Wie Wilhelm und Henrich Focke die deutsche Luftfahrtgeschichte prägten

Die deutsche Luftfahrtgeschichte begann nicht in weit entfernten Laboren oder prestigeträchtigen Ingenieurschulen, sondern am Weserdeich in Bremen, mit den bescheidenen, aber kühnen „kleinen Hüpfern“ zweier Brüder: Wilhelm und Henrich Focke. Sie waren Pioniere, deren unterschiedliche Naturen sich ideal ergänzten und die gemeinsam – und manchmal auch getrennt – die Luftfahrt revolutionierten.

Wilhelm Focke: Der träumerische Visionär und Künstler
Wilhelm Focke, der ältere der beiden Brüder, war die treibende Kraft und ein sprudelnder Quell an Ideen. Schon früh zog es ihn in die Luft. Wie viele angehende Flugtechniker seiner Zeit begann er mit Gleitflügen, die mitunter gefährlich waren, aber das Gefühl des Getragenseins in der Luft vermittelten. Sein schöpferischer, künstlerischer Geist war es, der immer wieder sagte: „Wir müssen das schaffen, wir werden fliegen, das muss gehen!“.

Wilhelm war ein genialer Naturbeobachter, der die Dynamik und Kräfte der Natur aus dem Bauch heraus fühlen und in Zeichnungen umsetzen konnte. Ob Segeln, Strandroller oder Fliegen – die Schönheit der Linien und die zugrundeliegende Dynamik faszinierte ihn. Sein erstes großes Ziel war das Fliegen, und die „Ente“ war sein erster Erfolg. Dieser einzigartige Flugzeugtyp, von der Firma Rumpler gebaut und mit dem Geld eines Freundes finanziert, machte im Herbst 1909 auf dem berühmten Bornstedter Feld seinen Jungfernflug. Das Telegramm von diesem Flug – „Bin heute erstmalig geflogen! Endlich ist famos. Hundert Meter weit, sieben Meter hoch“ – erreichte die Familie zu einem Zeitpunkt, als Henrich gerade zum Abitur gehen wollte. Für den Vater der Brüder, Johann Focke, war das Fliegen jedoch eine unnötige Träumerei, und er legte Wert auf eine „richtige Ausbildung“.

Trotz seiner Leidenschaft für die Technik war Wilhelm in erster Linie Künstler. Gegen den Rat des Vaters studierte er Malerei in Düsseldorf, München und Berlin. Er verkaufte seine Bilder sehr früh gut, obwohl ihm finanzieller Erfolg unwichtig war. Er pendelte zwischen Berlin und Bremen und verbrachte viel Zeit an der Wümme, seinem liebsten Ort zum Malen. Selbst in den 20er-Jahren übernahm er einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule, wo er Akt- und Landschaftsmalerei unterrichtete, am liebsten in der Natur. Wilhelm hatte seinen Stil gefunden: naturverbunden, kraftvoll, farbenreich und auf Bewegung ausgerichtet.

Abseits der Malerei sprudelten Wilhelms Ideen weiter. Ganz nebenbei konstruierte er innovative Geräte wie den Strandsegler, der damals nirgendwo auf der Welt existierte und Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreichen konnte. Auch Eissegler für die winterliche Wümme entwickelte er. Obwohl er fantastisch in handwerklichen Dingen war, fehlte ihm das Geschick, seine Erfindungen oder seine Kunst zu vermarkten. Er war stets auf die Hilfe anderer angewiesen, um damit Geld zu verdienen.

Wilhelms Privatleben wurde in der Familie weitgehend ausgeklammert; seine Homosexualität wurde stillschweigend akzeptiert. Die Zeit des Dritten Reiches war für ihn besonders schwierig. Als bekannter Künstler mit einer kritischen Haltung erhielt er ein Ausstellungsverbot. Er verbrachte viel Zeit im Verborgenen auf seiner Insel, um dem Druck zu entgehen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er es schwer, sich als Künstler zu ernähren, verkaufte kaum Bilder und erhielt nur eine sehr geringe staatliche Unterstützung. Doch seine Lebensgeister blieben ungebrochen, und er fand trotz aller Widrigkeiten in hohem Alter, ab etwa 70 Jahren, eine tiefe innere Zufriedenheit mit seinem Leben und seinen Errungenschaften.

Henrich Focke: Der präzise Konstrukteur und Ingenieur
Henrich Focke, Wilhelms jüngerer Bruder, bewunderte dessen Genialität und hatte die Fähigkeit, Wilhelms Ideen in die Realität umzusetzen, insbesondere durch sein Studium. Er war die nötige Ergänzung zu Wilhelms Visionen, derjenige, der das Systematische umsetzte. Ihm war es wichtig, mit einfachen Mitteln zu arbeiten, da sie nicht viel Geld hatten.

Nachdem Wilhelm mit seiner „Ente“ Erfolge erzielt hatte, zog es Henrich nach Berlin zu seinem großen Vorbild. Die Brüder bauten ihren ersten Flugzeugschuppen in Bremen am Neuenlander Feld, dem heutigen Standort des Bremer Flughafens, und experimentierten mit einem geschenkten 8-PS-Rennradmotor und einem selbstgehobelten Propeller.

Henrichs Karriere als Flugzeugkonstrukteur nahm schnell Fahrt auf. Gemeinsam mit Georg Wulf gründete er die Focke-Wulf Flugzeugbau AG. Hier legte Henrich die Grundlagen des Flugzeugbaus, insbesondere die Beherrschung von Aerodynamik und Lasten. Ihre erste große Konstruktion war die „Möwe“, ein kleines Passagierflugzeug, das als das sicherste und wirtschaftlichste Verkehrsflugzeug seiner Zeit galt, vor allem dank seiner hervorragenden Tragflächen-Aerodynamik. Henrich erwies sich als überragender Konstrukteur, für den Verlässlichkeit und absolute Sicherheit oberste Priorität hatten. Tragischerweise kam sein Partner Georg Wulf 1927 bei einem Testflug ums Leben.

Mit Beginn der 30er-Jahre gerieten Flugzeugfabriken ins Visier nationalsozialistischer Bestrebungen. Henrich wollte keine Flugzeuge als Kriegsgerät bauen, musste aber mit ansehen, wie der Vorstand seiner Aktiengesellschaft den neuen Machthabern Platz einräumte. Er wurde zwar NSDAP-Mitglied, konzentrierte sich aber auf Zivilsachen und insbesondere auf ein neues, visionäres Ziel: die Entwicklung des Hubschraubers, den Senkrechtstarter.

Henrich Focke war weltweit allen anderen voraus. 1936 landete der berühmte Flieger Charles Lindbergh auf dem Neuenlander Feld, um Fockes neueste Entwicklung zu bestaunen: die FW 61, den weltweit ersten flug- und vor allem lenkfähigen Hubschrauber. Henrich hatte damit den Wettlauf gegen Igor Sikorsky in den USA gewonnen, auch wenn die Propaganda in Deutschland Sikorsky später oft als den Ersten darstellte. Die bekannte Pilotin Hanna Reitsch führte den Hubschrauber vor 18.000 Zuschauern in der Berliner Deutschlandhalle vor und vertraute dabei voll auf die einwandfreie Technik des Konstrukteurs Focke.

Nach 1945 erhielt Henrich Focke ein Berufsverbot, kam in Gefangenschaft und wurde aufgefordert, für die Franzosen zu entwickeln. Später ging er nach England, Holland und Brasilien, baute auch dort Hubschrauber, bevor er Mitte der 50er-Jahre nach Deutschland zurückkehren und wieder konstruieren durfte. Bei Carl Borgward fand er einen Platz für seine Hubschrauberideen, und sie träumten von der Serienproduktion eines „Hubschraubers für jedermann“. Doch dieser Traum endete tragisch mit der Pleite von Borgward, als Henrich Focke bereits 71 Jahre alt war.

Dennoch gab Henrich niemals auf. Selbst in einem kleinen Bremer Hinterhof baute er einen neuen Windkanal, erforschte Strömungen und Luftwiderstände und publizierte wissenschaftliche Erkenntnisse. Er nutzte einfache physikalische Prinzipien und konnte mit Küchenwaagen und Gewichten hochpräzise Messungen durchführen, die dem Stand der Technik entsprachen. Trotz aller Rückschläge und der Tatsache, dass er in Deutschland oft zu Unrecht in den Schatten gestellt wurde, war Henrich Focke mit dem Erreichten zufrieden. Heute werden am Neuenlander Feld, dem ehemaligen Standort des ersten Schuppens der Brüder, Airbus-Teile gebaut, ein Zeugnis ihres nachhaltigen Vermächtnisses.

Eine ungleiche Partnerschaft, die die Welt bewegte
Wilhelm und Henrich Focke waren Brüder, die unterschiedlicher kaum hätten sein können, aber in ihrer Leidenschaft für das Erfinden, Konstruieren und vor allem das Fliegen untrennbar verbunden waren. Wo Wilhelm im Genialen steckenblieb, verwandelte Henrich es in Realität. Henrich kümmerte sich auch sein Leben lang um seinen Bruder, wie er es dem Vater versprochen hatte, da Wilhelm als Künstler nicht „ökonomisch überlebensfähig“ war.

Ihr Schaffen war ein Paradebeispiel dafür, wie Vision und Präzision Hand in Hand gehen müssen, um bahnbrechende Innovationen zu schaffen. Wilhelms unendliche Ideen und sein künstlerisches Gespür für Dynamik legten den Grundstein, während Henrichs systematische Herangehensweise, sein Fokus auf Sicherheit und seine ingenieurtechnische Umsetzung diese Träume flugfähig machten.

Man könnte ihre Zusammenarbeit mit einem Künstler und seinem talentierten Bühnenbauer vergleichen: Der Künstler (Wilhelm) hat die kühnen, oft fantastischen Ideen für ein atemberaubendes Spektakel. Er sieht die Farben, die Bewegungen, die Emotionen – das große Ganze. Doch es ist der Bühnenbauer (Henrich), der mit seinem präzisen Wissen um Statik, Materialien und Mechanik die Vision des Künstlers greifbar macht, die Kulissen aufstellt und die komplizierte Technik installiert, damit die Show tatsächlich stattfinden und das Publikum verzaubern kann. Einer lieferte die Flügel der Fantasie, der andere die Mechanik, die sie in die Lüfte hob.

Die inoffizielle Hierarchie der DDR-Gesellschaft jenseits der Ideologie

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gehört zu den prägenden Erfahrungen vieler Ostdeutscher, dass der berufliche Titel auf dem Klingelschild wenig darüber aussagte, wie es hinter der Wohnungstür tatsächlich aussah. Teaser: Wer sich an die Strukturen der DDR erinnert, stößt schnell auf ein Paradoxon, das den Alltag vieler Familien bestimmte. Da war der Ingenieur, der komplexe Fertigungsanlagen plante, aber am Wochenende hilflos vor einem tropfenden Wasserhahn stand, weil ihm sowohl das Material als auch die Verbindung zum Klempner fehlte. Und da war der Nachbar, der als Fernfahrer im internationalen Verkehr unterwegs war und dessen Wohnzimmer mit Geräten ausgestattet war, die der Ingenieur nur aus dem Westfernsehen kannte. Diese Diskrepanz war kein Zufall, sondern ein systemimmanenter Effekt. Die staatlich verordnete Gleichheit führte nicht zur Abschaffung von Hierarchien, sie verschob sie nur auf andere Ebenen. Nicht mehr der Bildungsabschluss oder die Verantwortung im Beruf waren die primären Währungen für sozialen Aufstieg und materiellen Wohlstand, sondern der Zugriff auf das, was fehlte. In einer Gesellschaft, in der Geld im Überfluss vorhanden, aber Waren knapp waren, verschoben sich die Machtverhältnisse zugunsten derer, die Mangel verwalten oder umgehen konnten. Das führte zu einer schleichenden Entwertung akademischer Biografien und zu einem leisen, aber stetigen Frust bei jenen, die glaubten, Leistung müsse sich lohnen. Die wirkliche Elite bildete sich oft im Verborgenen, in den Netzwerken der "Zweiten Ökonomie" und auf den Raststätten der Transitautobahnen. Es entstand eine Gesellschaft, in der die offizielle Ordnung und die gelebte Wirklichkeit immer weiter auseinanderklafften, bis sie nicht mehr zu vereinbaren waren. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die soziale Ordnung der DDR folgte einer Logik, die in keinem Lehrbuch für Marxismus-Leninismus zu finden war und die den Alltag dennoch stärker prägte als jeder Parteitagsbeschluss. Teaser: Wenn man heute auf die Gesellschaftsstruktur der DDR blickt, muss man den Begriff der "Klasse" neu definieren. Es ging weniger um den Besitz von Produktionsmitteln als um den Besitz von "Beziehungen" und Devisen. Eine Analyse der Versorgungswege zeigt deutlich, wie sich eine inoffizielle Hierarchie etablierte, die quer zu den staatlichen Zielen lag. Fernfahrer und Handwerker verfügten über ökonomische Hebel, die vielen Ärzten oder Lehrern fehlten. Während die Politik versuchte, die Intelligenz materiell nicht zu stark von der Arbeiterklasse abzuheben, schuf der Mangel eigene Privilegien. Wer Devisen besaß oder eine begehrte Dienstleistung anzubieten hatte, konnte sich aus den Zwängen der Planwirtschaft teilweise befreien. Diese Mechanismen führten zu einer tiefen Fragmentierung der Gesellschaft, in der der offizielle Status oft im Widerspruch zur realen Kaufkraft stand. Das System der Privilegien war dabei so fein austariert, dass jeder genau wusste, wo er in dieser unsichtbaren Rangordnung stand. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer im Sozialismus studierte, tat dies selten in der Erwartung, später einmal zu den Großverdienern der Gesellschaft zu gehören. Teaser: Die Nivellierung der Einkommen war politisches Programm, doch sie hatte unbeabsichtigte Nebenwirkungen. Dass ein erfahrener Facharzt oft kaum mehr verdiente als ein Schichtarbeiter und deutlich weniger Möglichkeiten hatte als ein Handwerker im Schwarzarbeits-Sektor, sorgte für eine stille Erosion der Leistungsmotivation. Die Währung der Anerkennung war entkoppelt von der Währung des Konsums. Man lebte in einem System, in dem derjenige am meisten galt, der organisieren konnte, was