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Der Christopher Street Day 2024 in der Universitätsstadt Cottbus

Am vergangenen Samstag fand der Christopher Street Day in Cottbus statt. Hunderte Teilnehmer demonstrierten für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Unter dem Motto „Vielfalt leben – gemeinsam stark“ zogen sie durch die Stadt, begleitet von Musik und Feststimmung.

Aber was ist eigentlich der Christopher Street Day?
Der Christopher Street Day (CSD) ist ein jährliches Fest und zugleich eine Demonstration, die weltweit in vielen Städten stattfindet, um für die Rechte und die Sichtbarkeit von LGBTQIA+-Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer/Questioning, Intersex, Asexual und andere) einzutreten. Der CSD erinnert an die Stonewall-Unruhen, die am 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York City ihren Anfang nahmen und als Wendepunkt im Kampf für die Rechte von Homosexuellen gelten.

Im Jahr 1969 führte eine Polizeirazzia in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ zu tagelangen Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Mitgliedern der LGBTQIA+-Gemeinschaft. Diese Ereignisse markierten den Beginn einer neuen Ära des offenen Widerstands gegen Diskriminierung und Gewalt, was zur Gründung von zahlreichen LGBTQIA+-Rechtsorganisationen führte.

In Deutschland und anderen Ländern Europas wird der Christopher Street Day seit den 1970er Jahren gefeiert. Der erste deutsche CSD fand 1979 in Berlin statt, als Demonstration für die Rechte homosexueller Menschen. Seitdem hat sich der CSD in Deutschland und weltweit zu einer bunten und vielfältigen Veranstaltung entwickelt, die sowohl politische Forderungen als auch kulturelle und gesellschaftliche Aspekte miteinander verbindet.

Die Veranstaltungen rund um den CSD variieren je nach Stadt, umfassen jedoch häufig Paraden, Kundgebungen, Musikfestivals, Informationsstände und künstlerische Darbietungen. Während die Paraden oft farbenfroh und festlich sind, bleiben sie dennoch ein wichtiges Mittel, um auf bestehende Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Neben der Feier der Vielfalt und Akzeptanz ist es auch eine Gelegenheit, Solidarität zu zeigen und politische Forderungen zu artikulieren, wie etwa die rechtliche Gleichstellung, den Schutz vor Diskriminierung und Gewalt sowie die Förderung der Akzeptanz von LGBTQIA+-Menschen in der Gesellschaft.

Die Bedeutung des Christopher Street Day liegt nicht nur in seiner historischen Herkunft, sondern auch in seiner fortwährenden Relevanz. Trotz vieler Fortschritte in der Gleichstellungspolitik gibt es weiterhin zahlreiche Herausforderungen und Diskriminierungen, denen LGBTQIA+-Menschen weltweit ausgesetzt sind. Der CSD bietet daher eine wichtige Plattform, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen und für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten.

In vielen Städten hat sich der CSD zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens entwickelt und zieht jedes Jahr Tausende von Teilnehmer und Zuschauer an. Er symbolisiert die Stärke und Widerstandsfähigkeit der LGBTQIA+-Gemeinschaft und dient als Erinnerung daran, dass der Kampf für Gleichberechtigung und Akzeptanz noch lange nicht beendet ist. So bleibt der Christopher Street Day nicht nur ein Fest der Vielfalt, sondern auch ein kraftvolles Statement für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit.

„Meisterhafte Kreationen“ – Ausstellung des Tischler- und Malerhandwerks in Dresden

Dresden. Am 15. und 16. Juni 2024 präsentierten 17 frischgebackene Tischlermeister ihre beeindruckenden Meisterstücke im Bildungszentrum des Handwerks, njumii, in Dresden. Die Vielfalt der ausgestellten Werke, darunter eine eckige Kugel, ein Angelhalter in Form eines japanischen Schreins und ein Billardtisch mit Intarsien, zeugte von der großen Kreativität und dem handwerklichen Geschick der Teilnehmer. Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, wie mutige Formen mit klassischen Elementen harmonieren und moderne Technik geschickt in die Arbeiten integriert wird.

Ines Briesowsky-Graf, selbstständige Tischlermeisterin und Vizepräsidentin der Handwerkskammer Dresden, würdigte in ihrer Eröffnungsrede die herausragende Qualität und emotionale Tiefe der präsentierten Stücke. Sie lobte die ambitionierten Ziele und die hohe Leistungsbereitschaft der 16 Tischlermeister, 14 Tischlerlehrlinge und elf Maler-Azubis, die ihre Werke ausstellten. „Eure Stücke sind etwas Besonderes. Zum einen, weil sie handwerklich gut gemacht sind, zum anderen auch, weil sie Emotionen transportieren“, betonte sie und unterstrich damit die Bedeutung der handwerklichen Arbeit.

Jan Eckoldt, Geschäftsführer des sächsischen Fachverbandes der Tischler, hob ebenfalls die Bedeutung des Handwerks hervor. Im Gegensatz zu Influencern, die keine bleibenden Werte schaffen, seien Handwerker echte Wertschöpfer, die bleibende Spuren hinterlassen.

Neben den Meisterstücken stellten auch 23 Tischlerlehrlinge, die am Kurs „Kreative Möbelgestaltung“ der Handwerkskammer Dresden teilgenommen hatten, ihre Gesellenstücke vor. Unter den Mottos „Die Zeichen der Zeit“ und „Meine freie Zeit“ entstanden kreative und einfallsreiche Werke wie Sideboards, Schreibtische und Vitrinenschränke, die das breite Publikum begeisterten.

Auch die Arbeiten des Maler- und Lackiererhandwerks beeindruckten die Besucher. Inspiriert von der Art Deco-Zeit, schmückten selbstgegossener Stuck, gezeichnete Marmoroptiken, reichlich Gold sowie schablonierte Muster und Ornamente aus den 20er Jahren die Wände der Kojen. Diese kunstvollen Oberflächen wurden im Rahmen des Kreativkurses zur Oberflächengestaltung und -veredlung von Auszubildenden im dritten Lehrjahr gefertigt.

Die Ausstellung im njumii Bildungszentrum des Handwerks in Dresden war ein eindrucksvoller Beweis für das hohe Niveau und die kreative Vielfalt des Handwerks. Sie zeigte, wie traditionelles Handwerk mit modernen Ansätzen und Techniken zu einzigartigen Kunstwerken verschmelzen kann und die Besucher inspirierte.

Die DDR hat es (nie) gegeben – Über Sichtbarkeit Ostdeutscher Perspektiven

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Liebe alle, Im Laufe des Frühjahres 2023 war es mir möglich, endlich einer Frage auf den Grund zu gehen, welche mich seit meinem Umzug nach Köln konstant, wenn auch nur meist im Hintergrund, jedoch immer irgendwo präsent, begleitet. Ich habe im Laufe der Arbeiten an diesem Film viele Dinge über mich, meine Familie, Ostdeutschland und übers Filmemachen gelernt. Der gesamte Film war demnach ein Lernprozess, was an der einen oder anderen Stelle wohl ersichtlich ist. Nach schier unendlich langen Schneide- und Editierarbeiten, welche meinen Laptop insgesamt zweimal reparierbedürftig haben werden lassen, bin ich am Ende. Ich habe keine Kraft mehr, aber der Film ist fertig, sehenswert und abspielbar. Es war ein unendlicher Kraftakt, dies alles allein zu stemmen und ich habe vor allem gelernt, nie wieder alleine einen Film zu drehen / zu recherchieren / zu schneiden / zu colourgraden.

Ich bedanke mich unendlich bei allen Leuten, welche ich interviewen durfte, mir Ratschläge gegeben haben, mich beherbergt haben, mir stets zugesprochen haben, bei Wolf Glöde und dem Team vom jazzkeller 69 e.V. in Berlin, bei Nathan Ishar für die Hilfe beim Rendern, als mein PC das zweite mal durch den festen Griff meiner Dateien starb, bei Josefine Simonsen, welche mich vor allem Anfangs bestärkt hat, dem Thema nachzugehen, bei Julia Hille, Heiner Schulze, Valerie Schönian, Tom Leistner, Melanie Stein, Patrice Poutrus, Katharina Warda und allen weiteren Menschen, welche sich öffentlich, im Beruf oder im Alltag mit diesen Themen befassen, bei meiner Familie, bei meinen Freund:innen und den Menschen in Ostdeutschland, die bei allen Problemen, die es momentan in Deutschland gibt, weiterhin für Demokratie, Offenheit und eine lebenswerte Gesellschaft, in der niemand außen vor gelassen wird, kämpfen.

Gibt es momentan bei all den Krisen Raum für dieses Thema? – Ich weiß es nicht, vielleicht ist dieser Film, da kein Wende-Jubiläumsjahr, etwas aus der Zeit gefallen, dennoch freue ich mich über jede Person, die ihn schaut und vielleicht sogar etwas mitnehmen kann.

Ein Film von und mit Victor Gelling. Weitere Informationen unter https://victorgelling.de/

Kapitel:
– Einleitung
– „Critical Westness“
– Rechtsextremismus
– Das Frauenbild in der DDR
– Ostdeutsch im Kontext Klasse
– Fehlende Perspektiven dieses Films
– Kunst und Kulturprodukte der DDR
– Ostalgie
– Alltag und Diktatur
– Die Wendezeit
– Der Wunsch nach Anerkennung
– Identitätsbegrifflichkeiten
– Aufbruch Ost & Wir Sind Der Osten
– Kleinmachnow und weiteres

Im Bewegtbild vorkommend [in Reihenfolge des Auftretens]
– Theresia Philipp
– Anne Lange
– Julia Hille [Otto-Von-Guericke Universität Magdeburg]
– Heiner Schulze [Berliner Hochschule für Technik]
– Tom Leistner [Aufbruch Ost]
– Gregor Gysi [MdB Die Linke]
– Laura Wasniewski
– Cornelia Gelling
– Thomas Neumann
– Claudia Tuyết Scheffel
– Ronja Oehler
– Robert Seidel
– Melanie Stein [Wir Sind Der Osten]
– Valerie Schönian

„Die ‚Perle von Bad Muskau‘: Der Fürst-Pückler-Park“

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Die „Perle von Bad Muskau“ bezieht sich auf den berühmten Fürst-Pückler-Park, auch bekannt als Muskauer Park. Dieser Park ist ein herausragendes Beispiel für die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts und wurde von Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestaltet. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von etwa 830 Hektar und liegt sowohl auf deutschem als auch auf polnischem Gebiet, wobei die Neiße die natürliche Grenze bildet.

„Der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst ist nur da erreicht, wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form, zu sein scheint.“ Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, 1834

Der C ist bekannt für seine harmonische Landschaftsgestaltung, die weiten Wiesen, malerischen Teiche, gewundenen Wege und kunstvoll angelegten Pflanzungen umfasst. Die Gestaltung des Parks orientiert sich am englischen Landschaftsstil und zielt darauf ab, eine natürliche und gleichzeitig ästhetisch ansprechende Umgebung zu schaffen.

Im Herzen des Parks befindet sich das Neue Schloss, das als Besucherzentrum und Museum dient. Es bietet Einblicke in das Leben und Wirken von Fürst Pückler sowie die Geschichte des Parks. Neben dem Neuen Schloss gibt es auch das Alte Schloss, die Orangerie und verschiedene Brücken und Pavillons, die zur Attraktivität des Parks beitragen.

Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau wurde 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, was seine Bedeutung und den herausragenden kulturellen Wert anerkennt. Die Kombination aus kunstvoller Gartenarchitektur und der natürlichen Schönheit der Landschaft macht den Park zu einer wahren „Perle“ und zu einem beliebten Ausflugsziel für Besucher aus aller Welt.

UNESCO-Welterbestätte – Begründung

„Der Muskauer Park/Park Mużakowski ist ein außergewöhnliches Beispiel eines europäischen Landschaftsparks sowie einer künstlerischen Ideallandschaft. Der Park steht darüber hinaus für einen neuen Ansatz der Landschaftsgestaltung im städtischen Raum. Die Aufnahme in diese Liste bestätigt den herausragenden universellen Wert eines Kultur- bzw. Naturdenkmals, das im Interesse der gesamten Menschheit Schutz erfordert.“

Paula Gehrmann im Frommannschen Skulpturen Garten 2024 in Jena

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Jena. Wie wollen wir den öffentlichen Raum gestalten? Im Garten des Frommannschen Anwesens in Jena wird in diesem Sommer eine Skulpturengruppe der Leipziger Künstlerin Paula Gehrmann ausgestellt, die sich mit dieser Frage auseinandersetzt. Ihre minimalistischen Skulpturen aus verzinktem Stahl schaffen einen Parcours durch den Garten und betonen seine Funktion als öffentlicher Raum.

Im Sinne des Titels „VARIABLE“ sind Paula Gehrmanns Skulpturen modular aufgebaut und passen sich stets den räumlichen und sozialen Kontexten an, in denen sie präsentiert werden. Im Garten des Frommannschen Anwesens steht die Interaktion zwischen Kunstwerk, Nachbarschaft und Besucher im Vordergrund. Die Skulpturengruppe VARIABLE bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten: Sie kann als Arbeitstisch dienen, als Präsentationsfläche für Ideen und Kunstwerke oder einfach als Ausgangspunkt, um den Garten zu erkunden und dort zu verweilen.

Paula Gehrmanns Installationen versuchen, denjenigen Gesprächen, Handlungen und Menschen Raum zu geben, die im traditionellen Ausstellungsraum oft unsichtbar bleiben. Die Künstlerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Barrieren und Möglichkeiten des Kunstraums, der möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollte. Deshalb arbeitet sie oft mit lokalen Gruppen und Akteur zusammen.

Ein zentraler Bestandteil der diesjährigen Ausstellung ist ein Veranstaltungsprogramm, das gemeinsam mit Studierenden der Universität Jena und lokalen Initiativen entwickelt wurde. Wöchentlich, meist mittwochs um 16 Uhr, gibt es Veranstaltungen, die Begegnungen und Austausch zwischen lokalen und universitären Initiativen sowie den Besucher ermöglichen. Diese beinhalten Gespräche, Workshops und Pop-Up-Ausstellungen.

Paula Gehrmann, geboren 1982 in Berlin und wohnhaft in Leipzig, ist eine freischaffende Künstlerin, Fotografin und Handwerkerin. Sie hat an zahlreichen (inter)nationalen Gruppenausstellungen teilgenommen, unter anderem im Museum der bildenden Künste Leipzig, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, im Moscow Museum of Modern Art und im Osservatorio Fotografico Ravenna. Zudem arbeitet sie seit vielen Jahren mit der Offenen Kunst·Werkstatt Lebenshilfe Leipzig e.V. zusammen.

Weitere Informationen zur Ausstellung: https://www.jenaer-kunstverein.de/fsg…

Welche Bedeutung haben Lenin und Stalin im heutigen Russland?

Lenin hat im heutigen Russland stark an Bedeutung verloren, während Stalin an Bedeutung gewonnen hat. Während der Breschnew-Ära wurde Stalin teilweise rehabilitiert, aber Lenin blieb die zentrale Figur, da er als Staatsgründer und als Symbol der Sowjetunion galt. In der postsowjetischen Zeit änderte sich dieses Bild jedoch dramatisch. Lenin wird heute eher als Zerstörer des alten zaristischen Imperiums betrachtet, und Revolutionen sind in Russland nicht populär. Dies hat dazu geführt, dass Lenin weitgehend ignoriert wird, besonders von der jüngeren Generation. Lenin eignet sich heute kaum noch als Identifikationsfigur. Stattdessen sind andere historische Figuren, die imperiale Staatlichkeit repräsentieren, in den Vordergrund gerückt.

Insbesondere Stalin hat an Bedeutung gewonnen. Stalin, der in der Breschnew-Ära noch nicht die Hauptbezugsfigur war, wird heute von vielen in Russland als eine Art Bewahrer und Ordner gesehen. Im heutigen Russland suchen viele Menschen nach starken Führern, die Stabilität und Ordnung symbolisieren, und Stalin wird oft in diesem Kontext betrachtet. Obwohl Stalin für seine brutalen Repressionen und den Terror bekannt ist, wird er auch für seine Rolle in der Industrialisierung und als Sieger im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Diese Verschiebung in der Erinnerungskultur spiegelt sich auch in der Art und Weise wider, wie andere historische Figuren betrachtet werden. Es gibt heute in Russland einen merkwürdigen Mix von historischen Figuren, die zusammen eine imperiale Staatlichkeit symbolisieren. Alexander III., ein zaristischer Herrscher, Stalin und die Weißen, die gegen die Bolschewiki kämpften, werden oft in einem Atemzug genannt, obwohl sie historisch gesehen widersprüchliche Positionen vertreten haben. Was diese Figuren jedoch gemeinsam haben, ist ihr Beitrag zur imperialen Staatlichkeit und zur Wahrung der Ordnung.

Lenin hingegen passt nicht in dieses Bild. Er wird als derjenige gesehen, der durch die Revolution das alte zaristische Imperium zerstörte, was in der heutigen russischen Gesellschaft nicht hoch geschätzt wird. Die Revolution selbst wird nicht mehr als positives Ereignis betrachtet, und Revolutionäre sind nicht die Figuren, mit denen sich die heutige Gesellschaft identifizieren möchte. Lenin ist somit faktisch zu einer Unperson geworden, die kaum noch Interesse bei den jungen Leuten weckt.

Diese Veränderung in der Wahrnehmung und Bedeutung von Lenin und Stalin ist ein interessantes Phänomen, das viel über die gegenwärtige russische Gesellschaft aussagt. Es zeigt, wie sich die historische Erinnerung und die Bedeutung von Figuren im Laufe der Zeit ändern können, je nach den aktuellen politischen und sozialen Bedürfnissen. Während Lenin einst als der große Staatsgründer und Symbol der Revolution galt, ist es heute Stalin, der als Bewahrer der Ordnung und als starker Führer verehrt wird. Diese Verschiebung zeigt auch, wie komplex und vielschichtig die Geschichte und Erinnerungskultur eines Landes sein können.

Der erste allgemeine deutsche Kindergarten des Friedrich Fröbel

Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852) war ein deutscher Pädagoge, der als Begründer des Kindergartens und der modernen Vorschulpädagogik gilt. Fröbel wurde am 21. April 1782 in Oberweißbach, Thüringen, geboren und wuchs unter schwierigen familiären Verhältnissen auf. Seine Mutter starb früh, und sein Vater, ein strenger Pfarrer, zeigte wenig Verständnis für seine Bedürfnisse.

Fröbels Bildungskarriere begann in Jena, wo er Naturwissenschaften und Mathematik studierte. Trotz seines Interesses an der Naturwissenschaft war er von pädagogischen Fragen fasziniert und arbeitete zunächst als Lehrer. Unter dem Einfluss von Johann Heinrich Pestalozzi, einem Schweizer Pädagogen, entwickelte er ein tiefes Verständnis für die Bedeutung der frühen Kindheitserziehung.

1817 gründete Fröbel in Griesheim und später in Keilhau eine eigene Schule, das „Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt“. Seine pädagogischen Ansätze basierten auf der Überzeugung, dass Kinder durch Selbsttätigkeit und kreatives Spielen am besten lernen. Er sah das Spiel als die höchste Ausdrucksform kindlicher Entwicklung und Kreativität an und entwickelte spezielle Spielmaterialien, die sogenannten „Fröbelgaben“. Diese bestanden aus einfachen geometrischen Formen und wurden dazu verwendet, Kindern grundlegende Konzepte der Mathematik und des räumlichen Denkens zu vermitteln.

Im Jahr 1837 gründete Fröbel den ersten Kindergarten in Bad Blankenburg. Der Begriff „Kindergarten“ verdeutlicht seine Vorstellung, dass Kinder wie Pflanzen in einem Garten gepflegt und gefördert werden sollten, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Fröbel betonte die Bedeutung von Spiel, Musik, Handarbeit und Naturbeobachtung in der frühkindlichen Erziehung. Sein Konzept des Kindergartens revolutionierte die Art und Weise, wie Kinder im Vorschulalter betreut und erzogen wurden.

Trotz anfänglicher Widerstände und Missverständnisse gegenüber seinen Ideen gewann Fröbels Pädagogik im Laufe der Zeit an Anerkennung. Besonders in den Vereinigten Staaten und in Japan fand sein Konzept großen Anklang. Seine Schriften und Konzepte zur Frühpädagogik hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Kindergärten weltweit.

Fröbels Vision einer ganzheitlichen Erziehung, die Kopf, Herz und Hand gleichermaßen anspricht, hat bis heute Gültigkeit. Seine Betonung der individuellen Entfaltung und des kreativen Spiels als grundlegende Elemente der kindlichen Entwicklung prägen nach wie vor die pädagogischen Ansätze in Kindergärten und Vorschulen. Friedrich Fröbel starb am 21. Juni 1852, doch sein Vermächtnis lebt in der modernen frühkindlichen Erziehung fort.

26. Lavendelfest in Bad Blankenburg in Thüringen

Das Lavendelfest in Bad Blankenburg ist ein farbenfrohes und aromatisches Highlight, das jedes Jahr viele Besucher in die thüringische Stadt lockt. Dieses Fest, das traditionell im Sommer stattfindet, zelebriert die Blütezeit des Lavendels und verbindet Naturerlebnis mit kulturellen Veranstaltungen und kulinarischen Genüssen.

Bad Blankenburg ist bekannt für seine idyllischen Lavendelfelder, die während der Blütezeit in sattem Lila erstrahlen und die Luft mit ihrem charakteristischen Duft erfüllen. Das Lavendelfest bietet eine wunderbare Gelegenheit, diese Naturschönheit zu erleben. Besucher können durch die Lavendelfelder spazieren, die beruhigende Wirkung der Pflanzen genießen und mehr über den Anbau und die Verwendung von Lavendel erfahren.

Das Fest beginnt in der Regel mit einer feierlichen Eröffnung, bei der lokale und regionale Prominente die Gäste begrüßen. Zahlreiche Stände bieten Produkte aus und mit Lavendel an, darunter ätherische Öle, Seifen, Kerzen und kulinarische Spezialitäten wie Lavendelhonig und Lavendelkekse. Handwerkskunst und regionale Produkte stehen im Mittelpunkt und bieten den Besuchern die Möglichkeit, besondere Souvenirs zu erwerben.

Ein weiteres Highlight des Lavendelfestes sind die Führungen durch die Lavendelfelder. Erfahrene Landwirte und Botaniker erläutern den Besuchern die Besonderheiten des Lavendelanbaus in der Region und geben Einblicke in die Pflege und Ernte der Pflanzen. Diese Führungen sind sowohl informativ als auch entspannend und bieten die Gelegenheit, die Natur hautnah zu erleben.

Das kulturelle Programm des Festes ist vielfältig und richtet sich an Besucher jeden Alters. Musik- und Tanzvorführungen, Theaterstücke und Vorträge über die Geschichte und Bedeutung des Lavendels sorgen für Unterhaltung und bilden einen interessanten Kontrast zur ländlichen Idylle. Besonders beliebt sind die abendlichen Konzerte, die oft von regionalen Bands und Künstlern gestaltet werden.

Für Kinder gibt es spezielle Angebote wie Bastelworkshops, Märchenerzählungen und Spielmöglichkeiten, die das Lavendelfest zu einem Familienerlebnis machen. Während die Eltern die Lavendelprodukte entdecken oder an einer der zahlreichen Verkostungen teilnehmen, können die Kleinen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und spielerisch mehr über die Natur lernen.

Kulinarisch hat das Lavendelfest ebenfalls einiges zu bieten. Lokale Gastronomen und Anbieter von Spezialitäten verwöhnen die Besucher mit Gerichten und Getränken, die oft mit Lavendel verfeinert sind. Von Lavendellimonade über Lavendeleis bis hin zu herzhaften Speisen mit einer Lavendelnote – das Fest lädt zum Probieren und Genießen ein.

Das Lavendelfest in Bad Blankenburg ist nicht nur ein Fest für die Sinne, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Hier treffen sich Menschen, die die Liebe zur Natur und zur regionalen Kultur teilen. Es ist eine Veranstaltung, die Tradition und Moderne verbindet und zeigt, wie vielfältig und lebendig das ländliche Leben sein kann.

Für die Stadt Bad Blankenburg ist das Lavendelfest ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Kalenders und trägt zur Förderung des Tourismus und der regionalen Identität bei. Es ist ein Fest, das die Schönheit und den Reichtum der Natur feiert und gleichzeitig ein Ort der Gemeinschaft und des Erlebens ist.

Thüringen als völkischer Aufmarschraum in den 1920ern und 2020ern

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1924 kam erstmals eine bürgerliche Regierung in Thüringen an die Macht, die von völkischen Abgeordneten geduldet wurde. Diese politische Konstellation markierte den Beginn einer Phase, in der nationalistische und völkische Ideologien zunehmend an Einfluss gewannen. Bereits 1930 konnte die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) ihren ersten bedeutenden politischen Erfolg in Thüringen verbuchen. In diesem Jahr trat die erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP ihr Amt an, und Wilhelm Frick wurde der erste nationalsozialistische Landesminister in Deutschland. Seine Ernennung war ein bedeutender Schritt für die NSDAP auf dem Weg zur Machtübernahme.

Wilhelm Frick, der später als Innenminister im Dritten Reich eine Schlüsselrolle spielte, begann seine politische Karriere in Thüringen. Als Landesminister für Inneres und Volksbildung nutzte er seine Position, um den Einfluss der NSDAP zu stärken und die ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus in die politische und gesellschaftliche Struktur Thüringens einzubringen. Unter seiner Führung wurden antisemitische Maßnahmen ergriffen und politische Gegner verfolgt. Diese Maßnahmen schufen ein Klima der Angst und Unterdrückung, das den weiteren Aufstieg der NSDAP förderte.

Thüringen entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem „Mustergau“ unter der NS-Herrschaft. Dieser Begriff wurde verwendet, um das vorbildliche und effiziente Funktionieren der nationalsozialistischen Verwaltung und Politik in Thüringen zu beschreiben. Das Land wurde zu einem Experimentierfeld für nationalsozialistische Ideen und Praktiken, die später im gesamten Deutschen Reich Anwendung fanden. Die Verwaltung wurde zentralisiert, und es wurden umfassende Maßnahmen zur Kontrolle und Indoktrination der Bevölkerung ergriffen. Bildungsinstitutionen, Kultur und Medien wurden gleichgeschaltet, um die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten.

Die nationalsozialistische Herrschaft in Thüringen war geprägt von Repression und Verfolgung. Politische Gegner, Juden, und andere als „unwert“ betrachtete Gruppen wurden systematisch ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Thüringen war Schauplatz zahlreicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die im weiteren Verlauf des Dritten Reiches in den Holocaust mündeten.

Der Aufstieg der NSDAP in Thüringen und die Rolle, die das Land unter der nationalsozialistischen Herrschaft spielte, sind wichtige Kapitel der deutschen Geschichte. Sie zeigen, wie politische und ideologische Extremismen sich durchsetzen können und welche verheerenden Auswirkungen dies auf die Gesellschaft hat. Diese historische Phase dient als Mahnung und Erinnerung an die Notwendigkeit, demokratische Werte und Menschenrechte zu verteidigen und extremistischen Tendenzen entgegenzuwirken.

Und 100 Jahre später? Wieder ist Thüringen der Rückzugsraum völkischer Kräfte, wo sie überdurchschnittliche Wahlerfolge erzielen. Sind das tatsächlich Parallelen? Und wenn ja: woher kommen sie? Wann enden sie? Wurden die nötigen Lektionen aus der Geschichte gelernt oder verpasst?

Podiumsgespräch im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Angegriffen und abwehrbereit? Die Demokratie im Wahljahr 2024“ (siehe Video)

Referent*innen: Dennis Lay, M.A. (Institut für Politikwissenschaft, FSU Jena), Dr. Justus H. Ulbricht (Historiker, Germanist; Dresden / Weimar)
Moderation: Dr. Andreas Braune
Veranstalter: Forschungsstelle Weimarer Republik an der FSU Jena, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen

Aufgewachsen in DDR-Heimen – Betroffene und Experten im Austausch

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Die Heimerziehung in der DDR ist ein Thema, das bis heute von großer Relevanz ist. Zum einen sind die Folgen für die Betroffenen oftmals ein Leben lang spürbar. Zum anderen hat das Thema in den letzten Jahren verstärkt das Interesse der Wissenschaft geweckt und ist in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen gerückt.

In der Mitte der 1960er Jahre wurde das Jugendhilfe- und Heimsystem in der DDR neu organisiert. Das erklärte Ziel war die „Heranbildung vollwertiger Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft“. Kinder und Jugendliche wurden in Kategorien eingeteilt: „normal erziehbar“ oder „schwer erziehbar“. Diese Einteilung bestimmte, ob sie in regulären oder spezialisierten Kinderheimen untergebracht wurden. Die Kriterien für diese Beurteilung basierten auf dem staatlichen Gesellschaftsbild. So konnten junge Menschen als „schwer erziehbar“ gelten, wenn sie als verhaltensauffällig, kleinkriminell oder systemkritisch eingestuft wurden.

Diese Klassifizierung und die entsprechenden Maßnahmen hatten tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Die Bedingungen in vielen Heimen waren oft hart und von strenger Disziplin geprägt. Die individuelle Entwicklung wurde zugunsten der kollektiven Erziehungsideologie vernachlässigt, was bei vielen Betroffenen zu nachhaltigen psychischen und emotionalen Belastungen führte.

In jüngster Zeit haben sich Historiker und Sozialwissenschaftler intensiv mit der Aufarbeitung dieser Praxis beschäftigt. Es geht darum, die Mechanismen der damaligen Heimerziehung zu verstehen und die Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder zu dokumentieren. Diese Aufarbeitung ist nicht nur für die historische Forschung wichtig, sondern auch für die Anerkennung und Unterstützung der Betroffenen, die oft erst spät in ihrem Leben die Möglichkeit erhalten, über ihre Erlebnisse zu sprechen und Gehör zu finden.

Die öffentliche Debatte über die Heimerziehung in der DDR trägt dazu bei, das Bewusstsein für die langfristigen Folgen dieser Praxis zu schärfen und die gesellschaftliche Verantwortung für die Betroffenen anzuerkennen. Sie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden Aufarbeitung der Geschichte der DDR und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Menschen, die dort aufgewachsen sind.

Weitere Informationen: https://www.bundesstiftung-aufarbeitu…