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Bei den Hobbits im Harz – Die Höhlenwohnungen in Langenstein

Verlässt man Halberstadt in Richtung Harz, stößt man vor den Toren der Stadt auf das malerische Dörfchen Langenstein. Hier befindet sich ein einzigartiges Zeugnis früherer Wohnkultur in Deutschland: die Höhlenwohnungen von Langenstein. Zahlreiche Wohnhöhlen wurden hier einst von jungen Landarbeiterfamilien in den weichen Sandstein geschlagen. Einige Behausungen, so vermutet man, stammen sogar aus der germanischen Siedlungszeit.

Massive Türen in der Felswand, Fenster mit weißen Gardinen und winzige Gärten mit Küchenkräutern erinnern noch heute an das Leben ihrer einstigen Bewohner. Manchmal scheint es gar, als würde jeden Moment eine Figur aus einem Tolkien-Roman zur Tür hineinstolpern.

Der letzte Troglodyt, wie die Höhlenbewohner genannt wurden, verließ seine ungewöhnliche Heimstätte erst 1916. Bis heute kann man die Wohnhöhlen an der Höhlenstraße am Schäferberg und auf der Altenburg besichtigen.

Die ersten beiden Höhlenwohnungen entstanden nach der Aufgabe der Altenburg. Zwei Höhlen im Bereich der Burg wurden zu Wohnungen umgebaut, die erste bereits 1787. Zwischen 1855 und 1858 wurden zehn weitere Wohnungen in den Sandsteinfelsen am Schäferberg gehauen, um der erheblichen Wohnungsnot in Langenstein entgegenzuwirken. Junge Familien aus Langenstein und Arbeiter aus dem Raum Goslar benötigten dringend Wohnraum. Eine Bitte des Dorfschulzen Hinze an Landrat Gustav von Gustedt, die Gemeinde zu unterstützen, wurde abgelehnt. Der Gemeinderat beschloss daraufhin, den Bau von Höhlenwohnungen zu ermöglichen. Die Felswände wurden den Bauwilligen für jeweils acht Groschen verkauft.

Die Arbeiten wurden von den Wohnungssuchenden selbst mit Hammer, Spitzhacke und Meißel durchgeführt und dauerten zwischen zwei und fünf Monaten. Die kleinen Wohnungen von etwa 30 m² Größe hatten ähnliche Grundrisse mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und einem Vorratsraum. Durch den Felsen führten Schornsteine, unter denen ursprünglich gemauerte Herde standen. Benötigt wurden lediglich eine Tür und ein Fenster. Die Trennwände zwischen den Räumen bestanden aus natürlichen Felsformationen. Natürliches Licht gelangte nur in die vorderen Räume, während Spalten über den Türen und die Schornsteine für Luftzirkulation sorgten, um Schimmel und Feuchtigkeit zu verhindern.

Über den Höhlen lagen Weideflächen, die mit Schafen und Ziegen beweidet wurden, um Verbuschung zu verhindern. Ein Spottvers lautete: „In Langenstein, in Langenstein, da schieten de Schaape in Schornstien rein!“

Eine der Wohnungen, die Schmidthöhle genannt wird, trägt eine Gedenktafel mit den Lebensdaten von Karoline (1825–1909) und Ludwig Schmidt (1829–1910), die hier lebten. Ludwig Schmidt war als Drehorgel-Spieler tätig.

Die Nutzung als Wohnraum wurde zwischen 1900 und 1910 größtenteils aufgegeben. Einige Höhlen dienten bereits früher als Ställe oder Vorratsräume, während die letzte Wohnung 1916 verlassen wurde. Bis etwa 1990 wurden einige Höhlen weiterhin als Tierställe oder Vorratskeller genutzt.

Dank des Engagements des Vereins Langensteiner Höhlenwohnungen e. V. wurden nach 1990 einige der ehemaligen Wohnungen restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der 17. Juni – Der eigentliche Tag der „Deutschen Einheit“

Der 17. Juni, ursprünglich als Tag des Volksaufstands in der DDR im Jahr 1953 bekannt, hat eine bedeutende Rolle in der Erinnerungskultur der westdeutschen Streitkräfte gespielt. Dieser Tag symbolisiert den Widerstand gegen das totalitäre Regime in Ostdeutschland und das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. In der Bundesrepublik Deutschland wurde der 17. Juni bis zur Wiedervereinigung als „Tag der deutschen Einheit“ begangen.

Historischer Hintergrund
Am 17. Juni 1953 kam es in der DDR zu einem landesweiten Aufstand gegen die sozialistische Regierung. Ausgelöst durch eine Erhöhung der Arbeitsnormen, weitete sich der Protest schnell aus und forderte politische Reformen sowie freie Wahlen. Der Aufstand wurde gewaltsam durch sowjetische Truppen und die Volkspolizei niedergeschlagen, wobei es zu zahlreichen Toten und Verletzten kam.

Bedeutung für die Bundeswehr
Für die Bundeswehr hatte der 17. Juni eine doppelte Bedeutung: einerseits als Gedenken an die Opfer des Volksaufstands, andererseits als Mahnung und Verpflichtung zur Verteidigung der Freiheit und Demokratie. In der Tradition der Bundeswehr spielte die Erinnerung an den 17. Juni eine zentrale Rolle, indem er immer wieder als Anlass für Gedenkveranstaltungen und militärische Zeremonien genutzt wurde.

Gedenkveranstaltungen und Zeremonien: Jedes Jahr wurden in verschiedenen Kasernen der Bundeswehr Gedenkfeiern abgehalten, bei denen an die Ereignisse des 17. Juni 1953 erinnert wurde. Diese Veranstaltungen waren oft mit Kranzniederlegungen, Ansprachen von Militär- und Regierungsvertretern sowie der Verleihung von Ehrenmedaillen verbunden.

Ausbildung und politische Bildung: In der Ausbildung der Soldaten wurde der 17. Juni als historisches Ereignis thematisiert, um die Bedeutung von Freiheit und Demokratie zu vermitteln. Die politische Bildung in der Bundeswehr betonte die Lehren aus dem Volksaufstand und die Notwendigkeit, für demokratische Werte einzutreten.

Traditionspflege: Viele Einheiten der Bundeswehr pflegten die Traditionen des 17. Juni durch Patenschaften mit Städten oder Gemeinden, die eine besondere Rolle im Volksaufstand spielten. Diese Patenschaften dienten dazu, die Verbindung zwischen Bundeswehr und Zivilgesellschaft zu stärken und das gemeinsame historische Erbe zu bewahren.

Nach der Wiedervereinigung
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 verlor der 17. Juni seine offizielle Funktion als „Tag der deutschen Einheit“, die nun auf den 3. Oktober verlegt wurde. Dennoch blieb der 17. Juni ein wichtiger Gedenktag innerhalb der Bundeswehr und der deutschen Gesellschaft.

Erinnerungskultur: Die Erinnerung an den 17. Juni wird weiterhin gepflegt, und der Tag dient als Mahnung an die Opfer von Diktaturen und die Bedeutung der Freiheit. Gedenkveranstaltungen und historische Aufarbeitungen tragen dazu bei, das Bewusstsein für die Ereignisse von 1953 aufrechtzuerhalten.

Integration der NVA: Mit der Wiedervereinigung wurde auch die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR in die Bundeswehr integriert. Diese Integration brachte neue Herausforderungen mit sich, insbesondere in der Vermittlung der unterschiedlichen historischen Narrative und Traditionen.

Fazit
Der 17. Juni bleibt ein symbolträchtiger Tag in der deutschen Geschichte und in der Erinnerungskultur der Bundeswehr. Er steht für den Mut und das Streben nach Freiheit der Menschen in der DDR und mahnt die Bundeswehr, diese Werte zu verteidigen. Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit diesem Datum in der Ausbildung und den Zeremonien der Bundeswehr trägt dazu bei, die Erinnerung an die Ereignisse von 1953 und deren Bedeutung für die Gegenwart lebendig zu halten.

Berlin nach dem Kriegsende 1945 war in einem Zustand des totalen Chaos

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 befand sich Berlin in einem Zustand des totalen Chaos und der Zerstörung. Die Stadt, die einst das Herz des Dritten Reiches war, lag in Trümmern. Die Folgen der alliierten Bombenangriffe und der intensiven Kämpfe während der Schlacht um Berlin hinterließen eine fast vollständig zerstörte Metropole.

Zerstörung und Verwüstung
Mehr als 50 Prozent der Gebäude in Berlin waren schwer beschädigt oder zerstört. Die Infrastruktur der Stadt war weitgehend zusammengebrochen: Straßen, Brücken und öffentliche Verkehrsmittel waren größtenteils unbrauchbar, und es gab kaum funktionierende Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom. Die berühmten Wahrzeichen Berlins, wie das Reichstagsgebäude und der Berliner Dom, waren stark beschädigt.

Die Besatzungszonen
Berlin wurde in vier Sektoren aufgeteilt, die von den alliierten Siegermächten – den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion – verwaltet wurden. Diese Aufteilung führte später zur Entwicklung des geteilten Berlins, das in den Westsektoren (West-Berlin) und den sowjetischen Sektor (Ost-Berlin) unterteilt war. Die Alliierten richteten ihre jeweiligen Kommandanturen ein, um die Verwaltung und den Wiederaufbau zu koordinieren.

Humanitäre Krise
Die humanitäre Lage in Berlin war katastrophal. Die Versorgungslage war extrem angespannt, und es mangelte an Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Viele Berliner lebten in Notunterkünften oder den Ruinen ihrer ehemaligen Häuser. Krankheiten und Hunger waren weit verbreitet, und die Sterblichkeitsrate war hoch.

Trümmerfrauen und Wiederaufbau
Eine bedeutende Rolle beim Wiederaufbau Berlins spielten die sogenannten „Trümmerfrauen“. Diese Frauen räumten die Trümmer von den Straßen und Gebäuden und leisteten so einen wichtigen Beitrag zur ersten Phase des Wiederaufbaus. Sie arbeiteten unter schwierigen Bedingungen und trugen maßgeblich dazu bei, die Stadt wieder bewohnbar zu machen.

Politische und gesellschaftliche Veränderungen
Politisch begann die Zeit des Kalten Krieges, und Berlin wurde schnell zum Brennpunkt der Auseinandersetzungen zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion. Die Differenzen zwischen den Besatzungsmächten führten zu zunehmenden Spannungen, die letztlich in der Teilung Deutschlands und Berlins mündeten.

Die sowjetische Besatzungszone erlebte rasch den Aufbau einer neuen Verwaltung nach sozialistischem Vorbild, während in den westlichen Zonen die Demokratisierung und wirtschaftliche Erholung durch Maßnahmen wie den Marshallplan vorangetrieben wurden.

Der Alltag in Trümmern
Der Alltag der Berliner war geprägt von improvisierten Lebensumständen. Menschen tauschten auf dem Schwarzmarkt Güter des täglichen Bedarfs und organisierten sich in Gemeinschaften, um das Überleben zu sichern. Trotz der schwierigen Bedingungen zeigten viele Berliner eine erstaunliche Widerstandskraft und begannen, ihre Stadt aus den Ruinen wieder aufzubauen.

Fazit
Das Jahr 1945 markierte für Berlin eine Zeit des tiefen Wandels und Neubeginns. Trotz der unvorstellbaren Zerstörung und der humanitären Katastrophe legten die Berliner den Grundstein für den späteren Wiederaufbau und die Wiedergeburt der Stadt als lebendige Metropole. Die Nachkriegsjahre prägten Berlin nachhaltig und formten die Stadt zu einem Symbol für den Widerstandswillen und die Wiederauferstehung nach einer der dunkelsten Zeiten in der Geschichte.

Von der „Sonnenallee“ über die „NVA“ bis hin zu einer „Stasikomödie“

Leander Haußmanns „Stasikomödie“ ist ein Film, der sich humorvoll und gleichzeitig kritisch mit der Vergangenheit der DDR auseinandersetzt. Der Film wurde 2022 veröffentlicht und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das bereits vorher für Furore sorgte. Haußmann, bekannt für seine Arbeiten wie „Sonnenallee“ und „NVA“, bleibt seiner Linie treu und verknüpft in „Stasikomödie“ geschickte Satire mit der Auseinandersetzung mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte.

Die Handlung dreht sich um Ludger Fuchs, einen Schriftsteller, der in den 1980er Jahren als junger Mann von der Stasi rekrutiert wird, um die alternative Szene in Ost-Berlin auszuspionieren. Als sogenannter „IM“ (Inoffizieller Mitarbeiter) taucht Ludger tief in die subversive Kunst- und Kulturszene ein, erlebt aber auch zahlreiche skurrile und komische Situationen, die das widersprüchliche Leben in der DDR widerspiegeln. Haußmann nutzt diese Kontraste geschickt, um sowohl die Absurdität als auch die Tragik des Überwachungsstaates zu illustrieren.

Ein zentrales Thema des Films ist die Frage nach Schuld und Verantwortung. Ludgers Doppelleben führt zu zahlreichen Verwicklungen und moralischen Dilemmata, die ihn auch nach der Wende nicht loslassen. Der Film wechselt dabei zwischen den 1980er Jahren und der Gegenwart, in der Ludger versucht, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Diese Zeitsprünge ermöglichen es, die Langzeitfolgen der Stasi-Machenschaften auf das Leben der Betroffenen zu zeigen.

Die Besetzung von „Stasikomödie“ ist hervorragend. Jörg Schüttauf spielt den älteren Ludger, während David Kross die Rolle des jungen Ludger übernimmt. Weitere prominente Darsteller sind Henry Hübchen, Antonia Bill und Devid Striesow. Ihre Darstellungen verleihen den Figuren Tiefe und Glaubwürdigkeit, wodurch die Zuschauer noch stärker in die Geschichte hineingezogen werden.

Visuell beeindruckt der Film durch eine detailgetreue Rekonstruktion der DDR-Zeit, die das Lebensgefühl dieser Ära lebendig werden lässt. Haußmanns Regiearbeit schafft es, die Atmosphäre des geteilten Deutschlands einzufangen und gleichzeitig eine universelle Geschichte über Freiheit, Rebellion und die Suche nach der eigenen Identität zu erzählen.

„Stasikomödie“ ist mehr als nur eine Satire über die Stasi. Es ist ein Film, der sich mit den Widersprüchen der menschlichen Natur und den schwierigen Fragen von Schuld und Vergebung auseinandersetzt. Durch seinen humorvollen Ansatz gelingt es Haußmann, eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu schlagen und dabei sowohl zu unterhalten als auch zum Nachdenken anzuregen.

Von der Sonnenallee hin zur Volksarmee – Der Film „NVA“

Der Film „NVA“, veröffentlicht im Jahr 2005 und unter der Regie von Leander Haußmann, ist eine humorvolle und satirische Darstellung des Militärdienstes in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Haußmann, bekannt für seine Werke wie „Sonnenallee“, bringt erneut seine einzigartige Perspektive auf das Leben in der DDR ein und nutzt seine Regie, um eine Mischung aus Komödie und Gesellschaftskritik zu schaffen.

Die Handlung des Films konzentriert sich auf den jungen Soldaten Henrik Heidler, gespielt von Kim Frank, und seine Erfahrungen während der Grundausbildung in der NVA. Der Film beginnt mit Henriks Einberufung und führt den Zuschauer durch seine ersten Tage in der Armee, die von absurden Situationen und grotesken Übertreibungen geprägt sind. Zusammen mit seinem Freund Krüger, dargestellt von Oliver Bröcker, navigiert Henrik durch den strengen und oft unsinnigen militärischen Alltag.

Der Film zeichnet ein Bild von der NVA, das sowohl humorvoll als auch kritisch ist. Er zeigt die Widersprüche und den bürokratischen Wahnsinn, die den Alltag der Soldaten prägen. Die Ausbilder, insbesondere der knallharte Feldwebel Dorkwitz (Detlev Buck), werden als überzeichnete Figuren dargestellt, die ihre Machtpositionen ausnutzen und oft im Zentrum der komödiantischen Szenen stehen.

Ein zentrales Thema des Films ist die Absurdität und Sinnlosigkeit des militärischen Drills in der NVA. Haußmann nutzt diese Thematik, um die Entfremdung und den Unmut der jungen Soldaten gegenüber dem Regime der DDR zu verdeutlichen. Durch die übertriebene Darstellung militärischer Rituale und Vorschriften wird die Lächerlichkeit des Systems betont und gleichzeitig die persönliche Rebellion der Soldaten gegen die Unterdrückung hervorgehoben.

Visuell gelingt es dem Film, die Atmosphäre der späten DDR eindrucksvoll einzufangen. Die authentische Ausstattung und die sorgfältige Rekonstruktion der Uniformen und Militäreinrichtungen tragen dazu bei, die Zuschauer in die Zeit zurückzuversetzen. Die Verwendung von tristen Farben und engen Räumen verstärkt das Gefühl der Eingeschränktheit und des Drucks, unter dem die Soldaten stehen.

„NVA“ ist nicht nur eine Komödie, sondern auch ein Film, der zum Nachdenken anregt. Er zeigt auf humorvolle Weise die Herausforderungen und die Absurditäten des Lebens in der DDR-Armee und bietet gleichzeitig eine kritische Reflexion über das System und seine Auswirkungen auf die Individuen. Durch seine satirische Herangehensweise schafft es Haußmann, die ernsten Themen auf eine Weise zu vermitteln, die sowohl unterhaltsam als auch tiefgründig ist.

Insgesamt ist „NVA“ ein bedeutender Beitrag zur Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte und bietet durch seinen humorvollen Zugang eine einzigartige Perspektive auf das Leben in der NVA. Der Film bleibt ein wichtiger Bestandteil der deutschen Filmgeschichte und ein Beispiel dafür, wie Komödie und Kritik erfolgreich kombiniert werden können, um gesellschaftliche und historische Themen zu beleuchten.

Der Christopher Street Day 2024 in der Universitätsstadt Cottbus

Am vergangenen Samstag fand der Christopher Street Day in Cottbus statt. Hunderte Teilnehmer demonstrierten für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Unter dem Motto „Vielfalt leben – gemeinsam stark“ zogen sie durch die Stadt, begleitet von Musik und Feststimmung.

Aber was ist eigentlich der Christopher Street Day?
Der Christopher Street Day (CSD) ist ein jährliches Fest und zugleich eine Demonstration, die weltweit in vielen Städten stattfindet, um für die Rechte und die Sichtbarkeit von LGBTQIA+-Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer/Questioning, Intersex, Asexual und andere) einzutreten. Der CSD erinnert an die Stonewall-Unruhen, die am 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York City ihren Anfang nahmen und als Wendepunkt im Kampf für die Rechte von Homosexuellen gelten.

Im Jahr 1969 führte eine Polizeirazzia in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ zu tagelangen Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Mitgliedern der LGBTQIA+-Gemeinschaft. Diese Ereignisse markierten den Beginn einer neuen Ära des offenen Widerstands gegen Diskriminierung und Gewalt, was zur Gründung von zahlreichen LGBTQIA+-Rechtsorganisationen führte.

In Deutschland und anderen Ländern Europas wird der Christopher Street Day seit den 1970er Jahren gefeiert. Der erste deutsche CSD fand 1979 in Berlin statt, als Demonstration für die Rechte homosexueller Menschen. Seitdem hat sich der CSD in Deutschland und weltweit zu einer bunten und vielfältigen Veranstaltung entwickelt, die sowohl politische Forderungen als auch kulturelle und gesellschaftliche Aspekte miteinander verbindet.

Die Veranstaltungen rund um den CSD variieren je nach Stadt, umfassen jedoch häufig Paraden, Kundgebungen, Musikfestivals, Informationsstände und künstlerische Darbietungen. Während die Paraden oft farbenfroh und festlich sind, bleiben sie dennoch ein wichtiges Mittel, um auf bestehende Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Neben der Feier der Vielfalt und Akzeptanz ist es auch eine Gelegenheit, Solidarität zu zeigen und politische Forderungen zu artikulieren, wie etwa die rechtliche Gleichstellung, den Schutz vor Diskriminierung und Gewalt sowie die Förderung der Akzeptanz von LGBTQIA+-Menschen in der Gesellschaft.

Die Bedeutung des Christopher Street Day liegt nicht nur in seiner historischen Herkunft, sondern auch in seiner fortwährenden Relevanz. Trotz vieler Fortschritte in der Gleichstellungspolitik gibt es weiterhin zahlreiche Herausforderungen und Diskriminierungen, denen LGBTQIA+-Menschen weltweit ausgesetzt sind. Der CSD bietet daher eine wichtige Plattform, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen und für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten.

In vielen Städten hat sich der CSD zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens entwickelt und zieht jedes Jahr Tausende von Teilnehmer und Zuschauer an. Er symbolisiert die Stärke und Widerstandsfähigkeit der LGBTQIA+-Gemeinschaft und dient als Erinnerung daran, dass der Kampf für Gleichberechtigung und Akzeptanz noch lange nicht beendet ist. So bleibt der Christopher Street Day nicht nur ein Fest der Vielfalt, sondern auch ein kraftvolles Statement für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit.

„Meisterhafte Kreationen“ – Ausstellung des Tischler- und Malerhandwerks in Dresden

Dresden. Am 15. und 16. Juni 2024 präsentierten 17 frischgebackene Tischlermeister ihre beeindruckenden Meisterstücke im Bildungszentrum des Handwerks, njumii, in Dresden. Die Vielfalt der ausgestellten Werke, darunter eine eckige Kugel, ein Angelhalter in Form eines japanischen Schreins und ein Billardtisch mit Intarsien, zeugte von der großen Kreativität und dem handwerklichen Geschick der Teilnehmer. Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie mutige Formen mit klassischen Elementen harmonieren und moderne Technik geschickt in die Arbeiten integriert wird.

Ines Briesowsky-Graf, selbstständige Tischlermeisterin und Vizepräsidentin der Handwerkskammer Dresden, würdigte in ihrer Eröffnungsrede die herausragende Qualität und emotionale Tiefe der präsentierten Stücke. Sie lobte die ambitionierten Ziele und die hohe Leistungsbereitschaft der 16 Tischlermeister, 14 Tischlerlehrlinge und elf Maler-Azubis, die ihre Werke ausstellten. „Eure Stücke sind etwas Besonderes. Zum einen, weil sie handwerklich gut gemacht sind, zum anderen auch, weil sie Emotionen transportieren“, betonte sie und unterstrich damit die Bedeutung der handwerklichen Arbeit.

Jan Eckoldt, Geschäftsführer des sächsischen Fachverbandes der Tischler, hob ebenfalls die Bedeutung des Handwerks hervor. Im Gegensatz zu Influencern, die keine bleibenden Werte schaffen, seien Handwerker echte Wertschöpfer, die bleibende Spuren hinterlassen.

Neben den Meisterstücken stellten auch 23 Tischlerlehrlinge, die am Kurs „Kreative Möbelgestaltung“ der Handwerkskammer Dresden teilgenommen hatten, ihre Gesellenstücke vor. Unter den Mottos „Die Zeichen der Zeit“ und „Meine freie Zeit“ entstanden kreative und einfallsreiche Werke wie Sideboards, Schreibtische und Vitrinenschränke, die das breite Publikum begeisterten.

Auch die Arbeiten des Maler- und Lackiererhandwerks beeindruckten die Besucher. Inspiriert von der Art Deco-Zeit, schmückten selbstgegossener Stuck, gezeichnete Marmoroptiken, reichlich Gold sowie schablonierte Muster und Ornamente aus den 20er Jahren die Wände der Kojen. Diese kunstvollen Oberflächen wurden im Rahmen des Kreativkurses zur Oberflächengestaltung und -veredlung von Auszubildenden im dritten Lehrjahr gefertigt.

Die Ausstellung im njumii Bildungszentrum des Handwerks in Dresden war ein eindrucksvoller Beweis für das hohe Niveau und die kreative Vielfalt des Handwerks. Sie zeigte, wie traditionelles Handwerk mit modernen Ansätzen und Techniken zu einzigartigen Kunstwerken verschmelzen kann und die Besucher inspirierte.

Die DDR hat es (nie) gegeben – Über Sichtbarkeit Ostdeutscher Perspektiven

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Liebe alle, Im Laufe des Frühjahres 2023 war es mir möglich, endlich einer Frage auf den Grund zu gehen, welche mich seit meinem Umzug nach Köln konstant, wenn auch nur meist im Hintergrund, jedoch immer irgendwo präsent, begleitet. Ich habe im Laufe der Arbeiten an diesem Film viele Dinge über mich, meine Familie, Ostdeutschland und übers Filmemachen gelernt. Der gesamte Film war demnach ein Lernprozess, was an der einen oder anderen Stelle wohl ersichtlich ist. Nach schier unendlich langen Schneide- und Editierarbeiten, welche meinen Laptop insgesamt zweimal reparierbedürftig haben werden lassen, bin ich am Ende. Ich habe keine Kraft mehr, aber der Film ist fertig, sehenswert und abspielbar. Es war ein unendlicher Kraftakt, dies alles allein zu stemmen und ich habe vor allem gelernt, nie wieder alleine einen Film zu drehen / zu recherchieren / zu schneiden / zu colourgraden.

Ich bedanke mich unendlich bei allen Leuten, welche ich interviewen durfte, mir Ratschläge gegeben haben, mich beherbergt haben, mir stets zugesprochen haben, bei Wolf Glöde und dem Team vom jazzkeller 69 e.V. in Berlin, bei Nathan Ishar für die Hilfe beim Rendern, als mein PC das zweite mal durch den festen Griff meiner Dateien starb, bei Josefine Simonsen, welche mich vor allem Anfangs bestärkt hat, dem Thema nachzugehen, bei Julia Hille, Heiner Schulze, Valerie Schönian, Tom Leistner, Melanie Stein, Patrice Poutrus, Katharina Warda und allen weiteren Menschen, welche sich öffentlich, im Beruf oder im Alltag mit diesen Themen befassen, bei meiner Familie, bei meinen Freund:innen und den Menschen in Ostdeutschland, die bei allen Problemen, die es momentan in Deutschland gibt, weiterhin für Demokratie, Offenheit und eine lebenswerte Gesellschaft, in der niemand außen vor gelassen wird, kämpfen.

Gibt es momentan bei all den Krisen Raum für dieses Thema? – Ich weiß es nicht, vielleicht ist dieser Film, da kein Wende-Jubiläumsjahr, etwas aus der Zeit gefallen, dennoch freue ich mich über jede Person, die ihn schaut und vielleicht sogar etwas mitnehmen kann.

Ein Film von und mit Victor Gelling. Weitere Informationen unter https://victorgelling.de/

Kapitel:
– Einleitung
– „Critical Westness“
– Rechtsextremismus
– Das Frauenbild in der DDR
– Ostdeutsch im Kontext Klasse
– Fehlende Perspektiven dieses Films
– Kunst und Kulturprodukte der DDR
– Ostalgie
– Alltag und Diktatur
– Die Wendezeit
– Der Wunsch nach Anerkennung
– Identitätsbegrifflichkeiten
– Aufbruch Ost & Wir Sind Der Osten
– Kleinmachnow und weiteres

Im Bewegtbild vorkommend [in Reihenfolge des Auftretens]
– Theresia Philipp
– Anne Lange
– Julia Hille [Otto-Von-Guericke Universität Magdeburg]
– Heiner Schulze [Berliner Hochschule für Technik]
– Tom Leistner [Aufbruch Ost]
– Gregor Gysi [MdB Die Linke]
– Laura Wasniewski
– Cornelia Gelling
– Thomas Neumann
– Claudia Tuyết Scheffel
– Ronja Oehler
– Robert Seidel
– Melanie Stein [Wir Sind Der Osten]
– Valerie Schönian

„Die ‚Perle von Bad Muskau‘: Der Fürst-Pückler-Park“

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Die „Perle von Bad Muskau“ bezieht sich auf den berühmten Fürst-Pückler-Park, auch bekannt als Muskauer Park. Dieser Park ist ein herausragendes Beispiel für die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts und wurde von Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestaltet. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von etwa 830 Hektar und liegt sowohl auf deutschem als auch auf polnischem Gebiet, wobei die Neiße die natürliche Grenze bildet.

„Der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst ist nur da erreicht, wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form, zu sein scheint.“ Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, 1834

Der C ist bekannt für seine harmonische Landschaftsgestaltung, die weiten Wiesen, malerischen Teiche, gewundenen Wege und kunstvoll angelegten Pflanzungen umfasst. Die Gestaltung des Parks orientiert sich am englischen Landschaftsstil und zielt darauf ab, eine natürliche und gleichzeitig ästhetisch ansprechende Umgebung zu schaffen.

Im Herzen des Parks befindet sich das Neue Schloss, das als Besucherzentrum und Museum dient. Es bietet Einblicke in das Leben und Wirken von Fürst Pückler sowie die Geschichte des Parks. Neben dem Neuen Schloss gibt es auch das Alte Schloss, die Orangerie und verschiedene Brücken und Pavillons, die zur Attraktivität des Parks beitragen.

Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau wurde 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, was seine Bedeutung und den herausragenden kulturellen Wert anerkennt. Die Kombination aus kunstvoller Gartenarchitektur und der natürlichen Schönheit der Landschaft macht den Park zu einer wahren „Perle“ und zu einem beliebten Ausflugsziel für Besucher aus aller Welt.

UNESCO-Welterbestätte – Begründung

„Der Muskauer Park/Park Mużakowski ist ein außergewöhnliches Beispiel eines europäischen Landschaftsparks sowie einer künstlerischen Ideallandschaft. Der Park steht darüber hinaus für einen neuen Ansatz der Landschaftsgestaltung im städtischen Raum. Die Aufnahme in diese Liste bestätigt den herausragenden universellen Wert eines Kultur- bzw. Naturdenkmals, das im Interesse der gesamten Menschheit Schutz erfordert.“

Paula Gehrmann im Frommannschen Skulpturen Garten 2024 in Jena

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Jena. Wie wollen wir den öffentlichen Raum gestalten? Im Garten des Frommannschen Anwesens in Jena wird in diesem Sommer eine Skulpturengruppe der Leipziger Künstlerin Paula Gehrmann ausgestellt, die sich mit dieser Frage auseinandersetzt. Ihre minimalistischen Skulpturen aus verzinktem Stahl schaffen einen Parcours durch den Garten und betonen seine Funktion als öffentlicher Raum.

Im Sinne des Titels „VARIABLE“ sind Paula Gehrmanns Skulpturen modular aufgebaut und passen sich stets den räumlichen und sozialen Kontexten an, in denen sie präsentiert werden. Im Garten des Frommannschen Anwesens steht die Interaktion zwischen Kunstwerk, Nachbarschaft und Besucher im Vordergrund. Die Skulpturengruppe VARIABLE bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten: Sie kann als Arbeitstisch dienen, als Präsentationsfläche für Ideen und Kunstwerke oder einfach als Ausgangspunkt, um den Garten zu erkunden und dort zu verweilen.

Paula Gehrmanns Installationen versuchen, denjenigen Gesprächen, Handlungen und Menschen Raum zu geben, die im traditionellen Ausstellungsraum oft unsichtbar bleiben. Die Künstlerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Barrieren und Möglichkeiten des Kunstraums, der möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollte. Deshalb arbeitet sie oft mit lokalen Gruppen und Akteur zusammen.

Ein zentraler Bestandteil der diesjährigen Ausstellung ist ein Veranstaltungsprogramm, das gemeinsam mit Studierenden der Universität Jena und lokalen Initiativen entwickelt wurde. Wöchentlich, meist mittwochs um 16 Uhr, gibt es Veranstaltungen, die Begegnungen und Austausch zwischen lokalen und universitären Initiativen sowie den Besucher ermöglichen. Diese beinhalten Gespräche, Workshops und Pop-Up-Ausstellungen.

Paula Gehrmann, geboren 1982 in Berlin und wohnhaft in Leipzig, ist eine freischaffende Künstlerin, Fotografin und Handwerkerin. Sie hat an zahlreichen (inter)nationalen Gruppenausstellungen teilgenommen, unter anderem im Museum der bildenden Künste Leipzig, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, im Moscow Museum of Modern Art und im Osservatorio Fotografico Ravenna. Zudem arbeitet sie seit vielen Jahren mit der Offenen Kunst·Werkstatt Lebenshilfe Leipzig e.V. zusammen.

Weitere Informationen zur Ausstellung: https://www.jenaer-kunstverein.de/fsg…