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Unbekanntes von der Insel Rügen aus dem Jahr 1939

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Die Ostseeküste wird majestätisch von Rügen, Deutschlands größter Insel, umrahmt. Diese Insel stellt eine bedeutende Brücke zu den nordischen Staaten Norwegen, Schweden und Dänemark dar. Um den Nordlandverkehr zu fördern, wurde der Rügendamm erbaut, der Stralsund mit der Insel verbindet. In Sassnitz übernehmen Eisenbahn-Fährschiffe die Reisenden und transportieren sie über das Meer nach Trälleborg. So erreichen Urlauber bequem ohne Umsteigen die reizvollen Städte Oslo, Stockholm und Kopenhagen.

Rügen ist berühmt für seine malerischen Ostseebäder, die durch ihre Schönheit und Vielfalt bestechend sind. Doch auch die Einsamkeit hat ihren Reiz. Von Lauterbach aus kann man mit dem Motorboot zur kleinen, vorgelagerten Insel Vilm fahren, die von einem unberührten Eichen- und Buchenwald geprägt ist. Hier findet man Ruhe und Stille, und die jahrtausendealte Vergangenheit der Insel wird in den tiefen Schatten der uralten Bäume spürbar.

In der sonnenüberfluteten Landschaft sind die Spuren einer längst vergangenen Zeit sichtbar. Altgermanische Hünengräber weisen auf die Stätten hin, wo kühne Helden ihre letzte Ruhe fanden. In der Nähe von Lauterbach liegt eines der ältesten Steingräber, geschätzt auf sieben- bis achttausend Jahre alt. Ein Baum hat die Steine gesprengt, was die Jahrhunderte überdauernde Geschichte lebendig macht.

Das Königsgrab bei Dwasieden, ein Sippengrab, ist ein weiteres beeindruckendes Relikt der Steinzeit. Diese Totenhügel, die von der Bronzezeit stammen und oft bis heute unberührt geblieben sind, prägen die Landschaft und verstärken ihren geheimnisvollen Reiz. Der Dubberworth bei Sagard ist der größte dieser Hügel und stellt eine eindrucksvolle Erinnerung an die damalige Zeit dar.

Besonders auffällig sind die altgermanischen Burgwälle, die auf Rügen zu finden sind. Der Wall am Herthasee ist berühmt und wurde bereits von Tacitus erwähnt. Hier befand sich der Kult der germanischen Göttin Nerthus, und in der Nähe steht der Opferstein, der von einer alten Sage umwoben ist.

In der Nähe der Jaromarsburg, dem nördlichsten Punkt Deutschlands, lag einst das Hauptheiligtum des mächtigen Heidengottes Svantevit. Die Ruinen der Jaromarsburg sind karg und unfruchtbar, doch die legendenumwobene Vergangenheit bleibt präsent. In der nahegelegenen Kirche von Altenkirchen wird ein steinernes Abbild des Götzen gezeigt, das bei der Christianisierung unschädlich gemacht wurde.

Der Alltag in Rügen wird auch durch die Traditionen geprägt. Im Fischerdorf Vitt haben sich seit Generationen die heimischen Fischerfamilien in einer Reusengemeinschaft zusammengeschlossen. Diese Organisationsform erfordert eine enge Zusammenarbeit und verdeutlicht die Verbundenheit mit dem Meer.

Gleichzeitig erlebt Rügen einen Wandel. An der Prorer Wiek, einer malerischen Bucht an der Ostküste, entsteht das große „Kraft durch Freude“-Seebad, das Platz für 20.000 Erholungssuchende bieten soll. In unmittelbarer Nähe liegt das beeindruckende Naturschutzgebiet der Feuersteinfelder von Prora, das durch seine weißen Steine besticht.

Die Kreidefelsen an Rügens Küste sind das Ergebnis von Millionen Jahren geologischer Geschichte. Diese majestätischen Klippen sind aus den Überresten von Urzeittieren entstanden und liefern das wertvolle Rohmaterial Kreide, das in zahlreichen Industrien Verwendung findet.

Die raue Schönheit der Rügener Landschaft hat auch die Gesichter der Menschen geprägt. Selbst der traditionelle Schüttelbüxtanz zeugt von der Bodenständigkeit und Schwere, die die Geschichte und Kultur dieser einzigartigen Insel widerspiegeln. Rügen bleibt ein Ort, an dem die Vergangenheit lebendig bleibt und die enge Verbindung zur Natur und den alten Traditionen ungebrochen ist.

Geplante IC-Streichungen: Ostthüringen bangt um Fernverkehrsanbindung

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Die Deutsche Bahn plant, schlecht ausgelastete Fernzugverbindungen durch den Regionalverkehr zu ersetzen. Diese Ankündigung von Bahnvorstand Michael Peterson hat vor allem in Ostthüringen für Unruhe gesorgt. Insbesondere Kunden, die regelmäßig auf den Intercity- oder ICE-Verkehr angewiesen sind, könnten von den geplanten Veränderungen betroffen sein. Peterson erklärte in der vergangenen Woche, dass die Deutsche Bahn plane, Intercity- und ICE-Verbindungen, die eine geringe Auslastung aufweisen, durch Regionalzüge zu ersetzen. Dies soll in Abstimmung mit den betroffenen Bundesländern erfolgen.

In Ostthüringen betrifft diese Diskussion vor allem die Intercity-Verbindungen auf der Saalbahn, die derzeit von Leipzig über Jena, Rudolstadt und Saalfeld nach Nürnberg und Karlsruhe führt. Täglich verkehren fünf Züge pro Richtung, jedoch ist die Auslastung seit der Einführung dieser Linie noch relativ gering. Die Region stellt hohe Anforderungen an den Betrieb dieser Strecke, da der Wechsel zwischen den verschiedenen Lokomotiven für zusätzlichen Aufwand sorgt. Da es auf bestimmten Abschnitten der Strecke keine durchgehende Elektrifizierung gibt, muss zwischen Diesel- und Elektrolokomotiven gewechselt werden, was den Betrieb der Fernzüge zusätzlich erschwert und anfällig für Verspätungen macht.

Eine weitere wichtige Intercity-Linie, die ebenfalls im Fokus steht, verbindet die Städte Gera, Jena und Erfurt mit den westdeutschen Großstädten Düsseldorf und Köln. Diese Linie erfreut sich insbesondere zwischen Gera und Erfurt einer hohen Auslastung, was auch darauf zurückzuführen ist, dass das Land Thüringen die Mitfahrt mit Nahverkehrstickets finanziell unterstützt. Pendler schätzen diese Möglichkeit, beklagen sich jedoch über häufige Verspätungen und Zugausfälle. Grund für die Verspätungen ist auch hier der aufwändige Lokwechsel in Gotha, da der Abschnitt zwischen Weimar und Gera nicht elektrifiziert ist.

Bahnvorstand Peterson kündigte an, dass die Deutsche Bahn nun prüfen werde, welche Fernzüge in direkter Konkurrenz zum Regionalverkehr stehen. Ein zentraler Unterschied zwischen Fern- und Regionalverkehr ist, dass der Fernverkehr eigenwirtschaftlich betrieben wird, während der Regionalverkehr durch die Bundesländer bestellt und subventioniert werden muss. Das bedeutet, dass die Bundesländer für jeden gefahrenen Regionalzug Zuschüsse zahlen. Diese Zuschüsse werden in Form von sogenannten Linienpaketen im Rahmen von europaweiten Ausschreibungen vergeben, bei denen die Deutsche Bahn in Thüringen in der Vergangenheit oft den Kürzeren zog.

Die Ankündigungen der Deutschen Bahn werfen auch die Frage auf, inwieweit das Thüringer Infrastrukturministerium bereits in die Planungen eingebunden ist. Auf Nachfrage erklärte die Sprecherin des Ministeriums, Konstanze Gerling, dass im aktuellen Fahrplan für 2025 die Intercity-Linien 51 und 61 in ihrem bisherigen Umfang vorgesehen seien. „Bislang ist die DB Fernverkehr nicht mit der Absicht an uns herangetreten, diese Linien zum Fahrplanwechsel 2026 einzustellen oder zu reduzieren“, sagte Gerling. Das Infrastrukturministerium habe gegenüber der Deutschen Bahn bereits mehrfach deutlich gemacht, dass Thüringen als kleinteilig strukturiertes Bundesland auf eine gute Anbindung an die großen Metropolregionen in Deutschland angewiesen sei.

Insbesondere Ostthüringen, das als wichtiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort gilt, müsse über schnelle Intercity-Verbindungen erreichbar bleiben, so die Sprecherin weiter. „Ein Ersatz des IC-Fernverkehrs durch Angebote im Regionalverkehr ist dafür grundsätzlich ungeeignet“, betonte sie. Eine deutliche Reduzierung oder gar Einstellung der Intercity-Verbindungen würde den Standort Ostthüringen schwächen und die Anbindung an wichtige Wirtschaftszentren wie Nürnberg, Düsseldorf oder Köln erheblich erschweren.

Fazit: Die geplanten Änderungen der Deutschen Bahn könnten die Mobilität in Ostthüringen erheblich beeinträchtigen. Die Landesregierung steht der Idee kritisch gegenüber und fordert eine starke Anbindung über den Fernverkehr, um den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Ostthüringen langfristig zu sichern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und den betroffenen Bundesländern entwickeln und ob die Intercity-Verbindungen tatsächlich durch Regionalzüge ersetzt werden.

Bericht zur ersten Sondierungsrunde zwischen CDU, SPD und dem BSW für Thüringen

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Am Montag fand die erste Sondierungsrunde zwischen der CDU, SPD und dem BSW in Thüringen statt. In den Gesprächen ging es um zentrale Themen wie den modernen Staat und die künftige Haushaltspolitik. Alle Beteiligten betonten die konstruktive und sachliche Atmosphäre. Hier die wichtigsten Statements der Vertreter der drei Parteien.

Andreas Bühl (CDU)
Andreas Bühl von der CDU eröffnete die Gespräche mit einem deutlichen Fokus auf die Notwendigkeit, Thüringen zu modernisieren. Für ihn steht fest, dass die Verwaltung effizienter und bürgernäher gestaltet werden muss. In seinem Statement sagte Bühl:

„Wir hatten heute unsere ersten Sondierungsgespräche, und das war geprägt von einer sehr vertrauensvollen, ernsthaften und konzentrierten Atmosphäre. Wir wissen genau, worum es geht: Veränderungen für Thüringen zu bringen und die Basis für eine zukünftige mögliche Regierung auszuloten. Ein Kernthema war der moderne Staat. Uns als CDU treibt vor allem um, dass für die Menschen in diesem Land die Dinge wieder leichter werden müssen. Das bedeutet, Bürokratie abzubauen, Strukturen zu beschleunigen und Digitalisierung voranzutreiben.“

Er hob die Notwendigkeit hervor, dass die zukünftige Regierung eine solide Haushaltspolitik verfolgen müsse, wobei Spielräume für Zukunftsinvestitionen unter Einhaltung der Schuldenbremse geschaffen werden sollten. Bühl betonte dabei die gute Gesprächskultur und zeigte sich optimistisch, was die kommenden Verhandlungsrunden angeht.

Katharina Schenk (SPD)
Katharina Schenk von der SPD betonte, dass die Sondierungsgespräche in einer konstruktiven Atmosphäre stattfanden. Sie unterstützte den Fokus auf einen modernen und handlungsfähigen Staat und hob die Bedeutung der Verwaltung als Dienstleister für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen hervor:

„Auch wir fanden die Diskussionskultur sehr konstruktiv. Es ging uns darum, die Verwaltung als bürgernahen Dienstleister zu gestalten, der gleichzeitig Unternehmen ermöglicht, hier in Thüringen zu investieren. Besonders im Fokus stand die Frage: Wie schaffen wir Finanzierungsspielräume für Zukunftsinvestitionen, trotz der Vorgaben der Schuldenbremse? Wir haben ausgelotet, wie wir die finanziellen Spielräume finden können, um wichtige Investitionen, insbesondere in die Infrastruktur und die Kommunen, zu ermöglichen.“

Schenk betonte zudem, dass ihre Partei besonderen Wert auf die sozialen Errungenschaften der letzten Jahre legt und diese weiterhin sichern möchte. Ihr Statement unterstreicht den Willen, finanzielle Stabilität mit den notwendigen Investitionen für Thüringens Zukunft zu vereinen.

Tilo Kummer (BSW)
Auch der Vertreter des BSW äußerte sich positiv über die erste Gesprächsrunde. Besonders betont wurde die konstruktive Art des Dialogs sowie die Bedeutung von Vertrauen in der Zusammenarbeit. Tilo Kummer formulierte es folgendermaßen:

„Die Gespräche waren sachlich und konstruktiv. Es geht vor allem darum, Vertrauen aufzubauen, einander kennenzulernen und auszuloten, wo Konsens und wo Dissens besteht. Heute konnten wir feststellen, dass in vielen Themenfeldern Einigkeit besteht, insbesondere was den Kommunalbereich betrifft, wo zahlreiche konkrete Probleme gemeinsam gelöst werden müssen. Die Diskussion drehte sich auch um die Infrastrukturmodernisierung sowie die Rolle der Kommunen bei den notwendigen Zukunftsinvestitionen.“

Die Freien Wähler brachten ihre Erfahrungen aus der kommunalen Praxis in die Gespräche ein und zeigten sich zuversichtlich, dass diese Zusammenarbeit eine solide Grundlage für zukünftige Entscheidungen bieten kann.

Fazit und Ausblick
Die Statements der Vertreter der drei Parteien zeigen eine klare Ausrichtung auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Die Themen „moderner Staat“, „Digitalisierung“, „Haushaltsplanung“ und „Zukunftsinvestitionen“ standen im Mittelpunkt der Gespräche. Alle Seiten betonten den Wunsch, in den kommenden Verhandlungsrunden eine gemeinsame Basis für eine mögliche Regierungsbildung zu finden.

Die nächste Gesprächsrunde ist für Mittwoch angesetzt, wo weitere zentrale Themen behandelt werden sollen. Der positive Grundton der bisherigen Gespräche lässt vermuten, dass die Verhandlungen weiterhin in einem konstruktiven Rahmen verlaufen werden.

Alarmruf der Wissenschaft: Thüringer Hochschulen in Gefahr durch AfD

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In einem besorgniserregenden Appell warnen zahlreiche Professorinnen und Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie weiterer Thüringer Hochschulen vor den möglichen Folgen einer Landesregierung mit Beteiligung der AfD. In einer gemeinsamen Erklärung, die fast 700 Mitglieder aus den Bereichen Wissenschaft und Forschung unterzeichnet haben, fordern sie eine stabile Landesregierung, die ohne die Unterstützung oder Duldung der rechtsextremen AfD gebildet wird. Diese Erklärung entstand in Kooperation mit der Initiative „Uni gegen Rechts“ und reflektiert die tiefgreifenden Sorgen der Wissenschaftler über die politische Entwicklung in Thüringen.

Die Wissenschaftler sehen die liberale Demokratie durch den Aufstieg der AfD ernsthaft gefährdet. Tilman Reitz, Professor für Wissenssoziologie und Gesellschaftstheorie an der Uni Jena, betont die Notwendigkeit, die vertrauenswürdigen demokratischen Parteien in die Verantwortung zu rufen. „Es zählt jetzt jede Wortmeldung“, erklärt Reitz und ruft dazu auf, trotz bestehender inhaltlicher Differenzen eine funktionierende Landesregierung zu bilden. Die Professoren sind sich einig, dass die Stärkung der AfD eine ernsthafte Bedrohung für die Werte der Demokratie und die gesellschaftliche Stabilität darstellt.

Ein weiterer zentraler Punkt der Erklärung ist die Besorgnis um die Zukunft der Hochschulen in Thüringen. Die Professoren befürchten, dass eine AfD-geführte Landesregierung eine „anti-akademische Stimmung“ fördern könnte, die sich negativ auf die Hochschulfinanzierung auswirken würde. „Zugleich sehen wir unsere Arbeit und das Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit gefährdet“, wird in der Erklärung ausgeführt. Da die Länder für die Finanzierung der Hochschulen verantwortlich sind, könnten politische Entscheidungen direkt die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Arbeit beeinflussen. Insbesondere Institutionen wie der Studierendenrat sowie Gleichstellungs- und Diversitätsbüros würden als besonders gefährdet angesehen.

Angesichts dieser Risiken fordern die Wissenschaftler eine vorausschauende Sicherung der Hochschulfinanzierung. Die Zukunft der Wissenschaft sei auf ein weltoffenes Klima und internationale Kooperationen angewiesen, betonen sie. Ein erfolgreiches Hochschulsystem lebt von Vielfalt und einer offenen Gesellschaft, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht, in einem förderlichen Umfeld zu arbeiten.

Tilman Reitz äußert zudem Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen einer AfD-Regierung auf die Mitarbeiter der Hochschulen. Er erklärt, dass eine solche Regierung möglicherweise dazu in der Lage wäre, finanzielle Mittel für Hochschulen zu streichen, die politisch missbilligte Positionen vertreten oder als unliebsam gelten. Diese Einschränkungen könnten dazu führen, dass keine neuen Stellen geschaffen oder vorhandene Positionen nicht nachbesetzt werden können, was langfristig die wissenschaftliche Arbeit in Thüringen gefährden würde.

Die jüngsten politischen Entwicklungen im Thüringer Landtag haben die Sorgen der Hochschulangehörigen bestärkt. „Unser Offener Brief hat sehr deutlich gezeigt, wie die Stimmung an den Hochschulen ist“, sagt Reitz. Dennoch ist man sich bewusst, dass mit dieser Stellungnahme nicht alle Bürger Thüringens überzeugt werden können. Besorgt blicken die Wissenschaftler auf die künftige Entwicklung der Studierendenzahlen. Reitz befürchtet, dass der Erfolg der AfD möglicherweise dazu führt, dass weniger Studierende aus anderen Bundesländern und insbesondere aus dem Ausland nach Thüringen kommen. „Das kann die Zukunft der Hochschulen bedrohen“, so Reitz.

Insgesamt verdeutlicht die Erklärung der Thüringer Professoren die tiefen Ängste, die mit dem politischen Aufstieg der AfD verbunden sind. Die Stimmen der Wissenschaftler sollen als Weckruf dienen, um die Bedeutung einer stabilen und demokratischen Regierung zu unterstreichen, die die Werte von Freiheit, Vielfalt und Wissenschaftsfreiheit schützt. In Zeiten, in denen politische Extremismen zunehmen, ist es unerlässlich, dass die akademische Gemeinschaft zusammensteht und ihre Stimme für eine offene und tolerante Gesellschaft erhebt.

Monika Maron im Interview: „Pausenlos urteilt der Westen über den Osten!“

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Monika Maron beleuchtet in dem Interview die Diskrepanz zwischen einem Gefühl der Ohnmacht und dem gleichzeitigen Wunsch nach konstruktiver politischer Auseinandersetzung, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen in der DDR und der Nachwendezeit. Dieses Gefühl der Ohnmacht, das viele Ostdeutsche empfinden, resultiert aus der Erfahrung, dass ihre Meinung, ihre Geschichte und ihre Lebensleistung nicht ausreichend gewürdigt werden. Die Wiedervereinigung brachte zwar politische Freiheit, aber auch tiefgreifende Veränderungen mit sich, die viele Menschen im Osten vor große Herausforderungen stellten. Der Verlust von Arbeitsplätzen, die Abwanderung junger Menschen und das Gefühl, von den Westdeutschen nicht ernst genommen zu werden, führten zu Frustration und Resignation.

Dieser Zustand der Ohnmacht wird durch die ihrer Ansicht nach zunehmende Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen und die Einschränkung der Meinungsfreiheit noch verstärkt. Maron kritisiert die vorherrschende Diskussionskultur, die ihrer Meinung nach von moralischer Überlegenheit und der Ausgrenzung Andersdenkender geprägt ist. Wer nicht der Mehrheitsmeinung entspricht, läuft Gefahr, diffamiert und ausgegrenzt zu werden. Diese Intoleranz und der Mangel an Bereitschaft zum offenen Dialog führen dazu, dass sich viele Menschen entmutigt und ohnmächtig fühlen, ihre Meinung zu äußern.

Trotz dieser negativen Erfahrungen und der empfundenen Ohnmacht bleibt der Wunsch nach einer konstruktiven politischen Auseinandersetzung bestehen. Maron betont die Bedeutung des Dialogs und der gegenseitigen Achtung als Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie. Sie plädiert dafür, auch unpopuläre Meinungen zuzulassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, anstatt sie zu ignorieren oder zu unterdrücken.

Maron sieht in der Fixierung auf die AfD und die Fokussierung auf deren Abgrenzung ein Symptom für die Defizite der politischen Kultur in Deutschland. Statt sich auf die Suche nach Lösungen für die drängenden Probleme der Zeit zu konzentrieren, wie z.B. die Folgen der Migration oder die Energiekrise, würden die anderen Parteien ihre Energie darauf verwenden, die AfD zu bekämpfen. Dieser Ansatz führe zu einer Verengung des politischen Diskurses und verhindere eine sachliche Auseinandersetzung mit den Themen, die die Menschen tatsächlich bewegen.

Maron appelliert an die Eigenverantwortung des Einzelnen und plädiert für mehr Mut, eigene Meinungen zu vertreten und sich aktiv in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen. Sie sieht in der Kunst und Kultur einen wichtigen Raum für kritische Reflexion und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen. Gleichzeitig warnt sie vor zu starker staatlicher Einflussnahme auf die Kunst, die ihrer Meinung nach die Autonomie und Kreativität der Künstler einschränkt.

Die Diskrepanz zwischen Ohnmacht und dem Wunsch nach konstruktiver Auseinandersetzung ist somit Ausdruck einer gesellschaftlichen Krise, die durch Intoleranz, mangelnden Dialog und eine Abkehr von demokratischen Grundwerten gekennzeichnet ist. Maron ruft dazu auf, diese Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einzusetzen, in der unterschiedliche Meinungen ihren Platz haben.

zur Person – Monika Maron, 1941 in Berlin geboren, arbeitete nach ihrem Abitur zunächst ein Jahr als Fräserin in einem Industriebetrieb. Anschließend studierte sie Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Nach dem Studienabschluss war sie als Regieassistentin beim Fernsehen tätig und schrieb später als Reporterin für die „Wochenpost“. Seit 1976 arbeitet sie als freie Schriftstellerin. 1988 verließ sie Ost-Berlin und zog in die Bundesrepublik, wo sie zunächst in Hamburg lebte. Heute wohnt sie wieder in Berlin.

Pirnas Doppelhaushalt 2025/2026: Solide Finanzen, aber ohne Visionen

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Der Doppelhaushalt der Stadt Pirna für die Jahre 2025 und 2026 ist ausgearbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der 450 Seiten umfassende Entwurf wurde bereits vor Wochen zur Einsicht bereitgestellt. Die Finanzplanung der Stadt zeigt eine solide Ausgangslage, allerdings auch wenig Spielraum für neue, visionäre Projekte. „Die Ausgangslage ist solide“, betont ein Stadtsprecher. Pirna kann auf Rücklagen und sogenannte frei verfügbare liquide Mittel zurückgreifen, und auch der Schuldenstand der Stadt ist im Vergleich zu anderen Städten beherrschbar. Dennoch wird angemerkt, dass diese Rücklagen und Mittel in den kommenden Jahren sukzessiv aufgebraucht werden könnten.

Keine Neuverschuldung – Defizite durch Rücklagen gedeckt
Der Haushalt für das Jahr 2025 sieht Ausgaben in Höhe von gut 100 Millionen Euro vor, im Jahr 2026 sind es etwa 94 Millionen Euro. Allerdings übersteigen die Aufwendungen die geplanten Einnahmen, was zu einem Defizit führt. Um dieses Minus auszugleichen, greift die Stadt auf ihre Rücklagen zurück. Eine Neuverschuldung ist derzeit nicht geplant. Pirna profitiert aktuell von den positiven Auswirkungen ihrer finanziellen Reserven. Diese sogenannten „frei verfügbaren liquiden Mittel“ helfen, die Haushalte der Jahre 2025 und 2026 auszugleichen. Ein Blick in die Zukunft zeigt jedoch, dass die Stadt spätestens in den Planjahren 2027 bis 2029, bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen, wieder auf Kreditaufnahmen angewiesen sein wird.

„Kurzfristig haben wir die positive Ausgangslage, dass wir liquide Mittel haben, die wir einsetzen können“, erklärt der Sprecher. Doch längerfristig bereiten steigende Kosten den Finanzplanern der Stadt Sorgen. Die allgemeinen Kostensteigerungen, wie zum Beispiel die stark gestiegenen Energiekosten, wirken sich auch auf den städtischen Haushalt aus. Trotzdem bleiben die Einnahmen der Stadt, insbesondere durch die Gewerbesteuer, stabil. Auch die gestiegene Einwohnerzahl – um 730 Personen – sorgt für zusätzliche Gelder aus den Schlüsselzuweisungen, die sich um etwa 5000 Euro erhöhen.

Keine Steuererhöhungen geplant
Trotz dieser Herausforderungen sollen die Bürgerinnen und Bürger Pirnas nicht zusätzlich durch Steuererhöhungen belastet werden. „Im Haushaltsentwurf sind keine Steuererhöhungen vorgesehen“, heißt es aus der Verwaltung. Lediglich die Grundsteuerreform, deren Auswirkungen einige als Steuererhöhung empfinden könnten, werde umgesetzt.

Diese stabile Einnahmensituation ermöglicht es der Stadt, auch weiterhin in wichtige Projekte zu investieren. Dabei bleibt das Prinzip der Kontinuität wichtig: Bereits begonnene Bauprojekte, wie zum Beispiel an der ehemaligen Heinrichschule oder der Struppener Straße, sollen fortgeführt werden. „Pirna wird auch in den kommenden zwei Jahren investieren“, betont der Stadtrat.

Investitionen in Bildung und Sport
Ein Schwerpunkt des Haushaltsentwurfs liegt auf der Fortführung von Bildungsprojekten. So kann mit dem Bau der Turnhalle an der Grundschule Neuendorf begonnen werden. Der Fördermittelbescheid ist eingegangen, und die Planungsleistungen für die konkrete Objektplanung wurden ausgeschrieben. Ein weiteres großes Projekt ist die Sanierung der Grundschule am Sonnenstein, die in den kommenden Jahren umfassend modernisiert wird. Hier sollen auch die Horteinrichtungen etabliert und die sozialen Räume neu gestaltet werden. Mit einem Finanzvolumen von 15 bis 17 Millionen Euro, von denen etwa die Hälfte durch Fördermittel gedeckt wird, ist dieses Projekt ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Bildungsinfrastruktur.

Auch im Sportbereich wird investiert: Die Sporthalle Sonnenstein wird modernisiert, und der ESV Lok Pirna erhält eine neue Laufbahn. Zusätzlich wird am Schülergymnasium die Situation der Speiseräume verbessert, um eine bessere Versorgung der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten.

Herausforderungen im Infrastrukturbereich
Neben den positiven Entwicklungen gibt es auch Bereiche, in denen der Haushaltsplan wenig Raum für Fortschritte lässt. Besonders im Bereich der Infrastruktur gibt es Engpässe. Etwa eine halbe Million Euro ist für die Brückenunterhaltung vorgesehen, doch diese Summe reicht nicht aus, um die notwendigen Investitionen für die Verbindung über die Wesenitz in Copitz abzudecken. Der Zustand der Brücke wird aktuell geprüft, aber es wird bereits erwartet, dass hier mittelfristig eine umfassende Sanierung oder ein Ersatzneubau notwendig sein wird. „Die Vorzeichen sind nicht gut“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Auch der Neubau der Sporthalle in der Einsteinstraße, ein weiteres dringendes Infrastrukturprojekt, steht im mittelfristigen Finanzplan nicht auf der Agenda. Hier müssen die Verantwortlichen in den kommenden Jahren kleinere Brötchen backen. Ein weiteres Beispiel für diese Einschränkungen ist die Grundschule in Zehista, wo es seit längerem Diskussionen um einen Neubau gibt. „Angesichts der finanziellen Lage und der nicht zur Verfügung stehenden Fördermittel mussten wir die Entscheidung treffen, vorerst keine Mittel für dieses Projekt im Doppelhaushalt 2025/2026 bereitzustellen“, so der Sprecher der Stadt.

Landesgartenschau: Ein großes Fragezeichen
Ein weiteres Großprojekt, das in den letzten Jahren immer wieder diskutiert wurde, ist die Bewerbung der Stadt Pirna für die Landesgartenschau. Die AfD-Fraktion im Stadtrat möchte diese nach Pirna holen, doch der Haushaltsentwurf sieht hierfür keine Mittel vor. Eine Machbarkeitsstudie wäre der erste Schritt, doch auch dafür wurden im aktuellen Entwurf keine Gelder eingeplant. „Die Stadträte haben jederzeit die Möglichkeit, entsprechende Anträge zur Änderung des Haushaltsplans zu stellen“, erklärt der Stadtrat. Doch gleichzeitig wird betont, dass eine Landesgartenschau nicht nur hohe Anfangskosten verursachen würde, sondern auch langfristig erhebliche Folgekosten mit sich bringen könnte. Angesichts der bereits knappen Haushaltslage und der ungewissen finanziellen Zukunft sei dies ein risikoreiches Projekt.

Fazit: Solide, aber ohne große Sprünge
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Doppelhaushalt 2025/2026 der Stadt Pirna auf einer soliden finanziellen Basis steht, aber kaum Spielraum für visionäre Projekte bietet. Die Stadt kann kurzfristig auf Rücklagen und liquide Mittel zurückgreifen, um ihre Ausgaben zu decken. Doch langfristig stehen die Zeichen auf Kreditaufnahme, sollte sich die finanzielle Gesamtsituation nicht grundlegend ändern. Während wichtige Bildungs- und Sportprojekte fortgeführt werden, müssen andere ambitionierte Vorhaben, wie der Neubau der Sporthalle oder die Landesgartenschau, vorerst auf Eis gelegt werden. Die finanzielle Realität zwingt Pirna dazu, in vielen Bereichen kleinere Brötchen zu backen, um die solide Haushaltsführung nicht zu gefährden. Am 12. November 2024 wird der Stadtrat endgültig über den Haushalt entscheiden.

Der Film „Der Erzfeind“ als Spiegel der Ideologie der DDR-Propaganda

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In den 1960er Jahren war die DDR stark damit beschäftigt, sich ideologisch und kulturell gegenüber der Bundesrepublik Deutschland abzugrenzen. Der Kalte Krieg prägte das gesellschaftliche und politische Klima, und die filmische Propaganda spielte eine zentrale Rolle dabei, die sozialistische Ideologie der SED zu verbreiten. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist der 1961 veröffentlichte Film Der Erzfeind. Dieser Streifen, der unter der Regie von Martin Hellberg entstand, war ein typisches Propaganda-Werk, das sich den Kampf der Arbeiterklasse gegen die Kapitalisten zum zentralen Thema machte. In diesem Kontext wurde der Film genutzt, um Feindbilder zu schärfen und den sozialistischen Heldenmythos zu festigen.

Inhalt und Handlung des Films
Der Erzfeind erzählt die Geschichte von Friedrich Ludwig Jahn, einer der Schlüsselfiguren der deutschen Turnbewegung im 19. Jahrhundert. Der Film nutzt die historische Figur Jahn, um die Themen des Klassenkampfes und der kapitalistischen Unterdrückung zu thematisieren. Die zentrale Handlung des Films dreht sich um den Widerstand gegen die feudalen und kapitalistischen Eliten des frühen 19. Jahrhunderts und die Befreiung der Arbeiterklasse.

Der Film ist in seinem Aufbau typisch für die DDR-Propaganda jener Zeit: Er konstruiert ein einfaches, binäres Weltbild, in dem die kapitalistischen Kräfte als Unterdrücker und Feinde der Arbeiterklasse dargestellt werden, während die sozialistisch gesinnten Helden den Mut haben, gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen. In Der Erzfeind werden diese beiden Pole klar durch die Protagonisten und Antagonisten definiert. Die Helden des Films sind die Arbeiter und Bauern, die gegen die herrschenden Klassen aufbegehren, während die Kapitalisten als unmoralische und habgierige Feinde dargestellt werden.

Durch diese vereinfachte Darstellung eines Gut-Böse-Schemas konnte der Film das ideologische Ziel der SED leicht transportieren. Die Rolle des Films war nicht, historische Genauigkeit zu wahren, sondern das Publikum emotional und intellektuell zu beeinflussen. Dabei spielte Der Erzfeind gezielt mit der symbolischen Überhöhung seiner Figuren, um das Narrativ des sozialistischen Kampfes zu fördern.

Politische Botschaft und Propaganda
Die Botschaft von Der Erzfeind ist eindeutig: Der Feind der Arbeiterklasse ist der Kapitalismus, und es ist die Pflicht eines jeden Menschen, sich gegen diese Form der Unterdrückung zu erheben. Der Film diente dazu, das Bild des „Erzfeindes“ – des Kapitalisten und westlichen Imperialisten – zu festigen. Diese Propaganda war im Einklang mit der SED-Ideologie, die den Kapitalismus als Quelle allen Übels und den Sozialismus als einzigen Weg zur Befreiung und Gerechtigkeit ansah.

Im Kontext der 1960er Jahre war die DDR darauf bedacht, ihre Bürger zu einem kritischen Bewusstsein gegenüber dem Westen zu erziehen. Der Mauerbau 1961 markierte eine Zeit, in der die Abgrenzung zur BRD auf allen Ebenen intensiviert wurde. Der Erzfeind passte perfekt in diese Zeit der verstärkten ideologischen Kontrolle und Propaganda. Er stellte den historischen Klassenkampf als Vorläufer der aktuellen Auseinandersetzungen dar und vermittelte, dass der Kampf gegen den Kapitalismus ein zeitloses, unabgeschlossenes Projekt sei.

Darüber hinaus sollten Filme wie Der Erzfeind die Zuschauer in ihrer sozialistischen Identität bestärken und ihnen zeigen, dass sie Teil einer historischen Mission sind. Die ideologische Botschaft war klar: Die DDR war der legitime Erbe der deutschen Freiheitskämpfer, die sich seit Jahrhunderten gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung gewehrt hatten.

Stilistische Mittel der Propaganda
Auf der stilistischen Ebene nutzt Der Erzfeind eine Vielzahl von propagandistischen Techniken, um seine Botschaft zu vermitteln. Die Charakterisierung der Figuren ist stark schwarz-weiß gezeichnet, und es gibt wenig Raum für Ambivalenzen oder komplexe moralische Entscheidungen. Der Kapitalist wird als gierig, unmoralisch und letztlich niederträchtig dargestellt, während die sozialistischen Kämpfer als mutig, gerecht und moralisch überlegen erscheinen.

Ein weiteres typisches Stilmittel, das in der DDR-Filmpropaganda oft zum Einsatz kam, war die Überhöhung des Kollektivs gegenüber dem Individuum. Auch in Der Erzfeind liegt der Fokus auf der Gemeinschaft der Arbeiter, die zusammen gegen ihre Ausbeuter kämpfen. Der Held des Films ist nicht eine Einzelperson, sondern das Kollektiv der Unterdrückten, das sich solidarisch zur Wehr setzt.

Zusätzlich setzt der Film auf eine stark dramatisierte Bildsprache, die den Konflikt zwischen den Klassen visuell unterstreicht. Die Szenen, in denen die Arbeiter gegen die Kapitalisten kämpfen, sind voller Kontraste: Dunkle, bedrohliche Bilder symbolisieren die Macht und Brutalität der Kapitalisten, während helle und hoffnungsvolle Bilder das Leben und die Solidarität der Arbeiter darstellen. Diese Visualisierung des Klassenkampfes zieht sich durch den gesamten Film und verstärkt die ideologische Botschaft auf emotionaler Ebene.

Historischer Kontext und Bedeutung für die DDR
Der Erzfeind entstand in einer Zeit, in der die DDR nach innen ihre sozialistische Identität festigen wollte und nach außen in ständiger Konfrontation mit dem Westen stand. Der Kalte Krieg war nicht nur eine politische, sondern auch eine kulturelle Auseinandersetzung. Filme waren ein wichtiges Mittel der ideologischen Beeinflussung und der Bildung einer sozialistischen Identität. Der Erzfeind zeigt exemplarisch, wie die DDR versuchte, historische Figuren und Ereignisse für ihre Propaganda zu instrumentalisieren.

Der Film erfüllte in der DDR eine doppelte Funktion: Einerseits sollte er das Publikum emotional mobilisieren und die Solidarität innerhalb der sozialistischen Gesellschaft stärken. Andererseits diente er der ideologischen Erziehung, indem er den Klassenkampf und den Sozialismus als moralische Notwendigkeit darstellte. Die historische Genauigkeit oder die Komplexität der Charaktere war dabei zweitrangig; wichtig war, dass die einfache Botschaft des Films beim Publikum ankam.

Fazit: Der Erzfeind als klassischer Propaganda-Film
Der Erzfeind ist ein typisches Beispiel für die Propagandafilme der DDR in den 1960er Jahren. Er nutzt die Mittel des Kinos, um ein stark vereinfachtes Weltbild zu zeichnen, in dem die kapitalistischen Feinde der Arbeiterklasse als „Erzfeinde“ der Menschlichkeit dargestellt werden. Der Film unterstreicht die ideologischen Ziele der SED, indem er historische Figuren und Ereignisse zur Festigung des sozialistischen Narrativs instrumentalisiert.

Seine Bedeutung liegt weniger in der künstlerischen Qualität, sondern vielmehr in seiner Rolle als ideologisches Werkzeug der SED. Der Erzfeind zeigt eindrücklich, wie die DDR-Kulturpolitik Filme nutzte, um die Bevölkerung zu formen und ihre politische Loyalität zu festigen. So bleibt der Film ein Beispiel für die Kraft der Propaganda in einer Gesellschaft, die stark von ideologischen Auseinandersetzungen geprägt war.

Restaurierung mit Herz: Der Barkas Pritsche wird zum Unikat

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Die Restaurierung und der Umbau klassischer Autos ist eine Kunst, die Hingabe, Geduld und handwerkliches Geschick erfordert. Mike und Randy, zwei begeisterte Autoliebhaber, haben sich der Herausforderung gestellt, ein Fahrzeug aus dem Jahr 1964 in ein wahres Unikat zu verwandeln. In diesem Bericht wird der Umbauprozess detailliert beschrieben – von der ersten Idee bis hin zu den letzten Feinheiten.

Die Ausgangslage
Mike, ein leidenschaftlicher Automechaniker, entdeckte sein Fahrzeug in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand an der tschechischen Grenze. Das Auto, ein Bargas Britche, war bereits in die Jahre gekommen. Viele der Originalteile waren abgenutzt, und es war sofort klar, dass das Projekt eine vollständige Restaurierung erfordern würde. Insbesondere der Rahmen und das Fahrerhaus befanden sich in einem schlechten Zustand. Aber genau darin sah Mike die Herausforderung.

„Der Rahmen war komplett durchgerostet, und das Fahrerhaus musste kernsaniert werden“, erklärt er. „Das war eine Menge Arbeit, aber ich wollte das unbedingt selber machen.“

Die Umbauarbeiten im Detail
Karosserie und Lackierung:
Die Karosserie des Fahrzeugs wurde vollständig entkernt, neu geschweißt und grundiert. Mike entschied sich bewusst für eine künstliche Patina, um dem Fahrzeug den Charme eines Oldtimers zu verleihen, der trotz moderner Technik authentisch wirkt. Der Vorteil einer Patina liegt darin, dass sie mögliche Kratzer oder Dellen im Nachhinein leichter kaschieren lässt, was dem Fahrzeug einen robusten Charakter verleiht.

Luftfahrwerk und Achsen:
Eine der größten Veränderungen am Fahrzeug war der Einbau eines Luftfahrwerks. Dies erlaubte es Mike, das Fahrzeug extrem tief zu legen und gleichzeitig die Flexibilität zu haben, es nach Bedarf anzuheben. Um das Fahrgefühl zu verbessern, wurden außerdem die Dämpfer und Drehstäbe angepasst und extrem gekürzt. Die Aufhängungen und Achsen wurden neu konstruiert, sodass das Fahrzeug trotz der Tieferlegung noch angenehm federn kann.

Bremsen und Auspuffanlage:
Ein weiteres wichtiges Update war die Umrüstung von Trommelbremsen auf moderne Scheibenbremsen. „Trommelbremsen sind einfach nicht mehr zeitgemäß“, erklärt Mike. „Mit den Scheibenbremsen kann ich mich auf die Bremsleistung verlassen, was vorher nicht der Fall war.“
Der Auspuff wurde ebenfalls komplett neu gestaltet und getunnelt, damit das Fahrzeug trotz der Tieferlegung nicht am Boden aufsetzt. „Das ist ein wichtiger Punkt, um das Fahrzeug alltagstauglich zu machen.“

Motor und Elektronik
Im Bereich des Motors entschied sich Mike für eine besondere Anpassung. Die herkömmliche Kühlung wurde durch eine moderne, elektrische Wasserpumpe ersetzt. Diese Lösung ist besonders in der Szene der Oldtimer-Bastler beliebt, da sie eine bessere und effizientere Kühlung ermöglicht. Zusätzlich wurde ein elektrischer Lüfter verbaut, der temperaturgesteuert arbeitet und je nach Bedarf eingeschaltet wird.

Einzigartige Details
Das Besondere an diesem Fahrzeugumbau sind jedoch die kleinen, individuellen Anpassungen, die es zu einem echten Unikat machen. Zum Beispiel die dreiteiligen, handgefertigten Felgen, die speziell für dieses Fahrzeug entwickelt wurden. „Qualität und Einmaligkeit sind für mich das Wichtigste“, erklärt Mike. Die Felgen wurden poliert, und der Stern in der Mitte wurde individuell angefertigt.

Auch der Kühlergrill musste von Hand nachgebaut werden, da originale Ersatzteile kaum zu finden waren. Ein weiteres Highlight sind die handgenähten Schonbezüge und die Motorhaubenabdeckung, die Mikes Mutter für ihn anfertigte. „Für mich muss in so ein Auto auch Herzblut fließen, deswegen habe ich diese persönlichen Elemente eingebracht.“

Herausforderungen und Gemeinschaft
Die Restaurierung eines solchen Fahrzeugs ist nicht ohne Hindernisse. Vor allem die Beschaffung von Ersatzteilen stellte eine große Herausforderung dar. „Für den Bargas gibt es kaum noch originale Teile, und wenn, dann werden sie zu horrenden Preisen gehandelt“, erzählt Mike. Glücklicherweise half ihm die Ostblock-Community, die in solchen Fällen oft mit Rat und Tat zur Seite steht.

Auch auf der Straße kam es hin und wieder zu Problemen, etwa durch defekte Teile während einer Fahrt. In solchen Momenten zeigt sich der wahre Wert der Gemeinschaft. Freunde und Mitstreiter aus der Szene waren immer zur Stelle, um bei Pannen zu helfen.

Fazit
Der Umbau eines Fahrzeugs wie dem Bargas Britche erfordert Leidenschaft, Fachwissen und eine Menge Durchhaltevermögen. Mike und Randy haben es geschafft, aus einem alten, heruntergekommenen Fahrzeug ein echtes Meisterwerk zu machen, das sowohl optisch als auch technisch beeindruckt. Besonders in der Oldtimer-Szene ist dieses Projekt ein Beweis dafür, dass man mit der richtigen Einstellung und einer starken Community fast alles erreichen kann.

„Für mich wird dieses Auto nie fertig sein“, sagt Mike abschließend. „Es gibt immer etwas zu tun, aber genau das macht es für mich so besonders.“

Warum der Osten anders über Demokratie denkt: Eindrücke aus Sachsen und Thüringen

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In den Wochen vor und nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen sprachen drei Reporter mit Menschen, deren Geschichten einen tiefen Einblick in die politische Stimmung in Ostdeutschland geben. Die Begegnungen zeigen, warum viele Menschen im Osten anders über Demokratie und Mitbestimmung denken. Während einige seit Jahren montags demonstrieren und sich von „denen da oben“ bevormundet fühlen, setzen sich andere für ein offenes und buntes Leben vor Ort ein – und beobachten gleichzeitig die schleichende Normalisierung rechtsextremer Gedanken. Auch AfD-Wähler kommen zu Wort, die sich um den Wahlerfolg ihrer Partei betrogen fühlen. Was bedeutet das für die Gesellschaft und die Zukunft der Demokratie in Ostdeutschland?

„Wir lassen uns nicht vorschreiben, was wir denken sollen“
Jeden Montagabend versammeln sich Demonstrierende in vielen ostdeutschen Städten, um ihrem Unmut über die Politik Luft zu machen. Für sie geht es nicht nur um aktuelle Themen wie Energiepreise oder Migration, sondern um ein tieferes Gefühl der Entfremdung und Enttäuschung. „Wir lassen uns nicht vorschreiben, was wir denken sollen“, sagt ein Rentner aus Plauen, der seit Jahren auf die Straße geht. Für viele Ostdeutsche haben die Jahrzehnte nach der Wende nicht nur Wohlstand gebracht, sondern auch das Gefühl, ihre Lebensrealität werde im gesamtdeutschen Diskurs ignoriert. „Es ist, als würde der Westen uns ständig belehren“, so eine andere Demonstrantin. Diese Frustration führt oft zu einer Ablehnung der etablierten Parteien und einer Hinwendung zu Protestwahlen – etwa zur AfD.

Engagement für Vielfalt und eine schleichende Radikalisierung
Doch es gibt auch andere Stimmen. In Städten wie Leipzig oder Jena engagieren sich Initiativen, die sich für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander einsetzen. Dabei kämpfen sie nicht nur gegen rechtsextreme Gedanken, sondern auch gegen die allgemeine Resignation. Eine junge Aktivistin aus Chemnitz berichtet: „Wir sehen, dass rechtsextreme Gedanken immer normaler werden, selbst in der Mitte der Gesellschaft.“ Sie erzählt von Menschen, die sich öffentlich kaum noch trauen, gegen Rechts zu argumentieren, weil sie Angst haben, ausgegrenzt zu werden. „Es ist, als würde ein schleichender Prozess der Abstumpfung stattfinden. Man gewöhnt sich an Parolen und Aussagen, die früher noch unvorstellbar waren.“

Enttäuschung bei AfD-Wählern: „Unser Erfolg wird uns gestohlen“
Die AfD hat in den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen Rekordergebnisse erzielt, doch unter ihren Anhängern ist die Enttäuschung groß. „Unser Erfolg wird uns gestohlen“, sagt ein AfD-Wähler aus Gera und meint damit nicht nur die politische Ausgrenzung seiner Partei, sondern auch die Berichterstattung, die in seinen Augen parteiisch sei. Für viele AfD-Wähler ist die Partei die letzte Chance, um Gehör zu finden. Doch sie fühlen sich vom politischen System betrogen, vor allem wenn es um Koalitionen geht, die ihre Partei aus dem Spiel halten. „Was bringt uns die Wahl, wenn am Ende doch immer die gleichen das Sagen haben?“, fragt ein junger Handwerker. Diese Entfremdung und das Gefühl, keine Stimme zu haben, treiben die Menschen in die Arme radikaler Parteien.

Wahlergebnisse als Warnsignal – was nun?
Die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen zeigen nicht nur den Erfolg der AfD, sondern auch eine tiefe Spaltung der Gesellschaft. Es geht längst nicht mehr nur um Politikverdrossenheit, sondern um eine fundamentale Krise des Vertrauens in die demokratischen Institutionen. Viele Menschen im Osten fühlen sich seit Jahren nicht ernst genommen, ihre Sorgen und Ängste als „Ost-Problem“ abgestempelt. Doch die Erfolge der AfD sind ein Alarmsignal, das nicht ignoriert werden darf.

Brauchen wir eine neue Diskussionskultur? Ja, und zwar dringend. Eine, die nicht nur Meinungen zulässt, sondern aktiv den Dialog sucht. Eine Kultur, in der Menschen das Gefühl haben, dass ihre Stimme zählt und ihre Sorgen Gehör finden. Nur so kann verhindert werden, dass sich die politische Entfremdung weiter vertieft und Extremismus immer mehr zur Normalität wird. Die Wahlergebnisse sind ein Weckruf – jetzt ist es an der Zeit, aufeinander zuzugehen und miteinander zu sprechen, bevor die Gräben noch tiefer werden.

Schwerins Residenzensemble wird UNESCO-Welterbe: Triumph nach 20 Jahren Einsatz

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Das Residenzensemble in Schwerin wurde am 27. Juli 2024 zum UNESCO-Welterbe erklärt – ein Triumph, der zwei Jahrzehnte des Engagements und der Hartnäckigkeit belohnt. Das Ensemble umfasst das prächtige Schweriner Schloss sowie 37 weitere historische Gebäude außerhalb der Schlossinsel, die zusammen die kulturelle und architektonische Pracht Schwerins widerspiegeln. Der Weg zum Welterbetitel begann bereits im Jahr 2000, initiiert durch den Verein Pro Schwerin, dessen unermüdlicher Einsatz maßgeblich zur Anerkennung beitrug.

Am 24. September 2024 fand im Plenarsaal des Schweriner Schlosses eine Dankesveranstaltung statt, bei der Landtagspräsidentin Birgit Hesse den Beteiligten für ihren langjährigen Einsatz dankte. „Es ist für uns eine große Ehre, und wir sind sehr stolz. Aber wir wissen auch, wie viel Arbeit dahinter steckt, und gerade deshalb ist diese Dankesveranstaltung ein weiteres großes Highlight für Mecklenburg-Vorpommern“, erklärte Hesse. Mit Schwerin gesellt sich nun ein dritter Standort in Mecklenburg-Vorpommern zu den UNESCO-Welterbestätten, neben Stralsund und Wismar.

Das Residenzensemble in Schwerin beeindruckt durch seine reiche Geschichte und seine architektonische Vielfalt, die von mittelalterlichen Ursprüngen bis hin zu klassizistischen und neugotischen Stilen reicht. Das Herzstück des Ensembles, das Schweriner Schloss, ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ein Meisterwerk der Romantik, das majestätisch auf einer Insel im Schweriner See thront. Die weiteren Gebäude des Ensembles, darunter Ministerien, Gärten, Denkmäler und die historische Orangerie, fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein und erzählen die Geschichte von Macht, Kunst und Kultur in Mecklenburg.

Die Aufnahme des Residenzensembles in die Welterbeliste ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine Verpflichtung. Der Titel bringt die Aufgabe mit sich, das kulturelle Erbe zu schützen, zu erhalten und zukünftigen Generationen zugänglich zu machen. Seit der Gründung des Landes wurden bereits rund 400 Millionen Euro in die Restaurierung und den Erhalt der Bauten investiert. Der Welterbetitel soll den Schutz und die Pflege dieser einzigartigen Kulturlandschaft weiter stärken und zugleich die Bedeutung Schwerins als historisches Zentrum im Norden Deutschlands hervorheben.

Die Entscheidung, das Residenzensemble in die Welterbeliste aufzunehmen, ist ein bedeutender Meilenstein für Schwerin und ganz Mecklenburg-Vorpommern. Es zeigt, dass die Stadt ihre reiche Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auch mit Stolz in die Zukunft trägt. Der Titel bringt internationale Anerkennung und eröffnet neue Möglichkeiten, das kulturelle Erbe zu fördern und zu schützen. Für Schwerin ist es nicht nur eine Ehrung, sondern auch ein Auftrag, das historische Erbe lebendig zu halten und es der Welt zu präsentieren.