Wie die deutsche Psychiatrie im Nationalsozialismus mitschuldig wurde

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Die Geschichte der deutschen Psychiatrie im Dritten Reich ist ein schmerzhaftes Kapitel, das von ideologischer Verblendung, grausamen Verbrechen und einer erschreckenden Verstrickung medizinischer Fachkräfte in die NS-Vernichtungspolitik geprägt ist. Anders als oft angenommen, wurde die Psychiatrie nicht lediglich von den Nationalsozialisten missbraucht; sie brauchte die Nazis, um lange gehegte Forderungen nach „Sichtung und Vernichtung lebensunwerten Lebens“ umzusetzen.

Die Wurzeln der Ideologie: „Lebensunwertes Leben“
Die Vorstellung, dass manche Menschen als „Ballast-Existenzen ohne Gemeinschaftswert“ gelten und ihr Leben als „lebensunwert“ anzusehen sei, war keine Erfindung der Nazis. Bereits lange vor 1933 forderten „ehrbare Professoren“ die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“. Prominente Psychiater wie der deutsche Psychiatrie-Papst Emil Kraepelin beklagten 1909, dass die Fürsorge die „geistig Minderwertigen am Leben lassen“ und die „Tüchtigen im Kampf ums Dasein“ schädige. Anstaltsleiter wie Hermann Simon erklärten 1931, es werde „wieder gestorben werden müssen“. Diese vor-nazistische Denkart ebnete den Weg für die späteren Gräueltaten.

Von der Sterilisierung zur Massenvernichtung
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann 1933 die „wissenschaftlich völlig unsinnige Massensterilisierung“ angeblich erbkranker Menschen. Die ersten Opfer waren Bewohner von Anstalten und deren Angehörige, gefolgt von Hilfsschülern, Blinden, Tauben, „Soziallästigen“ und schließlich politischen Gegnern. Insgesamt wurden etwa 400.000 Menschen zwangssterilisiert, viele von ihnen für ihr ganzes Leben ruiniert. Prominente Mediziner wie Geheimrat Professor Karl Bonhoeffer, Direktor der psychiatrischen und Nervenklinik der Charité, traten für die „Ausmerzung des Schwachsinns“ ein und arbeiteten als Gutachter für Sterilisierungsgerichte.

Der Übergang von der Sterilisierung zur direkten Tötung erfolgte im Sommer 1939, als Nazi-Funktionäre, Psychiatrie-Direktoren und Professoren die Tötung der Geisteskranken und Behinderten durch Giftgas berieten. Ins Gas sollten alle, die seit fünf Jahren in Anstalten untergebracht waren, sowie jene, die in Anstaltsbetrieben nicht oder nur mit mechanischen Arbeiten zu beschäftigen waren. Die Psychiater sahen darin eine Gelegenheit, die „Unproduktiven und Unheilbaren“ zu beseitigen – diejenigen, die ihnen „tagtäglich ihr Unvermögen, nicht teilen zu können, vor Augen führen“.

Die Tötungsanstalten und die Rolle der Ärzte
Die „Endlösung“ – die Massenvernichtung durch Giftgas – begann in Posen, genauer gesagt im Fort 7, einer ehemaligen preußischen Befestigungsanlage, die als Konzentrationslager und Hinrichtungsstätte genutzt wurde. Im Herbst 1939 wurde hier erstmals Giftgas an Menschen erprobt, an polnischen und jüdischen Patienten.

In Deutschland wurden sechs Vergasungsanstalten eingerichtet, darunter Bernburg, Brandenburg an der Havel und Schloss Hartheim. Allein in Bernburg wurden 1940/41 exakt 70.273 Kranke und Behinderte in Gaskammern ermordet. Opfer wie Elvira Manthey, die als Kind die Diagnose „angeborener Schwachsinn“ erhielt, wurden 1940 zur Vergasung aus Uchtspringe abtransportiert. Elvira Manthey war noch keine sieben Jahre alt, als sie 1938 in die Anstalt kam, weil ihr Vater „arbeitsscheu“ und dies als erblich galt – sie wurde als „erbfolglich“ bezeichnet. Ihre jüngere Schwester Lisa wurde 1940 einen Tag vor ihrem fünften Geburtstag abtransportiert und in Brandenburg vergast. Elvira Manthey ist heute die einzige Überlebende von insgesamt 70.000 Abtransportierten.

Die Anstaltsärzte und Professoren feierten die Ermordung der Unheilbaren als „Höhepunkt der Psychiatrie-Geschichte“. Auf Konferenzen herrschte eine „berauschende Gehobenheit“. Es gab sogar einen regelrechten „Vergasungstourismus“, bei dem Ärzte die Vergasung von Frauentransporten begafften. Paul Nitsche, ein Psychiatrie-Professor, äußerte: „Es ist doch herrlich, wenn wir in den Anstalten den Ballast loswerden und nun wirklich richtige Therapie treiben können“. Als „richtige Therapie“ galten dabei Insulin- und Elektroschocks, die oft schwere Knochenbrüche oder lebensgefährliche Wirbelverletzungen verursachten.

Der unerträgliche Forschungshunger: Kinder als Versuchsobjekte
Besonders grausam war die gezielte Ermordung von Kindern. Zahlreiche „Kindermordabteilungen“, oft von Ärztinnen geleitet, wurden eingerichtet. Hier konnten Mediziner Kinder und Jugendliche ohne Tabus testen, befragen, töten und sezieren. Die Nazizeit bot den Ärzten die „einmalige Gelegenheit, sich Patienten bestellen und sich ihre Gehirne bedienen zu können“. Kinder wie Valentina Zachernie dienten als „lebendes Hirnforschungsmodell“ und wurden getötet, damit ihre Gehirne seziert und in Lehrbüchern abgebildet werden konnten. Andere Kinder wurden wie „Labortiere zu Forschungszwecken verbraucht“. Dr. Georg Hensel, ein Allgäuer Arzt, infizierte Kinder in Kaufbeuren zu Studienzwecken mit Tuberkulose. Den Kindern wurde vor ihrer Tötung oft Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit entzogen und stattdessen Luft eingeblasen – ein schmerzhafter Eingriff, an dem viele starben.

Trotz der Verbrechen behaupteten die Täter nach dem Krieg, sie hätten „wahre Monster von einem Dasein ohne Leben erlöst“. Kinderarzt Dr. Wilhelm Baier verteidigte sich damit, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur gegen Menschen begangen werden könnten, und die „Lebewesen“, die zur Behandlung standen, nicht als Menschen zu bezeichnen seien.

Die Nachkriegszeit: Vertuschung und mangelnde Aufarbeitung
Das Sterben in den Anstalten hörte nicht mit dem Ende des Krieges auf. In vielen Einrichtungen, wie der Karl Bonhoeffer Nervenklinik in Berlin-Wittenau, Schloss Hoym oder Teupitz, stieg die Sterblichkeit nach der Befreiung sogar drastisch an, da Patienten verhungerten, während das Personal Lebensmittel unterschlug.

Erschütternd ist auch die mangelnde juristische und moralische Aufarbeitung nach 1945. Viele der Täter setzten ihre Karrieren fort, oft sogar in leitenden Positionen und erhielten Auszeichnungen. Beispielsweise wurde Professor Berthold Ostertag, der an der Sektion von Valentina Zachernie beteiligt war, nach 1945 Leiter der Neuropathologie der Uni-Nervenklinik Tübingen und erhielt das Große Bundesverdienstkreuz. Dr. Elisabeth Hecker, verantwortlich für Kinder-Euthanasie in Lubliniec, wurde nach 1945 Leiterin der Jugendpsychiatrie in Hamm und bekam das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Diese Fortsetzung der Karrieren zeigt die tiefe Verankerung der Ideologie und die mangelnde Bereitschaft zur echten Aufarbeitung. Tragischerweise wurden die als „lebensunwert“ erklärten, sterilisierten und ermordeten Opfer nie als NS-Verfolgte anerkannt.

Elvira Manthey, die das Grauen der Anstalt Uchtspringe überlebte, ringt noch heute mit den Erlebnissen: „Es war sehr schwer mit solchen Erlebnissen weiterzuleben und ich musste schweigen und musste das in mir verarbeiten, aber ich habe es bis heute noch nicht verarbeitet“. Sie versuchte sogar, sich das Leben zu nehmen, weil sie es „einfach nicht mehr tragen konnte“.

Die Geschichte der deutschen Psychiatrie im Dritten Reich ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie eine vermeintlich fortschrittliche Wissenschaft zu einem Instrument der Vernichtung werden kann, wenn sie moralische Grenzen überschreitet und sich in den Dienst einer menschenverachtenden Ideologie stellt. Es ist eine dunkle Erinnerung daran, dass der Mantel der Wissenschaft die Gräueltaten nicht verdecken darf, und dass eine tiefe Aufarbeitung der Vergangenheit entscheidend ist, um sicherzustellen, dass sich solche Abscheulichkeiten niemals wiederholen.

Man könnte sagen, die psychiatrischen Anstalten im Dritten Reich waren wie düstere Theaterbühnen, auf denen die Täter ihre tödlichen Ideologien aufführten, während die Patienten nicht als Schauspieler, sondern als stumme Requisiten dienten, deren Leben und Leiden für die perfide Inszenierung von „Rassenhygiene“ und „Ausmerzung“ verbraucht wurden. Das Publikum? Die Gesellschaft, die oft wegsehen oder applaudieren wollte.

Blut an der Strumpfhose – Der hohe Preis der DDR-Billigware

A) PROFIL AP: Der Blick auf die deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte offenbart oft pragmatische Verflechtungen, die im Alltag der damaligen Zeit kaum sichtbar waren. Konsumenten erwarben Möbel oder Kleidung im niedrigen Preissegment, ohne die Herkunft der Waren im Detail zu hinterfragen oder die Produktionsbedingungen in der DDR zu kennen. Es war ein Handel, der auf einer klaren ökonomischen Logik basierte: Devisen gegen günstige Produkte. Für die Menschen, die in den Haftanstalten der DDR, wie etwa in Hoheneck, an der Herstellung dieser Güter beteiligt waren, stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Ihre Biografien sind eng mit den Produkten verknüpft, die im Westen als Schnäppchen galten. Die Berichte von Zeitzeugen über die Arbeitsnormen und den Druck in den Fabriken innerhalb der Gefängnismauern zeichnen ein Bild, das im Kontrast zur bunten Werbewelt der westdeutschen Prospekte steht. Die heutige Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Während einige Konzerne den Dialog suchen und Verantwortung übernehmen, ziehen sich andere auf juristische Positionen zurück. Für die Betroffenen ist diese Haltung oft schwer verständlich, da die Anerkennung des Erlebten eine wichtige Rolle im Verarbeitungsprozess spielt. Die Geschichte der deutsch-deutschen Ökonomie ist somit nicht nur eine Geschichte von Zahlen und Verträgen, sondern auch eine von individuellen Schicksalen, die bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Schweigen mancher Akteure überdauert die politische Wende. B) SEITE AP: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR waren dichter, als es die politische Rhetorik des Kalten Krieges oft vermuten ließ. Ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen war die sogenannte Gestattungsproduktion, bei der westdeutsche Unternehmen in der DDR fertigen ließen. Dies geschah nicht selten unter Einbeziehung von Häftlingen in Strafvollzugsanstalten. Organisiert durch die Kommerzielle Koordinierung und das Ministerium für Staatssicherheit, entstand ein System, von dem schätzungsweise 6.000 westliche Firmen profitierten. Das Ziel war rein ökonomisch: Die DDR benötigte dringend konvertierbare Währung, westdeutsche Handelsketten und Versandhäuser suchten nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiteten, spielten in den Geschäftsbeziehungen meist keine dokumentierte Rolle. In der aktuellen Debatte um Unternehmensverantwortung wird deutlich, dass dieses Kapitel noch nicht geschlossen ist. Der unterschiedliche Umgang der beteiligten Firmen mit ihrer Historie – von der Einrichtung von Entschädigungsfonds bis hin zur strikten Ablehnung jeglicher Verantwortung – prägt die Diskussion. Historische Aufarbeitung erweist sich hier als ein langwieriger Prozess, der über die reine Akteneinsicht hinausgeht. C) SEITE JP: Die Produktion von Konsumgütern für den westdeutschen Markt in DDR-Gefängnissen ist ein historisches Faktum, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Um Devisen zu erwirtschaften, setzte die DDR-Führung gezielt Häftlinge ein, um Lieferverträge mit westlichen Konzernen zu erfüllen. Betroffene berichten von hohem Arbeitsdruck und gesundheitlichen Folgen, während die Produkte in westdeutschen Regalen landeten. Die Reaktionen der heute noch existierenden Unternehmen auf diese Vergangenheit variieren stark. Während Schritte wie die Einrichtung von Härtefallfonds als positive Beispiele der Aufarbeitung gelten, verweisen andere Firmen auf Verjährung oder fehlende direkte Zuständigkeit. Diese Diskrepanz zwischen historischer Realität und unternehmerischer Aufarbeitung belastet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Opfern und den profitierenden Strukturen bis heute. Die Geschichte zeigt, dass ökonomische Entscheidungen auch Jahrzehnte später noch eine moralische Dimension besitzen.

Blut an der Strumpfhose – Der hohe Preis der DDR-Billigware

A) PROFIL AP: Der Blick auf die deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte offenbart oft pragmatische Verflechtungen, die im Alltag der damaligen Zeit kaum sichtbar waren. Konsumenten erwarben Möbel oder Kleidung im niedrigen Preissegment, ohne die Herkunft der Waren im Detail zu hinterfragen oder die Produktionsbedingungen in der DDR zu kennen. Es war ein Handel, der auf einer klaren ökonomischen Logik basierte: Devisen gegen günstige Produkte. Für die Menschen, die in den Haftanstalten der DDR, wie etwa in Hoheneck, an der Herstellung dieser Güter beteiligt waren, stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Ihre Biografien sind eng mit den Produkten verknüpft, die im Westen als Schnäppchen galten. Die Berichte von Zeitzeugen über die Arbeitsnormen und den Druck in den Fabriken innerhalb der Gefängnismauern zeichnen ein Bild, das im Kontrast zur bunten Werbewelt der westdeutschen Prospekte steht. Die heutige Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Während einige Konzerne den Dialog suchen und Verantwortung übernehmen, ziehen sich andere auf juristische Positionen zurück. Für die Betroffenen ist diese Haltung oft schwer verständlich, da die Anerkennung des Erlebten eine wichtige Rolle im Verarbeitungsprozess spielt. Die Geschichte der deutsch-deutschen Ökonomie ist somit nicht nur eine Geschichte von Zahlen und Verträgen, sondern auch eine von individuellen Schicksalen, die bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Schweigen mancher Akteure überdauert die politische Wende. B) SEITE AP: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR waren dichter, als es die politische Rhetorik des Kalten Krieges oft vermuten ließ. Ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen war die sogenannte Gestattungsproduktion, bei der westdeutsche Unternehmen in der DDR fertigen ließen. Dies geschah nicht selten unter Einbeziehung von Häftlingen in Strafvollzugsanstalten. Organisiert durch die Kommerzielle Koordinierung und das Ministerium für Staatssicherheit, entstand ein System, von dem schätzungsweise 6.000 westliche Firmen profitierten. Das Ziel war rein ökonomisch: Die DDR benötigte dringend konvertierbare Währung, westdeutsche Handelsketten und Versandhäuser suchten nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiteten, spielten in den Geschäftsbeziehungen meist keine dokumentierte Rolle. In der aktuellen Debatte um Unternehmensverantwortung wird deutlich, dass dieses Kapitel noch nicht geschlossen ist. Der unterschiedliche Umgang der beteiligten Firmen mit ihrer Historie – von der Einrichtung von Entschädigungsfonds bis hin zur strikten Ablehnung jeglicher Verantwortung – prägt die Diskussion. Historische Aufarbeitung erweist sich hier als ein langwieriger Prozess, der über die reine Akteneinsicht hinausgeht. C) SEITE JP: Die Produktion von Konsumgütern für den westdeutschen Markt in DDR-Gefängnissen ist ein historisches Faktum, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Um Devisen zu erwirtschaften, setzte die DDR-Führung gezielt Häftlinge ein, um Lieferverträge mit westlichen Konzernen zu erfüllen. Betroffene berichten von hohem Arbeitsdruck und gesundheitlichen Folgen, während die Produkte in westdeutschen Regalen landeten. Die Reaktionen der heute noch existierenden Unternehmen auf diese Vergangenheit variieren stark. Während Schritte wie die Einrichtung von Härtefallfonds als positive Beispiele der Aufarbeitung gelten, verweisen andere Firmen auf Verjährung oder fehlende direkte Zuständigkeit. Diese Diskrepanz zwischen historischer Realität und unternehmerischer Aufarbeitung belastet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Opfern und den profitierenden Strukturen bis heute. Die Geschichte zeigt, dass ökonomische Entscheidungen auch Jahrzehnte später noch eine moralische Dimension besitzen.