35 Jahre Freiheit: Ein Rückblick auf die erste frei gewählte Volkskammer der DDR

Am 18. März 1990 fand ein historisches Ereignis statt: Die erste frei gewählte Volkskammer der DDR trat zusammen – ein Meilenstein auf dem Weg zur deutschen Einheit. Heute, 35 Jahre später, erinnert sich eine der damaligen Abgeordneten, inzwischen 80 Jahre alt, an jene bewegenden Wochen, in denen sich das Schicksal einer ganzen Nation neu bestimmte.

Ein Sprung ins Ungewisse
„Das war mein Weg in die Politik“, erzählt die ehemalige Parlamentarierin in einem emotionalen Rückblick. Ohne langjährige politische Erfahrung und mit wenig Vorstellung von dem, was auf sie zukommen würde, betrat sie – wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen – das politische Parkett. Die bunte Mischung aus Handwerkern, Akademikern, Ärzten und Ingenieuren stand symbolisch für den Neuanfang: Niemand hatte zuvor in der DDR auf diese Weise die Verantwortung eines frei gewählten Parlaments übernommen.

„Wir wollten Freiheit, Demokratie und einen Rechtsstaat“, erinnert sie sich und beschreibt damit den Kernantrieb jener Zeit. Trotz anfänglicher Überforderung wuchs jeder mit den gestellten Aufgaben – ein Lernprozess, der den politischen Neuanfang prägte und den Grundstein für die spätere gesamtdeutsche Einheit legte.

Der Weg zur Einheit
Das Treffen der Volkskammer war geprägt von Emotionen, Hektik und einem Gefühl überwältigender Verantwortung. In einer der Sitzungen wurde etwa ein erster Versuch unternommen, die Vergangenheit aufzuarbeiten: Es sollte eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden, in der auch die Verantwortung gegenüber Opfern vergangener Unrechtstaten thematisiert wurde. Die Rednerin erinnert:
„Wir, die ersten frei gewählten Parlamentarier der DDR, bekennen uns zur Verantwortung der Deutschen in der DDR für ihre Geschichte und ihre Zukunft.“

Die Debatten waren intensiv, teils chaotisch – ein Spiegelbild der politischen Umbruchszeit. Mit der Abstimmung über den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland (Artikel 23 des Grundgesetzes) wurde der Grundstein für die Einheit gelegt. Die Entscheidung – mit überwältigenden Ja-Stimmen – bedeutete zugleich das Ende der DDR und den Beginn eines neuen Kapitels in der deutschen Geschichte.

Emotionen, Humor und der Blick in die Zukunft
Der Rückblick zeigt nicht nur die formellen und historischen Aspekte jener Zeit, sondern auch die persönlichen Emotionen der damaligen Akteure. Trotz des massiven Drucks und der Ungewissheit blieb die Euphorie spürbar. Humorvoll erinnert sie daran, wie sie einst mit dem Trabi durch die Straßen fuhr und dachte:
„Wenn die Leute wissen, was wir gerade beschlossen haben, würden sie mich vielleicht von der Straße fegen.“

Gleichzeitig war da die Schwere des Moments, als in einer entscheidenden Abstimmung der „Untergang der Deutschen Demokratischen Republik“ besiegelt wurde. Die Rednerin beschreibt, wie sie – trotz der spürbaren Freude in anderen politischen Lagern – Tränen vergießen musste, als ihr klar wurde, welch einschneidende Veränderung dieser Schritt bedeutete.

Auch wenn der offizielle Prozess der Wiedervereinigung damals mit vielen Herausforderungen und Unsicherheiten verbunden war, blieb der Glaube an einen Neuanfang und an die Vision eines modernen, demokratischen Deutschlands stets lebendig. „Mit der Einheit in unseren Köpfen und Herzen stehen wir jedoch noch am Anfang unseres Vereinigungsprozesses“, so ihr abschließender Appell.

Der Blick zurück auf die erste frei gewählte Volkskammer der DDR macht deutlich, wie eng persönliche Erfahrungen und große politische Entscheidungen miteinander verknüpft sind. Der Mut, trotz aller Unwägbarkeiten den Schritt in die Politik zu wagen, legte den Grundstein für den friedlichen Wandel und die deutsche Einheit. Heute, 35 Jahre später, bleibt die Erinnerung an jene bewegende Zeit ein Zeugnis des unerschütterlichen Glaubens an Freiheit und Demokratie – Werte, die auch in einer sich ständig wandelnden Welt ihren Platz haben.

Aufstand gegen Hermann Kant: Berliner Autoren fordern Wandel

Im Klub der Kulturschaffenden herrscht dichte Rauchluft, als vierundzwanzig Schriftsteller an diesem grauen Tag ihre Unterschrift unter ein Papier setzen, das den endgültigen Bruch besiegelt. Es ist Mitte Dezember in Berlin, die Mauer ist offen, und die Geduld mit den alten, verknöcherten Strukturen ist bei den Anwesenden endgültig aufgebraucht. Am 15. Dezember 1989 erklären Berliner Autoren um Helga Schubert und Joachim Walther ihren Austritt aus der Bevormundung durch den Verbandspräsidenten Hermann Kant. Sie verweigern der Führung die Gefolgschaft, nachdem diese Reformen blockierte, und fordern in einem scharfen historischen Dokument eine sofortige Neugründung ihres Berufsverbandes.

Die Waisen der Freiheit: Wenn Eltern gehen und Kinder bleiben

3 Teaser 1. Persönlich Verlassen, vergessen, verraten. Christine sitzt in der leeren Wohnung, neben sich der Säugling, auf dem Tisch das Fotoalbum. Sie ist elf Jahre alt und wartet. „Morgen holen wir euch nach“, hatten die Eltern gesagt, bevor sie in den Westen gingen. Doch morgen kam nie. Christine wurde zur Waise wider Willen, eine Geisel des Kalten Krieges. Wie lebt es sich mit dem Wissen, dass die eigene Freiheit für die Eltern weniger zählte als die Flucht in den goldenen Westen? Eine Geschichte über das Warten. 2. Sachlich-Redaktionell Tausendfaches Schicksal. Die Flucht aus der DDR ist ein historisch gut aufgearbeitetes Thema, doch ein Aspekt blieb lange ein Tabu: Die "republikflüchtigen" Eltern, die ihre Kinder zurückließen. Zwischen 1958 und 1989 wurden Tausende Minderjährige in staatliche Heime eingewiesen, weil ihre Erziehungsberechtigten das Land verließen. Waren es politische Zwänge oder niedere Motive? Der Beitrag analysiert die rechtlichen und sozialen Folgen für die zurückgelassenen Kinder der DDR-Diktatur. 3. Analytisch und Atmosphärisch Kalter Rauch und leere Versprechen. Die Luft in den verwaisten Wohnungen roch nach überstürztem Aufbruch. Der Riss, der durch Deutschland ging, verlief nicht nur entlang der Mauer, sondern direkt durch die Herzen der Familien. Die Analyse seziert die Ambivalenz des Freiheitsbegriffs: Während die Eltern im Westen von "Selbstverwirklichung" träumten, erlebten ihre Kinder im Osten die Kälte der staatlichen Fürsorge. Ein psychologisches Psychogramm einer Gesellschaft, in der die Flucht oft auch eine Flucht vor der Verantwortung war.