Ute Freudenbergs Lebensweg ist eine beeindruckende Erzählung von unbeirrbarer Authentizität, mutigen Entscheidungen und dem ständigen Glauben an sich selbst, die sie zu einer der prägendsten Stimmen Mitteldeutschlands gemacht hat. Von den Herausforderungen in der DDR über einen dramatischen Neuanfang im Westen bis hin zu einem selbstbestimmten Rentnerleben – Freudenberg hat stets ihren eigenen Weg beschritten.
Der Preis der Authentizität in der DDR Schon früh wurde Ute Freudenberg mit den Schwierigkeiten konfrontiert, die ein Leben als authentische Künstlerin in der DDR mit sich brachte. Sie erinnert sich daran, dass sie oft die Wahrheit sagte, was nicht jedem passte und ihr „ganz schlimme Nachteile“ einbrachte. Diese Haltung führte dazu, dass sie Anfang der 80er Jahre nach mehreren Reisen in den Westen ein zweijähriges Reiseverbot erhielt. Ihre Karriere wurde bekämpft und beschnitten, und es kam der Punkt, an dem sie persönlich keinen anderen Ausweg mehr sah, als die DDR zu verlassen, um zu überleben.
Die dramatische Flucht in den Westen Die Entscheidung zur Flucht war zutiefst persönlich und mit immensen Opfern verbunden. Freudenberg musste ihr gesamtes Leben, ihre Heimatstadt Weimar, ihre Familie, Freundinnen und Fans zurücklassen. Sie beschreibt Momente, in denen sie dachte, ihr Körper löse sich auf, aber sie wusste, dass sie gehen musste. Der Abschied erfolgte 1984 nach einem Auftritt in der „Aktuellen Schaubude“ in Hamburg. Ihr Freund Wolfgang half ihr bei der dramatischen Flucht: „Autotür auf, Autotür zu, losgefahren“. Diesen Schritt hat sie nie bereut, da sie im Westen viel für ihr eigenes Leben lernte, etwa für sich selbst zu kämpfen und sich nicht kleinmachen zu lassen – Dinge, die sie als „Freiheit“ bezeichnet.
Kampf um Anerkennung und die „Heather Jones“-Episode Im Westen wartete niemand auf Ute Freudenberg. Sie musste ganz von vorn anfangen, im Gala-Geschäft, um zu lernen, wie die Branche funktioniert. Eine besondere Herausforderung war die Episode, in der ihr für den Titelsong des „Tatorts Pleitegeier“ der englische Künstlername Heather Jones gegeben wurde, ohne ihre Zustimmung. Dies empfand sie als „übergriffig“ und „bescheuert“. Sie weigerte sich, unter diesem Namen aufzutreten, und betonte stets: „Ich bin ein Thüringer Mädel und ich heiße Ute Freudenberg.“ Dieser Vorfall und die Ablehnung durch Radiosender, die ihre Musik zwar lobten, aber nicht spielen wollten, waren prägende, schwer zu begreifende Erfahrungen. Doch Freudenberg hielt an ihrem Glauben an sich selbst fest: „Auch wenn ihr alle nicht mehr an mich glaubt, ich glaube an Ute Freudenberg und an das, was sie tut“.
Der Erfolg von „Jugendliebe“ gegen alle Widerstände Einer ihrer größten Erfolge, das Lied „Jugendliebe“, hatte selbst einen steinigen Weg. Die Bandmitglieder nannten es anfangs „Schlagescheiße“, doch es fand sofort Anklang beim Publikum. Trotzdem lehnten der Rundfunk der DDR und Amiga eine Produktion ab, da man als Nicht-Berliner in der Hauptstadt „völlig uninteressant“ war. Nur durch Intervention bei FDJ-Funktionären konnte der Titel schließlich 1980 in einem kleinen Studio in Bernau produziert werden. Obwohl die Aufnahme technisch lieblos und katastrophal war, konnte der Song nicht aufgehalten werden. „Jugendliebe“ wurde zu einer Generationenhymne und erhielt 2005 die Goldene Henne als beliebtester Osthit aller Zeiten.
Die Ära nach der Wende und die Partnerschaft mit Adele Walther Nach der Wende war die Situation erneut schwierig; Freudenberg musste Klinken putzen, weil sie als „Ossi“ und „mit ihrem dicken Arsch“ nicht vermittelt werden sollte. In dieser Zeit gründete sie mit ihrer Freundin und späteren Managerin Adele Walther ihr eigenes Label „A und F“ und finanzierte mit ihrem letzten Geld ihr erstes Album. Die Partnerschaft mit Adele, die sie als „Kämpferin an deiner Seite“ und nicht als bloße „Kofferträgerin“ beschreibt, war entscheidend. Gemeinsam haben die „beiden Thüringer Mädels“ hart gearbeitet und sich in der männerdominierten Branche durchgesetzt, sogar Aufträge abgelehnt, wenn sie schlecht behandelt wurden. Freudenberg betont, dass sie Adele unendlich dankbar für diese Freundschaft und ihren Einsatz ist.
Künstlerische Weiterentwicklung und das Leben als Interpretin Ute Freudenberg hat sich immer weiterentwickelt und ist nicht nur auf „Jugendliebe“ zu reduzieren. Ihr Repertoire umfasst „alle Farben und Facetten des Lebens, vom Kinderwunsch bis zum Tod“. Sie sieht sich nicht nur als Sängerin, sondern als Interpretin, die Texte mit ihren Tönen, Färbungen und Emotionen zum Leben erweckt. Sie arbeitete mit jungen, innovativen Teams zusammen, die Lieder „auf den Leib“ schrieben, wie beispielsweise Janett Biedermann. Ihr letztes Album, das auch ihre Parkinson-Diagnose widerspiegelt, trägt den kämpferischen Titel „Jetzt erst recht“.
Abschied von der Bühne und ein erfülltes Rentnerleben Nach 51 Jahren Karriere und einer Parkinson-Diagnose entschied sich Ute Freudenberg für einen stilvollen Abschied von der Bühne. Sie bereut ihre Entscheidung nicht und blickt auf eine ausverkaufte Abschiedstour zurück, die ein „grandiose Abschied“ war. Heute genießt sie ihr Rentnerleben in vollen Zügen. Sie reist viel, verbringt Zeit mit Familie und Freunden und pflegt ihre Gesundheit. Weimar, ihre Heimatstadt, ist für sie ein „Kraftort“. Freudenberg bildet sich kontinuierlich weiter, um „on top“ zu sein, meidet Nachrichten und umgibt sich mit positiven Einflüssen. Ihre Lebensphilosophie ist geprägt von Selbstglaube und der Fähigkeit, nach Rückschlägen die „Krone zu richten, Glitzer drauf und weiter“ zu machen. Sie ist ein „glückliches Mädchen“, das sich auf wunderbare Jahre freut. Ute Freudenbergs Geschichte ist ein inspirierendes Zeugnis davon, wie man durch Mut, Entschlossenheit und Authentizität ein erfülltes Leben gestalten kann.