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Ehemaliger Grenzoffizier und DDR-Kritiker treffen erstmals aufeinander

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Im Jahr 1989 fand in der DDR ein Wandel statt, der das Leben von Millionen Ostdeutschen für immer verändern sollte. Für viele Menschen bedeutete der Fall der Berliner Mauer nicht nur das Ende einer politischen Ordnung, sondern den Beginn eines völlig neuen Lebensabschnitts. Die Wiedervereinigung, die Deutschland nach fast vier Jahrzehnten Teilung erlebte, wurde zu einem prägendem Ereignis. Doch die Wendezeit brachte auch Widersprüche, innere Konflikte und Neudefinitionen mit sich, wie das Beispiel von Peter Valdueza und Marc-Dietrich Ohse zeigt. Beide lebten in der DDR und hatten gegensätzliche Haltungen zum Staat und seinem System. Während Valdueza als Grenzoffizier an der Berliner Mauer im Dienst des Staates stand, kämpfte Ohse aktiv gegen das Regime – er war ein Teilnehmer der Montagsdemonstrationen in Leipzig. Mehr als 30 Jahre später trafen die beiden in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn aufeinander, dem größten ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost und West. Ihre Begegnung zeigt, wie tief die Erlebnisse der DDR-Zeit noch immer in ihnen verankert sind und wie unterschiedlich Menschen mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit umgehen.

Peter Valdueza wuchs in einem Arbeiterhaushalt auf und entwickelte schon früh eine positive Haltung zum sozialistischen Staat. Für ihn schien der Weg in den Staatsdienst als Grenzoffizier eine logische Entscheidung zu sein. Er erinnert sich, dass er stolz war, in die FDJ aufgenommen worden zu sein. Die FDJ, die Freie Deutsche Jugend, war die Jugendorganisation der DDR und ein wichtiges Instrument, um die sozialistische Ideologie zu verbreiten. Valdueza genoss die Vorteile, die ihm die Zugehörigkeit zur FDJ bot, und empfand es als Bestätigung und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die sich für den Aufbau des Sozialismus engagierte. Für ihn waren die Werte des Staates und die Loyalität gegenüber dem System selbstverständlich. Er nahm die ideologische Schulung in der FDJ als Teil seines Lebens an und fühlte sich gut darin aufgehoben. Mit der Zeit wurde Valdueza Grenzoffizier am Grenzübergang in Treptow und damit zu einem Teil der Institution, die das SED-Regime in der DDR stützte und die Grenze zu West-Berlin kontrollierte. Dies war für ihn keine leichte Aufgabe, sondern eine Tätigkeit, die die volle Überzeugung und das Bewusstsein erforderte, den Staat gegen seine Feinde zu verteidigen – auch wenn es bedeutete, Gewalt anzuwenden.

Marc-Dietrich Ohse hingegen hatte eine völlig andere Lebenswelt. Als Sohn eines Pastors stand er in einer kritischen Distanz zum sozialistischen Staat. Die Familie Ohse wuchs in einem Milieu auf, das von christlichen Werten und einer gewissen Skepsis gegenüber dem DDR-Regime geprägt war. Für ihn war die Loyalität gegenüber dem System weniger selbstverständlich. Ohse sah, wie Menschen in seinem Umfeld von der Staatssicherheit überwacht wurden, und er erlebte die Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der Reisefreiheit hautnah. Er wurde Teil der Montagsdemonstrationen in Leipzig, die zu einer zentralen Bewegung im Widerstand gegen das SED-Regime wurden. Die Demonstrationen gaben Menschen wie ihm die Möglichkeit, ihren Unmut über das System auszudrücken und ein Zeichen gegen die Repressionen der DDR zu setzen. Ohse erinnert sich daran, wie es für ihn war, auf die Straße zu gehen, sich gegen das Regime aufzulehnen und zu wissen, dass dies mit erheblichen Risiken verbunden war. Doch für ihn und viele andere war die Zeit gekommen, in der ein Aufbegehren unausweichlich schien. Die Montagsdemonstrationen symbolisierten für ihn und andere die Hoffnung auf Veränderung und die Möglichkeit, das SED-Regime zu Fall zu bringen.

Der entscheidende Moment kam am 9. November 1989, als die Berliner Mauer fiel und die Menschen in Ost und West endlich wieder vereint wurden. Doch mit der Freude über die Wiedervereinigung kamen auch Fragen und Konflikte auf. Für Valdueza, der lange Zeit die Grenze verteidigt hatte, bedeutete der Fall der Mauer nicht nur die Aufgabe seines bisherigen Berufs, sondern auch die Aufgabe einer Lebensweise, die ihn geprägt hatte. Er begann zu hinterfragen, was er geglaubt und wofür er gekämpft hatte. Es war ein schwieriger Prozess der Selbstreflexion, in dem er erkannte, dass vieles von dem, woran er geglaubt hatte, auf einer Illusion basierte. Die Ideologie, die ihm als wahr und gerecht vermittelt worden war, hatte ihn getäuscht, und er fühlte sich verraten von einem System, das ihm jahrelang die Werte des Sozialismus als das einzig Richtige verkauft hatte. Er stellt sich die Frage, ob er bereit gewesen wäre, die Waffe zu benutzen, um die Grenze zu verteidigen. Diese Frage bleibt für ihn bis heute schwer zu beantworten, doch er gesteht ein, dass er damals eine völlig andere Denkweise hatte und vielleicht anders gehandelt hätte, als er es heute tun würde.

Für Ohse hingegen war der Fall der Mauer und die folgende Wiedervereinigung ein Triumph. Er war stolz darauf, Teil der Bewegung gewesen zu sein, die das Regime zu Fall brachte. Die Montagsdemonstrationen und die friedliche Revolution wurden für ihn zum Höhepunkt seines Lebens, ein Moment, der ihm das Gefühl gab, etwas Bedeutendes erreicht zu haben. Ohse erinnert sich, wie aufgeregt und lebendig die Zeit war, wie sie von Hoffnung und Veränderungswillen geprägt war und wie er das Gefühl hatte, endlich für Freiheit und Demokratie kämpfen zu können. Die Demonstrationen von 1989 brachten eine Euphorie und eine Kraft des Wandels mit sich, die für ihn unvergesslich blieben. Ohse sieht in dieser Zeit die wichtigste und prägendste Erfahrung seines Lebens und erinnert sich voller Stolz an das, was er und seine Mitstreiter erreicht haben.

Die Begegnung von Valdueza und Ohse in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn zeigt, wie unterschiedlich Menschen die DDR-Zeit erlebt haben und wie vielfältig die Erfahrungen der Menschen in der ehemaligen DDR sind. Während Valdueza sich inzwischen von seinem früheren Weg distanziert und die friedliche Wende als einen positiven Ausgang anerkennt, bleibt Ohse bei seiner Überzeugung, dass der Widerstand gegen das Regime notwendig war. Beide erkennen jedoch an, dass die friedliche Revolution nur möglich war, weil sowohl die Demonstranten als auch Teile des Staates auf Gewalt verzichteten und auf Dialog setzten. So unterschiedlich ihre Lebenswege auch waren, in der Erinnerung an die friedliche Revolution finden sie eine gemeinsame Basis.

Die Geschichte von Valdueza und Ohse ist ein Beispiel dafür, wie tief die Vergangenheit noch immer in den Menschen der ehemaligen DDR verankert ist und wie wichtig es ist, diese Erfahrungen zu teilen, um die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands zu verstehen. Sie zeigt, dass die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ein vielschichtiger Prozess ist, in dem es nicht nur um Schuld und Unschuld geht, sondern auch um persönliche Erlebnisse, Prägungen und die Suche nach einem neuen Selbstverständnis. Valdueza und Ohse erinnern daran, dass die Geschichte der DDR eine Geschichte von Widersprüchen, Zwängen und Hoffnungen ist – und dass jeder Mensch seine eigenen Wege fand, um mit dieser Realität umzugehen. Ihre Begegnung in Marienborn ist ein Zeichen der Versöhnung und ein Aufruf, die Vergangenheit differenziert zu betrachten, um die Lehren für die Zukunft zu ziehen.

DB Regio verbessert Mobilfunkempfang in Zügen in Berlin und Brandenburg

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Foto: Deutsche Bahn

Fahrgäste in Berlin und Brandenburg können sich auf besseren Mobilfunkempfang in Regionalzügen der DB freuen: Im Auftrag des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) und der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) macht die DB die Fensterscheiben von insgesamt 21 Nahverkehrszügen nachträglich durchlässig für Mobilfunksignale. Mit modernster Lasertechnologie wird dafür ein feines Muster in die hauchdünne Metallschicht eingebracht, die sich auf den Scheiben befindet. Diese Schicht hat den Zweck, die Sonneneinstrahlung zu verringern; sie behindert aber auch den Mobilfunk.

Die Länder Berlin und Brandenburg sind bundesweit die ersten Aufgabenträger, die die DB mit dem nachträglichen Lasern der Zugfenster beauftragt haben. Verkehrsleistungen im Schienennahverkehr werden per Gesetz von den Bundesländern koordiniert; dazu gehört auch die Ausstattung der Züge im Regionalverkehr. Im Fernverkehr macht die DB die Fensterscheiben ihrer Züge bereits schrittweise nachträglich mobilfunkdurchlässig.

Durch die Bearbeitung mit der Laser-Technologie werden die Scheiben für das Handysignal praktisch so durchlässig wie normales Fensterglas. Ein Demonstrationszug mit gelaserten Scheiben ist bereits seit Oktober 2023 in Berlin und Brandenburg unterwegs. Jetzt werden im Werk von DB Regio Nordost in Berlin-Lichtenberg 20 weitere Züge vom Typ „Talent 2“ (ET 442) im laufenden Betrieb gelasert.

Thomas Dill, Bereichsleiter Center für Nahverkehrs- und Qualitätsmanagement beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB): „Im VBB fahren bereits diverse neue Züge, deren Fenster für den Mobilfunk durchlässiger sind. Mit dem nachträglichen Lasern der Zugfenster bringt der VBB jetzt auch ältere Regionalbahnen auf den Qualitätsstandard der neueren Züge im Verbundgebiet. Mobiles Arbeiten, Streamen oder Zeitung lesen auf dem Handy wird während der Zugfahrt dank besserem Mobilfunkempfang einfacher, das Fahrerlebnis für die Fahrgäste angenehmer.“

Carsten Moll, Leiter für den DB-Nahverkehr in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: „Die Linien RE7, RB20 und RB23 werden von vielen Pendler:innen und Studierenden genutzt, für die ein guter Empfang besonders wichtig ist. Neben dem WLAN profitieren sie in den gelaserten Zügen nun auch von einer besseren Verfügbarkeit von Mobilfunksignalen. Das Lasern ist ein besonders nachhaltiger Weg, den Fahrgästen mehr Komfort zu bieten, denn für besseren Handyempfang müssen wir keine einzige Zugscheibe austauschen.“

Modernisierung während des regulären Werkstattaufenthalts
Gelasert werden die Züge während ihrer regulären Werkstattaufenthalte. Innerhalb eines Arbeitstages können die Techniker:innen einen dreiteiligen Talent-Zug komplett lasern. Bis Mitte Dezember 2024 sollen alle 21 dreiteiligen ET 442, die im Netz Elbe-Spree fahren, gelasert sein. Sie bilden damit die erste Fahrzeugflotte der DB in einer Region, die komplett mit nachträglich gelaserten Scheiben unterwegs ist.

Über die Ausstattung der Züge für den Regionalverkehr entscheiden grundsätzlich die Bundesländer, die den Nahverkehr auf der Schiene koordinieren und bei Verkehrsunternehmen wie DB Regio bestellen. Die DB will deshalb weitere Aufgabenträger für das Verfahren des nachträglichen Scheiben-Laserns gewinnen.

Die Züge gehen nach den Werkstattaufenthalten, bei denen gelasert wird, unmittelbar zurück auf die Strecke. Fahrgäste profitieren damit Zug um Zug vom verbesserten Mobilfunkempfang an Bord. Die 21 Züge mit gelaserten Scheiben sind planmäßig im Einsatz auf den Linien

· RE7 Dessau – Senftenberg
· RB20 Oranienburg – Potsdam
· RB23 Golm – Flughafen BER

Neben den Talent-2-Dreiteilern sind in Brandenburg auf den Linien RE10 (Leipzig – Frankfurt/Oder) und RE11 (Leipzig – Hoyerswerda) Züge der DB vom Typ Siemens Mireo mit mobilfunkdurchlässigen Scheiben im Einsatz.

Für ungehinderten Empfang an Bord erhalten immer mehr Züge mobilfunkdurchlässige Fensterscheiben: Neue Fernverkehrszüge der DB wie der ICE 3neo sind ab Werk damit ausgestattet, zudem investiert die DB im Fernverkehr rund 50 Mio. Euro, um mehr als 70.000 Fensterscheiben der Fernverkehrszüge mit Laser-Technologie nachträglich mobilfunkdurchlässig zu machen.

Parallel zur Modernisierung der Züge kooperiert die DB intensiv mit Mobilfunkunternehmen, um den Mobilfunkempfang entlang der Schienenstrecken weiter zu verbessern. So stellt beispielsweise die Telekom ihren Kund:innen mittlerweile auf 99 Prozent der Hauptstrecken der DB Mobilfunk mit 200 Mbit/s und mehr zur Verfügung. Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin soll in den kommenden Jahren zur Innovationsstrecke für den Mobilfunkausbau mit lückenloser 5G-Ausleuchtung werden.

35 Jahre Mauerfall: Gera erinnert mit Installation an ein bedeutendes Ereignis

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Anlässlich des 35. Jahrestages des Mauerfalls lädt die Stadt Gera zu einer besonderen Installation vor dem Kultur- und Kongresszentrum ein. Diese Installation soll nicht nur an den historischen Moment des Mauerfalls am 9. November 1989 erinnern, sondern auch einen aktuellen Beitrag zur Debatte über Stadtplanung, Demokratie und die gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart leisten.

Das Areal, auf dem die Installation aufgestellt wird, liegt im Herzen von Gera, an einem Ort, der seit Jahrzehnten wie eine offene Wunde in der Stadtmitte wirkt. Früher war dieser Platz ein lebendiger Ort, an dem Fontänen sprudelten und reges Geschäfts- und Handelsleben herrschte. Die Menschen strömten auf den Platz, um miteinander in Austausch zu treten, zu handeln und die Atmosphäre einer prosperierenden Stadt zu erleben. Doch in den Jahren nach der Wende und dem Fall der Mauer hat sich das Bild des Platzes stark verändert. Der Handel und das geschäftliche Treiben sind verschwunden, und das Areal steht heute leer. Es gibt unterschiedliche Meinungen in der Bevölkerung darüber, wie dieser Platz zukünftig genutzt werden sollte. Einige plädieren für den Erhalt der Freifläche als öffentlichen Raum, der auch in der Zukunft Raum für Begegnungen und freie Entfaltung bietet. Andere hingegen setzen sich für eine Bebauung ein, die neuen Schwung und Leben in das Zentrum der Stadt bringen soll.

Diese öffentliche Debatte, die heute in Gera geführt wird, wäre vor dem Mauerfall undenkbar gewesen. Zu jener Zeit war es den Bürgern der DDR nicht möglich, ihre Meinung frei zu äußern oder über solche stadtplanerischen Entscheidungen in einem offenen Diskurs zu sprechen. Die Meinungsfreiheit, die heute selbstverständlich ist, wurde erst durch die friedliche Revolution und die Öffnung der Mauer erlangt. Der Mauerfall bedeutete nicht nur das Ende eines politischen Systems, sondern auch den Beginn einer Ära der persönlichen Freiheit, der Meinungsfreiheit und der demokratischen Mitbestimmung. In diesem Zusammenhang ist die Installation in Gera mehr als nur ein historisches Denkmal. Sie ist ein Symbol für den gelebten demokratischen Austausch, der heute möglich ist, und für die Verantwortung, die die Bürgerinnen und Bürger Gera und der gesamten Region in der Gestaltung ihrer Zukunft tragen.

Gera hat von der Wende enorm profitiert, doch der Weg zurück zu altem Glanz ist noch lang und von Herausforderungen geprägt. Viele Städte in den neuen Bundesländern, so auch Gera, kämpfen mit den Folgen des Strukturwandels nach der Wende und der schwierigen Transformation von einer sozialistischen Planwirtschaft hin zu einer Marktwirtschaft. Doch die Menschen in Gera haben nicht nur die Freiheit des Reisens und der freien Entfaltung gewonnen, sondern auch die Möglichkeit, ihre Stimmen in politischen und gesellschaftlichen Prozessen einzubringen. Die Meinungsfreiheit, die heute selbstverständlich ist, hat eine neue Ära der Bürgerbeteiligung eingeläutet, in der unterschiedliche Ideen und Perspektiven konstruktiv miteinander diskutiert werden können – ohne Angst vor Repressalien.

Die symbolische Mauer, die im Rahmen dieser Installation in Gera errichtet wird, lädt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ein, innezuhalten und persönlich darüber nachzudenken, was der Mauerfall für sie bedeutet. Sie ist ein Denkmal für die Freiheit, die mit der Öffnung der Mauer und dem Ende der Teilung Europas gewonnen wurde. Gleichzeitig fordert sie zur Reflexion über die Bedeutung von Freiheit und Demokratie in der heutigen Zeit auf. Der Dialog über die Zukunft Gera’s und über die Fragen der Stadtentwicklung, der sozialen Verantwortung und der politischen Mitbestimmung ist gerade in diesen bewegten Zeiten von großer Bedeutung.

In einer Zeit, in der viele demokratische Werte weltweit herausgefordert werden, ist es umso wichtiger, dass wir die Bedeutung der Freiheit und Demokratie in unserem täglichen Leben wachhalten. Die Installation vor dem Kultur- und Kongresszentrum in Gera ist ein Aufruf, diese Werte zu schützen und aktiv zu gestalten. Es geht nicht nur darum, die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch darum, die Zukunft gemeinsam zu gestalten – in Freiheit, mit Respekt vor unterschiedlichen Meinungen und im Streben nach einer besseren, inklusiven Gesellschaft.

Der 35. Jahrestag des Mauerfalls ist ein Moment des Innehaltens und der Reflexion. Es ist eine Gelegenheit, die Entwicklung unserer Gesellschaft zu würdigen, aber auch darüber nachzudenken, wie wir als Stadt und als Gemeinschaft in Zukunft zusammenarbeiten wollen. Die Installation soll nicht nur ein Erinnerungszeichen sein, sondern auch eine Einladung an alle Bürger, aktiv an der Gestaltung der Stadt und ihrer Zukunft teilzuhaben. Gera hat das Potenzial, zu einem Ort des Dialogs und der gelebten Demokratie zu werden – und der Mauerfall, als ein Symbol der überwundenen Teilung, bleibt dabei ein immerwährender Mahnruf für die Bedeutung von Freiheit und Zusammenhalt.

Erinnerungen an Robert Enke: Teresa Enke über Depression, Trauer und Hoffnung

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Am 10. November 2009 kam es zu einer Tragödie, die die Fußballwelt erschütterte: Robert Enke, der damalige Torwart der deutschen Nationalmannschaft, nahm sich das Leben. Der plötzliche Verlust eines der populärsten und talentiertesten Torhüter Deutschlands hinterließ nicht nur seine Familie, sondern auch eine ganze Nation in tiefer Trauer. Die Nachricht machte auf die Erkrankung aufmerksam, die Enke über viele Jahre hinweg begleitet hatte: Depressionen. Seine Witwe, Teresa Enke, entschied sich nach dem Schicksalsschlag dafür, das Thema offen anzugehen, um anderen Betroffenen zu helfen und ein Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schaffen. Sie gründete die „Robert Enke Stiftung“, die seitdem Aufklärungsarbeit leistet und sich dafür einsetzt, Menschen mit Depressionen zu unterstützen.

Im Interview, das Teresa Enke kürzlich gegeben hat, sprach sie über die Herausforderungen, die der Verlust mit sich brachte, und über ihre persönliche Trauerbewältigung. Sie beschreibt, wie sie und Robert versucht hatten, die Krankheit zu verstehen, obwohl Informationen und gesellschaftliche Akzeptanz damals knapp waren. Was sie bis heute quält, ist der Gedanke, dass Robert sich möglicherweise gar nicht wirklich das Leben nehmen wollte. „Er war ein lebensfroher Mensch, der in eine verzweifelte Situation geriet und keinen Ausweg sah“, erinnert sie sich. Seine Depression, die ihn über Jahre begleitete, war dabei eine ständige Belastung, die auch die glücklichen Momente überschatten konnte.

Auf die Frage, wie sie mit dem Tod ihres Mannes umgeht, erklärt Teresa, dass sie versucht, bestimmte Tage und Erinnerungen zu verdrängen. „Jedes Jahr, wenn Roberts Todestag näher rückt, vermeide ich, darüber nachzudenken“, sagt sie. Dabei empfindet sie das als eine Art Selbstschutz, eine natürliche Reaktion des Körpers, die es ihr ermöglicht hat, nach Roberts Tod für ihre Tochter und für sich selbst stark zu bleiben.

Eine prägende Episode in ihrer Trauerarbeit ereignete sich zwei Jahre nach Roberts Tod. Sie erinnert sich an einen Wintertag, an dem sie mit ihrer kleinen Tochter Leila im Schnee spazieren ging. Trotz der Schönheit des Moments fühlte sie eine tiefe Traurigkeit, bis ihre Tochter sagte: „Mama, nicht weinen.“ Dieser unschuldige Trost bewegte Teresa dazu, sich professionelle Hilfe zu suchen. In der Klinik empfahl ihr ein Therapeut, dass sie das Andenken an Robert bewahren, aber dennoch ihren eigenen Weg weitergehen könnte. Diese Worte gaben ihr den Anstoß, ihre Trauer anders zu verarbeiten und sich allmählich zu lösen.

Teresa berichtet, wie schwer es für sie war, eine gesunde Distanz zu finden, da Robert omnipräsent in ihrem Leben geblieben war – durch das Haus, das Umfeld und durch die Stiftung, die sie zu seinem Gedenken ins Leben gerufen hatte. Diese ständige Erinnerung war für sie einerseits eine Quelle der Stärke, andererseits machte sie es ihr schwer, sich emotional zu distanzieren. Erst in der Klinik wurde ihr bewusst, dass sie für ihre eigene seelische Gesundheit mehr Abstand finden musste.

Im Rückblick erkennt sie, dass Robert stets mit enormen inneren und äußeren Erwartungen zu kämpfen hatte. Besonders herausfordernd war für ihn die Zeit beim FC Barcelona, wo er sich nicht genügend unterstützt fühlte. Robert hatte es immer schwer, mit einem Umfeld zurechtzukommen, das ihn nicht ausreichend stützte. Teresa erklärt, dass dieser fehlende Rückhalt eine Rolle bei der Verschlimmerung seiner Depression spielte. „Er war hochmotiviert, doch der Trainer Louis van Gaal bevorzugte einen einheimischen Spieler, was Roberts Position gefährdete und ihn tief verunsicherte“, beschreibt sie. Die Erfahrung in Barcelona hatte sich nachhaltig auf sein Selbstbewusstsein ausgewirkt und den Grundstein für seine innere Zerrissenheit gelegt. Ein Gefühl der Wertschätzung fand er dann später auf Teneriffa, wo er als Star gefeiert wurde und ein zufriedenes Leben führen konnte – bis zur Geburt der gemeinsamen Tochter Lara, die schwer herzkrank war und nach nur zwei Jahren verstarb.

Dennoch betont Teresa, dass Laras Krankheit und Tod nicht die Ursache für Roberts Depression waren. Sie stellt klar, dass Menschen mit Depressionen keine „schwachen“ Menschen seien; es handle sich vielmehr um eine komplexe Krankheit, die oft ohne erkennbare Ursache ausbreche. Mit der Erkrankung ihrer Tochter sei das Paar stark umgegangen und habe diese Zeit gemeinsam überstanden. Teresa hebt hervor, dass Robert ein starker Mann war, der die dunklen Phasen seiner Krankheit allein durchlebte und dennoch seine Rolle im Profifußball meisterte. Dass psychische Krankheiten damals ein Tabuthema waren, habe Robert jedoch daran gehindert, offen über seine Probleme zu sprechen, aus Angst, als schwach oder weniger leistungsfähig wahrgenommen zu werden.

Die Gründung der Robert Enke Stiftung war für Teresa ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg, mit dem Verlust ihres Mannes umzugehen und etwas Positives aus der Tragödie zu schöpfen. Die Stiftung verfolgt das Ziel, die Gesellschaft für das Thema Depression zu sensibilisieren und dazu beizutragen, dass psychische Probleme nicht länger stigmatisiert werden. Teresa sieht in der Stiftung eine Art „Trauerarbeit“, die ihr hilft, Roberts Vermächtnis zu bewahren und zugleich andere Menschen zu unterstützen. Zahlreiche Zuschriften, die sie über die Jahre erhalten hat, bestätigen ihr, dass Roberts Geschichte vielen anderen Menschen das Leben gerettet hat. „Heute“, so Teresa, „muss sich niemand mehr alleine fühlen oder schämen.“

Auch im Profisport hat sich seit Roberts Tod einiges verändert. Inzwischen legen Vereine großen Wert darauf, ihre Spieler nicht nur physisch, sondern auch psychisch zu betreuen. Psychologen gehören heute zum Standard in der sportlichen Betreuung, und psychische Probleme sind kein Tabu mehr. Diese Entwicklung betrachtet Teresa mit Erleichterung. Sie ist überzeugt, dass Robert heute vielleicht noch leben würde, wenn er zu seiner Zeit dieselbe Unterstützung erhalten hätte wie Sportler heutzutage.

Teresa hat es geschafft, den Mut zu finden, nach vorn zu blicken und neue Wege zu gehen. Inzwischen ist sie wieder verheiratet und hat ein weiteres Kind bekommen. Der Verlust von Robert bleibt schmerzhaft, aber sie hat gelernt, ihn als Teil ihrer Vergangenheit anzunehmen, während sie ihr Leben weiterlebt. Die Worte ihres Therapeuten, die sie während ihrer Klinikaufenthalts gehört hatte, begleiten sie noch immer: „Du kannst sagen, dass Robert jetzt woanders ist und einen neuen Lebensabschnitt beginnen.“

Für Teresa ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sie aus ihrer Trauerarbeit mitgenommen hat, dass es kein „richtiges“ oder „falsches“ Trauern gibt. Sie hat gelernt, dass jeder Mensch auf seine eigene Weise trauern darf. Diese Freiheit in der Trauer ist für sie entscheidend, und sie rät auch anderen Angehörigen, sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen unter Druck setzen zu lassen. Angehörigen von Depressiven rät sie, einfühlsam und unterstützend zu sein und niemals Druck auszuüben. Wichtig sei es, dem Betroffenen zu signalisieren, dass er oder sie nicht allein ist.

Dass sich die Einstellung zur Depression und psychischen Krankheiten seit dem Tod ihres Mannes geändert hat, empfindet Teresa als eine positive Entwicklung. Sie wünscht sich, dass der Fortschritt im Umgang mit Depressionen und psychischen Problemen weiter voranschreitet und kein Mensch sich jemals wieder allein und unverstanden fühlen muss. Roberts Leben, so tragisch es endete, hat einen Wandel angestoßen – für Teresa und für viele andere Menschen, die durch seine Geschichte Hoffnung und Verständnis gefunden haben.

Schutz der Erinnerungskultur: Denkmale der DDR-Grenze

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Der Wiederaufbau eines Grenzturms in Walbeck, Sachsen-Anhalt, spiegelt das gestiegene Interesse an der deutschen Erinnerungskultur wider, insbesondere hinsichtlich der Teilung und ihrer physischen Überbleibsel. Der 2009 illegal abgerissene Turm, ein einzigartiges Denkmal der deutschen Teilung, wurde dank des Engagements des Walbecker Heimatvereins in einem vierwöchigen Projekt wiedererrichtet und soll künftig als Mahnmal an diese Epoche der deutschen Geschichte erinnern.

Die innerdeutsche Grenze, die Deutschland fast vier Jahrzehnte lang trennte, war geprägt von Mauern, Zäunen, Minen und Selbstschussanlagen und bildete einen Todesstreifen, der das Land zerteilte und Familien und Dörfer voneinander isolierte. Viele Orte entlang der Grenze, darunter das Dorf Walbeck, lagen in der Sperrzone, und Bewohner mussten strikte Zugangskontrollen und Einschränkungen erdulden. So berichtet etwa Ulrich Mühe, dass Besuche bei seinen Großeltern in Walbeck nur mit Passierschein möglich waren. Diese Nähe zur Grenze prägte das tägliche Leben der Menschen tiefgreifend.

Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 verschwand ein Großteil der Grenzanlagen, doch seither haben zahlreiche Initiativen in Deutschland, wie die in Walbeck, daran gearbeitet, Erinnerungsstücke zu erhalten und zugänglich zu machen. In Stapelburg am Harz etwa dokumentiert eine Heimatstube die Grenzgeschichte, und ein Bunker dient heute als Museum. In Hötensleben sind die Grenzanlagen sogar vollständig erhalten und zeigen in ihrer kompletten Struktur die Funktionsweise des DDR-Grenzregimes. René Müller, Vorsitzender des Grenzdenkmalvereins, erläutert die Anlage und betont die Risiken, die Menschen auf sich nahmen, um in den Westen zu fliehen. Die Erhaltung dieser Anlagen führte in Hötensleben zu Beginn zu starken Kontroversen, doch inzwischen zählt das Denkmal zum europäischen Kulturerbe, und die Bewohner sind stolz auf ihren Teil der deutsch-deutschen Geschichte.

In Wülperode widmen sich Schüler eines Gymnasiums der Pflege eines Grenzdenkmals. Ihr Geschichtslehrer, Sebastian Knobbe, sieht darin eine wertvolle Möglichkeit, junge Menschen mit den Lehren der Vergangenheit vertraut zu machen. Die „Grenzwandler“-App ergänzt solche Bildungsprojekte durch die virtuelle Aufarbeitung verschwundener Dörfer wie Jahrsau. Die App nutzt historische Fotos und Zeitzeugenberichte und ermöglicht so eine digitale Erinnerungstour durch die einstige Sperrzone.

Auch das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist heute ein Symbol für die überwundene Teilung. Diese besondere Biotopverbindung zieht sich entlang der alten Grenze von der Ostsee bis zum Vogtland und hat sich zu einem einzigartigen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Naturschützer wie Dieter Leupold sehen im Grünen Band nicht nur einen Naturschatz, sondern auch ein Symbol für den friedlichen Wandel und den Wert der Erinnerungskultur. Dieses Naturparadies zeigt, dass selbst die einstige Todeszone durch das Engagement von Naturschützern und Historikern eine neue Bedeutung und Funktion erlangen kann.

Ein bewegendes Beispiel für die Grenzöffnung ist die Geschichte von Peter Röhling aus Stapelburg, der zwei Tage nach dem Mauerfall gemeinsam mit seinem Schwager die ersten Schrauben an den Grenzanlagen löste, um die Grenze in Stapelburg zu öffnen. Diese Tat, die mutig und symbolträchtig zugleich war, wird in Stapelburg bis heute gewürdigt und gefeiert. Die Erinnerung an diese und ähnliche Ereignisse trägt zur Bewahrung der Geschichte bei und dient als Mahnung an die Zeit der deutschen Teilung.

Der wiederaufgebaute Grenzturm in Walbeck hat das Potenzial, ein bedeutsamer Anlaufpunkt für Wanderer und Radfahrer entlang des Grünen Bandes zu werden. Als Symbol für die Überwindung der Trennung und die Kraft des gemeinsamen Erinnerns soll er auch künftige Generationen daran erinnern, wie wertvoll die heutige Einheit und Freiheit sind. Die Erinnerungslandschaften entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze bezeugen den Wandel von der Abschottung hin zur Offenheit und zeigen, wie Vergangenheit und Gegenwart durch das Engagement der lokalen Bevölkerung, Vereine und Bildungsinitiativen miteinander verbunden bleiben.

Christian Schaft (Die Linke Thüringen) – Würden auch mit der AfD abstimmen!

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Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Thüringer Landtag, Christian Schaft, stellt in einem Interview seine Positionen und Herausforderungen dar, vor denen die Linke nach der Landtagswahl steht. Die sogenannte „Brombeerkoalition“ aus CDU, SPD und Grünen verfügt nur über eine knappe Mehrheit, wodurch die Linke als Oppositionspartei an Einfluss gewinnt.

Schaft betont, dass die Linke eine konstruktive Opposition sein will, aber gleichzeitig ihre Zustimmung zu Gesetzen und Initiativen von ihrem moralischen Kompass und ihrer Programmatik abhängig macht. Dies führt zu der Situation, dass die Linke in Sachfragen mit der AfD stimmen könnte, obwohl die Beweggründe für das Abstimmungsverhalten unterschiedlich sind. Schaft nennt als Beispiele die Inklusion an Schulen und die Befugnisse des Verfassungsschutzes. Er stellt klar, dass die Linke, anders als die CDU in der vergangenen Legislaturperiode, nicht bewusst die Stimmen der AfD für eine Blockadepolitik nutzen will.

Trotzdem sieht Schaft die Gefahr, dass die „Brombeerkoalition“ sich im Zweifel Mehrheiten bei der AfD sucht, wenn die Linke nicht zustimmt. Er verweist auf die Senkung der Grunderwerbsteuer in der letzten Legislaturperiode als Beispiel für ein solches Vorgehen der CDU. Schaft fordert die „Brombeerkoalition“ auf, das Gespräch mit der Linken zu suchen, um demokratische Mehrheiten ohne die AfD zu finden. Er schlägt ein Fairness-Abkommen oder einen Stabilitätspakt vor, um stabile Verhältnisse im Landtag zu schaffen.

Als erste Nagelprobe für die Zusammenarbeit sieht Schaft die Haushaltsverhandlungen. Die Linke will wichtige Vorhaben aus der Zeit der rot-rot-grünen Landesregierung bewahren und lehnt eine Kürzungsorgie der CDU ab. Ein zentraler Punkt für die Linke ist die Beitragsfreiheit im Kindergarten, für die sie einen haushaltsbegleitenden Antrag einbringen will. Schaft hofft, dass dies ein gemeinsames Projekt mit der „Brombeerkoalition“ werden kann.

Weitere Themen, die im Interview angesprochen werden, sind die Corona-Pandemie und die US-Präsidentschaftswahl. Schaft spricht sich für eine Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie aus, anstatt für einen Untersuchungsausschuss. Die Wahl von Donald Trump bezeichnet er als globale Katastrophe und befürchtet negative Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen und die Wirtschaft in Thüringen.

Schließlich geht es um die Besetzung des Vizepräsidenten und eines stellvertretenden Mitglieds des Verfassungsgerichtshofs. Schaft lehnt den von der AfD vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten ab und stellt klar, dass die Linke keinen Kandidaten der AfD für diese Position wählen wird. Bezüglich des stellvertretenden Mitglieds des Verfassungsgerichtshofs will sich Schaft die Person erst ansehen, äußert aber auch hier Zweifel an der Zustimmung der Linken.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Linke im Thüringer Landtag vor der Herausforderung steht, als konstruktive Opposition zu agieren, ohne der AfD Einfluss zu verschaffen. Die „Brombeerkoalition“ ist auf die Stimmen der Linken angewiesen, um stabile Mehrheiten zu sichern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit zwischen den Parteien entwickeln wird.

Björn Höcke (AfD Thüringen) weiterhin für Schaukelstuhlpolitik offen

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Björn Höcke äußerte sich kürzlich zu einer Vielzahl politischer Themen, wobei er insbesondere auf die Gesprächsbereitschaft der AfD und ihre Beziehungen zu anderen politischen Akteuren einging. Höcke erklärte, dass die AfD bereit sei, mit allen Abgeordneten zu sprechen, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, jedoch wurden die Gesprächsangebote an die CDU und die BSW nach der Wahl abgelehnt.

Er kritisierte zudem die Medienberichterstattung über die BSW und warf ihr vor, sich zu sehr dem politischen Establishment anzupassen. Höcke warnte, dass die BSW ihren „Markenkern“ verlieren könnte, wenn sie nicht konsequent an ihren Positionen festhalte. In Bezug auf eine mögliche Koalition aus CDU, BSW und SPD bezeichnete er diese als „Bromberg-Koalition“ und äußerte Bedenken hinsichtlich ihrer Stabilität und Handlungsfähigkeit. Für Thüringen forderte er stabile Verhältnisse, die er nur mit einer Beteiligung der AfD für möglich hielt.

Des Weiteren kommentierte Höcke die Wahl eines Stellvertreters für das Verfassungsgericht und erklärte, dass die AfD einen Kandidaten aus Südthüringen nominiert habe. Er sprach sich für eine Einigung auf gemeinsame Kandidaten aus, um die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Landtag zu erzielen. In Bezug auf die Wahl eines AfD-Vizepräsidenten kritisierte Höcke das Vorgehen der CDU und bemängelte, dass neue Bedingungen aufgestellt wurden, die zuvor nicht vereinbart worden waren.

Höcke erklärte, dass die AfD keine Unterstützung für die „labile“ Regierung leisten werde und kündigte eine „knallharte Oppositionspolitik“ an. Auch der von der BSW vorgeschlagene Einsetzungsbeschluss für einen Corona-Untersuchungsausschuss wurde von ihm kritisiert, da dieser zu ungenau und unvollständig erschien. Er forderte eine tiefgehende und systematische Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen, die insbesondere die Landesregierung und verschiedene relevante Themen wie Impfung, Straßenproteste und Schulen einbeziehen sollte.

Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber bestimmten Aspekten des Vorschlags zeigte sich Höcke dennoch offen für Gespräche mit anderen Fraktionen, um einen gemeinsamen Einsetzungsbeschluss zu erarbeiten, der auch die Anliegen der AfD berücksichtigt.

Die Verkaufskultur in Kaufhallen der DDR

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Die Verkaufskultur in den Kaufhallen der DDR war ein vielschichtiges Thema, das von organisatorischen und technischen Aspekten bis hin zur persönlichen Einstellung der Mitarbeiter reichte. Sie beeinflusste maßgeblich das Einkaufserlebnis der Kunden. Zwei Beispiele aus Berlin-Friedrichshain verdeutlichen diesen Unterschied deutlich.

Die Kaufhalle mit gravierenden Mängeln
Die erste Kaufhalle kämpfte mit mehreren schwerwiegenden Mängeln in puncto Hygiene und Kundenservice. Der Zustand der Waren und die Sauberkeit in den Regalen ließen stark zu wünschen übrig. Konserven waren verschmutzt, und eine beschädigte Verpackung zeugte von mangelhafter Sorgfalt im Umgang mit den Produkten. Besonders beunruhigend war, dass verdorbene Milchprodukte in einer unzureichend gereinigten Ecke lagerten, was zu einer massiven Gesundheitsgefährdung führen konnte. Brot, das in dieser Halle zum Verkauf angeboten wurde, musste vom Kunden selbst in Scheiben geschnitten werden, was in puncto Hygiene fragwürdig war. In dieser Halle war die Atmosphäre von Desinteresse und Nachlässigkeit geprägt. Die Mitarbeiter kümmerten sich wenig um das ordnungsgemäße Aussortieren abgelaufener Produkte oder das Nachfüllen der Regale.

Kunden, die ihre Beschwerden äußerten, stießen auf wenig Verständnis. Zwar wurde ihre Kritik zur Kenntnis genommen, doch es dauerte eine lange Zeit, bis erste Maßnahmen ergriffen wurden. Erst als die Hygieneinspektion drohte, mit Sanktionen gegen die Kaufhalle vorzugehen, kam es zu ersten Verbesserungen. Doch der Vorgang zeigte deutlich, dass der Austausch von Ideen und die Bereitschaft zur Veränderung in dieser Einrichtung stark ausbaufähig waren. Die Kaufhalle konnte nicht mit einer serviceorientierten Haltung punkten, und der Einkauf war ein eher unangenehmes Erlebnis, das vor allem durch das mangelnde Engagement der Mitarbeiter geprägt war.

Die Kaufhalle mit kundenfreundlichem Ansatz
Im direkten Gegensatz dazu steht die zweite Kaufhalle, die sich durch hohe Hygienestandards und ein deutlich höheres Maß an Kundenorientierung auszeichnete. Die Leiterin dieser Kaufhalle war ein Beispiel für persönliches Engagement. Sie war regelmäßig selbst in den Regalen tätig, putzte, ordnete und stellte sicher, dass die Ware immer ansprechend und hygienisch korrekt präsentiert wurde. Dieses persönliche Engagement wirkte sich nicht nur positiv auf die Sauberkeit aus, sondern auch auf das Verhalten der Mitarbeiter. Sie wurden durch die Leiterin zu einer verantwortungsbewussten und freundlichen Kundenbetreuung angehalten und motiviert, das Einkaufserlebnis stetig zu verbessern.

Der Service war hier auf einem viel höheren Niveau. Die Mitarbeiter gingen auf die Wünsche der Kunden ein, boten Unterstützung beim Auffinden von Produkten und sorgten dafür, dass die Atmosphäre freundlich und einladend war. Auch die Lagerung der Produkte entsprach einem hohen Standard. Regelmäßig wurde auf die Qualität der Lebensmittel geachtet, und auch die Verpackungen wurden auf Beschädigungen überprüft. Der gesamte Eindruck der Kaufhalle war sauber, ordentlich und professionell.

Die Bedeutung der Verkaufskultur
Der Vergleich dieser beiden Kaufhallen verdeutlicht, wie wichtig eine funktionierende Verkaufskultur ist. Verkaufskultur umfasst nicht nur die physischen Aspekte eines Marktes, sondern auch die interpersonelle Kommunikation und die Haltung der Angestellten. Sie spiegelt sich in der Organisation und Anordnung der Produkte, der Hygiene, der Sauberkeit und der Aufmerksamkeit gegenüber den Kunden wider. Der Kunde ist immer ein Spiegelbild der Qualität und des Engagements eines Unternehmens.

In der DDR war die Verkaufskultur oft durch den Mangel an vielen Produkten und durch eine gewisse Bürokratie geprägt. Doch auch in diesem System konnte es Unterschiede zwischen einzelnen Einrichtungen geben. Der Begriff „Verkaufskultur“ war mehr als nur ein abstrakter Begriff – er beeinflusste direkt das Einkaufserlebnis und war ein Ausdruck des sozialen und wirtschaftlichen Umfelds, in dem die Menschen lebten.

Die Verkäufer hatten in den DDR-Kaufhallen eine besondere Bedeutung, da sie als Bindeglied zwischen der Warenwelt und den Kunden agierten. Ihre Ausbildung und Motivation waren daher zentrale Faktoren, die über den Erfolg oder Misserfolg der jeweiligen Kaufhalle entschieden. In der ersten Kaufhalle zeigte sich, wie ein Mangel an Engagement und einer strukturierten Verkaufsorganisation den Kundenservice negativ beeinflussen konnte. In der zweiten Kaufhalle hingegen zeigte sich, dass durch persönliche Verantwortung und hohe Ansprüche an Sauberkeit und Kundenservice eine Verbesserung der Kaufkultur und ein positives Einkaufserlebnis für die Kunden erzielt werden konnten.

Zusammenfassung
Die Verkaufskultur in der DDR war nicht nur ein abstrakter Begriff, sondern hatte direkte Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen. Die beiden Beispiele aus Berlin-Friedrichshain verdeutlichen, dass eine Kaufhalle mit Desinteresse und Hygienemängeln das Einkaufserlebnis zu einem unangenehmen und gesundheitlich bedenklichen Erlebnis machen konnte, während ein engagierter und kundenfreundlicher Ansatz zu einer deutlich positiveren Wahrnehmung führte. Es wurde deutlich, dass Verkaufskultur in der DDR in erster Linie durch die Kombination von Ordnung, Sauberkeit und Freundlichkeit geprägt wurde und sich in der Praxis als sehr unterschiedlich umsetzen ließ.

Mario Voigt (CDU Thüringen) – „Jetzt reden wir über die thüringer Themen“

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Im Interview spricht Mario Vogt, CDU-Fraktionschef im Thüringer Landtag, über die Herausforderungen und Prioritäten der Koalitionsverhandlungen mit der Bürger für Thüringen (BSW). Die Verhandlungen verlaufen gut, und Vogt zeigt sich zuversichtlich, dass ein Koalitionsvertrag die geforderten Veränderungen widerspiegeln wird. Die zukünftige Regierung werde sich besonders auf Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik sowie Digitalisierung konzentrieren. Auch betont er die Wichtigkeit des Landeshaushalts, um die finanzielle Stabilität zu sichern, und hebt den wirtschaftlichen Einfluss der USA und die Bedeutung der Ukraine-Krise für Thüringen hervor.

Ein Schwerpunkt liegt auf den Corona-Untersuchungsausschüssen, die Vogt unterstützt, um Lehren aus der Pandemie zu ziehen. Dies solle nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern langfristige Verbesserungen ermöglichen. Zur Zusammenarbeit mit der AfD erklärt Vogt, dass die CDU auf eine funktionierende Arbeitsweise im Landtag setzt. Die Besetzung von Schlüsselpositionen wie dem Vizepräsidenten und die Arbeit im Richterwahlausschuss machen eine Zusammenarbeit erforderlich. Hierbei erwartet die CDU ein konstruktives Verhalten der AfD.

Koalitionsverhandlungen mit der BSW
Vogt ist besonders optimistisch hinsichtlich der fortlaufenden Koalitionsverhandlungen mit der BSW. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien soll zu einem Vertrag führen, der die am 1. September 2024 geäußerten Wählerwünsche aufgreift und in praktische Regierungsarbeit umsetzt. Sieben Arbeitsgruppen arbeiten derzeit intensiv an spezifischen Inhalten des Koalitionsvertrags. Laut Vogt sollen die Inhalte des Vertrags spürbare Veränderungen für die Menschen in Thüringen bewirken und eine neue politische Richtung signalisieren. Themen wie Wirtschaftsförderung, Gesundheitsversorgung und Bildungspolitik stehen dabei im Vordergrund, und auch die Digitalisierung ist ein wichtiger Bereich, in dem die künftige Regierung ambitionierte Ziele hat.

Vogt schätzt die gute Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Verhandlungsparteien. Besonders betont er die konstruktive Atmosphäre der Verhandlungen, die eine Grundlage für stabile Regierungsarbeit und gemeinsame Ziele bildet. Der CDU-Fraktionschef äußert sein Vertrauen in den Prozess und zeigt sich überzeugt, dass die anstehenden Herausforderungen von einer stabilen Koalition gemeinsam und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger bewältigt werden können.

Herausforderungen und Ziele der zukünftigen Regierung
Die künftige Regierung wird sich laut Vogt auf Kernbereiche wie Wirtschaft, soziale Sicherheit, Bildung und die Digitalisierung konzentrieren. Die Sicherung von Arbeitsplätzen steht für die CDU an oberster Stelle. Thüringen müsse wirtschaftlich gestärkt werden, um den Menschen langfristig Perspektiven zu bieten. Vogt betont auch, dass die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen ausgebaut werden müsse, um sicherzustellen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu Gesundheitsdiensten haben.

Bildungspolitik spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Die CDU setzt sich für eine Stärkung des Bildungswesens und eine Modernisierung der Schulen ein. Vogt sieht eine Zukunft, in der Schulen mit moderner Technologie ausgestattet sind und digitale Kompetenz gefördert wird. Zudem soll die berufliche Bildung ausgebaut werden, um den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden. Vogt ist überzeugt, dass durch gezielte Maßnahmen in diesen Bereichen Thüringen zukunftsfähiger und attraktiver wird.

Die Bedeutung des Haushalts
Der Haushaltsplan ist für Vogt eine der dringendsten Aufgaben. Die finanzielle Lage des Landes ist angespannt, und die kommenden Jahre könnten laut Vogt besonders herausfordernd werden. Ein zügiger Abschluss des Haushalts sei notwendig, um den Kommunen und sozialen Einrichtungen Planungssicherheit zu geben. Die CDU möchte einen Haushalt verabschieden, der sowohl die finanziellen Möglichkeiten des Landes berücksichtigt als auch wichtige Investitionen in die Zukunft ermöglicht. Vogt betont die Notwendigkeit, den Gemeinden und Bürgern eine stabile und verlässliche Grundlage zu bieten, die Sicherheit für Investitionen und Projekte schafft.

Internationale Entwicklungen und deren Einfluss auf Thüringen
Vogt spricht auch über die weltpolitische Lage und wie diese Thüringen beeinflussen könnte. Die Präsidentschaftswahlen in den USA werden für Thüringen von Bedeutung sein, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich. Donald Trumps Wahlkampf und seine mögliche Wiederwahl könnten laut Vogt Auswirkungen auf Thüringen haben, besonders hinsichtlich der Handelspolitik und der Beziehungen zu den USA. Vogt ist der Ansicht, dass eine mögliche Wirtschaftspolitik unter Trump mit einem Fokus auf Deregulierung und wirtschaftsliberale Ansätze Thüringen Impulse geben könnte, aber gleichzeitig Risiken für die exportorientierte Wirtschaft des Landes berge.

Auch der Krieg in der Ukraine beschäftigt Vogt und die CDU in Thüringen. Der Krieg führt zu Unsicherheiten und Belastungen für die Menschen, die in wirtschaftlichen Fragen sowie in der Energieversorgung spürbar werden. Vogt sieht in der Unterstützung der Ukraine nicht nur eine moralische Pflicht, sondern auch eine Notwendigkeit, um Stabilität in Europa zu sichern.

Corona-Untersuchungsausschüsse
Ein weiterer Aspekt im Interview ist Vogts Stellungnahme zu den geplanten Corona-Untersuchungsausschüssen. Die CDU steht den beiden geplanten Untersuchungsausschüssen offen gegenüber. Vogt unterstützt die Initiative, aus der Pandemie Lehren zu ziehen und zu analysieren, welche Maßnahmen erfolgreich waren und wo Verbesserungsbedarf besteht. Besonders wichtig sei es, die Ausschüsse so zu organisieren, dass die Erkenntnisse aus der Pandemiepolitik auch in zukünftige Krisenbewältigung einfließen können. Vogt zeigt sich zuversichtlich, dass die Arbeit in den Untersuchungsausschüssen konstruktiv verlaufen wird und zur Stärkung der Handlungsfähigkeit in Thüringen beitragen kann.

Zusammenarbeit mit der AfD
Zur Zusammenarbeit mit der AfD im Thüringer Landtag äußert sich Vogt differenziert. Er sieht die Notwendigkeit, mit allen Parteien im Landtag Gespräche zu führen, um eine arbeitsfähige Mehrheit zu schaffen. Die CDU ist auf konstruktive Zusammenarbeit angewiesen, um die Ausschüsse zu besetzen und die Funktionsfähigkeit des Parlaments zu gewährleisten. Besonders die Besetzung des Vizepräsidenten und die Arbeit im Richterwahlausschuss erfordern laut Vogt ein kooperatives Verhalten aller Parteien. Er fordert die AfD auf, ihre Blockadehaltung in diesen Gremien aufzugeben, um die parlamentarische Arbeit nicht zu behindern.

Vogts Vision für Thüringen
Abschließend spricht Vogt über seine Vision für Thüringen und wünscht sich eine neue politische Kultur im Landtag. Er betont, dass das Verbindende und der Austausch im Vordergrund stehen sollen. Vogt sieht die Koalitionsverhandlungen als Chance, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen und eine stabile, verlässliche Regierung zu bilden. Sein Ziel ist es, durch die Verhandlungen ein Ergebnis zu erreichen, das allen Partnern gerecht wird und den Interessen des Landes Thüringen dient.

Vogts optimistische Einschätzung und sein Engagement für die Koalitionsverhandlungen zeigen seine Hoffnung, dass die CDU in Zusammenarbeit mit der BSW eine starke Regierung aufbauen kann, die auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger eingeht und Thüringen in eine stabile Zukunft führt.

Eigentümerwechsel bei der Villa Hirsch in Gera

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Der Verkauf der Villa Hirsch von der GWB Elstertal an die Sparkasse Gera-Kreuz markiert ein bedeutsames Ereignis für die Stadt Gera und ihre Bevölkerung. Die Villa Hirsch, ein denkmalgeschütztes Gebäude mit historischem Wert und einem weitläufigen Park, wurde von der Sparkasse übernommen, die das Anwesen weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich halten wird. Neben der Villa gehören auch das Kutscherhaus und der englische Park zur Anlage, die seit langem einen besonderen Platz in der Stadt einnimmt.

Die GWB Elstertal hatte das Anwesen vor vielen Jahren erworben und es umfangreich saniert, wobei etwa vier Millionen Euro in die Renovierung der Villa investiert wurden. Das Unternehmen stellte sich der Herausforderung, das historische Gebäude in gutem Zustand zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, obwohl dies nicht Teil seines Kerngeschäfts ist. Als städtisches Wohnungsbauunternehmen konzentriert sich die GWB Elstertal in erster Linie auf die Bereitstellung von Wohnraum für die Bevölkerung von Gera. Die Sanierung und der Unterhalt eines Anwesens wie der Villa Hirsch stellten daher eine zusätzliche Belastung dar, die über die eigentlichen Aufgaben des Unternehmens hinausging. Der Verkauf der Villa erlaubt es der GWB Elstertal, sich wieder voll auf ihr Hauptgeschäft zu fokussieren und die eingenommenen Mittel gezielt in ihre umfangreichen Wohnbauprojekte in der Stadt zu investieren.

Die Sparkasse Gera-Kreuz, ein weiteres öffentliches Institut mit regionaler Verbundenheit, erscheint als idealer Käufer für die Villa. Die Sparkasse plant, das Gebäude für verschiedenste Zwecke zu nutzen, darunter Schulungen, Kundenveranstaltungen und öffentliche Events. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf der Nutzung des Parks liegen, der auch künftig für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Zudem wird das Obergeschoss der Villa vom Sportamt und dem Stadtsportbund genutzt, was sicherstellt, dass die Villa weiterhin eine Rolle im öffentlichen Leben der Stadt spielt. Dies entspricht dem Wunsch vieler Bürger, die sich wünschten, dass die Villa nach einem Verkauf weiterhin öffentlich zugänglich bleibt.

Ein interessantes Vorhaben ist die geplante Sanierung des Kutscherhauses, das sich auf dem Gelände befindet und nach wie vor modernisierungsbedürftig ist. Die Sparkasse plant, das Gebäude mit einer hochwertigen Gastronomie zu beleben, die als Anlaufpunkt für verschiedene gesellschaftliche Anlässe dienen soll. Denkbar wäre etwa eine Kombination aus einem Restaurant und einer kleinen Pension, die Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste bietet und idealerweise den Park als zusätzlichen Erholungsort integriert. Dieses Konzept ermöglicht es, Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Firmenfeiern mit einem ansprechenden gastronomischen Angebot zu ergänzen. Ein Biergarten im Park ist ebenfalls eine Überlegung, die die Sparkasse ins Auge fasst. Dabei wird betont, dass ein solcher Betrieb nicht nur hohe Ansprüche an die Servicequalität stellt, sondern auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sein muss. Die Suche nach einem geeigneten Betreiber, der die nötige Erfahrung und das finanzielle Potenzial mitbringt, ist daher eine anspruchsvolle Aufgabe, die Zeit und sorgfältige Planung erfordert.

Die Villa Hirsch und ihre Umgebung sind kulturelle Schätze der Stadt Gera, und das Engagement der Sparkasse zeigt, dass diese besondere Immobilie nicht nur ein bauliches Erbe ist, sondern auch als lebendiger Teil der Stadtgesellschaft erhalten bleiben soll. Der Verkauf wurde daher von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen, da die Villa nicht nur ein Teil der städtischen Identität ist, sondern auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt. In diesem Sinne plant die Sparkasse, die Villa in die touristischen Angebote der Stadt zu integrieren. Die besondere historische Bedeutung der Villa und ihre eindrucksvolle Architektur machen sie zu einem attraktiven Ziel für Besucher und Einheimische gleichermaßen. Mit regelmäßigen Führungen und Veranstaltungen könnte die Villa Hirsch eine wichtige Rolle im kulturellen Leben von Gera spielen und dazu beitragen, die Geschichte und den architektonischen Reichtum der Stadt einem breiten Publikum näherzubringen.

Ein besonders erwähnenswertes Detail der Villa ist ihre lange und vielschichtige Geschichte, die auch Verbindungen zum Bauhaus aufweist. Die Sparkasse plant, das Anwesen als einen wichtigen Ort für kulturelle Veranstaltungen in das Stadtleben zu integrieren, und hofft, dass die Villa auch von Touristen und Kulturliebhabern verstärkt wahrgenommen wird. So könnten zukünftig sowohl Einheimische als auch Gäste der Stadt die Schönheit und Geschichte der Villa Hirsch bei einem Besuch im Park und in den Räumlichkeiten der Villa erleben.

Das Engagement der Sparkasse für die Villa Hirsch ist ein Beispiel dafür, wie historische Gebäude sinnvoll und nachhaltig in das moderne Stadtleben integriert werden können. Die Sparkasse zeigt, dass sie nicht nur ein Ort für Finanzdienstleistungen ist, sondern auch eine Verantwortung für das kulturelle Erbe der Region übernimmt. Der Kauf der Villa und das umfassende Nutzungskonzept spiegeln dieses Verständnis wider. Dank dieser Entscheidung bleibt ein wichtiges Stück Geschichte der Stadt erhalten und wird gleichzeitig einer neuen, zeitgemäßen Nutzung zugeführt. Die Entscheidung der Sparkasse, die Villa Hirsch weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie aktiv in das städtische und touristische Angebot von Gera einzubinden, zeigt, wie historische Gebäude wertvoller Bestandteil eines modernen, urbanen Lebensgefühls sein können.