Ulrich „Ed“ Swillms: Das unsterbliche Erbe des Karat-Genies

„Die Seele ist die Brücke, die zu Unsterblichkeit führt“ – diese Worte des Dichters Rabindranath Tagore, den er sein Leben lang verehrte, scheinen perfekt auf Ulrich Swillms zuzutreffen. Obwohl sein Name vielen nicht sofort bekannt sein mag, prägte er als Keyboarder und Komponist die deutsche Rockband Karat wie kein anderer. Ed, wie er liebevoll genannt wurde, schuf unsterbliche Kompositionen, deren zarte Klänge bis heute unsere Welt tanzen lassen.

Die frühen Jahre und der Ursprung eines Spitznamens Seine Karriere nahm entscheidende Fahrt auf, als er bei seiner ersten Profiband, den Alexanders, auf Herbert Dreilich und Henning Protzmann traf. Es war auch in dieser Zeit, genauer gesagt im Jahr 1970, dass seine erste Komposition, „Klosterkorin“, entstand. Sein charakteristischer Spitzname „Ed“ leitet sich ebenfalls aus dieser Phase ab: Er spielte damals einen Flügel der Marke „Edition Seiler“, und die Abkürzung „Ed“ wurde zu seinem Markenzeichen.

Das kreative Herz von Karat Walter Cikan, Produzent beim DDR-Rundfunk, beschreibt Ed Swillms als den „kreativsten“ und „genialsten Komponisten von Popmusik“ in Deutschland. Trotz seiner Rolle als Keyboarder, bei der er nie das Rampenlicht suchte, war er „der Pol, um den sich alles drehte“ innerhalb der Band. Ed Swillms war bekannt für seine extreme Selbstkritik und seine Detailverliebtheit. Er arbeitete akribisch und rastete nicht, bis ein Song für ihn perfekt war, indem er stets „ganz viele Feinheiten“ und „kleine Überraschungen“ einbaute.

Diese Arbeitsweise sorgte dafür, dass man jeden seiner Songs „hundertmal hören [kann], ohne dass es einem langweilig wird“. Er konnte auch „durchaus unbequem“ sein, besonders wenn er mit dem Ergebnis, wie der Aufnahme von „Über sieben Brücken musst du gehen“, nicht zufrieden war – sei es wegen technischer Mängel oder der Stimme von Herbert Dreilich, die ihm zu weich klang.

Unvergängliche Meisterwerke Aus seiner schöpferischsten und als genial bezeichneten Schaffensperiode bei Karat stammen alle Titel, die bis heute die Live-Konzerte der Band bestimmen. Zu seinen bedeutendsten Kompositionen gehören:

• „König der Welt“
• „Über sieben Brücken musst du gehen“: Dieser Titel, oft verbunden mit „sieben dunkle Jahre“, ist ein herausragendes Beispiel seines Schaffens.
• „Der blaue Planet“: Dieses Werk markierte eine Wende hin zu einem rockigeren und poppigeren Sound, der Karat ihre größten Erfolge und die meisten Plattenverkäufe einbrachte. Holger Krebs, der Autor des YouTube-Transkripts, bezeichnet „Der blaue Planet“ als ein „geniales Werk“ und betont seine erschreckende Aktualität angesichts der Tatsache, dass sich „eigentlich auf der Welt nichts geändert hat“.
• „Jede Stunde“

Ein Vermächtnis, das Grenzen überwindet Die Musik von Karat und insbesondere die Kompositionen von Ed Swillms haben es geschafft, „über Grenzen hinweg“ zu gehen und wurden sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland geliebt. Dies ist für Holger Krebs „der größte Preis, den man bekommen kann“, wenn man als Künstler von seinen Zuhörern geliebt wird. Selbst heute noch bestehen 80 bis 90 Prozent der Titel, die Karat live spielt, aus Swillms‘ Werken. Es ist bemerkenswert, dass die Konzerte der Band immer wieder neue und auch jüngere Gesichter anziehen, die sich für diese Musik begeistern. Dies nährt die Hoffnung, dass seine Musik noch lange gehört werden und Ed Swillms auf diese Weise „irgendwie auch immer noch bei uns bleibt“. Seine Musik tanzt mit unserer Welt, und Ed Swillms, der „hochmusikalische“ und „ganz besondere Mensch“, bleibt in den Erinnerungen vieler.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl