Turino und Turinchen: Werbefiguren aus der DDR – Ein nostalgisches Stück Geschichte

Reisen ist nicht nur eine Freizeitaktivität, sondern eine Leidenschaft, die in vielen Facetten das Leben bereichern kann. Für diejenigen, die gerne die Welt erkunden, gibt es oft kleine Erinnerungsstücke, die diese Reiseerfahrungen noch einmal lebendig machen – sei es durch Fotos, Souvenirs oder sogar besondere Sammlerstücke. Ein solches Sammlerstück sind die Figuren „Turino“ und „Turinchen“, die ein einzigartiges, nostalgisches Flair ausstrahlen und ihre Geschichte eng mit den Reisebüros der DDR verknüpfen. Doch was genau steckt hinter diesen kleinen Figuren, die auf den ersten Blick wie harmloses, kitschiges Spielzeug wirken, aber eine tiefere Bedeutung in sich tragen?

Diese beiden Figuren, ein Männchen und ein Mädchen, deren Koffer stets bereit für die Reise sind, wecken eine Vielzahl von Erinnerungen an eine Zeit, in der Reisen in der DDR nicht wie heute von der breiten Masse praktiziert werden konnte. Reisen war in der DDR ein eher eingeschränktes Privileg, das oft mit bürokratischen Hürden, wie Visaanträgen und staatlich geregelten Ferienreisen, verbunden war. Werbung war in der DDR, wie in vielen sozialistischen Staaten, nicht wie im Westen eine gängige Praxis. Stattdessen war der Mangel an Waren und Dienstleistungen ein beherrschendes Thema, und oft musste man sich mit dem zufrieden geben, was der Markt hergab.

Die Figuren „Turino“ und „Turinchen“ stellen eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Sie sind Werbefiguren, die einst für ein DDR-Reisebüro standen – ein Konzept, das heute fast absurd anmutet, da Werbung für Reisen in einem Land, in dem Reisen stark reguliert waren, wenig Sinn ergab. Doch genau hier liegt der Charme der Figuren: Sie erzählen von einer Zeit, in der auch in der DDR die Sehnsucht nach der Ferne und nach Entdeckungen existierte. Diese Figuren waren nicht nur Symbole für die Reisebranche, sondern standen auch für die begrenzte Freiheit und den Wunsch nach einem anderen Leben, das vielen DDR-Bürgern verwehrt blieb.

Eine besondere Entdeckung war es, als der Besitzer dieser Figuren, auf einem Flohmarkt in Zweibrücken im Jahr 2009, zufällig auf „Turino“ und „Turinchen“ stieß. Er hatte keine Ahnung von ihrer Herkunft, doch die Figuren gefielen ihm aufgrund ihrer sympathischen Ausstrahlung und ihrer Verbindung zum Thema Reisen. Erst als er die Figuren seiner Frau zeigte, wurde ihm klar, dass es sich um eine DDR-Werbefigur aus den 1960er Jahren handelte, die ursprünglich nicht für den Verkauf gedacht war, sondern wohl als Geschenk oder Werbeartikel in den Reisebüros der DDR an ausgewählte Kunden verteilt wurde.

Die Entstehungsgeschichte dieser Figuren wirft ein interessantes Licht auf die Werbepraktiken der DDR. Im Gegensatz zum Westen, wo Werbung ein integraler Bestandteil des Konsums und der Markenbildung war, war Werbung in der DDR eine viel bescheidenere und pragmatischere Angelegenheit. Vieles wurde aufgrund des Mangels an Waren und der geringen Vielfalt auf dem Markt gar nicht erst beworben. Auch das Reisebüro, das die Figuren vertreiben ließ, hatte in der DDR einen besonderen Status. Es wurde 1964 neu gegründet und mit einem frischen Logo ausgestattet – eine Maßnahme, um das Reisen innerhalb des sozialistischen Blocks attraktiver zu gestalten, obwohl das Reisen in den Westen weitgehend unmöglich war.

Die Figur „Turino“ und „Turinchen“ scheinen genau diese Atmosphäre einzufangen. Die beiden mit Koffern ausgestatteten Reisefiguren strahlen eine fast kindliche Unbeschwertheit und Unternehmungslust aus, die sich in den 50er- und 60er-Jahren als ein subtiler, aber bedeutungsvoller Teil der DDR-Werbung manifestierte. Denn auch wenn das Reisen in die westliche Welt nicht für jedermann zugänglich war, so blieben die Träume von Ferne und Abenteuer doch ein wichtiges Kulturgut.

Die Figuren erinnern nicht nur an das DDR-Reisebüro, sondern auch an die Handwerkskunst des Erzgebirges. Die feinen Holzfiguren, die die beiden darstellen, sind typisch für die Region, die seit Jahrhunderten für ihre präzise Holzverarbeitung bekannt ist. Diese Figuren tragen das Markenzeichen DREGENO, eine Erzgebirgische Genossenschaft, die 1919 gegründet wurde und die in der DDR-Zeit eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Figuren und Spielwaren spielte. DREGENO ist heute noch ein Synonym für hochwertige erzgebirgische Handwerkskunst und hat mit seinen traditionellen Figuren wie Räuchermännchen, Nussknackern und Schwibbögen weltweit Anerkennung gefunden.

In den 60er-Jahren, als „Turino“ und „Turinchen“ entstanden, war DREGENO noch ein unabhängiges Unternehmen. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Produktion jedoch stärker zentralisiert, und das Erzgebirge wurde zum Zentrum für die Spielwarenproduktion der DDR. Während die westliche Welt in den 80er-Jahren auf die Massenproduktion von Spielzeugen setzte, blieb die erzgebirgische Tradition der fein gearbeiteten Holzfiguren auch in der DDR ein wichtiges Kulturgut, das für Devisenbeschaffung und den internationalen Handel genutzt wurde.

Doch zurück zu den Figuren selbst: Obwohl „Turino“ und „Turinchen“ heute als Sammlerstücke betrachtet werden, liegt ihr wahrer Wert nicht im finanziellen Bereich, sondern in ihrer Bedeutung als Zeitzeugen einer vergangenen Ära. Sie erzählen von einer Zeit, in der Werbung und Spielzeug in der DDR eine ganz eigene Rolle spielten, die nicht nur auf den Konsum, sondern auch auf Ideologie und staatliche Kontrolle abzielte. Dass diese Figuren heute in einer Vitrine stehen, neben anderen Sammlerstücken aus der Erzgebirgischen Tradition, zeigt, wie das Sammeln von Erinnerungen aus der Vergangenheit dazu beiträgt, die Geschichte lebendig zu halten.

„Turino“ und „Turinchen“ sind mehr als nur Figuren – sie sind ein Stück DDR-Geschichte, das uns daran erinnert, wie kreativ und einfallsreich Menschen in einer Zeit des Mangels und der Einschränkungen sein konnten. Und obwohl ihre Ursprünge als Werbefiguren unklar sind, so haben sie doch eine ganz eigene Geschichte geschrieben, die heute in den Wohnzimmern von Sammlern und Nostalgikern weiterlebt.

Das Auftrittsverbot der Klaus Renft Combo im September 1975

A) PROFIL AP: Hook: In den 1970er Jahren stellte sich auf den Schulhöfen der DDR oft die Frage, ob man den angepassten Rock bevorzugte oder die wilde Variante. Teaser: Wer sich für die Klaus Renft Combo entschied, wählte mehr als nur Musik. Die Band aus Leipzig stand für eine Unangepasstheit, die sich an westlichen Vorbildern orientierte und die Grenzen des Sagbaren in der DDR austestete. Die Musiker um Klaus Renft und Thomas Schoppe verkörperten einen Lebensentwurf, der sich nur schwer in die Pläne der Kulturbürokratie pressen ließ. Der Konflikt, der sich über Jahre aufgebaut hatte, eskalierte am 22. September 1975 in einem Leipziger Amtszimmer. Anlass war ein geplantes Album, das Themen wie Republikflucht offen ansprach. Die Reaktion der Bezirkskommission für Unterhaltungskunst war keine Diskussion über künstlerische Inhalte, sondern ein bürokratischer Akt der Härte. Ohne die neuen Lieder überhaupt anzuhören, wurde der Band mitgeteilt, dass sie "nicht mehr existent" sei. Dieses Urteil zog eine Kette von persönlichen Tragödien nach sich, von Inhaftierungen bis zu Ausbürgerungen. Die physische Präsenz der Band wurde beendet, ihre Musik aus den Medien verbannt. Was blieb, war die Erinnerung des Publikums, das den staatlichen Beschluss nicht akzeptierte. An den Häuserwänden Leipzigs fand sich der Slogan "Renft lebt" als stiller Protest gegen die administrative Wirklichkeit. Musik und kulturpolitischer Machtanspruch standen sich hier unversöhnlich gegenüber, wobei die administrativen Maßnahmen die kulturelle Bedeutung der Gruppe langfristig eher konservierten als löschten. B) SEITE AP: Hook: Am 22. September 1975 demonstrierte die DDR-Kulturbürokratie, wie schnell ein anerkanntes Künstlerkollektiv seinen Status verlieren konnte. Teaser: Die Klaus Renft Combo wurde an diesem Tag von der Bezirkskommission für Unterhaltungskunst in Leipzig vorgeladen. Was formell als Einstufung galt, war faktisch die Exekution eines Verbots. Die Band hatte geplant, auf ihrem dritten Album Texte zu veröffentlichen, die das Tabu der Republikflucht berührten. Die Reaktion des Staates war eindeutig: Da die Inhalte nicht mit der sozialistischen Realität übereinstimmten, wurde die Gruppe für "nicht mehr existent" erklärt. Der Vorgang illustriert die Mechanismen der Zensur in der DDR. Es bedurfte keines öffentlichen Prozesses, sondern einer administrativen Entscheidung, um Karrieren zu beenden und Biografien zu brechen. Die Musiker wurden kriminalisiert oder zur Ausreise gedrängt, ihre Werke aus der Öffentlichkeit entfernt. Dennoch zeigt der Fall auch die Grenzen staatlicher Kontrolle, da der Mythos der Band im privaten Gedächtnis der Bevölkerung überdauerte. C) SEITE JP: Hook: Ein heimlicher Mitschnitt dokumentiert das Ende der Klaus Renft Combo am 22. September 1975 in Leipzig. Teaser: Die Band war zur Einstufung geladen, doch die Kommission unter Ruth Oelschlägel verweigerte das Anhören der neuen Songs. Begründet wurde dies mit der fehlenden Übereinstimmung der Texte mit der sozialistischen Realität. Besonders die "Rockballade vom kleinen Otto" hatte die Grenzen des Systems überschritten. Das Urteil lautete, die Gruppe sei "nicht mehr existent". Dieser Verwaltungsakt beendete die legale Karriere einer der wichtigsten DDR-Rockbands. Es folgten Verhaftungen und Ausbürgerungen. Der Versuch, eine kulturelle Strömung durch bürokratische Maßnahmen zu stoppen, führte zur Zerschlagung der Band, konnte aber ihre Wirkung auf die Jugendkultur der 1970er Jahre nicht rückgängig machen.