Helmut Jankes erschütternde Erinnerungen an das sowjetische Speziallager Mühlberg

Helmut Janke, der 2019 verstarb, wurde wegen angeblicher Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Organisation „Werwolf“ ohne Verurteilung im November 1945 in das sowjetische Speziallager Mühlberg/Elbe gebracht und dort bis August 1948 interniert. Seine Berichte geben einen tiefen und erschütternden Einblick in die unmenschlichen Zustände und das tägliche Leid in diesem Lager.

Die Ankunft und der Kampf gegen die Kälte
Die Reise nach Mühlberg erfolgte in einem kleinen Transporter, über die Elbe bei Torgau, bereits bei eisiger Kälte mit Treibeis auf dem Fluss. Bei der Ankunft wurde Janke registriert, und seine wenigen Habseligkeiten – ein Federkopfkissen, ein Wintermantel, Strümpfe und Brot – wurden erfasst. Das Federkopfkissen, das seine Mutter ihm mitgegeben hatte, wurde ihm mit der Begründung abgenommen, es werde für Kranke benötigt.

Die Bedingungen in den Baracken waren verheerend. In der ersten Baracke gab es keinen Ofen, keine Wärme, und die Fensterscheiben waren teilweise kaputt. Man sah die Dachhaut direkt über sich, da es keine Zwischendecke gab. Die extreme Kälte war allgegenwärtig, und die Gefangenen wussten nicht, wie sie sich schützen sollten, da sie nur eine Decke besaßen und auf einfachen Brettern schlafen mussten. Es gab keine Zwischenwände; man lag in Reih und Glied. Später wurde Janke in eine andere Baracke verlegt, die zumindest Zwischendecken hatte.

Tod als täglicher Begleiter
Das Lagerleben war von Entbehrungen und dem ständigen Angesicht des Todes geprägt. Jeden Tag wurde gezählt, was bedeutete, dass die Gefangenen dafür hinaus mussten. Der Hunger war immens, und das Brot, das Janke bei der Ankunft hatte, verteilte er sofort. Mit 10.000 bis 12.000 Insassen war der Bedarf an Nahrung groß.

Ein besonders erschütterndes Detail ist die hohe Sterblichkeitsrate: „An manchem Tag sind doch 30, 40 verstorben. Du hast das schon-, da hat doch garantiert neben dir gelegen einer.“ Die Toten wurden früh am Morgen, noch bevor es hell wurde, gemeldet und aus den Baracken getragen.

Sie wurden auf der Lagerstraße aufgestellt, noch im Dunkeln, und dann in Gruppen – etwa 30 Stück – durch das Hauptlagertor zum Gräberfeld gebracht. Janke selbst wusste zu der Zeit nicht, wohin die Verstorbenen gebracht wurden. Später, bei der Errichtung eines großen Kreuzes mit Betonsockel, wurden bei Ausschachtungsarbeiten 24 Tote gefunden.

Ein kleiner Lichtblick: Arbeit in der Bäckerei
Trotz der allgegenwärtigen Hoffnungslosigkeit versuchten viele Insassen, irgendeine Arbeit zu bekommen. Helmut Janke hatte Glück: Er konnte in der Bäckerei arbeiten und war dort mit dem Mehlfahrer unterwegs, eine Tätigkeit, die nur wenige Stunden am Tag in Anspruch nahm.

Helmut Jankes Zeugnis ist ein bewegendes Dokument der Grausamkeit der Speziallager und des Überlebenskampfes der Internierten, die oft, wie er selbst, ohne jegliche Verurteilung inhaftiert wurden.

Silvester 1989: Ein Jahreswechsel im politischen Niemandsland

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Nächte, die riechen anders als alle anderen zuvor, eine Mischung aus Schwefel, Sekt und einer Kälte, die man in der Aufregung kaum spürt. Teaser: Wer sich an den 31. Dezember 1989 erinnert, denkt oft zuerst an die Bilder vom Brandenburger Tor. An die Menschenmassen, die sich dort drängten, wo wenige Wochen zuvor noch Schießbefehl herrschte. Doch die Realität dieser Nacht war komplexer als die Fernsehbilder. Es war eine Nacht des absoluten Vakuums. Die alte Ordnungsmacht, die Volkspolizei, hatte sich fast vollständig zurückgezogen. Sie stand am Rand, defensiv, unsichtbar gemacht durch die eigene Geschichte. Das schuf Raum für Euphorie, aber auch für eine gefährliche Form der Anarchie. Millionen D-Mark, ausgezahlt als letztes Begrüßungsgeld, waren in den Tagen zuvor in westdeutsches Feuerwerk umgesetzt worden. Der Himmel über dem Osten leuchtete so hell und laut wie nie zuvor. Es war ein fast trotziges Verprassen, getrieben von der Freude über die Freiheit, aber auch von der klammheimlichen Angst, was das eigene Geld bald noch wert sein würde. Während in Berlin die Gerüste unter der Last der Feiernden wankten, kämpfte die Regierung Modrow im Hintergrund schlicht darum, dass in den Kraftwerken die Kohle nicht ausging. Diese Gleichzeitigkeit von Rausch und Kollaps, von privatem Glück an der geöffneten Grenze im Harz oder Thüringen und der staatlichen Agonie in Ost-Berlin, macht diesen Jahreswechsel so einzigartig. Es war der Moment, in dem die DDR zwar noch auf der Landkarte existierte, aber in den Köpfen der Menschen bereits Geschichte war. Als die Sonne am Neujahrsmorgen über den Müllbergen aus West-Verpackungen und Ost-Glas aufging, war die Stille fast lauter als der Lärm der Nacht. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Zwischen dem juristischen Fortbestand der DDR und ihrem faktischen Ende lag in dieser Nacht nur eine dünne Schicht aus Feierlaune und Chaos. Teaser: Die Silvesternacht 1989/90 markiert eine historische Anomalie. Völkerrechtlich war die DDR noch ein souveräner Staat, doch im Inneren war das Machtmonopol bereits erloschen. Die Sicherheitsorgane, einst omnipräsent, kapitulierten vor der schieren Masse der Menschen. Am Brandenburger Tor, wo 500.000 Menschen den Jahreswechsel begingen, wurde dies am deutlichsten: Die Volkspolizei griff selbst bei der Demontage von Staatssymbolen oder gefährlichen Kletteraktionen kaum noch ein. Gleichzeitig wirkte im Hintergrund eine ökonomische Dynamik, die den politischen Prozess beschleunigte. Das Ende der Barauszahlung des Begrüßungsgeldes führte zu einem letzten Konsumrausch, der die wirtschaftliche Asymmetrie zwischen den beiden deutschen Staaten in jeder explodierenden Rakete am Himmel sichtbar machte. Die Politik, ob in Bonn oder Ost-Berlin, hinkte dem Geschehen auf der Straße hinterher. Es war eine Nacht, die zeigte, wie schnell Institutionen ihre Bindungskraft verlieren, wenn die Angst weicht. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Freiheit lässt sich nicht verordnen, aber in jener Nacht konnte man sie kaufen – für 100 D-Mark Begrüßungsgeld in Form von Raketen. Teaser: Der Jahreswechsel 1989 war vielleicht die ehrlichste Abstimmung, die je in der DDR stattfand. Die Menschen stimmten mit den Füßen ab – hin zu den Plätzen, rauf auf die Mauern, weg von den staatlichen Vorgaben. Die Sorge um die Sparguthaben mischte sich mit der Ekstase des Augenblicks. Dass dabei auch Denkmäler zu Bruch gingen und die Sicherheit litt, war der Preis für diesen unregulierten Übergang. Am nächsten Morgen blieb das Gefühl, dass nun alles möglich, aber nichts garantiert war.