Kennst du noch das Lied vom Vaterland 1973?

Kennst du das Land mit seinen alten Eichen
Das Land von Einstein, von Karl Marx und Bach
Wo jede Antwort endet mit dem Fragezeichen
Wo ich ein Zimmer hab‘ unterm Dach

Wo sich so viele wegen früher oft noch schämen
Wo mancher Vater eine Frage nicht versteht
Wo ihre Kinder ihnen das nicht übelnehmen
Weil seine Antwort im Geschichtsbuch steht

Hier schaff‘ ich selber, was ich einmal werde
Hier geb‘ ich meinem Leben einen Sinn
Hier hab‘ ich meinen Teil von uns’rer Erde
Der kann so werden, wie ich selber bin

Kennst du das Land, wo die Fabriken uns gehören
Wo der Prometheus schon um Fünf aufsteht
Hier kann man manche Faust auf manchen Tischen hören
Bevor dann wieder trotzdem was nicht geht
Wo sich auf Wohnungsämtern Hoffnungen verlieren
Und ein Parteitag sich darüber Sorgen macht
Wo sich die Leute alles selber reparieren
Weil sie das Werkzeug haben, Wissen und die Macht

Hier schaff‘ ich selber, was ich einmal werde
Hier geb‘ ich meinem Leben einen Sinn
Hier hab‘ ich meinen Teil von uns’rer Erde
Der kann so werden, wie ich selber bin

In diesem Lande lernte ih das Laufen
Ich lernte richtig sprechen, richtig denken
Ich lernte, nur das Brauchbare zu kaufen
Und, dass es Freude macht, auch etwas zu verschenken
Hier lernte meine Mutter das Regieren
Als sie vor einem Trümmerhaufen stand
Ich möchte dieses Land niemals verlieren
Es ist mein Mutter und mein Vaterland

Hier schaff‘ ich selber, was ich einmal werde
Hier geb‘ ich meinem Leben einen Sinn
Hier hab‘ ich meinen Teil von uns’rer Erde
Der kann so werden, wie ich selber bin

Der kann so werden, wie ich selber bin
Der kann so werden, wie ich selber bin
Der kann so werden, wie ich selber bin

Der kann so werden, wie ich selber binDer kann so werden, wie ich selber binDer kann so werden, wie ich selber bin

DDR-Alltag im Januar 1990 zwischen Wirtschaftsreform und Massenabwanderung

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn man auf die erste Januarwoche des Jahres 1990 blickt, sieht man eine Gesellschaft, die versucht, in der Auflösung so etwas wie Normalität zu simulieren. Teaser: Die Zahlen, die das Bundesinnenministerium zu Jahresbeginn veröffentlicht, sind mehr als nur Statistik. Über 343.000 Menschen haben die DDR im Jahr 1989 verlassen. Das ist der Hintergrund, vor dem sich in diesen Tagen alles abspielt. Während die großen politischen Räder drehen – die SED zieht sich aus der Armee zurück, neue Parteien formieren sich für den Mai – versucht die Verwaltung, den Alltag zu organisieren. Es ist eine seltsame Mischung aus großer Geschichte und kleinteiliger Regulierung. Da wird einerseits ein Wechselkurs von 3:1 festgelegt, andererseits treten detaillierte Regeln für den ambulanten Handel in Kraft. Man darf jetzt Waldfrüchte ohne Genehmigung verkaufen, muss aber für selbstgebastelte Waren Preise beantragen. In Gransee gründen sich Mittelstandsverbände, während in Bitterfeld zum ersten Mal ein Umweltbeauftragter versucht, das Ausmaß der Schäden zu erfassen. Gleichzeitig endet in Berlin ein Stück der Nach-Mauerfall-Ausnahme: Die kostenlose Fahrt in Bus und Bahn für DDR-Bürger ist vorbei. Zwei Mark kostet das Ticket jetzt. Es sind diese kleinen Momente, in denen die neue Realität greifbar wird, jenseits der großen runden Tische. Reiseführer sind auf beiden Seiten ausverkauft. Die Menschen wollen wissen, wo sie eigentlich leben und wohin sie jetzt fahren können. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Der Januar 1990 markiert den Punkt, an dem aus dem politischen Protest des Vorjahres eine administrative Transformation wird. Teaser: Die Nachrichtenlage der ersten Januarwoche liest sich wie ein Inventarbericht eines Staates im Umbau. Mit der Einrichtung eines Ministeriums für Umwelt und Naturschutz und der Benennung von Umweltbeauftragten in Regionen wie Bitterfeld reagiert die Führung auf die offensichtlichen ökologischen Defizite. Es ist der Versuch, staatliche Strukturen an die Forderungen der Bürger anzupassen. Wirtschaftlich beginnt mit dem Kurs von 3:1 und neuen Handelsbestimmungen eine Phase der Monetarisierung. Der "Verband der mittelständischen privaten Betriebe", der sich in Gransee gründet, steht symbolisch für das Ende der reinen Planwirtschaft. Politisch ist der Rückzug der SED-Parteiorganisationen aus der NVA und den Grenztruppen das vielleicht wichtigste Signal dieser Tage. Die Entflechtung von Partei und bewaffneten Organen ist die Grundvoraussetzung für die anstehenden freien Wahlen. In den Buchhandlungen sind Reiseführer Mangelware. Das Interesse an der eigenen, nun offenen Geografie übersteigt das Angebot bei weitem. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Zwischen dem Ende der Gratis-Fahrten in Westberlin und den neuen Preisen für den ambulanten Handel kommt die Marktwirtschaft in kleinen Schritten an. Teaser: Während die Politik sich auf den Mai vorbereitet und Programme schreibt, schafft die Realität Fakten. 343.000 Menschen weniger in einem Jahr – diese Zahl steht über allem. Die Reaktion ist eine Mischung aus Liberalisierung und dem Versuch, die Kontrolle zu behalten. Jeder Schritt, von der Preisbewilligung für Handwerkswaren bis zum ersten Umweltbeauftragten in Bitterfeld, erzählt von der Suche nach neuen Regeln. Die alte Ordnung gilt nicht mehr, die neue ist noch nicht geschrieben.