Start Blog Seite 136

Wasser, Wirtschaft, Wandel: Leipzigs urbane Flussgeschichte

0

Leipzig. Wo einst uralte Auenlandschaften den Menschen prägten, untersucht heute ein interdisziplinäres Forscherteam, wie das Wasser die Stadtentwicklung in Leipzig von der Jahrtausendwende bis zur Frühen Neuzeit beeinflusst hat – und umgekehrt. Im DFG-­Schwerpunktprogramm „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ widmet sich das Teilprojekt „Leipzig, eine Stadt im Fluss“ unter der Leitung von Dr. Johannes Schmidt (Universität Leipzig) erstmals systematisch der langen Geschichte urbaner Flussbeziehungen.

„Leipzig ist mehr als nur eine Stadt am Wasser“, erklärt Dr. Schmidt, „es ist ein lebendiges Archiv von Nutzungen, Eingriffen und Spuren, die wir durch historische Quellen, archäologische Befunde und geowissenschaftliche Analysen entschlüsseln.“

Vier Module für ein komplexes Geflecht
Das Projekt gliedert sich in vier zentrale Forschungsstränge:

  • Hydrologische Dynamik und Stadtentwicklung
    Historische Quellen belegen, dass Leipzigs kleine Fließgewässer – Pleiße, Parthe und Weiße Elster – frühzeitig in Mühlgräben geleitet und kanalisiert wurden. Dr. Schmidt und sein Team rekonstruieren, ab wann und unter welchen Bedingungen die Stadt aktiv in den Wasserhaushalt eingegriffen hat, um Energie zu gewinnen und Abwässer zu leiten.
  • Ökonomische Nutzung der Aue
    Holzschlag, Schweinemast, Wiesenbewirtschaftung: Die Auen boten vielfältige Ressourcen. Gegengewichte lieferten Dürrephasen und Überschwemmungen, die immer wieder Infrastrukturen zerstörten und Nutzungskonzepte infrage stellten. Wie wirkten sich solche Extremereignisse auf die lokalen Ökonomien aus?
  • Extremereignisse: Flut und Dürre
    Durch Archivstudien und Sedimentanalysen wird sichtbar, mit welcher Häufigkeit und Intensität Überschwemmungen stattfanden. Welche gesellschaftlichen Reaktionen – From bau von Dämmen bis hin zu Umsiedlungen – waren die Folge?
  • Verschmutzung und Legacy-Effekte
    Gewerbliche Abwässer, vor allem aus der Gerberei, hinterließen toxische Stoffe in den Böden. Mit geochemischen Messungen spüren die Forschenden jahrhundertealte Schadstoffeinträge auf und beleuchten, wie solche “Legacy-Effekte” bis heute Stadtplanung und Ökologie prägen.

Lokales Engagement und interdisziplinäre Kraft
Ein Alleinstellungsmerkmal des Vorhabens ist die enge Verzahnung von Wissenschaft und Alltagswirklichkeit: „Alle Beteiligten – von den Doktorandinnen bis zu den Profis – leben in Leipzig“, sagt Dr. Schmidt, „wir gehen jeden Morgen durch die Aue spazieren und sehen direkt, wovon unsere Quellen berichten.“ Dieses unmittelbare Erleben fördert den persönlichen Bezug und lenkt den Blick nicht nur auf Sedimentkerne, sondern auf die aktuellen Herausforderungen des Leipziger Auwalds.

Bedeutung über Leipzig hinaus
Während die heutige Diskussion um Klimawandel und Biodiversität vor allem auf aktuelle Emissionen und Wetterereignisse schaut, ergänzt das Leipziger Forschungsteam diese Perspektive um historische Dimensionen. Indem es die Spuren menschlicher Eingriffe und natürlicher Dynamik aus dem Hochmittelalter bis zur Frühen Neuzeit sichtbar macht, liefert das Projekt wertvolle Hinweise dafür, wie Städte auch morgen resilienter und ökologisch verträglicher mit Wasser umgehen können.

„Nur wer die Vielschichtigkeit unserer fluvialen Vergangenheit kennt, kann angemessen auf zukünftige Herausforderungen reagieren“, fasst Dr. Schmidt zusammen. Leipzig dient damit nicht nur als historisches Fallbeispiel, sondern als Blaupause für eine nachhaltige Stadt-Fluss-Partnerschaft in Europa.

Die Wehrhafte Wasserburg Kapellendorf im Herzen Thüringens

0

Die Wasserburg Kapellendorf, gelegen im thüringischen Weimarer Land, ist ein eindrucksvolles Beispiel mittelalterlicher Wehrarchitektur und erzählt eine reiche Geschichte, die bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht. Die Burg liegt malerisch im Tal der Ilm und beeindruckt durch ihre massiven Mauern, die von einem Wassergraben umgeben sind. Ihre Ursprünge reichen in die Zeit der Ottonen zurück, als die erste Anlage vermutlich als Fluchtburg für die umliegenden Dörfer diente.

Im 12. Jahrhundert erhielt die Burg ihre heutige Form, als die Herren von Kapellendorf den Bau zu einer wehrhaften Anlage ausbauten. Der imposante Bergfried, der das Zentrum der Anlage bildet, wurde zu dieser Zeit errichtet und ist bis heute das markanteste Wahrzeichen der Burg. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Burg mehrfach den Besitzer, was zu verschiedenen baulichen Erweiterungen und Veränderungen führte.

Besonders bedeutend war die Zeit im 15. und 16. Jahrhundert, als die Wasserburg Kapellendorf zum Herrensitz der Familie von Vitzthum wurde. Unter ihrer Herrschaft erlebte die Burg eine Blütezeit und wurde weiter befestigt und ausgebaut. Die Burgmauern, die mächtigen Türme und das Torhaus mit der Zugbrücke stammen größtenteils aus dieser Zeit. Doch trotz aller Verstärkungen konnte die Burg in den folgenden Jahrhunderten nicht verhindern, dass sie immer wieder in die Wirren der regionalen Konflikte verwickelt wurde. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Burg erhebliche Schäden, die jedoch später wieder behoben wurden.

Im 19. Jahrhundert verlor die Wasserburg zunehmend an Bedeutung und verfiel allmählich. Erst im 20. Jahrhundert begann man, den historischen Wert der Anlage zu erkennen und Maßnahmen zur Restaurierung einzuleiten. Heute ist die Wasserburg Kapellendorf ein beliebtes Ausflugsziel und beherbergt ein Museum, das die Geschichte der Burg und der Region beleuchtet. Besonders beeindruckend sind die gut erhaltenen Räume, die die mittelalterliche Atmosphäre spürbar machen, sowie der malerische Burghof, der von den mächtigen Mauern umgeben ist.

Die Wasserburg Kapellendorf ist nicht nur ein Zeugnis mittelalterlicher Baukunst, sondern auch ein Ort lebendiger Geschichte. Durch Veranstaltungen, Führungen und Ausstellungen wird das kulturelle Erbe der Region bewahrt und für Besucher erlebbar gemacht. Sie steht heute als Symbol für die wechselvolle Geschichte Thüringens und bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Architektur vergangener Jahrhunderte.

Kinder der 90er: Bruchstückhafte Erinnerungen an die Berliner Mauer

0

Die Gedenkstätte an der Bernauer Straße in Berlin, 1998 für über zweieinhalb Millionen Mark errichtet, wirkt bisweilen leblos und künstlich. Eine polierte Stahlwand, Symbol für den Grenzverlauf, zeigt bereits Rostflecken. Holzstämme, die früher eine Häuserzeile andeuteten, stehen isoliert auf kahlem Beton – nur wenige Passanten halten inne, um zu reflektieren.

Ein Gespräch mit mehreren Kindern, die in den 1990er-Jahren aufgewachsen sind, macht deutlich, wie lückenhaft ihr Wissen ist: Ein Sechsjähriger verknüpft die Mauer mit den Weltkriegen und vermutet eine dauerhafte Teilung, weil sich die Menschen „immer gestritten“ hätten. Eine Schülerin hört von Familienerzählungen, dass es in Ost-Berlin „viel Mehl“ und eine bessere Versorgung gab, während ein Junge ahnt, dass Flüchtende an der Mauer erschossen wurden.

Statt klarer historischer Zusammenhänge liefert der Schulunterricht häufig nur Bruchstücke. Die Gründe für die deutsche Teilung nach 1945, die politischen Interessen hinter dem Mauerbau und der Alltag an der Grenze bleiben unklar. Doch eines eint die Kinder: das unmissverständliche Nein zu Mauern. Eine Fünftklässlerin fasst es zusammen: „Keine Mauer mehr, nirgendwo.“

Pädagogen und Historiker bestätigen, dass die abstrakte Gestaltung vieler Gedenkorte oft kein nachhaltiges Interesse weckt. Originalabschnitte und zeitgenössische Fotos an der Bernauer Straße reichen ohne narrative und interaktive Vermittlung nicht aus.

Vereinzelte Schulen in Berlin setzen deshalb auf Zeitzeugenberichte und digitale Rekonstruktionen: Eine Virtual-Reality-Station versetzt die Teilnahme­rinnen und Teilnehmer virtuell hinter die Mauer und macht Fluchtszenarien erlebbar.

Diese Form der Geschichtsvermittlung gilt als Schlüssel, um Fakten und Empathie zu verbinden. Nur so bleibt das Wissen lebendig und die moralische Lektion erhalten: Mauern sind keine Antworten auf menschliche Konflikte. Ohne eine solche lebendige Vermittlung droht das Gedächtnis an die Teilung auf fragmentarische Reste zu schrumpfen.

Die Geschichte des Warnemünder Hafens: Von der Hansezeit zum Kreuzfahrtterminal

0

Die Geschichte des Warnemünder Hafens ist weit mehr als nur die Chronik eines regionalen Umschlagplatzes – sie ist das Spiegelbild von Machtverschiebungen, technologischen Fortschritten und kulturellem Wandel an der Ostseeküste. In der aktuellen Folge der beliebten Sendereihe „Goldhofers Zeitreise“ führt uns Dr. Rainer Goldhofer auf eine faszinierende Reise durch Jahrhunderte, die den Hafen von seinen bescheidenen Anfängen als Fischerdorf bis hin zur modernen Infrastruktur eines Kreuzfahrtterminals porträtiert.

Frühe Anfänge und die Hansezeit
Bereits im 13. Jahrhundert, als deutsche Siedler aus Westfalen, Niedersachsen, Friesland und Holstein in die Region kamen, begann die Geschichte Warnemündes. Die damalige Siedlung, zunächst ein einfacher Standort für Fischer und Bauern, entwickelte sich im Zuge der Hansezeit zu einem bedeutenden Umschlagplatz. Archivalische Dokumente und historische Karten, die in der Sendung eindrucksvoll präsentiert werden, belegen, dass die strategische Lage an der Mündung der Warnow schon früh als entscheidender Knotenpunkt im Handel zwischen Binnenland und Ostsee erkannt wurde.

Goldhofer schildert, wie die wachsende Bedeutung des Hafens mit der Erteilung städtischer Rechte an Rostock einherging – ein Schritt, der den Grundstein für die spätere wirtschaftliche Entwicklung legte. Die ersten Zufahrten, die erst aufwendige Maßnahmen wie die Vertiefung des Fahrwassers erforderte, zeigen eindrucksvoll, wie Technik und Natur sich im stetigen Dialog begegneten.

Technischer Fortschritt und Wandel im 19. Jahrhundert
Der Übergang ins 19. Jahrhundert brachte den Hafen von Warnemünde in eine neue Ära. Mit dem Einzug der Dampfschifffahrt und dem Ausbau der Hafeneinfahrt wurde der Standort an der Ostsee zunehmend modernisiert. Goldhofer berichtet, wie die Einführung technischer Neuerungen – etwa die Verlängerung der Mole und die Einrichtung eines Hafenbeckens – den Hafen in die Lage versetzte, auch größere Schiffe aufzunehmen und den steigenden Anforderungen des internationalen Handels gerecht zu werden.

Ein besonderes Highlight der Sendung ist die Rekonstruktion der damaligen Bauprojekte, die zeigen, wie ambitioniert und zukunftsgerichtet die damaligen Planer vorgingen. So diente der Hafen nicht nur als Tor zur Welt, sondern entwickelte sich auch zu einem Symbol der regionalen Identität und des Fortschritts, der in der industriellen Revolution seinen Höhepunkt fand.

Krieg und Teilung: Der Hafen in bewegten Zeiten
Die Geschichte des Warnemünder Hafens wurde in den folgenden Jahrhunderten immer wieder von Konflikten und Umbrüchen geprägt. Während des Dreißigjährigen Krieges, in dem der Hafen kurzzeitig als Kriegshafen ausgebaut werden sollte, und später im Zweiten Weltkrieg, als militärische Interessen und strategische Bedeutung den Betrieb prägten, erlebte der Hafen wiederholt dramatische Veränderungen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und während der DDR-Zeit nahm der Hafen eine zentrale Rolle im sozialistischen Wirtschaftsgefüge ein. Goldhofer kombiniert in seiner Erzählung eindrucksvolle Archivaufnahmen mit persönlichen Erinnerungen ehemaliger Hafenarbeiter, die von der harten Realität des Wiederaufbaus und der politischen Restriktionen berichten. Diese bewegten Zeiten hinterließen Spuren – nicht nur in der Infrastruktur, sondern auch im kollektiven Gedächtnis der Bewohner.

Die Wiedervereinigung und der Aufschwung des Tourismus
Mit dem Fall der Mauer begann für Warnemünde eine Phase des Neubeginns. Der ehemals industriell geprägte Hafen wandelte sich rasant und entwickelte sich zu einem Hotspot des Kreuzfahrttourismus. Heute ziehen regelmäßig Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe in den Hafen ein – ein wirtschaftlicher Erfolg, der jedoch auch neue Herausforderungen mit sich bringt.

Goldhofer zeigt in seiner Sendung, wie sich die Ansprüche an den Hafen und die angrenzende Infrastruktur verändern. Moderne Anforderungen an Umweltschutz, Nachhaltigkeit und die Integration von touristischen Angeboten treffen auf jahrhundertealte Traditionen. Experteninterviews und Statements von Hafenverwaltern vermitteln, dass die Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und ökologischer Verantwortung ein zentrales Thema der aktuellen Entwicklung ist.

Ein Hafen als lebendiger Zeitzeuge
Die Sendung „Goldhofers Zeitreise – Die Geschichte des Warnemünder Hafens“ bietet weit mehr als eine reine Bestandsaufnahme historischer Fakten. Sie ist ein lebendiges Portrait eines Ortes, der im steten Wandel begriffen ist. Von den ersten Schritten deutscher Siedler über die dynamischen Veränderungen in Kriegszeiten bis hin zu den Herausforderungen und Chancen der globalisierten Wirtschaft – der Hafen steht sinnbildlich für die wechselhaften Zeiten, die auch das moderne Deutschland prägen.

Besonders beeindruckend ist Goldhofers Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen. Die ruhige, sachliche Erzählweise und der Verzicht auf reißerische Elemente erlauben es dem Zuschauer, tief in die Materie einzutauchen und die historische Bedeutung des Hafens zu erkennen. So wird deutlich: Geschichte findet nicht nur in staubigen Archiven statt, sondern auch an den Ufern der Ostsee, wo Vergangenheit und Zukunft in einem stetigen Dialog stehen.

Ausblick: Herausforderungen und Perspektiven
Der Blick in die Zukunft des Warnemünder Hafens ist von spannenden Perspektiven geprägt. Die wachsende Zahl von Kreuzfahrtschiffen und die damit verbundene wirtschaftliche Dynamik bieten enormes Potenzial – jedoch auch Herausforderungen. Wie sollen etwa Umweltbelastungen minimiert und die Infrastruktur an die steigenden Ansprüche angepasst werden? Diese Fragen sind zentral, wenn es darum geht, den Hafen nicht nur als wirtschaftlichen Motor, sondern auch als nachhaltigen Standort zu erhalten.

Goldhofer und seine Gesprächspartner betonen, dass der Schlüssel in einer engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und der lokalen Bevölkerung liegt. Nur so kann es gelingen, die Balance zwischen Tradition und Innovation zu wahren und den Hafen zu einem Symbol für Fortschritt und Verantwortung zu machen.

Die Geschichte des Warnemünder Hafens ist ein vielschichtiges Narrativ, das weit über die rein wirtschaftliche Bedeutung hinausgeht. Sie erzählt von menschlichen Schicksalen, von Mut und Anpassungsfähigkeit in Zeiten des Wandels. Dr. Rainer Goldhofer gelingt es in seiner Zeitreise, diese facettenreiche Geschichte lebendig und authentisch darzustellen – und damit einen wertvollen Beitrag zum Verständnis unserer maritimen Identität zu leisten.

Ob als Symbol vergangener Glanzzeiten, als Zeuge kriegerischer Umbrüche oder als Vorreiter moderner Entwicklungen – der Warnemünder Hafen bleibt ein Ort, der Geschichte schreibt und zugleich den Weg in die Zukunft weist.

VLP beschleunigt Verkehrswende: Elektrische Rufbusse rollen durch Ludwigslust-Parchim

0

Ludwigslust. Die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) baut ihr Engagement für klimafreundliche Mobilität konsequent weiter aus: Seit Anfang März sind im gesamten Landkreis 26 neue Elektro-Rufbusse im Einsatz, die das vorhandene Angebot umweltfreundlich und flexibel ergänzen.

Vom Pionierprojekt zum flächendeckenden Angebot
Bereits 2021 hatte die VLP als eines der ersten Verkehrsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern den Umstieg auf Elektrobusse im Linienverkehr vollzogen. Nun folgt der nächste Schritt: Nachdem das Rufbussystem seit 2016 sukzessive gewachsen ist und zuletzt über 42 Diesel- und Benzinfahrzeuge umfasste, ersetzen die kompakten E-Kia-Modelle ab März 2025 die gesamte Rufbusflotte. Geschäftsführer Stefan Löse betont:

„Mit den Fördermitteln, die uns für diese Flottenerneuerung zur Verfügung standen, konnten wir ein klares Signal für die Antriebswende setzen. Wir wollen als öffentlicher Auftraggeber mit gutem Beispiel vorangehen.“

Rund um die Uhr erreichbar – auch für abgelegene Orte
In 44 Rufbus-Zonen decken die Elektrofahrzeuge das gesamte Kreisgebiet ab und verbinden Dörfer und Peripherie flexibel mit den Bahnhöfen und zentralen Orten. Bestellungen sind rund um die Uhr per Smartphone-App oder Telefon möglich – mindestens eine Stunde vor Fahrtbeginn. Jedes Fahrzeug bietet Platz für einen Kinderwagen oder Rollstuhl, muss jedoch vorab angemeldet werden.

Langjährige Nutzerin Antje Haase aus Banzkow ist begeistert:

„Der Rufbus ist zuverlässig und anpassungsfähig – ich kann ihn buchen, wie ich ihn brauche. Die Fahrerinnen und Fahrer sind zudem immer freundlich.“

Technische Daten und Infrastruktur
Die Elektro-Rufbusse verfügen über 98 kWh-Akkus und 800-Volt-Ladesysteme, die sie in der Regel nach jeder Tour in den Betriebshöfen aufladen. Mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern meistern die Fahrzeuge auch längere Überlandfahrten mühelos.

Fahrer Matthias Hellwig, seit Dezember 2023 bei der VLP, schätzt die neue Technik:

„Die E-Busse sind leise und kraftvoll. Ich lerne viele Streckenabschnitte und neue Menschen kennen – da macht das Pendeln richtig Freude.“

Perspektive ländlicher ÖPNV
Mit der Umstellung auf Elektro-Rufbusse setzt die VLP nicht nur ihr eigenes Nachhaltigkeitskonzept fort, sondern demonstriert zugleich, wie modernes Mobilitätsmanagement im ländlichen Raum funktionieren kann. In Zeiten von Klimaschutzvorgaben und Energiewende zeigt sich: Auch Regionen außerhalb der Metropolen können mit Innovation und Fördermitteln zu Vorreitern werden.

Steinzeitdorf in Magdeburg öffnet nach mehrjähriger Schließung

0

Magdeburg-Randau. Nach mehr als zweijähriger Zwangspause öffnete das Steinzeitdorf in Magdeburg-Randau am 1. Mai wieder seine Pforten. Die rustikale Nachbildung prähistorischer Langhäuser und Werkstätten hatte seit 2022 keine regelmäßigen Führungen und pädagogischen Angebote mehr ermöglicht – doch nun lädt das Freilichtmuseum Familien, Schulklassen und Geschichtsbegeisterte ein, in längst vergangene Zeiten einzutauchen.

Neue Partnerschaft sichert Zukunft des Freilichtmuseums
Möglich wird die Wiedereröffnung durch eine Kooperation zwischen den Pfeifferschen Stiftungen und dem Förderverein Randau. „Die Pfeifferschen Stiftungen bringen nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Expertise im Bereich Bildungs- und Erlebnismuseum ein“, erklärt Martina Schulz, Vorsitzende des Fördervereins. Gemeinsam wollen beide Träger das Dorf langfristig betreiben und weiterentwickeln.

Die Landeshauptstadt Magdeburg hatte bereits 600.000 Euro in die Sanierung investiert: Das historische Gruppenhaus wurde instand gesetzt, mehrere Langhäuser vollständig erneuert und ein neues Backhaus errichtet. Weitere Fördermittel in Höhe von 350.000 Euro stehen bis 2026 bereit, um etwa Wege zu befestigen, Ausstellungsstücke zu ergänzen und barrierefreie Zugänge zu schaffen.

Wiedereröffnung mit mittelalterlichem Flair
Zur offiziellen Eröffnung vom 1. bis 3. Mai lädt der Förderverein Randau zu einem vielfältigen Rahmenprogramm ein. Zwei Lagergruppen – die Händlersippe „Anno 962“ und die „Harzfüchse“ – präsentieren mittelalterliches Handwerk und Handelswaren. Während die einen Bronze- und Silberwaren feilbieten, zeigen die Harzfüchse traditionelle Holzschnitzarbeiten und geben Einblick in alte Zimmermannstechniken.

Für das leibliche Wohl sorgen am 1. Mai ab 10 Uhr die Freiwillige Feuerwehr Randau und der Förderverein: Auf dem Areal brutzeln Bratwurst und Stockbrot, Met und Kräutertee dürfen natürlich nicht fehlen. Auch handgemachte Keramik, Wolltextilien und Lederwaren finden reißenden Absatz.

Bildungsangebot für Jung und Alt
Abseits der Festtage sollen künftig wieder regelmäßig Kurse stattfinden: Töpfern in der Feuerscheune, Weben an originalgetreuen Webstühlen und Bogenschießen auf der Wiese hinter dem Gruppenhaus. Die Programme richten sich vor allem an Schulklassen, die das Dorf nach vorheriger Anmeldung besuchen können. „Für unsere Schülerinnen und Schüler ist das Steinzeitdorf mehr als nur ein Museumsbesuch – hier wird ihre Geschichtserzählung lebendig“, sagt Anna Becker, Lehrerin an der Regionalen Schule „Am Elbauenpark“.

Auch Erwachsene sollen mit Workshops und Sonderführungen angesprochen werden. Geplant sind unter anderem „Archäologische Sondagen“, bei denen Interessierte selbst Grabungsgeräte ausprobieren dürfen, sowie Themenabende zu Ernährung und Werkzeugtechnik der Jungsteinzeit.

Perspektiven und Herausforderungen
Trotz der neu gesicherten Finanzierung steht das Steinzeitdorf vor Herausforderungen: Die Erschließung weiterer Förderquellen für Personal- und Betriebskosten bleibt eine Daueraufgabe. Darüber hinaus müssen Konzepte entwickelt werden, um bei wechselhaftem Wetter Ausweichmöglichkeiten für Veranstaltungen zu bieten.

Den Verantwortlichen ist jedoch bewusst, dass gerade das einzigartige Konzept des prähistorischen Freilichtmuseums viele Besucher anzieht. „Unser Ziel ist es, das Dorf zu einem festen Bestandteil der regionalen Bildungslandschaft zu machen“, so Schulz. Wenn das Konzept aufgeht, könnten künftig nicht nur Touristen, sondern auch junge Familien und Kulturinteressierte aus ganz Sachsen-Anhalt den Alltag der Altsteinzeit hautnah erleben – ganz im Sinne von „Herz, Hand und Feuerstein“.

Die „Ferkeltaxen“ der Deutschen Reichsbahn

0

In den frühen 1960er Jahren brachte die Deutsche Reichsbahn mit dem VT 2.09 eine neue Generation von Leichttriebwagen auf die Schienen. Diese Fahrzeuge sollten den Nahverkehr auf nicht elektrifizierten Strecken verbessern und zugleich die Betriebskosten senken. Der VT 2.09, später als BR 172 bezeichnet, war ein bedeutender Schritt in der Modernisierung des Schienenverkehrs in der DDR.

Die Entwicklung der VT 2.09 begann in den späten 1950er Jahren, als die Reichsbahn erkannte, dass die vorhandenen Triebwagen den gestiegenen Anforderungen des Personenverkehrs nicht mehr gerecht wurden. Ziel war es, einen robusten, zuverlässigen und wirtschaftlichen Triebwagen zu konstruieren, der sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum eingesetzt werden konnte. Die Konstruktion übernahm der VEB Waggonbau Bautzen, ein renommierter Hersteller von Eisenbahnfahrzeugen.

Der VT 2.09 war ein zweiteiliger Dieseltriebwagen, der aus einem motorisierten Triebwagen und einem antriebslosen Beiwagen bestand. Die Fahrzeuge verfügten über eine einfache, aber funktionale Ausstattung, die den Bedürfnissen des Nahverkehrs angepasst war. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und einer Leistung von 300 PS konnte der VT 2.09 auf vielen Strecken einen schnellen und effizienten Transport gewährleisten.

Technisch überzeugte der VT 2.09 durch seine robuste Bauweise und die Verwendung bewährter Komponenten. Der Dieselmotor wurde von der Firma VEB Motorenwerk Johannisthal geliefert, während die Getriebe von VEB Getriebebau „Roter Oktober“ in Magdeburg stammten. Diese Zusammenarbeit verschiedener DDR-Betriebe garantierte eine hohe Verfügbarkeit von Ersatzteilen und eine einfache Wartung der Triebwagen.

Der Einsatz des VT 2.09 begann 1962 und erlebte schnell eine breite Akzeptanz bei Fahrgästen und Eisenbahnern. Die Triebwagen wurden auf zahlreichen Nebenstrecken in der gesamten DDR eingesetzt und galten als zuverlässig und komfortabel. Besonders auf Strecken mit geringem Fahrgastaufkommen und schwierigen topografischen Bedingungen spielten die VT 2.09 ihre Vorteile aus.

Ein markantes Merkmal des VT 2.09 war seine charakteristische Lackierung in den Farben der Deutschen Reichsbahn, die ihn sofort erkennbar machte. Auch das Interieur wurde mehrfach modernisiert, um den steigenden Ansprüchen gerecht zu werden. Die Fahrzeuge boten Platz für etwa 120 Fahrgäste und waren sowohl im Berufs- als auch im Ausflugsverkehr im Einsatz.

Mit der politischen Wende 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 änderte sich auch die Situation der Deutschen Reichsbahn und ihrer Fahrzeuge. Viele VT 2.09 wurden noch einige Jahre weiter betrieben, bevor sie nach und nach durch modernere Triebwagen ersetzt wurden. Einige Exemplare wurden jedoch erhalten und finden sich heute in verschiedenen Eisenbahnmuseen oder werden bei Sonderfahrten eingesetzt.

Der VT 2.09 bleibt ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Deutschen Reichsbahn und ein Symbol für die Bemühungen um eine effiziente und moderne Nahverkehrslösung in der DDR. Die Leichttriebwagen standen für Fortschritt und Zuverlässigkeit und trugen wesentlich zur Mobilität in der DDR bei.

Goethe, Schiller und die Weimarer Klassik: Von Sturm und Drang zur nationalen Ikone

0

Weimar / Jena. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller gelten bis heute als Eckpfeiler deutscher Literatur. Ihre enge Zusammenarbeit, die ab 1794 in Weimar und Jena blühte, prägt das, was wir heute als „Weimarer Klassik“ bezeichnen. Doch wie entstand diese Epoche, und was macht sie bis heute so einzigartig – und umstritten?

Anfänge im Sturm und Drang
Beide Dichter starteten ihre Karriere in der aufwühlenden Phase des Sturm und Drang, einer Strömung, die das Individuum feierte und Konventionen radikal hinterfragte. Goethe, 1749 in Frankfurt am Main geboren, feierte mit seinem Drama Götz von Berlichingen (1773) und vor allem mit dem Briefroman Die Leiden des jungen Werther (1774) erste literarische Triumphe. Letzterer löste nicht nur eine Modewelle aus – junge Männer kleideten sich fortan in gelber Weste und blauem Frack –, sondern machte Goethe schlagartig zum gefeierten Schriftsteller.

Schiller, zehn Jahre jünger und 1759 in Marbach am Neckar geboren, wagte 1781 mit Die Räuber sein Debüt. Das Drama, in dem zwei Brüder die bestehende Ordnung herausfordern, stieß auf begeisterte Resonanz und machte den jungen Autor berühmt. Doch der Herzog von Württemberg verbot ihm daraufhin, weiterhin literarisch zu arbeiten. Schiller verlor sein sicheres Einkommen und entschied sich zur Flucht – ein radikaler Schritt, der seinem künstlerischen Selbstverständnis entsprang.

Freundschaft und Weimarer Klassik
Trotz ihrer frühen Erfolge dauerte es bis Juli 1794, bis Goethe und Schiller in Jena erstmals ernsthaft miteinander ins Gespräch kamen. Ein Vortrag Schillers war Anlass für ein so lebhaftes, langes Gespräch, dass beide den Beginn einer prägenden Freundschaft empfanden. Schillers Umzug nach Weimar im Dezember 1799 und sein Adelstitel (1802) brachten die beiden schließlich physisch zusammen.

In zahlreichen nächtlichen Diskussionen entwickelten sie ein gemeinsames ästhetisches Programm: die Rückkehr zu antiken Vorbildern, die Förderung von Humanität und Toleranz sowie das Gleichgewicht von Gefühl und Verstand. Goethe ließ sich von seiner Italienreise (1786–1788) inspirieren, Schiller von seiner historischen Professur in Jena. Werke wie Goethes Iphigenie auf Tauris (1787) und Schillers Wallenstein-Trilogie (1798–1799) wurden zu Musterbeispielen klassischer Dramen – streng strukturiert, in Versform und mit moralischem und erzieherischem Anspruch.

Antike Ideale und humanistischer Anspruch
Die Weimarer Klassik verstand sich als Gegenentwurf zu den Gewalt­exzessen der Französischen Revolution. Goethe und Schiller plakatierten Werte wie Menschenwürde und sittliche Verantwortung – als Korrektiv zu den chaotischen Umbrüchen ihrer Zeit. Antike Kunst und Dichtung galten ihnen als Vorbild: Nicht nur in Struktur und Form, sondern auch in Haltung.

Rezeption und nationale Vereinnahmung
Nach Schillers frühem Tod am 9. Mai 1805 setzte Goethe die gemeinsame Arbeit fort und wurde zur Symbolfigur deutscher Kultur. Bereits 1832 – wenige Jahre nach Goethes Tod 1832 – erhob die nationale Bewegung beide Dichter zu „National­dichtern“. Das berühmte Doppel­denkmal von 1857 vor dem Weimarer Theater festigte dieses Bild.

Im 19. Jahrhundert trug die Vereinnahmung als „kultureller Klebstoff“ den Gedanken eines Nationalstaats. Paradoxerweise engagierten sich weder Goethe noch Schiller zeitlebens für deutsche Einheitsbestrebungen – umso heftiger aber wurde ihr Erbe politisch instrumentalisiert, nicht zuletzt im Nationalsozialismus, wo sie als Vorläufer ge­genwärtiger Ideologie stilisiert wurden.

„Weimarer Klassik“ heute: Schlagwort und Kritik
Literaturwissenschaftler behalten den Begriff „Weimarer Klassik“ trotz Kritik bei, um die außergewöhnliche Phase intensiver Zusammenarbeit Goethes und Schillers zu beschreiben. Gleichwohl mahnen sie an, dass die Epoche nicht allein durch zwei Autoren definiert werden darf: Auch Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und andere prägten das kulturelle Klima am Weimarer Hof.

Die Weimarer Klassik bleibt ein faszinierendes Kapitel deutscher Geistesgeschichte: zwei herausragende Persönlichkeiten, die aus Sturm und Drang zu einem Modell „klassischer“ Harmonie fanden und deren Werke bis heute gelesen und diskutiert werden. Gleichzeitig wirft die nachträgliche nationale Instrumentalisierung ein Schlaglicht auf die Gefahren, literarisches Erbe für politische Zwecke zu vereinnahmen.

Ob man Goethe und Schiller als „unbedingt lesenswerte“ Autoren betrachtet oder andere Literaten bevorzugt – das Erbe beider ungebrochener Klassiker bietet vielfältige Ansätze für Diskussionen über Ästhetik, Moral und den Umgang mit kulturellem Erbe im 21. Jahrhundert.

Talsperre Klingenberg: Geschichte, Sanierung und Zukunftssicherheit im Spiegel der Zeit

0

Die Talsperre Klingenberg – ein Bauwerk, das seit über 100 Jahren dem Element Wasser trotzt – wurde nach dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 einer umfassenden Sanierung unterzogen. Heute steht sie nicht nur als Zeugnis frühzeitiger Ingenieurskunst, sondern auch als Symbol für moderne Technik und zukunftssichere Wasserversorgung.

Ein Jahrhundertbauwerk im Wandel der Zeit
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannte man im Erzgebirge die Notwendigkeit, Wasser nicht nur zu speichern, sondern auch vor verheerenden Hochwassern zu schützen. Der Architekt Hans Pölzig entwarf 1908 eine Staumauer, die allein durch ihre Masse dem Druck des Wassers standhalten sollte. In den folgenden Jahren wurde die Talsperre als Mehrzweckbauwerk – zur Trinkwasserversorgung für Tharandt, Freital und später auch Dresden – errichtet. Dabei spielte der Einsatz von Bruchsteinmauerwerk, eigens aufbereiteter Mörtel und sogar dampfbetriebene Bagger eine entscheidende Rolle.

Die Jahrhundertflut und ihre Folgen
Am 12. August 2002 wurde das Erzgebirge Zeuge eines außergewöhnlichen Naturereignisses: Über 312 Millimeter Regen innerhalb kürzester Zeit ließen die Wasser der Wilden Weißeritz in ungeahnte Höhen steigen. Obwohl die ursprüngliche Vorsperre den Wassermassen nicht standhalten konnte, bewies die Hauptsperre – gebaut vor mehr als einem Jahrhundert – trotz altersbedingter Mängel noch ihre Widerstandskraft. Dennoch machte diese Flut offensichtlich, dass das Bauwerk den heutigen Anforderungen an Hochwasserschutz und Trinkwassersicherheit nicht mehr gerecht werden konnte.

Moderne Sanierung – Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst
Unter der Leitung von Wasserbauingenieur Michael Humsch begann der ehrgeizige Sanierungsplan, der über acht Jahre hinweg rund 85 Millionen Euro kostete. Moderne Technik traf hier auf historische Bausubstanz: Der alte Umlaufstollen wurde in einen Grundablass umgewandelt, die Hochwasserentlastungsanlage komplett modernisiert und die originalgetreue Optik der Talsperre wiederhergestellt. Mit innovativen Modellversuchen der TU Aachen im Maßstab 1:30 konnten die Ingenieure präzise die Auswirkungen von Hochwasserströmen berechnen und so den Neubau der Entlastungsanlagen optimal planen.

Besonders dramatisch wurde es während des Tunnelbaus: Eine Tunnelbohrmaschine stieß unerwartet in einen alten Bergwerksstollen, was zu einem Wassereinbruch führte. Die Bauarbeiten wurden unterbrochen, um den Altbergbau zu sichern – ein Rückschlag, der jedoch nicht den Fortschritt des Projekts aufhielt. Nach einer zeitweisen Verzögerung konnte die Bohrmaschine ihren Weg fortsetzen und den Tunnel erfolgreich fertigstellen.

Ein Bauwerk für die Zukunft
Mit der Wiederinbetriebnahme der sanierten Talsperre im Frühjahr 2012 wurde nicht nur die Wasseraufnahme auf 15 Millionen Kubikmeter sichergestellt, sondern auch die Funktionalität für den Hochwasserschutz drastisch verbessert. Über 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde können im Notfall abgegeben werden – ein entscheidendes Kriterium, um auch zukünftige Extremereignisse zu meistern. Bereits bei der Juniflut 2013 bewies das modernisierte Bauwerk seine Leistungsfähigkeit, indem es den störungsfreien Betrieb der Trinkwasserversorgung für Dresden garantierte.

Die Sanierung der Talsperre Klingenberg ist mehr als nur ein technisches Update – sie ist ein Symbol für den gelungenen Spagat zwischen Erhalt historischer Baukunst und dem Erfordernis moderner Sicherheitstechnik. Handwerker und Ingenieure zweier Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen, um auch künftigen Generationen zuverlässigen Schutz und hochwertiges Trinkwasser zu garantieren.

„Freiheit auf dem Rückzug?“ – Eine politische Bestandsaufnahme Ostdeutschlands

0

Warum die AfD im Osten so stark ist – Eindrücke von einer brisanten Veranstaltung

Der große Saal des Karl-Rainer-Instituts in Leipzig war am 14. März bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 250 Gäste kamen, um einer Veranstaltung beizuwohnen, deren Titel bereits andeutete, dass es um mehr als eine bloße Wahlanalyse ging: „Der Osten Deutschlands: Freiheit auf dem Rückzug? Warum die AfD so stark ist.“ Eingeladen hatte das Institut in Kooperation mit der Initiative „Demokratie stärken“, die sich seit Jahren um politische Bildung und Dialog in Ostdeutschland bemüht. Als Gäste auf dem Podium: der Historiker und Bürgerrechtler Ilko-Sascha Kowalczuk und der Demokratieforscher Dr. Michael Jennewein.

Die zentrale Frage des Abends war deutlich: Wie konnte sich die AfD in weiten Teilen Ostdeutschlands zur stärksten politischen Kraft entwickeln? Und was bedeutet das für das demokratische Selbstverständnis der Bundesrepublik?

Die AfD – ein gesamtdeutsches Phänomen mit ostdeutscher Zuspitzung
Wie die Bundestagswahl, aber auch zahlreiche Landtagswahlen der letzten Jahre gezeigt haben, ist die AfD längst kein rein ostdeutsches Phänomen mehr. Sie ist in ganz Deutschland präsent – doch in Ostdeutschland ist sie besonders erfolgreich. In manchen Wahlkreisen erreicht sie inzwischen beinahe 50 Prozent der Stimmen. Das politische Klima hat sich dort spürbar verändert: In vielen Gemeinden stellt die AfD die stärkste Fraktion im Gemeinderat, und ihre Kandidaten gewinnen zunehmend auch Bürgermeisterposten.

Warum wählen Ostdeutsche 35 Jahre nach der Wiedervereinigung so anders als der Westen? Wieso wird die liberale Demokratie ausgerechnet dort in Frage gestellt, wo 1989 die erste erfolgreiche Revolution auf deutschem Boden stattfand?

Diese Fragen durchziehen nicht nur die Diskussion des Abends, sondern auch das jüngste Buch von Ilko-Sascha Kowalczuk. In „Freiheitsschock. Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute“ beschreibt er, wie der Osten nach dem Zusammenbruch der DDR einen radikalen Umbruch erlebte – einen „Schock der Freiheit“, wie er es nennt. Kowalczuk analysiert präzise die Frustrationen des Vereinigungsprozesses, die weit verbreitete Opfermentalität, das Gefühl, übergangen und entmachtet worden zu sein – und die langfristigen Wirkungen der SED-Propaganda, die tief in den kollektiven Bewusstseinsstrukturen der DDR-Gesellschaft verwurzelt war.

Mit ihm analysieren wir, welche historischen Entwicklungen zum heutigen Erfolg der AfD beigetragen haben – und warum der Kampf um die Demokratie in Ostdeutschland eine entscheidende Bedeutung für die Zukunft des ganzen Landes hat.

„Ein autoritärer Backlash?“
Kowalczuk, 1967 in Ostberlin geboren, gehört zu den prägendsten Stimmen dieser Debatte. Auf dem Podium begann er mit einer provokanten Diagnose: „Wir erleben in vielen Regionen Ostdeutschlands keinen bloßen Protest gegen ‚die da oben‘, sondern eine gefährliche Abkehr von der Demokratie als solcher.“ Der Wahlerfolg der AfD sei nicht nur ein Ausdruck von Frust, sondern das Ergebnis eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels, der sich in einem autoritären Denken manifestiere – genährt durch Enttäuschung, Identitätsverlust und mangelndes Vertrauen in politische Institutionen.

Dabei warnte er vor einfachen historischen Erklärungen: „Die SED-Diktatur ist ein Faktor, aber sie erklärt nicht alles. Vielmehr müssen wir uns fragen, warum 34 Jahre nach der Wiedervereinigung die liberale Demokratie in vielen Regionen noch immer nicht verankert ist.“

Das Erbe der „erlebten Ohnmacht“
Dr. Michael Jennewein, Demokratieforscher mit Schwerpunkt auf politischer Kultur, legte den Fokus auf psychologische und kulturelle Langzeitwirkungen. „Was wir heute erleben, ist das Ergebnis eines Jahrzehnte langen Erfahrungsprozesses. Viele Ostdeutsche haben nach der Wende nicht nur wirtschaftliche Einschnitte erlebt, sondern vor allem einen symbolischen Verlust: Ihre Biografie wurde entwertet, ihre Lebenswelt delegitimiert“, so Jennewein.

Aus dieser kollektiven Erfahrung einer „verordneten Transformation“ resultiere ein tiefes Misstrauen gegenüber Eliten, Medien und staatlichen Institutionen – eine Gemengelage, die von der AfD strategisch genutzt werde. „Die Partei inszeniert sich als einzig legitime Stimme der sogenannten ‚Normalbürger‘. Sie operiert mit einem klaren Freund-Feind-Schema, das komplexe Wirklichkeiten auf einfache Wahrheiten reduziert – und damit anschlussfähig ist für viele, die sich in ihrer Lebensleistung übergangen fühlen.“

Vom Demokratiedefizit zum Demokratieverdruss
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, wie sehr diese Analysen den Nerv der Zeit treffen. Ein älterer Mann aus Altenburg meldete sich zu Wort: „Ich habe 40 Jahre gearbeitet, danach meine Arbeit verloren und dann gesagt bekommen: Ihr müsst euch halt anpassen. Dass sich da Enttäuschung aufbaut, ist doch klar! Und wer hört uns denn noch zu außer der AfD?“ Der Applaus auf diese Wortmeldung zeigte, wie tief die Kluft zwischen subjektiv empfundener Ungerechtigkeit und politischer Realität inzwischen ist.

Kowalczuk reagierte differenziert: „Wir dürfen den Frust nicht ignorieren. Aber wir müssen auch widersprechen, wenn dieser Frust in Ressentiments, Rassismus oder autoritäre Sehnsüchte umschlägt.“ Es sei Aufgabe der demokratischen Parteien und der Zivilgesellschaft, Räume für Debatten zu schaffen – gerade dort, wo der Diskurs von Polarisierung und Angst dominiert werde.

Jennewein ergänzte: „Wir sprechen nicht mehr nur über Desinteresse, sondern in Teilen der Gesellschaft über eine aktive Ablehnung demokratischer Prinzipien. Das ist eine neue Qualität.“

Medien, Mythen und Manipulation
Ein weiteres Thema des Abends war die Rolle von Medien in Ostdeutschland. Kowalczuk kritisierte, dass viele bundesweite Medien Ostdeutschland entweder nur im Kontext von Problemen thematisierten oder als Sonderfall darstellten. „Was fehlt, ist eine gleichwertige Erzählung. Der Osten wird oft mit einer Mischung aus Mitleid und Misstrauen betrachtet – das erzeugt Gegennarrative, die leicht in Verschwörungsdenken kippen.“

Er forderte eine differenziertere Berichterstattung, mehr Regionaljournalismus und eine stärkere Förderung von Medienkompetenz – besonders bei jungen Menschen. Der Hinweis auf die hohe Reichweite rechtsextremer Influencer auf Plattformen wie TikTok oder Telegram war Mahnung und Alarmzeichen zugleich.

Was tun?
Ein zentraler Aspekt der Diskussion war die Frage: Was lässt sich gegen diese Entwicklung tun? Gibt es einen Weg zurück zu mehr Vertrauen in die Demokratie?

Für Kowalczuk liegt die Antwort in einer ehrlicheren Erinnerungskultur und Bildungsarbeit: „Wir müssen den Menschen im Osten zuhören, ohne ihnen nach dem Mund zu reden. Und wir müssen ihre Geschichte als Teil der deutschen Geschichte begreifen – mit allen Brüchen, aber auch mit aller Würde.“

Jennewein plädierte für eine stärkere Präsenz demokratischer Akteure in ländlichen Räumen: „Demokratie braucht Begegnung. Wenn Bürgermeister bedroht werden, wenn Vereine Angst haben, sich zu positionieren, dann zieht sich die Demokratie zurück – und die AfD füllt das Vakuum.“

Am Ende der Veranstaltung blieb ein Gefühl der Dringlichkeit. Kowalczuk fand die vielleicht eindringlichsten Worte des Abends: „Wir dürfen nicht warten, bis die Brandmauer endgültig durchbrochen ist. Die Demokratie braucht uns – jetzt.“

Ein Zwischenruf
Die Diskussion im Karl-Rainer-Institut war keine nüchterne Analyse, sondern ein Zwischenruf: Die AfD ist nicht nur ein politisches Phänomen, sondern Ausdruck einer tiefen sozialen und kulturellen Spaltung. Der Osten Deutschlands steht exemplarisch für Entwicklungen, die längst auch den Westen erreichen. Es geht nicht mehr nur um Wahlergebnisse – es geht um die Frage, welche Gesellschaft wir sein wollen.

Diese Veranstaltung war ein wichtiger Impuls. Sie hat gezeigt: Es gibt kein einfaches „Warum“, keine schnelle Lösung. Aber es gibt die Möglichkeit, genau hinzusehen, zuzuhören und den demokratischen Diskurs – gegen alle Widerstände – lebendig zu halten.