Ideologie und Zwangskollektivierung: Die agra als Werkzeug der SED


Die Zentrale Landwirtschaftsausstellung agra in Markkleeberg war nicht nur eine Messe für Landtechnik und Landwirtschaft. In den späten 1950er Jahren wurde sie zu einem wichtigen Instrument der SED, um die Kollektivierung der Landwirtschaft politisch zu begleiten und zu propagieren.
Unter der Führung von Walter Ulbricht forcierte die Partei den sogenannten „sozialistischen Frühling auf dem Lande“. Private Bauern sollten ihre Flächen, ihr Vieh und ihre Maschinen in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) einbringen. Ulbricht sprach von der Vollendung der Bauernbefreiung und dem Aufbau des Sozialismus auf dem Land.

Doch viele Bauern standen dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Besonders Mittelbauern weigerten sich, ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit aufzugeben. Als der Beitritt zu den LPGs 1959 ins Stocken geriet, verschärfte die SED den Druck. Mit der Kampagne „Gewinnt die Mittelbauern! In jedem Dorf eine LPG!“ wurden Zehntausende Landwirte zum Eintritt gedrängt. Ende 1959 waren bereits mehr als 226.000 Bauern in Genossenschaften organisiert.

Die agra begleitete diesen Umbruch mit einer aufwendigen Inszenierung. Auf dem Ausstellungsgelände wurden moderne Traktoren, leistungsfähige Maschinen und Vorzeigebetriebe präsentiert. Musterfelder und Ausstellungspavillons sollten die angeblichen Vorteile der sozialistischen Großproduktion sichtbar machen.

Den Besuchern wurde das Bild einer hochmodernen, vollmechanisierten Landwirtschaft vermittelt. Die Botschaft war eindeutig: Fortschritt und Wohlstand seien nur durch die genossenschaftliche Bewirtschaftung erreichbar. Damit diente die agra nicht nur der Information, sondern auch der politischen Überzeugungsarbeit.

Die Ausstellung wurde so zu einem Schaufenster der SED-Agrarpolitik. Technische Innovationen standen im Dienst einer ideologischen Botschaft, während die Konflikte und Zwänge der Kollektivierung weitgehend ausgeblendet wurden. Die agra war damit ein bedeutendes Propagandainstrument beim tiefgreifenden Umbau der Landwirtschaft in der DDR.