Erfurt im Film: Die Wiederentdeckung eines historischen Stadtporträts

Ein Zeppelin über Erfurt – dieses Bild aus längst vergangenen Zeiten fasziniert noch heute. Ein Dokumentarfilm aus den 1920er/30er Jahren zeigt die thüringische Landeshauptstadt in bewegten Bildern und gewährt einen seltenen Einblick in das Stadtleben jener Epoche. Jahrzehntelang schlummerte das wertvolle Filmdokument im Archiv des „Filmstudio Lustermann“ und wurde nur zu besonderen Anlässen im wohl kleinsten Kino der DDR vorgeführt. Heute ist der Film dank der Initiative des Stadtarchivs Erfurt digital gesichert und damit für die Nachwelt erhalten.

Ein vergessenes Kleinod der Filmgeschichte
Der historische Film, dessen Urheber und einstige Auftraggeber nicht mehr bekannt sind, lag über viele Jahre im Besitz des „Filmstudio Lustermann“. In der Gartenstraße 20 – später in der Grafengasse – betrieben die Brüder Walter und Erich Lustermann ein kleines, aber bedeutendes Filmstudio. Ihr Kino, ein winziger Zuschauerraum mit edler Ausstattung, bot Auftraggebern und Gästen exklusive Filmvorführungen. Neben DEFA- und UFA-Filmen zählte auch der Erfurt-Dokumentarfilm zu den Höhepunkten des Programms.

Die Filmvorführungen waren nicht ohne Risiko. Da das Material auf hochbrennbarem Nitrofilm gedreht wurde, bestand jederzeit die Gefahr eines Brandes. Ein Eimer Wasser stand stets griffbereit, und eine Hand verweilte sicherheitshalber am Hauptschalter des Projektors. Doch das Publikum ahnte nichts von diesen Sicherheitsvorkehrungen – es amüsierte sich stattdessen über die humorvollen und informativen Kommentare von Erich Lustermann, während sein Bruder Walter als Vorführer im Hintergrund schwitzte.

Bewahrung eines historischen Erbes
Nach dem Tod der Lustermanns geriet der Film beinahe in Vergessenheit. Erst 2015 wurde er dem Stadtarchiv Erfurt überlassen. Die Direktorin des Archivs, Dr. Antje Bauer, erkannte den unschätzbaren Wert des Filmdokuments und ließ das hochgradig zerfallgefährdete Nitrofilmmaterial digitalisieren. Diese Maßnahme rettete nicht nur die historischen Aufnahmen, sondern macht sie auch für zukünftige Generationen zugänglich. Denn selbst unter besten Lagerbedingungen wäre ein fortschreitender Zerfall nicht aufzuhalten gewesen.

Was zeigt der Film?
Konkrete Details über den Inhalt des Films sind nur bruchstückhaft überliefert. Doch die Erwähnung eines Zeppelins über Erfurt lässt vermuten, dass spektakuläre Aufnahmen der Stadt aus der Luft zu sehen sind. Neben historischen Straßenszenen könnten auch bedeutende Gebäude und Alltagsmomente der damaligen Zeit festgehalten worden sein. Falls das Stadtarchiv den Film eines Tages öffentlich zugänglich macht, könnte dies ein bedeutender Moment für die Stadtgeschichte Erfurts sein.

Die Digitalisierung des Films ist ein Glücksfall für die Geschichtsforschung und Filmkunst. Sie bewahrt nicht nur ein seltenes Zeugnis aus der Weimarer Republik oder frühen NS-Zeit, sondern ermöglicht es, das alte Erfurt in einer Weise zu erleben, die über Fotografien hinausgeht. Wer weiß – vielleicht wird der Film bald in einer Ausstellung oder einem historischen Filmabend einem breiteren Publikum präsentiert.

Bärbel Bohley im ZDF: Ein Zeitdokument vom Vorabend des Mauerfalls

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Am 8. November 1989 schien Zeit die wichtigste Ressource zu sein, um die die Opposition in der DDR rang. Teaser: Einen Tag vor dem Fall der Berliner Mauer gab Bärbel Bohley, Mitbegründerin des Neuen Forums, ein Interview im ZDF-Magazin „Kennzeichen D“. Es ist ein Gespräch, das heute wie eine Flaschenpost aus einer untergegangenen Welt wirkt. Bohley analysierte die Lage im Land mit einer bemerkenswerten Nüchternheit. Sie sprach nicht von Einheit oder blühenden Landschaften, sondern von der Gefahr eines unkontrollierten Zusammenbruchs. Ihre Skepsis gegenüber den kosmetischen Personalwechseln in der SED-Führung drückte sie mit der Metapher eines „verdünnten Suds“ aus, der lediglich mit einem Feigenblatt versehen wurde. Was dieses Dokument so besonders macht, ist die Diskrepanz zwischen Bohleys Forderungen und den Ereignissen, die unmittelbar bevorstanden. Sie wünschte sich Zeit für einen „politischen Bildungsprozess“. Sie sah die Notwendigkeit, dass die Menschen, deren Forderungen 40 Jahre lang unterdrückt worden waren, erst lernen mussten, diese öffentlich zu artikulieren und politisch zu gestalten. Die Bürgerrechtlerin hoffte auf eine innere Erneuerung der DDR, getragen von einem Dialog zwischen Basis und Führung, wenngleich sie den Apparat als starr und reformunwillig beschrieb. Der Wunsch nach Entschleunigung und einem geordneten Übergang stand im Raum, während die Geschichte bereits den Turbogang eingelegt hatte. Das Interview zeigt eine Momentaufnahme der Bürgerbewegung, die Verantwortung für das eigene Land übernehmen wollte, bevor die Grenzen fielen. Die Ereignisse des nächsten Tages haben diese Überlegungen überrollt und eine andere Realität geschaffen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Es war ein mediales Novum, als sich eine Gründerin des Neuen Forums im westdeutschen Fernsehen zur Lage der Nation äußerte. Teaser: Im Gespräch mit Dirk Sager am 8. November 1989 sezierte Bärbel Bohley den Zustand der SED und die Stimmung in der Bevölkerung. Ihre Analyse der Machtstrukturen war präzise: Sie sah den Riss, der nicht nur zwischen Volk und Führung, sondern auch durch die Partei selbst ging. Während die Basis zweifelte, verharrte das Politbüro in alten Mustern. Bohley forderte in diesem historischen Moment keine schnelle Lösung, sondern ein „Aktionsprogramm“ und die Hinterfragung des verfassungsrechtlichen Führungsanspruchs der SED. Ihre Sorge galt der Stabilität des Landes; sie warnte davor, dass ohne einen geordneten politischen Bildungsprozess das System kollabieren könnte. Es war der Versuch, den Wandel von innen heraus zu steuern und den Bürgern die Hoheit über ihre eigene Geschichte zurückzugeben. Das Dokument bleibt als Zeugnis jener Pläne bestehen, die kurz vor der Grenzöffnung in den Köpfen der Opposition existierten. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Bärbel Bohley sprach von der Angst vor dem Zusammenbruch und der Notwendigkeit einer politischen Atempause. Teaser: Nur Stunden vor dem Mauerfall mahnte die Bürgerrechtlerin im ZDF zur Besonnenheit. Sie sah die Gefahr, dass die über Jahrzehnte aufgestauten und nun hervorbrechenden Forderungen der Bevölkerung die Strukturen überlasten könnten, wenn kein geordneter Dialog stattfindet. Ihr Plädoyer für Zeit und Reflexion steht im scharfen Kontrast zur Beschleunigung, die das Jahr 1989 in seinen letzten Wochen erfuhr. Ihre Worte markieren den Punkt, an dem die Reform der DDR noch als realistische Option gedacht wurde.