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Neuer Wissenschaftscampus in der Jenaer Innenstadt entsteht

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Blick auf das Gebäude der ehemaligen Frauenklinik in der Bachstraße in Jena. Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
Blick auf das Gebäude der ehemaligen Frauenklinik in der Bachstraße in Jena. Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
Blick auf das Gebäude der ehemaligen Frauenklinik in der Bachstraße in Jena. Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
Blick auf das Gebäude der ehemaligen Frauenklinik in der Bachstraße in Jena.
Foto: Jens Meyer (Universität Jena)

Freistaat Thüringen baut und saniert mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Areal Bachstraße Gebäude für die Forschung

Jena. Mit ersten Untersuchungen an der Bausubstanz des Gebäudes der ehemaligen Frauenklinik ist die Umbauphase des Bachstraßen-Areals in Jena zu einem innerstädtischen Wissenschaftscampus gestartet. Künftig sollen hier vor allem Fachbereiche wie Pharmazie und Ernährungswissenschaften angesiedelt werden. Die eigentlichen Bauarbeiten werden – nach Bestätigung der Bauanmeldung und Vorliegen des Bebauungsplans – voraussichtlich Ende 2025 beginnen. Bis Ende 2029 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Das Bachstraßen-Areal liegt in unmittelbarer Nähe zum Jenaer Stadtzentrum. Auf ihm finden sich große, stadtbildprägende Gebäude aus verschiedenen Epochen. Die meisten davon – einschließlich zweier „Hochbunker“ – wurden speziell für medizinische Zwecke errichtet und bisher überwiegend durch das Universitätsklinikum Jena (UKJ) genutzt. In der Nähe befinden sich Wohngebiete, zahlreiche universitäre Einrichtungen (z. B. der Campus Ernst-Abbe-Platz), verschiedene Bildungs- und Kulturstätten sowie Gastronomie. Das Gebiet hat eine Größe von 39.000 Quadratmetern, die sich überwiegend (26.000 Quadratmeter) im Eigentum des Landes, zum Teil im Körperschaftseigentum des UKJ (13.000 Quadratmeter) sowie zu einem geringen Teil im Eigentum der Ernst-Abbe-Stiftung befinden (z. B. die ehemaligen „Handwerkerhöfe“ an der Carl-Zeiss-Straße).

Mit dem Neubau des Universitätsklinikums in Jena-Lobeda erfolgte suzkzessive der Freizug des Geländes durch das UKJ. „Entgegen ursprünglicher Planungen, die den Verkauf dieser landeseigenen Liegenschaft vorsahen, stellt das Land den Standort für eine wissenschaftliche Nachnutzung bereit“, sagt Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee. „Die zusammenhängende Fläche in unmittelbarer Nähe zur Stadt und anderen Universitätsstandorten bietet hervorragende Entwicklungspotentiale als größter biomedizinischer Hochschulcampus in Mitteldeutschland.“

Studierende profitieren von neuem Campus
Für die Finanzierung des Vorhabens stellt das Land im Zeitraum bis 2029 insgesamt 54,3 Millionen Euro EFRE- und 27,2 Millionen Euro Landesmittel zur Verfügung. Zehn Prozent der geplanten Gesamtausgaben bringen die Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als künftige Nutzer in die Finanzierung des Vorhabens ein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 90,6 Millionen Euro.

Mit der modernen und funktionalen Lehr- und Forschungsinfrastruktur auf dem neuen Campus werde die wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ihres Forschungsnetzwerks deutlich gestärkt, sagt Prof. Dr. Georg Pohnert, kommissarischer Leiter der Universität. „Von dem neuen Wissenschaftscampus profitieren besonders die Studierenden, die in den neu gestalteten Gebäuden neben Laboren, Seminarräumen und Hörsälen auch Bereiche für studentisches Arbeiten und Kommunikation nutzen können. Hervorragende Studienbedingungen sind insbesondere für die Ausbildung von Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in Thüringen von höchster Relevanz, zumal diese derzeit in nicht mehr funktionalen und beengten räumlichen Verhältnissen stattfinden muss.“

Die geplante Baumaßnahme umfasst einen Neubau und die Sanierung des Bestandsgebäudes der ehemaligen Frauenklinik für die Universität sowie einen Neubau für das DLR. Insgesamt sollen 8.575 Quadratmeter Nutzfläche entstehen: 6.065 Quadratmeter für das Institut für Pharmazie und Teilbereiche des Institutes für Ernährungswissenschaften der Universität sowie 2.511 Quadratmeter für das Institut für Datenwissenschaften des DLR.

Egon Krenz über – Konzernmacht und erodierende Demokratie – in Deutschland

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In einem über einstündigen Gespräch mit dem Publizisten Ramon Schack teilt Egon Krenz offen seine Erinnerungen und Ansichten. Er spricht Klartext zur Russland-Politik des Westens und kritisiert die USA und die NATO für ihren fehlenden Friedenswillen.

Besonders spannend wird es, wenn der 87-Jährige von seinen Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Gorbatschow oder Deng Xiaoping erzählt. Er reflektiert über seine Fehleinschätzungen vor 1989 und diskutiert, ob Pekings Wirtschaftsmodell erfolgreicher war als das der sozialistischen Bruderstaaten. Krenz fragt sich, ob mehr Reformbereitschaft die DDR hätte retten können und ob Erich Honecker schon an der Sowjetunion vorbei plante.

Krenz’ Blick auf das heutige Deutschland und die EU ist kritisch: Er sieht Konzernmacht und eine erodierende Demokratie – das Gegenteil dessen, was die Bürger 1989 wollten. Der überzeugte Kommunist teilt seine Perspektive auf die Deutungshoheit der DDR-Geschichte und betont, warum das Verständnis für Ostdeutschland noch wachsen muss.

Wir besprechen diese und viele weitere Themen mit unserem Gast. Freuen Sie sich auf einzigartige Einblicke hinter die Kulissen der Ost-West-Beziehungen durch eine der bedeutendsten Figuren der jüngeren deutschen Geschichte.

Die Person Egon Krenz
Egon Krenz war ein deutscher Politiker und der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR. Geboren am 19. März 1937 in Kolberg, war er Mitglied der SED und spielte eine zentrale Rolle im DDR-Staat. Krenz folgte Erich Honecker im Oktober 1989 als Staats- und Parteichef, in einer Zeit, die durch massive politische Umwälzungen und den Zusammenbruch des sozialistischen Regimes geprägt war. Seine Amtszeit war jedoch kurz; im Dezember 1989 trat er zurück. Nach der Wende wurde er wegen seiner Rolle im SED-Regime verurteilt und verbrachte einige Jahre im Gefängnis.

Trotz seiner umstrittenen Vergangenheit und der Haftstrafe in den späten 1990er Jahren bleibt Krenz ein überzeugter Verteidiger des Marxismus-Leninismus. Er plädiert für eine diplomatische Lösung von Konflikten und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, um die wirtschaftlichen Härten in Europa zu lindern. Er spricht sich auch gegen die negativen Folgen der Wiedervereinigung und den Rückgang der industriellen Produktion in der ehemaligen DDR aus.

Krenz‘ jüngste Aktivitäten und Aussagen spiegeln seinen anhaltenden Glauben an den Sozialismus wider und seine Kritik an westlichen Politiken, wodurch er weiterhin eine bedeutende Figur in Diskussionen über zeitgenössische politische Fragen und historische Erinnerung bleibt​

Bürgerdialog in Chemnitz zum Planungsprozess für die Straßenbahnnetzerweiterung in Richtung Zeisigwald und Reichenbrand

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Chemnitz. Am Donnerstag, dem 13. Juni, von 19 Uhr bis 21 Uhr sind Interessierte zum Bürgerdialog ins Stadtbad Chemnitz, Mühlenstraße 27, Veranstaltungsraum im Obergeschoss, eingeladen.
Vorgestellt werden das Konzept des straßenbündigen Bahnkörpers sowie der Planungsprozess für die Straßenbahnnetzerweiterung in Richtung Zeisigwald und Reichenbrand.

Die Veranstaltung wird gemeinsam von Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Chemnitz, der Chemnitzer Verkehrs-AG und dem Projektteam NUMIC (Neues Urbanes Mobilitätsbewusstsein in Chemnitz, Forschungsprojekt des BMBF) organisiert. Ein barrierefreier Zugang ist vorhanden.

Wer an der Veranstaltung unter dem Titel „Straße gemeinsam nutzen – Bürgerdialog zum straßenbündigen Bahnkörper“ teilnehmen möchte, wird gebeten, sich bis zum 11. Juni über das Beteiligungsportal der Stadt Chemnitz unter https://mitdenken.sachsen.de/1041553 anzumelden.


Der Chemnitzer Stadtrat hatte im März 2022 beschlossen, das Straßenbahnnetz in Chemnitz zu erweitern (B-283/2021) und damit den Grundstein für das Vorhaben gelegt. Die Planungen der Straßenbahnerweiterung in Richtung Zeisigwald und Reichenbrand werden von der Chemnitzer Verkehrs-AG beauftragt. Damit werden zwei große Projekte in Richtung Mobilität von morgen angestoßen. Die Planungen zur Straßenbahnstrecke Zeisigwald haben bereits begonnen, die für Reichenbrand sollen voraussichtlich Ende dieses Jahres starten.

Zum Bürgerdialog wird zum einen das Prinzip des straßenbündigen Bahnkörpers erläutert sowie der Planungsprozess für die Straßenbahnnetzerweiterung in Richtung Zeisigwald und damit das grundsätzliche Vorgehen bei einer solchen Planungen vorgestellt. Neben Vorträgen im Veranstaltungssaal wird es ein Begleitprogramm im Foyer geben. Die Teilnehmenden sind eingeladen, Fragen an Expert:innen des Verkehrs- und Tiefbauamtes und der Chemnitzer Verkehrs-AG zu richten.

Darüber hinaus besteht an dem Abend die Möglichkeit, an einer Befragung zum Thema Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projektes NUMIC teilzunehmen, sich an einem Modell selbst als Verkehrsplaner:in zu versuchen sowie den Planungsprozess mit einer Virtual Reality Technologie (VR-Brille) zu erleben. Die Lots* Gesellschaft für verändernde Kommunikation mbH wird durch das Programm leiten und die Diskussion moderierend begleiten.

www.chemnitz.de/numic

Wahlen 2024 in Thüringen im Internet abrufbar

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Erfurt. Das Internetangebot des Landeswahlleiters unter der Internetadresse https://wahlen.thueringen.de bietet allen Interessierten einen Überblick über die durchgeführten und durchzuführenden Wahlen. Am 9. Juni, dem Wahltag zur Europawahl und den Stichwahlen zur Kommunalwahl in Thüringen, wird das Internetangebot durch die Präsentation der Wahlbeteiligung (12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr) sowie der Zwischenergebnisse erweitert.

Das vorläufige amtliche Ergebnis für die Europawahl 2024 wird nach der Auszählung aller Wahlbezirke bereitgestellt.

Das vorläufige Gesamtergebnis der Stichwahlen der Kommunalwahlen wird, sobald es dem Thüringer Landesamt für Statistik gemeldet wurde, verfügbar sein. Eine Terminierung für ein Landesergebnis hängt auch von der Auszählung durch die Wahlvorstände ab. Ob die Auszählung der Kommunalwahlergebnisse unterbrochen wird, kann die Gemeinde in kommunaler Selbstverwaltung noch in der Wahlnacht entscheiden.

Das Thüringer Landesamt für Statistik veröffentlicht am Wahlabend auf unterschiedlichen Plattformen Ergebnisse und Zwischenstände zur Kommunal- und Europawahl. Neben der Homepage des Landeswahlleiters (https://wahlen.thueringen.de) und der Website des Thüringer Landesamtes für Statistik (https://statistik.thueringen.de/) sind wir ebenfalls auf X (@statistik_tls) und auf Mastodon (@Statistik_TLS) aktiv.

Petition fordert Entfall von Feinstaubplaketten für E-Autos

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Berlin. Die Pflicht zur Anbringung einer Feinstaubplakette sollte aus Sicht des Petitionsausschusses bei reinen Elektrofahrzeugen entfallen. In seiner Sitzung am Donnerstag verabschiedete der Ausschuss mit breiter Mehrheit die Beschlussempfehlung an den Bundestag, eine dahingehende Petition dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz mit dem zweithöchsten Votum „zur Erwägung“ zu überweisen. Lediglich die AfD-Fraktion stimmte dem nicht zu. Der Petitionsausschuss ergänzte sein Votum um die Klarstellung, dass es sich dabei um reine Elektrofahrzeuge handeln müsse.

Da Elektrofahrzeuge verpflichtend mit einem „E-Kennzeichen“ zu versehen seien, sei die zusätzliche Anbringung einer Feinstaubplakette eigentlich überflüssig, heißt es in der öffentlichen Petition (ID 140977). Dies spare dem Besitzer Geld für die Plakette und zugleich Ressourcen für die Herstellung und den Vertrieb derselben. Die Kontrolleure des ruhenden Verkehrs und die Polizei würden schließlich die Berechtigung des Fahrzeuges innerhalb der Umweltzonen sofort anhand des Kennzeichens erkennen, schreibt die Petentin.

In der Begründung zur Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses wird darauf verwiesen, dass nach derzeitiger Rechtslage Fahrzeuge zur Einfahrt in eine Umweltzone – soweit sie nicht durch die Verordnung oder durch Allgemeinverfügungen ausgenommen sind – über die entsprechende Plakette nach der 35. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung) verfügen müssten. Elektrofahrzeuge würden die Anforderungen für eine solche Plakette erfüllen, die die Halter üblicherweise bei der An- oder Ummeldung nach dem Kauf des Fahrzeugs bei den örtlichen Zulassungsbehörden bekommen könnten.

Einer Verwaltungsvereinfachung für diese Fahrzeuge stehe der Ausschuss positiv gegenüber, heißt es in der Vorlage. Obgleich die Bundesregierung derzeit keine Änderung der 35. BImSchV anstrebe, könne das Anliegen bei einer späteren Novellierung mit aufgegriffen werden. Nichtsdestoweniger sei es im Ermessen der Vollzugsbehörden der Länder, „ob bereits kurzfristig zugunsten einer Verwaltungsvereinfachung für die Fahrzeughalter vor Ort im Rahmen einer Ausnahmeregelung für Fahrzeuge mit E-Kennzeichen von dem Erfordernis einer grünen Plakette zur Einfahrt in eine Umweltzone abgesehen werden kann“, heißt es in der Vorlage.

Die Forderung der Petentin hält der Ausschuss daher für „grundsätzlich berechtigt“ und empfiehlt die Erwägungsüberweisung, „um das Anliegen noch einmal zu überprüfen und nach Möglichkeiten der Abhilfe zu suchen“.

Entdeckungstour durch die Wittstocker Bibliothek am bundesweiten Digitaltag

Wittstock. Die Wittstocker Bibliothek im Kontor beteiligt sich am Freitag, 07. Juni 2024, am bundesweiten Digitaltag. Im Rahmen dieses Aktionstages beteiligt sich die Einrichtungbereits zum dritten Mal in Folge mit einem passenden Angebot. Das Team der Bibliothek informiert die Besucher zu den neuen digitalen Angeboten.

Spannend geht es bei einer digitalen Schnitzeljagd zu. Dazu nutzen die Bibliotheksmitarbeiter die Plattform „Actionbound“ und haben bereits einige Suchspiele selbst entwickelt. Zum Aktionstag wurde eine Entdeckungstour durch die Bibliothek vorbereitet. Weiterhin wird der Unterschied zwischen einem Bilderbuchkino und einem verfilmten Kinderbuch erklärt und ein neues Medium für Hörspiele – die Kekze – vorgestellt.

Alle Angebote werden durch die Mitarbeiterinnen erklärt, und die Besucher können selbst die Geräte bedienen und testen. Als Wissensvermittler nutzt die Bibliothek ihre Möglichkeiten, um die Bürger und Leser über Neuigkeiten in der Digitalisierung zu informieren und die digitale Teilhabe in der Gesellschaft zu fördern. Der Digitaltag findet in der Zeit von 10 Uhr bis 16 Uhr in der Bibliothek im Kontor statt. Der Eintritt ist frei.

Verbände fordern Abbau von Bürokratie in Deutschland

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Berlin. Vertreter von Wirtschafts- und Branchenverbänden haben in einer Anhörung des Rechtsausschusses am Mittwoch, 5. Juni, weitere Anstrengungen beim Abbau von Bürokratie gefordert. Die im Entwurf für ein Bürokratieentlastungsgesetz IV (BEG IV, 20/11306) vorgesehenen Maßnahmen wurden von den Sachverständigen am Mittwochnachmittag überwiegend begrüßt, allerdings teilweise als zu kurz greifend kritisiert. Zudem unterbreiteten die Expertinnen und Experten weitere Vorschläge, wie die Belastung der Wirtschaft durch Bürokratie reduziert werden könnte.

Darum geht es im BEG IV: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1002092

Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der INSM – Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, führte in seinem Eingangsstatement aus, dass Bürokratie inzwischen „Investitionshemmnis und Standortnachteil Nummer eins“ sei. Damit sei Bürokratie mit schuld dran, „dass wir wirtschaftlich beim Wachstum Schlusslicht international sind“. Der von der Unionsfraktion benannte Sachverständige bezeichnete das BEG IV als einen „Versuch“, etwas daran zu ändern, es reiche aber „nicht ansatzweise“ aus. Alsleben verwies auf strukturelle Vorschläge der INSM, etwa ein „Verfallsdatum für Bundesgesetze“ und eine verpflichtenden Evaluation.

Garrelt Duin, Mitglied des Nationalen Normenkontrollrats (NKR), bezeichnete das BEG IV als „gutes und wichtiges Signal“. Es sei aber – auch mit Blick auf zahlreiche weitere Vorschläge aus der Praxis – noch mehr drin. Der NKR schlage vor, die Qualität und Praxistauglichkeit von Regulierung verstärkt in den Blick zu nehmen. Wichtig sei zudem die Leistungsfähigkeit und Digitalisierung der Verwaltung. Das Onlinezugangsgesetz und die Registermodernisierung müssten mit Priorität angegangene werden, forderte der von der SPD-Fraktion benannte Sachverständige in seinem Eingangsstatement.

Professor Sebastian Eichfelder von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bezweifelte in seinem Eingangsstatement, ob die im Gesetzentwurf vorgeschlagene Reduzierung der Aufbewahrungsfristen für Buchungsbelege im Handels- und Steuerrecht von zehn auf acht Jahre tatsächlich eine so große Entlastung darstelle, wie von der Regierung angenommen. Grundsätzlich seien aber viele der im BEG IV genannten Maßnahmen sehr sinnvoll, sagte der von der Grünen-Fraktion als Sachverständiger benannte Wirtschaftswissenschaftler.

Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, verwies auf die Belastung ihrer Branche durch Bürokratie. Die von der Unionsfraktion benannte Sachverständige betonte, es sei wichtig, auch drohende bürokratische Belastungen in den Blick zu nehmen. Konkret benannte sie in ihrem Eingangsstatement den im Koalitionsvertrag vorgesehenen Erörterungsanspruch für Beschäftigte beim Thema Home-Office.

Rainer Kambeck von der Deutschen Industrie- und Handelskammer ging in seinem Eingangsstatement auch auf das Thema Aufbewahrungsfristen ein und schlug eine Verkürzung auf fünf Jahre vor. Der von der Unionsfraktion benannte Sachverständige lobte das vom Bundesjustizministerium genutzte Verfahren der Verbändeanhörung und des Monitorings der Umsetzung der Vorschläge. Er verwies aber darauf, dass viele Vorschläge noch nicht aufgegriffen worden seien.

Deutlich gegen eine Verkürzung der Aufbewahrungspflichten sprach sich Florian Köbler, Bundesvorsitzender der DSTG – Deutsche Steuer-Gewerkschaft, aus. Damit werde die Beweisführung in Steuerfahndungsfällen „drastisch erschwert“, kritisierte der von der SPD-Fraktion benannte Sachverständige. Entbürokratisierung im Steuerbereich ließe sich vielmehr durch Erleichterungen in der Steuergesetzgebung erreichen, hier müsse man weg vom „Streben nach Einzelfallgerechtigkeit“. Zudem müsse massiv in die Digitalisierung investiert werden, forderte Köbler.

Professor Alexander S. Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung warb für ein differenziertes Verständnis von Bürokratieabbau. Regulierungsdichte und die Umsetzung der Regulierung müssten stärker getrennt werden. Es werde auch künftig neue, komplexe Regulierung geben. Der von der Grünen-Fraktion benannte Sachverständige verwies auf die Forschung, nach der die Verwaltungsqualität einen entscheidenden Unterschied mache. Er warb dafür, die Verwaltungsqualität in Deutschland zu erhöhen und die Verwaltung zum „Partner von Unternehmen“ zu machen. Dafür seien auch Investitionen in die Verwaltungsdigitalisierung notwendig. „Schnellere, bessere Bürokratie wird es nicht umsonst geben“, so Kritikos.

Martin Müller vom BDEW – Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zeigte sich enttäuscht vom BEG IV. Für die Branche seien darin kaum nennenswerte Erleichterungen vorhanden, die meisten Vorschläge seinen nicht umgesetzt worden, kritisierte der von der SPD-Fraktion benannte Sachverständige.

Ähnlich äußerte sich Markus Peifer vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Parteiübergreifend sei die Handlungsnotwendigkeit zwar erkannt worden, an der „konsequenten Umsetzung des politischen Willens“ mangele es aber. Das BEG IV stehe dafür symptomatisch. Es bleibe aus Sicht des Handwerks hinter den Entlastungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten zurück, bemängelte der von der FDP-Fraktion benannte Sachverständige.

Der Unternehmer Gerd Röders verwies ebenfalls darauf, dass viele Vorschläge nicht umgesetzt worden seien. Zudem forderte der von der FDP-Fraktion benannte Sachverständige, nicht neue Bürokratielasten entstehen zu lassen.

In der Anhörung stand der „Bürokratieabbau in der Wirtschaft“ im Fokus. Bereits am Vormittag hatte der Ausschuss den Gesetzentwurf im Rahmen einer Anhörung mit Fokus auf „Bürokratieabbau für Bürgerinnen und Bürger sowie Justiz und staatliche Verwaltung“ betrachtet. Die hib-Meldung zu der Anhörung: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1006412

Der Bericht zur ersten Lesung auf das-parlament.de: https://www.das-parlament.de/inland/recht/ampel-will-gegen-den-buerokratie-burnout-vorgehen

Deutsche Bahn und Leipziger Hauptbahnhof sind fit für die Fußball-EM

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DB setzt auf mehr Personal & zusätzliche Informationen an den Bahnhöfen • Reinigungsteams und Servicepersonal im Dauereinsatz

Leipzig. Die Deutsche Bahn (DB) ist bereit für das größte Sportevent des Jahres in Deutschland. Als größte Gastgeberin der Bundesrepublik empfängt die DB ab Mitte Juni nationale und internationale Fußballfans mitten im Herzen Europas. Die Messestadt Leipzig wird ebenfalls Austragungsort sein. An den Spieltagen erwartet die DB in Leipzig zehntausende zusätzliche Gäste in den Bahnhöfen. Seit vielen Monaten laufen deshalb die Vorbereitungen, um den Besucher:innen das bestmögliche Reiseerlebnis zu bieten.

„Wir freuen uns auf die Heim-EM“, so Cornelia Kadatz, Leiterin Region Südost der Personenbahnhöfe DB InfraGO. „Das gesamte Team der DB hat sich in den letzten Wochen fit gemacht wie in einem Trainingslager, um den Menschen einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Es wird sicher ein Turnier mit geballten Emotionen und Begegnungen vieler Fans aus ganz Europa. Als größte Gastgeberin Deutschlands haben wir Erfahrung darin, unsere Bahnhöfe auf solche Ereignisse vorzubereiten. Ein Sportevent dieser Größenordnung ist aber auch für uns etwas ganz Besonderes.“

Mehr Service und Sauberkeit an den Bahnhöfen

An dem Leipziger Hauptbahnhof stockt die DB das Personal deutlich auf. Insgesamt sind 27 zusätzliche mehrsprachige Reisendenlenker:innen im Einsatz. Sie unterstützen Fans und Besucher:innen bei der Orientierung rund um den Bahnhof. Eine weitere Anlaufstelle ist der Welcome Desk auf der Westseite des Bahnhofes: Hier beraten Volunteers der Stadt Leipzig gemeinsam mit DB-Mitarbeitenden die internationalen Fans bei ihrer Anreise und allen Themen rund um die EM. Für die Reinigung der Bahnhöfe sind noch einmal 4000 Zusatzstunden vorgesehen. Technikteams stehen rund um die Uhr bereit, um Störungen an Rolltreppen und Aufzügen umgehend zu beheben.

Bundesweit sind rund um die Uhr knapp 6.000 Beamte der Bundespolizei und für den Zeitraum der EM und 5.400 Sicherheitskräfte der DB an den Bahnhöfen und in den Zügen im Einsatz, um Bahnkund:innen und Mitarbeitende zu schützen. Für die EM stockt die DB ihren Pool an Sicherheitskräften an Bahnhöfen und in Zügen damit zusätzlich um rund 20 Prozent (oder um rund 900 Sicherheitskräfte) auf. Davon profitieren während der Spiele insbesondere die zehn Bahnhöfe der Host Cities, die Verkehrsstationen mit einem erhöhten Reisendenaufkommen (Fanreiseverkehr) und die Züge zu diesen Austragungsorten. Die Streifen sind an einheitlichen EM-Signalwesten zu erkennen. Außerdem werden an und in den Bahnhöfen der Host Cities zusätzliche Reisendenlenker und Volunteers eingesetzt. All das dafür, um Bahnhöfe und Bahnsteige sicherer zu machen und vor allem hohes Fanaufkommen besser absichern zu können. Während der reiseintensiven Gruppenspielphase wird die DB allein in den Fernverkehrszügen den Einsatz der Teams der DB Sicherheit verdreifachen, an spielintensiven Tagen sogar vervierfachen.

Die DB hat bereits langjährige Erfahrung mit Großveranstaltungen und Events. Seit mehreren Monaten bereitet sie sich intensiv und in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden und der UEFA auf die größere Nachfrage vor. Klar ist: Die Sicherheit der Fahrgäste steht immer an erster Stelle. Die DB setzt auch auf die enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Bundespolizei und der UEFA.

EM-Sonderlinie verbindet Spielorte

Die DB ist offizielle Nationale Partnerin der EURO 2024™. Der Fokus der Partnerschaft: eine klimafreundliche Anreise in modernen und komfortablen Zügen. Rund um die Spieltage wird die DB knapp 10.000 zusätzliche Sitzplätze pro Tag in den ICE und Intercity-Zügen anbieten. Allein 14 EM-Sonderzüge werden jeden Tag unterwegs sein. Sie verkehren u.a. auf den Linien Düsseldorf – Stuttgart, Köln – Hamburg und Köln – Leipzig.

In den Nächten nach den Spielen (18./19.6., 21./22.6., 24./25.6. und 2./3.6.24) fährt der RE 50 zusätzlich 0.08 Uhr ab Leipzig Hauptbahnhof über Riesa nach Dresden.

Um eine klimafreundliche Anreise in modernen und komfortablen Zügen zu ermöglichen, ist jede Eintrittskarte für ein EM-Spiel automatisch ein 36-Stunden-Ticket für den ÖPNV – von 6 Uhr am Spieltag bis 18 Uhr am Folgetag. Und das im gesamten Verkehrsverbund des Austragungsortes.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bahn.de/EM2024

Ein blaues Band für die Solidarität

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Stuttgart. Uns bewegt die Trauer um den Tod unseres jungen Mannheimer Polizeikollegen, der im Einsatz für die Innere Sicherheit und bei der Abwehr eines brutalen Messerattentats selbst Opfer einer heimtückischen und tödlichen Messerattacke wurde. Wir erleben seit einigen Jahren einen Anstieg von Gewalttaten und eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft. Schon lange hat die Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst, der Polizei und der Blaulichtfamilie eine erschreckende Dimension erreicht.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft ruft heute die Bevölkerung dazu auf, sich hinter die Polizei, die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes und der Blaulichtfamilie zu stellen. Wir bitten darum, blaue Bänder als Zeichen der Trauer, als Zeichen der Solidarität und als sichtbares Zeichen gegen Gewalt zu tragen.

Dazu der stellvertretende Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg, Ralf Kusterer, heute in Berlin: „An 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr schützen wir die Bevölkerung. Täglich und stündlich stehen wir mit unserer Gesundheit für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ein. Heute bitten wir die Bevölkerung um Unterstützung. Heute bitten wir um ein Zeichen der Bevölkerung für uns. Für die Polizistinnen und Polizisten, für alle Polizeibeschäftigten, für die Angehörigen der Blaulichtfamilie.“

Das Zeichen kann in vielfältiger Art und Weise sichtbar getragen werden. Das kleine blaue Bändchen an der Handtasche. Das Band an der Sport- oder Einkaufstasche. Ein blaues Band am Fahrzeug, dem Fahrrad, ein kleines blaues Bändchen an der Jacke.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat bereits bundesweit innerhalb der Polizei dazu aufgerufen, auch während der Fußball-EM, blaue Bänder anzubringen.

Dazu der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: „Der Name des Kollegen wird in ganz Deutschland gegen Gewalt gegen die Polizei, für unsere Trauer um ihn und vielen anderen Kolleginnen und Kollegen, die im Dienst getötet oder Opfer wurden, stehen. Als äußeres Zeichen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft eine Trauerbeflaggung über die gesamte Zeit der Fußball-EM und nicht nur bis zur Beisetzung des Kollegen. Dieses Ereignis darf nicht, wie in vielen vergangenen Fällen, zu schnell zu den Akten gelegt werden.“

Die Deutsche Polizeigewerkschaft rief deshalb bereits gestern die Polizeibeschäftigten dazu auf, mit dunkelblauen Bändern im privaten wie auch dienstlichen Bereich ein Zeichen gegen die Gewalt gegen Polizeibeschäftigte zu setzen. Die Farbe Blau seht für die blaue Uniform, unser Blaulicht und soll zukünftig gegen Gewalt stehen.

Heute bitten wir die Bevölkerung um Unterstützung und die Anbringung von dunkelblauen Bändern als sicherbares Zeichen der Solidarität für die Polizei und gegen jegliche Gewalt.

Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht sind bis heute wirksam

Forschungsverbund stellt Ergebnisse vor

Leipzig/Jena/Rostock. Vor kurzem veröffentlichte das Bundesjustizministerium den Gesetzesentwurf zur finanziellen Verbesserung für politisch verfolgte Bürger:innen in der ehemaligen DDR. Viele Betroffene sind nach wie vor benachteiligt. Die gesundheitlichen Folgen politischer Traumatisierung untersuchte ein Forschungsverbund der Universitäten Leipzig, Jena, Magdeburg und Rostock drei Jahre lang. Fazit: Bis heute leiden Menschen an vergangenen Repressionen und müssen sich mit Stigmatisierungen auseinandersetzen.

Die Betroffenen weisen eine hohe Rate für psychische Störungen auf und reagieren in Stresssituationen, knapp 35 Jahre nach der politischen Wende, körperlich wie emotional stärker als ihre Zeitgenossen.

„Die Geschichten der Opfer von SED-Unrecht sind verstörend. Viele erfahren auch heute noch Ausgrenzung, oft bedingt durch die bürokratischen Strukturen, denen sie ausgesetzt sind“, resümiert Prof. Dr. Georg Schomerus. Der Professor für Psychiatrie an der Universität Leipzig fand heraus, dass es Betroffene beim Zugang zu Sozial- und Gesundheitsleistungen besonders schwer haben. „Menschen mit SED-Unrechtserfahrung werden tatsächlich von Mitarbeitern im Gesundheitssystem häufig negativer gesehen als Menschen ohne solche Erfahrungen. Hier muss eine Sensibilisierung für die Bedarfe dieser Gruppe erfolgen“, betont der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie vom Universitätsklinikum Leipzig.

Eine Vorgeschichte von SED-Unrechtserfahrungen löst bei im Gesundheitssystem Tätigen eine stärkere Ablehnung aus als eine konfliktfreie DDR-Biografie. Das ergab eine Umfrage unter 750 Personen aus dem medizinischen Bereich. Passend dazu berichteten ehemalige Haftopfer im Rahmen der Beantragung von SED-Unrechts-Entschädigungsverfahren von Traumareaktualisierungs- und Retraumatisierungserfahrungen.

Forschende arbeiteten mit verschiedenen Betroffenengruppen zusammen

Die vier Standorte der Universitätsmedizin Jena, Leipzig, Magdeburg und Rostock forschten in zwölf Teilprojekten an verschiedenen gesundheitlich relevanten Themen wie Stigma, Beratung, Begutachtung, psychische und körperliche sowie psychobiologische Folgen. Dafür arbeiteten sie mit verschiedenen Betroffenengruppen zusammen: sogenannte Zersetzungsopfer, Frauen, die von Hepatitis-C-kontaminierter Anti-D-Prophylaxe betroffen sind, und zwangsgedopte Leistungssportler:innen.

„Unsere Forschungsergebnisse belegen, dass die gesundheitlichen Langzeitfolgen von SED-Unrecht auch heute schweres Leid verursachen. Das betrifft nicht nur ehemals politisch Inhaftierte, die um Wiedergutmachung kämpfen, oft vergeblich und in sich jahrelang hinziehenden Verfahren. Auch Opfer von Schädigungen im Gesundheitswesen, zum Beispiel durch Hepatitisvirus-verseuchte Spritzen, leiden bis heute. Glücklicherweise gibt es inzwischen spezielle Beratungsangebote und Netzwerke, die den Opfern helfen, und zu deren Verbesserung und Weiterentwicklung wir als Forschungsverbund beitragen“, fasst Prof. em. Dr. Jörg Frommer von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zusammen. Er hatte das Forschungsprojekt auf den Weg gebracht, das ab dem zweiten Jahr unter der Sprecherschaft von Prof. Dr. Bernhard Strauß vom Universitätsklinikum Jena koordiniert wurde.

Noch viel Unkenntnis über die DDR und die Praktiken der SED

Die in Jena durchgeführten Untersuchungen zu organisierter Gewalt und vor allem die zu nicht-strafrechtlicher Repression belegen, „dass die Folgen des SED-Unrechts auch heute noch sichtbar sind und bestimmte Opfergruppen, allen voran Menschen mit Zersetzungserfahrungen, auch heute noch Auffälligkeiten im Hinblick auf die Stressreagibilität zeigen. Diese wiederum gelten als Risikofaktor für die Entwicklung psychischer, aber auch körperlicher Störungen“, beschreibt Professor Strauß die Ergebnisse.

Ein weiteres Projekt in Jena befasste sich mit der curricularen Weiterbildung für die Fallarbeit. Hierzu resümiert Strauß: „Im Zusammenhang mit Hilfsangeboten in Beratung und Rehabilitierungsverfahren zeigt sich, dass trotz einer guten Struktur von Angeboten, die es in den neuen Bundesländern gibt, noch viel Unkenntnis über die DDR und die Praktiken der SED herrscht, die es gilt, in zukünftigen Fort- und Weiterbbildungsveranstaltung gezielt zu beheben.“

Zwei Projekte unter Leitung von Prof. Dr. Carsten Spitzer von der Universitätsmedizin Rostock fokussierten auf minderjährig zwangsgedopte Athlet:innen und ihre Erfahrungen im Leistungssportsystem der DDR. In ihren Lebensgeschichten fand sich ein hohes Ausmaß an biografisch frühen (traumatischen) Belastungen. Die Anzahl von depressiven, Angst- und chronischen Schmerzstörungen lag ein Vielfaches über den Raten in der Allgemeinbevölkerung. Nur bei einer sehr kleinen Minderheit von rund 2 Prozent wurde überhaupt keine psychische Störung im Lebensverlauf diagnostiziert.

Ähnliches berichteten Betroffene der Hepatitis-C-kontaminierten Anti-D-Prophylaxe, deren Kombination aus somatischen und psychischen Schäden zu anhaltender Frustration, Verzweiflung, Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und zum Rückzug aus dem sozialen Leben führte. Menschen, die in der DDR unter intensiven nicht-strafrechtlichen Repressionen litten, insbesondere unter „Zersetzung“, reagieren noch heute in Stresssituationen körperlich und emotional sehr intensiv. Sie weisen eine hohe Rate für spezifische psychische Störungen wie Angst, affektive und dissoziative Störungen auf.

Weiterbildungen für andere Berufsgruppen geplant

Ein Fachbeirat, zu dem unter anderem die sechs Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die SED-Opferbeauftragte, wie auch Personen aus Wissenschaft und Betroffenenverbänden zählen, unterstützte den Forschungsverbund. Die aktuellen Ergebnisse bieten eine entscheidende Grundlage, um curriculare Weiterbildungen für andere Berufsgruppen zu erarbeiten, die mit Betroffenen zusammenarbeiten. Darüber hinaus soll eine Online-Literaturdatenbank künftig dazu dienen, die Forschungsergebnisse weiter zu verbreiten.

Externe Links:

Der Forschungsverbund wurde vom Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland gefördert. In der aktuellen Publikation „Gesundheitliche Langzeitfolgen von SED-Unrecht“ sind die vorliegenden Ergebnisse veröffentlicht.

https://www.uniklinikum-jena.de/sedgesundheitsfolgen/Presse_+Paper_+Publicity/Ver%C3%B6ffentlichungen.html

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.sed-gesundheitsfolgen.de