Mai 1946: Zelluloid als Waffe – Die Gründung der DEFA

Der Mai 1946 markiert einen wichtigen Schritt im kulturellen und politischen Neuaufbau der sowjetischen Besatzungszone. Am 17. Mai wurde in Potsdam-Babelsberg die Deutsche Film-AG (DEFA) gegründet. Damit entstand die erste große staatlich organisierte Filmgesellschaft im Nachkriegsdeutschland.

Film galt in dieser Zeit als besonders wirkungsvolles Medium. Bewegte Bilder konnten Emotionen wecken, Geschichten erzählen und politische Botschaften vermitteln. Die sowjetische Militäradministration und die neuen politischen Strukturen in der Besatzungszone erkannten früh die Bedeutung des Kinos für die gesellschaftliche Neuorientierung. Die DEFA erhielt daher den Auftrag, Filme zu produzieren, die sich mit der jüngsten Vergangenheit auseinandersetzten und zugleich eine neue politische Perspektive vermittelten.

Im Mittelpunkt vieler früher Produktionen stand der Antifaschismus. Er wurde zu einem zentralen Deutungsrahmen der Nachkriegsjahre. Filme über Widerstand, Schuld, Verantwortung und Neubeginn sollten den Bruch mit dem Nationalsozialismus sichtbar machen und zugleich eine moralische Grundlage für die entstehende Gesellschaft schaffen.

Bereits 1946 entstand mit „Die Mörder sind unter uns“ einer der ersten deutschen Nachkriegsfilme. Die Handlung spielte im zerstörten Berlin und erzählte von einem Arzt, der mit den Verbrechen der Kriegszeit konfrontiert wird. Persönliche Schicksale verbanden sich hier mit der Frage nach Verantwortung und Neubeginn.

Die traditionsreichen Filmstudios in Babelsberg wurden damit erneut zu einem Zentrum der deutschen Filmproduktion. Gleichzeitig standen Themen, Drehbücher und Produktionen von Beginn an unter politischer Beobachtung. Film sollte nicht nur unterhalten, sondern auch Orientierung geben und gesellschaftliche Vorstellungen prägen.

So entwickelte sich die DEFA schon früh zu einer prägenden kulturellen Institution der späteren DDR. Über Jahrzehnte entstanden dort Spielfilme, Dokumentationen und Kinderfilme, die ein großes Publikum erreichten und das Bild der Zeit nachhaltig beeinflussten.