Es ist ein Tag, der sich unauslöschlich in das Gedächtnis der Stadt eingebrannt hat. Die amerikanische Luftwaffe bombardiert die thüringische Stadt – in Wellen, mit erbarmungsloser Präzision. Drei Stunden lang bebt die Erde unter den Detonationen, Keller werden zu Grabkammern der Angst, und eine trügerische Hoffnung auf ein Ende der Angriffe wird immer wieder von neuen Explosionen zerschlagen.
Flucht in die Keller – ein Kampf ums Überleben
Zeitzeugen berichten von der schieren Verzweiflung der Menschen. Sirenen heulen auf, Schüler und Lehrer eilen aus dem Gymnasium in der Sönneberger Straße in Richtung Schutzräume. In einem alten Museum, das als Schulgebäude dient, verfolgen sie das Geschehen auf einer Generalstabskarte. Blaue Quadrate markieren feindliche Kampfverbände, die sich der Stadt nähern. Die Prognose ist eindeutig: „Mit Bombenabwürfen ist zu rechnen.“
Für viele ist es nicht die erste Erfahrung mit Luftangriffen. Ein Zeitzeuge, damals ein Schüler aus Düsseldorf, erinnert sich an die unzähligen Bombennächte in seiner Heimatstadt. Doch in Saalfeld ist es anders. Hier sieht man die Flugzeuge am Himmel – riesige Festungen aus Stahl, die ihren tödlichen Regen niedergehen lassen. Ein Unterschied, der die Angst noch greifbarer macht.
Zerstörung und Entsetzen – die Folgen des Krieges
1943 war die Oberschule aus Düsseldorf nach Saalfeld verlegt worden, um Schüler vor den Bombardierungen zu schützen. Doch der Krieg hat sie eingeholt. Die Bombardierung Saalfelds markiert das Ende einer Illusion: Nirgendwo ist man sicher.
Noch heute erinnert eine Gedenktafel an das Inferno jenes April-Tages. Sie ist Mahnmal und Warnung zugleich – für Besucher, Einwohner und kommende Generationen. Sie ruft in Erinnerung, dass die Zivilbevölkerung den Preis für den Größenwahn Adolf Hitlers und seiner politischen Gefolgschaft zahlen musste.
Die Mahnung der Geschichte: Nie wieder Krieg!
Das Gedenken an den 14. April 1945 ist mehr als ein Rückblick auf ein dunkles Kapitel der Geschichte. Es ist ein Aufruf. Ein Appell, den John F. Kennedy einst treffend formulierte: „Die Menschheit muss den Krieg beenden, oder der Krieg beendet die Menschheit.“
Auch heute, fast 80 Jahre später, hat diese Erkenntnis nichts an Relevanz verloren. Saalfelds Geschichte mahnt uns, Frieden nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen – sondern als Aufgabe, die nie endet.