Alte Pfeifen im kleinsten Museum der Welt in Rostock

Im Rostocker Rathaus bietet sich derzeit eine besondere Gelegenheit für Geschichtsinteressierte. Das „Kleinste Museum der Welt“, auch bekannt als das Museum in der Box, präsentiert in seiner bereits 15. Ausstellung Jahrhunderte alte Pfeifen bzw. Mundstücke. Die Ausstellung wurde am 4. Juni 2025 im kleinen Kreise eröffnet.

Stolz präsentierten der Vorsitzende des Freundeskreises Archäologisches Landesmuseum, Roland Medling, und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Carsten Schmolt die sehr seltenen Fundstücke. Es wird vermutet, dass diese Pfeifen vor mehreren hundert Jahren höchstwahrscheinlich für die Ausbildung von Hunden verwendet wurden.

Die ausgestellten Pfeifen unterscheiden sich in Material und Aussehen. Eine Pfeife ist relativ hell und besteht aus sehr hart gebranntem Siegburger Steinzeug aus dem Rheinland. Das andere Stück ist aus roter Irdenware gefertigt. Dieses Material ist gebrannter Ton mit einem hohen Eisenanteil, der sich beim Brennen rot verfärbt – vergleichbar mit Backstein, wie er in der Backsteingotik zu finden ist. Auf diesem Stück befindet sich zudem eine kleine Glasur und eine kleine Riffelung, um ein Abrutschen zu verhindern.

Das „Museum in der Box“ dient als Werbung für das Archäologische Landesmuseum MV, das einst im Rostocker Stadthafen errichtet werden soll. Obwohl es bedauerlicherweise die einzige Werbung dieser Art sei, leistet das kleine Museum bereits heute einen Beitrag zur Präsentation der faszinierenden Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Die ausgestellten Funde werden irgendwann auch im zukünftigen Landesmuseum zu sehen sein und stellen bereits jetzt Querschnitte durch die Geschichte des Bundeslandes dar. Die Funde, darunter auch solche aus dem Mittelalter und der Neuzeit, die bisher vielleicht weniger im Vordergrund standen, werden als Highlights betrachtet.

Das Fundament für die Ausstattung des Archäologischen Landesmuseums bilden die unerschöpflichen Depots der Landesdenkmalpflege. Doch während die historischen Schätze bereitliegen, verschiebt sich der Bau des Landesmuseums um Jahre. Ursprünglich ging die Landesregierung davon aus, dass bereits 2025 der Baubeginn gefeiert werden könnte oder zumindest mit der Aufschüttung für das Gelände begonnen würde. Nun blickt der Freundeskreis hoffnungsvoll auf das Jahr 2026 als endgültigen Baubeginn. Als ideales Datum für die Fertigstellung des Archäologischen Landesmuseums wird das Jahr 2031 genannt.

Bis dahin können Besucher die Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns im „Kleinsten Museum der Welt“ erleben. Die aktuelle Ausstellung mit den jahrhundertealten Pfeifenköpfen und ihrer Geschichte kann noch bis Dezember 2025 im Rostocker Rathaus besucht werden. In diesem Sinne: pfeifen Sie nicht drauf!.

Zwischen Appell und Abenteuer: Die Rolle der Pioniere im DDR-Schulalltag

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es war oft kalt auf dem Schulhof, wenn am Montagmorgen die Trommel den Takt vorgab und hunderte Kinderstimmen im Chor antworteten. Teaser: Wer in der DDR aufwuchs, für den war das blaue und später das rote Halstuch selten eine Frage der freien Wahl. Eltern unterschrieben den Aufnahmeantrag meist nicht aus glühender Überzeugung für den Sozialismus, sondern aus einem pragmatischen Schutzinstinkt heraus: Das eigene Kind sollte nicht abseitsstehen, es sollte dazugehören, ins Ferienlager fahren dürfen, keine Nachteile in der Schule haben. Es war oft der erste Kompromiss mit der Macht, den man stellvertretend für die nächste Generation schloss, wohlwissend, dass eine Weigerung das Kind zum Außenseiter machen würde. Der Alltag in der Pionierorganisation war dabei eine komplexe Mischung aus militärischem Appell und echter Gemeinschaft. Während der Fahnenappell Disziplin und Unterordnung unter das Kollektiv trainierte, boten die Arbeitsgemeinschaften, die Altstoffsammlungen und die Pioniernachmittage Erlebnisse, die viele in warmer Erinnerung behalten haben. Der Staat verstand es geschickt, die natürliche Begeisterungsfähigkeit von Kindern für seine Zwecke zu nutzen. Er bot Ressourcen, Technik-AGs und günstige Ferienplätze und band so Loyalität durch organisierte Freizeit. Das Gefühl von „Wir“ war real, auch wenn der Rahmen ideologisch gesetzt war. Doch hinter den Bastelstraßen und der „Timur-Hilfe“ stand stets der Anspruch auf den ganzen Menschen. Man lernte früh, dass es eine offizielle Sprache für die Schule und eine private Sprache für den Küchentisch gab. Diese Einübung in die Doppelmoral funktionierte so lange, bis die Rituale im Jahr 1989 plötzlich hohl klangen und die Organisation fast geräuschlos implodierte. Heute liegen die Tücher oft noch in Kisten auf Dachböden, sauber gefaltet, als stille Archive einer Kindheit, die politisch war, selbst wenn sie sich spielerisch anfühlte. Die Symbole sind verschwunden, die Prägung durch das Kollektiv wirkt in den Lebensläufen nach. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine Quote von fast 98 Prozent Mitgliedschaft lässt sich nicht allein mit Begeisterung erklären, sondern verweist auf ein System, das Abweichung kaum duldete. Teaser: Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ war weit mehr als ein Freizeitverein; sie war die zentrale Sozialisationsinstanz der DDR, die direkt nach der Einschulung griff. Historisch betrachtet sicherte sich der Staat durch die fast lückenlose Erfassung der Kinder den Zugriff auf die nächste Generation. Der Mechanismus war dabei subtil: Es gab keinen gesetzlichen Zwang per Paragraf, aber einen immensen gesellschaftlichen Druck. Wer sich verweigerte, riskierte die soziale Isolation und spätere Bildungsnachteile – ein Preis, den nur wenige Eltern bereit waren zu zahlen. Das System arbeitete mit einer effektiven Mischung aus Forderung und Förderung. Einerseits wurden Kinder durch Fahnenappelle und Uniformierung an militärische Strukturen, Hierarchien und Gehorsam gewöhnt. Andererseits bot die Organisation Ressourcen, die attraktiv waren: Ferienlager, Technik-AGs und das Gefühl von Gemeinschaft. Diese Ambivalenz macht die rückblickende Bewertung oft schwierig, da echte Erlebnisse und politische Indoktrination untrennbar miteinander verwoben waren. Als die staatliche Autorität 1989 erodierte, verschwanden auch die blauen und roten Halstücher in rasender Geschwindigkeit aus dem Straßenbild. Die Organisation, die auf dem Papier Millionen Mitglieder zählte, löste sich auf, weil sie am Ende nur noch eine Hülle war. Auf den Schulhöfen blieb eine Stille zurück, die den Beginn einer neuen Zeit markierte, in der die alten Gewissheiten keine Gültigkeit mehr besaßen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wie viel Einfluss darf ein Staat auf die Erziehung nehmen, bevor aus Bildung Indoktrination wird? Teaser: Die Geschichte der Pioniere in der DDR ist das Protokoll einer frühen Vereinnahmung. Kinder lernten nicht nur das „Immer bereit“, sondern auch die Kunst, ihre wahre Meinung hinter einer Fassade der Konformität zu verbergen. Das öffentliche Bekenntnis wurde zur Eintrittskarte für den sozialen Aufstieg, während Zweifel ins Private verbannt wurden. Diese Schule der zwei Gesichter prägte eine ganze Generation nachhaltig. Der Opportunismus wurde belohnt, das Ausscheren bestraft. Es ist eine Erfahrung, die Biografien formte, weit über das Ende des Staates hinaus, der sie einst einforderte. Die Rituale sind Geschichte, doch das Wissen um den Preis der Anpassung bleibt bestehen.