DokFilm über „Wenzel“ – Porträt eines Liedermachers aus dem Osten

Wer einmal das Live-Erlebnis von Wenzel auf der Bühne erlebt hat, ist unwiderruflich gefesselt und wird zum lebenslangen Fan. Dieses Zusammenspiel zwischen Wenzel, seinem Publikum und der Authentizität seiner oft ironischen, scharfzüngigen, aber auch lyrischen Texte und Musik bildet den künstlerischen Kern eines neuen Films. Jeder seiner Texte und Lieder entspringt persönlichen Erlebnissen und prägenden Erfahrungen. Der Film reflektiert auch, wie die Corona-Pandemie Künstler beeinflusst und wie Wenzel sich für die Rettung des Kamper Hafens engagiert.

Wenzel lebt und arbeitet größtenteils in Bugewitz nahe dem Stettiner Haff. In Kamp hat er ein Festival ins Leben gerufen, das mittlerweile Kultstatus genießt und über 1000 Besucher aus ganz Deutschland anzieht. Als führender Liedermacher im Osten und einer der leidenschaftlichsten im ganzen Land hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Der Film beleuchtet nicht nur seine Biografie, sondern auch seine aktuelle Positionierung als Liedermacher und Provokateur, dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung. Neben Rückblicken mit Archivmaterial spielt der Film im aktuellen Geschehen zwischen 2020 und 2022, geprägt von der Präsenz der Corona-Pandemie.

Geboren 1955 in Kropstädt bei Wittenberg, rebellierte Wenzel während seiner Schulzeit in Wittenberg gegen Normen, trug lange Haare und verweigerte das FDJ-Hemd. Sein Studium der Kulturtheorie und Ästhetik an der Humboldt-Universität Berlin von 1976 bis 1981 führte ihn zur Hauptautorenschaft bei „KARLS ENKEL“, einer Musik-Theatergruppe, die mit politischer Revue und dadaistischen Elementen die bestehenden Verhältnisse kritisierte, oft ins Absurde verzerrt. Ihr Konzept war ein taktisches Spiel, um künstlerische Integrität zu wahren, ohne verboten zu werden. Ende der 80er Jahre erlitt Wenzel auch bittere Niederlagen, die ihn an den Rand des Existenzminimums brachten.

Mit dem Clowns-Duo „MEH&WEH“ produzierte Wenzel gemeinsam mit Mensching von 1982 bis 1989 mehrere Programme zum Thema „DaDaEr“, die Kultstatus erlangten, aber oft verboten und einmal sogar verhaftet wurden. Die Stasi überwachte alles. Auch nach der Wende setzten sie ihre künstlerischen Attacken fort.

Lew Hohmanns Film lebt von offenen Gesprächen mit Wenzel, eingebettet in seine bewegte Biografie und die Magie seiner Konzerte. Seine Lieder variieren zwischen zärtlicher Poesie und scharfem Spott gegenüber der neuen Bundesrepublik. Seine Freund
wie Antje Vollmer, Konstantin Wecker, Andreas Dresen und Christoph Hein schätzen seinen mitreißenden Rhythmus, umwerfenden Humor und die Ironie seiner Moderationen. Die Fans finden sich in seinen Texten wieder, die sie bei Konzerten mitsingen. Wenzel bleibt der bekannte Provokateur und Barde, den man schätzt.

Eigeninitiative statt Jugendgesetz: Freizeitgestaltung in Milkel 1986

A) PROFIL AP: Hook: Im März 1986 reiste eine Delegation der Volkskammer in den Landkreis Bautzen, um die Umsetzung des Jugendgesetzes in der ländlichen Peripherie zu überprüfen. Teaser: Was die Abgeordneten in Milkel vorfanden, war keine Szenerie des offenen Widerstands, sondern ein funktionierendes System der Improvisation. Die gesetzlich garantierte Freizeitgestaltung stieß in dem 1.000-Seelen-Dorf auf harte infrastrukturelle Grenzen. Es fehlte an Busverbindungen in die Kreisstadt, an einer winterfesten Spielstätte für Filme und vor allem an Personal in der Gastronomie. Die Jugendlichen des Ortes hatten sich in dieser Situation eingerichtet, indem sie staatliche Aufgaben in Eigenregie übernahmen. Der Bericht über diesen Besuch legt die Mechanismen der späten DDR-Gesellschaft offen. Um die Frequenz der Tanzveranstaltungen zu erhöhen, gingen die Jugendlichen einen pragmatischen Deal mit der örtlichen Gastronomie ein. Da Personal fehlte, wurde das Kellnern zur Voraussetzung für das Tanzen. Die Freizeit wurde zur Arbeitsschicht, um überhaupt stattfinden zu können. Diese Bereitschaft zur Selbstorganisation zog sich durch alle Bereiche, vom eigenhändigen Ausbau des Jugendklubs bis zur Schlichtung von Lärmkonflikten mit der Nachbarschaft. Es zeigt sich ein Bild einer Jugend, die nicht auf Zuteilung wartete, sondern den Mangel verwaltete. B) SEITE AP: Hook: Der Paragraf 30 des Jugendgesetzes der DDR garantierte jedem jungen Bürger das Recht auf Geselligkeit und kulturelle Angebote, doch die Realität sah in kleinen Gemeinden oft anders aus. Teaser: Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1986 im Dorf Milkel bei Bautzen verdeutlicht die Diskrepanz zwischen gesetzlichem Anspruch und der ökonomischen Machbarkeit. Infrastrukturelle Engpässe prägten den Alltag der rund 200 Jugendlichen vor Ort. Kinos blieben im Winter geschlossen, Turnhallen existierten nur auf dem Papier, und der öffentliche Nahverkehr bot kaum Mobilität. Die staatliche Lenkung stieß hier an ihre Grenzen, was eine Verlagerung der Verantwortung auf die Betroffenen zur Folge hatte. Die Reaktion der Jugendlichen in Milkel ist ein historisches Beispiel für die Kompensationsstrategien innerhalb der DDR-Mangelwirtschaft. Statt auf staatliche Abhilfe zu warten, wurden Tauschgeschäfte zur Basis des kulturellen Lebens. Die Erhöhung der Tanzabende wurde durch den Arbeitseinsatz der Gäste als Kellner erkauft. Der Jugendklub entstand durch materielle Eigenleistung und bürokratischen Druck von unten. Die Umsetzung des Jugendgesetzes erfolgte somit nicht durch die Institutionen, sondern paradoxerweise durch die Selbstausbeutung derer, die das Gesetz eigentlich schützen sollte. C) SEITE JP: Hook: Wenn im Winter 1986 in Milkel die Leinwände dunkel blieben und die Busse nach Bautzen selten fuhren, war die Jugend auf sich selbst zurückgeworfen. Teaser: Ein Bericht über einen Besuch der Volkskammer in der Lausitz zeichnet das Bild einer Generation, die den Mangel an Infrastruktur durch pragmatische Lösungen ausglich. Wo der Staat keine Turnhalle baute und kein Servicepersonal stellen konnte, griffen die Jugendlichen selbst ein. Der Erhalt von Freizeitangeboten war in der ländlichen DDR oft direkt an Gegenleistungen geknüpft. Die Lösung in Milkel war bezeichnend: Wer tanzen wollte, musste arbeiten. Um mehr Veranstaltungen im einzigen verfügbaren Saal durchzusetzen, übernahmen die Jugendlichen den Service. Das Jugendgesetz wurde hier nicht als staatliche Vollversorgung interpretiert, sondern als Rahmen für genehmigte Eigeninitiative. Es entstand eine Kultur, in der Freizeitgestaltung untrennbar mit Organisationstalent und Arbeitsbereitschaft verbunden war.