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AfD und BSW: Erfolgsgeheimnisse und junge Wähler im Osten Deutschlands

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In Thüringen und Sachsen haben die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei den Landtagswahlen beachtliche Ergebnisse erzielt: über 48 Prozent der Stimmen in Thüringen und 42 Prozent in Sachsen. Diese Ergebnisse werfen zentrale Fragen auf: Wurde aus Protest gegen die Ampel-Regierung gewählt, aus allgemeiner Unzufriedenheit oder aus Überzeugung? In der Diskussionsrunde „Mitreden! Deutschland diskutiert“ wurden die Erfahrungen aus der DDR-Zeit und den Wendejahren thematisiert, die möglicherweise zu einem distanzierten Verhältnis der Ostdeutschen gegenüber den „West“-Parteien beigetragen haben könnten. Der Soziologe Steffen Mau schlägt vor, alternative Demokratieformen wie Bürgerräte auszuprobieren, um die Bürger stärker einzubeziehen und mehr Teilhabe zu ermöglichen.

Moderatorin Doreen Jonas begrüßte als Gäste: (siehe Video oben)

Prof. Oliver Decker
Soziologe und Extremismus-Forscher an der Universität Leipzig

Malte Pieper
MDR-Journalist, Host des erfolgreichen Podcasts „Wahlkreis Ost

Lukas Rietzschel
Autor und Dramatiker, „Raumfahrer“, „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Die AfD hat sich mittlerweile von ihrer ursprünglichen Rolle als Partei frustrierter älterer Männer entfernt und gewinnt zunehmend junge Wähler. Besonders auffällig ist der hohe Zuspruch bei der Jugend: In Sachsen wählte jeder dritte 18- bis 24-Jährige die AfD, in Thüringen waren es vier von zehn. Die Attraktivität der AfD für junge Menschen könnte durch ihre Präsenz in sozialen Medien und ihre Betonung nationaler Themen erklärt werden, bei denen Vielfalt oft außen vor bleibt.

Das BSW, unter der Leitung von Sahra Wagenknecht, hat sich ebenfalls als bedeutender Akteur etabliert. Ihre Partei setzt auf soziale Gerechtigkeit, eine restriktivere Migrationspolitik und Friedensappelle und hat Wähler aus verschiedenen politischen Lagern angesprochen. Der Autor Lukas Rietzschel kritisiert, dass das „Warum?“ der Wahlentscheidung oft nicht ausreichend hinterfragt wird und fordert eine tiefere inhaltliche Auseinandersetzung mit den politischen Problemen. Rietzschel betont, dass Politiker im Osten ihrer Regierungsverantwortung nachkommen sollten, anstatt populistische Stimmungen zu bedienen.

Wetterwechsel bringt Entspannung am Brocken – War es Brandstiftung?

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Am dritten Tag des Großbrands am Brocken kämpfen die Einsatzkräfte weiterhin gegen die Flammen. Mehrere Hubschrauber und Löschflugzeuge sind im Einsatz und bringen im 20-Minuten-Takt rund 10.000 Liter Wasser auf das betroffene Gebiet. Die Löscharbeiten aus der Luft werden mit Einbruch der Dunkelheit eingestellt, doch die Situation ist mittlerweile unter Kontrolle. Am folgenden Tag sollen die Einsatzkräfte am Boden nach verbleibenden Glutnestern suchen, um das Feuer endgültig zu löschen.

Zahlreiche Menschen beobachten den Kampf gegen die Flammen aus sicherer Entfernung und loben die Arbeit der Einsatzkräfte. Eine Zuschauerin berichtet: „Die machen das richtig gut. Die Bedingungen sind schwierig, der See ist klein und das Manövrieren der Hubschrauber unter den Bedingungen ist Stress für die Piloten.“ Die Hoffnung liegt nun auf dem angekündigten Regen, der in der Nacht die letzten Glutnester ersticken könnte.

Während der Brand allmählich eingedämmt wird, konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Ursache des Feuers. Brandstiftung wird dabei nicht ausgeschlossen. Der Kreisbrandmeister erklärt, dass Videomaterial gesichert wurde, das den Ausbruch des Feuers an sechs weit voneinander entfernten Stellen belegt. „Das muss da irgendwie hingekommen sein“, sagt er, was die Vermutung der Brandstiftung unterstützt. Die Polizei hat bereits Ermittlungen aufgenommen, doch vor Ort müssen zunächst alle Glutnester beseitigt werden, bevor eine umfassende Untersuchung möglich ist.

Reporter Jan Fragel berichtet vor Ort über die aktuelle Lage. Der langersehnte Regen setzte gegen 18 Uhr ein und hat den Einsatzkräften maßgeblich geholfen. Fünf Hubschrauber und vier Löschflugzeuge waren im Einsatz, koordiniert durch sorgfältige Planung und Absprachen. Dank der erfolgreichen Löschaktionen sind fast alle Glutnester bereits gelöscht, auch wenn noch vereinzelte Rauchschwaden aufsteigen. Die Löscharbeiten gehen am nächsten Tag weiter, während die Polizei nach der genauen Brandursache forscht. Obwohl verschiedene Theorien im Raum stehen, sind die Einsatzkräfte zuversichtlich, das Feuer endgültig unter Kontrolle zu halten.

Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit“ (1986): Ein filmisches Portrait

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Der DEFA-Spielfilm „Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit“ aus dem Jahr 1986, unter der Regie von Peter Schamoni, ist ein bedeutendes Werk des deutschen Films, das sich mit dem Leben und Werk des berühmten romantischen Malers Caspar David Friedrich auseinandersetzt.

Der Film ist eine biografische Darstellung, die sich intensiv mit der Person Friedrichs und seinen künstlerischen Visionen beschäftigt. Caspar David Friedrich, der im 19. Jahrhundert lebte, ist bekannt für seine beeindruckenden Landschaftsgemälde, die die unberührte Natur und die menschliche Existenz in einem tiefen, melancholischen Licht darstellen. Der Film von Schamoni versucht, nicht nur das äußere Leben des Künstlers, sondern auch seine inneren Konflikte und kreativen Prozesse zu beleuchten.

Handlung und Darstellung
„Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit“ folgt dem Leben des Malers von seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Der Film zeigt die Herausforderungen und Hindernisse, mit denen Friedrich konfrontiert war, sowohl in seinem persönlichen Leben als auch in seiner Karriere. Er porträtiert seine Kämpfe mit der Zeit und den gesellschaftlichen Normen sowie seine unerschütterliche Hingabe an seine Kunst. Die Darstellung des Malers ist vielschichtig und versucht, sowohl seine künstlerische Brillanz als auch seine emotionalen und psychologischen Schwierigkeiten nachzuvollziehen.

Ein zentraler Aspekt des Films ist die Erkundung von Friedrichs tiefem Verhältnis zur Natur und seine Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Lebens und des Daseins. Der Film zeigt, wie Friedrich seine Landschaften nicht nur als natürliche Phänomene, sondern als Ausdruck seiner inneren Welt verstand. Diese emotionale Tiefe und das Streben nach dem Erhabenem sind zentrale Themen, die im Film besonders betont werden.

Visuelle und stilistische Merkmale
Peter Schamoni, bekannt für seinen präzisen und ästhetisch anspruchsvollen Stil, bringt im Film visuelle Elemente ein, die den Charakter von Friedrichs Gemälden widerspiegeln. Die Nutzung von Licht und Schatten, die Komposition der Bilder und die Farbgestaltung sind so gewählt, dass sie die Atmosphäre und den visuellen Stil von Friedrichs Arbeiten nachahmen. Dies schafft eine authentische Verbindung zwischen dem Film und der Kunst des Malers.

Rezeption und Bedeutung
Der Film wurde für seine respektvolle und detaillierte Auseinandersetzung mit Caspar David Friedrich gelobt. Er bietet nicht nur eine historische Biografie, sondern auch eine tiefere Reflexion über die Bedeutung von Kunst und den kreativen Prozess. „Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit“ stellt eine wertvolle Ergänzung zum Verständnis des romantischen Malers und seiner epochemachenden Arbeiten dar und bewahrt seine künstlerische Vision in einem filmischen Medium.

Kinder- und Jugendförderung in der DDR (1967): Kinder-Kader-Kombinate

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Im Jahr 1967 nahm die Erziehung und Förderung von Kindern und Jugendlichen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) eine zentrale Rolle im sozialistischen Bildungs- und Erziehungssystem ein. Die DDR strebte an, eine sozialistische Persönlichkeit zu formen, die sich aktiv in den Aufbau des Sozialismus einbringt. Ein bedeutendes Konzept in diesem Zusammenhang war das der „Kinder-Kader-Kombinate“, das speziell auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen abzielte.

Die Kinder-Kader-Kombinate waren spezielle Organisationen, die darauf abzielten, eine solide Grundlage für die sozialistische Erziehung zu schaffen. Diese Kombinate wurden als wesentliche Instrumente zur frühzeitigen Prägung und Förderung junger Menschen verstanden. Sie sollten sicherstellen, dass Kinder bereits in jungen Jahren die Werte und Ideale des Sozialismus verinnerlichten und sich aktiv in die Gesellschaft einbrachten.

Struktur und Ziele:

Die Kinder-Kader-Kombinate waren in der Regel in Schulen oder Freizeitstätten integriert und arbeiteten eng mit den bestehenden Jugendorganisationen zusammen. Ihr Ziel war es, die Kinder systematisch zu fördern und sie auf zukünftige Aufgaben als sozialistische Bürger vorzubereiten. Die Erziehung umfasste sowohl schulische als auch außerschulische Aktivitäten. Besondere Bedeutung wurde dabei der politischen und ideologischen Bildung beigemessen.

In den Kombinaten wurden verschiedene Programme und Aktivitäten angeboten, die darauf abzielten, ein Bewusstsein für sozialistische Werte zu schaffen und die Entwicklung sozialer Kompetenzen zu fördern. Dazu gehörten politisch-bildende Veranstaltungen, Sport- und Freizeitaktivitäten sowie praktische Aufgaben, die den Kindern helfen sollten, Verantwortung und Teamarbeit zu lernen.

Einfluss auf die Jugenderziehung:

Die Kinder-Kader-Kombinate trugen maßgeblich dazu bei, das Erziehungssystem der DDR zu prägen. Sie dienten nicht nur der Förderung individueller Talente, sondern auch der Sicherstellung, dass die Jugend frühzeitig in die sozialistische Ideologie eingeführt wurde. Durch gezielte Bildungsmaßnahmen und praktische Erfahrungen sollten die Kinder auf ihre Rolle in der sozialistischen Gesellschaft vorbereitet werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kinder-Kader-Kombinate ein wesentlicher Bestandteil der sozialistischen Erziehung in der DDR waren. Sie spiegelten das Bestreben wider, eine generationenübergreifende Kontinuität der sozialistischen Werte sicherzustellen und die Jugend gezielt auf ihre zukünftigen Aufgaben in der Gesellschaft vorzubereiten.

Schulkunst im Denkmal: Kreative Visionen für Eisenhüttenstadts Gesamtschule

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Die Gesamtschule 3 mit gymnasialer Oberstufe in Eisenhüttenstadt ist ein einzigartiges Beispiel für die Verbindung von historischem Erbe und moderner Bildung. Der 1957 errichtete Schulkomplex ist als Einzeldenkmal innerhalb des Flächendenkmals Eisenhüttenstadt anerkannt, was spezielle Anforderungen an seine Sanierung und Erweiterung stellt. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die Schule nicht nur ihre bauliche Substanz erhalten, sondern auch den wachsenden Anforderungen an den Bildungsbetrieb gerecht werden muss.

Im Jahr 2015 stellte die Schule fest, dass bestimmte räumliche und funktionale Vorgaben nicht mehr erfüllt werden konnten. Insbesondere fehlten geeignete Räume, die modernen pädagogischen Konzepten wie der Gruppenarbeit gerecht werden. Zudem zeigte sich, dass der Hausmeister unter verbesserten Bedingungen arbeiten sollte. Diese Erkenntnisse führten 2018 zur Antragstellung für eine Erweiterung des Schulgebäudes. Was zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht absehbar war, war das starke Wachstum der Schule. Mittlerweile lernen dort über 750 Schülerinnen und Schüler, unterstützt von einem engagierten Kollegium, das aus acht Lehrkräften besteht.

Die geplante Erweiterung stellt eine besondere Herausforderung dar. Einerseits soll ein moderner und nachhaltiger Bau entstehen, andererseits müssen die Planer die Denkmalschutzvorgaben berücksichtigen. Diese Balance zu finden, ist keine leichte Aufgabe, zumal die Erweiterung auch den Spagat zwischen Denkmalschutz und Kunst am Bau schaffen muss. Kunst am Bau ist ein wichtiger Bestandteil zeitgemäßer Schulneubauten, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend sein sollen. Ziel ist es, mindestens den Bronze-Status als zertifizierter nachhaltiger Bau zu erreichen.

Ein wesentliches Element des Erweiterungsprojekts ist die Einbindung der Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung des neuen Gebäudes. In Zusammenarbeit mit dem Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt entwickelten sie während einer Sommerkunstschule zahlreiche kreative Ideen für die künstlerische Gestaltung der Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus. Diese bietet mit ihren 12 Quadratmetern Fläche ideale Voraussetzungen für die Umsetzung von Kunst am Bau. Bereits 1957, als die Schule von Otto Lopau entworfen wurde, spielten künstlerische Elemente wie Mosaiken, Wandbilder und Brunnen eine wichtige Rolle im Schulkomplex. Diese Tradition soll nun fortgeführt werden.

Unter dem Motto „Ein Wandbild macht Schule“ entwickelten die Schülerinnen und Schüler in drei Workshops verschiedene Ideen, die teilweise technisch anspruchsvoll sind. Eine Herausforderung bestand beispielsweise darin, den Tanz auf eine Wand zu bringen. Hierzu wurden interaktive Elemente diskutiert, wie die Integration von Monitoren, auf denen Aufnahmen abgespielt werden können, sowie die Möglichkeit, abstrakte Formen und Klanginstallationen zu kombinieren.

In einem anderen Workshop entstand die Idee, Keramikfliesen zu verwenden, die interaktive Klänge erzeugen können. Diese Fliesen sollen elektronisch verstärkt werden, sodass sie beim Anschlagen Töne erzeugen, die sich zu Rhythmen und Klangcollagen verbinden lassen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten auch daran, eine visuelle Sprache für diese Klänge zu entwickeln, sodass die entstandenen Melodien und Rhythmen reproduziert werden können. Neben der technischen Umsetzung lag der Fokus auch auf der künstlerischen Gestaltung der Wand. In einem weiteren Workshop unter der Leitung von Tim Köhler wurden verschiedene Kunstrichtungen erforscht, die als Inspiration für das Wandbild dienen sollen. Graffiti-Art, Mural-Art und Einflüsse aus der lateinamerikanischen Kunst sowie moderne Kunst und die Lebenswelt der Teenager wurden miteinander kombiniert, um ein einzigartiges Wandbild zu schaffen.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Gestaltung der Schule ermöglichte den Schülerinnen und Schülern nicht nur einen kreativen Ausdruck, sondern auch eine tiefergehende Beschäftigung mit der Geschichte ihrer Schule. Sie lernten, die Vergangenheit zu schätzen und gleichzeitig ihre Visionen für die Zukunft einzubringen. Auch wenn nicht alle Ideen umgesetzt werden können, ist der Prozess selbst von unschätzbarem Wert. Er zeigt, dass die Gesamtschule 3 nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der kreativen Entfaltung und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist.

Wie die endgültige Gestaltung der Wand aussehen wird, bleibt spannend. Die Ergebnisse der Sommerkunstschule bieten jedoch einen faszinierenden Ausblick auf die zukünftige Verbindung von Kunst, Geschichte und Bildung an dieser besonderen Schule. Die kreativen Impulse der Schülerinnen und Schüler werden sicherlich dazu beitragen, das architektonische Erbe der Schule mit der modernen Schulkultur in Einklang zu bringen. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Überraschungen die nächste Sommerkunstschule bereithalten wird und wie sich die Schule weiterentwickeln wird, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Spremberg: Einwohnerversammlung Windkraftanlagen im Stadtwald

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Das Thema der geplanten Errichtung von 13 neuen Windenergieanlagen im Stadtwald von Spremberg beschäftigt die Einwohner der Stadt zutiefst. Dies wurde insbesondere durch eine Einwohnerantrag des Naturschutzvereins „Natura Spremberg“ verdeutlicht, der forderte, dass die Bürger umfassend über die Risiken und Auswirkungen des Projekts informiert werden sollten. Innerhalb kürzester Zeit sammelten die Initiatoren des Antrags über 1.800 Unterschriften, was die Dringlichkeit des Anliegens unterstrich. Infolgedessen fand am 3. September eine Einwohnerversammlung auf der Spremberger Freilichtbühne statt, zu der sich etwa 1.750 Personen einfanden, um sich über das Vorhaben und dessen potenzielle Folgen zu informieren.

Die Versammlung wurde von Kai Uwe Reiper, dem Vorsitzenden des Naturschutzvereins, eröffnet, der die Motivation hinter dem Einwohnerantrag erläuterte. Der Verein hatte sich intensiv mit der Brandenburger Kommunalverfassung beschäftigt und nach zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen im Stadtwald und auf politischer Ebene den Antrag im März 2023 eingereicht. Trotz vieler Gespräche auf politischer Ebene, unter anderem mit Vertretern der Landesregierung und verschiedenen Abgeordneten, hatten die Initiatoren das Gefühl, nicht ausreichend gehört zu werden. Dies sei auch der Grund, warum die Einwohnerversammlung letztlich notwendig wurde.

Während der Veranstaltung wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Bau der Windkraftanlagen erläutert. Bürgermeisterin Christine Herera sowie weitere Vertreter der Stadt und der Stadtwerke Spremberg erklärten, dass Windenergieanlagen als privilegierte Vorhaben im Außenbereich errichtet werden dürfen, wie es das Baugesetzbuch vorsieht. Seit letztem Jahr haben diese Anlagen zudem den Status von Vorhaben von überragendem öffentlichen Interesse, was ihnen einen erheblichen Vorrang gegenüber anderen Interessen, wie dem Landschaftsschutz, einräumt. Diese rechtlichen Vorgaben wurden in der Versammlung mehrfach betont, ebenso wie die Tatsache, dass die Stadt versucht, innerhalb dieser Vorgaben das Beste für die Bürger zu erreichen.

Im Stadtgebiet Spremberg wurden verschiedene Flächen hinsichtlich ihrer Eignung für Windkraftanlagen untersucht. Dabei kristallisierten sich vier Konzentrationszonen als besonders geeignet heraus. Die Fläche, die im Fokus der aktuellen Planungen steht, umfasst 362 Hektar und liegt in der Nähe des Industrieparks Schwarze Pumpe. Hier sollen 13 Windräder errichtet werden, von denen 25 % der erzeugten Energie direkt in das Stromnetz der Stadt eingespeist werden sollen. Die dafür benötigte Fläche umfasst insgesamt 23 Hektar, was etwa 1,8 % des Stadtwaldes ausmacht.

Trotz der umfangreichen Präsentationen und Erklärungen blieben viele Fragen offen, insbesondere hinsichtlich der ökologischen Folgen des Projekts. Ein zentrales Anliegen vieler Anwesender war der Schutz des Trinkwassers und des ökologischen Gleichgewichts im Stadtwald. Ein Mitglied des NABU-Regionalverbands äußerte die Sorge, dass durch den Bau der Windkraftanlagen seltene Pflanzen- und Tierarten sowie wichtige Wasserschutzgebiete gefährdet werden könnten. Besonders kritisch wurde die Verwendung von SF6, einem stark klimaschädlichen Gas, das in den Schaltanlagen der Windräder zum Einsatz kommt, diskutiert. Obwohl das Gas nicht giftig ist, ist es 22.800-mal klimaschädlicher als CO2 und hat eine sehr lange Verweildauer in der Atmosphäre. Die Vertreter der Stadtwerke betonten, dass sie sich der Problematik bewusst sind und hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen würden, um Umwelt und Menschen zu schützen.

Am Ende der Veranstaltung wurde deutlich, dass viele Bürger weiterhin besorgt über die möglichen Auswirkungen der Windkraftanlagen auf die Umwelt und die Lebensqualität in Spremberg sind. Trotz der umfassenden Information blieben zahlreiche Fragen unbeantwortet, und viele Teilnehmer verließen die Versammlung mit gemischten Gefühlen. Die Diskussion um die Windkraftanlagen wird in Spremberg sicherlich noch weitergehen, da das Thema für die Zukunft der Stadt und ihrer Bewohner von großer Bedeutung ist.

Gelebte Geschichte: Videointerview mit Rainer Eichhorn

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Rainer Eichhorn, geboren am 13. Oktober 1950 in Zwickau, hat sein ganzes Leben in dieser Stadt verbracht und ist bis heute tief in ihrer Geschichte verwurzelt. Seine Lebensgeschichte ist geprägt von seiner Treue zur Kirche und seiner Entscheidung, trotz des Drucks in der DDR, ein geradliniges und christliches Leben zu führen. Diese Werte prägten seine Jugend und seine Entscheidungen, sich weder der Pionierorganisation noch der Jugendweihe anzuschließen. Stattdessen entschied er sich für die Konfirmation, obwohl dies in der DDR oft mit Nachteilen verbunden war.

Trotz dieser Herausforderungen gelang es Eichhorn, die Erweiterte Oberschule zu besuchen, was für Nicht-Pioniere und Nicht-Jugendgeweihte alles andere als selbstverständlich war. Er sah es als seine Pflicht an, sich in dieser privilegierten Position als Christ zu bewähren, ohne dabei angreifbar zu werden. Er lebte nach dem Bibelwort „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“, wobei er sich innerlich immer treu blieb und den staatlichen Anforderungen nur äußerlich nachkam, ohne seine Prinzipien zu verraten.

Eichhorns Bild von der DDR ist differenziert. Er betrachtet die DDR weder durch eine nostalgische rosarote Brille noch als ein reines Schreckensregime. Vielmehr sieht er die vielen Grautöne, die sowohl positive als auch negative Aspekte beinhalteten. Er betont, wie wichtig es ist, diese differenzierte Sichtweise an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben, damit sie die DDR nicht einseitig verklären oder verteufeln.

Während der Friedlichen Revolution und am Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 spielte Eichhorn keine aktive Rolle. Obwohl er seit seinem 19. Lebensjahr Mitglied der DDR-CDU war, fühlte er sich in diesen bewegten Zeiten eher als Beobachter denn als Akteur. Am Tag des Mauerfalls entschied er sich bewusst, nicht in den Westen zu fahren, obwohl er die Gelegenheit gehabt hätte. Stattdessen besuchte er eine der ersten großen Montagsdemonstrationen auf dem Zwickauer Hauptmarkt, wo er emotional berührt war, da er die Unsicherheit und die Ungewissheit der Menschen spürte, die zwar Veränderung wollten, aber nicht wussten, wohin diese führen sollte.

Die Transformationszeit nach 1990 bedeutete für Eichhorn, wie für viele andere Menschen in den neuen Bundesländern, tiefgreifende Veränderungen. Er bewundert die Menschen, die es geschafft haben, trotz großer Herausforderungen neuen Lebensmut zu fassen. Besonders wichtig war ihm, den neu gewählten Stadtverordneten klarzumachen, dass Politik mehr ist als öffentliche Reden. Sie mussten lernen, dass echte politische Arbeit auch hinter den Kulissen stattfindet, wo Lösungen in oft mühsamen Diskussionen erarbeitet werden müssen. Ebenso stellte die Umstrukturierung der Verwaltung eine große Herausforderung dar, bei der Eichhorn von seiner Erfahrung als Architekt profitieren konnte. Er wusste, dass es wichtig ist, vorausschauend zu planen, um den Wandel zu meistern.

Heute ist Eichhorn in der Zeitzeugenarbeit aktiv, die ihm sehr am Herzen liegt. Er sieht es als seine Aufgabe an, den nachfolgenden Generationen ein realistisches Bild der DDR zu vermitteln. Bereits in den 1990er Jahren reiste er regelmäßig in die alten Bundesländer, um dort über die Geschichte der DDR zu sprechen und Brücken zwischen den unterschiedlichen Erfahrungen in Ost und West zu bauen. Für Eichhorn ist es wichtig, dass die heutige und zukünftige Generationen aus erster Hand erfahren können, wie das Leben in der DDR wirklich war, um ein umfassendes Verständnis der gemeinsamen deutschen Geschichte zu entwickeln.

Gelebte Geschichte: Videointerview mit Peter Neumann

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Peter Neumann, geboren am 12. März 1955 in Berlin-Weißensee (damals Hohenschönhausen), blickt auf ein bewegtes Leben zurück, das stark von den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen in der DDR und der Wiedervereinigung geprägt ist. Bereits als Kind erlebte er die Teilung Berlins hautnah: Während des Mauerbaus im August 1961 befand er sich bei seiner Großmutter in West-Berlin, während seine Eltern im Osten lebten. Diese Erfahrung prägte seine Sicht auf die deutsch-deutsche Teilung und die darauffolgenden Entwicklungen.

In der Schule wurde schnell klar, dass ein Abitur für ihn nicht infrage kam, da er und seine Familie sich entschieden hatten, nicht der FDJ (Freie Deutsche Jugend) beizutreten. Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, sich beruflich zu entfalten. Er begann eine Facharbeiterausbildung und arbeitete später in einem Betonwerk. Trotz der begrenzten Möglichkeiten in der DDR fand er Wege, sich aktiv zu engagieren, insbesondere im Bereich Umweltschutz. Er baute eine kleine Bibliothek im Betrieb auf, in der er Literatur zur Umweltproblematik sammelte und versuchte, das Bewusstsein seiner Kollegen für ökologische Fragen zu schärfen. Dieses Engagement spiegelte seinen Wunsch wider, Veränderungen vor Ort zu bewirken, ohne dabei provokativ aufzutreten.

Der Fall der Mauer am 9. November 1989 war für Neumann ein ambivalentes Ereignis. Zwar erkannte er die historische Bedeutung dieses Moments, doch er beobachtete auch, wie schnell die politischen Ideale der DDR-Bevölkerung, symbolisiert durch den Slogan „Wir sind das Volk“, in den Ruf nach Konsum und der D-Mark („Wir sind ein Volk“) umschlugen. Für ihn war dies eine Enttäuschung, da er gehofft hatte, dass die friedliche Revolution zu einer tiefgreifenderen gesellschaftlichen Veränderung führen würde.

In der Transformationszeit nach der Wiedervereinigung war Neumann in der Innenverwaltung tätig, wo er an der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) beteiligt war. Dabei setzte er sich insbesondere für die Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität ein, die bereits in den letzten Monaten der DDR begann, als viele Funktionäre versuchten, sich staatlichen Besitz anzueignen.

Obwohl er den 3. Oktober 1990, den Tag der deutschen Einheit, nicht als sein Fest betrachtete und sich lange Zeit gegen die Vereinigung aussprach, erkennt er heute an, dass die Wiedervereinigung Deutschlands letztlich der beste Weg war. Mit 30 Jahren Abstand sieht er die Entwicklungen in einem anderen Licht und ist froh, auf der „richtigen Seite der Welt“ angekommen zu sein.

Heute engagiert sich Peter Neumann als Zeitzeuge, insbesondere in der Arbeit mit Jugendlichen. Er sieht es als seine Aufgabe, jungen Menschen, die die DDR nur aus Erzählungen kennen, ein realistisches Bild dieser Zeit zu vermitteln. Besonders schätzt er den Austausch mit Schülern und Lehrern, der ihm ermöglicht, Missverständnisse aufzuklären und die Komplexität der DDR-Geschichte zu erläutern. Dieses Engagement bereitet ihm große Freude, da es ihm ermöglicht, seine Erfahrungen weiterzugeben und zugleich von den Perspektiven der jüngeren Generationen zu lernen.

Sigmund Jähn: Der erste Deutsche im All und sein Vermächtnis

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Sigmund Jähn, geboren am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz, war der erste Deutsche im All. Von 1976 bis 1978 wurde der damalige DDR-Bürger in der UdSSR zum Kosmonauten ausgebildet. Am 26. August 1978 startete er mit Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6 und kehrte am 3. September 1978 mit Sojus 29 zur Erde zurück. Während seines einwöchigen Aufenthalts in der Raumstation führte Jähn bedeutende Experimente in Bereichen wie Fernerkundung, Medizin und Biologie durch und nutzte dabei unter anderem die DDR-Multispektralkamera MKF-6M.

Nach seiner Rückkehr übernahm Jähn die Leitung des Zentrums für Kosmische Ausbildung bei der NVA in Eggersdorf bei Strausberg, einer Position, die er bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten innehatte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit promovierte er 1983 am Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam über Fernerkundung.

Jähn war maßgeblich an der Gründung der Association of Space Explorers (ASE) im Jahr 1985 beteiligt und gehörte dem Exekutivkomitee an. Nach der Auflösung der NVA im Oktober 1990 arbeitete Jähn als freier Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und ab 1993 auch für die Europäische Weltraumorganisation (ESA). In dieser Rolle betreute er mehrere europäische Astronauten und half bei der Vorbereitung von Missionen wie Mir-92 und Euromir-94.

Seine Karriere begann bei der DDR-Luftstreitkräfte, wo er 1955 eintrat und eine militärische Ausbildung absolvierte. Jähn studierte an der Militärakademie „Juri A. Gagarin“ in der UdSSR und war bis 1976 Inspekteur für die Jagdfliegerausbildung und Flugsicherheit bei den DDR-Luftstreitkräften.

Sigmund Jähn war verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er starb am 21. September 2019 im Alter von 82 Jahren. Sein Vermächtnis als Pionier der Raumfahrt und sein Engagement für die Förderung der Raumfahrt bleiben unvergessen.