Christin Busch: Frauen Power in der Musikszene Chemnitz

Chemnitz ist seit 16 Jahren die Heimat von Christin Busch, einer Diplomdesignerin und DJane, die sich nicht nur kreativ, sondern auch engagiert für die lokale und überregionale Kunst- und Musikszene einsetzt. Als Geschäftsstellenleitung des Kemnitzer Künstlerbundes und durch ihre eigenen Projekte hat sie sich der Förderung weiblicher und queerer Talente verschrieben.

Christin Busch, die aus dem WF Gothic Bereich stammt und später zur elektronischen Musik fand, verbindet in ihrer Arbeit stets Kreativität und Ausdruck. Ihre Ausbildung als gestaltungstechnische Assistentin und das Studium in Schneeberg legten den Grundstein. Musik und Mode, insbesondere Kostüme, waren dabei immer eng miteinander verbunden. Neben ihrer Arbeit im Textildesign, wo sie sich auch mit Nachhaltigkeit beschäftigt, liegt ihr Fokus stark auf Gemeinschaftsprojekten, insbesondere im Musikbereich.

Ein zentrales Element ihres Engagements ist ihre Agentur Dida, die vorrangig, aber nicht ausschließlich, weibliche Protagonistinnen in den Vordergrund stellt – von DJs über Gesang und Rap bis hin zu Bands. Dieses ehrenamtliche Engagement zielt darauf ab, die Sichtbarkeit dieser Künstlerinnen zu professionalisieren. Aus dieser Arbeit entstand auch das Projekt „365 Female DJs“, bei dem sie digital auf Instagram über zwei Jahre lang täglich Künstlerinnen vorstellte, inklusive eigener Illustrationen.

Dieses Projekt hat nicht nur ihr selbst Türen geöffnet und den Blick für unglaublich tolle Künstlerinnen geschärft, sondern dient auch als konkrete Antwort auf das Argument, es gäbe nicht genügend weibliche DJs. Mit einer digitalen Quartettkarte und der Möglichkeit, sich visuell oder über eine Excel-Tabelle inspirieren zu lassen, bietet „365 Female DJs“ eine legitime Ressource und einen Support für eine Zielgruppe, die diesen Support noch nötig hat. Es repräsentiert die Region und kommt explizit aus Chemnitz, was Christin Busch immer stark betont.
Trotz der positiven Entwicklungen und der wachsenden Zahl weiblicher DJs sieht Christin Busch weiterhin große Hürden. Die größte davon ist die Schwierigkeit, diejenigen zu erreichen, die die Dringlichkeit des Themas nicht sehen. Sie beschreibt die weit verbreitete Einstellung: „Es ist doch schon alles gleich, wieso denn Frauen dürfen doch und es gibt doch genug DJs die weiblich sind“ – eine Haltung, die sie als ihre größte Hürde empfindet, weil sie nicht der Realität entspricht.

Ein weiteres Problem, das weibliche DJs erleben, ist der kritischere Fokus, dem sie an den Decks ausgesetzt sind. Christin Busch führt Beispiele an wie Kritik an Outfit („zu viel anhat oder zu wenig anhat“), Bewegung („zu viel tanzt oder zu wenig tanzt“), Mimik („zu wenig lacht zu viel lacht“), Songauswahl („zu falsche Lieduswahl“), Übergängen („zu komische Übergänge“) oder Stil („zu eigenwilliger Stil“). Sie fasst zusammen: „du kannst alles machen weil du alles falsch machst“. Für sie ist diese Fokussierung auf Äußerlichkeiten unverständlich, denn am Ende des Tages geht es um die musikalische Leistung: „ob jemand nackt oder voll verhüllt dort steht es geht ja um das was rauskommt“. Sie erinnert sich an die frühen Rave-Jahre, in denen der Sound im Vordergrund stand und es egal war, wer auflegte.

Christin Busch betont jedoch auch die positiven Aspekte. Sie erfährt viel Dankbarkeit von den vorgestellten Künstlerinnen. Zudem gibt es sehr viele männliche Unterstützer, die sie als Wegbereiter, Freunde, Brüder, Väter oder Kumpels beschreibt, die feministische Arbeit leisten und die Notwendigkeit der Unterstützung erkennen. Obwohl sie meint, es könnte noch mehr geben.

Ihre Arbeit ist stark inspiriert von den Künstlerinnen um sie herum; sie teilt ihre Erfolge und leidet mit ihnen in schwierigen Zeiten – ein Energieaustausch. Ihr dringender Wunsch an die Female und Queer Community ist: „viel mehr an sich glaubt und das Selbstbewusstsein das verinnerlicht und eben dran bleiben und aufhören sich zu vergleichen immer bei sich bleiben es ist das Schwerste“. Sie sieht die Entwicklung, die stattfindet, als ein Miteinander, bei dem Frauen Frauen und Queere Queere unterstützen. Gerade jetzt sei es noch wichtiger, dranzubleiben.

DDR-Alltag im Januar 1990 zwischen Wirtschaftsreform und Massenabwanderung

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn man auf die erste Januarwoche des Jahres 1990 blickt, sieht man eine Gesellschaft, die versucht, in der Auflösung so etwas wie Normalität zu simulieren. Teaser: Die Zahlen, die das Bundesinnenministerium zu Jahresbeginn veröffentlicht, sind mehr als nur Statistik. Über 343.000 Menschen haben die DDR im Jahr 1989 verlassen. Das ist der Hintergrund, vor dem sich in diesen Tagen alles abspielt. Während die großen politischen Räder drehen – die SED zieht sich aus der Armee zurück, neue Parteien formieren sich für den Mai – versucht die Verwaltung, den Alltag zu organisieren. Es ist eine seltsame Mischung aus großer Geschichte und kleinteiliger Regulierung. Da wird einerseits ein Wechselkurs von 3:1 festgelegt, andererseits treten detaillierte Regeln für den ambulanten Handel in Kraft. Man darf jetzt Waldfrüchte ohne Genehmigung verkaufen, muss aber für selbstgebastelte Waren Preise beantragen. In Gransee gründen sich Mittelstandsverbände, während in Bitterfeld zum ersten Mal ein Umweltbeauftragter versucht, das Ausmaß der Schäden zu erfassen. Gleichzeitig endet in Berlin ein Stück der Nach-Mauerfall-Ausnahme: Die kostenlose Fahrt in Bus und Bahn für DDR-Bürger ist vorbei. Zwei Mark kostet das Ticket jetzt. Es sind diese kleinen Momente, in denen die neue Realität greifbar wird, jenseits der großen runden Tische. Reiseführer sind auf beiden Seiten ausverkauft. Die Menschen wollen wissen, wo sie eigentlich leben und wohin sie jetzt fahren können. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Der Januar 1990 markiert den Punkt, an dem aus dem politischen Protest des Vorjahres eine administrative Transformation wird. Teaser: Die Nachrichtenlage der ersten Januarwoche liest sich wie ein Inventarbericht eines Staates im Umbau. Mit der Einrichtung eines Ministeriums für Umwelt und Naturschutz und der Benennung von Umweltbeauftragten in Regionen wie Bitterfeld reagiert die Führung auf die offensichtlichen ökologischen Defizite. Es ist der Versuch, staatliche Strukturen an die Forderungen der Bürger anzupassen. Wirtschaftlich beginnt mit dem Kurs von 3:1 und neuen Handelsbestimmungen eine Phase der Monetarisierung. Der "Verband der mittelständischen privaten Betriebe", der sich in Gransee gründet, steht symbolisch für das Ende der reinen Planwirtschaft. Politisch ist der Rückzug der SED-Parteiorganisationen aus der NVA und den Grenztruppen das vielleicht wichtigste Signal dieser Tage. Die Entflechtung von Partei und bewaffneten Organen ist die Grundvoraussetzung für die anstehenden freien Wahlen. In den Buchhandlungen sind Reiseführer Mangelware. Das Interesse an der eigenen, nun offenen Geografie übersteigt das Angebot bei weitem. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Zwischen dem Ende der Gratis-Fahrten in Westberlin und den neuen Preisen für den ambulanten Handel kommt die Marktwirtschaft in kleinen Schritten an. Teaser: Während die Politik sich auf den Mai vorbereitet und Programme schreibt, schafft die Realität Fakten. 343.000 Menschen weniger in einem Jahr – diese Zahl steht über allem. Die Reaktion ist eine Mischung aus Liberalisierung und dem Versuch, die Kontrolle zu behalten. Jeder Schritt, von der Preisbewilligung für Handwerkswaren bis zum ersten Umweltbeauftragten in Bitterfeld, erzählt von der Suche nach neuen Regeln. Die alte Ordnung gilt nicht mehr, die neue ist noch nicht geschrieben.

Thüringen prescht vor: Voigt verkündet „Jahr der Vereinfachung“ 2026

Persönlicher Teaser Endlich atmen oder nur heiße Luft? Hand aufs Herz: Wie oft haben wir schon den „Bürokratieabbau“ versprochen bekommen? Doch diesmal klingt es anders. Wenn Anträge nach drei Monaten einfach als genehmigt gelten, weil das Amt schläft, ist das eine kleine Revolution. Mario Voigt will 2026 zum „Jahr der Vereinfachung“ machen – ein Versprechen, an dem er sich messen lassen muss. Keine Zettelwirtschaft beim Bäcker, weniger Datenschutz-Wahnsinn für den Handwerker: Das klingt nach gesundem Menschenverstand. Ob der Amtsschimmel wirklich Trab lernt oder nur wiehert, wird sich zeigen. Aber die Richtung stimmt.