Leipzig feiert die Jugend: Dritte Messe der Meister von Morgen

Leipzig, 14. Oktober 1960 – Mit einer festlichen Eröffnungsveranstaltung in der Leipziger Kongresshalle wurde heute die dritte Messe der Meister von Morgen feierlich eröffnet. Unter dem Leitgedanken „Schlag ein, Nachwuchs, werde Meister von Morgen!“ versammelten sich Zehntausende junger Erfinder und Rationalisierer, um an diesem zentralen Leistungsvergleich teilzunehmen und ihre Innovationen für den Sozialismus zu präsentieren.

In seiner Eröffnungsansprache betonte der Minister für Volksbildung, Professor Dr. Länder, die Bedeutung der Veranstaltung und rief dazu auf: „Lernt von den Besten, setzt alle Fähigkeiten und Talente für den Sieg des Sozialismus ein!“. Die Messe, die ihrem polytechnischen Charakter gerecht wird, wurde am folgenden Morgen im Messehaus Bugra auf ungewöhnliche Weise eröffnet.

Innovationsschau für eine hellere Zukunft
Besucher erwartete eine beeindruckende Vielfalt an Exponaten, die die Kreativität und den Forschungseifer der Jugend der DDR widerspiegeln. Das Modell eines Sonnenkraftwerks demonstrierte die Umwandlung von Sonnenstrahlen in elektrische Energie und gab einen Ausblick auf die Welt von morgen. Auch eine Petroleumlampe, deren Wärme einen Radioapparat betreibt, wurde gezeigt.

Besonderes Augenmerk lag auf dem Jugendobjekt Viehwirtschaft, das als Leitgedanke für die „Klubs der Neuerer in der Landwirtschaft“ dient. Es wurde betont, dass die helle und schöne Gestaltung des sozialistischen Dorfes nicht zuletzt das Verdienst der Jugend in der Industrie, Landwirtschaft und in den Laboratorien sei. Der Forschungsdrang und die Begeisterung der Jugend werden in der DDR gezielt gefördert und in Bahnen gelenkt, die dem ganzen Volk zugutekommen.

Weitere praktische Innovationen umfassten das Knüpfen von Netzen für die Hochseefischerei Rostock und die Eigenproduktion von Fallsäure zum halben Weltmarktpreis durch junge Forscher der Betriebsberufsschule der VEB Jenapharm. Auch die Herstellung der vollsynthetischen Faser Wolpryla durch junge Rationalisierer des VEB Agfa Wolfen stieß auf großes Interesse.

Kreativität und Bildung im Fokus
Abseits der technischen Neuerungen zeigte die Messe auch, wie man mit einfachen Mitteln kreativ sein kann. Die Jugendfreundin Gerda demonstrierte, wie bunte Tücher mit selbst entworfenen Mustern bespritzt werden können, um ohne großen Aufwand hübsche, modische Kleinigkeiten herzustellen.

Die Schulsternwarte Rodewisch, eine international anerkannte Beobachtungsstation, beteiligte sich ebenfalls mit Arbeiten, die die Bemühungen des Arbeiterastronomen Bruno H. Bürgel zur Verbreitung der Astronomie fortsetzen. Dank der großzügigen Unterstützung der Regierung wurde die Sternwarte zu einer bedeutenden Beobachtungsstätte, der es mehrfach gelang, Sputniks und Weltraumschiffe zu fotografieren und zu vermessen.
Das Thema Weltraumfahrt faszinierte besonders die jungen Pioniere, die eine halbe Etage mit ihren Exponaten belegten und über die Vermessung der Erde und das Erreichen entlegener Räume des Weltalls nachdachten – ein „Raumschiff Juni 1 ist gestartet“.

Die Nationale Volksarmee als Motor der Innovation
Ein besonderes Highlight war der Ausstellungsbereich der Nationalen Volksarmee (NVA), die sich aktiv an der Leistungsschau der Jugend beteiligte. Die Arbeiten der Rationalisierer und Erfinder der NVA, darunter Modelle, Zeichnungen und Arbeiten aus verschiedensten Interessengebieten, vermittelten ein anschauliches Bild, wie Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere zur Sicherung der ständigen Gefechtsbereitschaft beitragen.

Tausende Rationalisierer und Erfinder in den Reihen der NVA nutzten die Messe, um sich zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Allein im zweiten Quartal 1960 wurden 735 Verbesserungsvorschläge zur Erhöhung der Gefechtsbereitschaft eingereicht. Generalmajor Dickel, Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung, würdigte die „gewaltige Bewegung“ der Rationalisierer und Erfinder innerhalb der NVA, die aus der Initiative von Genossen wie Oberfeldwebel Rampe entstanden ist. Diese Erfolge sind das Ergebnis der Arbeit von Partei- und FDJ-Organisationen, die es verstanden haben, die fleißigen Hände und findigen Köpfe zum schöpferisch-aktiven Handeln zu führen.

Der Vorsitzende des Staatsrates der DDR und Erste Sekretär des ZK der SED, Genosse Walter Ulbricht, würdigte die vielfältigen Arbeiten der Soldaten und gab wertvolle Hinweise für die weitere Ausrichtung: Die Arbeiten müssen sich auf moderne Technik und deren militärische Anwendung konzentrieren, und die Aneignung hoher militärtechnischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse muss einen bedeutenden Platz einnehmen.

Die NVA-Angehörigen waren auch künstlerisch erfolgreich: Sie errangen einen großen Teil der Medaillen, die vom Zentralrat der FDJ vergeben wurden. Insgesamt wurden der NVA 6 Gold-, 11 Silber-, 28 Bronzemedaillen und 44 Ehrenurkunden für Arbeiten aus allen Gebieten verliehen. Dazu gehören auch künstlerische Arbeiten wie die mit einer Silbermedaille prämierte Plastik „Soldat und Mädchen“ von Genosse Soldat Neubau sowie die zehn Gebote als politische Karikaturen, die die Rolle des Klerus im Bonner Staat geißeln und Ausdruck der politischen Auseinandersetzung junger Künstler sind.

Alltagshelden und internationale Verbundenheit
Auch praktische Fähigkeiten für den Alltag wurden gezeigt: Die Mädchen der Haro Lebensmittel Magdeburg gaben Kostproben, und FDJ-Mädchen vom VEB Fortschritt Berlin demonstrierten, wie aus Resten geschmackvolle Gebrauchstextilien hergestellt werden können.

Unter dem Motto „Tempo Technik 1000 Tage“ rief die FDJ alle Jugendlichen auf, ihr Bestes zur Erfüllung der ökonomischen Hauptaufgabe zu leisten. Lehrlinge des VEB Buna entwickelten beispielsweise eine Ruheschneidbrennerschiene, die drei Arbeitsschritte zu einem einzigen vereint. Die Entwicklung des Bauwesens in der Republik von der Kelle zur modernen Bauweise wurde dabei durch die uneigennützige Unterstützung der Sowjetunion maßgeblich gefördert.

Die dritte Messe der Meister von Morgen war auch ein Treffpunkt internationaler Jugend. Neben Freunden aus der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik präsentierten ungarische Pioniere und Schüler Ausschnitte aus der Arbeit ihrer Kollektive.

Die Messe war ein lebendiges Zeugnis dafür, dass die Jugend der DDR unter der Führung der SED ein aktiver und bewusster Gestalter der sozialistischen Gesellschaft ist. Sie bewies, dass die Jugend die programmatische Erklärung des Staatsrates der DDR, in der es heißt, „alle Mädchen und Jungen sollen flugvorwärts drängende Staatsbürger werden, die die Vollendung des Sieges des Sozialismus und den Triumph über den Todfeind unseres Volkes im Militarismus als ihren Lebensinhalt betrachten“, mit Leben erfüllt.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Eine Analyse der gesellschaftlichen Widersprüche in der DDR

https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid02E46JT9j9HM8fVfnsN3EnqrBSbjP9Q4VtbtUk9QvXERkH8RhvUwUCp13kTc2xngqwl OUTPUT-FORMAT (zwingend einhalten) - FB Teaser 300-450:  ÜBERSCHRIFT: Diskrepanzen zwischen staatlichem Anspruch und Alltag in der DDR HOOK: Hinter der Fassade der sozialistischen Vollversorgung verbarg sich in der DDR oft eine Realität, die von Mangel und Improvisation geprägt war. Historische Analysen zeigen, wie tief die Widersprüche in die Gesellschaft hineinreichten. TEXT: Die DDR-Gesellschaft war durch ein duales System geprägt: Offiziell galt das Kollektiv und die Planwirtschaft, inoffiziell hielt ein grauer Markt aus Tauschgeschäften und Westgeld das System am Laufen. Während der Staat Umweltschutz in der Verfassung verankerte, wurden Industriegebiete wie Bitterfeld rücksichtslos ausgebeutet. Diese Kluft zwischen Propaganda und der Lebenswirklichkeit der Bürger, sei es in der Wirtschaft oder Ökologie, trug maßgeblich zur inneren Aushöhlung des Staates bei. OUTPUT-FORMAT (zwingend einhalten) - FB Teaser 700-900:  ÜBERSCHRIFT: Die verborgenen Mechanismen von Mangel, Macht und Umwelt in der DDR HOOK: Die Geschichte der DDR ist auch eine Geschichte der Geheimnisse, die der Staat vor seinen eigenen Bürgern zu bewahren versuchte. Von der Umweltzerstörung bis hin zu gescheiterten Wirtschaftsreformen offenbart sich ein System, das permanent gegen die eigene Realität ankämpfte. TEXT: Ein Blick auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen der DDR zeigt, dass der Mangel nicht nur ein temporäres Problem, sondern ein ständiger Begleiter war. Um diesen zu kompensieren, entstanden parallele Ökonomien, in denen Beziehungen und Westwährung oft wichtiger waren als die offizielle Währung. Besonders drastisch zeigte sich die staatliche Geheimhaltungspolitik im Bereich der Umwelt: Die massiven Verschmutzungen im Chemiedreieck Bitterfeld wurden ignoriert, Gesundheitsdaten unter Verschluss gehalten. Gleichzeitig verhinderte die politische Führung notwendige Innovationen, wie etwa in der Automobilindustrie, wo fertige Nachfolgemodelle für den Trabant blockiert wurden. Stattdessen arrangierte man sich durch Geschäfte mit dem Westen. Auch der Mythos der sozialen Gleichheit hielt der Realität nicht stand, wie die Existenz privater Millionäre oder die Privilegien der Nomenklatura belegen. Diese interne Doppelmoral untergrub langfristig die Loyalität der Bevölkerung.