Wirtschaft in Ostdeutschland: Hohes Potenzial trifft tiefe Skepsis

Neues Transformationsbarometer der DKB und Deutschland – Land der Ideen zeigt ambivalentes Bild: Unternehmen sehen Chancen, zweifeln aber an deren Realisierung und blicken skeptisch auf die Politik.

Die Wirtschaft in Ostdeutschland steht nach Einschätzung vieler Unternehmerinnen und Unternehmer auf ambivalentem Boden. Zwar wird dem Standort weiterhin hohes Potenzial bescheinigt, doch die Zuversicht, dieses Potenzial tatsächlich heben zu können, ist gering. Das zeigt das aktuelle OWF-Transformationsbarometer, das jährlich von der Standortinitiative Deutschland – Land der Ideen und der Deutschen Kreditbank AG (DKB) im Vorfeld des Ostdeutschen Wirtschaftsforums (OWF) erstellt wird. Für die Befragung wurden zwischen Anfang März und Ende April 2025 Entscheiderinnen und Entscheider aus ostdeutschen Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitenden befragt.

Potenzial ist da, Zweifel überwiegen
Bereits seit dem Beginn der Befragung im Jahr 2022 bescheinigen die Unternehmen Ostdeutschland kontinuierlich ein großes Wirtschaftspotenzial. Auch in der aktuellen Umfrage schätzen 56 Prozent dieses als groß ein, 23 Prozent davon sogar als sehr groß. Als größte Wachstumsfelder werden dabei Erneuerbare Energien (3 %), Mikroelektronik (19 %) und Tourismus (18 %) genannt.

Diesen positiven Einschätzungen steht jedoch eine deutliche Skepsis gegenüber, ob dieses Potenzial in der Praxis genutzt werden kann. 40 Prozent der Befragten erwarten künftig in gar keiner Branche ein besonders großes Wachstum. Diese pessimistische Erwartung ist in den meisten ostdeutschen Bundesländern die meistgenannte Antwort, in Thüringen teilt sie sogar mehr als jeder Zweite.

Negative Stimmung, aber zufriedenstellende Geschäftslage im eigenen Haus
Die allgemeine wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland wird von vielen als negativ bewertet. 45 Prozent der Befragten halten sie für negativ, bei Unternehmen mit 250 bis 999 Angestellten ist es sogar jeder Zweite. Nur rund ein Viertel blickt positiv auf die Gesamtlage. Die Zufriedenheit mit der Wirtschaftslage ist in Brandenburg am höchsten (jeder Dritte), am niedrigsten in Thüringen (19 %).

Interessanterweise spiegelt sich diese negative Gesamtstimmung nicht direkt in der Bewertung des eigenen Geschäftsjahres wider. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) war mit der wirtschaftlichen Entwicklung ihres eigenen Unternehmens im Jahr 2024 sehr oder eher zufrieden. Nur 30 Prozent zeigten sich weniger oder gar nicht zufrieden. Dieses Bild, dass die Stimmung schlechter ist als die tatsächliche Lage im eigenen Unternehmen, zeigte sich bereits im Vorjahr.

Fachkräftemangel und Energiepreise als Dauerbrenner – Politische Radikalisierung wächst als Risiko
Die größten Herausforderungen für die Unternehmen sind weiterhin der Fachkräftemangel, der von mehr als jedem zweiten Befragten genannt wird und die Liste seit 2022 anführt. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten sehen hier die größten Probleme (58 %). An zweiter und dritter Stelle folgen die Energiepreise (34 %) und der Wettbewerb (27 %). Die Energiepreise bereiten vor allem in Thüringen (46 %) und Sachsen-Anhalt (42 %) Sorgen.

Betrachtet man die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland als Ganzes, so wird neben Fachkräftemangel und Energiepreisen die politische Radikalisierung als drittgrößtes Standortrisiko genannt (40 %). Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozentpunkte angestiegen.

Klare Wünsche an die Politik, aber wenig Vertrauen in deren Umsetzung
Die Unternehmen haben klare Erwartungen an die Politik. Mit Abstand am häufigsten (68 %) wird der Wunsch nach Bürokratieabbau geäußert. An zweiter Stelle steht die Forderung nach Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise (54 %). Die drittwichtigsten Maßnahmen variieren je nach Unternehmensgröße: Größere Unternehmen wünschen sich digitale Verwaltungsprozesse, mittlere Investitionsförderungen und kleinere Steuererleichterungen.

Trotz dieser klaren Wünsche blicken die Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter mit großer Skepsis auf die neue Bundesregierung. 58 Prozent glauben nicht, dass es ihr gelingen wird, wirksame Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft zu setzen. Nur 38 Prozent sind optimistisch. Regionale Unterschiede sind hier deutlich: In Brandenburg und Berlin ist der Optimismus mit 48 beziehungsweise 47 Prozent höher, während in Thüringen die Skepsis mit 74 Prozent am größten ist.

Dr. Philipp Mehne, Geschäftsführer von Deutschland – Land der Ideen, kommentierte die Ergebnisse: „Es ist die Aufgabe der Politik, die Bedingungen für die Wirtschaft zu verbessern (…) Sie muss aber auch für Zuversicht sorgen (…) Das Transformationsbarometer zeigt, dass die Bundesregierung genau hier noch eine gewaltige Aufgabe vor sich hat, denn ihr Vertrauensvorschuss bei den Unternehmen ist offenbar gering“. Tilo Hacke, Vorstandsmitglied der DKB, nannte die Ergebnisse „alarmierend“ und betonte die Dringlichkeit von Maßnahmen, „die wieder für Zuversicht und Optimismus sorgen“. Er fordert, dass notwendige Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Wärmewende nicht weiter aufgeschoben werden dürften.

Die Ergebnisse des Transformationsbarometers 2025 werden am 19. Mai 2025 beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Semantik der Eskalation: Warum wir uns im Netz nur noch anschreien

Teaser: Wer heute durch seine Timeline scrollt, blickt oft in einen Abgrund aus unversöhnlichem Hass. Auf der einen Seite fliegt die „Nazi-Keule“, auf der anderen wird alles als „links-grün versifft“ beschimpft. Doch diese Verrohung ist kein Zufall. Eine soziologische Tiefenbohrung zeigt, wie psychologische Ekel-Reflexe und algorithmische Belohnungssysteme unsere Debattenkultur gezielt zerstören.

Der geschlossene Jugendwerkhof Torgau als Endstation der DDR-Heimerziehung

FERACEBOOK-TEAS A) PROFIL: Hook: Drei Stunden Fahrt genügten oft, um eine Biografie dauerhaft aus der Bahn zu werfen. Teaser: Wer sich mit der Geschichte der DDR-Heimerziehung beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen Torgau. Es war ein Ort, über den in der Öffentlichkeit geschwiegen wurde, dessen bloße Erwähnung unter Jugendlichen in Spezialkinderheimen jedoch ausreichte, um Angst auszulösen. Über 4000 junge Menschen durchliefen diese Einrichtung, die offiziell der Anbahnung auf das Kollektiv diente, in der Praxis jedoch militärischen Drill und psychische Brechung bedeutete. Die Kriterien für eine Einweisung waren dabei fließend. Es bedurfte keiner Straftat. Oft reichte es aus, wenn ein Jugendlicher als unbequem galt, die Schule schwänzte oder mehrfach aus anderen Einrichtungen geflohen war. Die pädagogische Maxime, die hinter den Mauern in Torgau herrschte, sah im Individualismus eine Gefahr, die es durch Isolation und physische Erschöpfung zu beseitigen galt. Berichte von Zeitzeugen zeichnen das Bild eines Alltags, in dem selbst der Toilettengang reglementiert war und Privatsphäre als bürgerliches Relikt abgeschafft wurde. Für viele Betroffene endete die Erfahrung nicht mit der Entlassung. Die Zeit in Torgau hinterließ Spuren, die sich in die Körper und die Psyche einschrieben. Das Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen und die Erfahrung absoluter Ohnmacht prägen viele Lebensläufe bis in die Gegenwart. Es bleibt die Beobachtung einer Generation, die in Teilen eine Erfahrung teilt, die lange Zeit gesellschaftlich kaum wahrgenommen wurde. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Das System der Umerziehung kannte eine letzte Instanz, die ohne richterlichen Beschluss operierte. Teaser: Zwischen 1964 und 1989 fungierte der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau als Endstation im System der DDR-Jugendhilfe. Die Einweisung erfolgte auf rein administrativer Ebene und entzog sich weitgehend juristischer Kontrolle. Zielgruppe waren Jugendliche, die als schwer erziehbar klassifiziert wurden – ein Begriff, der im sozialistischen Kontext oft schlicht nonkonformes Verhalten oder den Wunsch nach individueller Freiheit bezeichnete. Historisch betrachtet setzte Torgau die Theorie des Pädagogen Eberhard Mannschatz in die Praxis um, wonach das Kollektiv über dem Einzelnen stand. Die Methoden vor Ort, von der anfänglichen Isolationshaft bis zum minutiös getakteten Tagesablauf, zielten auf eine komplette Neuformierung der Persönlichkeit ab. Die Einrichtung verdeutlicht, wie fließend die Grenzen zwischen Fürsorge und Repression in der staatlichen Struktur verlaufen konnten. Die Aufarbeitung dieser Geschichte ist ein wesentlicher Baustein zum Verständnis der ostdeutschen Sozialisation.