Florian Schroeder trifft als Hakim Adell (Syrer und AfD-Anhänger) Björn Höcke

Drei Tage vor der Landtagswahl in Thüringen begab sich Hakim Adell, ein in Deutschland lebender Syrer und AfD-Anhänger, nach Nordhausen, um sich mit Björn Höcke zu treffen. Adell, der in seinem Gespräch Höcke höflich ansprach und ihm sein Buch über Immigranten präsentierte, wollte insbesondere wissen, warum er als AfD-Wähler von Linken als Nazi bezeichnet wird. Höcke wies auf mangelnde Bildung hin und kritisierte die von ihm als hysterisch empfundenen Reaktionen der Linken.

Adell stellte die Frage, ob die Wahl in Thüringen möglicherweise manipuliert werden könnte, ähnlich wie in den USA, wo Wahlmanipulationen vermutet werden. Er riet dazu, beim Wahlprozess aufmerksam zu sein und die Auszählungen genau zu beobachten. Besonders besorgniserregend seien ihm die Berichte über vermeintliche Wahlmanipulationen in Altenheimen.

Höcke verteidigte die AfD und die Vorstellung einer „robusten“ Polizei, die nach seinen Vorstellungen härter durchgreifen sollte. Er brachte auch das kontroverse Thema auf, ob man von anderen Ländern lernen könnte, um härter gegen soziale Probleme vorzugehen, was Adell als problematisch ansah.

In der Diskussion über die Rolle der Polizei und den Umgang mit Flüchtlingen kam es zu bemerkenswerten Äußerungen über ein „robustes Mandat“ für die Polizei, was als Vorschlag für eine drastische Verschärfung der Polizeiarbeit interpretiert werden kann. Die Ansichten über die Kultur und Integration wurden als rückwärtsgewandt und extrem betrachtet, wobei Höcke und die AfD für eine striktere Einwanderungspolitik und eine konservative Werteauffassung plädierten.

Abschließend warnte Adell, dass die AfD möglicherweise im Falle eines schlechteren Wahlergebnisses als erwartet, Wahlfälschungen behaupten könnte. Das Gespräch und die Beobachtungen zeigen eine klare Positionierung Höckes und der AfD, die in der Wahlkampagne auf eine konservative Agenda setzt und die eigene Sichtweise als Lösung für gesellschaftliche Probleme propagiert.

Der Entwurf für ein freies Mediengesetz im Dezember 1989

Journalistischer Text - Profil Zehn Thesen für eine neue Medienordnung der DDR Am 21. Dezember 1989 wird ein Text öffentlich, in dem Journalisten und Künstler gemeinsam formulieren, wie eine freie Presse in Zukunft rechtlich abgesichert werden soll. Wenn ich heute diesen Entwurf lese, sehe ich darin den Versuch jener Generation, die Deutungshoheit über die eigene Wirklichkeit zurückzugewinnen. Man spürt beim Betrachten der Punkte, dass es einigen Akteuren nicht nur um Reformen ging, sondern um eine fundamentale Neudefinition des Verhältnisses zwischen Staat und Öffentlichkeit, getragen von der Erfahrung jahrelanger Gängelung. Es scheint, als hätten viele Beteiligte in diesen Wochen die seltene historische Lücke erkannt, in der man Strukturen schaffen wollte, die immun gegen Machtmissbrauch sind. Für den heutigen Betrachter wirkt der Text wie ein Dokument des Übergangs, in dem die Hoffnung auf eine selbstbestimmte, demokratische DDR-Gesellschaft noch greifbar ist. Journalistischer Text - Seite 1 Das Ende der staatlichen Informationskontrolle Der Gesetzentwurf postuliert eine gerichtliche Einklagbarkeit von behördlichen Informationen und verbietet jegliche staatliche Einmischung in die redaktionelle Arbeit der Medien. Ich stelle mir vor, wie befreiend diese Forderung für jene gewirkt haben muss, die jahrelang gegen Wände aus Schweigen und Propaganda angelaufen sind. Es wirkt in der Rückschau so, als wollte man mit diesen Paragrafen ein für alle Mal verhindern, dass Informationen jemals wieder als Herrschaftswissen missbraucht werden können. Journalistischer Text - Seite 2 Mitbestimmung in den Redaktionen Die Thesen verlangen, dass Chefredakteure und Intendanten nur durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitarbeiter und nur auf Zeit in ihr Amt berufen werden dürfen. Beim Lesen dieses Abschnitts denke ich an die tiefgreifende Skepsis gegenüber Autoritäten, die viele Medienschaffende in jener Zeit geprägt haben muss. Dieser Passus zeugt von dem Wunsch einiger, die Demokratisierung nicht an der Pforte des Betriebes enden zu lassen, sondern sie direkt in die Hierarchien der Redaktionen hineinzutragen. Weitere Überschriften Verfassungsrang für die Informationsfreiheit Quellenschutz und Gewissensfreiheit für Autoren Öffentliche Kontrolle statt staatlicher Zensur Der Weg zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk Medienvielfalt als Spiegel der Gesellschaft Unabhängiger Medienrat als Kontrollinstanz

Gestoppt vom Politbüro: Das Ende des P610

Journalistischer Text - Seite (Teaser) Ingenieurskunst im politischen Abseits Wenn ich heute die verstaubten Pläne des P610 oder des Wartburg-Coupés betrachte, spüre ich noch immer die stille Resignation jener Tage, als technische Innovationen schlichtweg verboten wurden. Es war oft nicht das Unvermögen der Konstrukteure vor Ort, das den Stillstand auf den Straßen zementierte, sondern ein kühler Federstrich im fernen Politbüro, der Jahre an Entwicklungsarbeit zunichtemachte. Bereits 1973 standen in Eisenach und Zwickau serienreife Nachfolger bereit, die den westlichen Standards kaum nachstanden und den Zweitakter hätten ablösen können. Doch die staatliche Planwirtschaft entschied sich aus Kostengründen gegen den Fortschritt im Individualverkehr und ließ visionäre Prototypen, die das Land dringend gebraucht hätte, in den Archiven verschwinden.