Die SED sucht ihr Heil in der Umweltpolitik am Grünen Tisch

Es ist ein Samstag, an dem die Luft in der DDR vor Spannung vibriert und der erste Schnee politischer Veränderungen fällt. Während die Bürger auf den Straßen längst Fakten geschaffen haben, versucht die alte Führung verzweifelt, den Anschluss nicht gänzlich zu verlieren. In den Amtsstuben der SED rauchen die Köpfe, wie man die Macht noch retten kann.

Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands setzt an diesem 16. Dezember 1989 auf eine neue Karte: den Umweltschutz. Mit der Einladung an alle demokratischen Kräfte zu einem „Grünen Tisch“ will sie Handlungsfähigkeit demonstrieren. Im ehemaligen Haus des Zentralkomitees soll ein Treffpunkt entstehen, um den ökologischen Kollaps des Landes zu diskutieren.

Doch die Realität hat die Planer längst überholt. In Berlin versammeln sich Vertreter der neuen Oppositionsgruppen, um die zweite Sitzung des zentralen Runden Tisches vorzubereiten. Überall im Land entstehen Fakten: In Ilmenau gründet sich die Grüne Partei, und in den Betrieben bilden sich unabhängige Gewerkschaften, die sich von der alten Bevormundung lösen.

Ein historisches Ereignis wirft seine Schatten voraus und elektrisiert die Menschen. In Dresden laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren für den Besuch von Bundeskanzler Helmut Kohl. Erste Gespräche finden statt, um den Rahmen abzustecken für einen Moment, der in wenigen Tagen als entscheidender Wendepunkt in die deutsch-deutschen Geschichtsbücher eingehen wird.

Mahnende Worte kommen derweil aus Hamburg von Altkanzler Helmut Schmidt. Er warnt in der „Zeit“ eindringlich vor nationalen Alleingängen und fordert Weitsicht. Die Anerkennung der polnischen Westgrenze müsse ohne juristische Spitzfindigkeiten erfolgen, um die Ängste der europäischen Nachbarn vor einer neuen deutschen Dominanz zu zerstreuen.

Während die große Politik über Grenzen verhandelt, spüren die Kommunen im Westen die Last der Freiheit ganz praktisch. München streicht das zusätzliche Begrüßungsgeld, da der Ansturm die Stadtkassen sprengt. Es ist ein Tag des Umbruchs, an dem Euphorie und Sorge, taktisches Kalkül und echter Aufbruch in Ost und West eng beieinanderliegen.

Peter Meyer über Puhdys-Geschichte und den Neuanfang nach 1989

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wer Peter Meyer zuhört, begegnet keinem Musiker, der mit der Geschichte hadert, sondern einem Mann, der im Rückblick vor allem Kontinuität sieht. Teaser: Die Geschichte der Puhdys wird oft entlang der großen politischen Zäsuren erzählt, doch für die Bandmitglieder selbst fühlten sich die Übergänge oft anders an. Der Start im sächsischen Freiberg, die ersten Gehversuche mit englischen Coverversionen und schließlich der fast erzwungene Wechsel zur deutschen Sprache waren Schritte einer professionellen Evolution. Meyer beschreibt eine Karriere, die sich durch Anpassungsfähigkeit auszeichnete. Besonders interessant ist der Blick auf das Jahr 1989. Dass die Band genau zum Ende der DDR ihre Abschiedstournee spielte, war ein Zufall, der sich im Nachhinein als Segen erwies. Während das Land sich neu sortierte und viele Ost-Künstler in ein Loch fielen, hatten die Puhdys ohnehin Pause. Als sie 1992 wiederkamen, war das Publikum bereit für eine Rückbesinnung auf die eigene Herkunft. Die Band hatte den Vorteil, den Westen bereits durch jahrelange Tourneen zu kennen. Sie wussten, wie der Markt funktioniert, lange bevor dieser Markt ihre Heimat übernahm. Es ist diese Mischung aus künstlerischem Pragmatismus und einer tiefen Verwurzelung beim Publikum, die den Erfolg über Jahrzehnte sicherte. Meyer, der sich selbst als harmoniesüchtig bezeichnet, sieht in all dem weniger den politischen Kampf als vielmehr den Lauf der Dinge. Die Lieder sind geblieben. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Der Erfolg des Ostrocks war kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer spezifischen kulturpolitischen Konstellation, die Bands wie die Puhdys zu nutzen wussten. Teaser: Wenn Peter Meyer von den frühen Siebzigern erzählt, wird deutlich, wie sehr externe Rahmenbedingungen kreative Prozesse steuern können. Der Zwang zu deutschen Texten, ursprünglich eine Auflage des Fernsehens, wurde zum Markenkern einer ganzen Generation von Musikern. Die Puhdys füllten diese Vorgabe mit Inhalten, die resonanzfähig waren, ohne die Grenzen des Sagbaren permanent zu sprengen. Auch die viel diskutierten West-Privilegien ordnet Meyer nüchtern ein. Die Möglichkeit zu reisen war für den Devisenhaushalt der DDR ebenso wichtig wie für die professionelle Entwicklung der Band. Man lernte, im internationalen Vergleich zu bestehen. Diese Erfahrungsschatz war es, der den Puhdys nach der Wende half, nicht als bloßes Relikt der Vergangenheit wahrgenommen zu werden, sondern als funktionierende Rockband in einem neuen System. Die Hallen füllten sich wieder, als die erste Welle der West-Euphorie abgeebbt war. Die Puhdys standen bereit. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Manchmal ist das richtige Timing wichtiger als jede langfristige Strategie, wie der Blick auf die Wendejahre der Puhdys zeigt. Teaser: Dass die Band 1989 aufhörte, weil sie sich künstlerisch leer fühlte, und erst 1992 zurückkehrte, bewahrte sie vor dem direkten Verschleiß in den Jahren des Umbruchs. Sie übersprangen die Phase, in der Ostrock pauschal als uncool galt, und kehrten zurück, als das Publikum wieder nach Identifikation suchte. Vom „Tivoli“ in Freiberg bis zu den Sportstadien der Gegenwart zieht sich eine Linie, die weniger von Brüchen als von einer erstaunlichen Beständigkeit zeugt. Lieder wie die „Eisbären“ funktionieren heute losgelöst von ihrer Entstehungsgeschichte.