interessante Ausstellungen und Informationen zur Geschichte der Dampflokomotiven und der Harzer Schmalspurbahnen.

Natur und Landschaft
Der Südharzer Dampflok-Steig führt durch die abwechslungsreiche und malerische Landschaft des Südharzes. Wanderer können dichte Wälder, offene Wiesen und beeindruckende Bergpanoramen genießen. Besonders reizvoll sind die Streckenabschnitte, die parallel zu den Schmalspurbahnen verlaufen, wo man die Dampfloks in Aktion erleben kann.

Erlebnisse und Aktivitäten
Der Steig bietet zahlreiche Möglichkeiten für Erlebnisse und Aktivitäten:

Wanderungen und Spaziergänge: Der Steig ist ideal für Wanderungen unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade. Es gibt gut markierte Wege, die sowohl für kurze Spaziergänge als auch für längere Wanderungen geeignet sind.

Dampflokfahrten: Ein besonderes Erlebnis sind die Fahrten mit den historischen Dampflokomotiven, die entlang des Steigs angeboten werden. Diese Fahrten bieten nicht nur nostalgischen Charme, sondern auch spektakuläre Ausblicke auf die Harzer Landschaft.

Veranstaltungen und Führungen: Entlang des Steigs finden regelmäßig Veranstaltungen und geführte Touren statt, bei denen Experten interessante Geschichten und Hintergründe zur Eisenbahngeschichte und zur Region erzählen.

Was macht den Weg so einzigartig?

Es ist die Kombination aus Natur und Kultur, die den Weg zu dem macht, was er ist. Als ich, Christian Schelauske, den Weg im Jahr 2018 geplant habe, wollte ich, dass es ein Weg wird, der die wichtigsten Dinge im Thüringer Südharz miteinander verbindet. Er sollte die Wanderregion wieder zum Leben erwecken, den Menschen Spaß am Wandern vermitteln, abwechslungsreich und gleichzeitig fokussiert sein. Ich denke dies ist uns bisher sehr gut gelungen. Vor allem die Menschen in der Region sind begeistert von der Wegeführung und entdecken die Region ganz neu.