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Liedermacher Biermann: „Wagenknecht und Höcke sind das politische Brautpaar der Stunde“

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Wolf Biermann, der prominente Liedermacher und frühere DDR-Dissident, äußert in einem Interview mit „Die Zeit“ seine Besorgnis über die politische Entwicklung in Deutschland und zieht eine deutliche Verbindung zwischen der AfD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Er bezeichnet die Partnerschaft zwischen Wagenknecht und dem AfD-Politiker Björn Höcke als das „politische Brautpaar der Stunde“ und betont, dass in der ehemaligen DDR eine Vereinigung stattfindet, die er als die Zusammenkunft von Erben des Nationalsozialismus und des Stalinismus beschreibt.

Biermann kritisiert scharf die politischen Positionen sowohl der AfD als auch des BSW, insbesondere deren Unterstützung für Wladimir Putin im Ukrainekrieg. Er argumentiert, dass diese politischen Gruppierungen die Werte der Demokratie und die „Regenbogenfarben“ der Vielfalt verachten. Für Biermann stehen die AfD und das BSW symbolisch für eine Rückkehr zu autoritären und totalitären Ideologien.

Zusätzlich richtet Biermann seine Kritik an die Sympathisanten dieser Parteien. Er wirft ihnen vor, den „Bequemlichkeiten“ der Diktatur nachzutrauern und die Herausforderungen und Mühen der Demokratie abzulehnen. Seiner Meinung nach ist ihre Unterstützung für diese Parteien ein Ausdruck von Scham über ihr früheres Leben und ein nostalgischer Rückblick auf eine Zeit, die sie idealisieren.

Biermann erkennt jedoch auch die Komplexität der Situation an und stellt fest, dass es keinen „simplen Ostdeutschen“ gibt. Er hofft, dass die Wähler bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen eine klare Entscheidung für eine bunte und vielfältige Demokratie treffen werden. Er erwartet, dass viele Wähler sich von der „Wutbürger-Romantik“ abwenden und für etablierte Parteien wie die CDU, SPD, Grünen und DDP stimmen werden. Diese Aussicht erfüllt ihn mit Hoffnung und Freude, da sie seiner Ansicht nach den Weg für eine stabile und demokratische Zukunft ebnen würde.

Otto Skrowny: Vom Torschützenkönig zur Fußballlegende der DDR

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Otto Skrowny, geboren 1941, ist eine prägende Figur des DDR-Fußballs, obwohl er nie zu internationalen Einsätzen kam und seine 93 Spiele in der höchsten DDR-Spielklasse, der Oberliga, ihn nur im Bereich zwischen Rang 680 und 700 einordnen. Dennoch hat er sich in den Annalen des DDR-Fußballs verewigt, und zwar auf zweifache Weise: 1969/70 wurde er Torschützenkönig der Oberliga, und er hält den Negativrekord aller DDR-Torschützenkönige, da ihm 12 Treffer für die Torjägerkrone reichten.

Skrownys Fußballkarriere begann im Alter von 13 Jahren 1957 beim SC Rotation Leipzig, der später in SC Leipzig umbenannt wurde. 1963 gehörte Skrowny zu den ausgewählten Leipziger Talenten, die im SC Leipzig spielen durften, während weniger geförderte Spieler zur BSG Chemie Leipzig abgewandert wurden. Trotz seiner frühen Förderung konnte Skrowny sich im Männerbereich nicht durchsetzen und spielte vorwiegend in den Reservemannschaften des SC Leipzig.

Ab der Saison 1965/66 wechselte Skrowny zur BSG Wismut Gera, die in der vorhergehenden Saison nur Rang 12 in der zweitklassigen DDR-Liga belegt hatte. In seinem ersten Jahr in Gera gelang der Mannschaft der Aufstieg in die Oberliga. Doch Gera konnte sich nur ein Jahr in der Oberliga halten und stieg am Ende der Saison 1966/67 wieder ab. In Gera absolvierte Skrowny 21 Oberliga-Einsätze.

1968/69 wechselte Skrowny zur Oberligamannschaft von Chemie Leipzig, die gerade dem Abstieg entgangen war. Mit Skrownys Unterstützung erreichte Chemie Leipzig 1969 den 6. Platz und 1970 den 4. Platz. Skrowny erzielte 12 Tore in der Saison 1969/70 und wurde Torschützenkönig. Nach einem dreijährigen Wehrdienst bei der Volksarmee, in dem er bei der zweitklassigen ASG Vorwärts Leipzig spielte, kehrte Skrowny 1974 zu Chemie Leipzig zurück und absolvierte bis 1976 72 Oberliga-Spiele mit 18 Toren.

Als Chemie Leipzig 1976 abstieg, endete Skrownys Oberligalaufbahn. Bis 1987 spielte er noch für die zweitklassige BSG Stahl Nordwest Leipzig und arbeitete anschließend einige Jahre als Trainer der 2. Mannschaft von Chemie Leipzig.

Die Verkündung der deutschen Wiedervereinigung am 31. August 1990

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Der 31. August 1990 markiert einen entscheidenden Moment in der deutschen Geschichte: An diesem Tag wurde der Einigungsvertrag unterzeichnet, der die deutsche Wiedervereinigung besiegelte. Nach mehr als vier Jahrzehnten der Teilung in Ost und West war der Weg für die Schaffung eines geeinten Deutschlands nun offiziell geebnet. Der Vertrag wurde von Vertretern der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) unterzeichnet und legte den rechtlichen und politischen Rahmen für die Wiedervereinigung fest, die am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde.

Die Wiedervereinigung war das Ergebnis intensiver Verhandlungen und politischer Prozesse, die durch den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und den Zusammenbruch des Ostblocks eingeleitet wurden. Der Einigungsvertrag selbst regelte eine Vielzahl von Fragen, darunter die Integration der DDR in das westdeutsche Grundgesetz, die Umstellung auf die D-Mark als gemeinsame Währung, sowie den Beitritt der ostdeutschen Bundesländer zur Bundesrepublik.

Die Verhandlungen, die zur Unterzeichnung des Vertrages führten, waren komplex und von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Sowohl innenpolitische Spannungen als auch internationale Bedenken mussten überwunden werden. Insbesondere die sogenannten „Zwei-plus-Vier-Gespräche“, an denen die beiden deutschen Staaten sowie die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs – die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – beteiligt waren, spielten eine zentrale Rolle. Diese Gespräche sicherten die volle Souveränität Deutschlands und räumten alle außenpolitischen Bedenken aus dem Weg.

Die Unterzeichnung des Einigungsvertrages am 31. August 1990 fand im Palais Unter den Linden in Ost-Berlin statt und war ein symbolträchtiger Akt, der weltweit Beachtung fand. Die Unterschriften von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble für die Bundesrepublik und DDR-Staatssekretär Günther Krause besiegelten den historischen Moment.

Die Wiedervereinigung Deutschlands war jedoch nicht nur eine formale Angelegenheit. Sie stellte eine immense gesellschaftliche Herausforderung dar. Die Integration der beiden sehr unterschiedlichen Gesellschaftssysteme, die Angleichung von Lebensverhältnissen und die Überwindung der wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost und West bleiben bis heute zentrale Themen im vereinten Deutschland. Der 31. August 1990 bleibt als Tag der Verkündung der deutschen Wiedervereinigung ein Schlüsselereignis, das den Weg für ein neues Kapitel in der Geschichte Deutschlands ebnete.

Das Badekabinett der Kaiserin im Neuen Palais in Potsdam

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Das Neue Palais in Potsdam, ein beeindruckendes Beispiel preußischer Architektur, beherbergt zahlreiche historische Räume, darunter das Ankleidezimmer der Kaiserin Auguste Victoria. Dieses Zimmer, eines der intimsten im Palais, diente nicht nur der täglichen Kleidung, sondern auch der körperlichen Ertüchtigung der Kaiserin. Hier befand sich ein Ruderapparat, mit dem sie sich fit hielt. Ursprünglich mit Spiegeln, Toilettetischen und Kommoden ausgestattet, präsentiert sich der Raum heute im Stil des 18. Jahrhunderts.

Ein besonderes Highlight des Zimmers ist das Badekabinett, das von der Schwiegermutter Auguste Victorias, Kaiserin Victoria, um 1870 eingebaut wurde. Es enthält eine tiefe Zinkbadewanne, deren Wände mit Fliesen im Stil der Delfter Keramik verkleidet sind. Die Fliesen, jede mit einem einzigartigen Motiv, verleihen dem Raum einen Hauch von Luxus, auch wenn die genaue Herkunft der Manufaktur unbekannt ist. Besonders auffällig sind die Kristallknöpfe für die Wasserregulierung und eine kleine Klingel, mit der die Kaiserin das Dienstpersonal rufen konnte.

Hinter dem Badekabinett verbirgt sich eine unscheinbare, aber faszinierende Rückseite, die die einfache Installation des Kabinetts zeigt. Ein kleines Sprachrohr, über das die Kaiserin mit dem Personal kommunizieren konnte, sowie ein Ablagebrett sind dort zu finden.

Im Kellergeschoss des Neuen Palais befindet sich der Badeofen, der einst das Wasser für die Wanne der Kaiserin erwärmte. Eingefasst in Ziegelmauerwerk, das die Wärme speicherte, ermöglichte dieser Ofen der Kaiserin warmes Wasser im ersten Obergeschoss. Obwohl der Ofen heute etwas beschädigt ist, zeugt er von der ausgeklügelten Technik der damaligen Zeit.

Dieser Einblick in die Privaträume der Kaiserin Auguste Victoria verdeutlicht nicht nur den Alltag am preußischen Hof, sondern auch die fortschrittliche Ausstattung und den Luxus, der den Bewohnern des Neuen Palais zur Verfügung stand.

Ein ungleiches Duett im BSW: Katja Wolf und die allgegenwärtige Sahra Wagenknecht

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Katja Wolf, ehemalige Linken-Politikerin und nun Spitzenkandidatin des neu gegründeten Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), steht vor einer außergewöhnlichen politischen Herausforderung. Trotz ihrer Position als zentrale Figur des BSW in Thüringen wird der Wahlkampf weitgehend von Sahra Wagenknecht dominiert, die in der Öffentlichkeit als das Gesicht der Partei wahrgenommen wird. Dies führt dazu, dass Wolf, die eigentlich als Spitzenkandidatin im Mittelpunkt stehen sollte, häufig in den Hintergrund gedrängt wird.

Wagenknechts Präsenz ist so stark, dass viele Wähler nicht einmal den Namen der tatsächlichen Kandidatin in Thüringen kennen. Auf den Wahlplakaten, in den Medien und auf Veranstaltungen wird nahezu ausschließlich Wagenknecht präsentiert, obwohl sie selbst in Thüringen gar nicht zur Wahl steht. Dies hat zu der Wahrnehmung geführt, dass das BSW weniger eine Partei mit einem breiten politischen Programm und Kandidaten ist, sondern eher eine Ein-Mann-Show rund um Wagenknecht.

Wolf selbst hat betont, dass ihre Motivation, sich dem BSW anzuschließen, stark von der Sorge um die politische Entwicklung in Thüringen beeinflusst wurde, insbesondere durch den wachsenden Einfluss der AfD unter Björn Höcke. Sie hat in der Vergangenheit erklärt, dass sie es nicht ertragen könne, tatenlos zuzusehen, wie Höcke möglicherweise Ministerpräsident wird. Diese Ängste und ihre Entschlossenheit, etwas zu bewegen, trieben sie dazu, ihre bisherige Position als Bürgermeisterin von Eisenach aufzugeben und sich aktiv im Wahlkampf zu engagieren.

Trotz ihrer Bedenken und des persönlichen Einsatzes bleibt Wolf in der Öffentlichkeit weitgehend im Schatten von Wagenknecht. Dies wirft Fragen auf, wie nachhaltig und wirkungsvoll das BSW als neue politische Kraft in Deutschland sein kann, wenn es so stark auf eine einzelne Person zugeschnitten ist. Zudem stellt sich die Frage, ob das Bündnis in der Lage sein wird, eine kohärente politische Plattform zu bieten, die über Wagenknechts persönliche Popularität hinausgeht.

Die Situation um Katja Wolf und das BSW zeigt deutlich die Herausforderungen auf, denen neue politische Bewegungen gegenüberstehen, insbesondere wenn sie sich stark auf charismatische Einzelpersonen stützen. Die Zukunft wird zeigen, ob das BSW als politische Kraft bestehen kann oder ob es lediglich als kurzfristiges Phänomen in Erinnerung bleiben wird, das vor allem von der Person Sahra Wagenknecht lebt.

Die KZ-Gedenkstätten und die AfD

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AfD-Politiker fordern ein Ende des sogenannten „Schuldkults“ oder wie Björn Höcke einen radikalen Bruch in der Erinnerungskultur. Was bedeutet das für die Arbeit von KZ –Gedenkstätten wie Buchenwald und Mittelbau-Dora? Wie groß ist der Druck der AfD Thüringen auf den Direktor der Gedenkstätten? Wie die AfD mit der Erinnerung an Nationalsozialismus und DDR umgeht.

Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, beschreibt die Bedeutung der KZ-Gedenkstätten für das Erinnern an die NS-Verbrechen. Er zeigt das Gelände der Gedenkstätte Buchenwald, darunter den Lagerzoo der SS, der sich in Sichtweite des Krematoriums befand, und veranschaulicht so die Grausamkeit des NS-Regimes. Wagner ist besorgt über einen „erinnerungspolitischen Klimawandel“, der durch das Erstarken der AfD vorangetrieben wird. Er beobachtet eine Zunahme von Geschichtsrevisionismus und Anfeindungen, insbesondere in Form von Hass-E-Mails und provokativen Kommentaren auf Social Media.

Die AfD kritisiert die Arbeit der Gedenkstätten, bezeichnet sie als „Schuldkult“ und stellt geschichtsrevisionistische Positionen in den Vordergrund. Wagner äußert seine Sorge, dass die AfD die Arbeit der Gedenkstätten und die deutsche Erinnerungskultur generell frontal angreift. Er sieht in den parlamentarischen Anfragen der AfD, wie die nach Auflistung von Politikern, die in den Gedenkstätten sprachen, Versuche, die Arbeit der Gedenkstätte zu behindern und Misstrauen zu säen.

Wagner bleibt jedoch entschlossen, AfD-Vertreter von Gedenkveranstaltungen fernzuhalten, um die Würde der KZ-Überlebenden zu schützen und zu verhindern, dass geschichtsverfälschende Narrative legitimiert werden. Die AfD reagiert darauf mit weiteren Angriffen, wie der Forderung nach Wagners Entlassung. Wagner bleibt standhaft in seiner Überzeugung, dass die Erinnerung an den Holocaust zentral für die Demokratie in Deutschland ist.

Umfragen sehen die AfD vor den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen als stärkste Kraft. Eines der Themen, dass die in beiden Ländern als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei immer wieder politisch besetzt, ist der Umgang mit der deutschen Geschichte. Nationalsozialismus und Holocaust, DDR und friedliche Revolution – prägende Kapitel der deutschen Geschichte. Wie die AfD mit dieser Geschichte Politik macht, analysiert dieser Film.

Florian Schroeder trifft als Hakim Adell (Syrer und AfD-Anhänger) Björn Höcke

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Drei Tage vor der Landtagswahl in Thüringen begab sich Hakim Adell, ein in Deutschland lebender Syrer und AfD-Anhänger, nach Nordhausen, um sich mit Björn Höcke zu treffen. Adell, der in seinem Gespräch Höcke höflich ansprach und ihm sein Buch über Immigranten präsentierte, wollte insbesondere wissen, warum er als AfD-Wähler von Linken als Nazi bezeichnet wird. Höcke wies auf mangelnde Bildung hin und kritisierte die von ihm als hysterisch empfundenen Reaktionen der Linken.

Adell stellte die Frage, ob die Wahl in Thüringen möglicherweise manipuliert werden könnte, ähnlich wie in den USA, wo Wahlmanipulationen vermutet werden. Er riet dazu, beim Wahlprozess aufmerksam zu sein und die Auszählungen genau zu beobachten. Besonders besorgniserregend seien ihm die Berichte über vermeintliche Wahlmanipulationen in Altenheimen.

Höcke verteidigte die AfD und die Vorstellung einer „robusten“ Polizei, die nach seinen Vorstellungen härter durchgreifen sollte. Er brachte auch das kontroverse Thema auf, ob man von anderen Ländern lernen könnte, um härter gegen soziale Probleme vorzugehen, was Adell als problematisch ansah.

In der Diskussion über die Rolle der Polizei und den Umgang mit Flüchtlingen kam es zu bemerkenswerten Äußerungen über ein „robustes Mandat“ für die Polizei, was als Vorschlag für eine drastische Verschärfung der Polizeiarbeit interpretiert werden kann. Die Ansichten über die Kultur und Integration wurden als rückwärtsgewandt und extrem betrachtet, wobei Höcke und die AfD für eine striktere Einwanderungspolitik und eine konservative Werteauffassung plädierten.

Abschließend warnte Adell, dass die AfD möglicherweise im Falle eines schlechteren Wahlergebnisses als erwartet, Wahlfälschungen behaupten könnte. Das Gespräch und die Beobachtungen zeigen eine klare Positionierung Höckes und der AfD, die in der Wahlkampagne auf eine konservative Agenda setzt und die eigene Sichtweise als Lösung für gesellschaftliche Probleme propagiert.

DDR Historiker Kowalczuk über AfD, BSW und die Sehnsucht nach der Vergangenheit

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Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk sei nicht wütend, aber „sehr besorgt“ über die Lage der Demokratie vor allem in Ostdeutschland. Er beobachtet eine Transformationsmüdigkeit in Ostdeutschland und eine Sehnsucht nach der Vergangenheit, die von Populisten bedient werde.

Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung des Gespräches. Für die ausführlichen Antworten einfach das Video anschauen!

Moderatorin: Guten Abend, Herr Kowalschuck. Schön, dass Sie bei uns sind. In der Rezension Ihres neuen Buches wird viel von Zorn gesprochen. Stimmen Sie dem zu? Hat ein Wutbürger ein Buch geschrieben?

Ilko Sascha Kowalschuck: Guten Abend. Ich bin nicht zornig oder wütend, aber ich bin sehr besorgt. Meine Sorge gilt der Zukunft von Demokratie und Freiheit in Deutschland, insbesondere in Ostdeutschland. Diese Besorgnis treibt mich an, mein engagiertes Buch zu schreiben.

Moderatorin: Eine Ihrer Grundthesen ist, dass die höhere Zustimmungsrate zu autoritär gesinnten Parteien im Osten nicht nur durch die Traumata der Wiedervereinigung erklärt werden kann, sondern tiefer geht. Sie argumentieren, dass der Ruf nach einem starken Staat und autoritären Systemen in Ostdeutschland weit verbreitet ist. Warum ist das so?

Ilko Sascha Kowalschuck: Die gemeinsame Klammer der AfD und der BSW liegt in ihrer Vorstellung eines autoritären Staates. Es ist kein Zufall, dass diese Parteien eng mit dem autokratischen Regime in Russland verbunden sind. Der Ruf nach einem starken Staat ist seit 1990 in Ostdeutschland konstant geblieben. Dies ist erstaunlich, weil man erwarten würde, dass Menschen, die unter einem autoritären Regime lebten, gerade das nicht mehr wollen. Doch viele Menschen haben die DDR nicht als Diktatur wahrgenommen. Diese Wahrnehmung hat sich über die Jahre hinweg als Mythos herausgestellt.

Moderatorin: Es gibt ja auch andere ostdeutsche Stimmen, die eine Debatte über die spezifischen Herausforderungen und Eigenheiten der Region führen. Wie nehmen Sie diese Ost-Ost-Debatte wahr?

Ilko Sascha Kowalschuck: Die Ost-Ost-Debatte gibt es seit 1990, und sie wird oft nicht in größerem Maße wahrgenommen, weil sie als Ost-Ost-Debatte betrachtet wird. Doch sie ist auch eine Ost-West-Debatte. Am Ende geht es um eine Diskussion zwischen Befürwortern der repräsentativen Demokratie und ihren Gegnern.

Moderatorin: Im Westen konnte man nach 1990 relativ ungestört weitermachen, während im Osten vieles zusammenbrach. Einige Ostdeutsche fühlen sich bis heute benachteiligt oder diskriminiert. Dirk Oschmann spricht von einer Erfindung des Ostens durch den Westen. Hat er damit einen Punkt?

Ilko Sascha Kowalschuck: Der Ton in Oschmanns Buch ist neu, doch die Inhalte wurden bereits in vielen erfolgreichen Büchern analysiert. Die sozialen Ungerechtigkeiten nach der Wiedervereinigung sind unbestreitbar, aber das berechtigt nicht, extremistische Parteien zu wählen. Was wir beobachten, ist eine Kombination aus Transformationsmüdigkeit und der Überlagerung durch die digitale Revolution. Diese Überforderung führt dazu, dass Menschen sich zurücksehnen und Populisten den Eindruck vermitteln, dass sie die goldene Vergangenheit zurückbringen können.

Moderatorin: Das ist ein weitreichendes Thema. Leider müssen wir für heute Schluss machen. Ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch, Herr Kowalschuck.

Ilko Sascha Kowalschuck: Ich danke Ihnen auch, Frau Slom.

Einblick in die Missstände der Deutschen Reichsbahn im Jahr 1989

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1989 wird die Deutsche Reichsbahn von der Arbeiter- und Bauerninspektion (ABI) und der Redaktion Prisma unter die Lupe genommen. Dieser Fernsehbericht des DDR-Fernsehsehens zeigt deutliche Unterschiede in der Qualität der Züge.

In dem aufschlussreichen Video aus dem Jahr 1989, das von der Arbeiter- und Bauerninspektion (ABI) und der Redaktion Prisma produziert wurde, wird die Qualität der Züge der Deutschen Reichsbahn unter die Lupe genommen. Die Kameras begleiten eine Reise durch das DDR-Bahnnetz und zeigen eindrucksvoll die Unterschiede in der Qualität der Waggons.

Der Beitrag beginnt in Berlin, wo der erste Eindruck der Züge alles andere als makellos ist. Während einige Waggons in einem hervorragenden Zustand sind, offenbaren andere gravierende Mängel. Die Reisenden erleben eine Reise, die von verschmutzten Abteilen, kaputten Anzeigen und fehlenden Durchsagen geprägt ist. Besonders besorgniserregend ist, dass Schäden, die auf einer Schadliste vermerkt sind, oft monatelang unbeachtet bleiben. Ein Beispiel: Die defekten Anzeigen an den Zügen, die die Passagiere über den Fahrtrichtungswechsel informieren sollten, sind entweder ausgefallen oder können nicht aktualisiert werden.

Auch am Fernbahnhof Lichtenberg zeigt sich die Reinigungsqualität als mangelhaft. Der Warteraum ist in einem schlechten Zustand, und die Reinigungsbrigaden scheinen ihre Aufgaben nicht vollständig erfüllt zu haben. Die Abfallbehälter in den Zügen sind übervoll, und die Wasserversorgung in den Waschbecken ist nicht vorhanden. Ein Mitarbeiter der Reinigungsbrigade hat anscheinend seine Aufgabe vernachlässigt, was die Situation weiter verschärft.

Das Video dokumentiert auch gut die Mängel bei der Verpflegung. Im Mitropa-Waggon sind die angebotenen Getränke spärlich und die Passagiere müssen sich häufig nach dem Selters erkundigen. Der Bericht hebt hervor, dass es bei den Zugfahrten immer wieder zu längeren Wartezeiten kommt, ohne dass die Reisenden über die Gründe informiert werden.

Der Bericht bringt die Probleme ans Licht und erregt Aufmerksamkeit beim Stellvertreter des Ministers für Verkehrswesen, Herbert Kaeddi. Nachdem Kaeddi von den im Bericht dokumentierten Missständen erfährt, übt er Selbstkritik und zieht Konsequenzen. Er erklärt, dass die Probleme nicht nur durch technische Defekte, sondern auch durch unzureichende Anleitung und Kontrolle verschärft werden. Kaeddi verspricht, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation zu verbessern.

Der Beitrag endet mit der Rückkehr nach Berlin und einem klaren Fazit: Die dokumentierten Mängel spiegeln die Kritik wider, die im Fernsehbericht geäußert wurde. Trotz der Bemühungen um Verbesserungen bleibt die Realität eines oft unzureichend funktionierenden Systems spürbar. Das Video verdeutlicht eindringlich, wie wichtig es ist, sowohl technische als auch menschliche Fehler zu beheben, um den Reisenden einen besseren Service zu bieten.

Görlitz und Zittau tragen nun auch offiziell den Namen „Hochschulstadt“

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Seit vorigem Mittwoch könnte auf Ortsschildern von Görlitz und Zittau das Wort Hochschulstadt stehen, denn diese beiden Städte dürfen sich jetzt ganz offiziell so nennen. Das darf künftig auch auf den Ortseingangsschildern stehen. Bis zur technischen Realisierung wird es zwar noch etwas dauern, aber amtlich ist es. Ministerpräsident Michael Kretschmer brachte einen Bescheid des Sächsischen Staatsministerium des Innern mit nach Görlitz, in dem das bescheinigt wird, was Ende März beide Stadträte gleichlautend beschlossen hatten. Ende März hatten beide Stadträte einstimmige Beschlüsse gefasst, um diesen Status zu beantragen. Für Alexander Kratsch, den Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, war dies ein besonders erfreuliches Geburtstagsgeschenk.

Bei der feierlichen Bekanntgabe der neuen Ortsschilder waren auch weitere Politiker und Wissenschaftler aus Deutschland und Tschechien anwesend, die für das deutsch-tschechische Energieforum angereist waren. In einer Tagungspause äußerten sich die beiden Oberbürgermeister Thomas Zenker aus Zittau und Oktavian Urso aus Görlitz zu diesem Ereignis. Zenker bezeichnete den Titel als ein starkes und wichtiges Signal für die Region. Die Neisse, die Bahnstrecke und die B9 verbinden die beiden Städte, und die Hochschule Zittau/Görlitz sowie das Theater in Zittau spielen eine zentrale Rolle. Vor etwa einem Jahr hatte Kratsch das Thema erstmals angesprochen, und seitdem wurden die entsprechenden Gesetzesänderungen genutzt, um diesen Schritt zu vollziehen.

Oktavian Urso ergänzte, dass die Auszeichnung als Hochschulstadt ein bedeutender Schritt sei, um Zittau und Görlitz als Hochschulstandorte weiter zu etablieren und junge Menschen zu ermutigen, in die Region zu kommen. Die Initiative ging vor allem von Professor Kratsch aus, der zusammen mit den Oberbürgermeistern die Beschlussanträge für die Stadträte vorbereitet hatte.

Rektor Kratsch äußerte sich zufrieden über die Entwicklungen und hob hervor, dass die Region sich als wissenschaftlicher und Forschungsstandort weiter etabliert hat. Die Hochschule Zittau/Görlitz spielt eine bedeutende Rolle im Energiesektor und trägt zur Entwicklung des Dreiländerecks bei, das als Vorreiter in der Euroregion gilt.

Willi Zulander, ehemaliger Direktor des Senckenbergmuseums in Görlitz, der sich seit über 25 Jahren für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft engagiert, lobte ebenfalls die Verleihung des Titels. Er hatte bereits vor vielen Jahren angeregt, Görlitz den Titel Universitätsstadt zu verleihen. Zulander betonte, dass dieser Titel nicht nur die Bedeutung der Hochschule reflektiert, sondern auch die Kooperation mit Hochschulstandorten in Polen und Tschechien unterstreicht. Er würdigte die Region als bedeutenden Wissenschaftsstandort, der durch neue Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Astrophysik und andere innovative Institute weiter wächst.