Fontane-Lyrik in der Neuruppiner Kulturkirche

11. Fontane-Festspiele u.a. mit literarischen Fontane-Stadtspaziergängen, Fontane-Open-Air-Lesung, Busausflug und Fontane-Wanderung

Neuruppin. Vom „Kommen und Gehen“ handelt das diesjährige Fontane-Lyrik-Projekt, mit dem am Freitag, 17. Mai 2024 um 19 Uhr die 11. Fontane-Festspiele in der Neuruppiner Kulturkirche eröffnet werden.

Drei brillante Schauspieler:innen leihen Theodor Fontane ihre Stimmen: Anne Ratte-Polle, Jenny Schily und Johann von Bülow. Das Textbuch hat in diesem Jahr erstmals Frank Matthus zusammengestellt. Der Pianist und Komponist Søren Gundermann begleitet das Projekt.

Alle drei Schauspieler:innen sind in vielen aktuellen Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. Jenny Schily spricht mit ihrer markanten Stimme außerdem Hörspiele, Features und Podcasts ein. Sie gestaltet Lesungen, schreibt Texte, führt audiovisuelle Installationen auf und performt Konzerte.

Anne Ratte-Polle ist für ihreeigenwilligen und komplexen Frauenfigurrollen bekannt. Für „Ich war, Ich bin, Ich werde“ wurde sie 2020 mit dem Bayerischen Filmpreis als „Beste Hauptdarstellerin“ ausgezeichnet. Ebenso für den Film „Sibylle“ beim „Santa Fé Dark Frame Festival“. Lorbeeren gab es auch für ihre Rolle im Drama „Alle wollen geliebt werden“. Und mit Johann von Bülow haben die Festspielmacher zum zweiten Mal einen der bekanntesten deutschen Schauspieler seiner Generation für das Lyrik-Projekt gewonnen. Außerdem leiht er u.a. Sherlock Holmes seine Stimme in der Hörspielreihe „Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street“ (DAV Hörbuch).

Die Musik für das Fontane-Lyrik-Projekt komponiert und improvisiert der Jazz-Pianist Søren Gundermann. Unkonventionelle Spieltechniken und der Dialog mit bildender Kunst, Literatur und Theater gehören zu seinen Spezialstrecken.

Die Gäste dürfen gespannt sein, welche Gedichte, Balladen und Texte der Regisseur Frank Matthus für das diesjährige Fontane-Lyrik-Projektauswählt.Er löst damit Gösta Knothe ab, der für neun Lyrik-Projekte der Fontane-Festspiele das poetische Werk Theodor Fontanes und einmal auch Theodor Storms durchforstete und thematisch und spannend zusammenstellte. „Ich bin umgeben von Reimen, fontanischem Klingeln, von schönen Versen“, erzählt Frank Matthus während seiner Arbeit am Textbuch. „Die schönsten melancholischen Altersgedichte, die ich kenne, stammen von Fontane“, sagt er.

Der Kartenverkauf für das Fontane-Lyrik-Projekt hat gerade begonnen. Wer seinen Lieblingsschauspieler:innen ganz nahe sein will, sollte nicht lange zögern.

Nach dem Festspielstart am Freitagabend werden zu Pfingsten alle Ruppiner:innen und Gäste bestens kulturell-unterhaltsam versorgt: mit dem witzigen Versteigerungstheater „Ein gewisses Quantum Mumpitz“, mit Lesungen des Reiseliteraturfestivals „Neben der Spur“, mit literarischen Fontane-Stadtspaziergängen, mit Hörspielhof, Fontane-Open-Air-Lesung, mit Busausflug und Fontane-Wanderung.

Auf der Website www.fontane-kosmos.de können die ersten Veranstaltungen gebucht werden.

Der fontane-kosmos Neuruppin wird unterstützt und gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, von der Fontanestadt Neuruppin, der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin und dem Landkreis Ostprignitz Ruppin.

Silvester 1989: Ein Jahreswechsel im politischen Niemandsland

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Nächte, die riechen anders als alle anderen zuvor, eine Mischung aus Schwefel, Sekt und einer Kälte, die man in der Aufregung kaum spürt. Teaser: Wer sich an den 31. Dezember 1989 erinnert, denkt oft zuerst an die Bilder vom Brandenburger Tor. An die Menschenmassen, die sich dort drängten, wo wenige Wochen zuvor noch Schießbefehl herrschte. Doch die Realität dieser Nacht war komplexer als die Fernsehbilder. Es war eine Nacht des absoluten Vakuums. Die alte Ordnungsmacht, die Volkspolizei, hatte sich fast vollständig zurückgezogen. Sie stand am Rand, defensiv, unsichtbar gemacht durch die eigene Geschichte. Das schuf Raum für Euphorie, aber auch für eine gefährliche Form der Anarchie. Millionen D-Mark, ausgezahlt als letztes Begrüßungsgeld, waren in den Tagen zuvor in westdeutsches Feuerwerk umgesetzt worden. Der Himmel über dem Osten leuchtete so hell und laut wie nie zuvor. Es war ein fast trotziges Verprassen, getrieben von der Freude über die Freiheit, aber auch von der klammheimlichen Angst, was das eigene Geld bald noch wert sein würde. Während in Berlin die Gerüste unter der Last der Feiernden wankten, kämpfte die Regierung Modrow im Hintergrund schlicht darum, dass in den Kraftwerken die Kohle nicht ausging. Diese Gleichzeitigkeit von Rausch und Kollaps, von privatem Glück an der geöffneten Grenze im Harz oder Thüringen und der staatlichen Agonie in Ost-Berlin, macht diesen Jahreswechsel so einzigartig. Es war der Moment, in dem die DDR zwar noch auf der Landkarte existierte, aber in den Köpfen der Menschen bereits Geschichte war. Als die Sonne am Neujahrsmorgen über den Müllbergen aus West-Verpackungen und Ost-Glas aufging, war die Stille fast lauter als der Lärm der Nacht. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Zwischen dem juristischen Fortbestand der DDR und ihrem faktischen Ende lag in dieser Nacht nur eine dünne Schicht aus Feierlaune und Chaos. Teaser: Die Silvesternacht 1989/90 markiert eine historische Anomalie. Völkerrechtlich war die DDR noch ein souveräner Staat, doch im Inneren war das Machtmonopol bereits erloschen. Die Sicherheitsorgane, einst omnipräsent, kapitulierten vor der schieren Masse der Menschen. Am Brandenburger Tor, wo 500.000 Menschen den Jahreswechsel begingen, wurde dies am deutlichsten: Die Volkspolizei griff selbst bei der Demontage von Staatssymbolen oder gefährlichen Kletteraktionen kaum noch ein. Gleichzeitig wirkte im Hintergrund eine ökonomische Dynamik, die den politischen Prozess beschleunigte. Das Ende der Barauszahlung des Begrüßungsgeldes führte zu einem letzten Konsumrausch, der die wirtschaftliche Asymmetrie zwischen den beiden deutschen Staaten in jeder explodierenden Rakete am Himmel sichtbar machte. Die Politik, ob in Bonn oder Ost-Berlin, hinkte dem Geschehen auf der Straße hinterher. Es war eine Nacht, die zeigte, wie schnell Institutionen ihre Bindungskraft verlieren, wenn die Angst weicht. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Freiheit lässt sich nicht verordnen, aber in jener Nacht konnte man sie kaufen – für 100 D-Mark Begrüßungsgeld in Form von Raketen. Teaser: Der Jahreswechsel 1989 war vielleicht die ehrlichste Abstimmung, die je in der DDR stattfand. Die Menschen stimmten mit den Füßen ab – hin zu den Plätzen, rauf auf die Mauern, weg von den staatlichen Vorgaben. Die Sorge um die Sparguthaben mischte sich mit der Ekstase des Augenblicks. Dass dabei auch Denkmäler zu Bruch gingen und die Sicherheit litt, war der Preis für diesen unregulierten Übergang. Am nächsten Morgen blieb das Gefühl, dass nun alles möglich, aber nichts garantiert war.