Vom Nutzen kommunaler Intelligenz für eine bunte Stadt Jena!

Das Gehirn ist organisiert wie ein soziales System. Ähnlich ist es in einer Stadt wie Jena. Es geht nicht um die Anzahl der Einwohner, sondern wie gut die Beziehungen untereinander sind. Gerald Hüther fordert uns auf, den entscheidenden Erfahrungsraum der Kommune wiederzubeleben und radikal umzudenken: „Wir brauchen eine neue Beziehungskultur. Denn nur durch Erfahrungen in der Gemeinschaft lernt der junge Mensch, wie man sein Leben gestaltet und Verantwortung übernimmt.“

Kommunale Intelligenz bedeutet, den wahren Schatz der Kommune zu heben: die in die Gemeinschaft hineinwachsenden Kinder und Jugendlichen, deren Begabungen und Talente es zu entdecken und zu entfalten gilt. Wie die Potenzialentfaltung gelingen kann, verriet Gerald Hüther im Gespräch mit Holger Noltze bei der Körber-Stiftung.

Das Wichtigste für Kinder im 21. Jahrhundert ist das Erlernen der sozialen Kompetenz. Früher passierte dies vor allem noch in der Familie, und auch heute noch sind Kinder auf Verdeih und Verderb den „schrulligen Eltern“ ausgeliefert, so Hüther. Das muss sich ändern. Wir brauchen mehr Nachbarschaftsabkommen – wir brauchen eine andere Beziehungskultur. Dies müsse aber freiwillig passieren, nicht im Zwang von Kindergarten oder Schule. Die notwendigen Prozesse werden von unten aus gehen, jeder Einzelne muss sich hinterfragen und selber handeln.

Es geht um einen generellen Kulturwandlungsprozess. Politik kann und darf die Prozesse nur moderieren und dazu einladen. Wenn eben Angriff und Flucht nicht mehr funktionieren, dann kommt das raus, was wir gerade in der Gesellschaft erleben – Ohnmacht! Wenn man aber dort raus will, geht das nicht mit noch mehr Druck, sondern nur mit Vertrauen und dem Gefühl.“Du bist nicht allein!“ Wenn Jena eine wirkliche Zukunft haben will, dann muss es sich ändern! Schon in der Kommune muss man nach den Talenten gucken und diese auch fördern. Hüther bringt im Vortrag Bertelsmann als Beispiel: Bertelsmann gibt Geld, es werden damit Programme geschaffen, die dann, sobald das Geld weg ist, wieder in sich zusammenbrechen. Das ist nach Hüther wie „Entwicklungshilfe in der Dritten Welt“.

Seiner Meinung nach sollte man mit dem Geld Erfahrungsräume schaffen, wo man sich frei und ungebunden entfalten, entwickeln und vor allem ausprobieren kann. Wir brauchen Programme, die nicht auf das Ziel ausgerichtet sind, sondern auf den Prozess. Die Verwaltung von Menschen ist alt und macht alt. Menschen müssen auch die Mitgestalter des Verwaltungsaktes werden. Kinder können auch nicht laufen lernen, ohne hinzufallen. In einer Kommune kann jeder einem anderen die Tür aufhalten.

Wir müssen wieder die Begegnung qualifizieren. Wir müssen gemeinsam den Kleinen das Fliegen lernen. Wir brauchen wieder das Gefühl, dass was geht. Jeder Mensch kann ein Gestalter sein, und der Geist einer Gemeinschaft muss jederzeit und überall genährt werden. Die Lernenden selbst sind die besten Experten dafür, wie gutes Lernen in echten Lebenswelten stattfinden muss. Es ist die Kommunale Intelligenz, die wir benötigen, entdecken und befördern müssen. Wahre Netzwerke zwischen Menschen und ihren Beziehungen auch in der Politik sind für Jena nötig.

Keine Verwaltungsgemeinschaften, die sich an das System klammern, um seine Existenz zu rechtfertigen. Es ist letztendlich nicht das Geld was uns zusammenhält, sondern wahre und ehrliche Beziehungen und Freundschaften untereinander. Dafür lohnt es sich an einem Jena von Morgen zu arbeiten. Aber man darf auch die Region nicht vergessen und endlich ernst nehmen. Sie hat es verdient. Alle sind eingeladen dabei mitzumachen, weil es einfach Spaß macht. Die Zeit der Einzelkämpfer auf der Erde ist eigentlich vorbei. Das große Kunststück ist es nun, dass jeder das Gefühl hat, sich persönlich mit seinen Fähigkeiten einzubringen und trotzdem zu einer Gemeinschaft dazuzugehören. Und letztendlich ist es in einer Kommune eine politische Frage, wie man dies gemeinsam entwickeln, gestalten und ausprobieren kann.

Das ist die Politik, die wir in Jena brauchen, nicht der Streit um Geld und die um Ressourcen. Es ist der Diskurs, wo wir eigentlich zusammen hinwollen! Ob wir es noch schaffen, nicht gegeneinander, sondern miteinander die Dinge, die uns alle betreffen, anzugehen? Daran darf man nie zweifeln, denn sonst werden wir es auch nicht schaffen!

In einer Kommune brauchen wir keine virtuellen Gemeinschaften, sondern Gemeinschaften in der realen Welt! Politik und Verwaltung muss uns die Dinge, die passieren, besser erklären, damit wir sie verstehen. Es geht darum, Wege zu finden, wie alle interessierten Bürger besser mitmachen und an Entscheidungen besser beteiligt werden können! Dieser Weg ist nicht alternativlos, aber es wäre ein Anfang! Demokratie muß endlich weitergedacht und wieder gelebt werden können.

Silvester in der DDR: Von der Kunst des Organisierens und privaten Ritualen

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Der Geruch von siedendem Essigwasser und das Heulen des RG28-Handrührgeräts gehören für eine ganze Generation fest zum akustischen und olfaktorischen Gedächtnis des 31. Dezember. Wer sich an die Silvesternächte in der DDR erinnert, denkt oft weniger an große Partys als an die intensive Arbeit, die ihnen vorausging. Es war eine Zeit, in der der Begriff „Einkaufen“ durch „Organisieren“ ersetzt wurde. Wochenlang wurden Tauschgeschäfte eingefädelt, Beziehungen reaktiviert und Warteschlangen analysiert, nur um sicherzustellen, dass eine Dose Ananas oder eine Flasche echter Weinbrand auf dem Tisch stehen konnte. Diese Vorbereitungsphase glich einer logistischen Meisterleistung, die den eigentlichen Abend oft an Spannung übertraf. In den standardisierten Küchen der Republik verwandelte sich der Mangel dann in Kreativität. Der Karpfen, der noch Tage zuvor in der heimischen Badewanne seine Runden gedreht hatte, wurde zum Zentrum eines Festmahls, das Weltläufigkeit simulieren sollte. Man improvisierte, streckte Zutaten und dekorierte das kalte Buffet mit einer Akribie, die den grauen Alltag vor dem Fenster Lügen strafte. Es war der Beweis, dass man sich das Schöne nicht nehmen ließ, egal wie eng die politischen und ökonomischen Grenzen gezogen waren. Wenn dann um Mitternacht in den Betonschluchten von Marzahn oder Halle-Neustadt das Feuerwerk losbrach, war dies oft mehr als nur Tradition. Der Lärmpegel in den Wohngebieten hatte etwas Kathartisches, ein kollektives Dampfablassen, das für kurze Zeit die strenge Reglementierung des öffentlichen Raums aufhob. Am nächsten Morgen, wenn der rote Tonbrei der Böller die Gehwege bedeckte und die Städte in eine bleierne Stille fielen, blieb das Gefühl zurück, dem System wieder einmal ein Stück privates Glück abgetrotzt zu haben. Die Erinnerung an diese Nächte erzählt von einer Gemeinschaft, die im Kleinen funktionierte, während das Große stagnierte. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Ökonomie des Silvesterabends in der DDR folgte keinen Markgesetzen, sondern den Regeln eines komplexen sozialen Tauschhandels. Offiziell waren die Regale gefüllt und die Versorgung gesichert, doch die Realität in den Wochen vor dem Jahreswechsel sah anders aus. Wer Besonderes wollte, brauchte Bückware. Die Jagd nach Zutaten für das Festbuffet war ein Indikator für den sozialen Status: Wer Beziehungen hatte, konnte genießen. Wer keine hatte, musste warten. Diese Dynamik prägte das gesellschaftliche Gefüge weit über den Feiertag hinaus und schuf Netzwerke, die oft stabiler waren als staatliche Strukturen. Der Abend selbst war ein Balanceakt zwischen Rückzug und Inszenierung. Während das Staatsfernsehen mit großem Budget eine glitzernde Welt simulierte, fand das eigentliche Leben in den Wohnzimmern statt. Hier, im Schutz der Familie und engster Freunde, entstand eine temporäre Nische der Offenheit. Man arrangierte sich mit den Umständen, indem man sie für eine Nacht ignorierte oder im Rausch der Rotkäppchen-Flaschen weglachte. Es war eine Kultur des "Trotzdem", die den Zusammenhalt in der Nische stärkte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Silvester in der DDR war das jährliche Hochamt der Improvisation, bei dem aus Mangel und Kreativität ein Gefühl von Fülle erzeugt wurde. Es ging nicht nur darum, satt zu werden, sondern darum, Normalität und Würde zu wahren. Ob durch den West-Kaffee auf der Anrichte oder die selbstgemachte Mayonnaise im Salat – jedes Detail auf dem Tisch war ein kleiner Sieg über die Unzulänglichkeit der Planwirtschaft. In dieser einen Nacht verschwammen die Grenzen. Der Lärm der Feuerwerkskörper übertönte die Stille des Landes, und in den Wohnzimmern schuf man sich eine Realität, die heller und bunter war als der Alltag, der am nächsten Morgen unverändert wartete.