Wolfgang Thierse: „Glaubt nicht denen, die Euch Wunder versprechen!“

Das Tagesgespräch mit Wolfgang Thierse (Bundestagspräsident a.D.) berührt eine Reihe komplexer und brisanter Themen, die die politische und gesellschaftliche Landschaft in Deutschland betreffen. Im Kern sind es die Besorgnis über den Aufstieg rechtsextremer Parteien, die Herausforderungen, denen die Demokratie gegenübersteht, und die Notwendigkeit einer verantwortungsvollen und engagierten politischen Auseinandersetzung.

Thierse äußert seine tiefe Besorgnis über den Erfolg rechtsextremer Parteien wie der AfD. Er sieht diesen Erfolg als potenziell gefährlich für die Demokratie an, da diese Parteien laut seiner Einschätzung demokratiefeindliche Ansichten vertreten. Er ist besonders besorgt über die große Bedeutung, die der AfD in Thüringen und möglicherweise darüber hinaus zukommen könnte.

Er verweist auf die umfassenden Veränderungen in der Welt, wie Migration, Digitalisierung und ökologische Herausforderungen, die viele Menschen verunsichern. In Ostdeutschland haben diese Veränderungen besonders tiefgreifende Spuren hinterlassen, was zu einer allgemeinen Unzufriedenheit führen kann. Thierse glaubt, dass einfache Antworten und Versprechen von rechtsextremen Parteien bei den Menschen Anklang finden, die sich von den komplexen Herausforderungen überfordert fühlen.

Thierse macht auch auf die Unzufriedenheit mit der Landes- und Bundespolitik aufmerksam und kritisiert, dass die bestehenden Parteien möglicherweise nicht die richtigen Antworten oder Lösungen bieten, um die Probleme der Bürger anzugehen. Er betont jedoch, dass die AfD keine konstruktiven Lösungen anbietet und warnt vor den Gefahren, die ihre Politik für den Wohlstand und die Zukunft Deutschlands darstellen könnte.

Des Weiteren äußert Thierse seine Bedenken hinsichtlich des Aufstiegs der BSW, die ähnliche einfache Antworten und populistische Botschaften wie die AfD verbreiten. Er zieht historische Vergleiche, um zu verdeutlichen, dass Nachgiebigkeit gegenüber aggressiven Mächten nicht zu Frieden führt, sondern oft zu weiteren Konflikten.

Abschließend warnt Thierse vor dem wachsenden Hass gegenüber demokratischen Institutionen und Politikern und hebt hervor, wie wichtig es ist, sich aktiv in die demokratische Auseinandersetzung einzubringen, anstatt auf einfache Lösungen von außen zu warten. Er appelliert an die Bürger, sich für den Fortschritt Schritt für Schritt einzusetzen und die Demokratie zu stärken.

Dreharbeiten auf der J.G. Fichte: Die Entstehung der DDR-Serie „Zur See“

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Bilder, die sich im kollektiven Gedächtnis festsetzen, und doch erzählt das, was hinter der Kamera geschah, eine ganz eigene Geschichte. Teaser: Wer an die Serie „Zur See“ denkt, hat oft die eingängige Melodie im Ohr und die Gesichter von Horst Drinda oder Günter Naumann vor Augen. Doch die Realität der Dreharbeiten im Jahr 1974 auf dem Frachter „J.G. Fichte“ hatte wenig mit der Romantik zu tun, die später über die Bildschirme flimmerte. Die Bedingungen an Bord waren hart, geprägt von Hitze, Lärm und der Enge eines Schiffes, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Entscheidung für dieses alte Schiff war keine künstlerische, sondern eine rein pragmatische. Moderne Schiffe der DDR-Handelsflotte boten schlicht keinen Raum für ein Filmteam. So fand sich die prominente Riege der DDR-Schauspieler in einer Situation wieder, die keinen Rückzug erlaubte. Sie lebten Tür an Tür mit der echten Besatzung, teilten den begrenzten Komfort und die langen Abende auf See. Aus dieser Zwangsgemeinschaft entstand eine Atmosphäre, die sich wohl kaum künstlich herstellen ließ. Bemerkenswert ist, wie sehr der politische Arm des Staates auch auf den Weltmeeren präsent blieb. Die Angst vor Republikflucht bestimmte die Auswahl des Personals ebenso wie die Reiseroute. Selbst bei technischen Pannen im „kapitalistischen Ausland“ blieb der Bewegungsradius der Crew strikt reglementiert. Die Serie sollte Weltläufigkeit zeigen, entstand aber unter den Bedingungen strenger innerer Kontrolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus realer harter Arbeit, politischer Begrenzung und der großen Sehnsucht nach der Ferne, die den Kern dieser Produktion ausmachte. Die Zuschauer spürten, dass hier nicht nur Theater gespielt wurde. Die Arbeit an den Maschinen, der Umgang mit der Fracht – vieles davon entsprach den tatsächlichen Abläufen an Bord eines DSR-Frachters. Es bleibt das Dokument einer Zeit, in der die Grenzen eng waren, der Blick aber dennoch nach draußen ging. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Produktion der erfolgreichsten DDR-Fernsehserie war weit mehr als ein logistischer Kraftakt auf hoher See. Teaser: Als 1974 die Dreharbeiten zu „Zur See“ begannen, traf der kulturelle Auftrag des DDR-Fernsehens auf die nüchterne Realität der Schifffahrt. Die Serie sollte den Alltag der Handelsmarine glorifizieren und gleichzeitig das Fernweh der Bevölkerung stillen. Doch schon die Wahl des Drehortes zeigte die Grenzen auf: Statt eines modernen Vorzeige-Schiffes diente ein alter Truppentransporter als Kulisse, weil nur dort genug Platz für das Filmteam war. Die politischen Rahmenbedingungen waren ebenso eng wie die Kabinen. Die Stasi überprüfte jeden Beteiligten, die Reiseroute mied westliche Häfen, und selbst der Kontakt zum „Klassenfeind“ wurde administrativ unterbunden. Dennoch – oder gerade deshalb – entwickelte die Serie eine Authentizität, die bis heute nachwirkt. Die Geschichten basierten oft auf realen Logbucheinträgen, und die Schauspieler verschmolzen über Wochen mit der echten Besatzung. Interessanterweise lieferte dieses ostdeutsche Format, das die harte Arbeit in den Mittelpunkt stellte, die Blaupause für das westdeutsche „Traumschiff“. Während dort jedoch der Luxus regierte, blieb „Zur See“ ein Abbild der DDR-Gesellschaft: Man improvisierte, arbeitete hart und träumte sich für die Dauer einer Fernsehfolge in eine andere Welt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer in der DDR zur See fuhr, besaß ein Privileg, das Millionen anderen verwehrt blieb. Teaser: Die Serie „Zur See“ bediente dieses Privileg visuell, während die Produktion selbst den Restriktionen des Landes unterworfen blieb. Die Schauspieler auf der „J.G. Fichte“ erlebten eine Freiheit zweiter Klasse: Sie waren unterwegs und doch eingesperrt, kontrolliert von politischen Vorgaben, die selbst auf dem Atlantik nicht endeten. Dass die Serie dennoch zum Straßenfeger wurde, lag an der Projektionsfläche, die sie bot. Sie zeigte eine Welt, in der ostdeutsche Tugenden global bestanden, auch wenn die Realität an Bord oft aus Rost, Schweiß und strenger Überwachung bestand. Es war der Versuch, die Weite zu inszenieren, ohne die eigenen Grenzen zu verlassen.