Paula Gehrmann im Frommannschen Skulpturen Garten 2024 in Jena

Jena. Wie wollen wir den öffentlichen Raum gestalten? Im Garten des Frommannschen Anwesens in Jena wird in diesem Sommer eine Skulpturengruppe der Leipziger Künstlerin Paula Gehrmann ausgestellt, die sich mit dieser Frage auseinandersetzt. Ihre minimalistischen Skulpturen aus verzinktem Stahl schaffen einen Parcours durch den Garten und betonen seine Funktion als öffentlicher Raum.

Im Sinne des Titels „VARIABLE“ sind Paula Gehrmanns Skulpturen modular aufgebaut und passen sich stets den räumlichen und sozialen Kontexten an, in denen sie präsentiert werden. Im Garten des Frommannschen Anwesens steht die Interaktion zwischen Kunstwerk, Nachbarschaft und Besucher im Vordergrund. Die Skulpturengruppe VARIABLE bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten: Sie kann als Arbeitstisch dienen, als Präsentationsfläche für Ideen und Kunstwerke oder einfach als Ausgangspunkt, um den Garten zu erkunden und dort zu verweilen.

Paula Gehrmanns Installationen versuchen, denjenigen Gesprächen, Handlungen und Menschen Raum zu geben, die im traditionellen Ausstellungsraum oft unsichtbar bleiben. Die Künstlerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Barrieren und Möglichkeiten des Kunstraums, der möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollte. Deshalb arbeitet sie oft mit lokalen Gruppen und Akteur zusammen.

Ein zentraler Bestandteil der diesjährigen Ausstellung ist ein Veranstaltungsprogramm, das gemeinsam mit Studierenden der Universität Jena und lokalen Initiativen entwickelt wurde. Wöchentlich, meist mittwochs um 16 Uhr, gibt es Veranstaltungen, die Begegnungen und Austausch zwischen lokalen und universitären Initiativen sowie den Besucher ermöglichen. Diese beinhalten Gespräche, Workshops und Pop-Up-Ausstellungen.

Paula Gehrmann, geboren 1982 in Berlin und wohnhaft in Leipzig, ist eine freischaffende Künstlerin, Fotografin und Handwerkerin. Sie hat an zahlreichen (inter)nationalen Gruppenausstellungen teilgenommen, unter anderem im Museum der bildenden Künste Leipzig, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, im Moscow Museum of Modern Art und im Osservatorio Fotografico Ravenna. Zudem arbeitet sie seit vielen Jahren mit der Offenen Kunst·Werkstatt Lebenshilfe Leipzig e.V. zusammen.

Weitere Informationen zur Ausstellung: https://www.jenaer-kunstverein.de/fsg…

Wie das Dresdner DEFA-Trickfilmstudio Welten erschuf, verlor und wiederfand

Drei Teaser 1. Persönlich Heimatverlust. Stell dir vor, dein Arbeitsplatz ist mehr als nur ein Büro – er ist eine Familie, eine kreative Trutzburg gegen die graue Realität draußen. Für die Mitarbeiter des DEFA-Trickfilmstudios war genau das Alltag. Sie erschufen Welten aus Papier und Draht, während um sie herum ein Staat zerbröckelte. Doch dann kam die Wende, und mit ihr nicht die erhoffte Freiheit, sondern der Rauswurf. Wir begleiten ehemalige Regisseure und Puppenbauer, die mit Tränen in den Augen erzählen, wie sie ihre Lebenswerke buchstäblich aus dem Müllcontainer fischen mussten. Eine Geschichte über gebrochene Biografien, unbändige Leidenschaft und die schmerzhafte Frage: Was bleibt von mir, wenn mein Studio stirbt? 2. Sachlich-Redaktionell Trickfilmgeschichte. Über 35 Jahre lang war Dresden das Zentrum des ostdeutschen Animationsfilms. Von 1955 bis zur Abwicklung 1992 produzierten hier rund 240 Angestellte hunderte Filme für Kino und Fernsehen – vom Sandmännchen-Vorprogramm bis zur regimekritischen Parabel. Die Dokumentation „Kaspar, Mäxchen Pfiffig und Teddy Plüsch“ zeichnet den Aufstieg und Fall des DEFA-Studios für Trickfilme präzise nach. Sie beleuchtet die Produktionsbedingungen unter sozialistischer Planwirtschaft, die Zensurmechanismen und die drastischen Folgen der Treuhand-Abwicklung. Zugleich dokumentiert sie die erfolgreiche Gründung des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF), das heute das kulturelle Erbe verwaltet und für die Nachwelt sichert. 3. Analytisch und Atmosphärisch Schattenriss. Zwischen Propaganda und Poesie: Der DDR-Trickfilm war stets ein Balanceakt. In den Dresdner Studios entstand eine Ästhetik des Subtilen, geboren aus der Notwendigkeit, zwischen den Zeilen zu erzählen. Die Dokumentation legt die Mechanismen einer „Insel der Glückseligkeit“ frei, die paradoxerweise streng bewacht war. Atmosphärisch dicht verwebt der Film die melancholische Schönheit alter Silhouetten-Animationen mit der brutalen Nüchternheit der Nachwendezeit. Es ist eine Analyse der Macht von Bildern – wie man mit einer einfachen Drahtfigur politische Systeme hinterfragen kann und wie fragil künstlerische Freiräume sind, wenn sie plötzlich den Marktkräften ausgesetzt werden. Ein Abgesang auf das Analoge im digitalen Zeitalter.