Bürgerdialog in Chemnitz zum Planungsprozess für die Straßenbahnnetzerweiterung in Richtung Zeisigwald und Reichenbrand

Chemnitz. Am Donnerstag, dem 13. Juni, von 19 Uhr bis 21 Uhr sind Interessierte zum Bürgerdialog ins Stadtbad Chemnitz, Mühlenstraße 27, Veranstaltungsraum im Obergeschoss, eingeladen.
Vorgestellt werden das Konzept des straßenbündigen Bahnkörpers sowie der Planungsprozess für die Straßenbahnnetzerweiterung in Richtung Zeisigwald und Reichenbrand.

Die Veranstaltung wird gemeinsam von Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Chemnitz, der Chemnitzer Verkehrs-AG und dem Projektteam NUMIC (Neues Urbanes Mobilitätsbewusstsein in Chemnitz, Forschungsprojekt des BMBF) organisiert. Ein barrierefreier Zugang ist vorhanden.

Wer an der Veranstaltung unter dem Titel „Straße gemeinsam nutzen – Bürgerdialog zum straßenbündigen Bahnkörper“ teilnehmen möchte, wird gebeten, sich bis zum 11. Juni über das Beteiligungsportal der Stadt Chemnitz unter https://mitdenken.sachsen.de/1041553 anzumelden.


Der Chemnitzer Stadtrat hatte im März 2022 beschlossen, das Straßenbahnnetz in Chemnitz zu erweitern (B-283/2021) und damit den Grundstein für das Vorhaben gelegt. Die Planungen der Straßenbahnerweiterung in Richtung Zeisigwald und Reichenbrand werden von der Chemnitzer Verkehrs-AG beauftragt. Damit werden zwei große Projekte in Richtung Mobilität von morgen angestoßen. Die Planungen zur Straßenbahnstrecke Zeisigwald haben bereits begonnen, die für Reichenbrand sollen voraussichtlich Ende dieses Jahres starten.

Zum Bürgerdialog wird zum einen das Prinzip des straßenbündigen Bahnkörpers erläutert sowie der Planungsprozess für die Straßenbahnnetzerweiterung in Richtung Zeisigwald und damit das grundsätzliche Vorgehen bei einer solchen Planungen vorgestellt. Neben Vorträgen im Veranstaltungssaal wird es ein Begleitprogramm im Foyer geben. Die Teilnehmenden sind eingeladen, Fragen an Expert:innen des Verkehrs- und Tiefbauamtes und der Chemnitzer Verkehrs-AG zu richten.

Darüber hinaus besteht an dem Abend die Möglichkeit, an einer Befragung zum Thema Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projektes NUMIC teilzunehmen, sich an einem Modell selbst als Verkehrsplaner:in zu versuchen sowie den Planungsprozess mit einer Virtual Reality Technologie (VR-Brille) zu erleben. Die Lots* Gesellschaft für verändernde Kommunikation mbH wird durch das Programm leiten und die Diskussion moderierend begleiten.

www.chemnitz.de/numic

Visuelles Gedächtnis der DDR zwischen Kohlegeruch und stummen Straßen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt diese Momente, in denen ein einziges Bild den Geruch einer ganzen Epoche zurückbringt, wie den von Braunkohle an einem feuchten Novembermorgen. Teaser: Beim Sichten alter Amateuraufnahmen aus der DDR, die jetzt digitalisiert vorliegen, fällt mir immer wieder auf, wie stark sich das visuelle Gedächtnis von den offiziellen Geschichtsbüchern unterscheidet. Wir sehen keine Helden der Arbeit und keine jubelnden Massen, sondern den ungeschminkten Alltag. Da ist der bröckelnde Putz der Altbauten in Leipzig, die noch rußenden Dampfloks und die fast rührende Improvisationskunst der Menschen. Es ist eine Welt in verblassten Farben, die seltsam still wirkt. Die Aufnahmen zeigen eine Gesellschaft im Dazwischen. Einerseits die staatliche Omnipräsenz durch Plakate und Parolen, die zum visuellen Hintergrundrauschen wurden. Andererseits die privaten Nischen, in denen gelacht, gespielt und gelebt wurde. Diese Ambivalenz ist schwer zu greifen, wenn man nur in Schwarz-Weiß-Kategorien denkt. Die Menschen arrangierten sich mit den Umständen, sie bauten sich ihr Leben in den Fugen des Systems. Das begleitende Lied im Video spricht von „Worten, die man besser nicht laut gesagt hat“. Diese Zeile korrespondiert eindrücklich mit den Bildern der Passanten, die oft in sich gekehrt wirken, fokussiert auf den Weg zur Arbeit oder den Einkauf. Es war eine Choreografie der Notwendigkeit, die den öffentlichen Raum prägte. Und doch blitzt in den Gesichtern immer wieder eine Resilienz auf, die sich nicht verordnen lässt. Die Digitalisierung solcher privaten Filmrollen ist mehr als Archivarbeit; sie gibt der Geschichte ihre Textur zurück. Die Bilder bleiben stehen, als stille Zeugen einer Zeit, die sich langsam im Nebel der Jahre auflöst. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die private Filmkamera war in der DDR oft das einzige Instrument, das die Realität so festhielt, wie sie war – ungeschönt und jenseits der staatlichen Propaganda. Teaser: Eine Analyse neu digitalisierter Amateuraufnahmen der „Nostalgie Garage Sachsen“ zeigt eindrücklich, wie der ostdeutsche Alltag wirklich aussah. Fernab der ideologischen Überhöhung offenbart sich in den Straßen von Berlin und Leipzig eine Welt der Kontraste: Moderne Plattenbauten wachsen neben verfallenden Altbaufassaden empor, während Losungen an Schaufenstern um Stimmen werben, die es real kaum zu vergeben gab. Diese visuellen Dokumente sind wichtig, weil sie die sensorische Ebene der Erinnerung ansprechen. Der Texturen von Kohle, Beton und der allgegenwärtigen Mangelwirtschaft werden hier greifbar. Sie zeigen aber auch, dass das Leben im Privaten stattfand und funktionierte, oft als Gegenentwurf zur staatlichen Härte. Die Bewahrung dieser Filme verhindert, dass die DDR-Geschichte zu einer rein abstrakten Abhandlung verkommt. Sie erdet die Debatte und lenkt den Blick auf die Menschen, die ihren Alltag unter oft schwierigen Bedingungen meisterten. Ein Blick zurück, der die Komplexität der ostdeutschen Erfahrung wahrt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Manchmal erzählt das Schweigen auf alten Filmaufnahmen mehr über eine Gesellschaft als tausend geschriebene Worte. Teaser: In den digitalisierten Straßenszenen der DDR-Vergangenheit sehen wir eine Welt, die von einer merkwürdigen Stille durchzogen scheint. Es ist das Bild einer Gesellschaft, in der das Unausgesprochene den Raum zwischen den Menschen füllte, während das Leben dennoch seine Bahnen suchte. Die Aufnahmen fangen genau diese Spannung zwischen staatlicher Norm und menschlicher Nische ein, die bis heute in den Biografien nachwirkt.