Der Jahresabschluss 1945 markierte einen entscheidenden Einschnitt für das Rundfunkwesen in der sowjetischen Besatzungszone. Am 21. Dezember wurde der gesamte Rundfunk der wenige Monate zuvor gegründeten Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung (DZVfV) unterstellt. Diese Entscheidung bedeutete weit mehr als eine organisatorische Neuordnung. Sie definierte die Rolle des Radios in der Nachkriegsgesellschaft grundlegend neu.
Die im August 1945 eingerichtete Zentralverwaltung hatte offiziell die Aufgabe, Bildung, Kultur und Wissenschaft im sowjetisch kontrollierten Teil Deutschlands neu zu organisieren. Mit der Eingliederung des Rundfunks wurde das Medium jedoch nicht als unabhängige Informationsquelle verstanden, sondern als Instrument gesellschaftlicher Formung. Radio sollte nicht primär berichten, sondern erziehen.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit spielte der Rundfunk eine zentrale Rolle im Alltag der Bevölkerung. Zeitungen erschienen nur unregelmäßig, viele Druckereien waren zerstört, und zuverlässige Nachrichtenquellen waren rar. Das Radio wurde daher zum wichtigsten Kommunikationsmittel zwischen Verwaltung und Bevölkerung. Gerade deshalb maß die sowjetische Militäradministration dem Rundfunk eine besondere politische Bedeutung bei.
Programme wurden zunehmend darauf ausgerichtet, antifaschistische und sozialistische Inhalte zu vermitteln. Beiträge über demokratische Erneuerung, den Aufbau neuer gesellschaftlicher Strukturen und die Rolle der Arbeiterbewegung bestimmten das Programm. Unterhaltung, Kultur und Musik blieben zwar Bestandteil des Rundfunks, standen jedoch häufig im Kontext politischer Botschaften.
Die organisatorische Einbindung in die Volksbildungsverwaltung verdeutlichte den Anspruch, Medien als Teil eines umfassenden Erziehungsprojekts zu nutzen. Rundfunk wurde zum Werkzeug der politischen Neuorientierung – ein Medium, das nicht nur informieren, sondern die Denkweisen der Gesellschaft nachhaltig prägen sollte.
Damit begann bereits Ende 1945 jene Entwicklung, die später für das Mediensystem der DDR prägend wurde: eine enge Verbindung zwischen Staat, Ideologie und Rundfunk. Das Radio stand fortan weniger für journalistische Unabhängigkeit als für ein Medium, das im Dienst politischer Zielsetzungen eingesetzt wurde.


Der Begriff „Fidschis“ gehört zu den bekanntesten Beispielen diskriminierender Alltagssprache im Zusammenhang mit der DDR und der Nachwendezeit. Seine Entstehung zeigt eine Mischung aus Unwissen und sprachlicher Abwertung. Obwohl sich die Bezeichnung vor allem auf Vertragsarbeiter aus Vietnam bezog, verweist das Wort ursprünglich auf die Fidschi-Inseln im Südpazifik – eine Region, die geografisch und kulturell keinerlei Verbindung zu den betroffenen Menschen hatte.
November 1900 – Burgau bei Jena
1900 (Oktober) – Engelplatz, Jena


1957 markierte einen drastischen Einschnitt im DDR-Jugendstrafvollzug. Nach Unruhen wurden pädagogische Experimente beendet und durch strenge Disziplinarmaßnahmen ersetzt.
Der Wonnemonat Mai des Jahres 1900 präsentierte sich in Jena als eine faszinierende Mischung aus neu gewonnener internationaler Anbindung und einer tiefen, romantischen Rückbesinnung auf die heimatliche Natur. Gleich am 1. Mai erlebte die Infrastruktur der Stadt einen enormen Bedeutungszuwachs: Der Saalbahnhof, idyllisch im Osten der Stadt gelegen, wurde offiziell zum regulären Haltepunkt für die prestigeträchtigen und schnellen Fernzüge auf der Nord-Süd-Magistrale zwischen der Reichshauptstadt Berlin und der bayerischen Metropole München (mit direkter Weiterführung bis nach Rom) erhoben.
Der Diskurs über die ostdeutsche Industriekultur gewinnt zusehends an Relevanz. Netzwerke bieten Räume, um historische Brüche und Perspektiven sachlich zu beleuchten. Historische Schnittstellen wie das an der einstigen Systemgrenze gelegene Technikmuseum Berlin dienen dabei als wichtige Vermittler für einen fundierten, gesamtdeutschen und aufarbeitenden Dialog.
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit der systematischen Etablierung hegemonialer Strukturen. Am 3. und 4. Juli 1945 erfolgte die Gründung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung. Dies war ein strategischer Schritt der Kommunisten, um die bürgerliche und intellektuelle Elite des Landes frühzeitig an sich zu binden und in den stalinistischen Staatsaufbau zu integrieren.
Ein grauer Morgen im Jahr 1953. In einem Gebäude in Dessau versammeln sich Jugendliche in einem Aufenthaltsraum. Stimmen werden laut, andere hören aufmerksam zu. Es wird diskutiert, abgewogen, manchmal auch gestritten. Anders als in vielen vergleichbaren Einrichtungen dieser Zeit soll hier nicht allein die Anweisung von oben gelten. Im neu gegründeten Jugendhaus Dessau wird ein pädagogisches Experiment versucht – eines, das innerhalb des frühen DDR-Strafvollzugs ungewöhnlich erscheint.