Superfest: Das Glas, das zu gut war, um wahr zu sein

Auf den ersten Blick wirkt das Glas, um das es hier geht, unscheinbar. Es ist leicht, dünnwandig und scheint zerbrechlich zu sein. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Es handelt sich um das legendäre „Superfest“-Glas, das in den 1970er Jahren in der DDR entwickelt wurde. Mit seinen einzigartigen Eigenschaften – hitzebeständig, stapelbar und extrem robust – war es den damaligen Glasprodukten weit überlegen. Trotzdem wird es heute nicht mehr produziert, und seine Geschichte wirft Fragen auf: Warum trinken wir nicht alle aus unzerbrechlichen Gläsern, wenn die Technologie bereits seit den 1970er Jahren existiert?

Der Ursprung von Superfest liegt in der DDR, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich neu aufbauen musste. Die sozialistische Planwirtschaft konzentrierte sich auf den Ausbau der Industrie, insbesondere auf die Chemieproduktion. Konsumgüter wie Kleidung oder Werkzeuge waren jedoch Mangelware, was den Alltag vieler Bürger erschwerte. Die Knappheit machte auch vor Glas nicht halt. Ein Vorfall in den 1970ern – ein hochrangiger Minister wurde auf einem Volksfest sein Bier in einem Pappbecher serviert – brachte das Fass zum Überlaufen. Das Bedürfnis nach stabilen, langlebigen Gläsern war geboren.

1975 erhielt ein Forschungslabor den Auftrag, ein Glas zu entwickeln, das robuster gegen Stöße und Temperaturschwankungen ist. Die Wissenschaftler experimentierten mit dem sogenannten Ionenaustausch, einem Verfahren, bei dem Kaliumionen in die Glasoberfläche eindringen und Natriumionen verdrängen. Das Ergebnis: eine Oberfläche mit enormer Druckspannung, die das Glas deutlich widerstandsfähiger machte. Tests ergaben, dass das neue Glas bis zu 15-mal länger hält als herkömmliches Glas.

Superfest-Gläser wurden in großen Mengen produziert und an Restaurants und Kneipen in der gesamten DDR verteilt. Da sie nahezu unzerstörbar waren, mussten die Gastronomen jahrelang keine neuen Gläser kaufen, was der Glasindustrie jedoch zum Verhängnis wurde. Während im Westen oft auf geplante Obsoleszenz gesetzt wurde – also Produkte, die bewusst so hergestellt werden, dass sie nach einer gewissen Zeit ersetzt werden müssen – stellte Superfest die Prinzipien des Konsumkapitalismus in Frage. Es war schlichtweg zu gut, um in einer Welt, in der ständiger Konsum gefördert wird, wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Der Fall der Mauer und das Ende der DDR besiegelten schließlich auch das Schicksal des Superfest-Glases. In den 1990er Jahren wurde die Produktion eingestellt, und heute sind die Gläser zu begehrten Sammlerstücken geworden. Es gibt sogar Firmen, die die Restbestände vertreiben, doch diese sind fast alle ausverkauft.

Vielleicht war Superfest einfach seiner Zeit voraus. Denn heute wird chemisch gehärtetes Glas, ähnlich wie das in der DDR entwickelte Superfest, in Milliarden von Smartphones weltweit verwendet – unter dem Namen Gorilla Glass. Die Ironie der Geschichte: Das Glas, das einst in der DDR als „unverkäuflich“ galt, ist nun in fast jeder Hosentasche zu finden, wenn auch in einer anderen Form.

Die Geschichte von Superfest zeigt, dass Innovation manchmal nicht ausreicht, um sich in einer Welt des ständigen Konsums durchzusetzen. Doch die Idee, ein Produkt zu schaffen, das extrem langlebig und robust ist, hat bis heute ihren Reiz – und wer weiß, vielleicht erleben wir eines Tages ein Comeback der unzerbrechlichen Gläser.

Grönemeyers Analyse der deutsch-deutschen Sprachlosigkeit und Merkels Erbe

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Das Gespräch über den Zustand der inneren Einheit krankt oft daran, dass die Bewertung der ostdeutschen Realität bereits feststeht, bevor ein wirklicher Austausch begonnen hat. Teaser: In einer detaillierten Betrachtung der deutsch-deutschen Befindlichkeiten legt Herbert Grönemeyer den Finger in eine Wunde, die auch Jahre nach dem Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels nicht verheilt ist. Seine Analyse konzentriert sich auf die Mechanismen einer Kommunikation, die oft mehr über den Sender als über den Empfänger aussagt. Ein Kernpunkt ist dabei die Beobachtung einer subtilen, aber wirkmächtigen Dominanz westdeutscher Diskurse. Viele Menschen in den neuen Bundesländern haben die Erfahrung verinnerlicht, dass ihre Art der Artikulation in der gesamtdeutschen Öffentlichkeit keinen Bestand hat. Die Angst, bei der kleinsten sprachlichen Unsicherheit oder inhaltlichen Abweichung rhetorisch niedergemacht zu werden, hat zu einem weitgehenden Verstummen geführt. Dieses Schweigen ist jedoch kein Zeichen von Zustimmung, sondern ein Indikator für eine tiefe Entfremdung. Grönemeyer verknüpft diese gesellschaftliche Beobachtung mit einer Kritik an der politischen Führung der vergangenen Jahrzehnte. Der ehemaligen Kanzlerin wird dabei eine tragische Rolle zugeschrieben. Trotz ihrer eigenen Biografie gelang es ihr nicht, die spezifischen ostdeutschen Transformationserfahrungen in das politische Zentrum der Republik zu tragen. Die Chance, durch Erklärung und Übersetzung Verständnis für die unterschiedlichen Lebenswelten zu wecken, blieb ungenutzt. Stattdessen herrschte eine Politik des Verwaltens, die Ergebnisse präsentierte, aber die Prozesse dahin im Dunkeln ließ. Eine erwachsene Gesellschaft benötigt jedoch die Auseinandersetzung mit dem Weg, nicht nur die Verkündung des Ziels. Die Warnung vor der pauschalen Verurteilung Ostdeutschlands ist in diesem Kontext mehr als ein Appell an die Fairness. Die monochrome Einfärbung von Landkarten nach Wahlergebnissen verdeckt den Blick auf die differenzierte Realität vor Ort. Wer den Osten nur als Problemzone begreift, übersieht die dortige Zivilgesellschaft, die sich oft unter schwierigeren Bedingungen als im Westen für demokratische Werte engagiert. Das Aushalten von Widersprüchen und die Akzeptanz unterschiedlicher Perspektiven bleiben die zentrale Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine Demokratie, die nur den Konsens zulässt und den Streit fürchtet, verliert ihre Vitalität. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die politische Landkarte verdeckt oft den Blick auf die gesellschaftliche Realität und die historischen Ursachen der heutigen Polarisierung. Teaser: Herbert Grönemeyer wendet sich in einer aktuellen Analyse gegen die pauschale Stigmatisierung Ostdeutschlands als undemokratischen Raum. Er kritisiert eine „westliche Überheblichkeit“, die den Osten lediglich anhand von Wahlergebnissen beurteilt und dabei die dortige Zivilgesellschaft ignoriert. Viele Menschen in Ostdeutschland engagierten sich täglich gegen Extremismus, würden aber in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit den Wahlergebnissen populistischer Parteien gleichgesetzt. Diese Verallgemeinerung vertieft die Gräben, anstatt sie zu überwinden. Ein wesentlicher Faktor für die gegenwärtige Situation ist laut Grönemeyer das politische Erbe der Ära Merkel. Der Vorwurf lautet, dass es versäumt wurde, die spezifischen ostdeutschen Erfahrungen in den gesamtdeutschen Diskurs zu integrieren. Mangelnde Kommunikation und das Fehlen einer vermittelnden Instanz haben dazu geführt, dass sich viele Menschen nicht repräsentiert fühlen. Die Forderung nach einem neuen Verständnis von Demokratie, das auch abweichende Biografien respektiert und Widersprüche aushält, steht im Raum. Es geht um die Rückkehr zum Zuhören als politischem Instrument. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer Ostdeutschland pauschal verurteilt, ignoriert den täglichen Einsatz vieler Menschen für die Demokratie vor Ort. Teaser: Herbert Grönemeyer beschreibt ein gravierendes Kommunikationsdefizit zwischen West und Ost, das auf kultureller Dominanz beruht. Wenn sprachliche Unsicherheiten oder abweichende Meinungen sofort sanktioniert werden, bricht der Dialog ab. Die Analyse verweist auf die Notwendigkeit, Widersprüche auszuhalten und die „blaue Fläche“ auf der Landkarte nicht als das ganze Bild zu akzeptieren. Das Schweigen eines Teils der Gesellschaft ist ein Warnsignal, das ernst genommen werden muss.